Arrondissement Verviers, in waldiger Gebirgsgegend, an der
Staatsbahnlinie Gouvy-Pepinster, hat Fabrikation von lackierten
Holzwaren (bois de Spa), Wollkratzen und Spindeln, Gerbereien,
Eisenhämmer, Hochöfen, eine höhere Knabenschule und
(1887) 7278 Einw., ist aber namentlich berühmt durch seine
Mineralquellen, von denen die stärkste (Pouhon) in der Stadt,
15 außerhalb derselben liegen. Die wichtigsten der letztern
sind: Géronstère, Sauvenière, die beiden
Tonnelets, Groesbeck, Barisart, Nivesé und Marie-Henriette.
Sie besitzen eine Temperatur von 9-10° C. und gehören zu
den alkalisch-eisenhaltigen Säuerlingen, weshalb sie
namentlich gegen Hypochondrie, Hysterie, Verschleimung,
Magenleiden, Nervenschwäche empfohlen und jährlich von
11-12,000 Kurgästen aus allen Weltgegenden, insbesondere aus
England, besucht werden. S. besitzt daher auch viele prächtige
Gebäude, mit allem Komfort eingerichtete Gasthäuser,
glänzende Etablissements für Vergnügungen und
reizende Spaziergänge. Das Wasser des Pouhon wird unter dem
Namen Spaawasser weithin versendet. Vgl. Scheuer, Traité des
eaux de S. (2. Aufl., Brüssel 1881).
Spaargebirge, Höhenzug auf dem rechten Elbufer bei
Meißen in Sachsen, 199 m hoch. Hier wird der beste
Meißener Wein gebaut.
Spaccaforno, Stadt in der ital. Provinz Syrakus
(Sizilien), Kreis Modica, mit (1881) 8588 Einw. In der Nähe
das sogen. Troglodytenthal (Valle d'Ispica) mit vielen oft in drei
Geschossen übereinander in den Fels gehauenen, teilweise sehr
schwer zugänglichen Höhlen, welche der
ursprünglichen Bevölkerung wahrscheinlich zu Wohnungen
dienten.
Spaccio (ital., spr. spattscho), Absatz, Vertrieb.
Spach (spackig), vor Trockenheit geborsten (Holz).
Spach, Ludwig Adolf, elsäss. Geschichtsforscher,
geb. 27. Sept. 1800 zu Straßburg, studierte daselbst
60
Spachtel - Spalato.
1820-23 die Rechte, ward dann Erzieher in Paris, Rom und der
Schweiz, 1840 Archivar des Departements Niederrhein und daneben
1848-54 Schriftführer des protestantischen Direktoriums und
1872 Honorarprofessor an der Universität. Er starb 16. Okt.
1879 in Straßburg. Er schrieb: "Histoire de la Basse-Alsace"
(1859); "Lettres sur les archives départementales du
Bas-Rhin" (Straßb. 1861); "Inventaire sommaire des archives
départementales du Bas-Rhin" (das. 1863 ff., 3 Bde.). Seine
zahlreichen kleinern Arbeiten (darunter die "Biographies
alsaciennes", 3 Bde.) erschienen gesammelt als "OEuvres choisies"
(Nancy 1869-71, 5 Bde.). In deutscher Sprache veröffentlichte
er: "Moderne Kulturzustände im Elsaß" (Straßb.
1872-74, 3 Bde.); das Drama "Heinr. Waser" (das. 1875); "Zur
Geschichte der modernen französischen Litteratur" (das. 1877);
"Dramatische Bilder aus Straßburgs Vergangenheit" (das. 1876,
2 Bde.). Unter dem Pseudonym Louis Lavater verfaßte er
mehrere Romane: "Henri Farel" (1834), "Le nouveau Candide" (1835),
"Roger de Manesse" (1849). Vgl. Kraus, Ludw. S. (Straßb.
1880).
Spachtel, s. v. w. Spatel.
Spack, s. v. w. Steinsalz, s. Salz, S. 236.
Spada (ital.), Schwert, Degen.
Spada, Palast in Rom, s. Rom, S. 908.
