Langley hat die Photosphäre ein wollig-wolkenartiges

Aussehen, aber neben den verwaschen wolkenartigen Gebilden

unterscheidet man noch zahlreiche schwache Fleckchen auf hellem

Grund, und unter günstigen Umständen lösen sich die

wolkenähnlichen Gebilde in eine Menge kleiner intensiv

leuchtender Körner auf, die in einem dunklern Medium

suspendiert erscheinen. Die erwähnten Fleckchen haben jetzt

das Aussehen von Öffnungen oder Poren, entstanden durch

Abwesenheit der weißen Wolkenknoten und Durchscheinen des

dunklern Grundes; der Durchmesser beträgt bei den deutlicher

wahrnehmbaren 2-4 Bogensekunden. Die hellen Knötchen oder

Reiskörner Secchis bestehen nach Langley aus Anhäufungen

kleiner Lichtpunkte von ungefähr 1/3'' Durchmesser. Janssen

hat Photographien der S. bis zu einem Durchmesser von 30cm und mehr

dargestellt, die unter der Lupe sehr deutlich die granulierte

Beschaffenheit der Photosphäre zeigen. An Stellen, wo die

Granulationen am deutlichsten ausgeprägt sind, besitzen die

Elemente alle eine mehr oder minder kugelförmige Gestalt, und

das um so mehr, je geringer ihre Größe ist. Der

Durchmesser dieser Kugeln ist sehr verschieden, von wenigen

Zehnteln der Bogensekunde bis zu 3 und 4''. Die ganze

Oberfläche der Photosphäre erscheint in eine Reihe von

mehr oder minder abgerundeten, oft fast geradlinigen, meist an

Vielecke erinnernden Figuren abgeteilt, deren Größe sehr

verschieden ist, oft einen Durchmesser bis zu 1' und darüber

erreicht. Während nun in den Zwischenräumen dieser

Figuren die einzelnen Körner bestimmt und gut begrenzt, obwohl

von sehr verschiedener Größe sind, erscheinen sie im

Innern wie zur Hälfte ausgelöscht, gestreckt oder

gewunden; ja, am häufigsten sind sie ganz verschwunden, um

Strömen von leuchtender Materie Platz zu machen, die an die

Stelle der Granulationen getreten sind. Janssen hat diese

Gestaltung als photosphärisches Netz bezeichnet.

[Sonnenflecke, Rotation.] Ferner bemerkt man auf der

Sonnenfläche schon bei schwachen Vergrößerungen

bald einzelne, bald in Gruppen zusammenstehende dunklere Stellen,

sogen. Sonnenflecke. Dieselben wurden zuerst 1610 von Fabricius

wahrgenommen, 1611 auch von Galilei und von Scheiner in Ingolstadt

entdeckt. Während ersterer die S. mit ungeschütztem Auge

beobachtete, wenn sie in der Nähe des Horizonts stand, wandte

Scheiner zuerst dunkel gefärbte Blendgläser an.

Gegenwärtig polarisiert man auch das Licht im Fernrohr durch

Reflexion und kann es dann durch abermalige Reflexion beliebig

abschwächen (Helioskop von Merz). Vielfach beobachtet man auch

das objektive Sonnenbild, das durch ein Äquatorial auf einer

weißen Fläche entworfen wird. Auch wendet man jetzt nach

dem Vorgang von Warren de la Rue häufig die Photographie an,

um getreue Abbildungen der Sonnenfläche mit ihren Flecken etc.

zu erhalten. Fig. 1 der Tafel "Sonne" zeigt den Anblick der S. nach

einer Photographie von Rutherfurd in New York 23. Sept. 1870.

