Das wichtigste Nadelholz ist die Kiefer, die vorzüglichsten

Laubhölzer sind: die Eiche, Rotbuche, Kastanie, die

Rüster und der Ölbaum, welcher besonders in Andalusien

ganze Wälder bildet. Nach Gesetz vom 19. Febr. 1859 soll von

den Staats-, Kommunal- und Körperschaftsforsten ein Teil

(3½ Mill. Hektar) verkauft, der andre Teil (6½ Mill.

Hektar) aber regelmäßig bewirtschaftet werden. Zu diesem

Zweck ist das Land in zehn Forstdistrikte eingeteilt worden; auch

besteht eine königliche Forstingenieurschule im Escorial. Sehr

gesegnet mit Waldungen ist Katalonien, wo (insbesondere im

Monsenygebirge) die gewinnreichsten Holzgattungen, wie Kastanien

(zu Faßdauben vorzüglich geeignet),

Walnußbäume (zu Holzreifen verwendet) und Korkeichen, am

besten gedeihen, welch letztere wegen des Korks, des als

Gerbmaterial geschätzten Bastes und des sich zu Kohlen

trefflich eignenden Astholzes einen reichlichen Ertrag liesern.

Außer in Katalonien findet man diese Baumgattung in

Estremadura, Andalusien und Valencia. Die jährliche Produktion

an Korkplatten beträgt 520,000 metr. Ztr., der Export von

Pfropfen durchschnittlich 1010 Mill. Stück, an Platten und

Tafeln 25,000 metr. Ztr. Nebenprodukte der Wälder sind:

Sumachrinde (als Gerbmaterial), Ladanbalsam, eßbare Eicheln,

Maronen, Beeren, Arzneikräuter etc.

Bergbau und Hüttenwesen.

S. ist ein an Metallen und Erzen außerordentlich reiches

Land und könnte in seinem Bergbau und Hüttenwesen eine

Quelle großen Nationalreichtums finden, wenn ersterer

rationell betrieben und entsprechend ausgebeutet würde. Das

Bergwesen untersteht dem Ministerium für Volkswirtschaft,

resp. der bei demselben errichteten Junta für dasselbe. Nach

dem Gesetz vom 6. Juli 1859 wurde das Land in 17 Minendistrikte

eingeteilt, von denen jeder unter einem königlichen

Bergingenieur steht, und in Madrid auch ein Oberbergamt

eingerichtet. Laut des genannten Gesetzes hat sich der Staat die

Ausbeutung der meisten Bergwerke, sämtlicher Salzbergwerke und

Salinen (ausgenommen die in den baskischen Provinzen) reserviert.

Durch die finanzielle Notlage wurde indessen die Regierung in

neuerer Zeit genötigt, sich des größten Teils des

Staatseigentums und so auch des Montanbesitzes zu

entäußern, so daß jetzt nur noch die

Quecksilbergruben von Almaden und einige Salinen Staatseigentum

sind. Im ganzen Land gibt es etwa 6000 Minen aller Art, wozu noch

die aus alter Zeit, teilweise von den Römern,

zurückgelassenen Schlackenhaufen als Ausbeutungsobjekte

kommen. Bei der Gewinnung von Erzen u. Metallen sind über

45,000 Arbeiter beschäftigt. Der Bergbau und

Hüttenbetrieb ergaben nach der letzten Erhebung (1883)

folgende Mengen: Silber 540 metr. Ztr., Quecksilber 16,670,

Roheisen 1,422,240, Kupfer 321,560, Blei 993,120, Zink 68,430,

Kohle 10,707,500, Salz 6,750,000, Schwefel 11 1,290 metr. Ztr.

