Dalmatien, franz. Marschall, geb. 29. März 1769 zu St.-Amans
la Bastide (Tarn) als Sohn eines Landmanns, trat 1785 als Gemeiner
in das Regiment Royal-Infanterie, ward 1791 Offizier, bald darauf
Kapitän und zeichnete sich unter Custine und Hoche aus. 1794
zum Brigadegeneral ernannt, focht er 1796 und 1797 am Main und
Rhein, befehligte 1799 eine Brigade in der Avantgarde unter
Lefebvre bei der Donauarmee und erwarb sich hierauf als Führer
einer Division besonders in der Schlacht von Stockach (25.
März) hohen Ruhm. Dafür zum Divisionsgeneral ernannt und
zu der Armee in der Schweiz unter Masséna versetzt,
unterwarf er die widerspenstigen kleinen Kantone, überfiel,
während Masséna die Russen schlug, die
Österreicher und verfolgte auch die russischen
Heerestrümmer. 1800 übernahm er unter Massénas
Oberkommando den Befehl über den rechten Flügel der
italienischen Armee und wurde, bei einem Ausfall aus Genua schwer
ver-
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
4
50
Soultz - Soust de Borkenfeldt.
wundet, gefangen. Nach der Schlacht von Marengo in Freiheit
gesetzt, erhielt er den Oberbefehl in Piemont, wo er mit kluger
Mäßigung die ausbrechenden Aufstände zu
dämpfen wußte. 1802 wurde er zum Generalobersten der
Konsulargarde ernannt und befehligte von 1803 bis 1805 die Truppen
im Lager von Boulogne. Bei Napoleons I. Thronbesteigung ward er zum
Marschall erhoben. 1805-1807 befehligte er das 4. Armeekorps bei
Austerlitz, Jena und Eylau. Nach dem Tilsiter Frieden zum Herzog
von Dalmatien ernannt, erhielt er 1808 das Kommando der
Zentralarmee in Spanien. Er bestand hier 16. Juni 1809 gegen das
britische Heer den blutigen Kampf bei Coruña,
überschritt Anfang März den Minho und trieb das
britisch-portugiesische Heer bis Porto zurück. An Jourdans
Stelle zum Generalstabschef der Armee in Spanien ernannt, schlug er
12. Nov. 1809 die spanische Armee bei Ocaña, nahm 1810
Sevilla und trieb die Spanier nach Cadiz zurück. Am 11.
März 1811 eroberte er Badajoz und lieferte 16. Mai den
Engländern und Portugiesen die Schlacht bei Albuera. 1813
übernahm er in der Schlacht bei Großgörschen an
Bessières' Stelle das Kommando über die Gardeinfanterie
und befehligte bei Bautzen das Zentrum, ward aber dann wieder nach
Bayonne geschickt, um Wellingtons weiterm Vordringen Schranken zu
setzen. Er drang Ende Juli von neuem in Spanien ein, ward aber bei
Cubiry (27. Juli) mit großem Verlust zurückgeschlagen.
Ein zweiter Versuch des Vordringens (Ende August) endete mit seiner
Niederlage bei Irun und seinem Rückzug nach Bayonne. Obwohl er
27. Febr. 1814 die Schlacht bei Orthez verlor, lieferte er
Wellington noch 10. April mit kaum 20,000 Mann die blutige Schlacht
von Toulouse. Erst am 12. räumte er Toulouse und schloß,
indem er sich zugleich dem König von Frankreich unterwarf, am
19. einen Waffenstillstand. Er wurde von Ludwig XVIII. zum
Gouverneur der 13. Militärdivision, 3. Dez. 1814 aber an
General Duponts Stelle zum Kriegsminister ernannt. Als Napoleon 1.
