Nikolsburg in Mähren, besuchte die dortige Schule der
Piaristen und wollte Mönch werden, wählte aber den
Soldatenstand und diente fünf Jahre im Deutschmeisterregiment
zu Klagenfurt und Wien, wo er seine Entlassung nahm. Hierauf
beschäftigte er sich in Wien mit Rechtsstudien und arbeitete
als Gehilfe bei einem höhern Justizbeamten. Zugleich suchte er
die Wiener mit der neuern deutschen Litteratur, die neben und nach
den Erzeugnissen der Gottschedschen Schule frisch aufgeschossen
war, bekannt zu machen, gründete zu diesem Behuf 1761 eine
Deutsche Gesellschaft in Wien, schrieb Wochenblätter ("Der
Mann ohne Vorurteile", 1773) und eiferte in gleicher Weise gegen
die Versunkenheit der Wiener Bühne, zu deren Reform er durch
seine "Briefe über die wienerische Schaubühne" (Wien
1768, 4 Bde.; Neudruck 1884) wesentlich beitrug, wie gegen die
Tortur, welche infolge seiner Schrift "Über Abschaffung der
Tortur" (Zürich 1775) in ganz Österreich wirklich
beseitigt wurde. S. hatte inzwischen (1763) die Professur der
politischen Wissenschaften an der Wiener Universität erhalten;
später wurde er von der Kaiserin Maria Theresia zum Rat, 1779
zum Wirklichen Hofrat bei der Geheimen böhmischen und
österreichischen Hofkanzlei und zum Beisitzer der Studien- und
Zensurkommission, endlich 1810 zum Präsidenten der k. k.
Akademie der bildenden Künste ernannt. Er starb 25. April
1817. Auch auf dem Gebiet des peinlichen Rechts, der Polizei und
des Finanzwesens hat er sich durch Anregung wesentlicher
Verbesserungen großes Verdienst erworben. Diesem Zweck
dienten namentlich das "Handbuch der innern Staatsverwaltung" (Wien
1798) und besonders die "Grundsätze der Polizei, Handlung und
Finanz" (das. 1804, 3 Tle.). Auf der Elisabethbrücke zu Wien
wurde seine Statue (von Hans Gasser) errichtet. Seine "Gesammelten
Schriften" erschienen Wien 1783-87, 13 Bände. Vgl. W.
Müller, Joseph v. S. (Wien 1882); Kopetzky, Joseph und Franz
v. S. (das. 1882); v. Görner, Der Hanswurststreit in Wien und
Joseph v. S. (das. 1885); Simonson, I. v. S. und seine
"Grundsätze der Polizei" (Leipz. 1885).
Sonnenferne und Sonnennähe, s. Aphelium.
Sonnenfinsternis, Himmelserscheinung, bei welcher die
Sonne für eine gewisse Gegend der Erde ganz oder teilweise
durch den Mond verdeckt wird. Der Name S. ist insofern unrichtig,
als die Sonne nicht verfinstert, wie der Mond bei einer
Mondfinsternis, sondern lediglich durch den Mond für das Auge
des Beobachters verdeckt wird. Während daher eine
Mondfinsternis überall, wo der Mond über dem Horizont
steht, in demselben Augenblick und in gleicher Größe
gesehen wird, wird eine S. an verschiedenen Orten zu verschiedenen
Zeiten und in verschiedener Form beobachtet. Eine S. kann nur zur
Zeit des Neumondes eintreten, und es würde bei jedem Neumond
eine solche stattfinden, wenn die Bahn des Mondes mit der Erdbahn
in einer Ebene läge. Da aber beide Ebenen einen Winkel von
5° 8' einschließen, so kann eine S. nur eintreten, wenn
sich der Mond als Neumond in der Nähe eines Knotens,
höchstens 19° 44' von demselben entfernt, befindet. Die
verschiedene Größe der Finsternis hängt davon ab,
in welchem Teil des Mondschattens sich der Beobachter befindet. Ist
in Fig. 1 S der Mittelpunkt der Sonne, M derjenige des Mondes, so
ist der kegelförmige Raum ABC der Kernschatten des Mondes;
innerhalb desselben ist die Sonne vollständig durch den Mond
verdeckt, die S. ist für einen Beobachter in diesem Raum
total. Damit eine solche S. eintrete, darf der Mond nicht über
13 1/3° vom Knoten entfernt sein; auch muß der Mond sich
nahezu in seiner Erdnähe befinden, denn sonst erreicht die
Spitze des Kernschattens die Erde gar nicht. Der Kernschatten ist
rings umgeben von dem Halbschatten, dessen kegelförmige Grenze
durch die Linien AD und BE angedeutet wird. Ein Beobachter
innerhalb dieses Raums sieht nur einen Teil der Sonne und zwar
einen um so größern, je näher dem Rand er steht.
