Sonnenuhr, eine Vorrichtung, welche die Zeit angibt

mittels der Lage des Schattens, den ein von der Sonne beschienener,

zur Weltachse paralleler Stab (Gnomon oder Weiser) auf eine in der

Regel ebene Fläche, das Zifferblatt, wirft. Nicht selten

bezeichnet man auch die ganze S. mit dem Namen Gnomon (s. d.). Die

einfachste S. ist die Äquinoktialuhr. Bei ihr ist die Ebene,

auf welche der Schatten fällt, senkrecht zum Stab, also

parallel zur Ebene des Äquators, und da die Sonne bei ihrer

scheinbaren täglichen Bewegung sich parallel zu dieser Ebene

bewegt, so rückt der Schatten um ebensoviel Grade auf der

Ebene weiter als die Sonne am Himmel; es entspricht einer jeden

Stunde ein Winkel von 15°. Man erhält das Zifferblatt,

wenn man um den Punkt, in welchem der Stab besestigt ist, einen

Kreis schlägt, denselben in 24 gleiche Teile teilt und die

Radien nach den Teilungspunkten zieht; dreht man nun noch die Ebene

so, daß der eine Radius in die Ebene des Meridians zu liegen

kommt, so fällt auf ihn der Schatten des Stabes mittags, auf

die beiden benachbarten vormittags 11 und nachmittags 1 Uhr etc.

Bei der Horizontaluhr liegt das Zifferblatt horizontal; die

Stundenlinie 12 Uhr liegt auch hier in der Ebene des Meridians,

aber die Winkel, welche die übrigen Stundenlinien mit dieser

ersten einschließen, sind nicht der Zeit proportional,

sondern wenn t diesen Winkel für die Aquinoktialuhr bedeutet

(also t = 15° für 1 Uhr, 30° für 2 Uhr), so

findet man für die geographische Breite ^|phi| den

entsprechenden Winkel u der Horizontaluhr mittels der Gleichung tan

u = sin ^|phi|. tan t. Man kann diesen Winkel auch einfach

konstruieren (s. Figur). Man mache OA = 1, AM = sin ^|phi| (z. B.

für Berlin = 0,798, weil ^|phi| = 52° 30'), errichte AB

rechtwinkelig auf O M und mache Winkel AMC = t; dann ist Winkel AOC

= u. Die Vertikaluhr hat ihr Zifferblatt in einer vertikalen Ebene,

die im einfachsten Fall von O. nach W. geht; die Stundenlinie 12

Uhr liegt in der Ebene des Meridians, und den Winkel u, den irgend

eine andre Stundenlinie mit der mittägigen einschließt,

berechnet man aus dem entsprechenden Winkel t der

Äquinoktialuhr mittels der Formel tan u = cos ^|phi| . tan t.

Man kann demnach u auch auf die in der Figur erläuterte Art

konstruieren, wenn man AM = cos ^|phi| (für Berlin = 0,609)

macht. Äquinoktial- und Horizontaluhren geben alle Stunden an,

solange die Sonne scheint; bei den erstern fällt der Schatten

im Sommerhalbjahr auf die obere, im Winterhalbjahr auf die untere

Seite des Zifferblatts, weshalb auch der Stab nach beiden Seiten

hin gehen muß. Eine Vertikaluhr der beschriebenen Art gibt

aber nur die Zeit von früh 6 bis abends 6 Uhr an.

Übrigens geben die Sonnenuhren nicht die im bürgerlichen

Leben übliche mittlere Zeit, sondern die wahre Sonnenzeit (s.

d.) an. Bei den neuern hemisphärischen Sonnenuhren zeigt ein

schattenwerfendes Fadenkreuz das ganze Jahr hindurch die Sonnenzeit

auf der in einer halben Hohlkugel angebrachten Teilung an. Vgl.

Littrow, Gnomonik (2. Aufl., Wien 1838); Goring, Die S. (Arnsb.

1864); Vidal, La gnomonique (Par. 1876); Mollet, Gnomonique

graphique (7. Aufl., das. 1884).