März bei Fréjus landete, dankte S. ab; er zog sich auf
ein Landgut bei St.-Cloud zurück, erschien erst nach
mehrmaliger Aufforderung bei Napoleon und übernahm 11. Mai die
Stelle eines Generalstabschefs. Er befand sich in den Schlachten
von Ligny und Waterloo an Napoleons Seite, übernahm, als
dieser in Laon die Armee verließ, das Oberkommando derselben
und leitete den Rückzug bis Soissons. Durch die
königliche Ordonnanz vom 12. Jan. 1816 aus Frankreich
verbannt, ging er nach Düsseldorf. 1819 erhielt er die
Erlaubnis zur Rückkehr und ward sei 1821 wieder unter den
Marsch allen aufgeführt und 1827 zum Pair erhoben. Von Ludwig
Philipp 18. Nov. 1830 zum Kriegsminister ernannt, behauptete er
sich beinahe vier Jahre (bis 1834) auf seinem Posten und erhielt
auch im Mai 1832 die Präsidentschaft im Kabinett. Im Mai 1839
übernahm er nach Molés Sturz von neuem das
Präsidium im Kabinett zugleich mit dem Portefeuille des
Auswärtigen, doch scheiterte dieses liberale Ministerium schon
im Januar 1840 an der Dotationsfrage. Nach Thiers' Rücktritt
ließ sich S. 29. Okt. 1840 nochmals zur Übernahme des
Portefeuilles des Kriegs und der Präsidentschaft bewegen,
legte aber 1846 ersteres und 1847 letztere nieder und ward zum
Maréchal général de France ernannt. Er starb
26. Nov. 1851 auf seinem Schloß in St.-Amans. Seine wertvolle
Gemäldesammlung, die er in den spanischen Feldzügen
zusammengeraubt, trug bei der Versteigerung fast 1½ Mill.
Frank ein. S. war ohne höhere Bildung, besaß aber um so
mehr natürlichen Scharfblick, große Bravur und
glühenden Ehrgeiz. Er galt für den besten Taktiker unter
Napoleons Generalen. Die 1816 geschriebenen Memoiren des Marschalls
gab sein Sohn heraus (I. Teil: "Histoire des guerres de la
Révolution", 1854, 3 Bde.). Vgl. Combes, Histoire
anecdotique de Jean de Dieu S. (Par. 1870). - Sein Sohn Hector
Napoléon S., Herzog von Dalmatien, geb. 1801, diente unter
der Restauration im Generalstab und betrat 1830 die diplomatische
Laufbahn. Er war erst französischer Gesandter in den
Niederlanden, dann zu Turin und bekleidete seit 1844 dieselbe
Stelle zu Berlin. Vor der Februarrevolution Mitglied der Zweiten
Kammer, trat er 1850 in die Legislative und verfocht hier die Sache
der Orléans. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 trat er
ins Privatleben zurück und starb 31. Dez. 1857. Des Marschalls
Bruder, Pierre Benoît S., geb. 20. Juli 1770 zu St.-Amans,
schwang sich in den Kriegen der Republik und des Kaiserreichs
ebenfalls zu höhern Chargen empor und starb als
Generalleutnant 7. Mai 1843 in Tarbes.
Soultz, Stadt, s. Sulz.
Soumet (spr. ssuma), Alexandre, franz. Dramatiker, geb.
8. Febr. 1788 zu Castelnaudary, folgte frühzeitig seiner
Neigung zur Poesie und begründete seinen Ruhm 1814 durch die
rührende Elegie "La pauvre fille". Er besang nacheinander das
Kaiserreich, die Restauration und die Juliregierung und wurde von
allen belohnt; 1815 erhielt er von der Akademie Preise für die
Gedichte: "La découverte de la vaccine" und "Les derniers
moments de Bayard", trat 1824 in die Akademie und starb 30.
März 1845 als Bibliothekar in Compiègne. Am meisten
berühmt ist er wegen seiner Tragödien und Epen. In der
Mitte stehend zwischen Klassizität und Romantizismus, hat er
eine gewisse Mittelmäßigkeit nie überschritten;
doch wußte er sich durch kluges Eingehen auf die Ideen und
den Geschmack seiner Zeit großen Erfolg zu sichern. Von
seinen Tragödien sind zu nennen: "Clytemnestre" und
"Saül" (1822), Jeanne d'Arc" (1825), "Élisabeth de
France" (1828, eine lächerliche Bearbeitung von Schillers "Don
Karlos"), "Une fête de Néron" (1829) und einige andre,
an denen seine Tochter mitgearbeitet hat. Unter seinen Epen ist
bemerkenswert "La divine épopée" (1840, 2 Bde.; 2.
Aufl. 1841), die ab er weit hinter ihrem Vorbild, der
"Göttlichen Komödie", zurückbleibt. Das Thema ist
die Erlösung der Hölle durch Christus, aber die
Gedankenarmut sucht er durch wilde Phantasien und abgeschmackte
Ungeheuerlichkeiten zu verdecken. Einzelnes Gute findet sich in dem
Epos "Jeanne d'Arc" (1845). Außerdem schrieb er:
"L'incrédulité", Gedicht (1810); "Les scrupules
littéraires de Madame de Staël" (1814) u. a.
