große Mannigfaltigkeit der Flora und Fauna zur Folge.
Hinsichtlich des Charakters der Vegetation zerfällt S. in
folgende fünf Vegetationsregionen: 1) die nördliche oder
mitteleuropäische mit mitteleuropäischer Flora (Eichen,
Buchen, edle Kastanien, Erlen, Ulmen, Obst- und
Walnußbäume, Getreide- und Gemüsebau; Weinbau nur
in günstigen Lagen); 2) die peninsulare oder zentrale (Alpen-
und Pyrenäenpflanzen, Heiden mit Cistineen, Thymian und andern
Labiaten, Ginster, Centaureen, Disteln, Artemisien, hier und da
ausgedehnte Nadelwälder sowie Bestände von
immergrünen Eichen und Kastanien); 3) die westliche oder
atlantische, im N. mit vorwiegend mitteleuropäischer, im S.
mit bereits an Afrika erinnernder Vegetation (Ölbaum,
Orangen-, Feigen- und Mandelbaum, Weinbau, Lorbeer, Cypresse,
Agave, indische Feige, Dattel- und Zwergpalme, Johannisbrotbaum,
Cistusheiden mit Myrten, Pistazien und andern immergrünen
Sträuchern; in der Bergregion Eichen, Kastanien, Wacholder,
Obstbau, Alpentristen); 4) die östliche oder mediterrane
(Labiatenheiden und öde Steppen, Gehölze von
immergrünen Eichen und von Kiefern, Ölbaum, Wein-und
Weizenbau, Maulbeer-, Feigen- und Mandelbaum, Pfirsisch- und
Aprikosenbaum, Walnußbaum, Mais, Hanf, Flachs; im Süden
Orangen-, Johannisbrotbaum, Dattel- und Zwergpalme, Artischocken-
und Melonenbau, in den sumpfigen Niederungen Reis); 5) die
südliche oder afrikanische Region bis zur Höhe von ca.
630 m, charakterisiert durch das Vorherrschen solcher Pflanzen,
welche Nordafrika, Sizilien, Ägypten, Syrien, Kleinasien etc.
eigentümlich sind, und durch die Kultur subtropischer und
tropischer Gewächse (Zuckerrohr, Baumwolle, Batate,
Kochenillekaktus etc.). Nicht minder mannigfaltig und ausgezeichnet
ist die Tierwelt, die außer Arten der unter entsprechender
Breite gelegenen Länder Europas und außer einer Menge
der Halbinsel eigentümlicher zahlreiche Vertreter der Fauna
Afrikas, ja selbst des Orients und Innerasiens aufweist. Die
europäische Zone, im allgemeinen der mitteleuropäischen
Vegetationsregion entsprechend, wird charakterisiert durch
mitteleuropäische Tiere (darunter der Wolf,
Siebenschläfer, Schneehase, die Gemse, Wildkatze, der
Pyrenäensteinbock, der Bartgeier, Aasgeier etc.). Die mittlere
oder südeuropäische Zone, die zentrale westliche und
östliche Vegetationsregion umfassend, weist ein buntes Gemisch
europäischer und afrikanischer Tierformen (Pantherluchs,
Genettkatze, Ichneumon, südliche Geier-, Adler- und
Falkenarten, Schrei- und Klettervögel etc., zahlreiche
Schmetterlinge, Skorpione etc.) auf. Die südliche oder
afrikanische Zone zeigt viele echt afrikanische Tierformen
(darunter der nordafrikanische Affe am Gibraltarfelsen, das
Dromedar, afrikanische Vögel, Chamäleon etc.) neben
andern nur im südlichsten Europa vorkommenden oder auch S.
eigentümlichen (spanischer Steinbock auf der Sierra Nevada,
spanischer Hase, Flamingo etc.).
Bevölkerungsverhältnisse.
Das Areal von S. und zwar des europäischen Mutterlandes mit
Einschluß der Balearen und der Kanarischen Inseln sowie der
nordafrikanischen Besitzungen beträgt 504,552 qkm (9163,6
QM.). Die Bevölkerung bezifferte sich nach dem letzten Zensus
vom 31. Dez. 1877 auf 16,634,345 Einw., deren Verteilung auf die
einzelnen Provinzen aus nebenstehender Tabelle ersichtlich ist.