Sonnenvogel (Pekingnachtigall, Leiothrix luteus Scop.),

Sperlingsvogel aus der Familie der Lärmdrosseln (Timaliidae

Gray), von der Größe der Kohlmeise, oberseits

olivengraubraun, am Kopf gelblich, Kinn und Kehle orange,

unterseits gelblichweiß, an den Seiten graubräunlich, an

den Flügeln schwarz mit orange und am Schwanz braun und

schwarz, mit braunen Augen, korallenrotem Schnabel und

fleischbraunen Füßen, bewohnt dichte Wälder im

Himalaja zwischen 1500 und 2500 m Höhe und in

Südwestchina, nährt sich von allerlei Kerbtieren,

Früchten und Sämereien, ist sehr munter, hat einen

ansprechenden Gesang, legt 3-4 bläulichweiße, rot

getüpfelte Eier und wird in China und Indien seit langer Zeit,

jetzt auch bei uns vielfach als Stubenvogel gehalten und

gezüchtet. S. Tafel "Stubenvögel".

Sonnenweite, die mittlere Entfernung der Erde von der

Sonne, 148,670,000 km oder 20,036,000 geogr. Meilen; sie bildet die

Einheit, nach der man häufig die Entfernungen im Sonnensystem

mißt.

Sonnenwende, Name einiger Pflanzen, s. Cichorium und

Heliotropium.

Sonnenwenden (Solstitien, Solstitial- oder

Sonnenstillstandspunkte), die zwei um 180° voneinander

entfernten Punkte der Ekliptik, welche am weitesten, nämlich

23° 27½', vom Äquator entfernt sind. Der

nördlich vom Äquator gelegene ist der Anfangspunkt des

Sternzeichens des Krebses und heißt die Sommersonnenwende

oder das Sommersolstitium, weil der Durchgang der Sonne durch

denselben den Anfang des astronomischen Sommers der nördlichen

Erdhalbkugel bezeichnet; der südliche dagegen, der

Anfangspunkt des Steinbocks, wird die Wintersonnenwende, das

Wintersolstitium, genannt, weil dort die Sonne zu Anfang des

astronomischen Winters steht. Mit dem Namen S. (Solstitien)

bezeichnet man auch die Zeitpunkte, in denen die Sonne durch diese

Punkte geht; die durch die letztern gelegten Parallelkreise des

Himmels heißen Wendekreise. Vgl. Ekliptik.

Sonnenwendfeier, s. Johannisfest.

Sonnenzeit, die durch die scheinbare tägliche

Bewegung der Sonne bestimmte Zeit im Gegensatz zur Sternzeit, deren

Grundlage der Sterntag (s. Tag) bildet. Der wahre Sonnentag oder

die Zeit zwi-

37

Sonnenzirkel - Sonntag.

schen zwei aufeinander folgenden Kulminationen der Sonne

muß etwas länger sein als der Sterntag, weil die Sonne

unter den Fixsternen von W. nach O. geht; denn kulminiert heute die

Sonne gleichzeitig mit einem Fixstern, so wird sie morgen, wenn der

letztere wieder kulminiert, noch etwas östlich vom Meridian

stehen und diesen erst später erreichen. Die Bewegung der

Sonne in ihrem Parallelkreis bildet die Grundlage für die

Bestimmung der wahren S. Es ist wahrer Mittag, wenn die Sonne im

Meridian steht; nachmittags 1 Uhr, 2 Uhr etc., wenn die Sonne in

ihrem Parallelkreis 15°, 30° etc. westlich vom Meridian

steht. Diese wahre S. wird von den Sonnenuhren angegeben. Die Dauer

eines wahren Sonnentags ist aber im Lauf eines Jahrs

veränderlich, weil die Sonne nicht alle Tage um dasselbe

Stück am Himmel nach O. rückt; am größten, 24

Stunden 0 Minuten 30 Sekunden, ist sie 23. Dez., am kleinsten, 23

Stund. 59 Min. 39 Sek., Mitte September. Diese

Ungleichförmigkeit hat zwei Ursachen. Einmal bewegt sich die

Erde in ihrer elliptischen Bahn mit veränderlicher

Geschwindigkeit, in der Sonnennähe rascher als in der

Sonnenferne; dem entsprechend ist auch die scheinbare Bewegung der

Sonne in der Ekliptik ungleichförmig. Ferner sind aber auch

die verschiedenen Stücke der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik)