Ein Beobachter in F, Fig. 2, sieht die Sonne, wie es bei K
angegeben ist; die Finsternis ist für ihn (in diesem
Augenblick) partiell. Befindet sich ferner der Beobachter auf der
Verlängerung der Linie SM, so ist für ihn die Finsternis
zentral, der Mondmittelpunkt geht über den Sonnenmittelpunkt
weg; vgl. Fig. 3 und 4, wo G den Beobachtungspunkt, L die S.
darstellt. In Fig. 3 liegt G im Kernschatten, der Mond
erscheint
33
Sonnenfisch - Sonnenkultus.
größer als die Sonne: die S. ist total. In Fig. 4
aber liegt G jenseit der Spitze des Kernschattens, der Mond
erscheint kleiner als die Sonne, und ein leuchtender Ring der
letztern umgibt ihn: die S. ist ringförmig. Jede totale S.
beginnt und endigt mit einer partiellen. Wenn man eine Finsternis
für einen bestimmten Ort schlechthin als partiell bezeichnet,
so bedeutet dies, daß auch zur Zeit der stärksten
Verdeckung noch ein Teil der Sonne sichtbar ist. Man gibt die
Größe einer S. in der Weise an, daß man den
scheinbaren Sonnendurchmesser in zwölf gleiche Teile, Zolle
genannt, teilt und angibt, wieviel solcher Teile bei der
stärksten Verfinsterung bedeckt werden; die S. K in Fig. 2 ist
also neunzöllig. Eine totale Finsternis ist nur von kurzer
Dauer, denn durch die vereinigte Wirkung der Erdrotation und der
Bewegung des Mondes werden schnell andre als die anfänglich
getroffenen Punkte der Erde in den Kernschatten des Mondes
geführt. Für einen einzelnen Ort und zwar am Äquator
kann sie höchstens 8 Minuten währen, und für die
ganze Erde ist ihre größte mögliche Dauer 4 Stunden
38 Minuten. Die Zone, innerhalb deren eine S. total ist, kann am
Äquator nur eine Breite von etwa 30 Meilen haben (gleich dem
Durchmesser des Kernschattens an dieser Stelle); in polaren
Gegenden der Erde dagegen kann diese Breite gegen 200 Meilen
erreichen. Die Längenausdehnung der Zone der Totalität
beträgt nicht selten Tausende von Meilen. Östlich und
westlich sowie nördlich und südlich von der schmalen Zone
der Totalität liegen diejenigen Gegenden, die von dem
Halbschatten des Mondes getroffen werden, in denen also die
Finsternis nur partiell und zwar um so unbedeutender ist, je mehr
ihr Abstand von jener Zone beträgt. Mit Einschluß der
partiellen Finsternis östlich und westlich von der
Totalitätszone kann eine S. im äußersten Fall eine
Gesamtdauer von etwa 7 Stunden haben. Unmittelbar vor und nach der
totalen Finsternis erscheint die Sonne als schmale Sichel, die aber
weniger als den Halbkreis umfaßt, weil der Mond
größer erscheint als die Sonne. Die Berge und
Thäler am Rande des Mondes sind dann selbst bei
mäßiger Vergrößerung mit einer sonst nie zu
erreichenden Schärfe sichtbar. Während der totalen
Finsternis selbst entsteht eine eigentümliche Dunkelheit, der
Himmel erscheint grünlichblau, einige der hellern Sterne
werden sichtbar; die schwarze Mondscheibe aber ist mit einem