Bemerkenswert ist jedoch, daß das Hüttenwesen mit dem

Bergbau nicht gleichen Schritt hält, und daß ein

großer Teil der gewonnenen Erze nach England und andern

Ländern exportiert wird und häufig in verhütteter

Form wieder ins Land zurückkehrt. So wurden 1886: 49,2 Mill.

metr. Ztr. Erze (davon 41,8 Mill. Eisenerz und 6,7 Mill. Kupfererz)

ausgeführt. Was die einzelnen Produktionszweige betrifft, so

wird Gold gegenwärtig nur in den Arsenikgruben bei Culera

(Katalonien), in kleinern Quantitäten auch aus dem Sande des

Flusses Sil gewonnen. Ebenso ist die Produktion von Silber

herabgegangen, wenngleich mehrere Bergwerke hierfür bestehen,

von welchen jene in den westlichen Abhängen der Sierra

Almagrera (Provinz Almeria), die von Hiende la Encina (Provinz

Guadalajara) und die von Farena (Provinz Tarragona) die

mächtigsten sind. In den Quecksilbergruben von Almaden (12

Minen) sind über 3000 Arbeiter beschäftigt. Der Export

beträgt durchschnittlich 11,000 metr. Ztr. An Eisenerz birgt

S. in vielen Provinzen, besonders in Viscaya (zu Somorrostro),

Guipuzcoa (Irun), Navarra (Lesaca, Vera), Santander, Oviedo und

Granada, reiche Schätze, die aber nicht gehörig

ausgenutzt werden. Die bedeutendsten Hüttenwerke befinden sich

in den Provinzen Viscaya, Navarra, Oviedo, Sevilla, Malaga u. a. An

Kupfer besitzt die Provinz Huelva in den Minen von Rio Tinto,

Tharsis und andern schon von den Karthagern u. Römern

bearbeiteten Bergwerken unerschöpfliche Lager. Die Minen von

Rio Tinto (s. d.) wurden 1873 von der spanischen Regierung (um 96

Mill. Frank) an ein Syndikat von Londoner und Bremer Firmen

verkauft; Tharsis gehört bereits seit längerer Zeit einer

englischen Aktiengesellschaft. Hinsichtlich der Bleiproduktion

überragt S. alle andern Staaten Europas. Die Hauptsitze

für diesen Bergbau und Hüttenbetrieb sind: die Provinzen

Murcia (bei Cartagena 76 Werke mit 150 Hochöfen und 1500

Arbeitern), Almeria (Bleiminen der Sierra Gador, Sierra Almagrera,

Alhamilla etc.; 13 Schmelzwerke bei Garrucha) und Jaen (Linares und

Baylen). Der Export an metallischem Blei betrug 1886: 1,150,000

metr. Ztr. Für den Zinkbergbau sind die Hauptsitze: die

Provinzen Santander, Guipuzcoa, Murcia, Granada, Malaga und

Almeria. Die Verhüttung ist von geringem Umfang; die

gewonnenen Erze werden größtenteils nach Belgien und

andern Ländern exportiert. Die wichtigsten Kohlendistrikte

sind in der Provinz Oviedo, dann in Burgos und Soria, Leon und

Palencia, Teruel und Santander. Die jährliche Produktion ist

von 355,000 metr. Ton. im J. 1861 gegenwärtig auf mehr als 1

Mill. metr. T., größtenteils Steinkohle, gestiegen,

wobei immer noch eine überwiegende Einfuhr englischer Kohle

(1886: 1,4 Mill. metr. T.) stattfindet. An Salz ist S. überaus

reich. Dasselbe ist kein Monopolgegenstand; es gibt zwar staatliche

Etablissements dafür, welche in 20 Haupt- und 12

Unteranstalten zerfallen, aber ebensowohl befassen sich mit der

Salzgewinnung und zwar aus Seewasser u. aus Bergsalinen viele

Private, die aus Anlaß des Betriebs nur der gewöhnlichen

Industrialsteuer unterworfen sind. Steinsalzminen gibt es zu

Cardona (Provinz Barcelona), Pinoso (Provinz Alicante), Gerry y

Villanova (Provinz Gerona), Minglanilla (Provinz Cuenca) u. a. O.