ungleich geneigt gegen den Äquator. In der Nähe der

Solstitialpunkte liegt sie parallel zum Äquator, in den

Äquinoktien schneidet sie denselben unter 23½°; an

den letztern Punkten wird daher das Vorrücken nach O. (die

Vergrößerung der Rektaszension) nur einen Bruchteil der

scheinbaren Belegung in der Ekliptik betragen, während in den

Solstitien beide Bewegungen gleich sind. So wie die Sonnentage,

sind auch die einzelnen Stunden von ungleicher Länge. Deshalb

eignet sich die wahre S. nicht für die Zwecke des

bürgerlichen Lebens; man kann auch keine mechanischen Uhren

herstellen, welche dieselbe angeben. Andernteils würde es

unzweckmäßig sein, im bürgerlichen Leben nach

Sternzeit zu rechnen, da der Anfang des Sterntags bald auf den Tag,

bald auf die Nacht fällt. Deshalb rechnet man nach mittlerer

Zeit. Die Sonne braucht, um in der Ekliptik vom Frühlingspunkt

bis wieder zu demselben Punkt zu gelangen (tropisches Jahr)

366,2422 Sterntage; sie selbst geht in dieser Zeit einmal weniger

durch den Meridian als ein beliebiger Fixstern, und man teilt daher

diesen Zeitraum in 365,2422 gleich lange Abschnitte, die man

mittlere Tage nennt, und deren jeder wieder in 24 gleich lange

Standen zu 60 Minuten zu 60 Sekunden zerfällt. Da 365,2422

mittlere Tage = 366,2422 Sterntagen sind, so ist 1 mittlerer Tag =

1 Tag 3 Min. 56,55 Sek. Sternzeit und 1 Sterntag = 1 Tag weniger 3

Min. 55,91 Sek. mittlerer Zeit. Viermal im Jahr, nämlich 15.

April, 14. Juni, 31. Aug. und 24. Dez., fällt die wahre S. mit

der mittlern Zeit zusammen; in den Zwischenzeiten ist abwechselnd

die eine oder die andre voraus. Den Unterschied beider nennt man

die Zeitgleichung. Man gibt dieselbe in mittlerer Zeit an und zwar

positiv, wenn man sie zur wahren Zeit addieren muß, um die

mittlere zu finden, negativ, wenn sie zu subtrahieren ist. Gibt

also eine Sonnenuhr nachmittags 4 Uhr 30 Min. an, und ist die

Zeitgleichung +12 Min., so ist es nach mittlerer Zeit um 4 Uhr 42

Min.; wäre aber die Zeitgleichung -12 Min., so hätte man

erst 4 Uhr 18 Min. mittlere Zeit. Die astronomischen

Jahrbücher geben die Zeitgleichung für den wahren Mittag

eines bestimmten Meridians (das Berliner "Astronomische Jahrbuch"

für den Meridian von Berlin) von Tag zu Tag an. Statt dessen

findet man in den meisten Kalendern die mittlere Zeit im wahren

Mittag verzeichnet, die man durch Addition (bez. Subtraktion) der

Zeitgleichung zu 12 Uhr erhält; statt Zeitgleichung +12 Min.

30 Sek. findet man also mittlere Zeit im wahren Mittag 12 Uhr 12

Min. 30 Sek. Weitere Zahlenangaben erscheinen hier unnötig;

nur die größten Werte, welche die Zeitgleichung im Lauf

des Jahrs erreicht, mögen noch erwähnt werden,

nämlich:

+ 14 Min. 34 Sek. - 3 Min. 53 Sek.

am 12. Febr., 14. Mai,

+ 6 Min. 12 Sek. - 16 Min. 18 Sek.

am 26. Juni, 18. Nov.