Souper (franz., spr. ssupeh), Abend-, Nachtessen;
soupieren, zu Abend essen. S. de Candide, Gastmahl, bei dem die
Gäste betrunken gemacht werden, um dann im Spiel etc.
ausgeplündert zu werden (nach Voltaires "Candide", 2).
Soupir (franz., spr. ssupihr. "Seufzer"), s. Sospiro.
Source (franz., spr. ssurs), Quelle, Ursprung.
Sourdeval (spr. ssurd'wall), Marktflecken im franz.
Departement Manche, Arrondissement Mortain, an der Bahnlinie
Montsecret-S., hat Granitbrüche, Fabrikation von Metallwaren,
Papier etc., Pferdehandel und (1881) 1534 Einw.
Sous bande (franz., spr. ssu bangd), unter Kreuz- oder
Streifband.
Soust de Borkenfeldt, Adolphe van, belg. Dichter und
Kunsthistoriker, geb. 6. Juli 1824 zu Brüssel,
51
Soutache - Southey.
gest. 23. April 1877 als Chef der Abteilung für die
schönen Künste im Ministerium des Innern daselbst. Von
seinen Dichtungen, welche der vlämischen Bewegung in seinem
Vaterland wie der Wiedergeburt des Deutschen Reichs galten, sind zu
nennen: "Rénovation tlamande", "Venise sauvée" und
"L'année sanglante" (Lond. 1871, unter dem Pseudonym Paul
Jane; deutsch von Dannehl, Bresl. 1874); von seinen
kunstgeschichtlichen und kunstkritischen Büchern:
"Études sur l'état présent de l'art en
Belgique" (1858) und "L'école d'Anvers".
Soutache (franz., spr. ssutásch), Litzenbesatz;
soutachieren, mit Litzenbesatz verzieren.
Soutane (franz., spr. ssu-), ein von den katholischen
geistlichen nicht im Amt getragener, langer, eng anliegender Rock
mit engen Ärmeln, von oben bis unten durch dicht gesetzte
Knöpfe verschlossen, bei Kardinälen hochrot, bei
Bischöfen und Hausprälaten des Papstes violett, beim
Papst weiß, bei allen übrigen Geistlichen schwarz; von
derselben Farbe der dazu gehörende Gürtel. Die erst
angehenden Kleriker pflegen die kürzere Soutanelle zu
tragen.
Soutenieren (franz., spr. ssu-), (aufrecht) halten,
stützen, unterstützen; bewähren, behaupten.
Souterrain (franz., spr. ssuterrang), das zum Teil in den
Erdboden versenkte Geschoß eines Hauses, zu Wohnungen,
Geschäfts- und Wirtfchaftsräumen dienend. Im ersten Fall
muß es eine lichte Höhe von mindestens 2,6 m besitzen,
wovon 1,6 m über dem Erdboden sich befinden müssen; auch
soll es nach Süden oder SO. gelegen und zum Schutz gegen
Bodenfeuchtigkeit mit Isolierschichten versehen sein.
Souterraine, La (spr. ssuterrähn), Stadt im franz.
Departement Creuse, Arrondissement Guéret, an der Sedelle
und der Eisenbahn Orléans-Limoges, in einer an
römischen Ruinen und vorhistorischen Denkmälern reichen
Gegend, mit befestigtem Thor, einer Kirche aus dem 12. Jahrh.,
Fabrikation von Holzschuhen und Faßdauben, Tuch,
Bierbrauerei, Handel mit Vieh, Wein und Likör und (1881) 2978
Einw., von denen namentlich viele als Maurer periodisch
auswandern.
