völlige Unterwerfung derselben zur Folge. Durch
Grenzstreitigkeiten entstanden die Kriege mit Messenien (s. d.),
die mit der Unterjochung dieses Landes endigten. Langwierige Kriege
hatte S. mit Arkadien zu führen. Erst um 600 v. Chr. gewannen
die Spartaner die Oberhand und zwangen Tegea zur Anerkennung ihrer
Hegemonie, die sich damals bereits über den größten
Teil des Peloponnesos erstreckte. Die Olympischen Spiele waren das
gemeinschaftliche Fest der unter Spartas Oberhoheit vereinigten
Staaten. Mit Klugheit und Umsicht waren die Spartaner darauf
bedacht, durch Erhaltung der alten staatlichen Ordnungen in den
Nachbarländern, namentlich durch Bekämpfung der Tyrannis,
ihren politischen Einfluß zu befestigen, und wurden hierbei
von der delphischen Priesterschaft unterstützt. Beim Beginn
der Perserkriege scharte sich ganz Griechenland um die Spartaner,
welche den Oberbefehl führten, aber sich in denselben wenig
Ruhm erwarben; aus Eifersucht auf Athen nahm S. am Kampf bei
Marathon nicht teil, und nur gezwungen schlug es die Schlacht bei
Salamis; sein Glanzpunkt war die Aufopferung des Leonidas und
seiner Dreihundert bei den Thermopylen. Die Fortführung des
Kampfes in größerm Maßstab und die Gründung
eines großen hellenischen Gemeinwesens unter spartanischer
Hegemonie vertrug sich nicht mit der auf strenge Abgeschlossenheit
berechneten Verfassung Spartas. So überließ es, wenn
auch von Neid erfüllt, die Führung der Griechen im
Seekrieg den kühnern thatkräftigern Athenern, zumal es
von innern Erschütterungen heimgesucht wurde. Einen Aufstand
der Arkadier und der mit diesen verbündeten Argiver
dämpfte S. zwar glücklich; aber ein Aufstand der
Messenier (464-455) lähmte des Staats Kraft im Innern und
zwang ihn sogar, bei Athen Hilfe zu suchen. Als S. ein Hilfskorps,
welches Kimon von Athen 461 zuführte, schimpflich
zurückschickte, entstand offener Bruch zwischen beiden
Staaten. Um den Athenern im Norden ein Gegengewicht zu beschaffen,
stellte S. durch den Sieg bei Tanagra 457 Thebens Hegemonie in
Böotien her. Die Schlacht bei Önophyta vernichtete aber
diese wieder, und 450 ward unter dem Einfluß friedfertig
gesinnter Staatsmänner ein fünfjähriger
Waffenstillstand und 445 ein 30jähriger Friede zwischen Athen
und S. geschlossen, in welchem beide Staaten sich den Besitz ihrer
Hegemonie garantierten. Der tiefer liegende Gegensatz jedoch
zwischen dem ionischen und dem dorischen, dem demokratischen und
aristokratischen Element sowie der Neid der auf Athens Macht und
Blüte eifersüchtigen Verbündeten Spartas, namentlich
Korinths und Thebens, ließen es zu keiner dauernden
Versöhnung kommen, und im Peloponnesischen Krieg (431-404)
fand der schroffe Gegensatz seinen Ausdruck. S. ging aus demselben
als Sieger und scheinbar mächtiger hervor, als es je zuvor
gewesen war. Alle frühern Bundesgenossen Athens waren ihm
zugefallen; aber im Innern geschwächt und durch Beseitigung
weiser Gesetze der Grundlagen seiner Verfassung beraubt, verstand
es nicht, den gewonnenen Besitz mit Mäßigung und
Klugheit zu behaupten. Gewalt und Treulosigkeit waren die
Grundsätze der Politik eines Lysandros und Agesilaos.
