Sorocaba, Stadt in der brasil. Provinz São Paulo,

am gleichnamigen Nebenfluß des Tieté, in fruchtbarer

Gegend, hat vielbesuchte Maultier-, Pferde- und Rindviehmärkte

und 3000 Einw. 5 km nördlich davon liegen die Eisenhütten

von Ipanema.

Soroki (Ssoroki), Kreisstadt im russ. Gouvernement

Bessarabien, rechts am Dnjestr, hat 2 Kirchen und (1885) 11,876

Einw., welche Handel mit Tabak, Wein und Getreide treiben. An der

Stelle von S. stand einst Olchionia, ein Handelsplatz der Genuesen.

Im Bukarester Traktat 1812 kam S. an Rußland.

Sorr, Dorf in Böhmen, s. Soor.

Sorrénto, Stadt in der ital. Provinz Neapel, Kreis

Castellammare, in reizender Lage auf der Nordseite der Halbinsel

von S., welche den Golf von Neapel von dem von Salerno trennt, an

der landschaftlich schönen Straße von Castellammare nach

Massa, von Orangen- und Olivenhainen, Wein-, Obst- und

Maulbeerpflanzungen umgeben, ist Sitz eines Erzbischofs, hat Reste

von römischen Bauwerken, eine Kathedrale, ein Seminar,

Seebäder, Schiffahrt und Handel (in der Marina von S. sind

1886: 91 Schiffe mit 38,025 Ton. angelaufen), Seidenindustrie,

Fabrikation von Holzmosaikwaren und (1881) 6089 Einw. Die

schöne Lage und das herrliche Klima machen es zum

Lieblingsaufenthalt der Fremden auch im Sommer (zahlreiche Hotels

und Villen). Einen malerischen Anblick gewährt die Küste

ringsumher durch ihre jäh niederstürzenden, 30-60 m hohen

Felswände mit Höhlen und tiefen Einkerbungen. Die

Umgebung der Stadt enthält zahlreiche schöne Punkte (wie

das ehemalige Kloster Deserto, der Arco naturale, die Punta della

Campanella etc.). S., im Altertum Surrentum, war eine uralte,

anfänglich etruskische Stadt Kampaniens, später

römische Kolonie und ist Geburtsort Torquato Tassos, welchem

hier ein Denkmal errichtet worden ist.

Sört (Saird), Hauptort eines Liwa im

asiatisch-türk. Wilajet Bitlis, zwischen dem Bitlis Su und dem

östlichen Tigris (Schatt), ist Sitz eines nestorianischen

Bischofs, hat einige Moscheen und 5000 Einw.

Sorte (franz.), Art, Gattung, besonders von Waren oder

Geld; Sortenzettel, s. Bordereau.

Sortes ("Lose"), bei den Römern Losorakel, von denen

sich besonders die zu Antium, Cäre und Präneste

großen Ansehens erfreuten. Die letztern wurden geleitet durch

den Willen der Fortuna Primigenia (s. d.) und bestanden aus sieben

eichenen, mit alten Schriftzügen versehenen Stäbchen,

welche, nachdem der Befragende sich mit Gebet und Opfer an die

Göttin gewendet hatte, ein Knabe mischte, um sodann eins davon

zu ziehen. Mit Unrecht führen den Namen S. Praenestinae einige

inschriftlich erhaltene Prophezeiungen (vgl. Preller-Jordan,

Römische Mythologie, Bd. 2, S. 190). S. nannte man dann auch

die als Prophezeiungen verwendeten Stellen eines Buches (z. B. der

Bibel), welche durch Aufschlagen ermittelt wurden, oder auch auf

Blätter geschriebene Verse (namentlich des Vergil), die man

zog.

Sortie (franz., spr. ssortih), Ans-, Weggang; Ausfall,

Ausfallthor; s. de bal, leichter Damenumhang.

Sortieren (franz.), nach Sorten ordnen.

Sortiment (franz. assortiment), Sammlung von

Gegenständen derselben Gattung, aber von den verschiedensten

Arten, besonders in gehöriger Abstufung der Güte (vgl.

Assortiment); Sortimentshandel, s. Buchhandel, S. 574.