Southampton (spr. ssauthammt'n), Stadt in Hampshire
(England), auf einer durch den Zusammenfluß des Itchin und
Test gebildeten Halbinsel, im Hintergrund der Southampton Water
genannten, 16 km tiefen Bucht, an deren Mündung die Insel
Wight liegt. Von den alten Stadtmauern sind noch Reste und ein Thor
(Bargate) übrig, aber die Stadt hat sich bedeutend über
dieselben ausgedehnt. Unter den gottesdienstlichen Gebäuden
ist die normännische St. Michaeliskirche die älteste; ihr
schlanker Turm dient den Seefahrern als Merkmal. Das Spital Domus
Dei, aus der Zeit Heinrichs III., ist eins der ältesten
Englands. S. besitzt im Hartley Institution eine Schule für
Wissenschaft und Kunstgewerbe mit Museum (seit 1872), eine
Seeschule und die Zentralstelle der großbritannischen
Landesaufnahme (Ordnance Survey Office). Im N. liegen zwei Parke,
in deren einem ein Denkmal des geistlichen Liederdichters Watts
steht, der, ebenso wie der Seeliederdichter Dibdin, hier geboren
wurde. Die Bevölkerung der Stadt ist rasch gewachsen; sie
betrug 1831 erst 19,324, 1881 aber 60,051 Seelen. Die Industrie
beschränkt sich fast nur auf Maschinen- und Schiffbau. S. ist
vorwiegend Handelsstadt, und seine trefflichen Docks (25,5 Hektar
Wasserfläche) lassen zu jeder Zeit die größten
Schiffe zu. Es ist Haupthafen für den Postdampferverkehr mit
Ostindien (die Peninsular and Oriental Company hat ihre Werfte
hier), mit Afrika, Südamerika und Westindien, der Iberischen
Halbinsel und durch Vermittelung der Bremer Dampfer auch mit
Nordamerika. Zum Hafen gehörten 1887: 328 Schiffe (100
Dampfer) von 73,970 Ton. Gehalt. Den Wert der Einfuhr schätzte
man im genannten Jahr auf 6,719,110 Pfd. Sterl., den der Ausfuhr
auf 2,640,935 Pfd. Sterl. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls. In
der Nähe Southamptons liegt die malerische Ruine von Netley
Abbey (s. d.) und gegenüber der von Wilhelm dem Eroberer
angelegte New Forest. Vgl. Davies, History of S. (1883).
South Bend (spr. ssauth), Stadt an der Nordgrenze des
nordamerikan. Staats Indiana, am schiffbaren St. Josephsfluß,
mit zahlreichen Mühlen, dem katholischen Notre
Dame-Collège und (1880) 13,280 Einw.
Southcott (spr. ssauth-), Johanna, Schwärmerin, die
einige Zeit in London die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich
zog. Geb. 1750, gab sie sich 1801 für das in der Offenbarung
Johannis (12, 1) erwähnte Sonnenweib aus und betrieb nebenbei
einen gewinnreichen Handel mit Siegeln, welche die Kraft haben
sollten, die ewige Seligkeit zu verleihen. Schon über 60 Jahre
alt, behauptete sie 1814, mit dem wahren Messias schwanger zu sein,
und fand mit dieser Behauptung bei Tausenden Glauben, der selbst
dadurch nicht bei allen Anhängern (Neuisraeliten, Sabbatianer)
erschüttert ward, daß sie 27. Dez. starb, ohne
überhaupt schwanger gewesen zu sein. Vgl. Fairburn, The life
of J. S. (Lond. 1814).
Southend (spr. ssauth-), beliebtes Seebad in der engl.
Grafschaft Essex, links an der Mündung der Themse, mit 2 km
langer Landebrücke und (1881) 7979 Einw.
Southey (spr. ssauthí), Robert, engl.
Geschichtschreiber und Dichter, als solcher zur "Seeschule" zu
zählen, geb. 12. Aug. 1774 zu Bristol, Sohn eines
Leinwandhändlers, besuchte die Westminsterschule, die er aber
nach vier Jahren wegen eines Artikels gegen die körperliche
Züchtigung auf englischen Schulen, den er in der von ihm
begründeten Zeitschrift "Flagellant" erscheinen ließ,
verlassen mußte. Er studierte in Oxford Theologie, ohne als
Unitarier Aussicht auf ein Kirchenamt zu haben. Seine exzentrischen
Ansichten führten ihn mit Coleridge zusammen, dessen Plan, in
Amerika einen freien Staat zu gründen, seinen Beifall fand.
