Speiche, Teil eines Rades, s. Rad; in der Anatomie einer

der Unterarmknochen, s. Arm.

Speichel (Saliva), das Sekret der Speicheldrüsen (s.

d.). Der S. reagiert alkalisch und enthält durchschnittlich

0,5 Proz. feste Bestandteile. Unter den letztern sind

hervorzuheben: Mucin, Eiweißstoffe und ein diastatisches

Ferment, das Ptyalin (Speichelstoff), welches Stärkemehl in

Zucker überführt. Er ist in den Speicheldrüsen oder

deren Ausführungsgängen nicht frei enthalten, sondern

entsteht erst aus einer von den Speicheldrüsen gelieferten

Muttersubstanz bei Zutritt der Luft. Die Speichelabsonderung

erfolgt nur, wenn die an die Speicheldrüsen tretenden Fasern

des sympathischen Nervs und des Angesichtsnervs direkt oder

reflektorisch gereizt werden. Je nach den Drüsen, welche den

S. liefern, unterscheidet man Parotidenspeichel,

Submaxillarspeichel und Sublingualspeichel. In der Mundhöhle

findet sich ein Gemisch dieser verschiedenen Speichelarten mit

Mundschleim vor; es wird als gemischter S. bezeichnet. Mit der

Speichelbildung gehen morphologische Veränderungen der

Drüsenzellen Hand in Hand; weiter ist mit ihr eine so

bedeutende Wärmebildung verknüpft, daß das mit

großer Heftigkeit der Drüse entströmende

venöse Blut nicht selten um 1-1,5°C. wärmer ist als

das Karotidenblut. Die in 24 Stunden abgesonderte Menge des

Speichels bei erwachsenen Menschen wird auf 1,5 kg geschätzt.

Eine zeitweise verstärkte Sekretion wird meist auf

reflektorischem Weg durch besondere Einflüsse hervorgerufen,

zunächst als Folge von Reizungen der Geschmacksnerven durch in

die Mundhöhle eingeführte Geschmacksstoffe, ferner als

Folge von Reizungen der Tastnerven der Mundhöhle, der

Geruchsnerven und Magennerven. Auch beim Kauen und Sprechen sowie

durch die dem Brechakt vorausgehenden heftigen Bewegungen der Mund-

und Schlundmuskeln wird die Speichelabsonderung vermehrt. Endlich

geschieht dies auch durch die Vorstellung von Speisen, besonders

bei Hungernden, sowie krankhafterweise durch gewisse Arzneimittel

etc. (s. Speichelfluß). Der S. löst die löslichen

Substanzen der Nahrungsmittel auf, mischt sich mit den trocknen

Speisen zu einem feuchten Brei und macht diese zum Abschlucken wie

für die Magenverdauung geeignet; endlich wirkt er durch seinen

Gehalt an Ptyalin verdauend auf die Kohlehydrate (s.

Verdauung).

Speichelbefördernde Mittel (Ptyalagoga, Salivantia),

Arzneimittel, welche eine vermehrte Speichelabsonderung bewirken.

Hierher gehören die Quecksilberpräparate, Gold, Jod,

Blei, Spießglanz, Kupfer, Arsenik, Chlormittel,

Königswasser und vor allem das Pilokarpin (s. Pilocarpus).

Speicheldrüsen (Glandulae salivales), die

drüsigen Organe zur Absonderung des Speichels (s. d.), also

sowohl Bauch- als Mundspeicheldrüsen, im engern Sinn

gewöhnlich nur die letztern. Diese liegen durchaus nicht immer

im oder am Mund, sondern bei niedern Tieren zuweilen weit nach

hinten in der Brust, ergießen jedoch ihre Absonderung stets

in den Mund oder wenigstens in den Anfang der Speiseröhre.