Außer den Sonnenflecken zeigt dieselbe auch noch nach dem

Rand hin helle Adern, sogen. Fackeln, in Silberlicht glänzende

Streifen, die schon Galilei beobachtete. Die Sonnenflecke sind von

sehr verschiedener Größe, oft nur als dunkle Punkte

erkennbar, sogen. Poren, und oftmals 1000 Meilen und mehr im

Durchmesser haltend. Schwabe beobachtete im September 1850 einen

Fleck von 30,000 Meilen Durchmesser. Große Flecke von mehr

als 50'' = 4800 Meilen Durchmesser sind auch mit bloßem Auge

sichtbar, wenn man die S. durch dünnes Gewölk oder nahe

am Horizont oder auch ein berußtes Glas beobachtet, und es

sind solche schon vor Erfindung der Fernröhre, namentlich von

den Chinesen, vereinzelt gesehen worden. An den größern

Flecken unterscheidet man meist einen dunkeln Kern, den Kernfleck,

bisweilen mit noch dunklern Stellen, Dawes' Centra. Diese Kerne

sind umgeben mit einem matten, nach der leuchtenden

Sonnenfläche gut abgegrenzten Hof oder Halbschatten

(penumbra), ungefähr von der grauen Färbung der

Mondmeere. Doch sind auch bisweilen rötliche Färbungen

beobachtet worden, namentlich hat Secchi größere Flecke

wiederholt wie durch einen rötlichen Schleier gesehen. Nicht

selten fehlt übrigens die Penumbra, andre Male wieder der

Kernfleck.

Gleich die ersten Beobachter bemerkten, daß die

Sonnenflecke sich vom östlichen Rande der S. nach dem

westlichen bewegen, und erklärten diese Bewegung richtig durch

eine Rotation der S. um eine Achse. Die Bestimmung der Dauer der

Rotation ist aber mit Schwierigkeiten verbunden, einesteils wegen

der Veränderlichkeit, andernteils wegen der eignen Bewegung

der Flecke, die nach Laugier bisweilen über 100m in der

Sekunde beträgt. Verhältnismäßig nicht viele

Flecke behalten ihre Gestalt so lange, daß man sie

während mehrerer Rotationen verfolgen kann; viele ändern

von einem Tag zum andern ihre Gestalt teils durch Zerfallen (s.

Tafel, Fig. 2), teils durch Zusammenfließen mit andern

derart, daß sie nicht wieder zu erkennen sind; andre

verschwinden gänzlich, neue erscheinen. Das Auftreten neuer

Fleckengruppen wird meist vorher angezeigt durch ausgedehnte helle

Fackeln an der gleichen Stelle. Dessen ungeachtet hat man

zahlreiche Flecke durch mehrere Rotationen beobachtet. Man findet

nun, daß ein Fleck ungefähr 27½ Tage nach seinem

ersten Erscheinen sich wieder am Ostrand zeigt, und daraus ergibt

sich, mit Berücksichtigung der Bewegung der Erde, die wahre

Dauer einer Rotation der S. zu ungefähr 25½ Tagen. Die

genauere Bestimmung liefert aber für Flecke, die dem

Sonnenäquator nahe sind, eine kürzere Dauer als für

solche in höhern Breiten. Spörer fand z. B. für

1,5° heliographischer Breite 25,118 Tage, für 24,6°

aber 26,216 Tage. Es deutet dies auf eine Bewegung der Flecke

parallel zum Äquator. Außerdem aber ändern sich

auch die Breiten, es zeigen die meisten Flecke eine Bewegung vom

Äquator nach den Polen hin. Spörer vermutet, daß

diese Bewegungen mit Winden auf der S. zusammenhängen. Nach

seiner Bestimmung beträgt die Rotationszeit der S. 25,234

Tage, der Sonnenäquator ist um 6° 57' geneigt gegen die

Ekliptik, und die Länge seines aufsteigenden Knotens ist

74° 36'; Carrington hat 25,38 Tage, 7° 15' und 73° 57'

gefunden.

Bei der Rotation der S. zeigen die Flecke, den Regeln der

Perspektive entsprechend, gewisse regelmäßige

Formveränderungen: wenn ein Fleck sich vom Ostrand aus nach

der Mitte der S. bewegt, so wird seine Ausdehnung parallel zum

Äquator immer größer; entfernt er sich aber von der

Mitte, so wird sie immer kleiner, während gleichzeitig seine

Ausdehnung senkrecht zum Äquator ungeändert bleibt.