Die ihn damals beherrschenden Ideen spiegeln sich in der
Tragödie "Wat Tyler", die ohne seine Zustimmung
veröffentlicht, von ihm selbst später verworfen ward, wie
er überhaupt bald von den Extremen zurückkam. Ein Band
Gedichte (1794) machte keinen Eindruck, mehr das Epos "Joan of
Arc", das von reicher Phantasie, aber auch von jugendlicher
Überspannung zeugt. In Bristol hielt er, um sein Leben zu
fristen, geschichtliche Vorträge, bis ihn sein Oheim im
November 1795 mit sich nach Lissabon nahm. Vor der Abreise
vermählte sich S. heimlich mit Miß Fricker. Nach sechs
Monaten kehrte er zurück und widmete sich in London dem
Rechtsstudium und angestrengter litterarischer Thätigkeit.
1800 finden wir ihn wieder in Portugal, dann aber lebte er in Greta
bei Keswick in Cumberland, nur 1802 als Sekretär des Kanzlers
der Schatzkammer von Irland, Carry, etwa auf Jahresfrist abwesend.
1807 erlangte er eine Staatspension und wurde 1813 poet-laureate.
Seit 1839 infolge einer Lähmung bewußtlos, starb er 21.
März 1843. Seine litterarische Thätigkeit ist
bewunderungswürdig: er schrieb 109 Bände und 52 Artikel
zum "Annual Review", 3 zum "Foreign Quarterly", 94 zum "Quarterly
Revier", und stets machte er umfassende Studien zu seinen Arbeiten.
Das 1801 veröffentlichte epische Gedicht "Thalaba, the
destroyer" ist eins
4*
52
South Paß City - Souvestre.
arabische Erzählung in reimlosen Versen (deutsch zum Teil
von Freiligrath); 1804 folgten: "Metrical tales", 1805 "Madoc",
eine wallisische Sage behandelnd; 1810 "The curse of Kehama", seine
größte Dichtung, eine auf Hindusagen beruhende
phantastische Erzählung; 1814 "Roderick, the last of the
Goths", ein wieder in Blankversen abgefaßtes Gedicht, das die
Zerstörung des Westgotenreichs durch die Araber besingt. Unter
Southeys kleinern Gedichten zeichnen sich die Balladen aus (z. B.
"Mary, the maid of the inn"); als Hofpoet verherrlichte er im
"Carmen triumphale" Wellingtons Siege und dichtete Oden aus den
Prinz-Regenten und die alliierten Monarchen. Die "Vision of
judgment" (1821) ward von Byron, der darin das Haupt der
"satanischen Schule" heißt, schonungslos gegeißelt.
Bedeutend ist S. als Biograph und Geschichtschreiber. Stilistisch
vollendet ist das oft aufgelegte "Life of Nelson" (1813; deutsch,
Stuttg. 1837), dem sich "Lives of the British admirals" (4 Bde.)
und "Life of Vesley" (1820; deutsch, Hamb. 1841) anreihen. Auch
hinterließ er eine "History of Brazil" (1810-19, 3 Bde.) und
eine "History of the Peninsular war" (1823-28, 2 Bde.) sowie
religiöse, soziale und politische Schriften. Hierher
gehören: "The book of the church" (3. Aufl. 1825), "Letters
from England by Don Manuel Espriella" (1807, 3 Bde.), "Colloquies
on the progress and prospects of society" (1829, 2 Bde.); ferner:
"The Doctor", die beste seiner Prosaschriften, voll scharfsinniger
Gedanken und Bemerkungen (1834-37, 5 Bde.; neue Ausg. 1856), und
"Omniana" (1812, 2 Bde.). Die Diktion ist überall klar und
kräftig; Parteilichkeit und starke Subjektivität wirken
indessen oft störend. Endlich gab er die "Select works of
British poets from Chaucer to Jonson" (1836) sowie Umarbeitungen
mittelalterlicher Romane (z. B. "Amadis of Gaul", 1803, 4 Bde.)
heraus. Southeys "Poetical works" erschienen gesammelt in 11
Bänden London 1820, in 10 Bänden 1854, in 1 Band l863.
Vgl. "Life and correspondence of R. S." (hrsg. von seinem Sohn
Charles Cuthbert S., neue Ausg. 1862, 6 Bde.), seinen Briefwechsel
mit Karoline Bowles (1881) und die Biographien Southeys von Browne
(Lond. 1859), Dowden (das. 1880) und Dennis (Boston 1887).
South Paß City (spr. ssauth paß ssitti),
Hauptort des Bergbaubezirks am Sweetwater (Nebenfluß des
Platte) im nordamerikan. Territorium Wyoming, beim 2280 m hohen
South Paß.