lebhaft glänzenden, in heftiger Wallung begriffenen breiten
Lichtring, der Korona, umgeben, von welchem gelbe Strahlen
ausgehen. Auch gewahrt man am Rande des Mondes die Protuberanzen
(vgl. Sonne und Tafel "Sonne"). Partielle Sonnenfinsternisse sind
in der Regel nicht von besondern Erscheinungen begleitet; nur wenn
mehr als drei Viertel der Sonnenscheibe verfinstert werden, bemerkt
man eine Abnahme der Tageshelle. Die Sonnenfinsternisse sind im
allgemeinen häufiger als die Mondfinsternisse. Innerhalb 18
Jahren (der von den Chaldäern mit dem Namen Saros belegten
Periode von 18 Jahren 11 Tagen = 223 synodischen oder 242
Drachenmonaten) ereignen sich nur etwa 29 Mondfinsternisse, dagegen
40 Sonnenfinsternisse, für einen bestimmten Ort aber nur 9,
und unter diesen ist alle 200 Jahre ungefähr eine totale oder
ringförmige. Die letztern sind ungefähr gleich selten. -
über die Vorausbestimmung der Sonnenfinsternisse durch
Rechnung oder Zeichnung vgl. Drechsler, Die Sonnen- und
Mondfinsternisse (Dresd. 1858); Oppolzer, Kanon der Finsternisse
(hrsg. von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien
1887).
Sonnenfisch (Zeus Cuv.), Gattung aus der Ordnung der
Stachelflosser und der Familie der Makrelen (Scomberoidei), Fische
mit länglich eirundem, hohem, seitlich stark
zusammengedrücktem Körper, vorstreckbarem Maul,
schwachen, nicht zahlreichen Zähnen, einfacher oder doppelter
Rückenflosse, unter oder vor den kleinen Brustflossen
stehender Bauchflosse und nackter oder mit kleinen Schuppen
bedeckter Haut. Sie bewohnen nur das Meer, besonders in niedern
Breiten. Der Heringskönig (Peters-, Christus-, Martinsfisch,
Z. faber L.), 1-1,25 m lang und 15-20 kg schwer, mit zwei
getrennten Rückenflossen, von denen die erste
verlängerte, in Fäden auslaufende Strahlen besitzt, zwei
getrennten Afterflossen, welche die Bildung der Rückenflosse
bis zu einem gewissen Grad wiederholen, großen Bauch-,
kleinen Brustflossen und gabelförmigen Stacheln auf der
Bauchschneide, ist im Norden graugelb, im Mittelmeer oft
goldfarben, mit einem runden, schwarzen Fleck auf jeder Seite,
bewohnt das Atlantische und das Mittelmeer, kommt nicht selten an
den englischen Küsten vor, bevorzugt die hohe See, lebt
einzeln, folgt aber den Zügen des Pilchards an die Küste,
nährt sich von Fischen, Sepien und Krustern und wird seines
schmackhaften Fleisches halber seit dem Altertum
geschätzt.
Sonnenflecke, s. Sonne, S. 29.
Sonnengeflecht, s. Plexus.
Sonnengläser, Scheiben aus dunkel gefärbtem
(London smoke) oder schwach versilbertem Glas, welche bei
Beobachtung der Sonne zur Dämpfung des Lichts am Okular des
Fernrohrs angebracht werden. Zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis
ohne Fernrohr genügt ein Stück über einer Flamme
gleichmäßig angerußtes Fensterglas.
Sonnengold, Pflanze, s. Helichrysum.
Sonnengott, s. Apollon und Helios.