Seesalz wird am meisten in den Lagunen der Bai von Cadiz und an den

Ufern des untern Guadalquivir ausgebeutet, ferner auf der Insel

Iviza, aus den Lagunen von Torrevieja (Provinz Alicante, in der

Regie des Staats) etc. Der gesamte Salzexport beträgt

jährlich 2,5 Mill. metr. Ztr. Manganerz (Braunstein) wird am

meisten in der Provinz Huelva zu Tage gefördert, doch droht es

infolge des Raubbaues bald gänzlich zu versiegen. Alaungruben

finden sich an vielen Orten; Schwefel wird besonders in Murcia und

Ostgranada, Schwefelkies in der Provinz Huelva (namentlich in den

schon erwähnten Gruben von Rio Tinto und Tharsis mit

fortwährend steigendem Export), Asphalt in der Provinz Alava,

Antimon in Saragossa, Ciudad Real und bei Cartagena, außerdem

Graphit, Bergöl, Naphtha und Phosphorit (letzteres für

die Agrikultur äußerst wichtige Material in 9 Minen der

Provinz Caceres mit einer durchschnittlichen Ausbeute von 1,8 Mill.

metr. Ztr.) gewonnen.

71

Spanien (Industrie).

Industrie.

Die spanische Industrie nimmt zwar noch lange nicht den Platz

ein, der ihr in anbetracht der reichen Hilfsquellen und der

günstigen kommerziellen Lage des Landes gebührt; doch hat

dieselbe in neuester Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen.

Die industriellsten Provinzen sind: Barcelona, Gerona, Tarragona,

Guipuzcoa und Viscaya, nächst diesen Valencia, Murcia,

Alicante, Almeria, Granada, Sevilla, Malaga, Galicien, Asturien,

Santander, Madrid und Ciudad Real. Was die einzelnen

Industriezweige betrifft, so wird die Verfertigung von Eisen- und

Stahlwaren am ausgedehntesten in Katalonien, in den baskischen

Landschaften und in den Provinzen Malaga und Sevilla betrieben.

Guten Ruf hat das Land in der Erzeugung von Handwaffen, wofür

Fabriken zu Toledo, Oviedo und Plasencia (Guipuzcoa) bestehen;

berühmt sind insbesondere die Klingen von Toledo. Ein

großes Etablissement ist auch die Nationalfabrik zu Trubio

(Oviedo) für Eisengußwaren und Artilleriematerial. Neben

den Eisenwaren produziert S. viel Kupfer- und Bleiwaren, Messing

namentlich zu San Juan de Alcaraz (Provinz Albacete), Bronzewaren

zu Barcelona, Eibar (Guipuzcoa) und in Navarra, Schmucksachen und

Filigranarbeiten. Der Maschinenbau hat seine Hauptsitze zu

Barcelona (4 große Werkstätten mit ca. 1700 Arbeitern),

Sevilla, Malaga, Madrid und Valladolid, der Schiffbau zu Barcelona,

Cartagena, Cadiz und Santander, die Verfertigung von chirurgischen

und Präzisionsinstrumenten zu Madrid. Musikinstrumente, und

zwar Pianos, werden zu Barcelona, Sevilla, Saragossa und

Valladolid, Guitarren zu Murcia, Streichinstrumente vorzugsweise zu

Palma fabriziert. Für Porzellan bestehen zwei Fabriken,

für Steingut- und Fayenceerzeugung ein ansehnliches

Etablissement zu Sevilla und weitere Unternehmungen in den

Provinzen Valencia, Madrid und Castellon. Die Fabrikation

feuerfester Thonwaren steht zu Barcelona auf einer Höhe,

welche einen nicht unbedeutenden Export nach den Häfen des

Mittelmeers bis nach Konstantinopel zuläßt. Eine

wichtige Industrie ist auch die Erzeugung von Ziegelfliesen,

glasierten Platten und Mosaikfußböden, welche namentlich

als Hausindustrie Tausende von Arbeitskräften, insbesondere in

der Provinz Valencia, beschäftigt und einen wesentlichen

Exportartikel liefert. Hydraulischer Kalk (Zement) wird nur in

Guipuzcoa in einer Menge von jährlich ca. 100,000 metr. Ztr.

erzeugt. S. liefert gutes Glas in ziemlich großer Menge, aber

hauptsächlich nur für den inländischen Bedarf,

während der Export nach den Kolonien ein geringer ist;

geschliffene Glaswaren werden eingeführt. Die Glasindustrie

wird an vielen Orten, insbesondere in Badalona, Murcia, Cadalso

(Madrid) und Gijon, betrieben. Die Verarbeitung des Korks zu

Pfropfen, Platten und Tafeln bildet einen ergiebigen Industriezweig

in der Heimat des Rohstoffs, der Provinz Gerona (Exportwert 1886

über 17 Mill. Pesetas). Tischlerwaren werden zu Madrid und

Barcelona verfertigt, ohne daß jedoch in feinern Artikeln die

ausländische Industrie vom Markt verdrängt wäre.