Southport (spr. ssauth-), beliebtes Seebad in Lancashire
(England), 25 km nördlich von Liverpool (das "englische
Montpellier"), mit allen Annehmlichkeiten für Badegäste,
als Wintergarten, Aquarium, Landungsbrücke (1 km lang),
großer Markthalle, Konzertsaal etc. und (1881) 32,206 Einw.
Dicht dabei Birkdale mit 8706 Einw.
Southsea (spr. ssauth-ssih), Vorstadt von Portsmouth (s.
d.), der Insel Wight gegenüber, mit Fort, wird als Seebad viel
besucht.
Southwark (spr. ssáthärk), Stadtteil Londons,
der City gegenüber, mit der ihn vier Brücken verbinden,
hat (1881) 99,252 Einw. (als parlamentarischer Wahlbezirk aber
221,946). In ihm liegen die bemerkenswerte St. Saviour's-Kirche,
die Zentralstation der Londoner Feuerwehr, die Hopfen- und
Malzbörse, die Brauerei von Barclay u. Perkins etc.
Southwell (spr. ssauth-), Stadt in Nottinghamshire
(England), mit Kathedrale und (1881) 2866 Einw.
Southwold (spr. ssauth-), Flecken in der engl. Grafschaft
Suffolk, mit (1881) 2107 Einw. Auf der Reede bei S. (der sogen.
Solebai) 7. Juni 1672 Seeschlacht zwischen der englischen Flotte
unter dem Herzog von York (nachmaligem König Jakob II.) und
der holländischen unter de Ruyter.
Soutien (franz., spr. ssutjang), Stütze,
Unterstützung, Rückhalt; im Militärwesen s. v. w.
Unterstützungstrupp, die hinter einer ausgeschwärmten
Schützenlinie geschlossen zurückbleibende
Truppenabteilung, welche nach Erfordernis in das
Schützengefecht einzugreifen hat; s. auch
Sicherheitsdienst.
Soutmann (spr. saut-), Peter, niederländ. Maler und
Kupferstecher, geboren um 1590 zu Haarlem, bildete sich bei Rubens
in Antwerpen, nach dessen Gemälden und Zeichnungen er eine
Anzahl von Radierungen (vier Jagden, der wunderbare Fischzug, das
Abendmahl nach Leonardo da Vinci) fertigte, und welchem er auch bei
der Ausführung seiner Bilder half, und soll von 1624 bis 1628
als Hofmaler des Königs in Polen thätig gewesen sein.
Seit 1628 war er wieder in Haarlem ansässig, wo er eine
Werkstatt von Kupferstechern gründete, die unter seiner
Leitung nach eignen und fremden Zeichnungen, besonders nach Rubens,
stachen. S. selbst schloß sich in Haarlem mehr dem Frans Hals
an, in dessen Art er mehrere Bildnisse und Schützenstücke
malte und dekorative Malereien im Huis ten Bosch im Haag
ausführte. Er starb 16. Aug. 1657.
Souvenir (franz., spr. ssuw'nihr), Andenken, Geschenk zum
Andenken; auch s. v. w. Notizbuch.
Souveraind'or (spr. ssuwerän-), früher für
die österreich. Niederlande geprägte Goldmünze,
22¼ Karat sein, im Wert von 14,224 Mk.
Souverän (franz. souverain, v. mittellat. superanus,
"zuoberst befindlich"), höchst, oberst, oberherrlich,
unabhängig. So spricht man von einem souveränen Urteil,
von welchem es keine Berufung an ein höheres Gericht gibt;
einem souveränen Heilmittel, das unfehlbar gegen ein
bestimmtes Leiden wirkt; von souveräner Verachtung etc.
Namentlich aber wird im Staats- und Völkerleben der Inhaber
der höchsten Gewalt im Staat, welche von keiner andern Macht
abhängig ist, als S. und jene höchste Machtvollkommenheit
(Staatshoheit) selbst als Souveränität bezeichnet; daher
Souveränitätsrechte, s. v. w.. Hoheitsrechte (s. Staat).
Vgl. Suzeränität.
