Eugen nicht die nötige Unterstützung, so daß der

Marschall Villars bei Denain 27. Juli 1712 wieder einige Erfolge

über Eugen und die Holländer davontrug. Als Philipp V. 5.

Nov. 1712 auf die Erbfolge in Frankreich für sich und seine

Nachkommen feierlichst verzichtete und diese Urkunde von Ludwig

XIV. bestätigt, also eine Union Spaniens mit Frankreich

für die Zukunft verhindert wurde, schlossen England und bald

auch die Niederlande mit Frankreich Waffenstillstand, dem am 11.

April 1713 der förmliche Abschluß des Friedens zu

Utrecht folgte, dem auch Portugal, Savoyen und Preußen

beitraten; Kaiser und Reich weigerten sich, ihn anzuerkennen. Die

Bedingungen dieses Friedens waren folgende: Philipp V. erhält

Spanien mit den außereuropäischen Besitzungen, welches

aber nie mit Frankreich vereinigt werden darf; Frankreich erkennt

die Thronfolge in England an und tritt an dieses die

Hudsonbailänder, Neufundland und Neuschottland ab; von Spanien

erhält England Gibraltar und Menorca sowie beträchtliche

Handelsvorteile im spanischen Amerika, Preußen bekommt das

Oberquartier von Geldern und Neuchâtel mit Valengin, Savoyen

eine Anzahl Grenzfestungen und die Insel Sizilien, Holland die

sogen. Barrierefestungen (s. Barrieretraktat) und einen

günstigen Handelsvertrag. So von den Verbündeten

verlassen, konnten der Kaiser und Prinz Eugen nichts mehr

ausrichten, zumal die Reichsfürsten sich sehr saumselig und

unzuverlässig zeigten. Der Marschall Villars nahm 20. Aug.

1713 Landau, brandschatzte die Pfalz und Baden und eroberte 16.

Nov. Freiburg i. Br., worauf er Eugen Friedensunterhandlungen

anbot, welche auch 26. Nov. 1713 zu Rastatt eröffnet wurden.

Am 7. März 1714 wurde der Friede zwischen Frankreich und dem

Kaiser zu Rastatt abgeschlossen. Um auch das Deutsche Reich in den

Frieden aufzunehmen, fand ein Kongreß zu Baden im Aargau

statt, wo der Rastatter Friede mit wenigen Änderungen 7. Sept.

d. J. angenommen wurde. Hiernach bekam der Kaiser die spanischen

Niederlande, Neapel, Mailand, Mantua und Sardinien; Frankreich

behielt von seinen Eroberungen nur Landau; die Kurfürsten von

Bayern und Köln wurden in ihre Länder und Würden

wieder eingesetzt. Vergeblich verwendete sich der Kaiser für

die treuen Katalonier, welche sich Philipp V. nicht unterwerfen

wollten; seine Bemühungen waren fruchtlos, Barcelona wurde 11.

Sept. 1714 von dem Marschall von Berwick erobert, und die

Katalonier verloren ihre alten Vorrechte und ständischen

Freiheiten. Vgl. v. Noorden, Europäische Geschichte im 18.

Jahrhundert, 1. Teil: Der spanische Erbfolgekrieg (Düsseld.

1870-82, 3 Bde.); Lord Mahon, History of the war of the succession

in Spain (Lond. 1832); de Reynald, Louis XIV et Guillaume III.

Histoire des deux traités de partage et du testament de

Charles II. (das. 1883, 2 Bde.); Courcy, La coalition de 1701

contre la France (Par. 1886, 2 Bde.); Parnell. The war of

succession in Spain 1702-1711 (Lond. 1888); Arneth, Prinz Eugen von

Savoyen (Wien 1858, 3 Bde.); die Memoiren des Herzogs von

Marlborough (s. d. 1).

Spanischer Hopfen, s. Origanum.

Spanischer Kragen, s. Paraphimose.

Spanischer Pfeffer, s. Capsicum.

Spanischer Tritt, Reitkunst, s. Passage.

Spanische Spitzen, Spitzen aus Gold- und Silberdraht, mit

Perlen und bunter Seide untermischt.