Mit der Zeitgleichung im Zusammenhang steht noch der Umstand,

daß die Zeiten des Auf- und Unterganges der Sonne, die in

unsern Kalendern verzeichnet sind, nicht gleich weit von mittags 12

Uhr abstehen. So findet man z. B. für Leipzig 1. Juli den

Sonnenaufgang um 3 Uhr 50 Min. früh und den Untergang 8 Uhr 17

Min. abends angegeben; das Mittel aus beiden Zeiten ist 12 Uhr

3½ Min. mittags. Dies ist aber annähernd die Zeit des

wahren Mittags (12 Uhr 3 Min. 33 Sek.). Ganz genau gleich weit vom

wahren Mittag entfernt sind übrigens die Momente des Auf- und

Unterganges nicht wegen der ungleichen Bewegung der Sonne in der

Ekliptik. Vgl. Förster, Ortszeit und Weltzeit (Berl.

1884).

Sonnenzirkel, s. Kalender, S. 383.

Sonnewalde, Stadt im preuß. Regierungsbezirk

Frankfurt, Kreis Luckau, hat eine Dampfbrauerei und (1885) 1152

Einw. Dabei das Schloß S. des Grafen von Solms.

Sonnino, Dorf in der ital. Provinz Rom, Kreis Frosinone,

in den Volsker Bergen gelegen, mit (1881) 3200 Einw., Geburtsort

des Kardinals Antonelli, war früher ein berüchtigtes

Räubernest und wurde deshalb 1819 teilweise zerstört.

Sonntag (Dies Solis), der Tag der Sonne (althochd.

Sunnentac, altnord. Sunnudaga, engl. Sunday, niederländ.

Sondag, schwed. Sondag, dän. Sondag), im Brauch der Kirche der

erste Tag der Woche und als Tag des Herrn (dies dominicus oder

dominica, woraus das franz. dimanche, das ital. domenica, das span.

und portug. domingo gebildet worden ist) zugleich der

wöchentliche Ruhe- und Feiertag der Christen. Wiewohl sich im

Neuen Testament kein bestimmtes Gebot für denselben findet

(doch vgl. 1. Kor. 16, 2; Offenb. 1, 10; Apostelgesch. 20, 7), ward

er schon im nachapostolischen Zeitalter als Auferstehungstag

Christi neben dem jüdischen Sabbat gefeiert, und zwar als

Freudentag. Mit dem Aufgeben der Heilighaltung des Sabbats trug man

viele der auf diesen bezüglichen Anschauungen auf den S.

über; doch datieren förmliche Verbote irdischer, nicht

ganz dringender Geschäfte an Sonntagen von seiten der

weltlichen Obrigkeit erst aus der Zeit Konstantins d. Gr., und

Kaiser Leo III. (717-741) untersagte endlich jegliche Arbeit an

diesem Tag. Die Reformatoren wollten den S., ohne Berufung auf ein

göttliches Gebot, bloß der Zweckmäßigkeit

wegen beobachtet wissen. Dagegen hat schon Beza die Ansicht

vertreten, daß der S. eine göttliche Einsetzung und an

die Stelle des jüdischen Sabbats getreten sei, und so hat sich

auf reformiertem Gebiet, besonders in England, Schottland und

Nordamerika, die strengste Form der Sonntagsfeier bis auf den

heutigen Tag erhalten, selbst wenn die bezüglichen Gesetze

nicht mehr aufrecht erhalten werden. In

38

Sonntagsbuchstabe - Sonometer.

Frankreich dagegen ist seit der großen Revolution der

Unterschied zwischen Sonn- und Wochentagen thatsächlich

aufgehoben worden. Auch in Italien sind alle auf Nichtbeobachtung

der Feiertage gesetzten Strafen gesetzlich beseitigt. Die neuere

Gesetzgebung in Deutschland, namentlich in Preußen, ist von

dem durch die Humanität gebotenen Gesichtspunkt ausgegangen,

daß der Staat alle offiziellen Amtshandlungen am S. zu

untersagen, bei seinen eignen Unternehmungen die Sonntagsarbeit zu

vermeiden und die Tagelöhner, Dienstboten und Fabrikarbeiter

gegen die Forderungen ihrer Herren vor Sonntagsarbeit zu

schützen hat. Die deutsche Gewerbeordnung (§ 136)