Sortita (ital.), die Eintrittsarie der Primadonna in der

italienischen Oper früherer Zeit, auf welche die Komponisten

großen Fleiß verwandten, um sie zu einer dankbaren und

brillanten Nummer zu gestalten.

Sorus (lat.), Fruchthäufchen, s. Farne, S. 51.

Sosandra, mutmaßlicher Beiname der Aphrodite, von

welcher Kalamis (s. d.) eine berühmte Statue (auf der

Akropolis zu Athen) gemacht hatte.

Sosh (Ssosh), Nebenfluß des Dnjepr in

Rußland, durchfließt die Gouvernements Smolensk und

Mohilew und ist durch seine Schiffbarkeit für den Handel

wichtig.

47

Sosier - Sottie.

Sosier (Sosii), Name einer Buchhändlerfirma im alten

Rom, zur Zeit des Augustus, welche einen großen, von Horaz

rühmend erwähnten Betrieb hatte; deshalb typischer Name

für angesehene Buchhändler.

Sosiphanes, griech. Tragiker der sogen. Pleias, aus

Syrakus, lebte um 300 v. Chr. und soll 73 Tragödien

geschrieben haben, von denen aber nur geringe Fragmente (bei Nauck:

"Tragicorum graecorum fragmenta", 2. Aufl., Leipz. 1889) erhalten

sind.

Sositheos, griech. Tragiker der sogen. Pleias, aus

Alexandria in Troas, lebte um 280 v. Chr. zu Athen und Alexandria

in Ägypten und gilt als Wiederhersteller des Satyrspiels. Von

seinen Dramen sind nur spärliche Fragmente erhalten (bei

Nauck: "Tragicorum graecorum fragmenta", 2. Aufl., Leipz.

1889).

Sosna (Ssosna), Fluß im russ. Gouvernement Orel,

fließt zwischen waldlosen, steilen Ufern hin und mündet

von rechts in den Don; 220 km lang.

Sosniza (Ssosniza), Kreisstadt im russ. Gonvernement

Tschernigow, unweit der Mündung der Ubeda in die Desna, hat 5

Kirchen, ein Stadtkrankenhaus und (1885) 6774 Einw., welche sich

vornehmlich mit Ackerbau und Tabaksanpflanzung beschäftigen.

Ursprünglich eine Stadt des Tschernigower Fürstentums,

stand S. lange unter polnischer Herrschaft, bis es 1686 die Russen

wieder in Besitz nahmen.

Sóso, afrikan. Stadt, s. Saria.

Sosos, griech. Mosaikkünstler, der wahrscheinlich

zur Zeit der Attaliden zu Pergamon thätig war. Dort befand

sich sein berühmtes Werk mit den vier trinkenden oder sich

sonnenden Tauben auf dem Rand eines Wassergefäßes, aus

natürlichen Steinen zusammengesetzt, wovon sich eine

römische Nachbildung im kapitolinischen Museum zu Rom

befindet.

Sospel (ital. Sospello), Stadt im franz. Departement

Seealpen, Arrondissement Nizza, in einem tiefen Thal an der Bevera

und an der Straße zum Col di Tenda, hat Reste alter

Befestigungen und (1881) 3097 Einw.

Sospirante (ital.), seufzend.

Sospiro (ital., franz. soupir, "Seufzer"), in der

Notenschrift s. v. w. Viertelpause.

Sospita (auch Sispita, Sospes, Sispes, "Erretterin,

Heilbringerin"), Beiname besonders der Juno, als welche sie

namentlich in Lanuvium, aber auch in Rom verehrt wurde, angethan

mit Ziegenfell, welches ihr zugleich als Helm und als Panzer

diente, gebogenen Schnabelschuhen, Schild und Spieß. Eine

vorzügliche Statue derselben enthält das vatikanische

Museum zu Rom.

Sospität (lat.), Wohlsein, Wohlstand.

Sostenuto (ital.), s. v. w. gehalten, eine

Tempobezeichnung, die etwa mit Andante oder Adagio

übereinstimmt, zu welchen beiden es auch als Zusatz

auftritt.