Souvestre (spr. ssuwéstr), Emile, franz. Roman-
und Bühnendichter, geb. 15. April 1806 zu Morlaix
(Finistère), ließ sich 1836 dauernd in Paris nieder,
machte sich zuerst durch Schilderungen der Bretagne: "Le
Finistère en 1836", "La Bretagne pittoresque" (1841),
bekannt und lieferte dann eine große Anzahl Romane, auch
Dramen und Vaudevilles, welche ein reiches Talent für
Beobachtung, aber wenig Erfindungskraft bekunden. In seinen Romanen
tritt die -philosophierende oder moralisierende (d. h. die den
Gegensatz zwischen arm und reich in sozialistischer Schärfe
hervorhebende) Richtung zu stark hervor. Hervorzuheben sind davon:
"Riche et pauvre" (1836); "Les derniers Bretons" (1837); "Pierre et
Jean" (1842) "Les Réprouvés et les Élus"
(1845); "Confessions d'un ouvrier" (1851); die von der Akademie
gekrönten: "Un philosophe sous les toits". "Au coin du feu"
und "Sous latonnelle" (1851); "Le memorial de famille" (1854).
Seine dramatischen Dichtungen, wie "Henri Hamelin", "L'oncle
Baptiste", "La Parisienne", "Le Mousse" etc., bilden den Gegensatz
zu Scribes Stücken, indem sie nicht, wie diese, die reichen,
sondern vorwiegend die besitzlosen Klassen als
Hauptrepräsentanten der Moral darstellen. Noch sind seine
geistvollen "Causeries historiques et lit-
53
Souvigny - Sozialdemokratie.
téraires" (1854, 2 Bde.) zu erwähnen. S. starb 5.
Juli 1854 in Paris. Eine Gesamtausgabe seiner auch teilweise ins
Deutsche übersetzten Werke erschien in der "Collection
Lévy" (60 Bde.).
Souvigny (spr. ssuwinji), Stadt im franz. Departement
Allier, Arrondissement Moulins, an der Eisenbahn
Moulins-Montluçon, mit alter gotischer Kirche (früher
Begräbnisort der Fürsten von Bourbon), Glasfabrikation,
Weinbau und (1881) 1943 Einw.
Souza (spr. ssusa), Adelaïde Marie Emilie,
Gräfin von Flahaut, dann Marquise von S., geborne Filleul,
franz. Schriftstellerin, geb. 14. Mai 1761 zu Paris, heiratete 1784
den Grafen Flahaut, floh, nachdem derselbe 1793 guillotiniert
worden, mit ihrem Sohn (dem nachherigen Adjutanten Napoleons I. und
spätern General Flahaut) nach England und ward dort durch
Mangel zur Schriftstellerei getrieben. So entstanden ihre
"Adèle de Sénanges" (Lond. 1794, 2 Bde.) und der
Roman "Émile et Alphonse" (Hamb. 1799, 3 Bde.). Nach ihrer
Rückkehr nach Paris heiratete sie 1802 den portugiesischen
Gesandten José Maria de S.-Botelho, der sich durch
Herausgabe einer Prachtausgabe der "Lusiaden" (Par. 1817) um die
Litteratur seines Vaterlandes verdient gemacht hatte. Es erschienen
darauf nacheinander: "Charles et Marie" (1802); "Eugène de
Rothelin" 1808, 2 Bde.); "Eugène et Mathilde" (1811, 3
Bde.); "Mademoiselle de Tournon" (1820, 2 Bde.); "La comtesse de
Fargy" (1823, 4 Bde.) u. a. S. starb 16. April 1836 in Paris. Man
rühmt ihren Schriften treffende Schilderung der
Leidenschaften, gute Beobachtung, klaren und geistreichen Stil und
äußerste Delikatesse in Situationen und Worten nach.
Ihre "OEuvres complètes" erschienen 1811-22, 6 Bde.; Auswahl
1840 u. öfter.
Sóvár (Soóvár, Salzburg),
Dorf im ungar. Komitat Sáros, südlich von Eperies, mit
(1881) 1307 slowakischen und deutschen Einwohnern, großem
Salzsiedewerk, Forst- und Bergamt. Der Sóvárer
Gebirgszug der Karpathen erstreckt sich zwischen der Tarcza und
Topla von Bartfeld in südlicher Richtung bis an die Tokayer
Berge (die Hegyalja). Vgl. Gesell, Geologische Verhältnisse
des Steinsalzbergbaugebiets von S. (Pest 1886).
Sovereign (spr. ssowwerin), seit 1816 ausgeprägte
brit. Goldmünze, = 1 Pfund Sterling (s. d.).