Die Vermehrung der spanischen Bevölkerung ist eine sehr
schwache; sie belief sich gegenüber der im J. 1857
vorgenommenen ersten ordentlichen Volkszählung, welche
15,464,340 Einw. ergab, 1877 nur auf 1,170,005 Seelen oder pro Jahr
kaum auf 0,4 Proz. Der Grund liegt, abgesehen von den vielfachen
Kriegen, welche S. im Innern und in den Kolonien zu bestehen hatte,
in einer beträchtlichen Auswanderung, insbesondere nach
Südamerika und nach Algerien (Provinz Oran). Für Ende
1886 wurde die Bevölkerung mit 17,358,404 Einw. berechnet.
Bemerkenswert in der Verteilung der Bevölkerung ist, daß
die Dichtigkeit derselben vom Zentrum gegen die Peripherie hin
zunimmt. Die schwächste relative Bevölkerung weisen die
Provinzen Ciudad Real und Cuenca auf (13 und 14 Einw. auf das
QKilometer), am dichtesten bevölkert (über 100 Einw. auf
das QKilometer) sind Barcelona und Pontevedra. Nach dem Geschlecht
entfallen auf je 1000 männliche Personen 1044 weibliche. Nach
dem Geburtsland waren von der (1877) anwesenden Bevölkerung
geboren: in S. 16,591,796, in Frankreich 17,657, in Portugal 7941,
in Großbritannien 4771, in Italien 3497, in Deutschland
952.
Die spanische Nation ist ein Gemisch verschiedener
Völkerschaften. Zu den alten Iberern gesellten sich anfangs
Kelten, dann Phöniker und Karthager, hierauf Römer, dann
Goten; später mischten sich Juden, Berber und Araber (diese
insbesondere in Andalusien, Murcia und Valencia), endlich auch
Neger (aus Marokko und weiterher) bei. Die herrschende Sprache ist
die kastilische; daneben wird das Katalonische (ein dem
Provençalischen verwandtes Idiom) in Katalonien, Valencia
und den Balearen, das Baskische (in den baskischen Provinzen und in
Navarra) und das Galicische (welches sich dem Portugiesischen sehr
nähert) gesprochen. Die spanische Sprache ist übrigens
als Weltsprache in Mittel- und Südamerika stark verbreitet und
gewinnt dadurch immer wachsende Bedeutung.
67
Spanien (Volkscharakter, geistige Kultur).
Areal Spaniens.
Einwohner
Provinzen QKilometer QMeilen Ende 1877 Ende 1886 auf 1 qkm
Alava . . 3045 55,3 93538 99034 33
Albacete. . 14863 269,9 219058 221894 15
Alicante . . 5660 102,8 411565 423808 75
Almeria . . 8704 158,1 349076 358486 41
Avila . . 7882 143,2 180436 193565 25
Badajoz. . 21894 397,6 432809 469952 21
Barcelona . 7691 139,7 836887 861212 112
Burgos . . 14196 257,8 332625 351293 25
Caceres . . 19863 360,8 306594 329707 17
Cadiz¹ . . 7342 133,3 429206 433516 59
Castellon . 6465 117,4 283981 298965 46
Ciudad Real 19608 356,1 260358 285341 15
Cordova . . 13727 249,3 385482 406059 30
Coruña . . 7903 143,5 596436 623575 79
Cuenca . . 17193 312,3 236253 245112 14
Gerona . . 5865 106,5 299702 309992 53
Granada . 12768 231,9 479066 480594 38
Guadalajara 12113 220,0 201288 207030 17
Guipuzcoa . 1885 34,2 167207 181673 97