verbietet die Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern an

Sonn- und Festtagen; auch können die Gewerbtreibenden die

Arbeiter an Sonn- und Festtagen zum Arbeiten nicht verpflichten

(§ 105). Auch die evangelische Kirche hat neuerdings ihre

Aufmerksamkeit wieder auf diesen Punkt gelenkt und ist dabei

vornehmlich dem Mißbrauch des Sonntags zu Vergnügungen

und Ausschweifungen entgegengetreten. Ein "internationaler

Kongreß für Sonntagsruhe" tagte 1877 in Genf, 1879 in

Bern. Die jetzt noch gewöhnlichen Namen der Sonntage kommen

teils von den Festen her, denen sie folgen, teils von den

Anfangsworten der alten lateinischen Kirchengesänge oder

Kollekten, welche meistens aus den Psalmen entlehnt waren. Unsre

Kalendersonntage sind: 1) ein S. nach Neujahr, der jedoch nur in

solchen Jahren eintritt, in welchen Neujahr auf einen der vier

letzten Wochentage fällt; 2) zwei bis sechs Sonntage nach

Epiphania (s. d.); 3) die Sonntage Septuagesimä,

Sexagesimä und Estomihi (Ps. 71, 3); 4) die Fastensonntage

Invokovit (Ps. 91, 15), Reminiscere (Ps. 25, 6), Okuli (Ps. 25,

15), Lätare (Jes. 66, 10), Judika (Ps. 43, 1) und der

Palmsonntag (s. d.); 5) sechs Sonntage nach Ostern: Quasimodogeniti

(1. Petr. 2, 2), Misericordias Domini (Ps. 23, 6, oder 89, 2),

Jubilate (Ps. 66, 1), Kantate (Ps. 96, 1), Rogate (Matth. 7, 7) und

Exaudi (Ps. 27, 7); 6) die Trinitatissonntage, deren Anzahl von dem

frühern oder spätern Eintritt des Osterfestes

abhängt und höchstens 27 beträgt; 7) die vier

Adventsonntage (s. Advent); 8) ein S. nach Weihnachten, welcher nur

dann eintritt, wenn das Weihnachtsfest nicht auf den Sonnabend oder

S. fällt. Vgl. Litteratur bei Kirchenjahr; ferner: Henke,

Beiträge zur Geschichte der Lehre von der Sonntagsfeier

(Stendal 1873); Zahn, Geschichte des Sonntags, vornehmlich in der

alten Kirche (Hannov. 1878); Rauschenbusch, Der Ursprung des

Sonntags (Hamb. 1887); Grimelund, Geschichte des Sonntags

(Gütersl. 1889); Lammers, Sonntagsfeier in Deutschland (Berl.

1882); "Gesetze und Verordnungen, betreffend die Ruhe an Sonn- und

Feiertagen" (das. 1886); über die Sonntagsfeier vom Standpunkt

der Gesundheitslehre die Schriften von Schauenburg (das. 1876) und

Niemeyer (das. 1877).

Sonntagsbuchstabe, s. Kalender, S. 383.

Sonntagsschulen, dem Wortlaut nach jede Schule, in

welcher am Sonntag unterrichtet wird, was vielfach in den

Fortbildungsschulen (s. d.) der Fall ist. Vorzugsweise bezeichnet

man aber mit dem Namen S. solche Anstalten, in welchen die Jugend

des niedern Volkes durch freiwillige Lehrer und Lehrerinnen der

gebildeten Stände im religiösen Interesse unterrichtet

wird. Solche Schulen gründete schon der Erzbischof Karl

Borromeo von Mailand (gest. 1584), und andre hervorragende

Männer der katholischen Kirche, namentlich J. B. de La Salle,

Stifter der christlichen Schulbrüder, folgten ihm darin. Doch

blieben diese Bestrebungen vereinzelt. Dagegen erwachte im letzten

Viertel des vorigen Jahrhunderts in England und Schottland ein

begeisterter Eifer für die Gründung von S., welcher sich

in alle Länder der angelsächsischen Zunge, besonders nach

Nordamerika, verbreitet hat. Nach einigen sollen die ersten

englischen S. von den Töchtern des Geistlichen More zu Hanham

bei Bristol, namentlich von der auch als Schriftstellerin bekannten

Hannah More, gegen 1780 eingerichtet worden sein. Gewöhnlich

wird Robert Raikes, ein reicher Buchdrucker in Gleucester (geb.

