Elias und F. Giner, die freiern Ansichten Bahn brachen. Eine

Philosophie des Familienrechts und Geschichte der Familie schrieb

Manuel Alonso Martinez. In ironischem Gegensatz zu dem von jeher in

Spanien herrschenden schlechten Staatshaushalt steht die seit der

Mitte des 18. Jahrh. mit Vorliebe betriebene theoretische

Bearbeitung der Nationalökonomie; bereits zu Anfang des 19.

Jahrh. konnte Semper die Herausgabe einer "Biblioteca

española economico-politica" unternehmen. Außer den im

18. und zu Anfang des 19. Jahrh. berühmt gewordenen

Schriftstellern Campomanes, Jovellanos, Cabarrus, wovon die beiden

letztern klassisches Ansehen erhalten haben, haben sich später

aus diesem Gebiet besonders Canga-Arguelles (gest. 1843) und Florez

Estrada (gest. 1853; "Curso de economia politica") ausgezeichnet.

Als hervorragende Arbeiten über Fragen des öffentlichen

Wohls werden die einer Frau, Arenal de Garcia Carrasco (in den

"Publicaciones" der königlichen Akademie), gerühmt.

Besonders fleißig ist von den Spaniern das Gebiet der

Geschichte bearbeitet worden. Von den alten Chroniken, zu denen man

sich seit Alfons X. der Landessprache bediente, und den

übrigen Geschichtswerken der frühern Zeit, in welchen

sich mit der stilistischen Vervollkommnung allmählich auch der

Sinn für pragmatische Auffassung entwickelte, wurden die

wichtigsten schon oben bei der Nationallitteratur erwähnt. Im

18. Jahrh. zeichneten sich der Marques de San Felipe (gest. 1726),

der eine Geschichte des spanischen Erbfolgekriegs schrieb, Henrique

Florez (gest. 1773; "España sagrada"), Juan Bautista

Muñoz (gest. 1799) durch seine Geschichte der Entdeckung und

Eroberung Amerikas ("Historia de nuovo mundo") und Juan Franc.

Masdeu (gest. 1817; "Historia critica de España") aus. Im

19. Jahrh. glänzten zunächst Juan Antonio Conde (gest.

1820), Verfasser der berühmten "Historia de la dominacion de

los Arabes en España", und Manuel José Quintana

(gest. 1857) durch seine "Vidas de Españoles celebres",

während der vielverfolgte Verfasser der Geschichte der

spanischen Inquisition, Llorente (gest. 1823), sein Werk im Ausland

und in französischer Sprache schreiben mußte. Besonderes

Lob verdient die Thätigkeit der königlichen Akademie der

Geschichte, die außer ihren "Memorias" zahlreiche

Quellenschriften herausgab, an die sich dann andre

Urkundensammlungen, namentlich die von Navarrete, Salva und

Barranda begonnene, von Fuensanta del Valle, J. Sancho Rayon und

Fr. de Zabalburu fortgeführte "Coleccion de documentos

ineditos para la historia de España" (bis 1888: 91 Bde.),

reihten. Am meisten wurde auch später die vaterländische

Geschichte bearbeitet, so namentlich von Modesto Lafuente (gest.

1866), dessen "Historia general de España" alle frühern

derartigen Werke übertrifft, von Zamorro y Caballero, Alf.

Espinosa, Alfaro, Rico y Amat, Antonio Cavanilles (gest. 1864),

dessen vortreffliche "Historia de España" leider unvollendet

blieb, u.a. An diese Werke schließen sich die Arbeiten

über die spanische Kulturgeschichte von Tapia ("Historia de la

civilisacion de España"), Fernan Gonzalo Moron, Ramon de

Mesonero Romanos, Ad. de Castro (über die Kultur Spaniens im

17. Jahrh.) u. a. sowie zahlreiche, zum Teil vorzügliche

Provinzial- und Lokalgeschichten, z. B. die "Historia de

Cataluña" von Balaguer, die "Historia de la villa de Madrid"

von Sanguineti etc. Auch die Geschichte der ehemals spanischen

Kolonien hat neuerdings Bearbeiter gefunden, z. B. an Torrente ("La

revolucion moderna hispano-americana"), Mora ("Mexico y sus

revoluciones"), Pedro de Angelis u. a., wie denn auch eine

Urkundensammlung über die Entdeckung und Eroberung derselben

veröffentlicht wird. Von den zahlreichen sonstigen

Spezialwerken seien nur erwähnt: Maldonados klassische

"Historia de la guerra de independencia de España" (1833),

des Grafen von Toreno "Historia del levantamiento etc. de

España" (1835), Carvajals "La España de los Borbones"