Bedeutend ist namentlich für die Hausindustrie die Stroh- und

Binsenflechterei. Die Lederindustrie Spaniens stand in

früherer Zeit auf einer viel höhern Stufe als dies

gegenwärtig der Fall ist, obschon das Land noch immer durch

die Erzeugung von Saffian und Korduan hervorragt und gewisse

Quantitäten von Leder ausführt. Die besten Fabrikate

kommen von Cordova, Barcelona, Toledo, Burgos und aus den

baskischen Provinzen. Insbesondere ist S. die Heimat der

kunstvollsten Riemerartikel (Sättel und Reitzeuge). Die

Seidenindustrie, für welche alle klimatischen Bedingungen

vorhanden sind, ist durch die Seidenraupenkrankheit sehr

beeinträchtigt worden und beschränkt sich

gegenwärtig hauptsächlich auf die Provinzen Murcia,

Valencia und Sevilla, in welchen übrigens die Seidenspinnerei

ein vorzügliches Erzeugnis liefert. Die Produktion an

Seidenkokons beträgt etwas über 1 Mill., an Rohseide

durchschnittlich 85,000 kg. Die Seidenweberei war in frühern

Jahrhunderten blühend und wird gegenwärtig noch, ohne den

Bedarf zu decken, fabrikmäßig zu Madrid, Valencia,

Barcelona, Granada, Sevilla und Toledo betrieben. Die

Schafwollweberei macht große Fortschritte, arbeitet jedoch

bloß für den einheimischen Markt, wobei ihr das Ausland

Konkurrenz bietet. Der Hauptsitz ist Katalonien, namentlich

Barcelona, Tarrasa, Sabadell, Manresa u. a. O. Barcelona zeichnet

sich auch in der Fabrikation von Shawls und Möbelstoffen durch

gediegene Leistungen aus. Gute Tuche und Flanelle werden in Alcoy,

Palencia, Bejar (Provinz Salamanca) etc. erzeugt. Valencia und

Murcia liefern Decken aus Streich- und Kammgarn, welche den

Bewohnern zur Bekleidung, zum Schmuck und zum Tragen der Utensilien

unentbehrlich sind. Verhältnismäßig günstig

entwickelt ist die spanische Baumwollindustrie. Während die

Spinnerei 1834 erst 600,000 Feinspindeln zählte, hob sich

diese Ziffer 1881 auf 1,835,000. Der Baumwollkonsum betrug im

Durchschnitt der letzten Jahre 490,000 metr. Ztr. Die

größte Bedeutung hat die Baumwollindustrie für

Katalonien. Barcelona versteht mit gewebten und bedruckten Stoffen

(Indiennes) fast alle spanischen Kolonien. Außerdem ist diese

Industrie noch in den baskischen Provinzen, in Malaga, Santander,

Valladolid und den Balearen vertreten, obgleich immer noch ein

Import (Garne 1886 für 2,1, Gewebe für 11,4 Mill.

Pesetas) notwendig ist. Die Flachsspinnerei macht gute

Fortschritte. Die Leinweberei arbeitet für die

Bedürfnisse des eignen Landes und exportiert nach den Kolonien

und Brasilien, wogegen aber auch ein Import aus

Großbritannien und Irland stattfindet. Die Sitze dieser

Industrie sind: die Landschaften Katalonien, Aragonien, Kastilien,

Galicien u. Navarra. Die Espartoweberei, welche in Murcia, Alicante

u. a. O. betrieben wird, liefert verschiedene Waren, als:

Überzieher für Bergleute, Teppiche, Lauftücher etc.