1735, gest. 1811), als erster Gründer der S. genannt. Er

gründete 1781 (1784) eine Sunday School in seiner Vaterstadt

und gab die Anregung zu der von William Fox gestifteten London

Sunday School Society (1785), welche in kurzer Zeit

außerordentliche Erfolge aufzuweisen hatte. In Deutschland

entstand 1791 eine Sonntagsschule in München; 1799

gründete Professor Müchler in Berlin eine solche für

Knaben, 1800 der jüdische Menschenfreund Samuel Levi eine

solche für Mädchen. Der Eifer für die S. nahm in

evangelisch-kirchlichen Kreisen seit 1864 noch einmal lebhaften

Aufschwung durch die Bemühungen des Amerikaners Albert

Woodruff aus Brooklyn sowie seiner deutsch-amerikanischen Freunde

Bröckelmann aus Heidelberg und Professor Schaff aus New York,

nachdem schon 1857 die Versammlung der Evangelischen Allianz in

Berlin auf diese bezeichnende Form englischer Kirchlichkeit von

neuem die Aufmerksamkeit gerichtet hatte. Da in Deutschland die

Ergänzung des öffentlichen Schulunterrichts durch private

Wohlthätigkeit im allgemeinen nicht Bedürfnis ist, haben

die S. hier mehr Wesen und Namen der Jugendgottesdienste

angenommen. An S. aller Art waren 1888 in Deutschland nach

glaubhafter Angabe 30,000 Lehrer und Lehrerinnen unter etwa 230.000

Kindern thätig.

Sonometer (Audiometer), ein von Hughes angegebener

Apparat zur Bestimmung der Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs,

besteht aus einem Mikrophon (ein vertikal stehendes

Kohlenstäbchen, das mit seinen zugespitzten Enden zwei mit

Klemmschrauben versehene Kohlenstückchen berührt),

welches auf dem Sockel einer Pendeluhr steht und in den

Schließungsbogen einer Batterie aus drei Daniellschen

Elementen eingeschaltet ist; der galvanische Strom

durchfließt ferner zwei etwa 30 cm voneinander entfernte,

miteinander parallele Drahtrollen, deren eine mit einem Draht von

100 m, die andre mit einem Draht von 9 m Länge umwickelt ist.

Zwischen diesen beiden Rollen, auf einem Stab verschiebbar,

befindet sich eine dritte, auf welcher gleichfalls ein Draht von

100 m Länge aufgewunden ist, dessen Enden mit einem Telephon

verbunden sind. Die Drähte der beiden ersten Rollen sind so

gewickelt, daß sie in der mittlern Ströme von

entgegengesetzter Richtung induzieren. Verschiebt man die mittlere

Rolle so lange, bis die in ihr induzierten entgegengesetzten

Ströme gleiche Stärke besitzen, so heben sie sich auf,

und in dem Telephon wird das Ticken der Uhr nicht gehört.

Diese Stellung wird als Nullpunkt bezeichnet und der Abstand

zwischen demselben und der ersten Rolle auf dem Stab in 200 gleiche

Teile (Grade) eingeteilt. Verschiebt man nun die mittlere Rolle

gegen die erste hin, so hört man das Ticken der Uhr im

Telephon zuerst schwach und bei weiterer Verschiebung immer

stärker. Versuche an verschiedenen Personen lehrten, daß

beim ersten Grade das Ticken nur von einem äußerst

empfindlichen Gehörorgan wahrgenommen

39

Sonor - Sontag.

werden kann; die mittlere Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs

entspricht den Graden 4-10; Personen, welche bei der Rollenstellung

200 den Schlag der Uhr nicht hören, müssen als absolut

taub angesehen werden.

Sonor (lat.), helltönend, wohlklingend.

Sonora, der nordwestlichste Staat der Republik Mexiko, am

Kalifornischen Meerbusen, umfaßt 197,973 qkm (3595,4 QM.).