(1843), San Miguels "Historia de Felipe II" (1844), Gomez Arteches

"Historia de la guerra civil" (1868 ff.), Barrantes "Guerras

piraticas de Filipinas", Amador de los Rios' "Historia de los

Judios de España", Castelars "La civilisacion en los cinco

primeros siglos del cristianismo" und "Historia del movimiento

republicano en Europa" u. a. Auf dem Gebiet der Literaturgeschichte

behauptet Amador de los Rios (gest. 1878) mit seiner

(unvollendeten) "Historia critica de la literatura española"

(1860 ff.) die erste Stelle, wenn sie auch den wissenschaftlichen

Anforderungen der Neuzeit nicht voll gerecht wird. Andre

Übersichtswerke sowie Einzelstudien, zum Teil sehr

verdienstlicher Art, liegen aus neuerer Zeit vor von J. Moratin

("Origenes de teatro español"), Lista y Aragon ("Ensayos

literarios criticos"), Gil y Zarate ("Manual de literatura"),

Martinez de la Rosa ("La poesia didactica, la tragedia y la comedia

española"), Fernandez Guerra y Orbe ("Juan Ruiz de

Alarcon"); von Abelino de Orihuela ("Poetas españoles y

americanos del siglo XIX"), Mila y Fontanals ("De la poesia heroico

popular castellana"), Balaguer ("Historia de los trovadores"),

Valera ("Historia de la literatura española"), Canalejas,

Revilla ("Principios de la literatura española"), Perojo,

Espino ("Ensayo critico-historico del teatro español"),

Villaamil y Castro, Valdes y Alas, Menendez Pelayo ("Historia de

las ideas esteticas en España") u. a. In Bezug auf

Kunstgeschichte und Archäologie sind in erster Linie die

Arbeiten von Cean-Bermudez und P. Madrazo hervorzuheben; daneben

verdienen Contreras, Manjarres, Hurtado Villaamil etc., nicht

minder die Veröffentlichungen der königlichen Akademie

der schönen Künste, das von Rada y Delgado herausgegebene

"Museo español de antiguedades", welches die

interessantesten Kunst- und archäologischen Gegenstände

der Halbinsel reproduziert, und die "Monumentos arquitectonicos de

España" ehrende Erwähnung. - Neben der Geschichte fand

auch die Geographie bei den Spaniern sorgfältige Pflege, wozu

sie beizeiten durch ihre Eroberungen in fremden Weltteilen und ihre

Entdeckungsreisen veranlaßt wurden. Aus früherer Zeit

ist vor allem die vortrefflich geschriebene "Historia de los

descubrimientos y viajes de los Españoles" von Navarrete

anzuführen; aus der neuern seien die Schriften von

Miñano, Fuster und die lexikalischen Arbeiten von Pascal

Madoz und Mariana y Sanz sowie die "Geografia de España" von

Mingote y Tarazona erwähnt. Anthropologische Schriften gab

neuerdings Fr. Maria Tubino heraus.

Eine umfassende Sammlung spanischer Schriftsteller von den

ältesten Zeiten bis auf unsre Tage ist die von Rivadeneyra

herausgegebene "Biblioteca de autores españoles" (Madr.

1846-80, 70 Bde.); eine Sammlung meist neuerer belletristischer

Werke enthält die "Coleccion de autores españoles" (bis

jetzt 48 Bde., Leipz. 1860-86). Für die Herausgabe alter und

seltener Werke sorgten vorzugsweise die "Coleccion de bibliofilos

españoles" (bis 1879: 19 Bde.) und die "Coleccion de libros

españoles

Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.