Überall wurden unter Spartas bewaffnetem Schutz oligarchische
Verfassungen eingerichtet, die feindlichen Parteien mit blutiger
Gewalt unterdrückt. Ein Hauptziel der spartanischen Politik
war die Wiedergewinnung der kleinasiatischen Küste, welche im
Peloponnesischen Krieg den Persern preisgegeben worden war. Deshalb
unterstützten die Spartaner den jüngern Kyros gegen
Artaxerxes und sandten 399 Thimbron, dann Derkyllidas und zuletzt
Agesilaos mit Heeresmacht nach Kleinasien. Aber die glänzenden
Erfolge des letztern vermochten nicht, die Stellung Spartas im
Mutterland zu sichern. Auf Anstiften der Perser verbündeten
sich Athen, Theben, Korinth, Argos u. a. gegen S., und es entstand
395 der sogen. Korinthische Krieg (s. d.), den S. durch den mit
Persien vereinbarten Antalkidischen Frieden (387) beendete. Es gab
die kleinasiatischen Griechen den Barbaren preis und hoffte, durch
das Verbot aller Bünde zwischen griechischen Staaten seine
Herrschaft dauernd zu begründen. Es zwang Theben, seine
Städte freizugeben, Argos, seine Besatzung aus Korinth
zurückzuziehen, und schaltete im Peloponnes als
unumschränkter Herr. Die Besetzung der Kadmeia in Theben (382)
führte jedoch den Sturz von Spartas unwürdiger
Gewaltherrschaft herbei. Theben erkämpfte sich 379 seine
Freiheit und die Hegemonie über Böotien wieder. In dem
Kampf, den S. nunmehr gegen Athen und Theben unternahm, verlor es
an ersteres seine Herrschaft zur See, und die Schlacht bei Leuktra
(371) erschütterte auch seine Macht zu Lande für immer.
Epameinondas verwüstete 369 Lakonien, vernichtete seine
Hegemonie über den Peloponnes, machte Messenien
selbständig und brachte so S. an den Rand des Verderbens, aus
dem es auch der Tod des Epameinondas nicht erretten konnte.
Die von Lykurg gegebene Verfassung war im Lauf der Zeit
untergraben worden, und der Verkehr mit dem üppigen Persien
und dem asiatischen Griechenland hatte verderbend auf die
einheimische Sitte eingewirkt. S. wurde eine der reichsten
Städte Griechenlands. Infolge der immerwährenden Kriege
sank aber die Zahl der männlichen Bevölkerung, und zur
Zeit des Aristoteles stellte es nicht viel über 1000 Hopliten.
Wenn dieser Stand der Bevölkerung von selbst die
Vermögensgleichheit aufheben mußte, so wurde diese
Störung noch mehr gefördert durch das Gesetz des Ephoren
Epitadeus, welches durch Schenkung oder Testament frei über
das Ackerlos zu verfügen gestattete. Die Verfassung ging
allmählich in eine engherzige, selbstsüchtige Oligarchie
über. Im Innern krank und seiner Bundesgenossen beraubt,
108
Sparta, Herzog von - Spartieren.
konnte sich S. seit der Schlacht bei Leuktra nie wieder zu
seinem frühern Einfluß erheben. Alexander d. Gr.
versagten sie zwar die Heeresfolge, aber König Agis II. machte
330 einen fruchtlosen Versuch, die makedonische Herrschaft zu
stürzen. Die Spartaner mußten sogar, um sich gegen neue
Angriffe des Demetrios (296) und des Pyrrhos (272) zu
schützen, ihre Stadt stark befestigen. Die Spartiaten
würdigten sich zu Mietlingen des Auslandes herab. Zur Zeit des
Königs Agis III. war ihre Zahl auf 700 geschmolzen. Die
schwindende Volkszahl und die überhandnehmende Sitte der
Mitgiften machten das Mißverhältnis im Besitz immer
größer. Agis' III. (244-240) Versuch, die Lykurgische
Verfassung wiederherzustellen, scheiterte. Kleomenes III. begann
nach seinem ruhmreichen Kriege gegen die Achäer 226 seine
Reformen mit dem Sturz der Ephoren und der Verbannung der
oligarchischen Gegner. Ohne weiteres Hindernis wurden die Schulden
getilgt, die Bürgerschaft durch Aufnahme von Periöken auf
4000 gebracht, die Ländereien unter sie neu verteilt und die
Lykurgische Zucht wieder eingeführt. Auch die Hegemonie im
Peloponnes und in Griechenland wollte Kleomenes seinem Vaterland
wieder erkämpfen, und schon war er nach der Eroberung von