Die Küstengegend ist meist flach und im NW. so sandig,

daß selbst die Viehzucht unmöglich wird; das Innere aber

besteht aus Gebirgsland, dicht bewaldet, von fruchtbaren

Thälern durchzogen und reich an Mineralschätzen. Die

wichtigsten Flüsse sind der Yaqui, der Mayo und der S., von

denen die beiden erstern das ganze Jahr durch Wasser haben, der

Sonora aber sich in den sandigen Ebenen von Siete Cerritos

verliert. Das Klima ist auch an der Küste gesund; nur in der

Nähe von den Sümpfen von Santa Cruz kommen Wechselfieber

vor. Von Juni bis zum August bläst gelegentlich der Viento

caliente. Im Innern trifft man alle Extreme der Temperatur, und in

den höher gelegenen Gegenden friert es vom November bis zum

März. Die Bevölkerung betrug 1882: 115,424 Seelen, zum

großen Teil Indianer, den Stämmen der Yaqui, Mayo, Seri,

Papayo, Opata und Apatschen angehörig. Ackerbau ist fast

überall nur bei künstlicher Berieselung möglich,

ergibt dann aber reichen Ertrag an Mais, Weizen, Zuckerrohr,

Bohnen, Baumwolle, Kaffee, Tabak, Indigo etc. Wein und alle Arten

von Obst gedeihen vortrefflich. Auch die Viehzucht ist von

Bedeutung. Die Austern- und Perlenfischerei wird mit Erfolg

getrieben. Der Bergbau beschäftigte 1878: 5600 Menschen und

ergab einen Ertrag von 1,640,272 Pesos, vornehmlich Gold und

Silber. Außerdem findet man aber auch Kupfer, Eisen (im N.),

Graphit (bei San José de la Pimas) und Steinkohlen (Santa

Clara). Die Industrie beschränkt sich auf Baumwollfabrikation

(4 Fabriken), Hut- und Schuhmacherei, Seifensiederei etc.

Hauptartikel der Ausfuhr sind Edelmetalle, Erze, Häute und

Hüte. Hauptstadt ist Hermosillo, wichtigster Hafen Guaymas. S.

Karte "Mexiko". - Die sonorischen Sprachen bilden nach den

Untersuchungen Professor Buschmanns einen weitverzweigten

Sprachstamm, der nicht allein in S., sondern im ganzen

nördlichen Mexiko sowie im südlichen Arizona und

Kalifornien herrscht; auch die Sprache der Schoschonen oder

Schlangenindianer im Felsengebirge, der Juta in Utah u. a.

gehören zu demselben. Vgl. Buschmann, Die Spuren der

aztekischen Sprache im nördlichen Mexiko; Derselbe, Die

Zahlwörter in den sonorischen Sprachen (in den "Abhandlungen

der Akademie der Wissenschaften", Berl. 1859 u. 1867).

Sonrhai (Songhay), Negerstamm im westlichen Sudân,

zu beiden Seiten des mittlern Niger, bildete ehemals ein

großes Reich, welches 1009 den Islam annahm, unter dem Sultan

Askia, einem der größten afrikanischen Eroberer,

mächtig erweitert, zu Ende des 15. Jahrh. das ganze innere

Nordafrika bis östlich zum Tschadsee umfaßte, Garo zur

Hauptstadt hatte und 1592 durch die Marokkaner zerstört wurde.

Zu ihm gehörte auch Timbuktu. Nach Barth besitzen die S.

feinere, edlere Züge von kleinern Umrissen, die Gestalten sind

schlank, die Beine wadenlos. Die Sprache der S. ist neuerdings von

Barth und Lepsius, ausführlicher von Fr. Müller

("Grundriß der Sprachwissenschaft", I, 2, Wien 1877)

dargestellt, der sie für völlig isoliert hält.

Sonsonate, Stadt im zentralamerikan. Staat Salvador, am

Rio Grande, in reizender, aber von Erdbeben oft heimgesuchter

Gegend, hat lebhaften Handel und (1878) 5127 Einw. Eisenbahnen

verbinden die Stadt mit den Häfen Acajutla und Libertad. S.

wurde 1524 von Pedro de Alvarado gegründet.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 10 / 302 段