Manchmal sind sie zu mehreren Paaren vorhanden und haben dann auch

wohl zum Teil die Bestimmung als Giftdrüsen. Bei den

Vögeln und Säugetieren kann man, abgesehen von der

Bauchspeicheldrüse (s. d.), fast allgemein drei Gruppen von S.

unterscheiden: die Unterzungen-, Unterkiefer- und

Ohrspeicheldrüsen (s. d.). Doch fehlen sie den Walen

gänzlich, den Robben nahezu, sind dagegen bei Pflanzenfressern

am stärksten entwickelt. S. auch Tafel "Mundhöhle etc.",

Fig. 1.

Speicheldrüsenentzündung, s.

Ohrspeicheldrüsenentzündung.

Speichelfluß (Salivatio, Ptyalismus), krankhaft

vermehrte Absonderung des Speichels, kommt bei allen

Entzündungszuständen der Mundschleimhaut in mehr oder

minder hohem Grad vor, ferner bei Vorhandensein von

Geschwüren, namentlich Krebsen der Zunge und Wange, ganz

besonders aber nach übermäßiger Einführung von

Quecksilber in den Organismus. Am häufigsten werden solche

Menschen vom S. ergriffen, welche viel mit

Quecksilberpräparaten umzugehen haben und in einer mit

Quecksilberdämpfen geschwängerten Atmosphäre atmen

(z. B. die Bergleute in Quecksilberminen, die Arbeiter in

Spiegelfabriken). Auch die unvorsichtige und

übermäßige Anwendung von Quecksilberpräparaten

zu medizinischen Zwecken kann S. hervorrufen. S. wird ferner

erzeugt durch den Genuß einer Abkochung von

Jaborandiblättern oder des in denselben enthaltenen Alkaloids

Pilokarpin. S. wird herabgesetzt bei Entzündungs- und

Verschwärungszuständen durch fleißige

Ausspülung des Mundes mit desinfizierenden Wässern:

Lösung von chlorsaurem und übermangansaurem Kali u.

dgl.

Speichelstoff, s. Speichel.

Speichern (Spicheren), Pfarrdorf im deutschen Bezirk

Lothringen, Kreis Forbach, hat 880 Einw. Hier fand 6. Aug. 1870

eine Schlacht zwischen Deutschen und Franzosen statt. Nach dem

unbedeutenden Gefecht bei Saarbrücken 2. Aug. hatte das 2.

französische Korps (Frossard) auf den Höhen von S.,

südlich von Saarbrücken, ein Lager aufgeschlagen und die

natürliche Verteidigungsfähigkeit seiner Stellung noch

durch Schützengräben und Batterieeinschnitte

künstlich erhöht; namentlich der festungsartige Rote Berg

und das massive Dorf Stieringen-Wendel waren vortreffliche, kaum

angreifbare Stützpunkte der Stellung. Dennoch griffen die

Vortruppen der ersten und zweiten deutschen Armee, als sie 6. Aug.

die Saar überschritten, diese Stellung an, zuerst die Brigade

François von der 14. Division (Kameke), dann die 5., 13. und

16. Division; General v. François erstürmte den Roten

Berg mit dem 39. und 74. Regiment, fand dabei aber selbst den Tod.

Die brandenburgischen Regimenter der 5. Division eroberten die

waldigen Hänge rechts und links am Roten Berg, während

gleichzeitig Stieringen-Wendel den Franzosen entrissen wurde.

Hierauf trat Frossard, der vergeblich auf Hilfe, namentlich vom 3.

Korps (Bazaine), gewartet, den Rückzug nach Saargemünd

an.

115

Speidel - Speier.

Sein Verlust belief sich auf 320 Tote, 1660 Verwundete und 2100

Gefangene, zahlreiches Lagergerät und Armeevorräte. Die

Preußen verloren 850 Tote und 4000 Verwundete.

Speidel, Wilhelm, Klavierspieler und Komponist, geb. 3.

Sept. 1826 zu Ulm, erhielt seine Ausbildung am Münchener

Konservatorium, bereiste darauf als Virtuose alle

größern Städte Deutschlands, ward 1854

Musikdirektor in seiner Vaterstadt und drei Jahre später

Lehrer an dem von ihm mitbegründeten Konservatorium in

Stuttgart, in welcher Stellung er bis 1874 thätig war. Im

genannten Jahr begründete er ein eignes Musikinstitut, nahm

aber 1884 seine Thätigkeit am Konservatorium wieder auf.