Spadicifloren (Kolbenblütler), Ordnung im
natürlichen Pflanzensystem unter den Monokotyledonen,
charakterisiert durch einen meist kolbenförmigen
Blütenstand, der häufig von einem großen
Hüllblatt umgeben ist und zahlreiche kleine Blüten
trägt, welche gewöhnlich eingeschlechtig, ein- oder
zweihäusig sind und kein oder doch kein blumenkronartig
gefärbtes Perigon besitzen; die Samen enthalten Endosperm,
welches den kleinen, geraden Keimling umgibt. Die Ordnung besteht
aus den Familien: Aroideen, Pandaneen, Cyklantheen, Palmen und
Typhaceen.
Spadille (franz., spr. -dihj), die höchste
Trumpfkarte im L'hombrespiel (Pik-As) und in dem diesem nach
gebildeten Solospiel (Eichel-Ober).
Spadix (lat.), Kolben, s. Blütenstand, S. 80.
Spado (lat.), ein Verschnittener, Eunuch.
Spagat (Spaget, v. ital. spaghetto), in Österreich,
Bayern etc. s. v. w. Kanzleibindfaden.
Spagirisch (ital.), s. v. w. alchimistisch.
Spagniolgeschmack, s. Firnewein.
Spaguolette (ital., spr. spanjo-), spanischer Drehriegel,
Riegelstange am Fenster; auch s. v. w. spanische Zigarrette.
Spaguoletto (spr. spanjo-), Maler, s. Ribera.
Spagnuólo (spr. spanj-), Maler, s. Crespi 3).
Spahi (türk., pers. Sipahi, "Krieger, Heer"), in
Mittelasien der dem Fürsten zur Stellung von Soldaten
verpflichtete Adel, welche Bezeichnung später auf die Soldaten
selbst überging, woraus die englischen Sepoys (s. d.)
entstanden. S. hießen in der Türkei die von den
Lehnsträgern zu stellenden Reiter, später war es die
Bezeichnung der irregulären türkischen Reiterei, welche
gleichzeitig mit den Janitscharen (s. d.) entstand und den Kern der
türkischen Reiterei bildete. S. heißen die 4
französischen Reiterregimenter, von denen 3 zu 6 Eskadrons in
Algerien und 1 zu 3 Eskadrons in Tunis stehen. Sie wurden um 1834
aus Eingebornen gebildet und sind heute organisiert und bewaffnet
wie die übrige französische Kavallerie, aber von
französischen Offizieren befehligt.
Spaichingen, Oberamtsstadt im württemberg.
Schwarzwaldkreis, an der Prim und der Linie Rottweil-Immendingen
der Württembergischen Staatsbahn, 659 m ü. M., hat eine
kath. Kirche, ein Gewerbemuseum, ein Amtsgericht, ein Revieramt,
ein Hauptsteueramt, Zigarren-, Trikot-, Schuh- und Holzwaren- und
Uhrenfabrikation, Klavier- und Orgelbau, Buchdruckerei,
Bierbrauerei und (1885) 2441 meist kath. Einwohner. Nahebei der
Dreifaltigkeitsberg mit Wallfahrtskirche.
Spalatin, Georg Burkhardt, Beförderer der
Reformation, geb. 1484 zu Spalt im Bistum Eichstätt (daher
sein Name), lag seit 1499 in Erfurt, gleichzeitig mit Luther,
humanistisch-philosophischen Studien ob, ward 1502 Magister zu
Wittenberg, studierte dann in Erfurt noch die Rechte und Theologie,
wurde 1509 Erzieher von Johann Friedrich, dem nachherigen
Kurfürsten von Sachsen, 1514 ernannte ihn Friedrich der Weise
zu seinem Hofkaplan, dann zu seinem Geheimschreiber und zum
Bibliothekar an der Universität Wittenberg. S. war seitdem der
vertrauteste Diener des Kurfürsten, den er fast zu allen
Reichstagen begleitete, und dessen Beziehungen zu Luther er fast
ausschließlich vermittelte; seine nicht hoch genug
anzuschlagenden Verdienste um die deutsche Reformation sind bisher
noch viel zu wenig gewürdigt. Johann der Beständige, der
ihn ebenso wie sein Vorgänger zu schätzen wußte,
ernannte ihn 1525 zum Ortspfarrer und Superintendenten von
Altenburg. 1530 begleitete S. den Kurfürsten zum Augsburger
Reichstag. Von 1527 bis 1542 entwickelte er eine bedeutende
Thätigkeit bei der Organisation der evangelischen Kirche der
sächsischen Lande. Er starb 16. Jan. 1545 in Altenburg. S.