Sonnenherde, geheiligte Viehherde des Sonnengottes
(Helios). Es gab deren mehrere im Altertum, zu Erytheia, Apollonia
und auf Thrinakia. Am bekanntesten ist die letztere durch die
Odyssee geworden. Es waren sieben Herden Kühe und sieben
Herden Lämmer, jede zu 50 Stück, an denen der Sonnengott
seine Freude hatte; als die Gefährten des Odysseus, von Hunger
getrieben, einige derselben schlachteten, zürnte Helios
unversöhnlich und sendete Unheil. Wahrscheinlich werden durch
die 7*50 Kühe und Lämmer die Tage und Nächte des
Mondjahrs angedeutet. Auch der Stier des Minos auf Kreta
gehörte zu einer S. Der Gigant Alkyoneus hatte die Rinder des
Helios von Erytheia weggetrieben; Herakles erlegte ihn.
Sonnenjahr, die Zeit eines Umlaufs der Erde um die Sonne,
s. Jahr.
Sonnenkälbchen, s. Marienkäfer.
Sonnenkorn, s. Ricinus.
Sonnenkultus (Sonnenanbetung), die Verehrung der Sonne
als einer Licht und Wärme spendenden Gottheit, von deren
Wohlwollen alles Leben auf der Erde abhängt. Bei niedrig
stehenden Völkern äußert sich der S.
hauptsächlich nur in den Zeremonien, die bei
Sonnenfinsternissen zur Verscheuchung des Ungeheuers angewendet
werden, welches nach Ansicht derselben die Sonne zu verschlingen
droht, gewöhnlichen Gestalt eines Wolfs oder Dämons
gedacht, den man ebenso wie den Mondwolf mit Lärm, Geschrei
und Bogenschüssen zu verscheuchen sucht. Auf höherer
Stufe, die in der kulturgeschichtlichen Entwickelung in der Regel
mit der Kupfer- oder Bronzezeit zusammenfällt, fand der mit
Opfern und Zeremonien verknüpfte Kultus gewöhnlich in
Meyers Konv.- Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
3
34
Sonnenlehen - Sonnenmikroskop.
Anlehnung an ein Sonnenepos statt, in welchem das Lichtprinzip
(Surya der Inder, Ormuzd der Perser, Izdubar oder Nimrod der
Assyrer, Osiris der Ägypter, Herakles der Phöniker und
ältern Griechen, Dionysos der spätern Griechen, Balder
der Germanen etc.) im Kampf mit den Mächten der Finsternis
(Ahriman, Typhon, Loki etc.) gedacht wurde, bald in Form einer
Siegesreise durch die zwölf Himmelszeichen (die zwölf
Thaten des Herakles), bald eines Einzelkampfes dargestellt, bei
welchem der Sonnengott zeitweise (im Winter) unterliegt, in Fesseln
geschlagen, gebunden und geschwächt, auch wohl
verstümmelt wird, weil seine Strahlen alsdann keine Kraft
haben, aber allmählich wieder erstarkt und über seine
Gegner siegt. Als die Hauptfeste dieses Kultus wurden die Zeit der
wieder erstarkenden Sonne, das alte Julfest, und das der
Sonnenstärke (Mittsommerfest) der germanischen Stämme
begangen. Einige Völker feierten auch Klagefeste zur Zeit der
verwundeten Sonne oder des absterbenden Naturlebens, die Adonis-,
Osiris- und Thammuzfeste der assyrischen, ägyptischen und
semitischen Völker, die Dionysien und Bacchusfeste der
Griechen und Römer, die sich in Frühlings- und
Herbstfeier schieden. Bei manchen Völkern, wie z. B. den
Persern, Altmexikanern und Peruanern, fand eine Verschmelzung des
Sonnen- und Feuerdienstes (s. d.) statt, und die Sonnenopfer
mußten an den Hauptfesten mit neuem oder Notfeuer (s. d.)