Zugleich ist er seit 1857 Dirigent des Stuttgarter Liederkranzes.

Als Komponist hat sich S. durch zahlreiche Klavierwerke (Trios,

Sonaten, Charakterstücke), Lieder, Männer- und gemischte

Chöre sowie Orchestersachen vorteilhaft bekannt gemacht. -

Sein Bruder Ludwig, geb. 11. April 1830 zu Ulm, ist namhafter

Feuilletonist und Theaterkritiker an der "Neuen Freien Presse" in

Wien.

Speier (Speyer), ehemals reichsunmittelbares Bistum im

oberrheinischen Kreis, umfaßte 1542 qkm (28 QM.) mit 55,000

Einw. Der Bischof hatte ein Einkommen von 300,000 Gulden und im

Reichsfürstenrat auf der geistlichen Bank zwischen den

Bischöfen von Eichstätt und Straßburg seinen Sitz,

auf den oberrheinischen Kreistagen die zweite Stelle. Er war

Suffragan des Erzbistums Mainz. Der fränkische König

Dagobert I. soll zu Anfang des 7. Jahrh. das Bistum S. neu

errichtet haben, doch ist erst Bischof Principius zwischen 650 und

659 urkundlich beglaubigt. Durch den Revolutionskrieg kamen 661 qkm

(12 QM.) am linken Rheinufer an Frankreich, später an Bayern,

der Rest am rechten Ufer, mit der ehemaligen bischöflichen

Residenz Bruchsal, 1803 an Baden. Durch das Konkordat von 1817

wurde das Bistum wiederhergestellt und der Erzdiözese Bamberg

überwiesen; sein Sprengel erstreckt sich über die

bayrische Rheinpfalz. Vgl. Remling, Geschichte der Bischöfe zu

S. (Mainz 1852-54, 2 Bde. und 2 Bände "Urkundenbuch");

Derselbe, Neuere Geschichte der Bischöfe zu S. (Speier

1867).