7

98

Spanische Mark - Spanischer Erbfolgekrieg.

raros y curiosos" (bis jetzt 16 Bde., Madr. 1871-1884). Auf dem

Gebiet der Bibliographie sind, von ältern Werken abgesehen,

besonders Ferrer del Rios' "Galeria de la literatura

española" (Madr. 1845), Ovilo y Oteros' "Manual de biografia

y de bibliografia de los escritores del siglo XIX" (Par. 1859, 2

Bde.) und Gallardos (von Zarco del Valle und Rayon vermehrter)

"Ensavo de una biblioteca española de lihros raros" (Madr.

1863-66, 2 Bde.) sowie das "Diccionario bibliografico historico"

von Muñoz y Romero (das. 1865), das "Diccionario general de

bibliografia española" von D. Hidalgo (1864-79, 6 Bde.) und

das "Boletin de la libreria" (Madr., seit 1874) namhaft zu

machen.

Vgl. Bouterwek, Geschichte der spanischen Poesie und

Beredsamkeit (Götting. 1804; span. Ausgabe, Madr. 1828, 3

Bde.), fortgesetzt von Brinckmeier: "Die Nationallitteratur der

Spanier seit Anfang des 19. Jahrhunderts" (Götting. 1850);

Brinckmeier, Abriß einer dokumentierten Geschichte der

spanischen Nationallitteratur bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts

(Leipz. 1844); Clarus, Darstellung der spanischen Litteratur im

Mittelalter (Mainz 1846, 2 Bde ); Ticknor, Geschichte der

schönen Litteratur in Spanien (3. Aufl., New York 1872, 3

Bde.; deutsch von Julius, Leipz. 1852, 2 Bde.; Supplementband von

Wolf, das. 1867); v. Schack, Geschichte der dramatischen Litteratur

und Kunst in Spanien (2. Ausg., Frankf. 1854, 3 Bde.;

Nachträge, das. 1855); Lemcke, Handbuch der spanischen

Litteratur (das. 1855-56, 3 Bde.); Wolf, Studien zur Geschichte der

spanischen und portugiesischen Nationallitteratur (Berl. 1859);

Dohm, Die spanische Nationallitteratur (das. 1867); Hubbard,

Histoire de la littérature contemporaine en Espagne (Par.

1875).

Spanische Mark, Land zwischen Frankreich und Spanien, das

jetzige Katalonien, Navarra und einen Teil von Aragonien, etwa bis

zum Ebro, umfassend, ward 778 von Karl d. Gr. erobert, 781 von den

Arabern wieder besetzt, 801-811 von Ludwig dem Frommen von neuem

erobert und dann durch Grafen verwaltet. Die Hauptstadt war

Barcelona.

Spanische Ohren, s. Hörmaschinen.

Spanische Leiter (friesische Reiter), etwa 4 m lange, 25

cm starke Balken (Leib), durch welche kreuzweise an beiden Seiten

zugespitzte Latten (Federn) gesteckt sind, die so nahe aneinander

stehen, daß niemand zwischen ihnen durchkriechen kann. Sie

wurden früher zum Sperren von Eingängen und Brücken

in Festungen verwendet.

Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714. Da mit dem Tode des

kinderlosen Königs Karl II. von Spanien das Erlöschen

des habsburgischen Stammes in diesem Land in Aussicht stand, so war

die spanische Thronfolge ein Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit

für die europäische Diplomatie bereits seit der Mitte des

17. Jahrh. Von drei Seiten wurden Ansprüche auf die Nachfolge

erhoben. Ludwig XIV. von Frankreich, welcher bereits 1667 die

spanischen Niederlande als Erbe seiner Gemahlin in seinen Besitz zu

bringen versucht hatte, verlangte den Thron für seinen Enkel

Philipp von Anjou, den zweiten Sohn des Dauphin, weil er (Ludwig

XIV.) ein Sohn der spanischen Infantin Anna von Österreich,

Tochter Philipps III. von Spanien, und seine Gemahlin die

älteste Tochter des spanischen Königs Philipp IV. war;

Kaiser Leopold I., ebenfalls Enkel Philipps III. und Gemahl der

jüngern Tochter Philipps IV. Margareta-Theresia stützte

seine Ansprüche für seinen zweiten Sohn, Karl, teils auf

diese verwandtschaftlichen Beziehungen, welche denen Ludwigs XIV.

vorangingen, weil dessen Gemahlin ihren Erbansprüchen bei

ihrer Vermählung entsagt hatte, teils auf die

Erbansprüche des Hauses Habsburg auf die spanische Monarchie.