Sotades, griech. Dichter, aus Maroneia in Thrakien, lebte

in Alexandria unter Ptolemäos Philadelphos (um 280 v. Chr.)

und soll auf Geheiß des Königs, dessen Ehe mit seiner

leiblichen Schwester Arsinoe er verspottet hatte, ersäuft

worden sein. Er verfaßte im ionischen Dialekt und einem

eigentümlichen nach ihm benannten Metrum (Sotadeen,

Grundschema: ^^^^^^^^^^^^^^) boshafte Spottgedichte und

mythologische Travestien zum Teil unzüchtigen Inhalts, welche

auf mündlichen Vortrag unter mimischer Tanzbegleitung

berechnet waren. Diese sogen. Sotadische Dichtgattung fand

zahlreiche Nachahmer. Vgl. Sommerbrodt, De phlyacographis Graecorum

(Bresl. 1875).

Soetbeer (spr. söt-), Adolf, deutscher

Nationalökonom, geb. 23. Nov. 1814 zu Hamburg, studierte

Philologie, wurde infolge seiner Schrift "Des Stader Elbzolls

Ursprung, Fortgang und Bestand" 1840 Bibliothekar der

Kommerzbibliothek und 1843 Sekretär und Konsulent der

Kommerzdeputation in Hamburg. Die Universität Kiel ernannte

ihn zum Ehrendoktor der Rechte. 1872 siedelte er nach

Göttingen über, wo er zum Honorarprofessor und Geheimen

Regierungsrat ernannt wurde. S. hat seit vielen Jahren eifrig

für eine deutsche Münzreform auf Grundlage der

Goldwährung gewirkt; auch der Münzgeschichte, der

Statistik der Flußschiffahrt, den Handelsverträgen

widmete er ein reges Interesse. Er übersetzte Mills

"Politische Ökonomie" (4. Ausg., Leipz. 1881, 3 Bde.), schrieb

Kommentare zum deutschen Münzgesetz und dem deutschen

Bankgesetz (Erlang. 1874-76) und veröffentlichte

außerdem: "Edelmetallproduktion und Wertverhältnis

zwischen Gold und Silber seit der Entdeckung Amerikas" (Gotha 1879)

und "Materialien zur Erläuterung und Beurteilung der

wirtschaftlichen Edelmetallverhältnisse und der

Währungsfrage" (2. Ausg., Berl. 1886).

Soteira (griech., "Retterin"), Name der Göttinnen,

welche als Schützerinnen eines Landes galten, z. B. der

Artemis in Korinth, der Athene in Athen.

Soter (griech., "Erhalter, Retter"), Beiname aller Stadt

und Land beschützenden Götter, des Zeus, Helios, Apollon,

Dionysos, Asklepios, Poseidon, Herakles etc.; auch Beiname vieler

Könige und Kaiser.

Soteriologie (griech.), die Lehre von Christus als dem

Erlöser (Soter).

Sothisperiode (Hundssternperiode), s. Periode.

Sotnie (russ.), bei den Kosaken s. v. w. Kompanie oder

Eskadron; Sotnik, der Kommandant einer S.

Soto, 1) (Sotus) Dominico de, gelehrter kathol. Theolog,

geb. 1494, war Dominikaner, beteiligte sich 1545-47 am Konzil von

Trient, war 1547-50 Beichtvater Karls V. und lebte später zu

Salamanca, wo er 1560 starb. Unter seinen Schriften ward namentlich

die "De justitia et jure" (Salam. 1556) dadurch berühmt,

daß sie dem Volk das Recht vindiziert, einen tyrannischen

Fürsten abzusetzen. Auch bekämpfte S. als einer der

ersten den Negerhandel.

2) Hernando de, span. Seefahrer, geboren um 1496 zu Villanueva

in Estremadura, machte erst Entdeckungsreisen auf Cuba, ward

Gouverneur von Santiago de Cuba, erbaute das 1528 von

französischen Seeräubern zerstörte Havana wieder,

begleitete dann 1532 Pizarro auf seiner Unternehmung gegen Peru und

kundschaftete das Land aus, zeigte sich human und mild und suchte

vergeblich Atahualpas Hinrichtung zu hindern, unternahm 1539 die

Eroberung Floridas und kam auf einer seiner Expeditionen 25. Juni

1542 um. Vgl. Garcilaso de la Vega, Historia del adelantado H. de

S. (Madr. 1723).

Sotteville (spr. ssott'wil, S. lès Rouen), Dorf im

franz. Departement Niederseine, links an der Seine, Rouen

gegenüber, an der Eisenbahn Paris-Le Havre, hat

Eisenbahnwerkstätten der Ostbahn, Baumwollspinnerei und

-Weberei, Fabriken für Chemikalien, Seilerwaren, Öl,

Seife etc. und (1886) 13,628 Einw.