Huelva . . 10138 184,1 210447 227116 22
Huesca . . 15149 275,1 252239 263634 17
Jaen. . . 13480 244,8 423025 436184 32
Leon ... 15377 279,3 350210 378098 25
Lerida . . 12151 220,7 285339 290856 24
Logroño . . 5041 91,6 174425 179897 36
Lugo ... 9881 179,5 410810 429430 43
Madrid . . 7989 145,1 594194 590065 74
Malaga. . 7349 133,5 500322 522376 71
Murcia . . 11537 209,5 451611 462039 40
Navarra. . 10506 190,8 304184 321015 30
Orense . . 6979 126,8 388835 399552 57
Oviedo . . 10895 197,9 576352 596856 55
Palencia . 8434 153,2 180771 190724 23
Pontevedra. 4391 79,8 451946 467289 106
Salamanca 12510 227,2 285695 311428 25
Santander . 5460 99,2 235299 248753 46
Saragossa . 17424 316,5 400587 401386 23
Segovia . . 6827 124,o 150052 160111 23
Sevilla . . 14062 255,4 506812 526864 37
Soria . . 10318 187,2 153652 162555 16
Tarragona . 6490 117,9 330105 345601 53
Teruel . . 14818 269,1 242165 250823 17
Toledo . . 15257 277,1 335038 357886 23
Valencia . 10751 195,3 679046 692245 64
Valladolid . 7569 137,5 247458 261254 35
Viscaya . . 2165 39,3 189954 204043 94
Zamora . . 10615 192,8 249720 274312 26
Zusammen : 492230 8939,9 16061860 16733200 34
Balearen . 5014 91,o 289035 311652 62
Kanarische Inseln 7273 132,1 280974 311030 43
Spanien: 504517 9163,o 6631869 17355882 34
In Nordafrika² 35 0,6 [ 2476 2522 72
Totalsumme: 504552 9163,6 16634345 17358404 34
1 Mit Ceuta. - 2 Ohne Ceuta, welches zu Cadiz gehört.
Die Kolonien oder überseeischen Besitzungen (s. Karte
"Kolonien" mit Tabelle), nur noch ein geringer Überrest von
den unermeßlichen Gebieten, welche S. einst beherrschte,
umfassen zur Zeit
in Amerika: QKilom. QMeilen Einw.
Cuba. ........ 118833 2158,13 1521684
Puerto Rico ...... 9315 169,17 754313
in Asien:
Philippinen ...... 293726 5334,37 5559020
Sulu-Inseln . ..... 2456 44,60 75000
in Ozeanien :
Marianen ....... 1140 20,72 8665
Karolinen ....... 700 12,71 22000
Palau ... 750 13,62 14000
in Afrika (Guinea):
Fernando Po, San Juan etc. 2200 39,95 68656
Zusammen: 429120 7793,27 8023383
Die Spanier sind im allgemeinen ein körperlich
wohlgebildetes Volk, meist mittlerer Statur, hager, mit schwarzem
Haar. Die Frauen zeichnen sich durch feurige Augen und anmutiges
Wesen aus, entwickeln sich sehr frühzeitig, altern aber auch
bald. Der Spanier ist nüchtern, mäßig, mutig, voll
Nationalstolz, aber auch rachgierig, bigott und träge.
Nationalkleid der Männer ist der rund geschnittene, den ganzen
Körper umhüllende spanische Mantel (capa), das der Frauen
die Mantilla, welche mit einem Kamm am Kopf befestigt und über
der Brust gekreuzt wird. Die vorherrschende Farbe der Kleidung ist
die schwarze. Im übrigen wechselt die Tracht in den einzelnen
Provinzen bedeutend. Die höhern Stände haben
gegenwärtig meist die französische Mode angenommen.