schrieb die Biographien von Friedrich dem Weisen (hrsg. von
Neudecker und Preller, Weim. 1851) und Johann dem Beständigen;
"Christliche Religionshändel oder Religionssachen", von
Cyprian irrig "Annales Reformationis" (Leipz. 1718) genannt, und
eine Geschichte der Päpste und Kaiser des
Reformationszeitalters. Seine meist im Archiv zu Weimar liegenden
Briefe sind noch ungedruckt. Vgl. J. Wagner, G. S. und die
Reformation der Kirchen und Schulen in Altenburg (Altenb. 1830);
Seelheim, G. S. als sächsischer Historiograph (Halle 1876);
Burkhardt, Geschichte der sächsischen Kirchen- und
Schulvisitationen von 1524 bis 1545 (Leipz. 1879).
Spálato (slaw. Spljet), Stadt in Dalmatien,
halbmondförmig auf der Südseite einer Halbinsel im Grund
einer Bucht des Adriatischen Meers gelegen, die schönste und
volkreichste Stadt des Landes, teilt sich in die Altstadt, die
Neustadt und vier Vorstädte. Öffentliche Plätze
sind: der Domplatz (Piazza del Tempio) und der Herrenplatz. Die
Stadt ist reich an antiken Baudenkmälern. Den ganzen Raum der
Altstadt nahm der umfangreiche Palast des Kaisers Diokletian ein,
von dessen südlicher Fronte namentlich ein 125 m langes
Peristyl mit Vestibulum erhalten ist (s. Tafel "Baukunst VI", Fig.
12 u. 13), welches gegenwärtig den Domplatz bildet. Die an
demselben gelegene Kathedrale (das ehemalige Diokletianische
Mausoleum), ein wohlerhaltener römischer Gewölbebau,
bildet außen ein mit korinthischen Säulen geziertes
Achteck, innen eine Rotunde mit Kuppel. Beim Eingang steht eine
ägyptische Sphinx, und neben dem Dom erhebt sich ein
imposanter Glockenturm aus dem 15. Jahrh. Der
gegenüberstehende Äskulaptempel dient jetzt als
Taufkapelle und ist gleichfalls sehr gut erhalten. Außerdem
sind die Trümmer der Diokletianischen Wasserleitung
bemerkenswert. Auf der Ostseite der Stadt erhebt sich das Fort
Grippi. S. zählt (1880) mit den Vorstädten 14,513 Einw.
Der Hafen ist etwas versandet und wird
61
Spalding - Spaltbarkeit.
durch einen Damm gegen die Südwinde geschützt. 1886
sind daselbst 1814 beladene Schiffe mit 286,366 Ton. eingelaufen.
Die Stadt treibt Wein-, Öl- und Gemüsebau, Fabrikation
von Likören (Rosoglio und Maraschino), Seiler- und Teigwaren,
Seife, Ziegeln, Kalk und Zement, ferner Schiffbau,
Küstenschiffahrt, lebhaften Handel mit Wein und Vieh sowie
auch Durchfuhrhandel und Niederlagsverkehr nach Bosnien und der
Herzegowina. S. besitzt eine Gasanstalt, eine Filiale der
Österreichisch-Ungarischen Bank, 2 Lokalbanken und ist der
Ausgangspunkt der Dalmatischen Eisenbahn nach Siveric mit
Abzweigung nach Sebenico. Es ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft,
eines Kreis- und Bezirksgerichts, einer Finanzbezirksdirektion,
eines Hauptzoll- und Hauptsteueramtes, eines Hafenkapitanats, einer
Handels- und Gewerbekammer, eines deutschen Konsuls, eines Bischofs
(bis 1807 Erzbischofs) und Kathedralkapitels und hat 8
Klöster, ein Diözesanseminar, ein Obergymnasium, eine
Oberrealschule, Knaben- und Mädchenschule, Lehr- und
Erziehungsanstalt der Barmherzigen Schwestern, Kinderbewahranstalt,
ein Krankenhaus, Findelhaus, Theater, Museum für
Altertümer (insbesondere die Ausgrabungen aus Salonä
enthaltend). Am Fuß des Bergs Marian (170 m, schöner
Überblick) sind zu Bädern benutzte kalte Schwefelquellen.