Speier (Speyer), Hauptstadt des bayr. Regierungsbezirks

Pfalz und ehemalige freie Reichsstadt, an der Mündung des

Speierbachs in den Rhein, Knotenpunkt der Linien

Schifferstadt-Germersheim und S.-Heidelberg der Bayrischen

Staatsbahn, 105 m ü. M., hat breite, aber

unregelmäßige Hauptstraßen und trotz ihres hohen

Alters doch im allgemeinen nur wenige altertümliche

Gebäude. Das merkwürdigste unter denselben ist der Dom,

dessen Bau von Konrad II., dem Salier, 1030 begonnen und 1061 unter

Heinrich IV., der 1064 noch die Afrakapelle hinzufügte,

vollendet ward. Er ist im Rundbogenstil von roten Sandsteinquadern

aufgeführt, hat eine Länge von 147 m, eine Breite im

Querschiff von 60 m und 4 Türme. Das 12 Stufen über das

Schiff sich erhebende Königschor enthält die

Grabmäler von acht deutschen Kaisern (Konrad II., Heinrich

III., Heinrich IV. u. Heinrich V., Philipp von Schwaben, Rudolf von

Habsburg, Adolf von Nassau und Albrecht I.) und das der Bertha, der

Gemahlin Heinrichs IV., das der Beatrix, der zweiten Gemahlin

Friedrichs I., sowie ihrer Tochter Agnes. Das Innere schmücken

prachtvolle Fresken (32 große Kompositionen, 1845-54 von

Schraudolph ausgeführt). In der Vorhalle (Kaiserhalle) sind

seit 1858 die acht großen Standbilder der hier begrabenen

Kaiser aufgestellt (größtenteils von Fernkorn

ausgeführt). Die untere Kirche (Krypte) stützen massive

niedrige Säulen. In den Anlagen um den Dom sind der Domnapf,

welcher früher vor dem Dom stand und den bischöflichen

Immunitätsbezirk begrenzte, die Antikenhalle, ehemals eine

Sammlung römischer Altertümer bergend, der Ölberg

(eine mit eingemeißelten bildlichen Darstellungen der Leiden

Christi, Blätterwerk und anderm Zierat geschmückte

Steinmasse), das Heidentürmchen, dessen Unterbau

wahrscheinlich aus der Römerzeit stammt, die

Kolossalbüste des Professors Schwerd und die des frühern

Regierungspräsidenten v. Stengel hervorzuheben. Nachdem der

Dom schon 1159 und 1289 durch Feuersbrünste gelitten, wurde er

6. Mai 1540 von einem bedeutenden Brand heimgesucht, aber binnen 18

Monaten wiederhergestellt. Die ärgste Zerstörung

richteten indessen die Franzosen 31. Mai 1689 an: eine Feuersbrunst

zerstörte die drei westlichen Türme und das Gebäude

selbst bis auf die Umfassungsmauern, sogar die alten

Kaisergräber wurden aufgerissen und die Gebeine umhergestreut.

Erst in den Jahren 1772-84 ward der Dom wieder aufgebaut, aber

schon 1794 von den Franzosen abermals demoliert und in ein

Heumagazin verwandelt. Nachdem durch den König Maximilian I.

seine Herstellung erfolgt war, konnte er 19. Mai 1822 wieder

eingeweiht werden. Später wurden auch die westlichen

Türme mit dem Umbau und Neubau der Fassade wieder ersetzt und

der alte Kaiserdom wieder eingeweiht. Außer dem katholischen

Dom hat S. noch 2 evangelische und 2 kathol. Kirchen. Aus alter

Zeit stammen noch: das Altpörtel (Alta porta), bereits 1246

erwähnt, jetzt Stadtturm mit Uhr, und die Überreste eines

alten Judenbades sowie des Retschers, eines alten, wohl

bischöflichen Palastes, der 1689 mit der sogen. Neuen Kirche,

dem Gymnasium etc. zerstört wurde. Gegenwärtig wird der

Bau einer neuen Kirche (Retscher- oder Protestationskirche)

vorbereitet. Das alte Kaufhaus, ein prächtiger Bau und

früher das Haus der Münzer, ist im alten Stil

wiederhergestellt und um ein Stockwerk erhöht und enthält

jetzt das Oberpostamt. Die Einwohnerzahl betrug 1885 mit der

Garnison (3 Pionierkompanien Nr. 2) 16,064 (darunter ca. 8100

Katholiken, 7400 Evangelische und 532 Juden). Die Industrie

beschränkt sich auf Buntpapier-, Tabaks-, Zigarren-, Leim-,

Zucker-, Bleizucker- und Essigfabrikation, Bierbrauerei, Gerberei,

Ziegelsteinbrennerei, Wein- und Tabaksbau, Schiffahrt etc. Der

lebhafte Handel wird unterstützt durch eine

Reichsbanknebenstelle, eine Filiale der Bayrischen Notenbank und

andre Geldinstitute. S. ist Sitz einer Kreisregierung, eines

Bezirksamtes, Amtsgerichts, Oberpostamtes, Forstamtes, eines

Bischofs, eines evangelischen Konsistoriums etc., hat ein

Gymnasium, eine Realschule, ein Lehrerseminar, eine

Präparandenschule, ein bischöfliches Klerikal- und ein

Knabenseminar, ein Waisenhaus, eine Erziehungsanstalt für

verwahrloste Kinder, eine Diakonissenanstalt etc. Ferner befinden

sich dort ein städtisches Museum, eine Bildergalerie, eine

Bibliothek und ein botanischer Garten mit Baumschule. - S. ist das

römische Noviomagus, die Stadt der Nemeter, und hieß

seit dem 7. Jahrh. Spira. Um 30 v. Chr. wurde die Stadt

[Abb.: Wappen von Speier.]