Hauptvergnügen sind der Tanz, der mit Gesang oder
Kastagnetten, Tamburin und Guitarre begleitet wird, und die
Stiergefechte. Was die Konfession betrifft, so waren 16,603,959
Katholiken, 6654 Protestanten, 4021 Israeliten, 9645 Rationalisten,
271 Mohammedaner, 209 Buddhisten etc. Nach der Staatsverfassung
gilt die römisch-katholische Religion als Staatskirche; doch
darf niemand wegen seiner Konfession und wegen der Ausübung
seines Kultus, sofern die christliche Moral nicht darunter leidet,
behelligt werden. Für die Leitung der geistlichen
Angelegenheiten der katholischen Kirche gibt es in S. 9
Erzbischöfe (zu Toledo, Primas von S., Burgos, Granada,
Santiago, Saragossa, Sevilla, Tarragona, Valencia und Valladolid)
und 45 Suffraganbischöfe. Bischöfliche Jurisdiktion
übt auch der Patriarch von Indien aus, indem derselbe
Generalvikar des Heers und der Flotte ist. Der unterstehende Klerus
beziffert sich mit ca. 40,000 Weltgeistlichen, 800 Mönchen und
13,000 Nonnen. Eigentliche Mönchsklöster bestehen nicht
mehr, da dieselben bereits 1841 gesetzlich aufgehoben wurden. Es
sind nur 41 Häuser solcher religiöser Orden geblieben,
welche sich der Heranbildung von Missionären, dem
Jugendunterricht oder der Krankenpflege widmen. Protestantische
Gemeinden gibt es 60.
Bildungsanstalten.
In Bezug auf die geistige Kultur steht das spanische Volk trotz
seiner Begabung wegen des mangelhaften Volksunterrichts noch auf
einer tiefen Stufe, was darin seine Erklärung findet,
daß bis 1808 das öffentliche Unterrichtswesen ganz in
den Händen des Klerus war. Für den Elementarunterricht
bestehen (1881) 29,828 Volksschulen. Der Schulbesuch ist
obligatorisch. Während 1797 nur 393,126 Kinder die Volksschule
besuchten, stieg diese Zahl allmählich, namentlich infolge der
gesetzlichen Reformen der Jahre 1838, 1847 und 1857, auf 663,711 im
J. 1848, auf 1,046,558 im J. 1861 und auf 1,769,608 im J. 1881.
Normalschulen bestehen zur Heranbildung von Lehrern 47, für
Lehrerinnen 29. Zu den Sekundärschulen gehören die seit
1845 anstatt der frühern Lateinschulen bestehenden Institute
(institutos de segunda enseñanza), in welchen in einem
sechsjährigen Kursus die humanistischen und Realstudien
betrieben werden. Solcher Institute gibt es 61 mit ca. 35,000
Schülern. Neben ihnen bestehen die Colegios,
Privatvorbereitungsschulen zu den Universitäts- und
Spezialstudien. Universitäten hat S. 10: zu Madrid, Barcelona,
Granada (jede mit 5 Fakultäten, für Philosophie und
Litteratur, exakte Wissenschaften, Pharmazie, Medizin, Rechte), zu
Salamanca, Sevilla, Valencia (jede mit 4 Fakultäten, die
obigen ohne Pharmazie), Santiago und Saragossa (je 3
Fakultäten, erstere für Medizin, Pharmazie und Rechte,
letztere für Philosophie, Medizin und Rechte), Valladolid (2
Fakul-
68
Spanien (Landwirtschaft).
täten, für Medizin und Rechte), Oviedo (eine Fakultut,
für Rechte). Alle Universitäten zählen zusammen 475
Professoren und Dozenten und gegen 16,000 Studierende. Mit 7
Universitäten ist je eine Notariatsschule verbunden.