- In den oben erwähnten Kaiserpalast zog sich Diokletian nach
seiner Abdankung zurück. Als im 6. und 7. Jahrh. das
benachbarte Salonä (s. d.) zerstört worden war, bauten
sich dessen Einwohner innerhalb der Residenz Diokletians an, und so
entstand eine kleine Stadt, welche anfangs Palatium, dann Spalatium
(Salonae Palatium) hieß, woraus dann der Name S. entstand.
Die um die Mitte des 17. Jahrh. errichteten Festungswerke sind bis
auf das Fort Grippi unter der französischen Herrschaft
abgetragen worden. Vgl. Lanza, Dell' antico palazzo di Diocleziano
in S. (Triest 1855); Hauser, S. und die römischen Monumente
Dalmatiens (Wien 1883).
Spalding, Stadt in Lincolnshire (England), am schiffbaren
Welland, Hauptort des "Holland" genannten Distrikts der Fens (s.
d.), hat lebhaften Handel mit Wolle, Vieh und Kohlen und (1881)
9260 Einw.
Spalding, 1) Johann Joachim, protest. Theolog, geb. 1.
Nov. 1714 zu Tribsees in Schwedisch-Pommern, ward 1749 Prediger zu
Lassahn, 1757 erster Prediger zu Barth, 1764 Propst an der
Nikolaikirche in Berlin und später auch Oberkonsistorialrat,
in welcher Stellung er für religiöse Aufklärung
wirkte, bis ihn 1788 das Wöllnersche Religionsedikt (s. d.)
veranlaßte, seine Stelle niederzulegen. Er starb 26.
März 1804 in Berlin. Unter seinen Schriften sind als typisch
für seine Zeit noch heute hervorzuheben: "Gedanken über
den Wert der Gefühle in dem Christentum" (Leipz. 1761, 5.
Aufl. 1785); "Über die Nutzbarkeit des Predigtamts" (1772, 3.
Aufl. 1791). Seine Autobiographie erschien Halle 1804.
2) Georg Ludwig, Philolog, Sohn des vorigen, geb. 8. April 1762
zu Barth, vorgebildet in Berlin, studierte seit 1780 in
Göttingen und Halle, ward 1787 Professor am Grauen Kloster und
Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin und starb 7.
Juni 1811 in Friedrichsfelde bei Berlin. Er schrieb: "Vindiciae
philosophorum megaricorum" (Halle 1792), gab Demosthenes' "In
Midiam" (Berl. 1794; neubearbeitet von Buttmann, das. 1823) heraus
und machte sich namentlich um Quintilian verdient ("Quintiliani
opera", Leipz. 1798-1816, 4 Bde.; Bd. 5 von Zumpt, 1829; Bd. 6:
"Lexicon" von Bonnel, 1834). Vgl. Walch, Memoria Spaldingii (Berl.
1821).
Spalier (franz. espalier, ital. spaliéra,
Baumgeländer), Latten- und Drahtwerk, woran Weinstöcke
und Obstbäume in die Breite gezogen und mit den Ästen und
Zweigen angebunden werden; wird gewöhnlich an sonnigen
Wänden angebracht. Am besten benutzt man hierzu verzinkten
Eisendraht, der durch verzinkte Eisenstützen festgehalten,
durch sogen. Drahtspanner (s. d.) angezogen, bez. (über
Winter) nachgelassen wird.
Spalierbaum, s. Obstgarten, S. 312.