Argos nahe daran, an die Spitze des Achäischen Bundes zu
treten, als Antigonos Doson, von Aratos herbeigerufen, 221 in der
Schlacht bei Sellasia die Macht des kaum verjüngten Staats
brach. S. mußte sich an Antigonos ergeben, der sofort die
Reformen wieder aufhob und das Ephorat wiederherstellte. Der Staat
trat dem Achäischen Bund bei, behielt aber im übrigen
seine Unabhängigkeit. In dem Usurpator Machanidas (211-207)
erhielt S. seinen ersten Tyrannen; er hob das Ephorat auf, trat als
unumschränkter Herr auf und machte sich an der Spitze seiner
Söldnerscharen im Peloponnes furchtbar, doch fiel er schon 207
gegen Philopömen bei Mantineia. Die Regierung seines
Nachfolgers Nabis (206-192) war eine fast ununterbrochene Reihe von
Kriegen und ein Gewebe von verräterischer Politik. Nach der
Ermordung des Nabis durch die Ätolier (192) gewann
Philopömen S. wieder für den Achäischen Bund, aber
der alte Haß der Spartaner gegen die Achäer blieb. Als
S. 188 vom Bund abfiel und sich unter römischen Schutz
stellte, rückte Philopömen vor S., ließ die
Häupter der Empörung hinrichten, die Mauern
niederreißen und die fremden Söldner sowie die von den
Tyrannen unter die Bürger aufgenommenen Heloten entfernen. S.
mußte nun achäische Einrichtungen annehmen. Rom sah zu,
wie sich die Achäer und Spartaner gegenseitig durch ihre
Streitigkeiten entkräfteten, bis der geeignete Zeitpunkt zum
Eingreifen gekommen war. Nach der Vernichtung des Achäischen
Bundes und der Unterwerfung von ganz Griechenland (146) teilte S.
das ziemlich leidliche Los der übrigen griechischen Staaten;
ja, es soll den Spartanern von den Römern besondere Ehre zu
teil geworden sein: sie blieben frei und leisteten keine andern als
Freundschaftsdienste. Unter den Kaisern nach Augustus blieb den
Lakedämoniern kaum noch ein Schatten von Freiheit. Die
Lykurgischen Einrichtungen bestanden noch bis ins 5. Jahrh. fort;
erst das Christentum verdrängte die letzten Reste derselben.
Vgl. Manso, Sparta (Leipz. 1800-1805, 3 Tle.); O. Müller, Die
Dorier (2. Aufl., Bresl. 1844, 2 Bde.); Lachmann, Die spartanische
Staatsverfassung in ihrer Entwickelung und ihrem Verfall (das.
1836); Trieber, Forschungen zur spartanischen Verfassungsgeschichte
(Berl. 1871); Gilbert, Studien zur altspartanischen Geschichte
(Götting. 1872); Busolt, Die Lakedämonier und ihre
Bundesgenossen (Leipz. 1878, Bd. 1); E. v. Stern, Geschichte der
spartanischen und thebanischen Hegemonie (Dorp. 1884);
Fleischanderl, Die spartanische Verfassung bei Xenophon (Leipz.
1888).
Sparta, Herzog von, Titel des griech. Kronprinzen
Konstantin (geb. 2. Aug. 1868), des ältesten Sohns des
Königs Georg von Hellas.
Spartacus, Anstifter des Sklavenkriegs und Führer in
demselben, 73-71 v. Chr., Thraker von Geburt, früher ein
freier Mann, ward römischer Sklave und kam in die
Gladiatorenschule zu Capua. Er entfloh 73 aus dieser mit etwa 70
Genossen, brachte am Vesuv einem Legaten des Prätors P.
Varinius eine völlige Niederlage bei, schlug noch zwei andre
Legaten und dann auch den Prätor selbst, worauf durch den
allgemeinen Zulauf von Sklaven sich bald ein Heer von mehr als
100,000 Mann um ihn sammelte. Mit diesen trat er 72 den Marsch nach
Norden an, um sie über die Alpen nach ihrer Heimat, Gallien
und Thrakien, zurückzuführen. Ein Teil des Heers, der
sich unter Führung des Crixus von ihm trennte, wurde am Berge
Garganus in Apulien geschlagen; er selbst aber brachte den beiden
Konsuln des Jahrs, Gnäus Lentulus und L. Gellius, die ihm den
Weg verlegen wollten, schwere Niederlagen bei und schlug auch den
Prokonsul Gajus Cassius bei Mutina. Nun wurde er aber von seinem
Heer, in dem die Beutelust von neuem erwachte, genötigt,
wieder nach Süden umzuwenden. In Rom aber beauftragte man 71
den Prätor M. Licinius Crassus mit Führung des Kriegs.