Wilson in Glasgow beobachtete 1769 an einem großen

Sonnenfleck, daß die Penumbra, als derselbe in der Mitte der

S. stand, links und rechts ungefähr gleich groß, vor-

und nachher aber, bei exzentrischer Stellung, allemal auf der dem

Rande der S. zunächst liegenden Seite sich am breitesten

zeigte. Wilson kam dadurch zu der Ansicht, daß die Penumbra

gebildet werde durch die trichterförmig nach unten

abfallenden, nur wenig leuchtenden Seitenwände einer

Öffnung in

30

Sonne (Korona, Protuberanzen etc.).

der Lichthülle der S., durch welche wir deren dunkeln Kern

erblicken. Daß der eigentliche Sonnenkörper dunkel sei,

hatte schon Dom. Cassini (1671) behauptet; Bode (1776) und

später W. Herschel haben der Wilsonschen Hypothese, daß

der dunkle Kern der S. zunächst von einer wenig leuchtenden,

wolkenähnlichen Hülle umgeben sei, über welche sich

die eigentliche Lichthülle ausbreite, allgemein Eingang

verschafft. Erst Kirchhoff (1861) machte darauf aufmerksam,

daß die leuchtende Hülle der S. unmöglich

bloß nach außen Licht und Wärme senden könne,

daß vielmehr auch die unter ihr liegende wolkenartige Schicht

und der Sonnenkörper selbst längst durch Leitung und

Strahlung erwärmt und ins Glühen versetzt worden sein

müßten. Aus diesen Gründen ist die Wilsonsche

Hypothese aufgegeben worden.

Die Sonnenflecke erscheinen nicht an allen Stellen der

Sonnenoberfläche in gleicher Häufigkeit. In der

Hauptsache sind sie beschränkt auf die Zonen zwischen 10 und

30° heliographischer Breite, die sogen. Königszonen. In

der Nähe des Sonnenäquators selbst sind sie nur

spärlich vorhanden, und ebenso finden sie sich selten jenseit

des 35. Breitengrads. Ferner sind die Sonnenflecke nicht zu allen

Zeiten gleich häufig, und es hat zuerst Schwabe 1843 aus

seiner seit 1826 fortgesetzten Beobachtung auf eine etwa

zehnjährige Periode der Häufigkeit geschlossen. Zu

allgemeiner Anerkennung gelangte diese Behauptung namentlich durch

die Diskussion älterer Fleckenbeobachtungen durch Wolf 1852.

Derselbe fand eine mittlere Dauer der Periode von 11 1/9 Jahren mit

Abweichungen von durchschnittlich 1 2/3 Jahren; etwa fünf

solcher Perioden bilden wieder eine größere Periode, die

durch die Höhe der Fleckenmaxima und die Tiefe der Minima

charakterisiert ist. Merkwürdig ist das 1852 von Sabine,

Gautier und Wolf erkannte Zusammentreffen der Sonnenfleckenperiode

mit derjenigen der erdmagnetischen Störungen und Variationen.

Später hat man auch in den Erscheinungen der Nordlichter, des

Regenfalls, der Stürme etc. dieselbe Periode zu erkennen

geglaubt; auch hatte schon W. Herschel einen Zusammenhang zwischen

der Häufigkeit der Sonnenflecke und der Fruchtbarkeit der

einzelnen Jahre zu erkennen geglaubt. Vgl. Hahn, Über die

Beziehungen der Sonnenfleckenperiode zu meteorologischen

Erscheinungen (Leipz. 1877); Fritz, Die Beziehungen der

Sonnenflecke zu den magnetischen und meteorologischen Erscheinungen

der Erde (Haarlem 1878).

[Korona und Protuberanzen.] Bei totalen Sonnenfinsternissen

erscheint der vor der S. stehende Mond rings umgeben mit einem

silberglänzenden, wallenden Lichtschimmer, aus dem einzelne,

oft wunderbar gekrümmte Strahlengruppen hervorschießen.

