Philosophie des Familienrechts und Geschichte der Familie schrieb
Manuel Alonso Martinez. In ironischem Gegensatz zu dem von jeher in
Spanien herrschenden schlechten Staatshaushalt steht die seit der
Mitte des 18. Jahrh. mit Vorliebe betriebene theoretische
Bearbeitung der Nationalökonomie; bereits zu Anfang des 19.
Jahrh. konnte Semper die Herausgabe einer "Biblioteca
española economico-politica" unternehmen. Außer den im
18. und zu Anfang des 19. Jahrh. berühmt gewordenen
Schriftstellern Campomanes, Jovellanos, Cabarrus, wovon die beiden
letztern klassisches Ansehen erhalten haben, haben sich später
aus diesem Gebiet besonders Canga-Arguelles (gest. 1843) und Florez
Estrada (gest. 1853; "Curso de economia politica") ausgezeichnet.
Als hervorragende Arbeiten über Fragen des öffentlichen
Wohls werden die einer Frau, Arenal de Garcia Carrasco (in den
"Publicaciones" der königlichen Akademie), gerühmt.
Besonders fleißig ist von den Spaniern das Gebiet der
Geschichte bearbeitet worden. Von den alten Chroniken, zu denen man
sich seit Alfons X. der Landessprache bediente, und den
übrigen Geschichtswerken der frühern Zeit, in welchen
sich mit der stilistischen Vervollkommnung allmählich auch der
Sinn für pragmatische Auffassung entwickelte, wurden die
wichtigsten schon oben bei der Nationallitteratur erwähnt. Im
18. Jahrh. zeichneten sich der Marques de San Felipe (gest. 1726),
der eine Geschichte des spanischen Erbfolgekriegs schrieb, Henrique
Florez (gest. 1773; "España sagrada"), Juan Bautista
Muñoz (gest. 1799) durch seine Geschichte der Entdeckung und
Eroberung Amerikas ("Historia de nuovo mundo") und Juan Franc.
Masdeu (gest. 1817; "Historia critica de España") aus. Im
19. Jahrh. glänzten zunächst Juan Antonio Conde (gest.
1820), Verfasser der berühmten "Historia de la dominacion de
los Arabes en España", und Manuel José Quintana
(gest. 1857) durch seine "Vidas de Españoles celebres",
während der vielverfolgte Verfasser der Geschichte der
spanischen Inquisition, Llorente (gest. 1823), sein Werk im Ausland
und in französischer Sprache schreiben mußte. Besonderes
Lob verdient die Thätigkeit der königlichen Akademie der
Geschichte, die außer ihren "Memorias" zahlreiche
Quellenschriften herausgab, an die sich dann andre
Urkundensammlungen, namentlich die von Navarrete, Salva und
Barranda begonnene, von Fuensanta del Valle, J. Sancho Rayon und
Fr. de Zabalburu fortgeführte "Coleccion de documentos
ineditos para la historia de España" (bis 1888: 91 Bde.),
reihten. Am meisten wurde auch später die vaterländische
Geschichte bearbeitet, so namentlich von Modesto Lafuente (gest.
1866), dessen "Historia general de España" alle frühern
derartigen Werke übertrifft, von Zamorro y Caballero, Alf.