Diesem gelang es, S. in der Südwestspitze von Italien
einzuschließen; er bahnte sich zwar durch seine Tapferkeit
den Weg durch die feindlichen Linien, aber nun wurde ein Teil des
Heers, der sich wiederum von ihm getrennt hatte, geschlagen und
völlig aufgerieben, und er selbst ward von seinen Leuten wider
seinen Willen zur Schlacht gezwungen, in der er unterlag und tapfer
kämpfend fiel; 60,000 Sklaven sollen darin getötet und
6000 Gefangene auf der Straße zwischen Capua und Rom
gekreuzigt worden sein. Pompejus, von Spanien zurückkehrend,
vertilgte den letzten Rest der Sklaven.
Spartel, Kap (Cabo Espartel, Râs Ischberdil),
Vorgebirge an der Küste Marokkos, am Westeingang der
Straße von Gibraltar, 314 m hoch, bildet die Nordwestspitze
von Afrika. Es ist das Cotes promontorium der Alten.
Sparten ("die Gesäeten"), im griech. Mythus die aus
den von Kadmos gesäeten Drachenzähnen entsprossenen
geharnischten Männer und ihre Nachkommen (s. Kadmos); auch
dichterischer Name für die gesamten Thebaner.
Sparterie (franz.), Flechtwerk, s. Geflechte.
Sparti (Neu-Sparta), Hauptstadt des griech. Nomos
Lakonia, 1836 auf der Stelle von Alt-Sparta durch
Übersiedelung der Bewohner von Misthra (s. d.) gegründet,
Sitz eines Erzbischofs, mit einem Gymnasium, kleinem
Altertümermuseum, regelmäßigen Straßen und
gleichförmigen, dem Klima wenig angemessenen, meist
zerstreuten Häusern, schön, aber ungesund gelegen. S.
hatte 1879 mit dem Nachbardorf Psychiko zusammen 3595 Einw.
Spartianus, Älius, einer der Scriptores historiae
Augustae (s. d.), lebte gegen Ende des 3. Jahrh. n. Chr. unter
Diokletian, Verfasser der Biographien der Kaiser Hadrian, Verus,
Julian, Septimius Severus, Pescennius Niger, Caracalla und
Geta.
Spartiaten, die dorischen Vollbürger in Sparta.
Spartieren (ital.), das Umschreiben der in Stim-
109
Spartium - Spateisenstein.
men gedruckten oder geschriebenen ältern Kompositionen in
moderne Partitur (spartito).
Spartium L. (Besenginster, Pfriemen), Gattung aus der
Familie der Papilionaceen, Sträucher mit langen,
rutenförmigen, eckig gefurchten Ästen, wenig zahlreichen
gedreiten, am obern Teil auch einfachen Blättern und
gestielten Blüten in Trauben oder Ähren. S. scoparium L.
(Sarothamnus vulgaris Wimm., Besenpfriemen, Besenkraut), ein 3 m
hoher Strauch, bisweilen mit echtem Stamm, ziemlich gerade
aufsteigenden, grünen Ästen, kleinen, rundlichen,
behaarten Blättchen, goldgelben Blüten in Trauben und
schwärzlichen Hülsen, in Mitteleuropa, liefert in den
Ästen Material zu Besen; auch hat man die Blüten zum
Färben und die Knospen als Kapernsurrogat benutzt. Er gedeiht
vortrefflich auf sandigem, schlechtem Boden und wird auf solchem
bisweilen als Futterpflanze, zu forstlichen Zwecken und als Hecke
angepflanzt; anderseits wird er im Forstbetrieb auch ein
lästiges Unkraut. Mehrere Varietäten kultiviert man als
Ziersträucher. Ein in der Pflanze enthaltenes Alkaloid,
Spartein, wird bei Herzschwäche und organischen Herzfehlern
wie Digitalis benutzt. S. junceum L. (Sparthiantus junceus Lk.,
wohlriechende Pfriemen, Binsenpfriemen, spanischer Ginster), ein
hoher Strauch mit wenigen einfachen, sehr schmalen Blättern,
gelben, wohlriechenden Blüten in schlaffer Ähre und
langen, schmalen Hülsen, in den Mittelmeerländern,
liefert in den zähen, biegsamen Ästen Material zu
Flechtwerk, außerdem Bastfasern zu Geweben. Als Zierstrauch
hält er bei uns nur schwierig aus. Schon im Altertum wurde
diese Pflanze zu Schiffsseilen, Decken, Schuhen benutzt, auch die
Faser zu Geweben verarbeitet.