116

Speierbach - Speiseröhre.

von den Römern erobert und befestigt. Von den Alemannen zu

Ende des 3. und Anfang des 4. Jahrh. mehrmals zerstört, wurde

sie von den Kaisern Konstantin und Julian wiederhergestellt, hatte

aber im 5. Jahrh. von den Einfällen der Vandalen und Hunnen

wieder viel zu leiden. Im 6. Jahrh. ging die Stadt an die Franken,

843 an das ostfränkische Reich über. Neben dem

bischöflichen Schultheißen, dem die niedere

Gerichtsbarkeit zustand, hatte hier bis 1146 ein königlicher

Burggraf seinen Sitz. Damals ging auch dies Amt auf den Bischof

über, bis es zu Anfang des 13. Jahrh. wieder von der Stadt

erworben wurde, was dann zu langwierigen Streitigkeiten mit dem

Bischof führte. Nachdem schon Heinrich V. eine Ratsverfassung

gegeben hatte, welche Philipp von Schwaben 1198 bestätigte,

schwang sich S. im 13. Jahrh. zur freien Reichsstadt empor, erwarb

jedoch kein Gebiet und zählte im 14. Jahrh. kaum 30,000 Einw.

Als Sitz des Reichskammergerichts, das 1513 nach S. kam und, nur

zeitweilig verlegt, bis 1689 hier seinen Sitz hatte, erhielt die

Stadt großen Ruf. Als Reichsstadt hatte sie unter den

Reichsstädten der rheinischen Bank den fünften Platz,

auch Sitz und Stimme auf den oberrheinischen Kreistagen. Unter den

Reichstagen, welche zu S. (meist in einem Gebäude des

Ratshofs) gehalten wurden, sind besonders die von 1526 (vgl.

Friedensburg, Der Reichstag zu S. 1526, Berl. 1887) und von 1529

wichtig, von denen der erste die Ausführung des Wormser Edikts

vertagte, der zweite die Einigung der Evangelischen zu einer

Protestationsschrift (daher "Protestanten") veranlaßte.

Städtetage haben 1346 und 1381 stattgefunden. Der Friede zu S.

1544 enthielt den Verzicht des Hauses Habsburg auf die Krone von

Dänemark-Norwegen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde

die Stadt 1632-35 abwechselnd von den Schweden, den Kaiserlichen

und den Franzosen erobert. Durch Kapitulation wurde sie 1688

wiederum an die Franzosen übergeben, die sie aber 1689 (im

Mai) beim Anrücken der Alliierten wieder räumten, nachdem

sie die Festungswerke geschleift und die Stadt zum Teil

niedergebrannt hatten. Anfang Oktober 1792 wurde die Stadt von den

Franzosen unter Custine eingenommen und gebrandschatzt. Von 1801

bis 1814 war S. die Hauptstadt des franz. Depart. Donnersberg,

wurde aber 1815 bayrisch. Vgl. Geissel, Der Kaiserdom zu S. (Mainz

1826-28, 3 Bde.); Zeuß, Die freie Reichsstadt S. vor ihrer

Zerstörung (Speier 1843); Remling, Der Speierer Dom (Mainz

1861); Derselbe, Der Retscher in S. (das. 1858); Weiß,

Geschichte der Stadt S. (Speier 1877); Hilgard, Urkunden zur

Geschichte der Stadt S. (Straßb. 1885).

Speierbach, Flüßchen im bayr. Regierungsbezirk

Pfalz, entspringt auf dem Oselkopf unweit Kaiserslautern und

fällt bei Speier in den Rhein. Hier im spanischen

Erbfolgekrieg Sieg der Franzosen unter Tallard über das zum

Entsatz von Landau ausgesandte niederländische Hilfskorps

unter dem Grafen von Nassau-Weilburg und dem Erbprinzen von Hessen

(15. Nov. 1703). Die Redensart: "Revanche für S." wird auf

letztern zurückgeführt, der damit Tallard

begrüßt haben soll, als dieser später nach der

Schlacht bei Höchstädt gefangen vor ihn geführt

wurde.

Speierling, s. Sorbus.

Speigatten, Löcher in der Schiffswand, durch welche

das Wasser vom Deck nach der See abfließen kann; auch die

Öffnungen in den Verbandteilen eines Schiffs, durch welche das

Leckwasser nach den Pumpen geleitet wird.

Speik, blauer, s. Primula.