In Leinen- und Hanfgarn fand in den letzten Jahren ein Import von

durchschnittlich 42,000 metr. Ztr., an Geweben ein solcher von 6300

metr. Ztr. statt. Färberei und Druckerei sind alte und

wichtige Zweige der spanischen Industrie, zumal in Katalonien und

in den baskischen Provinzen. Die Spitzenmanufaktur ist gleichfalls

sehr alt und im Fortschreiten begriffen; ihre Heimat ist

Katalonien. Maschinenspitzen werden zu Barcelona, Mataro u. a. O.

erzeugt. Handschuhe liefern Madrid und Valladolid, Wirkwaren

Barcelona. Die Industrie in Schuhwaren schwingt sich auf den

Balearen sichtlich empor (Export über Barcelona nach den

spanischen Kolonien). Für den Konsum der spanischen

Landbevölkerung werden auch Schuhwaren aus Hanf (Alpargatas)

an vielen Orten gefertigt. Neu aufstrebende Industrien sind die

Fächerfabrikation in Valencia und die Knopffabrikation in

Madrid. In der Papierfabrikation findet der Maschinenbetrieb immer

weitere Verbreitung. Es gibt bereits ca. 40 Papierfabriken (zu

Barcelona, Tolosa etc.), während die Zahl der

Papiermühlen mit Büttenbetrieb immer mehr abnimmt. Ein

Hauptartikel der

72

Spanien (Handel, Schiffahrt).

Papierfabrikation ist das Zigarrettenpapier (namentlich in

Alcoy). Bedeutend ist die Industrie in Nahrungs- u.

Genußmitteln. Es bestehen 18 Raffinerien für

Kolonialzucker (Barcelona, Malaga und Umgebung, Granada und

Almeria; Produktion jährlich ca. 150,000 metr. Ztr.),

zahlreiche Schokoladefabriken, so zu Madrid und Umgebung,

Barcelona, Saragossa, Ciudad Real, Leon, Astorga, Oviedo, Malaga

etc., mehrere Fabriken für konservierte und kandierte

Früchte, einige große Fabriken für Fisch- und

Fleischkonserven (in Guipuzcoa und Coruña) und mehrere

Unternehmungen für Maccaroni- und Teigwarenerzeugung (in

Malaga). Weizenmehl wird von Santander aus nach den spanischen

Kolonien verschifft (in den letzten Jahren durchschnittlich 275,000

metr. Ztr.). Erwähnenswert sind ferner: die Spirituserzeugung

aus Wein und dessen Rückständen, die Fabrikation von

Likören (besonders Anislikör in der Provinz Albacete) und

die Bierbrauerei in den größern Städten. Die

Tabaksfabrikation ist Staatsmonopol, welches aber seit 1887

verpachtet ist, und beschäftigt große Etablissements zu

Madrid, Sevilla, Santander, Gijon, Coruña, Valencia und

Alicante. Die erforderlichen Blätter kommen

größtenteils aus den überseeischen Kolonien (Cuba,

Puerto Rico, Philippinen), teilweise auch aus Deutschland. Doch

werden daneben Massen von fremden Zigarren eingeschmuggelt. Endlich

sind noch die Zinnobererzeugung, die Fabrikation von Seife

(Katalonien und Andalusien, insbesondere Malaga), Kerzen und

verschiedenen Chemikalien, die Buchdruckerei und Lithographie

(Hauptort Madrid) hervorzuheben. In ganz S. besteht schon seit

geraumer Zeit Gewerbefreiheit. Es gibt daher keine Innungen und

Zünfte, sondern bloß Vereinigungen (gremios) von

Handwerkern und Gewerbtreibenden zu irgend einem gemeinsam besser

als einzeln zu erreichenden Zweck. Zur Beförderung der

Industrie und der Gewerbe dienen außer den Handelskammern (s.

unten): der Industrieverein zu Madrid, die Gewerbevereine in

verschiedenen Städten und die technischen

Unterrichtsanstalten.

Handel und Verkehr.