Spartivénto, Kap (im Altertum Herculis
promontorium), die Südspitze des italienischen Festlandes im
Ionischen Meer; zwischen hier und Melito landete Garibaldi 25. Aug.
1862.
Sparto, s. Esparto.
Spasimo di Sicilia (ital.), die nach dem Kloster Santa
Maria dello Spasimo in Palermo benannte, jetzt im Museum zu Madrid
befindliche Kreuztragung Christi von Raffael (s. d., S. 551).
Spask, 1) Kreisstadt im russ. Gouvernement Rjäsan,
am Spaskischen See im Thal der Oka, ein armer Ort mit (1885) 4383
Einw. -
2) Kreisstadt im russ. Gouvernement Kasan, an der Besdna
(Nebenfluß der Wolga), mit Getreidehandel und (1885) 3227
Einw. -
3) Kreisstadt im russ. Gouvernement Tambow, am Stadenez, hat
einige Fabrikthätigkeit, Handel mit Getreide, Hanf, Flachs,
Leinsaat, Pottasche, Borsten, Wolle und Leder (nach Moskau, Rybinsk
und Rostow) und (1885) 5484 Einw.
Spasmus (griech.), Krampf; daher spasmodisch, spastisch,
s. v. w. krampfhaft.
Spasowicz (spr. -witsch), Wladimir, poln.
Litterarhistoriker, geb. 16. Jan. 1829 zu Rzeczyca (Gouvernement
Minsk), studierte in Petersburg die Rechte, war bis 1862 Professor
des Strafrechts an der dortigen Universität, dann Dozent an
der Rechtsschule daselbst. Infolge seines "Lehrbuchs des
Kriminalrechts" (Petersb. 1863, russ.) verlor er jedoch diese
Stelle und wirkt seit 1866 als namhafter Advokat in Petersburg,
besonders bekannt durch sein Auftreten als Verteidiger in den
Hochverrats- und Nihilistenprozessen. S. ist seit 1876 Herausgeber
der in Warschau erscheinenden Monatsschrift "Ateneum",
verfaßte in der "Geschichte der slawischen Litteraturen" von
Pipin den die polnische Litteratur betreffenden Teil (deutsch,
Leipz. 1883) und schrieb zahlreiche Monographien über dieses
Fach. S. gilt als das Haupt einer Partei, welche eine
polnisch-russische Verständigung auf liberaler Grundlage
anstrebt; dafür wirbt er namentlich, allerdings mit geringem
Erfolg, in der 1883 von ihm begründeten polnischen
Wochenschrift "Kraj", die in Petersburg erscheint.
Spat, alte bergmännische Bezeichnung für
Mineralien mit deutlicher Spaltbarkeit.