Höhere technische Lehranstalten sind: eine Architekturschule,
eine Schule für Handel und Industrie und eine Ingenieurschule
für Wege-, Kanal- und Hafenbau in Madrid; ferner eine Schule
für industrielle Technik in Barcelona. Zu den Fachschulen
gehören: die theologischen Seminare in den Bischofsitzen, die
königliche Schule für Diplomatik in Madrid, die neun
nautischen Schulen, die königliche Agrikulturschule in Madrid,
die königliche Forstingenieurschule im Escorial, die
landwirtschaftliche Schule in Cordova, die Lehranstalten für
Tierheilkunde in Madrid, Cordova, Leon und Saragossa, die
königliche Bergwerksingenieurschule in Madrid, die
Steigerschule in Almaden, die königliche Schule der
schönen Künste, die Nationalschule für Musik und
Deklamation (beide in Madrid), die Provinzialschulen für
schöne Künste in Barcelona, Sevilla, Valencia und
Valladolid, die Akademien für den Generalstab in Madrid,
für die Artillerie zu Segovia, für das Ingenieurkorps in
Guadalajara, für die Kavallerie in Valladolid, die allgemeine
Militärakademie in Toledo, die Seeschule in Ferrol. Zu den
Beförderungsmitteln der intellektuellen Bildung gehören
außerdem acht Akademien (davon sieben zu Madrid) und die
öffentlichen Bibliotheken, von denen die Nationalbibliothek zu
Madrid und die des Escorial die hervorragendsten sind. Die
bedeutendsten historischen und Kunstsammlungen sind: die
königliche Rüstkammer, das königliche Münz- und
Antiquitätenkabinett, das königliche Museum für
Gemälde und Skulpturen, das Nationalmuseum für
Gemälde und das naturhistorische Museum, sämtlich zu
Madrid. Botanische Gärten sind zu Madrid und Valencia, ein
astronomisch-meteorologisches Observatorium besitzt Madrid.
Land- und Forstwirtschaft etc.
Unter den Nahrungszweigen der Bevölkerung von S. nimmt der
Betrieb der Landwirtschaft die erste Stelle ein. Dabei steht aber
die Bodenbehandlung noch auf einer sehr unbefriedigenden Stufe. Die
Düngung ist eine ganz primitive, und auch in Bezug auf
landwirtschaftliche Geräte und Betriebsart haben die
Erfahrungen und Verbesserungen der Neuzeit fast gar keinen Eingang
gefunden. Zu Anfang des 19. Jahrh. war noch ein sehr großer
Teil vom Grund und Boden im Besitz der Toten Hand, d. h. des
Klerus, der Gemeinden, der milden Stiftungen und des Staats. Der
Verkauf der Kirchengüter wurde bereits 1820 und 1841
angeordnet sowie durch das Gesetz vom 1. Mai 1855 bestätigt,
welches überhaupt allen Grundbesitz und alle Grundzinsen der
Toten Hand der Veräußerlichkeit unterwirft. Die Bauern
sind persönlich frei und teils Eigentümer ihrer in der
Regel kleinen Grundstücke, teils Erbpachter. Der produktive
Boden umfaßt im ganzen 79,6 Proz. der Gesamtfläche, und
zwar kommen 33,8 Proz. auf Äcker und Gärten, 3.7 auf
Weinland, 1,6 auf Olivenpflanzungen, 19,7 auf natürliche
Wiesen und Weiden und 20,8 Proz. auf Wald. Der Boden bedarf in S.
zur Ertragsfähigkeit in der Regel künstlicher
Bewässerung, zu welchem Behuf großartige Anlagen teils
durch die Regierung, teils durch Vereine, teils durch große
Grundbesitzer und Kommunen hergestellt worden sind; gleichwohl
machen die bewässerten Ländereien nur einen kleinen Teil
der produktiven Bodenfläche aus. Am besten angebaut ist der
Boden in den Provinzen Palencia, Pontevedra, Coruña,
Valladolid und Barcelona, am wenigsten in den Provinzen Oviedo,
Huelva, Almeria und Santander. Die spanischen Staatsökonomen
unterscheiden in S. sieben Kulturregionen, nämlich die Region
des Zuckerrohrs, der Orangen, des Ölbaums, des Weinstocks, der
Cerealien, der Wiesen und Triften, der Heiden. Der Getreidebau ist
zwar fast überall ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft, am