entzündet werden. In spätern Zeiten wurde der Sonnengott
dann auch wohl als Mittler- und Versöhnungsgott gefeiert,
namentlich im indischen Agni, im persischen Mithra und
griechisch-italischen Dionysos. Vielfach scheint dem ausgebildeten
S. ein Mondkultus mit nächtlichen Mysterien und weiblicher
Priesterschaft vorausgegangen zu sein, namentlich bei solchen
Völkern, wo das Mutterrecht (s. d.) galt und Frauen an der
Spitze der Gemeinwesen standen (Amazonenstaaten). Ein solcher
Kultus findet sich noch heute unter ähnlichen
Verhältnissen bei wilden Völkern Afrikas und Amerikas,
und da Ähnliches in der alten Welt stattgefunden, so
erklärt sich, weshalb die Sonnengottheiten zugleich als
Schützer des Vaterrechts und Unterdrücker der Amazonen
galten, namentlich Apollon, Herakles, Perseus und andre
Sonnenkämpfer. Vgl. Dupuis, L'origine de tous les cultes (Par.
1795, 3 Bde.; neue Ausg. 1835-37).
Sonnenlehen, ehedem Bezeichnung für Besitzungen, die
in niemandes Lehen, vielmehr im vollen Eigentum der Besitzer
standen, bei welchen aber die Sonne als Lehnsherrin fingiert
ward.
Sonnenmaschine, eine Kraftmaschine zur Umsetzung der von
der Sonne gespendeten Wärme in mechanische Arbeit. Der
Gedanke, die Sonnenwärme zur Arbeitsleistung heranzuziehen,
ist alt; doch war erst nach der Ausbildung der mechanischen
Wärmetheorie eine Beurteilung der von einer solchen Maschine
zu erwartenden Leistung möglich. Nach Versuchen von Pouillet,
Herschel und Ericsson beträgt die nutzbar zu machende
Wärmemenge der Sonne pro Quadratmeter der Erdoberfläche
zwischen dem Äquator und dem 43. Breitengrad etwa 10 Kalorien
pro Minute (1 Kalorie oder Wärmeeinheit ist die zur
Erwärmung von 1 kg Wasser um 1° C. erforderliche
Wärmemenge), also 1/6 Kalorie pro Sekunde. Da nun 1 Kalorie
einer Arbeitsmenge von 426 Meterkilogramm gleichwertig ist, so
erhält man pro Quadratmeter 1/6*426=71 Meterkilogramm pro
Sekunde oder 71/75 = 0,95 Pferdekräfte. Um die erforderlichen
Temperaturen zu erzielen, muß die Sonnenwärme mittels
großer Reflektoren konzentriert werden, wozu sich nach
Provostaye und Desains Silberspiegel am besten eignen, welche 92
Proz. der auffallenden Wärme zurückstrahlen. Ferner ist
es nötig, den mit der Sonnenwärme zu heizenden
Körpern (Dampfkesseln, Heiztöpfen) eine möglichst
gut wärmeabsorbierende Oberfläche zu geben (nach Melloni
absorbieren mit Lampenruß geschwärzte Metallflächen
unter Glasbedeckung die Wärmestrahlen am besten). Die bisher
zur Verwertung der Sonnenwärme benutzten Maschinen sind
Heißluft- oder Dampfmaschinen. Ericssons S. besteht aus einer
Heißluftmaschine (s. d.), deren Heiztopf in dem Brennpunkt
eines paraboloidisch gestalteten Brennspiegels liegt. Mouchot heizt
einen Dampfkessel mittels Sonnenstrahlen, indem er ihn in Gestalt
von kupfernen, mit Ruß überzogenen und von einer
Glasglocke überdeckten Röhren in den linearen Fokus eines
trichterförmigen, aus versilberten Blechplatten gebildeten
Reflektors stellt. Der ganze Apparat ist auf einem Gelenksystem so
angebracht, daß er mit seiner Achse leicht dem Lauf der Sonne
folgen kann. Dieser Kessel lieferte mit einem Sonnenrezeptor von
3,8 qm Bestrahlungsfläche zur Winterzeit in Algier 5100 Lit.