Speischlange, s. Brillenschlange.

Speise, ein auf Hüttenwerken bei Schmelzprozessen

entstehendes, aus Arsen- und Antimonmetallen bestehendes Produkt

von weißer Farbe und größerer Dichtigkeit als

diejenige der Leche (s. Lech), unter welchen sich die S. bei

gleichzeitiger Entstehung beider Produkte absetzt. Zur

Speisebildung, d.h. zur Verbindung mit Arsen und Antimon, sind

besonders Nickel, Kobalt und Eisen geneigt; doch finden sich in den

Speisen auch Gold, Silber und Kupfer. Dieselben werden entweder

absichtlich erzeugt (Nickel- und Kobaltspeisen), oder sie fallen

als Nebenprodukte (Kupfer- und Bleispeise), die man ungern sieht,

weil sich aus denselben die nutzbaren Metalle meist nur mit

größeren Verlusten darstellen lassen. Glockenspeise

nennt man die zur Glockengießerei angewendete Legierung (s.

Glocken). S. auch s. v. w. Mauerspeise, s. Mörtel.

Speiseapparate, s. Dampfkesselspeiseapparate.

Speisebrei, s. Chymus.

Speisegesetze, die vom mosaischen und talmudischen Gesetz

gegebenen, die Reinheit und durch diese die Heiligkeit der

Israeliten bezweckenden religiösen Vorschriften hinsichtlich

der Nahrungsmittel. Der Pentateuch gibt 3. Mos. 11 und 5. Mos. 14

als reine, zum Genuß erlaubte Tiere an: 1) von den

Vierfüßern die, welche gespaltene Klauen haben und

wiederkäuen, 2) von den Wassertieren nur die Fische, welche

Schuppen und Floßfedern haben, verbietet dagegen die

Raubvögel und Kriechtiere. Von Insekten ward die Heuschrecke

gegessen. Verboten war und ist ferner der Blutgenuß, der

Gebrauch des für den Altar bestimmten Opferfettes, die

Vermischung von Fleisch mit Milch oder Butter (gegründet auf

die Bibelstelle: "Du sollst das Lämmlein nicht in der Mutter

Milch kochen"), das Genießen eines Gliedes eines noch

lebenden Tiers. Die Schenkel der Vierfüßer dürfen

erst gebraucht werden, nachdem die Spannader daraus entfernt ist

(1. Mos. 32, 32). Säugetiere und Vögel müssen nach

besonderm Ritus (s. Schächten) geschlachtet, ihr Fleisch

muß vor dem Gebrauch zur Entfernung des Bluts entadert

(geporscht, getriebert), in Wasser gelegt und gesalzen (koscher

gemacht) werden. Von neugeerntetem Getreide durfte vor Ablauf des

Tags, an welchem ein Omer (Mäßchen) Gerste von derselben

Ernte im Tempel geweiht worden, nichts genossen werden. Verboten

war auch der Genuß von Trauben und andern Fruchtgattungen,

welche vermischt gepflanzt worden waren, von allen Früchten,

welche ein Baum in den ersten drei Jahren trug, von Wein, der den

Götzenbildern als Opfer dargebracht worden war, und vom

gesäuerten Brot während des Passahfestes. Alle diese S.

waren bei den Talmudisten Gegenstand einer sehr komplizierten

Kasuistik.

Speisepumpe, s. Dampfkesselspeiseapparate.

Speiseröhre (Schlund, Oesophagus), derjenige Teil

des Vorderdarms, welcher die Verbindung zwischen Mund und Magen

herstellt und die Speisen in letztern zu befördern hat. Bei

den Fischen ist sie sehr weit und geht allmählich in den Magen

über; ähnliches gilt von manchen Amphibien und Reptilien;

bei den Vögeln ist gewöhnlich ein Teil von ihr zur

Bildung eines Kropfes (s. d.) erweitert; dagegen findet bei

Säugetieren eine scharfe Trennung derselben vom Magen statt.