Spallanzani, Lazzaro, Naturforscher, geb. 12. Jan. 1729
zu Scandiano im Herzogtum Modena, studierte zu Bologna
Naturwissenschaft, ward 1756 Professor zu Reggio, später in
Modena und Pavia, bereiste die Schweiz, den Orient und einen Teil
Deutschlands und starb 11. Febr. 1799 in Pavia. Er lieferte 1785 in
seiner Arbeit über die Zeugung den experimentellen Nachweis
der Befruchtung der Eier durch die Samenkörper, machte auch
Untersuchungen über die Reproduktion und die Fortpflanzung der
Frösche, über die Infusionstierchen, über einen
eigentümlichen Sinn der Fledermäuse, über die
Wirkung des Magensafts und den Blutkreislauf und beschrieb die
naturhistorischen Merkwürdigkeiten der von ihm bereisten
Länder. Er schrieb: "Opuscoli di fisica animale e vegetabile"
(Mod. 1780, 2 Bde): "Viaggi alle due Sicilie ed in alcune parti
degli Apennini" (Pavia 1792, 6 Bde.; deutsch, Leipz. 1795, 4 Bde.);
"Expériences pour servir à l'histoire de la
génération des animaux et des plantes" (Genf 1786).
1889 wurde ihm in Scandiano ein Denkmal errichtet.
Spalmadores (Kujun-Adassi, "Schaf-Inseln"), kleine
türk. Inselgruppe in der gleichnamigen Meerenge zwischen der
Insel Chios und der Westküste von Kleinafien (im Altertum
Önussä).
Spalmeggio (spr. -meddscho), ein Nebel, s. Bora.
Spalt, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken,
Bezirksamt Schwabach, an der Fränkischen Rezat u. der Linie
Georgensgmünd-S. der Bayrischen Staatsbahn, 362 m ü. M.,
hat 3 Kirchen, Bierbrauerei, starken Hopfenbau und (1885) 2060
meist kath. Einw.
Spaltbarkeit der Mineralien, die Eigenschaft, in
bestimmten Richtungen geringere Grade der Kohärenz zu besitzen
als in den übrigen dazwischenfallenden Richtungen, so
daß selbst bei unbedeutender Größe trennender
Kräfte senkrecht zu diesen Richtungen der Minima der
Kohärenz Spaltbarkeitsflächen
(Blätterdurchgänge) erzeugt werden können. Die
Flächen, welche durch die S. erzeugt werden, stehen im engsten
Zusammenhang mit den morphologischen Eigenschaften der Mineralien
und gehören ausnahmslos einer Figur an, die demselben
Kristallsystem zuzuzählen ist, in welchem die betreffende
Spezies kristallisiert. So ist der tesseral kristallisierende
Bleiglanz in drei aufeinander senkrechten Richtungen, den sechs
Würfelflächen entsprechend, spaltbar, der tesserale
Flußspat in vier (oktaedrischen) Richtungen, der hexagonale
Kalkspat nach den Flächen eines Rhomboeders und zwar derart,
daß diese durch Spaltung erhaltenen Formen, abgesehen von der
Zugehörigkeit zum gleichen System, von der äußern
Begrenzung der Individuen unabhängig ist. So erhält man
durch Zertrümmerung von Kalkspat Rhomboeder, sei der Kristall
selbst ein Rhomboeder oder ein Skalenoeder oder eine hexagonale
Säule. Diesem Zusammenhang zwischen Spaltungsform und
Kristallsystem entsprechend, können zu Blättchen teilbare
Mineralien (monotome) nicht dem tesseralen System angehören,
da in diesem eine der Monotomie entsprechende Kristallform (ein
Flächenpaar)
62
Spaltfrüchte - Spangenberg.
nicht möglich ist. Aus gleichem Grund können
quadratisch oder hexagonal kristallisierende Mineralien nur
senkrecht zur kristallographischen Hauptachse (optischen Achse)
monotom spaltbar sein, während in dem rhombischen und den
klinoedrischen Systemen Monotomie nach mehr denn einer Richtung
möglich ist. Die Leichtigkeit, charakterisierende Formen
selbst bei äußerlich mangelnder
Gesetzmäßigkeit der Begrenzung darstellen zu
können, macht die S. für die Bestimmung der
Mineralspezies sehr wertvoll.
Spaltfrüchte (Schizocarpia), s. Frucht, S. 755.
Spaltfüßer (Entomostraca), s. Krebstiere,
177.
Spalthufer, s. v. w. Wiederkäuer.
Spaltöffnungen (Stomata), s. Epidermis.