Sottíe (franz. sotie, von sot, "Narr"),

Narrenspiel, Name einer Art dramatischer Possen oder Satiren,

welche wie die Moralitäten und Farcen den Anfangszeiten des

französischen Dramas angehörten, und deren Personen

Narren waren. Sie wurden von den Enfants sans souci (s. d.), dann

auch von den Mitgliedern der Bazoche (s. d.) aufgeführt und

zeichneten sich besonders durch die Plumpheit ihrer Rollen und

kühn tadelnde Sprache aus. Seit Gringore (s. d.),

48

Sottise - Söul.

der viele solcher Stücke schrieb, meist mit typischen

Narrenfiguren, wie le prince Sot, la mère Sotte etc., wurden

sie ausgeführter und erhielten eine politisch- oder

kirchlich-satirische Zuspitzung. In der ersten Hälfte des 17.

Jahrh. verschwanden die Sottien allmählich von der Bühne

wie von der Straße. In Deutschland, wohin sich dieselben von

Frankreich aus auch verbreiteten, verschmolzen sie mit den

Fastnachtsspielen (s. d.).

Sottise (franz.), Albernheit; beleidigende Rede.

Sottovoce (ital., spr. ssottowohtsche), mit

gedämpfter Stimme, halblaut.

Sou (franz., spr. ssu. früher Sol), franz.

Kupfermünze, ehedem die Basis der französischen

Münzrechnung, 20 Sous = 1 Livre; jetzt das 1/20-Frank- oder

5-Centimesstück.

Soubise (spr. ssubihs'), Zwiebelpüree; à la

S., mit Zwiebelpüree.

Soubise (spr. ssubihs'), altes franz. Geschlecht, dessen

Güter und Titel 1575 durch die Verheiratung der Erbtochter des

Hauses, Catherine de Parthenay, mit dem Vicomte René II. von

Rohan auf das Geschlecht der Rohans übergingen.

Merkwürdig sind die beiden aus dieser Ehe entsprossenen und

als Kriegshäupter der Hugenotten berühmten Söhne:

der Herzog Henri von Rohan (s. d.) und Benjamin von Rohan, Baron

von Frontenai, als Erbe seiner Mutter Herr von S., geb. 1583. Er

focht schon unter Moritz von Oranien in den niederländischen

Feldzügen und schloß sich 1615 der Partei des Prinzen

Condé an. In den Religionskriegen, die unter Ludwig XIII.

1621 wieder begannen, führte er das Kommando über die

Hugenotten in den Provinzen Poitou, Bretagne und Anjou mit vieler

Umsicht und bewies besondere Tapferkeit bei der Verteidigung von

St.-Jean d'Angely, mußte aber 1622 vor der feindlichen

Übermacht nach La Rochelle zurückweichen. S.

bemächtigte sich darauf der Inseln Ré und Oleron

(Anfang 1625) sowie in dem Hafen Blavet an der bretagnischen

Küste der königlichen, aus 15 großen Schiffen

bestehenden Flotte. Dagegen mißlang seine Expedition nach der

Landschaft Médoc. Am 15. Sept. 1625 schlug ihn der Herzog

von Montmorency auf der Höhe der Insel Ré und vertrieb

ihn aus Oleron. S. unternahm darauf eine zweite Reise nach England,

wo er Karl I. bewog, nacheinander drei ansehnliche Flotten dem

bedrängten La Rochelle zu Hilfe zu schicken; gleichwohl fiel

dies letzte Bollwerk der Hugenotten. Obschon in den Frieden vom 29.

Juni 1629 eingeschlossen, blieb S. dennoch in England, um von hier

aus die Sache der Protestanten zu fördern. Er starb 9. Okt.