Beim Menschen (s. Tafel "Eingeweide II", Fig. 1 und 3, und

"Mundhöhle", Fig. 2) speziell ist sie ein häutiger, etwa

fingerdicker, aber stark ausdehnbarer Kanal, dessen Wände

platt aufeinander liegen, wenn nicht gerade ein Bissen durch ihn

hindurchgeht. Zwischen der Luftröhre und der

117

Speisesaft - Spektralanalyse.

Wirbelsäule tritt die S. in den Brustraum ein, läuft

neben der rechten Seite der absteigenden Brustaorta bis zum

Zwerchfell und gelangt durch einen Spalt des letztern in der

Höhe des neunten Brustwirbels in die Bauchhöhle, wos ie

sich zum Magen erweitert. Die S. besteht aus einer Schleimhaut und

einer umgebenden Muskelhaut. Krankheiten der S. sind selten, meist

mit Schlingbeschwerden und Schmerzen im Rücken verbunden.

Leichtere Entzündungen kommen vor als Fortsetzungen eines

Rachenkatarrhs oder entzündlicher Mundkrankheiten, z. B. der

Schwämmchen. Schwere Entzündungen der Schleimhaut treten

ein bei Vergiftungen mit ätzenden und scharfen Substanzen

(Ätzkali, Schwefelsäure etc.) und beim Genuß sehr

heißer Speisen. Die wichtigste Krankheit der S. ist der

Krebs, welcher in der S. stets primär unter der Form des

sogen. Kankroids auftritt und zwar am häufigsten am Eingang

vom Schlund zur S., am Eingang der S. zum Magen und zwischen diesen

beiden Orten an der Engigkeit im mittlern Dritteil, wo der linke

Bronchus die S. kreuzt (s. Tafel "Halskrankheiten", Fig. 4). Der

Krebs ist selten eine umfängliche Geschwulst, welche die S.

bis zum Verschluß verengert, meist ist er als fressendes

Geschwür vorhanden, welches zwar gleichfalls Verengerungen

bedingt, außerdem aber noch dadurch gefährlich wird,

daß die Wand der immerhin nicht sehr dicken Röhre

durchbrochen werden kann. Hierbei kommt es leicht vor, daß

eine freie Verbindung mit einem Brustfellsack hergestellt wird, so

daß die verschluckten Speisen in diesen gelangen und

tödliche Brustfellentzündung veranlassen; ferner sind

Fälle beobachtet worden, in denen die Luftröhre oder ein

Bronchus geschwürig zerstört und die Speisen direkt in

die Lungen geschluckt wurden, in noch andern bewirkte eine krebsige

Durchwachsung der Aorta plötzlichen Tod durch Blutsturz. Eine

Heilung des Krebses der S. kommt nicht vor. In den Fällen,

deren Hauptsymptom die Striktur (Verengerung) ist, muß, wie

bei Narbenschrumpfung nach Ätzung, die Behandlung in

vorsichtiger Erweiterung der Striktur durch Bougies und in

Ernährung durch die Schlundsonde bestehen. Fremde Körper

in der S. bilden nicht selten Gelegenheit zu operativem

Einschreiten. Man muß versuchen, diese mit geeigneten

Instrumenten, "Münzenfänger" etc., herauszuholen, oder

sie in den Magen hinabstoßen. Nur in verzweifelten

Fällen schreitet man zur Eröffnung der S. durch den

Speiseröhrenschnitt (griech. Ösophagotomie), indem man

von außen durch die Haut und Muskeln des Halses die

Speiseröhre eröffnet. Diese Operation ist schwierig und

nicht gefahrlos; sie wird auch ausgeführt, wenn nach

Schwefelsäure- oder Laugevergiftungen oder im Gefolge

krebsiger Zerstörungen solche Verengerungen der

Speiseröhre entstanden sind, daß nicht einmal

flüssige Nahrung in den Magen gelangt und der Tod durch

Verhungern droht.

Speisesaft, s. Chylus.

Speiseventil etc., s. Dampfkesselspeiseapparate.

Speisewalzen, an Maschinen die das Material

zuführenden Walzenpaare.

Speisewasser, das zur Versorgung eines Dampfkessels

dienende Wasser.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 33 / 302 段