Außerdem wurden auch für den Kurprinzen Joseph Ferdinand

von Bayern, dessen Mutter Maria Antonia eine Tochter Leopolds I.

und seiner spanischen Gemahlin war, Ansprüche auf den

spanischen Thron erhoben, welche namentlich von den

Seemächten, an deren Spitze Wilhelm III. von Oranien stand,

begünstigt wurden, da diese die spanische Monarchie weder an

Frankreich noch an Österreich fallen, höchstens die

italienischen Nebenlande an sie verteilen wollten, wie auch ein

Teilungsvertrag vom 11. Okt. 1698 festsetzte. König Karl II.

ernannte den bayrischen Prinzen testamentarisch zu seinem

Nachfolger in allen damals spanischen Landen. Als letzterer 6.

Febr. 1699 plötzlich starb, schlossen Wilhelm III. und Ludwig

XIV. (2. März 1700) einen neuen Teilungsvertrag, wonach der

Erzherzog Karl die spanische Krone, Philipp von Anjou Neapel,

Sizilien, Guipuzcoa und Mailand erhalten sollte. Da aber Leopold I.

diesem Vertrag seine Zustimmung verweigerte, so hielt sich auch

Ludwig XIV. nicht an ihn gebunden. Am Hof zu Madrid wirkte der

kaiserliche Gesandte Graf Harrach für den Erzherzog Karl, der

französische Gesandte Marquis v. Harcourt für Philipp von

Anjou. Letzterer trug endlich den Sieg davon, denn Karl II. setzte

durch Testament vom 2. Okt. 1700 Philipp von Anjou zum Erben der

gesamten spanischen Monarchie ein. Nach Karls II. Tod (1. Nov.

1700) ergriff Philipp V. sofort Besitz von dem spanischen Thron und

zog schon 18. Febr. 1701 in Madrid ein. Anfangs erhob nur Kaiser

Leopold Protest hiergegen und traf Anstalt zum Beginn des Kriegs in

Italien. Erst als Ludwig XIV. deutlich seine Absicht kundgab, die

Erwerbung der spanischen Monarchie zur Erhöhung von

Frankreichs Machtstellung zu verwerten und den Schiffen der

Seemächte die Häfen Südamerikas und Westindiens zu

verschließen, als französische Truppen die

holländischen Besatzungstruppen aus den Festungen der

spanischen Niederlande vertrieben und der französische

König nach Jakobs II. Tode dessen Sohn als König Jakob

III. von Großbritannien anerkannte, kam 7. Sept. 1701

zwischen dem Kaiser und den Seemächten eine Tripelallianz zu

stande, welcher dann auch das Deutsche Reich und Portugal

beitraten. Zwar starb König Wilhelm III. 19. März 1702,

indes blieben sowohl England unter Königin Anna, welche von

Marlborough und seiner Gemahlin beeinflußt wurde, als die von

dem Ratspensionär Heinsius geleiteten Niederlande seiner

Politik getreu. Frankreich hatte nur die Kurfürsten von Bayern

und Köln sowie den Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen zu

Verbündeten.

Der Krieg wurde 1701 durch den kaiserlichen Feldherrn Prinz

Eugen von Savoyen in Italien eröffnet. Eugen schlug Catinat 9.

Juli bei Carpi, den an Catinats Stelle getretenen unfähigen

Villeroi 1. Sept. bei Chiari und nahm 1. Febr. 1702 den letztern

durch einen Überfall in Cremona gefangen. Dem neuen

französischen Feldherrn Vendôme gelang es indes, die

Fortschritte der Kaiserlichen in Italien zu hemmen, auch nachdem

1703 der Herzog von Savoyen auf die Seite des Kaisers

übergetreten war. Am Niederrhein behauptete inzwischen der

große englische Feldherr Marlborough die Oberhand gegen die

Franzosen: er eroberte die Festungen an der Maas und das ganze

Kurfürstentum Köln. Am obern Rhein hatte der Prinz Ludwig

von Baden, dem der Marschall Villars gegenüberstand, 9. Sept.

1702 Landau er-

99

Spanischer Erbfolgekrieg.

obert und Villars, der bei Hüningen über den Rhein

ging, zum Rückzug genötigt; aber 1703 eroberten die

Franzosen Breisach (7. Sept.) und Landau (17.Nov.); ferner

vereinigte sich 12. Mai 1703 der Kurfürst von Bayern bei

Tuttlingen mit Villars, und beide drangen in Tirol ein. Zwar wurden

sie durch die Erhebung der Tiroler unter großem Verlust

wieder zurückgetrieben; aber da der ungeschickte

österreichische General Styrum sich 20. Sept. bei

Höchstädt schlagen ließ und 13. Dez. Augsburg sich

ergeben mußte, so endete der Feldzug für die

Verbündeten im ganzen nicht günstig. Landau und Breisach

gingen wieder an die Franzosen verloren. Auch fiel Anfang 1704

Nassau in die Hände des Kurfürsten, und der Kaiser, der

gleichzeitig einen Aufstand in Ungarn zu bekämpfen hatte, sah

sich schon in seinen Erblanden bedroht.

Da trat 1704 die entscheidende Wendung ein. Prinz Eugen, den der

Kaiser an die Spitze des Hofkriegsrats gestellt hatte, faßte

den Plan, durch einen kombinierten Angriff der beiden

verbündeten Heere die bayrisch-französische Macht zu

vernichten. Marlborough ging bereitwilligst auf diesen Plan ein und

zog in Eilmärschen vom Niederrhein nach Schwaben. Markgraf

Ludwig und er vereinigten ihre Truppen bei Ulm, nötigten durch

Wegnahme der Verschanzungen auf dem Schellenberg bei

Donauwörth (2. Juli) den Kurfürsten und den

französischen General Marsin zum Rückzug nach Augsburg,

und nachdem einerseits Tallard sich mit letzterm, anderseits Eugen

sich mit Marlborough vereinigt hatte (während der Markgraf von

Baden Ingolstadt belagerte), erlitt 13. Aug. 1704 das

französisch-bayrische Heer bei Höchstädt (Blenheim)

eine entscheidende Niederlage und verlor gegen 30,000 Mann an Toten

und Verwundeten; Tallard selbst und 15,000 Mann wurden gefangen.

Der Kurfürst mußte flüchten. Als Leopold I. 5. Mai

1705 starb, setzte sein Sohn Joseph I. den Kampf mit Energie fort.

Er beschwichtigte den ungarischen Aufstand, erwirkte die

Achtserklärung gegen die beiden wittelsbachischen

Kurfürsten und bemächtigte sich nach blutiger

Unterdrückung einer Volkserhebung der bayrischen Lande. Am 23.

Mai 1706 erfocht Marlborough bei Ramillies einen glänzenden

Sieg über die Franzosen unter Villeroi, besetzte Löwen,

Mecheln, Brüssel, Gent und Brügge und ließ

überall Karl III. als König ausrufen. Als infolge dieser

Niederlage Vendôme aus Italien nach den Niederlanden berufen

wurde, erhielt dadurch Eugen die Möglichkeit, von Verona aus

dem von den Franzosen belagerten Turin zu Hilfe zu eilen und nach

seiner Vereinigung mit dem Herzog von Savoyen den vereinigten

französischen Generalen Marsin, Herzog von Orléans und

La Feuillade 7. Sept. vor Turin eine gänzliche Niederlage

beizubringen, infolge deren die Franzosen gemäß der

sogen. Generalkapitulation vom 13. März 1707 ganz Italien

räumen mußten. Nur am Oberrhein gelang es Villars, nach

dem Tode des Markgrafen Ludwig (Januar 1707) die von den

Reichstruppen besetzten Stollhofener Linien zu durchbrechen und das

südwestliche Deutschland brandschatzend zu durchziehen. Selbst

in Spanien, wo die überwiegende Mehrheit der Nation dem

bourbonischen König Philipp V. anhing, gelang es dem

habsburgischen Prätendenten, vorübergehende Erfolge zu

erringen. Gleich im Anfang des Kriegs wurde von den Engländern

und Holländern eine im Hafen von Vigo liegende spanische

Flotte zerstört; 1703 trat König Dom Pedro II. von

Portugal dem großen Bündnis bei, und 1704 erschien

Erzherzog Karl in Spanien, während die Engländer (3. Aug.

1704) Gibraltar eroberten. Wirklich gelang es Karl, 1705 sich zum

Herrn von Valencia, Katalonien und Aragonien zu machen; 2. Juli

1706 wurde sogar Madrid von einem vereinigten

englisch-portugiesischen Heer unter Galloway und Las Minas besetzt;

allein da den Operationen der Verbündeten der Zusammenhang

fehlte, so waren diese Erfolge nicht von Dauer, Madrid ging bald

wieder verloren, und nach dem Sieg des Marschalls Berwick über

das englisch-portugiesische Heer bei Almanza (25. April 1707)

fielen auch die südlichen Provinzen in die Hände Philipps

V.

Obwohl die Verbündeten auch auf den übrigen

Kriegsschauplätzen 1707 keine großen Erfolge errangen,

machte sich in Frankreich die Erschöpfung der Hilssmittel

schon so sehr geltend, daß Ludwig XIV. den Seemächten

den Verzicht auf Spanien anbot und nur die italienischen Lande

für seinen Enkel beanspruchte. Indes noch war Marlboroughs

Einfluß in England maßgebend, überdies hofften die

Engländer, Spanien unter Karl III. zu ihrem

ausschließlichen Nutzen merkantil ausbeuten zu können.

Die Seemächte waren mit Österreich darüber

einverstanden, daß man nicht bloß aus dem Erwerb der

ganzen spanischen Monarchie für Österreich bestehen,

sondern auch die Lage benutzen müsse, um Frankreichs

Vorherrschaft für immer zu brechen. Der Erfolg schien dies

Vorhaben zu begünstigen. Ein Versuch, den ein starkes

französisches Heer unter dem Herzog von Burgund und

Vendôme 1708 unternahm, um die spanischen Niederlande

wiederzuerobern, wurde durch den Sieg Eugens und Marlboroughs bei

Oudenaarde (11. Juli) vereitelt und ganz Flandern und Brabant von

neuem unterworfen. Ludwig XIV. war jetzt sogar bereit, aus

Grundlage des völligen Verzichts auf Spanien über einen

Frieden zu verhandeln. Auch als die Verbündeten die

Rückgabe des Elsaß mit Straßburg, der

Freigrafschaft, der lothringischen Bistümer forderten, war der

französische Gesandte im Haag, Torcy, noch zu Unterhandlungen

bereit. Erst die Zumutung, seinen Enkel selbst durch

französische Truppen aus Spanien vertreiben zu helfen, wies

Ludwig XIV. mit Entschiedenheit zurück. Der Krieg in den

Niederlanden wurde wieder aufgenommen; die blutige Schlacht bei

Malplaquet (11. Sept. 1709) blieb zwar unentschieden, die

furchtbaren Verluste der Franzosen in derselben erschöpften

aber ihre Kräfte. Gleichzeitig siegte in Spanien der

österreichische General Starhemberg bei Almenara 27. Juli und

Saragossa 20. Aug., und Karl zog 28. Sept. in Madrid ein.

Da, als Frankreichs Niederlage unabwendbar schien, als der

Übermut der Verbündeten keine Grenzen mehr kannte, traten

unerwartete Ereignisse ein, welche einen Umschwung zu gunsten

Ludwigs XIV. zur Folge hatten. Am 10. Dez. 1710 errang

Vendôme einen glänzenden Sieg über Starhemberg bei

Villa Viciosa. Wichtiger war noch, daß in England das

Whigministerium durch ein Toryministerium verdrängt wurde,

welches den Frieden möglichst rasch herzustellen

wünschte, und daß 17. April 1711 Kaiser Joseph I. starb.

Da nun dessen Bruder, der Prätendent für Spanien, als

Karl VI. Kaiser wurde, so fürchteten die andern Mächte,

das Haus Habsburg möchte durch die Vereinigung

Österreichs mit Spanien zu mächtig werden. Zunächst

knüpften die Engländer mit Ludwig XIV. geheime

Unterhandlungen an. Am 8. Okt. 1711 wurden die Präliminarien

zu London unterzeichnet und trotz aller Gegenbemühungen des

Kaisers 29. Jan. 1712 der Friedenskongreß zu Utrecht

eröffnet. Marlborough wurde durch den Grafen Ormond, einen

eifrigen Jakobiten, ersetzt, und dieser gewährte dem

Prinzen

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Spanischer Hopfen - Spanische Sprache.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 28 / 302 段