1642 in London, ohne Kinder zu hinterlassen. Die Güter und

Titel des Hauses S. erbte einer seiner Seitenverwandten,

François von Rohan. Ein Nachkomme dieses letztern war

Charles von Rohan, Prinz von S., Pair und Marschall von Frankreich,

geb. 16. Juli 1715; er begleitete Ludwig XV. als dessen Adjutant in

den Feldzügen von 1744 bis 1748 und nötigte 1746 Mecheln

zur Kapitulation, infolgedessen er 1748 zum Maréchal de Camp

und 1751 zum Gouverneur von Flandern und Hennegau ernannt wurde.

Bei Beginn des Siebenjährigen Kriegs mit dem Kommando

über ein Korps von 24,000 Mann betraut, eroberte er Wesel,

besetzte Kleve und Geldern und vereinigte sich mit der deutschen

Reichsarmee, um Sachsen von den Preußen zu säubern. In

Gotha aber im September von Seydlitz beim Diner im Schloß

überfallen, ergriff er eiligst die Flucht, und 5. Nov. erlitt

er bei Roßbach eine schimpfliche Niederlage. Gleichwohl

verlieh ihm Ludwig XV. das Portefeuille des Kriegsministers und

sandte ihn 1758 mit dem Herzog von Broglie wieder auf den

Kriegsschauplatz in Deutschland. Wiewohl zwischen beiden

fortwährende Eifersucht herrschte, errangen sie 10. Okt. 1758

bei Lutternberg doch einen Sieg, infolge dessen Hessen in ihre

Hände fiel. S. erhielt daher den Marschallsstab und behielt

das Kommando bis zum Friedensschluß von 1763. Nach dem Tode

der Pompadour fand er eine ebenso starke Stütze an der

Dubarry. Als Ludwig XV. starb, war er der einzige von den

Hofleuten, welcher den Leichnam bis zu seiner Bestattung nicht

verließ; dieser Zug der Ergebenheit bewog Ludwig XVI., S. die

Stelle im Ministerrat zu lassen. Er starb 4. Juli 1787, und mit ihm

erlosch die Linie von Rohan-S.

Soubrette (franz., spr. ssu-), Rollenfach der

französischen und deutschen Bühne. Eigentlich Zofe,

Kammerjungfer, mit dem Nebenbegriff der List und Verschmitztheit,

bezeichnet S. jetzt eine muntere oder komische jugendliche

Mädchenrolle und ist besonders in der modernen Operette u.

Posse zu Bedeutung gelangt.

Souche (franz., spr. ssuhsch), "Stumpf" am Stammregister

oder Juxtabuch (s. d.).

Souches (spr. ssuhsch), Louis Rattuit, Graf von,

kaiserlicher Feldherr, geb. 1608 zu La Rochelle als Sohn eines

protestantischen Edelmanns, verließ Frankreich nach dem

Hugenottenkrieg 1629 und begab sich erst in schwedische, dann in

kaiserliche Kriegsdienste, zeichnete sich im

Dreißigjährigen Krieg, insbesondere als tapferer

Verteidiger Brünns gegen die Schweden (1645), dann gegen die

Türken aus, eroberte 1664 Neutra, kämpfte bei St.

Gotthardt mit, ward Kammerherr, Hofkriegsrat und

Feldmarschallleutnant, befehligte 1674 die Kaiserlichen in den

Niederlanden, schadete aber den Unternehmungen der Verbündeten

durch sein verdächtiges, aus seinem Starrsinn und seiner

Unbotmäßigkeit erklärliches Zaudern, namentlich in

der Schlacht bei Senesse, so daß er abberufen wurde, und

starb 1682 in Mähren.

Soufflé (franz., Omelette soufflée),

Eierauflauf.

Soufflet (franz., spr. ssufla, Blasebalg), faltige

Seitenwände an Koffern etc., welche die

Vergrößerung des Raums ermöglichen.

Souffleur (franz., spr. ssuflör, "Einblaser"), am

Theater diejenige Person, welche, unter einem in der Mitte des

Proszeniums auf dem Podium angebrachten Kasten sitzend,

während der Vorstellung das Stück aus dem Buch abliest,

um dem Gedächtnis der Schauspieler zu Hilfe zu kommen.

Soufflieren, einem das zu Sagende zuflüstern, den S.

machen.

Soufflot (spr. ssufloh), Jacques Germain, franz.