Dampf von normalem Druck = 3,1 kg Dampf, welcher ca. 2000 Kalorien
enthält, so daß pro Minute und pro Meter
Bestrahlungsfläche 2000/60.3,8 = 8 2/3 Kalorien oder 87 Proz.
der angegebenen 10 pro Quadratmeter Fläche disponibeln
Kalorien durch Dampfbildung nutzbar gemacht wurden, während
der Rest durch unvollständige Reflexion und Absorption
verloren ging. Eine mit dem Kessel betriebene kleine Dampfmaschine
leistete eine Arbeit von 8 Meterkilogramm pro Sekunde oder 8/75 =
ungefähr 1/9 Pferdekraft, während nach obigen Angaben in
der auf 3,8 qm Fläche fallenden Sonnenwärme 3,8.0,95 =
3,6 Pferdekräfte disponibel sind, so daß nur
8.100/75.3,6 = 3 Proz. der Sonnenwärme ausgenutzt werden.
Demnach wären für eine S. von nur 1 Pferdekraft 9.3,8 =
35 qm und für eine S. von 100 Pferdekräften 3500 qm
Bestrahlungsfläche erforderlich. Dieses ungünstige
Resultat rührt jedoch nicht von der Wärmeübertragung
her, die ja 87 Proz. der Wärme nutzbar macht, sondern ist in
der Natur der Dampfmaschine begründet, welche auch in der
besten Ausführung nur etwa 5-6 Proz. der Wärme eines
Brennmaterials in Arbeit verwandeln kann, während alle
übrige Wärme teils durch Strahlung, teils durch den
Schornstein, zum größten Teil jedoch durch den
abziehenden Dampf, bez. das Kondensationswasser verloren geht.
Solange es daher keine Maschine gibt, welche die Wärme
bedeutend besser ausnutzt als die Dampfmaschine, wird die S.
schwerlich, auch nicht in den für sie günstigsten
Tropenländern, eine nennenswerte Verwendung finden
können.
Sonnenmesser, s. v. w. Heliometer (s. d.).
Sonnenmikroskop, Vorrichtung, um vergrößerte
Bilder sehr kleiner Gegenstände auf einem Schirm, für
viele Zuschauer gleichzeitig sichtbar, zu entwerfen. Sein
wesentlichster Teil ist eine in die Röhre e (s. Figur, S. 35)
bei d eingeschraubte Konvexlinse von kurzer Brennweite, welche von
einem kleinen, gewöhnlich zwischen zwei Glasplatten
gefaßten und bei cc etwas außerhalb der Brennweite der
Linse d festgeklemmten Gegenstand auf einem Schirm ein riesiges
Bild entwirft. Da die Lichtmenge, welche von dem kleinen Gegenstand
ausgeht, sich auf die im Verhältnis enorm große
Fläche des Bildes verteilt, so begreift man, daß der
Gegenstand sehr hell erleuchtet sein muß, wenn das Bild nicht
zu lichtschwach
35
Sonnenorden - Sonnenthal.
ausfallen soll. Die starke Beleuchtung des Gegenstandes wird
bewirkt durch eine große Konvexlinse a am Ende des weiten
Rohrs, welches den Hauptkörper des Instruments ausmacht;
dieselbe sammelt unter Beihilfe der kleinern Linse b die zur
Beleuchtung bestimmten Lichtstrahlen aus dem kleinen Gegenstand.
Eine Zahnstange mit Trieb dient dazu, den Objektträger cc in
den Brennpunkt der Beleuchtungslinsen einzustellen, eine andre hat
den Zweck, durch Verschiebung der Fassung de das Bild genau auf den
Schirm zu bringen. Zur Beleuchtung wird entweder Sonnenlicht
benutzt, indem man die Vorrichtung als eigentliches "S." in die
Öffnung eines Fensterladens einsetzt und ihm durch einen
Spiegel (Heliostat, s. d.) die Sonnenstrahlen zuführt; oder
man beleuchtet das Mikroskop mit elektrischen. oder mit
Drummondschem Kalklicht (s. Knallgas), für welche Fälle
man ihm die überflüssigen Namen photoelektrisches
Mikroskop und Hydrooxygenmikroskop (Knallgasmikroskop) beigelegt
hat.