bedeutendsten aber auf den Ebenen beider Kastilien, in Leon und im
Guadalquivirbecken. Die jährliche Getreideproduktion
beläuft sich bei einer guten Mittelernte auf nachfolgende
Mengen:
Weizen ..... 61142000 hl
Hafer ...... 4481000 hl
Roggen ..... 11629000 hl
Mais ....... 13173000 hl
Gerste ..... 27792000 hl
Reis ....... 1212000 hl
Am meisten wird Weizen gebaut, Roggen und Gerste besonders in
den nördlichen, Mais in den südlichen Provinzen. In
letztern kommen an verschiedenen Orten, aber vereinzelt, Reisfelder
vor, während sie in der Provinz Valencia eine
Hauptnahrungsquelle bilden. Einen Exportartikel bildet Weizenmehl,
insbesondere für die Provinz Valladolid. Der Anbau von
Kartoffeln ist minder bedeutend (18,3 Mill. hl Ertrag), jener von
Hülsenfrüchten dagegen sehr ausgedehnt, indem Erbsen und
Bohnen eine Lieblingsspeise der Spanier bilden und in großen
Mengen als Feldfrüchte gezogen werden (Ertrag an Kichererbsen
2,354,000hl). Kein Staat in Europa produziert so mannigfache Arten
von Gemüse wie S., wo die gartenmäßige Kultur
insbesondere in der Provinz Valencia betrieben wird. Außer
den gewöhnlichen Küchengewächsen werden kultiviert:
spanischer Pfeffer, der Liebesapfel (Lycopersicum esculentum) im
großen, die Wassermelone, die Schlangengurke, der
Kalebassenkürbis, stellenweise die tropische Batate (Batatas
edulis) und die Erdnuß (Cyperus esculentus). Die
verbreiterten Gartengewächse sind: Kohl, Salat, Zwiebeln,
Knoblauch, Gurken, Artischocken, Erdbeeren. Gemüse und
Gartenfrüchte geben auch einen nicht unbedeutenden
Exportartikel ab. Die Runkelrübe kennt man dagegen nur als
Viehfutter. Die Handelsgewächse des Landes sind: Hanf (am
besten in Granada und Murcia), Flachs, Waid, Safran,
Süßholz, Zuckerrohr, welches an der südlichen und
östlichen Küste, namentlich in der Provinz Malaga, gebaut
wird, und zwar infolge gesetzlichen Schutzes in steigendem
Maß, Raps in den nördlichen Provinzen, Kümmel in
der Mancha; ferner Senf, Mohn, Sesam, Rizinus und andre
Ölpflanzen. Die Baumwollstaude, welche noch vor 30 Jahren
einen Ausfuhrartikel für die Balkarischen Inseln bildete, wird
gegenwärtig fast gar nicht mehr kultiviert. Der Tabaksbau ist
untersagt. Espartogras (s. d.), das im Süden Spaniens unweit
der Seeküste ohne irgend eine Pflege reichlich wächst,
wird zu verschiedenen Flechtwerken, Seilen, Lauftüchern,
Bundschuhen etc. sowie zur Papierfabrikation verwendet und in
großen Mengen exportiert (jährlich ca. 400,000 metr.
Ztr.). Ein wichtiger Zweig der Bodenkultur ist die Fruchtbaumzucht.
Neben den mitteleuropäischen Obstarten, Wal- und
Haselnüssen findet man die schönsten Kastanienwälder
und die verschiedenartigsten Südfrüchte (Orangen,
Zitronen, Granaten, Feigen, Mandeln, Datteln, Johannisbrot,
indische Feigen, Bananen) nicht nur längs der Küste und
in den südlichen Provinzen, sondern auch in den warmen
Flußthälern des Nordens. Die Südfrüchte sowie
die Wal- und Haselnüsse bilden einen ergiebigen
Ausfuhrartikel. 1886 wurden an Orangen 816,666, Zitronen 73,493,
Mandeln 27,730 und Haselnüssen 40,090 metr. Ztr. ex-
69
Spanien (Viehzucht, Jagd, Fischerei, Forstwesen).
portiert. Ausgedehnte Landstriche sind namentlich im Süden
der Olivenkultur eingeräumt, welche einen wichtigen
Exportartikel liefert. Doch steht das spanische Öl wegen
schlechter Behandlung der Frucht in geringem Preis und wird
großenteils erst im Ausland, namentlich in Frankreich,
raffiniert. Die Produktion, welche vornehmlich in Andalusien,
Murcia, Valencia, Aragonien und Katalonien vertreten ist, ergibt in
günstigen Jahren ca. 2,5 Mill. hl Öl; die Ausfuhr
beträgt im Durchschnitt der letzten Jahre 250,000 metr. Ztr.
In den letzten Jahren hat sich der Anbau von Cacahuetes oder Mani,
einer Art Pistazie, aus der ein billiges und brauchbares Öl
bereitet wird, zu einem besondern Zweig der landwirtschaftlichen
Thätigkeit in der Provinz Valencia herausgebildet. Wichtige
Bodenkulturzweige sind noch die in großem Maßstab
betriebene Maulbeerbaum- und die Weinkultur. Durch die
geographische Lage und durch die klimatischen Verhältnisse
begünstigt, bringt das Land die feurigsten Weine in allen
Abarten und in großer Menge hervor. Der durchschnittliche
Ertrag beläuft sich auf mehr als 20 (1887: 28) Mill. hl. Die
berühmtesten Weine sind die andalusischen, insbesondere die
von Jeres de la Frontera, Puerto de Santa Maria und Malaga. Der
Export dieser Weine geht hauptsächlich nach England und
Amerika. Von den katalonischen Weinen sind nur die Sorten von Reus
und Tarragona vorzüglich, von den Valenciaweinen die roten
Benicarloweine geschätzt. Die Alicantiner Weine sind sehr fein
und ziemlich alkoholreich. Die kastilischen Weine, darunter der
ausgezeichnete Manchawein (Valdepeñas), werden meist im
Inland konsumiert. Die Aragonweine sind am dunkelsten, feinsten und
am wenigsten säuerlich. Vorzügliche Weingegenden sind
außerdem: Südnavarra, das untere Duerothal, Viscaya,
Orense, die Gegend von Plasencia und die Serena in Estremadura,
endlich Mallorca (vgl. Spanische Weine). Großen Absatz finden
die spanischen Weine seit den letzten Jahren in Frankreich, wo die
durch die Reblaus und durch die schlechten Ernten verursachten
Ausfälle außer durch italienische auch durch spanische
Weine (meist aus den nordöstlichen Provinzen) gedeckt werden.
Im ganzen werden jährlich über 7 Mill. hl, davon gegen 6
Mill. nach Frankreich, exportiert. Daneben bilden auch frische
Trauben einen Ausfuhrartikel (1886: 192,000 metr. Ztr.). Von
Wichtigkeit ist ferner die Kultur der Rosinen, namentlich werden
Rosinen aus den Provinzen Alicante (Denia) und Malaga ins Ausland,
hauptsächlich nach England und Nordamerika, geführt
(1886: 384,460 metr. Ztr.). Die hervorragendsten Futterkräuter
sind Luzerne und Esparsette. Eigentliche Wiesen gibt es nur in den
nördlichen Provinzen und in den höhern Gebirgsgegenden.
Viel ausgedehnter ist das Weideland in solchen Strecken, welche
auch zum Ackerbau oder zur Forstkultur geeignet wären, jedoch
vorzugsweise zur Zucht von Schafen dienen, wie in Estremadura,
Niederandalusien, Aragonien, Altkastilien und Leon.
Von großer Bedeutung ist die Viehzucht. Man zählte
1878 in S. 460,760 Pferde, 941,653 Maultiere, 890,982 Esel,
2,353,247 Rinder, 16,939,288 Schafe, 3,813,006 Ziegen, 2,348,602
Schweine. Die früher so berühmte, dann in Verfall
geratene Pferdezucht hat einen neuen Aufschwung genommen. Die
besten Pferde sind die andalusischen und unter diesen wieder die
von Cordova. Indessen reicht die Zahl der gezüchteten Pferde
für den Bedarf des Landes nicht aus. Auf die Zucht der
Maultiere und Esel, welche nicht nur die bevorzugtesten Haustiere
sind, sondern auch in Menge ausgeführt werden, wird
große Sorgfalt verwendet. Die Zucht des Rindviehs
zerfällt in die der zahmen Rinder und die der zu den
Stiergefechten erforderlichen wilden Stiere, welche auf einsamen,
hoch gelegenen Triften und in den Gebirgen, namentlich in Navarra,
in der Sierra Guadarrama, Sierra Morena und am Guadalquivir, gehegt
werden. Das zahme Rindvieh ist nicht sehr groß, aber stark
und gut gebaut; das beste wird in den nördlichen Provinzen
gezüchtet, wo auch allein Milch-, Butter- und
Käsewirtschaft getrieben wird. Die spanische Schafzucht, einst
die erste der Welt und Quelle ungeheurer Einkünfte, ist, wenn
auch immer noch ansehnlich, von der andrer Länder
überflügelt worden und in Abnahme begriffen. Die Ursache
hiervon ist besonders darin zu suchen, daß die Regierung
behufs der Hebung der Agrikultur 1858 die lästige Bestimmung
aufhob, daß von den Grundbesitzern, durch deren Gebiet die
Herden (von und nach den Winterquartieren in Estremadura) ziehen,
eine Schaftrift von 90 Schritt Breite zu beiden Seiten der
Straße freigelassen werden mußte. Gegenwärtig
muß, soweit das Wandern mit Schafherden noch besteht,
für die Benutzung der Weiden ein Pachtgeld gezahlt werden. Die
Mehrzahl der Merinoherden gehört nämlich großen
Grundbesitzern von Leon, Altkastilien und Niederandalusien. Der
Wollertrag der spanischen Schafe ist zwar sehr gesunken (auf ca. 20
Mill. kg, und zwar nur zum geringern Teil feine und brauchbare
Wolle); doch bildet Schafwolle noch immer einen Exportartikel
(1886: 92,000 metr. Ztr.). Wichtig ist die Hämmelzucht,
vorzüglich für Niederaragonien, wo sich stets Käufer
aus ganz S. zusammenfinden. Die Ziegenzucht ist besonders in den
Gebirgsgegenden heimisch und Ziegenkäse ein wichtiger
Gegenstand des innern Handels, während die Felle in Menge
exportiert werden. Schweinezucht wird überall, im
größten Maßstab jedoch in Estremadura betrieben.
Treffliche Schinken sowie Würste und Borsten gelangen zur
Ausfuhr. Schweine- und Ziegenhäute werden in S. allgemein zu
Weinschläuchen, welche inwendig ausgepicht werden,
verarbeitet. In den Provinzen Murcia und Cadiz kommen auch Kamele
(1878: 1597 Stück) vor. Beträchtliche Ausfuhr von Vieh
findet nach Portugal und England statt. Von Federvieh werden
vornehmlich Hühner, in Estremadura und Andalusien auch
Truthühner gezüchtet; von geringem Belang ist die
Bienenzucht, von Wichtigkeit dagegen die (früher allerdings
noch bedeutendere) Seidenzucht, die namentlich in Valencia und
Murcia ihren Sitz hat (s. unten). Die Kochenillezucht (1820 in
Südspanien eingeführt) wird jetzt um Malaga und Motril in
größerm Maßstab betrieben.
Jagd und Fischerei sind in S. frei, doch wird erstere nicht
besonders eifrig getrieben; das häufigste Haarwild sind
Kaninchen, das meiste Federwild Rebhühner. Der Fang von
Thunfischen, Sardinen, Sardellen und Salmen und das
Einräuchern derselben beschäftigt an den Küsten von
Viscaya, Galicien, Andalusien, Valencia und Katalonien Tausende von
Menschen und liefert bedeutende Mengen für den Export. Auch
die Korallenfischerei an der Küste von Andalusien hat sich in
neuester Zeit gehoben. Die Waldwirtschaft steht in S. noch auf
einer niedrigen Stufe. Der Holzboden nimmt zwar über 20 Proz.
des gesamten Areals ein; doch sind infolge der
Vernachlässigung der Kultur, der unbeschränkten
Brennholznutzung, der Schädigung der Wälder durch Hirten
und Herden und der planlosen Ausnutzung der Privat- und
Staatsforsten nur etwa 9 Proz. noch wirklich mit Holz
bestanden.
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Spanien (Bergbau und Hüttenwesen).