Architekt, geb. 1713 zu Irancy bei Auxerre, studierte in Rom,

erbaute dann in Lyon das Hospital und ging 1750 zum zweitenmal nach

Italien. Nach seiner Rückkehr begann er sein Hauptwerk, die

Kirche Ste.-Geneviève in Paris (jetzt Panthéon),

deren großartige Kuppel zu den schönsten der Welt

gehört. Er erbaute auch die Sakristei und die Schatzkammer von

Notre Dame in Paris und starb 1781 daselbst.

Souffrance (franz., spr. ssufrangs), Leiden; auch s. v.

w. streitiger Posten (in einer Rechnung).

Souillac (spr. ssnják), Stadt im franz.

Departement Lot, Arrondissement Gourdon, an der Dordogne, mit

Handelsgericht, schöner Kirche (12. Jahrh.), Gewehrfabrik,

Gerberei, Färberei und (1881) 2749 Einw.

Söul, Hauptstadt des Königreichs Korea, am

rechten Ufer des Hanflusses, 45 km (nach dem Stromlauf 120 km) von

dessen Mündung in das Gelbe Meer, unter 37° 31'

nördl. Br. und 127° 19' östl. L. v. Gr., hat 150,000,

mit Einschluß der weithin sich erstreckenden

49

Soulagieren - Soult.

Vorstädte 300,000 Einw. Von Ausländern zählte man

1887: 619 (300 Chinesen, 263 Japaner, 26 Amerikaner, 11 Deutsche, 8

Engländer etc.). Die eigentliche Stadt liegt 5 km vom

Fluß, in einem Becken, das auf drei Seiten von Höhen

eingefaßt wird, an denen die Stadtmauer hinläuft, durch

welche vier den Haupthimmelsrichtungen entsprechende Thore

führen. Im Zentrum der Stadt steht ein hölzerner Turm,

dessen Glocke das Zeichen zum Öffnen und Schließen der

Thore gibt. Die Straßen sind eng und schmutzig, nur drei

können von Wagen benutzt werden; die Häuser sind niedrig

und ärmlich, auch die auf weiten, von Mauern umschlossenen

Plätzen erbauten Wohnungen der Vornehmen kaum besser. Die

weiten Plätze sind öde; einen Garten besitzt nur der

König, dessen Palastgebäude mit großem

Exerzierplatz, Teichen etc. 2,6 qkm bedecken und von einer 12 m

hohen Mauer eingefaßt werden, durch welche drei Thore

führen. S. ist Residenz des Königs und Sitz der Regierung

sowie der diplomatischen Vertreter Deutschlands, Englands, Japans,

Chinas, Rußlands und der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Die Industrie war früher weit bedeutender; nennenswerte

Produkte sind: Seide, Papier, Matten, Fächer, Dachziegel,

Tabak, Bürsten.

Soulagieren (franz., spr. ssulasch-), erleichtern,

helfen, erquicken; Soulagement (spr. ssulaschmáng),

Linderung, Unterstützung, Erleichterung.

Soulary (spr. ssu-), Josephin, eigentlich Joseph Marie,

franz. Dichter, geb. 23. Febr. 1815 zu Lyon, trat schon mit 16

Jahren in das Militär, wo er bis 1836 blieb. Schon von hier

aus schickte er an den "L'Indicateur de Bordeaux" seine poetischen

Versuche mit der Unterschrift "S. grenadier". 1840 erhielt er bei

der Präfektur des Rhônedepartements eine Anstellung.

Seine Dichtungen sind: "A travers champs" (1838); "Le chemin de

fer" (1839); "Les Éphémères" (2 Serien, 1846

und 1857); "Sonnets humoristiques" (Lyon 1857), welche J. Janins

Bewunderung erregten; "Les Figulines" (1862); "Les diables bleus"

(1870); "Pendant l'invasion"(1871); "La chasse aux mouches d'or"

(1876); "Les rimes ironiques" (1877), ein Lustspiel in Versen: "Un

grand homme qu'on attend" (1879) und "Promenade autour d'un tiroir"

(1886). Eine Sammlung seiner "OEuvres poetiques" erschien 1872-83

in 3 Bänden. Vgl. Mariéton, Jos. S. et la

Pléiade lyonnaise (Par. 1884).