Spat (Spath), chronische Gelenkentzündung mit
Knochenauflagerung (Exostose, Spaterhöhung) an der innern
Seite des Sprunggelenks und zwar an den beiden untern
Artikulationen desselben. Bei vielen Pferden entsteht der S. als
eine unbedeutende Abnormität, welche den Gebrauch nicht
beeinträchtigt. Oft aber bedingt derselbe eine Lahmheit, wobei
der leidende Schenkel schneller und etwas zuckend gehoben, weniger
weit nach vorn und nicht so fest aufgesetzt wird. Dieser abnorme
Gang wird bei fortgesetzter Bewegung weniger merklich, tritt aber,
nachdem das Pferd einige Zeit ruhig gestanden, sofort wieder
hervor. Nach und nach steigert sich das Lahmgehen, das Tier tritt
bei beginnender Bewegung nur mit der Spitze des Hufs auf und hinkt
oft die ersten Schritte auf drei Beinen. Manchmal läßt
dieses Lahmgehen nach Jahresfrist von selbst nach und hört
wohl auch ganz auf, doch nicht, ohne eine gewisse Steifigkeit im
Sprunggelenk zu hinterlassen. Der Knochenauswuchs entwickelt sich
zuweilen erst einige Wochen nach Beginn des Lahmgehens. An der
innern Sprunggelenkfläche, nahe dem Schienbein, als kleine,
kaum bemerkbare Erhöhung sitzend, nimmt er nach und nach an
Umfang und Höhe zu, und zwar fühlt er sich, als mit dem
Knochen in Verbindung stehend, hart an. Bei einigen Pferden beginnt
der S. mit einer intensiven Entzündung der Gelenkkapsel, so
daß die Tiere eine Zeitlang noch keine Spaterhöhung,
wohl aber die Symptome der Spatlahmheit bekunden (unsichtbarer S.).
Bei längerer Dauer des Lahmgehens tritt oben am Schenkel in
der Regel Schwund ein. Der S. entwickelt sich vorzugsweise bei
jungen Tieren zwischen dem 3. und 6. Jahr, selten später, und
zwar besonders infolge von übermäßigen
Anstrengungen. Schwäche der Sprunggelenke disponiert dazu.
Vollständige Heilung ist insofern nicht möglich, als sich
die zerstörte Gelenkfläche nicht wiederherstellen und die
vorhandene Knochenauflagerung nicht beseitigen läßt. Nur
dem Lahmgehen kann abgeholfen werden und zwar durch Anwendung eines
scharfen Pflasters oder des Brenneisens, vorzugsweise aber durch
die Operation des Spatschnitts; nach jeder Behandlung muß dem
Tier ununterbrochene mehrwöchentliche Ruhe gegönnt
werden. Vgl. Dieckerhoff, Pathologie und Therapie des S. (Berl.
1875).
Spataugenkalk, s. Kreideformation, S. 183.
Spateisenstein (Eisenspat, Siderit, vulgär:
Stahlstein, Flinz), Mineral aus der Ordnung der Carbonate,
kristallisiert rhomboedrisch, oft mit sattelförmig oder
linsenartig gekrümmten Flächen (s. Tafel "Mineralien und
Gesteine", Fig. 3), findet sich häufig derb in klein- und
großkörnigen Aggregaten, selten in kleintraubigen und
nierenförmigen Gestalten (Sphärosiderit), häufig in
dichten und feinkörnigen, thonhaltigen Varietäten, welche
teils in runden oder ellipsoidischen Nieren, teils in stetig
fortsetzenden Lagen und zuweilen rogensteinähnlich ausgebildet
sind (thoniger Sphärosiderit). Er ist durchscheinend,
gelblichgrau bis erbsengelb, mit Glas- bis Perlmutterglanz,
während die Zersetzung, namentlich die sehr gewöhnliche
Umwandlung in Brauneisenstein, dunklere Farbennüancen und
Undurchsichtigkeit erzeugt
110
Spatel - Specht.
(Blau-, Braunerz). Härte 3,5-4,5, spez. Gew. 3,7-3,9. S.
ist wesentlich kohlensaures Eisenoxydul FeCO3 mit 48,3 Proz. Eisen,
enthält aber ganz gewöhnlich Mangan, Magnesium, Calcium
und Zink nicht sowohl als Verunreinigungen wie als isomorphe
Beimischungen, durch welche Übergänge zu den mit S.
isomorphen Mineralspezies Manganspat, Magnesit, Kalkspat und
Zinkspat gebildet werden. Solche Mittelspezies sind: Oligonspat
(mit bis 20 Proz. Mangan), Sideroplesit (mit 6-7 Proz. Magnesium),
Pistomesit (mit 12 Proz. Magnesium), Zinkeisenspat (mit 14-20 Proz.