Spanische Sprache. Die s. S. gehört zu den romanischen

Sprachen und ist demnach eine Tochtersprache des Lateinischen,

die aber von den verschiedenen Völkern, die im Lauf der

Jahrhunderte die Pyrenäische Halbinsel beherrschten, viele

Elemente in sich aufgenommen hat. Die Ureinwohner Spaniens, im

Norden die Kantabrer, im Süden die Iberer, vermischten sich

frühzeitig mit keltischen Stämmen, daher der Name

Keltiberer. Ihre nationale Eigentümlichkeit und Sprache gingen

in den römisch-germanischen Eroberungen und Einwanderungen

fast gänzlich unter, und nur an den Pyrenäen bewahrten

einige kantabrische Stämme ihre Sitte und Sprache vor

Vermischung mit fremden Elementen. Diese in den baskischen

Provinzen fortlebenden Überreste der alten spanischen

Volkssprache sind unter dem Namen der baskischen Sprache, von den

Einheimischen Escuara genannt, bekannt (s. Basken). In den

übrigen Teilen Spaniens bildete sich, wie in den andern

romanisierten Ländern, aus der Lingua latina rustica, der

römischen Volkssprache, die zugleich mit der römischen

Herrschaft in die Pyrenäische Halbinsel eindrang, eine

nationale Umgangs- und Volkssprache mit eigentümlichen

Provinzialismen, welche, als mit dem Verfall des römischen

Reichs und nach dem Einfall der germanischen Völker auch die

politische und litterarische Verbindung mit Rom sich lockerte, nach

und nach die allein übliche und allgemein verstandene wurde.

Die den Römern in der Herrschaft folgenden Westgoten nahmen

mit der römischen Sitte auch diese Sprache an und machten sie

so sehr zu ihrer eignen, daß sie nur die zur Bezeichnung der

ihnen eigentümlichen Staats- und Kriegsinstitutionen, Waffen

etc. nötigen Wörter aus ihrer Muttersprache beibehielten.

Diese also ganz aus römischen Elementen hervorgegangene und

nur mit einem germanischen Wörtervorrat bereicherte spanische

Volkssprache erhielt einen neuen Zusatz durch die Araber, mit denen

die spanischen Goten fast 800 Jahre um den Besitz des Landes

kämpften. Aber auch die Araber trugen nur zur Bereicherung des

Sprachstoffs, besonders in Bezug auf Industrie, Wissenschaften,

Handel etc., bei und modifizierten höchstens

einigermaßen die Aussprache, ohne den

organisch-etymologischen Bau der Sprache wesentlich zu

verändern. Die ältesten Spuren des Spanischen finden sich

in Isidorus' "Origines"; die ältesten Denkmäler aber

gehören der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. an. Unter den

spanischen Dialekten ward der kastilische am frühsten zur

Schriftsprache ausgebildet, und wie die Kastilier den Kern der

Nation ausmachten, ihre Litteratur die volkstümlichste

Entwickelung nahm, so wurde auch ihre Mundart die herrschende und

endlich die fast ausschließliche Schriftsprache in Spanien,

so daß sie die eigentliche s. S. geworden ist. Dieselbe wird

gegenwärtig, außer in Spanien und den zugehörigen

Inseln, noch in den ehemals spanischen Ländern

Südamerikas, in Zentralamerika und Mexiko sowie zum Teil in

den spanischen Kolonien (Cuba, Manila etc.) gesprochen. Ihr

Alphabet ist das lateinische. Die Vokale lauten ganz wie im

Deutschen. Von den Konsonanten werden folgende eigentümlich

ausgesprochen: c (ß gelispelt), ch (tsch), g vor e und i (ch

rauh wie in Sprache), j (immer wie ch rauh), ll (lj), ñ

(nj), z (immer wie ß gelispelt). Wie die Italiener die zu

starke Aussprache der Römer milderten, so machten sie die

Spanier noch rauher. Sie vervielfältigten noch die

Aspirationen auf x, j, g, h und f. Der schon ziemlich stark

aspirierte Laut im Lateinischen verwandelt sich im Spanischen in

den noch stärker aspirierten Laut h (lat. facere, span. hacer,

machen); an die Stelle des mouillierten l tritt das

101

Spanisches Rohr - Spanishtown.

stark aspirierte j (lat. Filius, span. hijo, Sohn), pl ward

durch das mouillierte ll ersetzt (lat. planus, span. llano, eben),

und für ct wird immer ch genommen (lat. factus, dictus, span.

hecho, dicho, gemacht, gesagt). J ist, seitdem x nach der neuern

Orthographie (von 1815) seinen Kehllaut verloren hat, der

Hauptkehlkonsonant der spanischen Sprache geworden; man schreibt

jetzt allgemein Don Quijote, Mejico statt Don Quixote, Mexico.