Soulié (spr. ssu-), Melchior

Frédéric, franz. Novellist und Bühnendichter,

geb. 23. Dez. 1800 zu Foix, war eine Zeitlang Advokat, sodann

Steuerbeamter, später Dirigent einer Tischlerei und erhielt

endlich eine Stelle als Unterbibliothekar am Arsenal. Mit dem Jahr

1829 warf er sich ganz in die Romantik und lieferte nun eine lange

Reihe von Dramen und Melodramen, von denen aber nur das Shakespeare

nachgeahmte Trauerspiel "Roméo et Juliétte", die

Schauspiele: "Clotilde" und "La closerie des genêts"

bemerkenswert sind. Andre erschienen gesammelt als "Drames inconnus

(1879, 4 Bde.). Von seinen meist auf Erfolg beim großen

Publikum berechneten historischen und sonstigen Romanen sind

hervorzuheben: "Les deux cadavres". "Le magnétiseur", "Le

vicomte de Breziérs", "Le comte de Toulouse",

hauptsächlich aber "Le lion amoureux" und "Les mémoires

du diable", sorgfältige psychologische Studien, welche durch

dramatische Lebendigkeit, phantastische Situationen und

blühenden Feuilletonstil das Publikum fesselten. S. starb 23.

Sept. 1847 in Bièvre bei Paris. Vgl. Champion, Fréd.

S. (Par. 1847).

Soulouque (spr. ssuluhk), Faustin, als Faustin I. Kaiser

von Haïti, geb. 1782 als Negersklave im Distrikt Petit Goyave

auf der Insel Haïti, erhielt 1793 nach Aufhebung der Sklaverei

seine Freiheit, wurde 1804 Bedienter des Generals Lamarre,

später dessen Adjutant, 1810 unter dem Präsidenten

Pétion Leutnant, 1820 unter Boyer Hauptmann. 1843 zum

Obersten befördert und dann zum General und Oberbefehlshaber

der Präsidialgarde ernannt, erhielt er 1846 die Kommandantur

von Port au Prince und ward 1. März 1847 vom Senat zum

Präsidenten der Republik erwählt, wiewohl er weder lesen

noch schreiben konnte. Im höchsten Grad argwöhnisch und

besonders die über seine Unwissenheit und seinen Aberglauben

spottenden Mulatten fürchtend, schürte er den Haß

des schwarzen Pöbels gegen die Mulattenbourgeoisie und

ließ unter dem Vorwand einer Verschwörung derselben vom

16. April 1848 an in Port au Prince ein viertägiges Blutbad

unter denselben anrichten. Darauf votierte die

Repräsentantenkammer 3. Dez. 1848 dem Diktator ihren Dank,

daß er das Vaterland und die Verfassung gerettet habe. Ein

Feldzug gegen die "rebellischen Mulatten" von San Domingo im

März 1849 endete mit einem schmählichen Rückzug.

Gleichwohl veranstaltete man im August 1849 zu Port au Prince eine

Petition an die Kammern, wodurch das haïtische Volk aus

Dankbarkeit S. den Kaisertitel übertrug; der Senat willigte

ein, und zu Weihnachten 1850 ließ er sich als Faustin I.

öffentlich als erblicher Kaiser krönen. Eine nochmalige

feierliche Krönung erfolgte 18. April 1852. Sein Hofstaat

wurde nach französischem Muster kopiert, und auch seine

Staatseinrichtungen waren eine Karikatur der Napoleonischen. Nach

seiner Thronbesteigung stiftete er zwei Orden, nämlich den

Orden des heil. Faustin für Militärpersonen und den

Ehrenlegionsorden für Zivilisten. Seine wiederholten Versuche,

San Domingo zu unterwerfen, scheiterten kläglich. Im Innern

herrschte er verschwenderisch und grausam, so daß die

Erbitterung gegen ihn schließlich allgemein wurde. Als

General Geffrard 22. Dez. 1858 zu Gonaïves die Republik

proklamiert hatte und S. gegen ihn auszog, ging der

größte Teil seiner Truppen zu den Insurgenten über.

Am 15. Jan. 1859 wurde S. in seiner Hauptstadt Port au Prince durch

Verrat gefangen; doch schonte man sein Leben und ließ ihn

nach Jamaica übersiedeln. Nach dem Sturz Geffrards 1867

erhielt er die Erlaubnis zur Rückkehr in die Heimat und starb

4. Aug. d. J. in Petit Goyave.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 13 / 302 段