S. hat eine für den Handel, namentlich den Welthandel,

äußerst günstige Lage, und geraume Zeit war der

spanische Handel einer der umfangreichsten der Welt. Wenn er in der

Gegenwart kaum noch an das erinnert, was er einst gewesen, so sind

daran einerseits die äußern und innern Kriege,

anderseits aber die Vernachlässigung der natürlichen

Hilfsquellen des Landes schuld. Das Zentrum des gesamten innern

Handels bildet Madrid. Nächstem sind Valladolid, Palencia,

Burgos, Oviedo, Vitoria, Saragossa und Granada die wichtigsten

Plätze des Binnenhandels. In betreff des äußern

Handels zerfällt S. in mehrere selbständige Zollgebiete,

nämlich: das Festland mit den Balearen, die Kanarischen

Inseln, die Provinzen in Amerika, die Besitzungen in Asien und

Ozeanien, die Insel Fernando Po mit deren Dependenzen, die

nordafrikanischen Besitzungen. Jedes dieser Zollgebiete hat seinen

besondern Tarif; die nordafrikanischen Häfen sind zu

Freihäfen erklärt worden. In dem Zollgebiet des

spanischen Festlandes und der Balearen wurde ein Tarif 5. Okt. 1849

eingeführt, seitdem aber vielfach modifiziert und namentlich

durch die abgeschlossenen Handelsverträge ermäßigt.

So hat S. 1861 mit Marokko, 1862 mit der Türkei, 1864 mit

China, 1865 mit Frankreich, dann seit 1870 mit den meisten andern

europäischen Staaten und mit Siam Handels- und

Schiffahrtsverträge abgeschlossen, darin

Einfuhrzollbegünstigungen für fremde Produkte zugestanden

und sich zugleich verpflichtet, diese Zollsätze in einem

spätern Termin noch weiter herabzusetzen. Die finanzielle Lage

und der Vorgang der übrigen Kontinentalstaaten auf dem Weg des

Schutzzollsystems veranlaßten jedoch auch S., zur

Erhöhung der Einfuhrzollsätze mittels neuer Tarife (1882

und 1886) zu schreiten und in diesem Sinn modifizierte

Handelsverträge mit den übrigen Staaten

abzuschließen. Bemerkenswert für den auswärtigen

Handel Spaniens ist, daß von seiten Portugals und von

Gibraltar aus starker Schleichhandel (von letzterm Punkt namentlich

mit englischen Waren) getrieben wird. Der Gesamtwert der Ein- und

Ausfuhr Spaniens (und zwar des Festlandes mit Einschluß der

Balearen) betrug in den letzten Jahren in Millionen Pesetas (1

Peseta = 80 Pfennig):

Jahr Einfuhr Ausfuhr Jahr Einfuhr Ausfuhr

1882 816,7 765,4 1885 764,8 698,0

1883 893,4 719,5 1886 855,2 727,3

1884 779,6 619,2 1887 811,2 722,2

Der auswärtige Handel von S. bewegt sich hauptsächlich

auf dem Seeweg. Auf den Landhandel kamen nämlich vom gesamten

Warenverkehr des letztgenannten Jahrs nur 16, auf den Seehandel

dagegen 84 Proz. Die Hauptartikel des auswärtigen Handels sind

in der Ausfuhr (mit Angabe des Wertes 1887 in Millionen Pesetas):

Wein (281,7), Erze (86,7), Blei (22,0), Rosinen (22,2), Vieh

(12,4), Kork (16,8), Orangen (15,4), Schafwolle (14,1),

Olivenöl (9,7, 1885: 40,0), Schuhwaren (12,4), Esparto (8,9),

Weintrauben (9,7), Weizenmehl (5,2), Konserven (6,9), Eisen und

Eisenwaren (10,4); in der Einfuhr: Weizen (62,8), Baumwolle (62,5),

Spiritus (45,0), Holz (35,3), Tabak (30,3), Fische (29,8), Zucker

(29,7), Mineralkohle (25,6), Schafwollwaren (24,9), Maschinen

(20,1), Häute und Felle (19,4), andre Cerealien (17,5), Vieh

(17,1), Eisen und Eisenwaren (16,9), Chemikalien (15,8), Kakao

(13,6), Flachs- und Hanfgarn (13,3). Was die einzelnen Länder

betrifft, welche an dem auswärtigen Handel Spaniens

partizipieren, so kommt der Hauptanteil auf Frankreich (234,7 Mill.