Gesetzgeber für die s. S. ward die Grammatik der spanischen

Akademie (zuerst 1771). Neuere Hilfsmittel zur Erlernung derselben

sind für Deutsche die Grammatiken von Franceson (4. Aufl.,

Berl. 1855), Fuchs (das. 1837), Kotzenberg (2. Aufl., Brem. 1862),

Brasch (Hamb. 1860), Pajeken (2. Aufl., Brem. 1868), Lespada (2.

Aufl., Halle 1873), Montana (2. Aufl., Stuttg. 1875), Funck (8.

Aufl., Frankf. 1885), Schilling (2. Aufl., Leipz. 1884), Wiggers

(2. Aufl., das. 1884). Die vorzüglichsten

Wörterbücher lieferten: die spanische Akademie (Madr.

1726-39, 6 Bde.; hrsg. von V. Salvá, 12. Aufl., Par. 1885)

und Dominguez (6. Ausg., Madr. 1856, 2 Bde.); ein neues begann R.

Cuervo (das. 1887 ff., 6 Bde.). Für Deutsche sind zu

empfehlen: Franceson (12. Aufl., Leipz. 1885), Kotzenberg (Brem.

1875), Booch-Arkossy (6. Aufl., Leipz. 1887, 2 Bde.), Tollhausen

(das. 1886). Den Versuch eines etymologischen Wörterbuchs

machten Covarrubias (Madr. 1674), Cabrera (das. 1837), Monlau (2.

Aufl., das. 1882), R. Barcia (das. 1883, 5 Bde.) und L. Eguilaz

(Granada 1880). Wichtige Beiträge zur Etymologie enthält

Diez' "Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen" (4.

Aufl., Bonn 1878). Die historische Grammatik der spanischen Sprache

behandelt Diez' "Grammatik der romanischen Sprachen" (5. Aufl.,

Bonn 1882) und P. Försters "Spanische Sprachlehre" (Berl.

1880). Die Orthographie wurde von der Akademie in einem besondern

"Tratado" (zuletzt Madr. 1876) festgestellt.

Spanisches Rohr (Stuhlrohr, Rotang, Rattans), die

schlanken Stämme und Triebe mehrerer Arten der Palmengattung

Calamus (s. d.), werden in allen Wäldern des Indischen

Archipels, besonders auf Borneo, Sumatra und der Malaiischen

Halbinsel, gewonnen und, nachdem sie durch eine Kerbe in einem Baum

gezogen und dadurch von Oberhaut, Blättern und Stacheln

befreit worden, in Bündeln von 100 Stück in den Handel

gebracht. Die größte Verwendung findet das Spanische

Rohr in China und Japan, wo man es zu unzähligen

Gebrauchsgegenständen verarbeitet, auch als Tauwerk auf

Schiffen benutzt. Man unterscheidet wohl helleres, dünnes Rohr

als weibliches (Bindrotting) von dem stärkern, dunklern mit

enger stehenden Knoten als männlichem (Handrotting); letzteres

wird auch zu Spazierstöcken benutzt. Das sogen. gereinigte

Spanische Rohr ist durch Schaben oder durch Schleifen auf besondern

Maschinen von den Knoten befreit. In den europäischen

Hafenstädten verarbeitet man es durch Zerschneiden, Spalten,

Hobeln und Ziehen zu Stuhl- und Korsettrohr, Rieten für

Webstühle etc. Die dünnsten, schnurenförmigen

Streifen heißen Schnur- oder Putzrohr und werden in der

Putzmacherei benutzt. Stuhlrohr wird oft durch Schwefeln gebleicht.

Sehr viel Rohr wird für die Korbmacherei gefärbt,

lackiert und vergoldet. Abfälle dienen als Polster- und

Scheuermaterial. Durch besondere Bearbeitung gewinnt man aus

Spanischem Rohr ein Fischbeinsurrogat, das Wallosin, zu

Schirmstäben.

Spanische Wand, eine bewegliche Schutzwand, welche aus

einem hölzernen oder metallenen Gestell besteht, über

welches Zeug, Tapeten, Leder u. dgl. gespannt ist; findet als

Bettschirm, zur Scheidung von Räumen, als Schutzwand gegen

Wind u. dgl. Verwendung. Das Holz wird bisweilen mit Lack

überzogen und bunt bemalt oder vergoldet.

Spanische Weide, s. v. w. Ligustrum.

Spanische Weine, zum Teil vorzügliche Weine, welche

dem Burgunder, Roussillon und Languedoc vergleichbar sind und diese

selbst in mancher Hinsicht übertreffen; seit dem Altertum

berühmt, behaupteten sie im ganzen Mittelalter ihr

Übergewicht und besitzen es heute noch in verschiedenen

Ländern, wie in England und Nordamerika. Alle spanischen

Provinzen treiben Weinbau, doch sind die Produkte der

nördlichen kaum über ihre Grenzen hinaus bekannt. Im

allgemeinen leidet der spanische Weinbau durch die Indolenz und

Nachlässigkeit der Produzenten, und die gewöhnlichen

spanischen Weine stehen sehr tief unter der Erwartung, zu welcher

Klima und Lage berechtigen. Die südspanischen Weine

müssen für den Export, namentlich über See, mit

Spiritus versetzt werden, den man vielfach ebenfalls aus Most

bereitet. Die vorzüglichsten spanischen Weine sind

Likörweine, und unter diesen ist der berühmteste der

weiße Jereswein (Sherry), demselben schließen sich an:

die ebenbürtigen, sehr süßen Pajareteweine (von

denen der beste auch Malvasier heißt); der Malagawein (s.

d.), der berühmte Likörwein Tinto di Rota (Tintillo),

stark, mit vieler Wärme, sehr dunkel, süß und

tonisch wirkend; die Manzanillaweine mit starkem Geruch und

Geschmack nach Kamillen, von den Barros und Arenas zwischen Jeres

und San Lucar, der Montilla (der dem Amontillado-Sherry den Namen

gegeben hat), der Rancio von Peralta in Navarra, der Alicante (vino

generoso) aus Valencia, ein renommierter Magenwein, mit sehr

ausgesprochenem aromatischen Boukett, der bei uns als "echter

Malaga" meist arzneilich benutzt wird, der Pedro Ximenez von

Vittoria in Viscaya, der dunkel granatfarbige Grenacho vom Campo di

Carinena in Aragonien, der Muskat von San Lucar in Andalusien, der

Moscatel von Fuencaral in Neukastilien, der Malvasia von Pollentia

auf Mallorca, die Muskatweine von Borja in Aragonien und von Sitges

in Katalonien. Gewöhnliche markige Rotweine nach Art der

französischen liefert Spanien nur wenige von hervorragendem

Werte. Der beste ist der von Olivanza in Estremadura, der

Valdepeñas in Kastilien, der Manzanores aus der Mancha,

einer der leichtesten und angenehmsten spanischen Weine etc. Aus

dem nordöstlichen Spanien wird Ebro-Port vielfach für

echten Portwein verkauft; er ist aber rauher, minder

körperreich und geistig.

Spanische Wicke, Pflanze, s. Lathyrus.

Spanischfliegenpflaster, s. Kantharidenpflaster.

Spanischfliegensalbe, s. Kantharidensalbe.

Spanischgelb, s. v. w. Auripigment.

Spanischweiß, s. v. w. Wismutweiß.

Spanish stripes (spr. spännisch streips),

hellfarbige leichte Tuche aus Zephyrwolle, die in Deutschland

für den Export nach Asien fabriziert werden.

Spanishtown (spr. spännischtaun, Santiago de la

Vega), Hauptstadt der britisch-westind. Insel Jamaica in

fruchtbarer Alluvialebene, am Cobre und 8 km vom Hafen von Kingston

gelegen, mit (1880) 8000 Einw. Um den King's Square, in dessen

Mitte eine Statue Lord Rodneys steht, liegen das Ständehaus,

der Palast des Gouverneurs und die Regierungsgebäude, alle in

altkastilischem Stil. S. wurde 1534 von Diego Kolumbus

gegründet.

102

Spanner - Sparbutter.

Spanner (Geometridae, Phalaenidae), Familie aus der

Ordnung der Schmetterlinge, Insekten von mittlerer oder geringerer

Größe, mit schmächtigem, zartem Körper,

großen, breiten, meist matt und trübe gefärbten, in

der Ruhe flach ausgebreiteten Flügeln, borstenförmigen,

häufig gekämmten Fühlern, schwach entwickelter

Rollzunge und meist wenig hervortretenden Tastern, ruhen am Tag an

versteckten Orten und fliegen des Nachts. Die Raupen zeichnen sich

durch den eigentümlichen spannenmessenden Gang aus, wie ihn

der Mangel der vordern Bauchfußpaare bedingt. Sie bilden beim

Gehen eine Schleife nach oben und ruhen auch oft in dieser

Stellung, oder indem sie sich nur mit den Afterfüßen an

einem Zweig festhalten und ihren dünnen, glatten Körper

frei in die Luft erheben. Sie verpuppen sich in einem lockern

Gespinst über oder in der Erde, auch wie die Tagfalter oder

ohne Gespinst in der Erde. Man kennt gegen 1800 Arten aus allen

Weltteilen, von denen viele bei massenhaftem Auftreten

schädlich werden. Der große Frostspanner

(Blatträuber, Waldlindenspanner, Hibernia defoliaria L., s.

Tafel "Schmetterlinge II"), 4-4,5 cm breit, auf den

weißgelben Vorderflügeln mit zwei sattbraunen Binden und

rotgelben Flecken, zuweilen ganz rotgelb, auf den

Hinterflügeln weißlich, schwärzlich bestäubt,

fliegt im Oktober und November, vorherrschend im mittlern und

südöstlichen Deutschland. Das ungeflügelte,

ockergelbe, schwarz gefleckte Weibchen steigt am Stamm empor, wird

hier befruchtet und legt 400 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen

an Knospen von Obstbäumen, Buchen, Eichen, Birken, welche die

lichtgelbe Raupe mit rotbraunem Rückenstreif und Kopf

während ihrer Entfaltung ausfrißt. Sie verpuppt sich im

Juli in einer mit wenigen Seidenfäden ausgekleideten

Erdhöhle. Eine zweite gelbe Art (H. aurantiaria L., s. Tafel

"Schmetterlinge II") fliegt gleichzeitig. Der kleine Frostspanner

(Blütenwickler, Obst-, Winterspanner, Reifmotte, Larentia

[Cheimatobia, Acidalia] brumata L., s. Tafel "Schmetterlinge II"),

2-2,4 cm breit, auf den Vorderflügeln licht graugelb, fein

gewässert und mit dunklern Wellenlinien gezeichnet, auf den

Hinterflügeln weißlichgelb mit schwarzen

Randpünktchen, fliegt im November und Dezember. Das graue

Weibchen, das zum Fliegen untaugliche Stümpfe mit dunkler

Querbinde besitzt, legt seine Eier an die Knospen von

Obstbäumen, Eichen, Buchen und andern Laubbäumen, auch an

Rosen; die gelblichgrüne Raupe, mit zwei weißen

Rückenlinien und hellbraunem Kopf, erscheint im ersten

Frühjahr, bespinnt die Knospen, welche sie ausfrißt, und

ist der gefährlichste Feind für unsre Obstbäume. Sie

verpuppt sich im Juni in einem losen Kokon flach unter der

Erdoberfläche. Als Gegenmittel benutzt man fußtiefes

Umgraben des Bodens um die Baumstämme, Anlegen von

Papierringen um den Stamm, welche mit Teer oder besser mit dem

sogen. Brumataleim bestrichen sind, gut anschließen und von

Oktober bis Dezember klebrig erhalten werden müssen, um das am

Stamm aufsteigende Weibchen zu fangen. Der Kiefernspanner

(Föhrenspanner, Spanner, Fidonia piniaria L., s. Tafel

"Schmetterlinge II"), 3,5 cm breit, mit schwarzbraunen

Flügeln, die beim Männchen ein hellgelbes oder

weißliches, beim Weibchen ein hoch rotgelbes Mittelfeld

besitzen, fliegt im Mai und Juni im Kiefernwald und legt seine Eier

besonders im Stangenholz an die Nadeln. Die gelblichgrüne

Raupe, mit weißem Mittelstrich, dunkeln Seitenstreifen und

gelben Streifen über den Füßen, erscheint im Juli,

frißt den Stumpf der zur Hälfte abgebissennen Nadeln und

verpuppt sich im Oktober unter Moos und Streu am Fuß des

Baums. Als Gegenmittel ist nur das Aufsuchen der Puppen

erfolgreich. Der Stachelbeerspanner (Harlekin, Zerene grossulariata

L.), 4 cm breit, mit goldgelbem, schwarzfleckigem Leib,

weißen, schwarz gefleckten Flügeln, von denen die

vordern an der Wurzel gelb sind und zwischen zwei Punktreihen eine

goldgelbe Mittelbinde besitzen; er fliegt im Juli und August, das

Weibchen legt die Eier in kleinen Gruppen an die Blätter von

Stachel- und Johannisbeersträuchern, Pflaumen,

Aprikosenbäumen, Weiden, Kreuzdorn. Die oberseits weiße,

schwarz gefleckte, unterseits dottergelbe Raupe erscheint im

September, überwintert unter Laub, frißt im

nächsten Jahr bis Juni und verpuppt sich unter einigen

Fäden an einem Blatt oder Zweig. Der Birkenspanner (Amphidasys

betularia L., s. Tafel "Schmetterlinge II"), 5 cm breit,

milchweiß, schwarz gesprenkelt, findet sich überall in

Europa, seine einem dürren Zweig ähnliche Raupe lebt auf

Birken, Ebereschen und andern Laubhölzern, zieht aber die

Eiche vor und verpuppt sich im September oder Oktober in der Erde.

Der Schmetterling fliegt im Mai und Juni. Vgl. Guenée,

Species général des Lépidoptères, Bd. 9

u. 10 (Par. 1857).

Spannkraft, s. Dampf und Gase.

Spanntag, die Leistung eines Gespanns Zugtiere in einem

Arbeitstag; z. B. 1 Hektar wurde gepflügt in zwei Spanntagen

und zwei Knechtstagen heißt: die Fertigung der Arbeit

erforderte die Thätigkeit zweier Gespanne und zweier

Knechte.

Spannung, der Zustand eines elastischen Körpers, in

welchem seine Teilchen durch eine von außen wirkende Kraft

aus ihrer ursprünglichen Lage gebracht sind und in dieselbe

zurückkehren, sobald die Kraft aufhört zu wirken (s.

Elastizität), daher das Kraftmaß, mit welchem eiserne

Konstruktionsteile auf Druck oder Zug in Anspruch genommen werden.

Elektrische S., s. Elektrizität; S. der Gase und Dämpfe

ist das Streben derselben nach Ausdehnung, wodurch sie auf die sie

umgebenden Körper einen Druck ausüben (s. Gase und

Dampf).

Spannnngsenergie, s. Kraft, S. 133.

Spannungsgesetz, Voltasches, s. Galvanismus, S. 877.

Spannungsirresein, s. Katatonie.

Spannungskoeffizient, s. Ausdehnung, S. 111.

Spannungsreihe, s. Elektrische S.

Spannweite (Spannung, Sprengung), die Entfernung der

Widerlager eines Gewölbes von einander, auch die Tragweite der

Balkendecken oder die lichte Tiefe eines Raums (Zimmertiefe).

Spanten, die Rippen eines Schiffs (s. d., S. 455).

Sparadrap (franz., spr. -drá), s.

Bleipflaster.

Sparagmit, s. Grauwacke.

Sparassis Fr. (Strunkschwamm), Pilzgattung aus der

Unterordnung der Hymenomyceten, mit fleischigem, vertikal

aufrechtem, strauchartig ästigem Fruchtkörper, dessen

Äste blattförmig zusammengedrückt und auf ihrer

ganzen glatten Oberfläche mit dem Hymenium überzogen

sind. S. crispa Fr. (echter Ziegenbart) besitzt einen in der Erde

verborgenen, dicken, fleischigen Stamm, welcher oben in zahlreiche

gelappte, gekräuselte Äste übergeht und daher einen

rundlich kopfförmigen Rasen bildet, wächst auf Sandboden

in Nadelwäldern im mittlern und nördlichen Europa und ist

sehr wohlschmeckend.

Sparbanken, s. Sparkassen.

Sparbutter, s. v. w. Kunstbutter, s. Butter, S. 697.

103

Spargel - Sparkassen

Spargel (Asparagus L.), Gattung aus der Familie der

Asparageen (Smilaceen), ausdauernde Kräuter od.

Halbsträucher mit sehr verzweigten, oft windenden Stengeln,

sehr kleinen, schuppenförmigen, fleischigen bis häutigen

Blättern u. in den Achseln derselben mit Büscheln

kleiner, meist nadelartiger, steriler, blattartiger Zweige,

kleinen, zwitterigen oder diözischen Blüten auf

gegliedertem Stiel und kugeliger, häufig nur einsamiger Beere.

Etwa 100 Arten in den warmen und gemäßigten Regionen,

die meisten am Kap. Der gemeine S. (A. officinalis L.) treibt aus

dem Rhizom fleischige, saftige, mit fleischigen Niederblättern

spiralig besetzte, weißliche oder blaßrötliche

Sprosse, die sich über der Erde in dem verzweigten,

grünen, 0,6-1,5 m hohen, glatten Stengel verlängern. Die

blattartigen Zweige sind nadelförmig, glatt, die Beeren

scharlachrot. Der S. wächst in Süd- und Mitteleuropa,

Algerien und Nordwestasien, besonders an Flußufern, und wird

in mehreren Varietäten als Gemüsepflanze kultiviert. Er

verlangt eine warme Lage und einen lockern, sandigen Boden, der

nötigen Falls drainiert werden muß, da auch nur im

Winter bleibende Nässe verderblich wirkt. Zur Anlage der

Spargelbeete hebt man vor Eintritt des Winters die Erde 1,9 m breit

und einen Spatenstich tief aus, gräbt dann Rinder- oder

Hofmist und zwar doppelt soviel wie zu einer gewöhnlichen

starken Düngung unter und steckt in Entfernungen von 0,6-0,9 m

Pfähle, an welchen man von der ausgegrabenen oder von andrer

guter Erde Hügel macht, deren Spitze den obern Rand des Beets

erreichen kann. Auf diesen Hügeln breitet man die ein- bis

zweijährigen Spargelpflanzen (Klauen) sorgfältig aus und

bedeckt sie mit Erde. Vorteilhaft ist eine weitere Mistbedeckung

des ganzen Beets, welche nur die Köpfe der Hügel

freiläßt, worauf man dann das Ganze so weit mit Erde

bedeckt, daß die Köpfe der Pflanzen etwa 3 cm tief zu

liegen kommen. Im Herbst schneidet man die Stengel 16 cm hoch ab,

lockert das Beet und bedeckt es 8-10 cm hoch mit altem Mist. Im

Frühjahr wird das Gröbere fortgenommen und der Rest mit

Erde mehrere Zentimeter hoch bedeckt. Im dritten Jahr erhöht

man die Beete mit fetter, sandiger Erde so stark, daß die

Pflanzen 16 cm tief liegen. Man kann jetzt anfangen, S. zu stechen;

doch ist es besser, nur einzelne Stengel und nur bis Anfang Juni

fortzunehmen. Die Beete geben dann 25 Jahre lang guten Ertrag; man

braucht sie nur im Frühjahr zu lockern und im Herbst stark mit

Mist, im Sommer mit Jauche, im Frühjahr mit Asche und Kali zu

düngen. Der S. enthält 2,26 Proz. eiweißartige

Körper, 0,31 Fett, 0,47 Zucker, 2,80 sonstige stickstofffreie

Substanzen, 1,54 Cellulose, 0,57 Asche, 92,04 Proz. Wasser; er

wirkt harntreibend, in größern Mengen genossen als

Aphrodisiakum und erzeugt wohl auch Blutharnen. Früher war die

Wurzel offizinell; die Samen hat man als Kaffeesurrogat verwertet.

Columella gedenkt in seinem Buch "De re rustica" auch des Spargels.

Andre Spargelarten hat man als Zierpflanzen benutzt; interessant

ist der blätterlose, dornige Asparagus horridus, in Spanien

und Griechenland. Vgl. Göschke, Die rationelle Spargelzucht

(3. Aufl., Berl. 1889); Burmester u. Bültemann, Spargelbau

(Braunschw. 1880); auch die Schriften von Brinckmeier (Ilmenau

1884) und Kremer (Stuttg. 1887).

Spargelerbse, s. Tetragonolobus.

Spargelfliege, s. Bohrfliege.

Spargelklee, s. v. w. Luzerne, s. Medicago; auch s. v. w.

Tetragonolobus.

Spargelkohl (Broccoli), s. Kohl.

Spargelstein, spargelgrüner Apatit (s. d.).

Spargilium (lat.), Spreng-, Weihwedel.

Spargiment (ital.), ausgestreutes Gerücht;

Umständlichkeit, sich sperrendes Zieren.

Sparherd, s. Kochherde, S. 906.

Spark, s. Spergula.

Sparkalk, s. Gips, S. 355.

Sparkarten, s. Sparkassen, S. 104.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 29 / 302 段