Sonnenorden, 1) Argentinischer S., Stifter und
Stiftungszeit unbekannt; das Ordenszeichen besteht in einer
goldenen Medaille, welche die Sonne, umgeben von einem
Lorbeerkranz, zeigt. - 2) Persischer Sonnen- und Löwenorden,
1808 von Schah Feth Ali gestiftet unter dem Namen
Nishan-i-Schir-u-Khorschid für Zivil- und
Militärverdienst, erhielt seine Organisation nach dem Muster
der französischen Ehrenlegion von Ferukchan und hat fünf
Klassen. Die Großkreuze tragen einen achtstrahligen
silbernen, brillantierten Stern, in der Mitte von einer dreifachen
Perlenreihe umgeben, das Bild des schwerttragenden Löwen,
stehend für Perser, liegend für Ausländer, mit der
aufgehenden Sonne; die zweite Klasse den siebenstrahligen Stern;
die dritte Klasse mit sechs Strahlen um den Hals; die vierte die
Dekoration mit fünf Strahlen und einer Rosette im Knopfloch
und die fünfte die fünfstrahlige Dekoration ohne Rosette.
Blau, Rot oder Weiß ist die Farbe des Bandes für die
Perser, Grün für die Ausländer.
Sonnenparallaxe, s. Parallaxe u. Sonne, S. 28.
Sonnenrauch, s. Herauch.
Sonnenring, s. Hof, S. 604 f.
Sonnenrisse, das Aufreißen der Rinde von
Bäumen im Frühling auf der Südseite, hervorgerufen
durch die starke Erwärmung und Austrocknung durch die Sonne,
wahrscheinlich nach vorangehenden Spätfrösten.
Sonnenröschen, s. Helianthemum.
Sonnenrose, s. Helianthus.
Sonnenscheibe, geflügelte (Tebta), ein in der
ägyptischen Architektur häufig angewandtes Symbol des
Gottes Horos von Apollinopolis magna (Edfu). Es findet sich zumeist
über den Thüren und Thoren der Tempel gleichsam als
Abwehr des Bösen ausgemeißelt. Um die Scheibe winden
sich gewöhnlich zwei Uräusschlangen, die Ober- und
Unterägypten symbolisieren (s. Abbild.). Die spätere Zeit
hat die Bedeutung, welche der geflügelten S. in den
Kämpfen des Horos gegen Seth beigelegt wurde, in einer Sage
weiter ausgebildet.
Sonnenschein, Franz Leopold, Chemiker, geb. 13. Juli 1817
zu Köln, erlernte daselbst die Pharmazie, errichtete in den
30er Jahren in Berlin ein kleines Laboratorium und bereitete in
Gemeinschaft mit einem Arzt andre Apotheker auf das Staatsexamen
vor. Gleichzeitig studierte er Chemie und habilitierte sich 1852
als Privatdozent. Er widmete sich speziell der analytischen Chemie
und entfaltete eine sehr ausgedehnte praktische Thätigkeit,
durch welche er ein Ansehen gewann wie kaum ein Chemiker vor ihm.
Viele technische Unternehmungen verdankten ihm hauptsächlich
ihren Erfolg. Die analytische und die gerichtliche Chemie
förderte er durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.
Er starb 26. Febr. 1879 als Professor an der Universität in
Berlin. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Anleitung zur
chemischen Analyse" (Berl. 1852, 3. Aufl. 1858); "Anleitung zur
quantitativen chemischen Analyse" (das. 1864); "Handbuch der
gerichtlichen Chemie" (2. Aufl. von Clafsen, das. 1881) und
"Handbuch der analytischen Chemie" (das. 1870-71, 2 Bde.).
Sonnenscheinautograph, s. Insolation.
Sonnenstein, s. Adular, Bernstein (S. 785), Korund und
Oligoklas.
Sonnenstein, Schloß, s. Pirna.
Sonnensteine, s. Gräber, prähistorische.
Sonnenstich (Insolation, Heliosis), im weitern Sinn alle
Krankheitserscheinungen, welche durch anstrengende Bewegungen bei
hoher Wärme auftreten (s. Hitzschlag); im engern Sinn eine
Reihe von Erregungszuständen, Delirien mit Selbstmordideen,
welche bei marschierenden Soldaten in den Tropen unter Einwirkung
direkter Sonnenstrahlung beobachtet worden sind und als Wirkung der
strahlenden Wärme auf das Gehirn aufgefaßt werden. Vgl.
Jacubasch, S. und Hitzschlag (Berl. 1879).
Sonnensystem, die Gesamtheit der Weltkörper, welche
sich um die Sonne als Zentralkörper bewegen, mit
Einschluß der Sonne selbst. Vgl. Karte "Planetensystem".
Sonnentafeln, astronom. Tafeln, welche den Himmelsort der
Sonne für den Mittag jedes Tags angeben. Große
Verdienste um Herstellung guter S. erwarb sich der italienische
Astronom Carlini, dessen Werk (Mail. 1810) von Bessel durch
Korrektionstafeln noch mannigfach verbessert worden ist (1827).
Ältere Tafeln besitzen wir von Lacaille, Mayer, Zach (1804)
und Delambre (1805); die genaueren sind gegenwärtig die von
Hansen und Olufsen (Kopenh. 1853) und Leverrier (Par. 1858).
Sonnentag, s. Sonnenzeit.
Sonnentau, Pflanzengattung , s. Drosera.
Sonnentaugewächse, s. Droseraceen.
Sonnenthal, Adolf von, Schauspieler, geb. 21. Dez. 1834
zu Pest, mußte infolge plötzlicher Verarmung seiner
Eltern das Schneiderhandwerk ergreifen, wandte sich später,
seiner Neigung folgend und von Dawison ermuntert und
einigermaßen vorbereitet, zur Bühne und debütierte
1851 zu Temesvár als Phöbus im "Glöckner von Notre
Dame". 1852 ging er nach Hermannstadt, von hier 1854 nach Graz und
im Winter 1855-56 nach Königsberg, wo er mit solchem Erfolg
auftrat, daß Laube ihm ein Engagement am Wiener Burgtheater
antrug. Hier trat er im Mai 1856
36
Sonnentierchen - Sonnenzeit.
zum erstenmal (als Mortimer) auf, wurde nach drei Jahren auf
Lebenszeit engagiert und entwickelte sich unter Laubes Leitung zu
einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. 1881
gelegentlich seines 25jährigen Dienstjubiläums durch
Verleihung des Ordens der Eisernen Krone in den Adelstand erhoben,
wurde er 1884 zum Oberregisseur ernannt und fungierte seit dem
Abgang des Direktors Wilbrandt (Juni 1887) bis Ende 1888 als
artistischer Leiter der Anstalt. Sonnenthals eigentliche
Stärke liegt im Schauspiel und im Lustspiel; als Darsteller
sogen. Salonrollen nimmt er unbestritten den ersten Platz ein. Aus
seinem vielseitigen Repertoire sind Ahasver, Hamlet, Narciß,
Mortimer, Graf Waldemar, Lord Rochester ("Waise von Lowood"),
Fürst Lübbenau ("Aus der Gesellschaft"), Fox, Bolz,
Ringelstern, Posa, Raoul Gérard ("Aus der komischen Oper"),
Gesandtschaftsattaché, Marcel de Prie ("Wildfeuer"),
König ("Esther"), auch Faust, Tell u. a. hervorzuheben. S. hat
auch einige französische Bühnenstücke, z. B. den
"Marquis von Villemer", gewandt und wirksam übertragen.
Sonnentierchen, s. Rhizopoden (2).