Es ist dies die sogen. Korona. Außerdem aber hat man auch

noch bei diesen Gelegenheiten eigentümliche rosenrote Gebilde

am Sonnenrand bemerkt, die bald wie Berge oder Flammen an der S.

haften, bald wie Wolken frei schweben, die Protuberanzen (vgl.

Tafel "Sonne", Fig. 3). Solche Protuberanzen sind bereits 1733 von

Vassenius in Gotenburg beobachtet und abgebildet worden; ihr

genaueres Studium beginnt aber erst mit der Sonnenfinsternis vom 8.

Juli 1842, wo Arago, Airy, Schumacher u. a. sie wahrnahmen; 1860

wurden sie bereits photographiert, und 1867 glückte es Rziha,

bei Ragusa eine Protuberanz während einer zehnzölligen

ringförmigen Finsternis zu beobachten. Endlich haben 1868

Lockyer, Janssen, Huggins und Zöllner Methoden angegeben, um

diese Gebilde auch bei vollem Sonnenschein zu beobachten. Als

Mittel hierzu dient das Spektroskop. Das Sonnenspektrum ist ein

kontinuierliches Spektrum, welches von zahlreichen dunkeln

(Fraunhoferschen) Linien unterbrochen wird, die genau dieselbe

Stelle einnehmen wie die hellen Linien in den Spektren

verschiedener Metalldämpfe. Kirchhoff zeigte, daß ein

jedes glühende Gas ausschließlich Strahlen von der

Brechbarkeit derer schwächt, die es selbst aussendet, so

daß die hellen Linien eines glühenden Gases in dunkle

verwandelt werden müssen, wenn durch dasselbe Strahlen einer

Lichtquelle treten, die hinreichend hell ist und an sich ein

kontinuierliches Spektrum gibt. Um also die dunkeln Linien des

Sonnenspektrums zu erklären, muß man annehmen, daß

die Sonnenatmosphäre einen leuchtenden Körper

umhüllt, der für sich allein ein kontinuierliches

Spektrum gibt. Die wahrscheinlichste Annahme scheint Kirchhoff die

zu sein, daß die S. aus einem festen oder

tropfbarflüssigen, in der höchsten Glühhitze

befindlichen Kern besteht, der umgeben ist von einer

Atmosphäre von etwas niedrigerer Temperatur. Durch das

erwähnte Zusammentreffen der Fraunhoferschen mit den hellen

Linien in den Spektren gewisser Metalldämpfe ist zugleich die

Anwesenheit der letztern in der Sonnenatmosphäre nachgewiesen,

und man hat auf diese Weise gefunden, daß Natrium, Calcium,

Baryum, Magnesium, Eisen, Chrom, Nickel, Kupfer, Zink, Strontium,

Kadmium, Kobalt, Wasserstoff, Mangan, Aluminium, Titan in der

Sonnenatmosphäre vorkommen; Wasserstoff und Eisendampf bilden

die Hauptgemengteile. Die Sonnenflecke zeigen nach Huggins und

Secchi dasselbe Spektrum wie die übrige Sonnenfläche, nur

sind die dunkeln Linien breiter; Secchi schließt daraus,

daß in ihnen die metallischen Dämpfe sich im Zustand

größerer Dichte befinden. Die Protuberanzen aber zeigen

ein Linienspektrum mit den hauptsächlichsten Linien des

Wasserstoffs und einigen Eisenlinien. Darauf beruht die

Möglichkeit, diese Gebilde bei hellem Sonnenschein selbst auf

der Sonnenscheibe zu beobachten. Man bringt nämlich im

Spektroskop eine größere Anzahl Prismen an, durch welche

das Spektrum des störenden Sonnenlichts so

vergrößert wird, daß es nicht mehr blendet;

dagegen bleibt die Protuberanz im Licht einer der hellen

Wasserstofflinien sichtbar, wenn man den Spalt weit öffnet

(Lockyer, Zöllner). