Hamburg, hatte 1844 den ersten Zeichenunterricht bei H. Kauffmann
in Hamburg, besuchte 1845-48 die Gewerbe- und Zeichenschule in
Hanau unter Th. Plissier, lebte 1849-51 in Antwerpen, wo er die
Akademie jedoch nur kurze Zeit besuchte, und ging 1851 nach Paris,
wo er bei Couture und dem Bildhauer Triqueti arbeitete, sich aber
vorwiegend durch das Studium der Meister der deutschen Renaissance
(Dürer und Holbein) bildete. Nachdem er noch ein Jahr in
Italien zugebracht (1857-1858), ließ er sich in Berlin
nieder, wo er als Professor lebt. Von seinen frühern Bildern
sind zu nennen: das geraubte Kind, der Rattenfänger von
Hameln, St. Johannisabend in Köln, Walpurgisnacht. Seinen Ruf
begründete S. jedoch erst durch seine Historienbilder, die im
Anschluß an die altdeutschen Meister sich durch klare
Komposition, Korrektheit der Zeichnung und fleißige
Durchführung des Einzelnen auszeichnen. Luthers Hausmusik,
Luther als Junker Georg, Luther die Bibel übersetzend (1870,
Berliner Nationalgalerie), Luther und Melanchthon, Luther im Kreise
seiner Familie musizierend und Luthers Einzug in Worms sind die
Hauptbilder dieser Reihe. Den Höhepunkt seines Schaffens
erreichte er in dem tief ergreifenden Zug des Todes (1876, in der
Berliner Nationalgalerie), mit Figuren in der Tracht der
Renaissance, welcher ihm die große goldene Medaille
einbrachte. Hinter diesem Hauptwerk blieben seine spätern
Schöpfungen (am Scheideweg, das Irrlicht, die Frauen am Grab
Christi) an Tiefe der Empfindung und Gedankeninhalt zurück.
Für das Treppenhaus der Universität Halle führte er
einen Cyklus von die vier Fakultäten versinnlichenden
Wandgemälden aus, wofür er 1888 zum Ehrendoktor der
Philosophie promoviert wurde.
5) Paul, Maler, geb. 26. Juli 1843 zu Güstrow
(Mecklenburg), bildete sich an der Akademie zu Berlin, bei
Professor Stesseck daselbst und bei Stever in Düsseldorf, dann
ein Jahr lang in Paris, machte Reisen nach Spanien und Italien und
ließ sich 1876 in Berlin nieder, wo er als Porträtmaler
thätig ist und namentlich in Damenbildnissen durch geschicktes
Arrangement und glänzende koloristische Behandlung des
Stofflichen Hervorragendes leistet.
Spangenhelm, s. Helm, S. 363.
Spangrün, s. Grünspan.
Spanheim, 1) Ezechiel, namhafter Staatsmann und
Rechtsgelehrter, geb. 7. Dez. 1629 zu Genf, wo sein Vater Friedrich
S. (gest. 1648 in Leiden) Professor der Theologie war, studierte
hier und in Leiden, wurde 1651 Professor der Beredsamkeit in seiner
Vaterstadt und Mitglied des Großen Rats, später Erzieher
der Söhne des Kurfürsten von der Pfalz, mit denen er
Italien u. Sizilien bereiste. 1665 wurde er kurpfälzischer und
zugleich brandenburgischer Resident in England, trat dann ganz in
die Dienste des Kurfürsten von Brandenburg, ging 1680 als
außerordentlicher Gesandter nach Paris, wo er neun Jahre
verweilte, und ward dann zum Staatsminister ernannt. Er nahm 1697
teil an den Friedensverhandlungen zu Ryswyk und ging darauf von
neuem als Gesandter nach Paris, 1702 als außerordentlicher
Gesandter nach London, wo er 7. Nov. 1710 starb. S. besaß
eine umfassende Gelehrsamkeit im Gebiet der Staaten- und
Rechtsgeschichte und im Münzwesen des Altertums. Seine
Hauptwerke sind: die "Dissertationes de usu et praestantia
numismatum antiquorum" (beste Ausgabe, Lond. u. Amsterd. 1706-16, 2
Bde.) und die Schrift "Orbis romanus" (Lond. 1704, Halle 1728).
Wegen der sachlichen Erläuterungen sind seine Ausgaben des
Julianus (Leipz. 1696) und Kallimachos (Utr. 1697, 2 Bde.) sowie
die französische Übersetzung der "Imperatores" des
Julianus (beste Ausg., Amsterd. 1728) schätzenswert. Auch
lieferte er Kommentare zu mehreren Komödien des Aristophanes
(Amsterd. 1710). Seine wertvolle Bibliothek wurde von Friedrich I.
angekauft und der königlichen Bibliothek in Berlin
einverleibt.
2) Friedrich, Kirchenhistoriker, Bruder des vorigen, geb. 1632
zu Genf, studierte in Leiden und erhielt nach Vollendung seiner
Studien 1656 eine Professor der Theologie zu Heidelberg, 1670 zu
Leiden, wo er 1701 starb. Er hat sich als Polemiker und Forscher im
Fach der Kirchengeschichte bekannt gemacht. Seine Werke erschienen,
mit Ausnahme der in französischer Sprache geschriebenen, in 3
Bänden (Leid. 1701-1703).
Spani, Prospero, ital. Bildhauer, s. Clementi 1).
Spanien (hierzu die Karte "Spanien und Portugal", bei den
Alten auch Iberien, bei den Griechen Hesperien genannt, span.
España, franz. l'Espagne, lat. Hispania),
westeuropäisches Königreich, erstreckt sich, den bei
weitem größten Teil der Pyrenäischen Halbinsel
einnehmend, zwischen 36-43° 47' nördl. Br. und 9° 22'
westl. - 3° 20' östl. L. v. Gr.
Übersicht des Inhalts.
Seite
Grenzen, Küsten.................63
Bodengestaltung.................64
Gewässer........................65
Klima...........................65
Vegetation, Tierwelt............66
Areal und Bevölkerung...........66
Bildungsanstalten...............67
Land- und Forstwirtschaft.......68
Bergbau und Hüttenwesen.........70
Industrie.......................71
Handel und Verkehr..............72
Wohlthätigkeitsanstalten........73
Staatsverfassung................73
Verwaltung......................74
Rechtspflege....................74
Finanzen........................75
Heer und Flotte.................75
Wappen, Orden...................75
Geograph.-statist. Litteratur...76
Geschichte......................76
S. grenzt gegen N. an Frankreich (durch die Pyrenäen davon
geschieden), an die Republik Andorra und an den Viscayischen
Meerbusen, gegen W. an das Atlantische Meer und an Portugal,
während es im übrigen vom Atlantischen Ozean und vom
Mittelländischen Meer bespült wird. Der nördlichste
Punkt Spaniens ist die Estaca de Vares, der westlichste das Kap
Toriñana, beide in Galicien, der südlichste die Punta
Marroqui bei Tarifa, der östlichste das Kap de Creus. Die
größte Ausdehnung von N. nach Süden beträgt
856 und von O. nach W. 1020 km. Die Grenzentwickelung beläuft
sich auf 3340 km. Die Nordküste verläuft fast geradlinig,
bildet nur zwischen Gijon und Aviles sowie zwischen Rivadeo und La
Coruña bedeutendere Vorsprünge gegen N. und zeichnet
sich vor den übrigen Küsten des Landes durch Schroff-
63a
Karte Spanien und Portugal.
64
Spanien (Bodengestaltung).
heit und Unzugänglichkeit aus, indem hier die Gebirge fast
überall dicht ans Meer heranrücken. Zugänglich ist
sie nur an den Mündungen der Flüsse und der tief in das
Land einschneidenden Meeresarme (rias), welche namentlich an der
Küste von Galicien häufig auftreten. Auch die
Westküste Spaniens trägt im ganzen diesen Charakter; doch
ist sie viel zugänglicher als jene, weil hier die Gebirge nur
in den Kaps bis an das Meer herantreten und sich im Hintergrund der
Rias gewöhnlich Ebenen befinden. Die Süd- und
Ostküste läßt dagegen eine Anzahl weiter, flacher
Meerbusen und dazwischen befindliche, in felsige Vorgebirge endende
Landvorsprünge erkennen, ist also gegliederter als die Nord-
und Westküste und durch sichere Häfen zugänglich.
Die wichtigsten Buchten der Südküste sind von W. nach O.
die Golfe von Cadiz, Malaga und Almeria sowie die Bucht von
Cartagena, an der Ostküste die Bai von Alicante und der Golf
von Valencia.
Bodengestaltung.
Was die Bodengestaltung anlangt, so besteht die Pyrenäische
Halbinsel zum großen Teil aus einem das Zentrum derselben
einnehmenden Plateau oder Tafelland von trapezoidaler Gestalt, das
ein Areal von etwa 231,000 qkm (4200 QM.) bedeckt und ringsum von
Gebirgen umwallt ist, auch mehrere Gebirgsmassen auf seiner
Oberfläche trägt. Dieses zentrale Tafelland gehört
ganz und gar zu S. und besteht aus zwei großen Plateaus,
einem höhern nördlichen und einem etwas niedrigern
südlichen. Ersteres umfaßt die Hochebenen von Leon und
Altkastilien, letzteres die von Neukastilien, Estremadura und die
nördliche Hälfte von Murcia. Beide Plateaus sind durch
einen hohen, von ONO. nach WSW. sich erstreckenden Gebirgszug
(Kastilisches Scheidegebirge) größtenteils voneinander
geschieden. Nach O. ansteigend, senken sie sich nach W., so
daß die Hauptflüsse westlichen Lauf haben, im
nördlichen Plateau der Duero, im südlichen der Tajo und
Guadiana, zwischen welchen beiden Flüssen sich in der
westlichen Hälfte des Plateaus das ziemlich bedeutende
Gebirgssystem von Estremadura erhebt. Die Hochebene von
Altkastilien und Leon hat eine mittlere Höhe von 810, die von
Neukastilien und Estremadura von 784 m. Die vier Abhänge des
zentralen Tafellandes zeigen sehr verschiedene Gestaltung. Der
steil ins Meer abstürzende Nordabhang wird vom Kantabrischen
Gebirge, der westlichen Fortsetzung der Pyrenäen, gebildet und
ist sehr schmal. Weit breiter ist der östliche oder iberische
Abhang, der in mehreren terrassenartigen Absätzen in die
Tiefebene von Aragonien und zum Golf von Valencia abfällt und
bloß stellenweise isolierte Gebirgsmassen aufweist. Eine
ähnliche, wenn auch weniger deutlich ausgeprägte
Terrassenbildung zeigt der südliche oder bätische Abhang,
welcher bloß gegen O. (in den Provinzen Murcia und Alicante)
bis an die Küste des Mittelmeers herantritt, im übrigen
in die Tiefebene Niederandalusiens und zu den Küsten des
Atlantischen Meers absinkt. Derselbe wird ganz von den welligen
Bergen der Sierra Morena eingenommen, welche sich über die
Hochebenen Neukastiliens und Estremaduras nur als niedrige
Gebirgskette erhebt. Der westliche oder lusitanische Abhang, der
breiteste und eigentümlichste, gehört
größtenteils Portugal an. Im ganzen lassen sich sechs
voneinander fast unabhängige Gebirgssysteme unterscheiden,
nämlich: das pyrenäische System, das iberische System
oder das östliche Randgebirge des Tafellandes, das zentrale
System oder das Kastilische Scheidegebirge, das Gebirgssystem von
Estremadura oder das Scheidegebirge zwischen Tajo und Guadiana, das
marianische System oder das südliche Randgebirge des
Tafellandes und das bätische System oder die Bergterrasse von
Granada (mit der Sierra Nevada, der höchsten Erhebung der
Halbinsel). Die eingehendere Beschreibung dieser Gebirgssysteme
findet sich in den Artikeln Pyrenäen, Kantabrisches Gebirge,
Iberisches Gebirge, Sierra Morena, Sierra Nevada etc. Zwischen dem
iberischen und pyrenäischen Gebirgssystem breitet sich das
ausgedehnte Ebrobassin oder das iberische Tiefland aus. Dasselbe
erstreckt sich von NW. nach SO. und mißt gegen 300 km in der
Länge und gegen 150 km in der Breite. Es zerfällt in eine
nordwestliche kleinere und eine südöstliche
größere Abteilung, welche, durch Höhenzüge
voneinander getrennt, bei Tudela ineinander übergehen.
Während das obere Bassin ein eigentliches Plateau bildet,
dessen tiefste Punkte noch eine absolute Höhe von mehr als 300
m haben, trägt das untere Ebrobassin, wenigstens in seiner
letzten Hälfte, wo es sich bedeutend erweitert, mehr den
Charakter eines Tieflandes, dessen tiefste Punkte, z. B. die
Salzseen von Bajaraloz, ungefähr 100 m ü. M. liegen.
Beide Bassins enthalten neben höchst fruchtbaren Strecken auch
weite öde Steppengebiete. Zwischen dem bätischen und
marianischen Gebirgssystem breitet sich das bätische Tiefland
oder das Bassin des Guadalquivir aus, welches sich von ONO. nach
WSW. erstreckt, 330 km lang und bis 90 km breit ist und ebenfalls
in zwei Hauptabteilungen zerfällt: das kleine Becken des obern
Guadalquivir und das fünfmal so große Bassin des
mittlern und untern Guadalquivir. Während jenes ein
entschiedenes Plateau ist, das sich bis 475 m ü. M. erhebt und
nicht tiefer als bis 160 m herabsinkt, bildet das letztere oder
Niederandalusien ein Flachland, welches durch den Jenil in zwei
ungleiche Stücke geteilt wird. Das östliche kleinere
Stück, die Campiña de Cordova bildet eine hügelige
Fläche mit bis über 130 m ansteigenden Punkten; das
restliche größere, die Ebene von Sevilla, ein
eigentliches Tiefland, dessen Boden sich nirgends über 80 m
ü. M. erhebt. Das Bassin des Ebro und das des Guadalquivir
sind alte Meeresgolfe und daher mit brackischen
mitteltertiären Ablagerungen erfüllt. Durch jenes werden
die Pyrenäen (s. d.) mit ihrem Terrassenabfall nach Katalonien
und Aragonien, durch dieses die Gebirge von Granada mit der Sierra
Nevada in der Art vom Hauptkörper des spanischen Hochlandes
getrennt, daß dieselben nur an ihren Enden mit ihm durch
Berg- und Plateaulandschaften in Verbindung stehen.
Was die geognostische Beschaffenheit des Landes betrifft, so
spielen die plutonischen Eruptivgesteine und die ältern oder
primären Sedimentärgesteine eine hervorragende Rolle,
namentlich in der südwestlichen Hälfte der Halbinsel, wo
Granit, Gneis und andre kristallinische Gesteine, Thonschiefer und
Grauwacke fast ausschließlich vorherrschen, während in
der nordöstlichen Hälfte die jüngern Sedimente
vorwiegend sind. Nur in der Pyrenäenkette und längs der
Küste von Katalonien (zwischen dem Golf von Rosas und
Barcelona) treten Gneis und kristallinische Sedimentärgesteine
wieder in bedeutender Mächtigkeit auf. Unter den
sekundären Sedimenten erscheinen die Glieder der Kreide-, der
jurassischen und der Triasperiode am meisten verbreitet. Die
Kreideformation umfaßt namentlich den größten Teil
der Kantabrischen Kette, der Pyrenäischen Terrasse und den
Nordrand des nördlichen Tafellandes und tritt
Spanien (Gewässer, Klima).
65
außerdem am Ost- und Südrand des Plateaus von
Altkastilien und im westlichen Teil des zentralen Gebirgssystems
sowie im nordwestlichen Randgebirge der Terrasse von Granada auf.
Die ältern Sekundärformationen, wie die Gesteine der
Steinkohlenformation, treten nur in geringem Umfang und zerstreut
auf. Gleichwohl besitzt S. so gewaltige Steinkohlenbecken,
daß, wenn dieselben gehörig aufgeschlossen wären,
das Land nicht nur keiner fremden Kohlen mehr bedürfte,
sondern sogar bedeutende Mengen ausführen könnte. Am
meisten ist die Steinkohlenformation in Asturien, Leon und
Altkastilien entwickelt. Eine ungeheure Verbreitung haben dann
wieder die tertiären und diluvialen Ablagerungen, die nicht
nur den bei weitem größten Teil der beiden
Zentralplateaus, sondern auch die Becken des Ebro, des
Guadalquivir, des mittlern Guadiana und des untern Tajo
erfüllen. Diese Ablagerungen enthalten sehr viel Salz.
Vulkane, aber schon seit vorgeschichtlicher Zeit erloschen, finden
sich vereinzelt, z. B. bei Rio Tinto, Ciudad Real in der Mancha,
Gerona etc. Sehr verbreitet, besonders in der südwestlichen
Hälfte (z. B. Estremadura), sind Eruptionen der
verschiedenartigsten Porphyre und Grünsteine, daher auch das
häufige Vorkommen metamorphosierter Gesteine, im SW.
namentlich metamorphischer Schiefer. Über den Reichtum
Spaniens an Erzen und Mineralien s. den Abschnitt "Bergbau und
Hüttenwesen" (S. 70).
Gewässer.
In hydrographischer Hinsicht zerfällt das Land in das
Gebiet des Atlantischen Ozeans und das des Mittelmeers, welch
letzterm sein östliches Dritteil angehört. Die
Wasserscheide zwischen beiden Gebieten beginnt auf den Parameras
von Reinosa am Südrand der Kantabrischen Kette, wo die
Quellbäche des Ebro und des in den Duero sich
ergießenden Pisuerga nicht 10 km weit voneinander entfernt
auf einer vollkommen ebenen Fläche entspringen, und endigt an
der Meerenge von Gibraltar, indem sie über den Kamm des
iberischen Gebirgszugs (Sierra de la Demanda, Pico de Urbion,
Sierra del Moncayo, die Parameras von Molina) bis zur Sierra de
Albarracin läuft, dann das Plateau von Neukastilien schneidet
und über die Sierra de Alcaraz und das Gebirge von Segura auf
die Plateaus der Terrasse von Granada übergeht, deren
östliches Randgebirge ihr letztes Stück bildet. Der
westlichen Abdachung zum Atlantischen Ozean gehören an: der
Duero, Tajo, Guadiana und Guadalquivir, der östlichen zum
Mittelmeer der Ebro. Unter den zahlreichen Küstenflüssen
zeichnen sich die der Nordküste dadurch aus, daß sie
trotz ihrer unbedeutenden Länge in ihrem untersten Lauf
schiffbar sind. Die beträchtlichsten sind von O. nach W.:
Bidassoa, Orio, Deva, Nervion, Besaya, Nalon, Navia, Rivadeo,
Landrone, Mandeo und Allones. Die Flüsse der Westküste
sind zwar länger, doch meist gar nicht schiffbar; die
bedeutenden sind: der Tambre, Ulla und besonders der Minho
(Miño). Die Südküste hat zwar viele Flüsse,
doch nur einen einzigen im untersten Lauf schiffbaren, nämlich
den Guadalete; außerdem verdienen noch der Odiel und Rio
Tinto Erwähnung sowie zwischen der Meerenge von Gibraltar und
dem Kap Palos: der Guadiaro, Guadalhorce, Rio de Almeria,
Almanzora. Auch die lange Ostküste hat nur zwei schiffbare
Küftenflüsse aufzuweisen, den Segura und Llobregat.
Nächstdem sind zu nennen: der Jucar, Turia oder Guadalaviar,
Millares (Mijares), Tordera, Ter und Fluvia. Größere
Seen gibt es nur an der Süd- und Südostküste,
nämlich die Strandseen Albusera und Mar Menor und die Laguna
de la Janda in der Nähe der Meerenge von Gibraltar. Kleinere
Seen sind: die wegen ihrer mephitischen Ausdünstung
berüchtigte Laguna de la Nava bei Palencia, die salzhaltige
Laguna de Zoñar in der bätischen Steppe und die
gleichfalls salzige Laguna de Gallocanta im Süden von Daroca
am Ostabhang des Tafellandes. Sehr zahlreich sind die
Mineralquellen; von 1500, die S. besitzt, sind aber erst etwa 325
untersucht. Die kälteste ist die Schwefelsaline zu Loeches in
Neukastilien (15° C.), die heißeste die Fuente de Leon zu
Mombuy in Katalonien (70° C.).
Klima.
Die eigentümliche Plastik des Landes hat eine große
Verschiedenheit des Klimas zur Folge. Es lassen sich drei
klimatische Zonen unterscheiden: eine mitteleuropäische oder
kältere gemäßigte Zone, zu welcher der
größte Teil der Nordküste, die nördlichen
Gegenden der Hochebene von Leon und Kastilien und das Plateau von
Alava gehören; eine afrikanische oder subtropische, welche
Andalusien bis zur Sierra Morena, Granada, die
südöstliche Hälfte von Murcia und den
südlichsten Teil von Valencia begreift, und eine
südeuropäische oder wärmere gemäßigte
Zone, welche alles übrige Land umfaßt. In der
mitteleuropäischen Zone haben die Litoral- und tiefer
gelegenen Gegenden ein sehr angenehmes Klima, indem die Temperatur
selbst im heißesten Sommer nicht leicht über +33° C.
steigt, an den kältesten Wintertagen kaum unter -3° sinkt
und Frost und Schneefall nur vorübergehend auftreten. Die
Atmosphäre ist meist feucht, Regen besonders im Herbst und
Frühling häufig. Die Thäler der Nordküste
gehören zu den gesündesten Gegenden Europas. Ein ganz
andres Klima herrscht auf den Hochflächen des altkastilischen
Tafellandes; hier sind heftiger Frost und starker Schneefall schon
im Spätherbst keine Seltenheit, und während des Winters
ist durch Schneemassen oft wochenlang alle Kommunikation
unterbrochen. Im Frühling bedecken kalte Nebel oft tagelang
das Land, und im Sommer herrscht glühende Hitze, die selten
durch Regen gemäßigt wird. Dabei sind in jeder
Jahreszeit Stürme häufig. Erst die von Regengüssen
begleiteten Äquinoktialstürme bringen dem Plateauland
angenehme Witterung. Von Ende September bis November ist der Himmel
fast stets unbewölkt, und die Fluren bedecken sich mit
frischem Grün; doch oft schon im Oktober machen
Frühfröste diesem zweiten Frühling ein Ende. Einen
Gegensatz zu diesem der Gesundheit sehr nachteiligen Klima bieten
die innerhalb der südeuropäischen Zone gelegenen
Küstenstriche dar, namentlich die Flußthäler
Südgaliciens, wo ein gleichmäßiges, mildes
Küstenklima herrscht, indem die mittlere Temperatur des
Sommers ungefähr +20°, die des Winters +16°
beträgt und Frost und Schnee selten, Regen und Tau häufig
sind. Die Ebenen und Thäler der Südost- und Ostküste
haben im allgemeinen ein dem des südlichen Frankreich
entsprechendes, nur wärmeres Küstenklima, doch nicht ohne
bedeutende und häufige Temperaturschwankungen. Die
afrikanische Zone der Halbinsel ist dadurch ausgezeichnet,
daß in ihren Tiefebenen, Küstengegenden und tiefen
Thälern Schnee und Frost fast unbekannte Erscheinungen sind,
indem die Temperatur höchst selten bis 3° sinkt. Die
heißesten Gegenden sind die Südostküste bis
Alicante sowie die angrenzenden Ebenen, Hügelgelände und
Plateaus von Murcia und Ostgranada. Weit gemäßigter sind
die Küstengegenden Niederandalusiens. Der glühend
heiße, alle Vegetation versengende Solano (Samum) sucht
am
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
5
66
Spanien (Pflanzen- und Tierwelt, Areal und
Bevölkerung).
häufigsten die südöstlichen Küstenstriche
heim. Im übrigen ist das Klima in den niedern Gegenden der
afrikanischen Zone ein angenehmes Küstenklima mit einer
mittlern Temperatur, die nicht leicht über +24,5° steigt
oder unter +12° C. fällt. Der eigentliche Frühling
beginnt hier Ende Februar und dauert an der Küste bis Mitte
Mai, im Innern bis Anfang Juni. Während des Sommers
vertrocknet auch hier die Vegetation, wie auch die
Äquinoktialregen einen zweiten Frühling hervorzaubern,
welcher aber nicht schnell verfließt, wie im Plateauland,
sondern durch den minder blütenreichen Winter, fast die
angenehmste Jahreszeit jener Gegenden, in den eigentlichen
Frühling übergeht. Die Ebenen und Küstengegenden der
afrikanischen Zone haben folglich acht Monate Frühling und
vier Monate Sommer. Was die eigentlichen Gebirgsgegenden anlangt,
so lassen sich hier fünf Regionen unterscheiden: die untere
oder warme (bis 800 m) mit 27-17° mittlerer Temperatur, die
Bergregion (800-1600 m) mit 16-9°, die subalpine Regton
(1600-2000 m) mit etwa 8-4°, die alpine Region (2000-2500 m)
mit 3°-0, die Schneeregion (2500-3500 m) mit einer mittlern
Jahrestemperatur von wahrscheinlich unter 0. In den Pyrenäen
findet sich ewiger Schnee nur in der Zentral- und östlichen
Kette, wo die Grenze desselben auf der spanischen Seite bei 2780 m
liegt. In der Sierra Nevada, dem höchsten Gebirge Spaniens,
nimmt man die Schneelinie am Nordabhang bei 3350, am Südabhang
bei 3500 m an, weshalb hier bloß die höchsten Gipfel,
und auch diese sparsam, mit ewigem Schnee bedeckt sind.
Pflanzen- und Tierwelt.