Zink). Kommt im thonigen Sphärosiderit außer Thon noch
Kohle hinzu (Kohleneisenstein, Blackband der Engländer), so
entstehen schwarze, glanzlose, gewöhnlich dickschieferige
Massen mit 35-78 Proz. Eisencarbonat. Der Verwitterung zu
Eisenhydroxyd ist der S. so leicht ausgesetzt, daß
gewiß viele Brauneisensteine auf diesem Weg entstanden sind,
wie denn sehr häufig das Ausgehende von
Spateisensteingängen als den Atmosphärilien
zugänglich in Brauneisenstein umgewandelt ist. S. bildet
Gänge, Nester und Lager in verschiedenen Formationen; der
(echte) Sphärosiderit tritt als Zersetzungsprodukt in
Hohlräumen basaltischer Gesteine, der thonige S. in
Flözen, meist der Steinkohlenformation, dem Rotliegenden oder
der Braunkohlenformation angehörig, auf. Hauptfundorte
für kristallisierten und derben S. sind: Lobenstein im
Reußischen, Freiberg in Sachsen, Klausthal am Harz,
Müsen bei Siegen, Eisenerz in Steiermark, Hüttenberg in
Kärnten; des Sphärosiderits: Steinheim bei Hanau und
Dransberg bei Göttingen; des thonigen Spateisensteins und des
Kohleneisensteins: Westfalen, Banat, England und Schottland. Alle
Varietäten des Spateisensteins (mit Ausnahme des nur in
kleinen Mengen vorkommenden echten Sphärosiderits) sind
höchst wichtige Eisenerze; sie sind das Haupterz in
Steiermark, bei Müsen etc.; thonige Sphärosiderite und
namentlich Kohleneisensteine, für welche die enge
Verknüpfung mit dem zur metallurgischen Verwendung notwendigen
Brennmaterial besonders günstig ins Gewicht fällt, werden
in Westfalen, Belgien, England, Schottland verhüttet.
Spatel (Spachtel, franz. Amassette), ein kleiner Spaten;
ein messerklingenartiges, vorn abgestumpftes Werkzeug zum
Umrühren von Flüssigkeiten, zum Streichen von Pflastern,
zum Verkitten von Fugen etc.; auch Malerinstrument, womit die
Farben auf dem Mahlstein oder auf der Palette zusammengescharrt und
gemischt, auch bisweilen zur Erzielung einer pastosen Wirkung
direkt auf die Leinwand aufgetragen werden.
Spatenkultur, die Bearbeitung des Bodens mit dem Spaten,
der Grabgabel oder Haue, besonders gebräuchlich im Garten,
aber auch auf dem Acker (Feldgärtnerei), wo sie höhern
Ertrag gewährt als die Bearbeitung mit dem Pflug, aber auch
mehr Zeit und Kraft in Anspruch nimmt und daher nur da vorteilhaft
ist, wo der Bauer mit seiner Familie die Feldarbeit allein zu
bewältigen vermag, bei großer Ertragsfähigkeit des
Bodens oder bei hohem Preis der Bodenprodukte. In
größern Wirtschaften wird S. nur ausnahmsweise, z. B.
beim Möhrenbau, angewandt.
Spatenrecht (Spaderecht, Spatelandsrecht, Jus
ligonarium), s. Deich, S. 622.
Spätgang, der Gang des Wildes gegen Morgen über
den gefallenen Tau.
Spätgeburt, eine Geburt, resp. ein Kind, welches
nach dem Ablauf der gewöhnlichen Schwangerschaftsdauer, d. h.
nach 280 Tagen, vom Tag der Befruchtung an gerechnet, geboren wird.
Nach den vorliegenden Beobachtungen kann die S. bis vier Wochen
nach dem normalen Termin erfolgen, ist jedoch ziemlich selten. Die
S. gilt im Todesfall des Erzeugers unter Umständen nach
römischem Recht nicht als ehelich; doch ist diese Regel nur
eine Praesumtio juris und läßt Gegenbeweis zu, der durch
ärztliches Gutachten zu begründen sein wird.
Spatha (griech.), s. v. w. Blütenscheide, s.
Blütenstand, S. 79.
Spatha (lat.), eine Art Schwert (s. d.).
Spatium (lat.), Raum, Zwischenraum; auch s. v. w. Frist,
z. B. S. deliberandi, Bedenkzeit. In der Buchdruckerei heißen
Spatien die feinsten Ausschließungen (s. Buchdruckerkunst, S.
558); in der Musik der Raum zwischen den einzelnen Linien des
Notenliniensystems.
Spatula, s. Enten, S.671.
Spatz, s. Sperling.