Espinosa, Alfaro, Rico y Amat, Antonio Cavanilles (gest. 1864),
dessen vortreffliche "Historia de España" leider unvollendet
blieb, u.a. An diese Werke schließen sich die Arbeiten
über die spanische Kulturgeschichte von Tapia ("Historia de la
civilisacion de España"), Fernan Gonzalo Moron, Ramon de
Mesonero Romanos, Ad. de Castro (über die Kultur Spaniens im
17. Jahrh.) u. a. sowie zahlreiche, zum Teil vorzügliche
Provinzial- und Lokalgeschichten, z. B. die "Historia de
Cataluña" von Balaguer, die "Historia de la villa de Madrid"
von Sanguineti etc. Auch die Geschichte der ehemals spanischen
Kolonien hat neuerdings Bearbeiter gefunden, z. B. an Torrente ("La
revolucion moderna hispano-americana"), Mora ("Mexico y sus
revoluciones"), Pedro de Angelis u. a., wie denn auch eine
Urkundensammlung über die Entdeckung und Eroberung derselben
veröffentlicht wird. Von den zahlreichen sonstigen
Spezialwerken seien nur erwähnt: Maldonados klassische
"Historia de la guerra de independencia de España" (1833),
des Grafen von Toreno "Historia del levantamiento etc. de
España" (1835), Carvajals "La España de los Borbones"
(1843), San Miguels "Historia de Felipe II" (1844), Gomez Arteches
"Historia de la guerra civil" (1868 ff.), Barrantes "Guerras
piraticas de Filipinas", Amador de los Rios' "Historia de los
Judios de España", Castelars "La civilisacion en los cinco
primeros siglos del cristianismo" und "Historia del movimiento
republicano en Europa" u. a. Auf dem Gebiet der Literaturgeschichte
behauptet Amador de los Rios (gest. 1878) mit seiner
(unvollendeten) "Historia critica de la literatura española"
(1860 ff.) die erste Stelle, wenn sie auch den wissenschaftlichen
Anforderungen der Neuzeit nicht voll gerecht wird. Andre
Übersichtswerke sowie Einzelstudien, zum Teil sehr
verdienstlicher Art, liegen aus neuerer Zeit vor von J. Moratin
("Origenes de teatro español"), Lista y Aragon ("Ensayos
literarios criticos"), Gil y Zarate ("Manual de literatura"),
Martinez de la Rosa ("La poesia didactica, la tragedia y la comedia
española"), Fernandez Guerra y Orbe ("Juan Ruiz de
Alarcon"); von Abelino de Orihuela ("Poetas españoles y
americanos del siglo XIX"), Mila y Fontanals ("De la poesia heroico
popular castellana"), Balaguer ("Historia de los trovadores"),
Valera ("Historia de la literatura española"), Canalejas,
Revilla ("Principios de la literatura española"), Perojo,
Espino ("Ensayo critico-historico del teatro español"),
Villaamil y Castro, Valdes y Alas, Menendez Pelayo ("Historia de
las ideas esteticas en España") u. a. In Bezug auf
Kunstgeschichte und Archäologie sind in erster Linie die
Arbeiten von Cean-Bermudez und P. Madrazo hervorzuheben; daneben
verdienen Contreras, Manjarres, Hurtado Villaamil etc., nicht
minder die Veröffentlichungen der königlichen Akademie
der schönen Künste, das von Rada y Delgado herausgegebene
"Museo español de antiguedades", welches die
interessantesten Kunst- und archäologischen Gegenstände
der Halbinsel reproduziert, und die "Monumentos arquitectonicos de
España" ehrende Erwähnung. - Neben der Geschichte fand
auch die Geographie bei den Spaniern sorgfältige Pflege, wozu
sie beizeiten durch ihre Eroberungen in fremden Weltteilen und ihre
Entdeckungsreisen veranlaßt wurden. Aus früherer Zeit
ist vor allem die vortrefflich geschriebene "Historia de los
descubrimientos y viajes de los Españoles" von Navarrete
anzuführen; aus der neuern seien die Schriften von
Miñano, Fuster und die lexikalischen Arbeiten von Pascal
Madoz und Mariana y Sanz sowie die "Geografia de España" von
Mingote y Tarazona erwähnt. Anthropologische Schriften gab
neuerdings Fr. Maria Tubino heraus.
Eine umfassende Sammlung spanischer Schriftsteller von den
ältesten Zeiten bis auf unsre Tage ist die von Rivadeneyra
herausgegebene "Biblioteca de autores españoles" (Madr.
1846-80, 70 Bde.); eine Sammlung meist neuerer belletristischer
Werke enthält die "Coleccion de autores españoles" (bis
jetzt 48 Bde., Leipz. 1860-86). Für die Herausgabe alter und
seltener Werke sorgten vorzugsweise die "Coleccion de bibliofilos
españoles" (bis 1879: 19 Bde.) und die "Coleccion de libros
españoles
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
7
98
Spanische Mark - Spanischer Erbfolgekrieg.
raros y curiosos" (bis jetzt 16 Bde., Madr. 1871-1884). Auf dem
Gebiet der Bibliographie sind, von ältern Werken abgesehen,
besonders Ferrer del Rios' "Galeria de la literatura
española" (Madr. 1845), Ovilo y Oteros' "Manual de biografia
y de bibliografia de los escritores del siglo XIX" (Par. 1859, 2
Bde.) und Gallardos (von Zarco del Valle und Rayon vermehrter)
"Ensavo de una biblioteca española de lihros raros" (Madr.
1863-66, 2 Bde.) sowie das "Diccionario bibliografico historico"
von Muñoz y Romero (das. 1865), das "Diccionario general de
bibliografia española" von D. Hidalgo (1864-79, 6 Bde.) und
das "Boletin de la libreria" (Madr., seit 1874) namhaft zu
machen.
Vgl. Bouterwek, Geschichte der spanischen Poesie und
Beredsamkeit (Götting. 1804; span. Ausgabe, Madr. 1828, 3
Bde.), fortgesetzt von Brinckmeier: "Die Nationallitteratur der
Spanier seit Anfang des 19. Jahrhunderts" (Götting. 1850);
Brinckmeier, Abriß einer dokumentierten Geschichte der
spanischen Nationallitteratur bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts
(Leipz. 1844); Clarus, Darstellung der spanischen Litteratur im
Mittelalter (Mainz 1846, 2 Bde ); Ticknor, Geschichte der
schönen Litteratur in Spanien (3. Aufl., New York 1872, 3
Bde.; deutsch von Julius, Leipz. 1852, 2 Bde.; Supplementband von
Wolf, das. 1867); v. Schack, Geschichte der dramatischen Litteratur
und Kunst in Spanien (2. Ausg., Frankf. 1854, 3 Bde.;
Nachträge, das. 1855); Lemcke, Handbuch der spanischen
Litteratur (das. 1855-56, 3 Bde.); Wolf, Studien zur Geschichte der
spanischen und portugiesischen Nationallitteratur (Berl. 1859);
Dohm, Die spanische Nationallitteratur (das. 1867); Hubbard,
Histoire de la littérature contemporaine en Espagne (Par.
1875).
Spanische Mark, Land zwischen Frankreich und Spanien, das
jetzige Katalonien, Navarra und einen Teil von Aragonien, etwa bis
zum Ebro, umfassend, ward 778 von Karl d. Gr. erobert, 781 von den
Arabern wieder besetzt, 801-811 von Ludwig dem Frommen von neuem
erobert und dann durch Grafen verwaltet. Die Hauptstadt war
Barcelona.
Spanische Ohren, s. Hörmaschinen.
Spanische Leiter (friesische Reiter), etwa 4 m lange, 25
cm starke Balken (Leib), durch welche kreuzweise an beiden Seiten
zugespitzte Latten (Federn) gesteckt sind, die so nahe aneinander
stehen, daß niemand zwischen ihnen durchkriechen kann. Sie
wurden früher zum Sperren von Eingängen und Brücken
in Festungen verwendet.
Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714. Da mit dem Tode des
kinderlosen Königs Karl II. von Spanien das Erlöschen
des habsburgischen Stammes in diesem Land in Aussicht stand, so war
die spanische Thronfolge ein Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit
für die europäische Diplomatie bereits seit der Mitte des
17. Jahrh. Von drei Seiten wurden Ansprüche auf die Nachfolge
erhoben. Ludwig XIV. von Frankreich, welcher bereits 1667 die
spanischen Niederlande als Erbe seiner Gemahlin in seinen Besitz zu
bringen versucht hatte, verlangte den Thron für seinen Enkel
Philipp von Anjou, den zweiten Sohn des Dauphin, weil er (Ludwig
XIV.) ein Sohn der spanischen Infantin Anna von Österreich,
Tochter Philipps III. von Spanien, und seine Gemahlin die
älteste Tochter des spanischen Königs Philipp IV. war;
Kaiser Leopold I., ebenfalls Enkel Philipps III. und Gemahl der
jüngern Tochter Philipps IV. Margareta-Theresia stützte
seine Ansprüche für seinen zweiten Sohn, Karl, teils auf
diese verwandtschaftlichen Beziehungen, welche denen Ludwigs XIV.
vorangingen, weil dessen Gemahlin ihren Erbansprüchen bei
ihrer Vermählung entsagt hatte, teils auf die
Erbansprüche des Hauses Habsburg auf die spanische Monarchie.
Außerdem wurden auch für den Kurprinzen Joseph Ferdinand
von Bayern, dessen Mutter Maria Antonia eine Tochter Leopolds I.
und seiner spanischen Gemahlin war, Ansprüche auf den
spanischen Thron erhoben, welche namentlich von den
Seemächten, an deren Spitze Wilhelm III. von Oranien stand,
begünstigt wurden, da diese die spanische Monarchie weder an
Frankreich noch an Österreich fallen, höchstens die
italienischen Nebenlande an sie verteilen wollten, wie auch ein
Teilungsvertrag vom 11. Okt. 1698 festsetzte. König Karl II.
ernannte den bayrischen Prinzen testamentarisch zu seinem
Nachfolger in allen damals spanischen Landen. Als letzterer 6.
Febr. 1699 plötzlich starb, schlossen Wilhelm III. und Ludwig
XIV. (2. März 1700) einen neuen Teilungsvertrag, wonach der
Erzherzog Karl die spanische Krone, Philipp von Anjou Neapel,
Sizilien, Guipuzcoa und Mailand erhalten sollte. Da aber Leopold I.
diesem Vertrag seine Zustimmung verweigerte, so hielt sich auch
Ludwig XIV. nicht an ihn gebunden. Am Hof zu Madrid wirkte der
kaiserliche Gesandte Graf Harrach für den Erzherzog Karl, der
französische Gesandte Marquis v. Harcourt für Philipp von
Anjou. Letzterer trug endlich den Sieg davon, denn Karl II. setzte
durch Testament vom 2. Okt. 1700 Philipp von Anjou zum Erben der
gesamten spanischen Monarchie ein. Nach Karls II. Tod (1. Nov.
1700) ergriff Philipp V. sofort Besitz von dem spanischen Thron und
zog schon 18. Febr. 1701 in Madrid ein. Anfangs erhob nur Kaiser
Leopold Protest hiergegen und traf Anstalt zum Beginn des Kriegs in
Italien. Erst als Ludwig XIV. deutlich seine Absicht kundgab, die
Erwerbung der spanischen Monarchie zur Erhöhung von
Frankreichs Machtstellung zu verwerten und den Schiffen der
Seemächte die Häfen Südamerikas und Westindiens zu
verschließen, als französische Truppen die
holländischen Besatzungstruppen aus den Festungen der
spanischen Niederlande vertrieben und der französische
König nach Jakobs II. Tode dessen Sohn als König Jakob
III. von Großbritannien anerkannte, kam 7. Sept. 1701
zwischen dem Kaiser und den Seemächten eine Tripelallianz zu
stande, welcher dann auch das Deutsche Reich und Portugal
beitraten. Zwar starb König Wilhelm III. 19. März 1702,
indes blieben sowohl England unter Königin Anna, welche von
Marlborough und seiner Gemahlin beeinflußt wurde, als die von
dem Ratspensionär Heinsius geleiteten Niederlande seiner
Politik getreu. Frankreich hatte nur die Kurfürsten von Bayern
und Köln sowie den Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen zu
Verbündeten.
Der Krieg wurde 1701 durch den kaiserlichen Feldherrn Prinz
Eugen von Savoyen in Italien eröffnet. Eugen schlug Catinat 9.
Juli bei Carpi, den an Catinats Stelle getretenen unfähigen
Villeroi 1. Sept. bei Chiari und nahm 1. Febr. 1702 den letztern
durch einen Überfall in Cremona gefangen. Dem neuen
französischen Feldherrn Vendôme gelang es indes, die
Fortschritte der Kaiserlichen in Italien zu hemmen, auch nachdem
1703 der Herzog von Savoyen auf die Seite des Kaisers
übergetreten war. Am Niederrhein behauptete inzwischen der
große englische Feldherr Marlborough die Oberhand gegen die
Franzosen: er eroberte die Festungen an der Maas und das ganze
Kurfürstentum Köln. Am obern Rhein hatte der Prinz Ludwig
von Baden, dem der Marschall Villars gegenüberstand, 9. Sept.
1702 Landau er-
99
Spanischer Erbfolgekrieg.
obert und Villars, der bei Hüningen über den Rhein
ging, zum Rückzug genötigt; aber 1703 eroberten die
Franzosen Breisach (7. Sept.) und Landau (17.Nov.); ferner
vereinigte sich 12. Mai 1703 der Kurfürst von Bayern bei
Tuttlingen mit Villars, und beide drangen in Tirol ein. Zwar wurden
sie durch die Erhebung der Tiroler unter großem Verlust
wieder zurückgetrieben; aber da der ungeschickte
österreichische General Styrum sich 20. Sept. bei
Höchstädt schlagen ließ und 13. Dez. Augsburg sich
ergeben mußte, so endete der Feldzug für die
Verbündeten im ganzen nicht günstig. Landau und Breisach
gingen wieder an die Franzosen verloren. Auch fiel Anfang 1704
Nassau in die Hände des Kurfürsten, und der Kaiser, der
gleichzeitig einen Aufstand in Ungarn zu bekämpfen hatte, sah
sich schon in seinen Erblanden bedroht.
Da trat 1704 die entscheidende Wendung ein. Prinz Eugen, den der
Kaiser an die Spitze des Hofkriegsrats gestellt hatte, faßte
den Plan, durch einen kombinierten Angriff der beiden
verbündeten Heere die bayrisch-französische Macht zu
vernichten. Marlborough ging bereitwilligst auf diesen Plan ein und
zog in Eilmärschen vom Niederrhein nach Schwaben. Markgraf
Ludwig und er vereinigten ihre Truppen bei Ulm, nötigten durch
Wegnahme der Verschanzungen auf dem Schellenberg bei
Donauwörth (2. Juli) den Kurfürsten und den
französischen General Marsin zum Rückzug nach Augsburg,
und nachdem einerseits Tallard sich mit letzterm, anderseits Eugen
sich mit Marlborough vereinigt hatte (während der Markgraf von
Baden Ingolstadt belagerte), erlitt 13. Aug. 1704 das
französisch-bayrische Heer bei Höchstädt (Blenheim)
eine entscheidende Niederlage und verlor gegen 30,000 Mann an Toten
und Verwundeten; Tallard selbst und 15,000 Mann wurden gefangen.
Der Kurfürst mußte flüchten. Als Leopold I. 5. Mai
1705 starb, setzte sein Sohn Joseph I. den Kampf mit Energie fort.
Er beschwichtigte den ungarischen Aufstand, erwirkte die
Achtserklärung gegen die beiden wittelsbachischen
Kurfürsten und bemächtigte sich nach blutiger
Unterdrückung einer Volkserhebung der bayrischen Lande. Am 23.
Mai 1706 erfocht Marlborough bei Ramillies einen glänzenden
Sieg über die Franzosen unter Villeroi, besetzte Löwen,
Mecheln, Brüssel, Gent und Brügge und ließ
überall Karl III. als König ausrufen. Als infolge dieser
Niederlage Vendôme aus Italien nach den Niederlanden berufen
wurde, erhielt dadurch Eugen die Möglichkeit, von Verona aus
dem von den Franzosen belagerten Turin zu Hilfe zu eilen und nach
seiner Vereinigung mit dem Herzog von Savoyen den vereinigten
französischen Generalen Marsin, Herzog von Orléans und
La Feuillade 7. Sept. vor Turin eine gänzliche Niederlage
beizubringen, infolge deren die Franzosen gemäß der
sogen. Generalkapitulation vom 13. März 1707 ganz Italien
räumen mußten. Nur am Oberrhein gelang es Villars, nach
dem Tode des Markgrafen Ludwig (Januar 1707) die von den
Reichstruppen besetzten Stollhofener Linien zu durchbrechen und das
südwestliche Deutschland brandschatzend zu durchziehen. Selbst
in Spanien, wo die überwiegende Mehrheit der Nation dem
bourbonischen König Philipp V. anhing, gelang es dem
habsburgischen Prätendenten, vorübergehende Erfolge zu
erringen. Gleich im Anfang des Kriegs wurde von den Engländern
und Holländern eine im Hafen von Vigo liegende spanische
Flotte zerstört; 1703 trat König Dom Pedro II. von
Portugal dem großen Bündnis bei, und 1704 erschien
Erzherzog Karl in Spanien, während die Engländer (3. Aug.
1704) Gibraltar eroberten. Wirklich gelang es Karl, 1705 sich zum
Herrn von Valencia, Katalonien und Aragonien zu machen; 2. Juli
1706 wurde sogar Madrid von einem vereinigten
englisch-portugiesischen Heer unter Galloway und Las Minas besetzt;
allein da den Operationen der Verbündeten der Zusammenhang
fehlte, so waren diese Erfolge nicht von Dauer, Madrid ging bald
wieder verloren, und nach dem Sieg des Marschalls Berwick über
das englisch-portugiesische Heer bei Almanza (25. April 1707)
fielen auch die südlichen Provinzen in die Hände Philipps
V.
Obwohl die Verbündeten auch auf den übrigen
Kriegsschauplätzen 1707 keine großen Erfolge errangen,
machte sich in Frankreich die Erschöpfung der Hilssmittel
schon so sehr geltend, daß Ludwig XIV. den Seemächten
den Verzicht auf Spanien anbot und nur die italienischen Lande
für seinen Enkel beanspruchte. Indes noch war Marlboroughs
Einfluß in England maßgebend, überdies hofften die
Engländer, Spanien unter Karl III. zu ihrem
ausschließlichen Nutzen merkantil ausbeuten zu können.
Die Seemächte waren mit Österreich darüber
einverstanden, daß man nicht bloß aus dem Erwerb der
ganzen spanischen Monarchie für Österreich bestehen,
sondern auch die Lage benutzen müsse, um Frankreichs
Vorherrschaft für immer zu brechen. Der Erfolg schien dies
Vorhaben zu begünstigen. Ein Versuch, den ein starkes
französisches Heer unter dem Herzog von Burgund und
Vendôme 1708 unternahm, um die spanischen Niederlande
wiederzuerobern, wurde durch den Sieg Eugens und Marlboroughs bei
Oudenaarde (11. Juli) vereitelt und ganz Flandern und Brabant von
neuem unterworfen. Ludwig XIV. war jetzt sogar bereit, aus
Grundlage des völligen Verzichts auf Spanien über einen
Frieden zu verhandeln. Auch als die Verbündeten die
Rückgabe des Elsaß mit Straßburg, der
Freigrafschaft, der lothringischen Bistümer forderten, war der
französische Gesandte im Haag, Torcy, noch zu Unterhandlungen
bereit. Erst die Zumutung, seinen Enkel selbst durch
französische Truppen aus Spanien vertreiben zu helfen, wies
Ludwig XIV. mit Entschiedenheit zurück. Der Krieg in den
Niederlanden wurde wieder aufgenommen; die blutige Schlacht bei
Malplaquet (11. Sept. 1709) blieb zwar unentschieden, die
furchtbaren Verluste der Franzosen in derselben erschöpften
aber ihre Kräfte. Gleichzeitig siegte in Spanien der
österreichische General Starhemberg bei Almenara 27. Juli und
Saragossa 20. Aug., und Karl zog 28. Sept. in Madrid ein.
Da, als Frankreichs Niederlage unabwendbar schien, als der
Übermut der Verbündeten keine Grenzen mehr kannte, traten
unerwartete Ereignisse ein, welche einen Umschwung zu gunsten
Ludwigs XIV. zur Folge hatten. Am 10. Dez. 1710 errang
Vendôme einen glänzenden Sieg über Starhemberg bei
Villa Viciosa. Wichtiger war noch, daß in England das
Whigministerium durch ein Toryministerium verdrängt wurde,
welches den Frieden möglichst rasch herzustellen
wünschte, und daß 17. April 1711 Kaiser Joseph I. starb.
Da nun dessen Bruder, der Prätendent für Spanien, als
Karl VI. Kaiser wurde, so fürchteten die andern Mächte,
das Haus Habsburg möchte durch die Vereinigung
Österreichs mit Spanien zu mächtig werden. Zunächst
knüpften die Engländer mit Ludwig XIV. geheime
Unterhandlungen an. Am 8. Okt. 1711 wurden die Präliminarien
zu London unterzeichnet und trotz aller Gegenbemühungen des
Kaisers 29. Jan. 1712 der Friedenskongreß zu Utrecht
eröffnet. Marlborough wurde durch den Grafen Ormond, einen
eifrigen Jakobiten, ersetzt, und dieser gewährte dem
Prinzen
100
Spanischer Hopfen - Spanische Sprache.