Spaltpilze, s. Pilze I., S. 68.
Spaltschnäbler (Fissirostres), nach Cuvier u. a.
Familie aus der Ordnung der Sperlingsvögel, mit kurzem,
dreieckigem, flachem, bis weit hinter die Augen gespaltenem
Schnabel. Hierher gehört die Gattung Schwalbe u. a.
Spaltung (Kirchenspaltung), s. Schisma.
Spampanaten (ital.), Aufschneidereien.
Spanböden, s. v. w. Sparterie, s. Geflechte.
Spandau (Spandow), Stadt (Stadtkreis) und Festung im
preuß. Regierungsbezirk Potsdam, am Einfluß der Spree
in die Havel und an den Linien Berlin-Buchholz und Berlin-Lehrte
der Preußischen Staatsbahn, 32 m ü. M., hat 2
evangelische und eine kath. Kirche (unter jenen die Nikolaikirche
aus dem 14. Jahrh.), ein Gymnasium, ein Amtsgericht, eine
Militärschießschule, ein Krankenhaus, 2 Hospitäler,
ein Militärlazarett, ein Zentralfestungsgefängnis,
Geschützgießerei, Pulver-, Munition- und
Gewehrfabrikation, eine Artilleriewerkstatt, ein
Feuerwerkslaboratorium (sämtlich Staatsanstalten), einen
großen Pferdemarkt und (1885) mit der Garnison (4. Gardereg.
zu Fuß, 3. Gardegrenadierreg., 2 Bat.
Gardefußartillerie und ein Trainbat. Nr. 3) 32,009 meist
evang. Einwohner. Durch zahlreiche Neubauten und die Anlage von
detachierten Forts ist S. zum Schutz von Berlin in eine Festung
ersten Ranges umgewandelt. In der Citadelle steht der Juliusturm
mit dem deutschen Reichskriegsschatz (s. d.). - S., eine der
ältesten Städte der Mittelmark, empfing schon 1232
Stadtrecht und war später mehrfach Residenz der
Kurfürsten von Brandenburg. Nachdem es schon 1319-50 mit einer
Mauer umgeben war, wurden die Festungswerke 1626-48 verstärkt
und 1842 bis 1854 zeitgemäß umgebaut. 1631-34 wurde S.
von Georg Wilhelm den Schweden eingeräumt, 25. Okt. 1806 von
Beneckendorf an die Franzosen übergeben. Am 26. April 1813
ergab es sich nach kurzer Blockade dem preußischen General v.
Thümen. Vgl. Krüger, Chronik der Stadt und Festung S.
(Spand. 1867); Kuntzemüller, Geschichte der Stadt und Festung
S. (das. 1881).
Spandrille, in der Baukunst ein Zwickel zwischen einem
Bogen und dessen rechtwinkeliger Einfassung (s. vorstehende
Abbildung).
Spange, Nadel, Schmucknadel (s. Fibel), ursprünglich
zur Befestigung des Mantels oder Gürtels dienend; dann auch im
weitern Sinn für Brosche, Armband etc. gebraucht. Über
vorhistorische Spangen s. Metallzeit.
Spangenberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Kassel, Kreis Melsungen, an der Pfiefe und der Linie
Treysa-Leinefelde der Preußischen Staatsbahn, 264 m ü.
M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine
Oberförsterei, Zigarren- und Peitschenfabrikation, Ziegeleien
und (1885) 1676 Einw. Dabei das gleichnamige Bergschloß, das
zur kurhessischen Zeit als Staatsgefängnis benutzt wurde,
jetzt aber leer steht. S., ursprünglich einem Zweig der Herren
v. Treffurt gehörig, wurde 1347 hessisch.