Pesetas in der Einfuhr und 308,9 Mill. in der Ausfuhr) und

Großbritannien (114,0, resp. 184,6 Mill. Pesetas). Hieran

reihen sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika (99,6 und 21,9

Mill.), Cuba (37,3 und 61,0 Mill.), Deutschland (82,9 und 9,6

Mill.), Belgien, Portugal, Italien, die Philippinen, Puerto Rico,

Argentinien, Niederlande, Norwegen etc.

Die Schiffahrt Spaniens zeigt im letzten Jahrzehnt einen

kräftigen Aufschwung. Die Zahl der Häfen an der

spanischen Küste und auf den Balearen beträgt 116, wovon

56 auf die Küste des Atlantischen Meers, 60 auf die des

Mittelmeers kommen. Die wichtigsten von erstern sind: Bilbao,

Santander, Gijon, Ferrol (Kriegshafen), Coruña, Vigo, Huelva

und Cadiz; von letztern: Malaga, Almeria, Cartagena, Alicante,

Valencia-Grao, Tarragona und Barcelona; auf den Balearen und

Pithyusen: Palma, Mahon und Iviza. In den letzten Jahrzehnten sah

man die Notwendigkeit der Herstellung sicherer und verbesserter

Hafenanlagen ein. Demgemäß wurden auch die Arbeiten,

zunächst in Alicante, Barcelona, Cartagena, Tarragona und

Valencia-Grao, in Angriff genommen und großenteils bereits

durchgeführt. Die Zahl der im Betrieb befindlichen

Leuchttürme beträgt 198. In dem Leuchtturm auf Kap

Machichaco in Viscaya besteht eine Schule für

Leuchtturmwächter. Die Handelsmarine Spaniens zählte

Anfang 1884: 1544 Segelschiffe mit 308,779 Registertonnen und 282

Dampfer

73

Spanien (Eisenbahnen etc., Münzen, Wohlthätigkeits- u.

Strafanstalten, Staatsverfassung).

mit 200,100 Ton., zusammen 1826 Seeschiffe mit 508,879 T. Die

Schiffahrtsbewegung sämtlicher Häfen Spaniens bezifferte

sich 1887 in Registertonnen:

Eingelaufen Ausgelaufen

Spanische Schiffe 4264482 4420130

Fremde Schiffe 6900494 6696443

Zusammen: 11164976 11116573

Hierzu Küstenschiffahrt (1885) 5661952 5237227

Die Binnenschiffahrt ist in S. von geringem Belang. Unter den

Strömen ist ein einziger, welcher bei hohem Wasserstand

streckenweise befahren werden kann, nämlich der Ebro, auf

welchem flache Fahrzeuge dann bis Saragossa, wohl auch bis in die

Provinz Navarra gelangen können. Der Guadalquivir, Guadiana

und Minho sind nur ein Stück von der Mündung an hinauf

für größere Schiffe fahrbar, der erstgenannte

für Seeschiffe bis Sevilla; dieselben kommen daher bei der

Binnenschiffahrt nicht in Betracht. Die übrigen Ströme

sind, soweit sie S. angehören, so voller Sandbänke,

Löcher und Strudel, daß sie sich gar nicht zur

Schiffahrt eignen. Unter den Kanälen steht der unter Karl V.

begonnene Kaiserkanal von Aragonien obenan, 119 km lang, 3,35 m

tief und an der Oberfläche 23,5 m breit, außer zur

Schiffahrt auch zur Bewässerung dienend. Im 18. Jahrh. wurden

drei schiffbare Kanäle hergestellt, worunter der 160 km lange

Kastilische, der bei Alar del Rey aus dem Pisuerga ausgeht und

unweit Simancas an demselben Fluß endigt, der wichtigste ist.

Der Manzanareskanal (von Toledo nach Madrid, 14 km) sowie der

Canale Nuevo, bei Amposta aus dem Ebro ausgehend und in San Carlos

de la Rapita nach 11 km Länge endigend, werden zur Schiffahrt

wenig benutzt. Aus diesem Jahrhundert datieren der Guadarramakanal

(17 km) und der Murciakanal (28 km). Neuerlich hat eine

Aktiengesellschaft auch die Kanalisierung des Ebro bis Saragossa

unternommen. Die Gesamtlänge aller schiffbaren Kanäle und

Flüsse Spaniens beträgt ungefähr 700 km.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 20 / 302 段