Spangenberg, 1) August Gottlieb, der zweite Stifter der
Evangelischen Brüderunität, geb. 1704 zu Klettenberg in
der Grafschaft Hohenstein, ward auf der Universität Jena
gebildet und 1732 Adjunkt der theologischen Fakultät zu Halle
sowie Inspektor des dortigen Waisenhauses. Nachdem er 1743 aus
Halle auf Befehl des Königs vertrieben war, schloß er
sich der Brüdergemeinde an, machte mehrere Missionsreisen in
Europa und Amerika, wurde 1762 nach Zinzendorfs Tode dessen
Nachfolger als Bischof und starb 18. Sept. 1792 in Berthelsdorf. Er
schrieb das "Leben Zinzendorfs" (Barby 1772, 2 Bde.) und "Idea
fidei fratrum, oder kurzer Begriff der christlichen Lehre in der
Brüdergemeinde" (das. 1779). Vgl. Ledderhose, Leben
Spangenbergs (Heidelb. 1846); Knapp, Beiträge zur
Lebensgeschichte Spangenbergs (1792; hrsg. von Frick, Halle
1884).
2) Ernst Peter Johannes, gelehrter Jurist, geb. 6. Aug. 1784 zu
Göttingen, studierte daselbst die Rechte, habilitierte sich
1806, trat aber dann zur richterlichen Laufbahn über und ward
1811 Generaladvokat bei dem kaiserlichen Gerichtshof zu Hamburg,
1814 Assessor bei der Justizkanzlei in Celle, 1816 Hof- und
Kanzleirat an diesem Gerichtshof, 1824 Oberappellationsgerichtsrat
und 1831 Beisitzer des königlichen Geheimratskollegiums zu
Hannover. Er starb 18. Febr. 1833 in Celle. Während der
westfälischen Herrschaft schrieb er mehrere auf das
französische Recht bezügliche Werke, wie die
"Institutiones juris civilis Napoleonei" (Götting. 1808) und
den "Kommentar über den Code Napoléon" (das. 1810-1811,
3 Bde.). Von seinen übrigen zahlreichen Schriften nennen wir:
"Einleitung in das Römisch-Justinianeische Rechtsbuch"
(Hannov.1817); "Die Minnehöfe des Mittelalters" (Leipz. 1821);
"Beiträge zu den deutschen Rechten des Mittelalters" (Halle
1822); "Jakob Cujas" (Leipz. 1822); "Juris romani tabulae
negotiorum sollemnium" (das. 1822); "Die Lehre von dem
Urkundenbeweise" (Heidelb. 1827, 2 Abtlgn.). Von Strubes
"Rechtlichen Bedenken" besorgte S. eine neue Ausgabe (Hannov.
1827-28, 3 Bde.), wie er auch Hagemanns "Praktische
Erörterungen aus allen Teilen der Rechtsgelehrsamkeit" (Bd.
8-10, 1829-37) fortsetzte. Noch sind von ihm zu erwähnen:
"Sammlung der Verordnungen und Ausschreiben für sämtliche
Provinzen des hannoverschen Staats bis zur Zeit der Usurpation"
(Hannov. 1819-25, Tl. 1-3 und Tl. 4 in 4 Abtlgn.); "Neues
vaterländisches Archiv" (Lüneb. 1822-32, 22 Bde.);
"Kommentar zur Prozeßordnung für die Untergerichte des
Königreichs Hannover" (Hannov. 1829-1830, 2 Abtlgn.); "Das
Oberappellationsgericht in Celle" (Celle 1833).
3) Louis, Maler, geb. 1824 zu Hamburg, war anfangs Architekt und
Eisenbahntechniker und wid-
63
Spangenhelm - Spanien.
mete sich erst nach 1845 der Landschafts- und Architekturmalerei
in München bei E. Kirchner und in Brüssel. Nach
längern Studienreisen durch Frankreich, England, Italien und
Griechenland ließ er sich 1857 in Berlin nieder. Seine
Landschaften, deren Motive teils Norddeutschland, teils
Griechenland und Italien entlehnt sind, zeichnen sich durch
großartige und strenge Auffassung mit Neigung zum Stilisieren
und bei meist ernster Stimmung aus. Die hervorragendsten derselben
sind: Akrokorinth, die Akropolis von Athen, Bauernhof in Oldenburg,
der Regenstein im Harz, norddeutscher Eichenwald, Neptuntempel und
Basilika in Pästum, Theater des Herodes Atticus in Athen,
Motiv aus dem Engadin, Torfmoor in Holstein. In der technischen
Hochschule zu Charlottenburg hat er eine Reihe von
Wandgemälden mit berühmten Baudenkmälern des
Altertums ausgeführt.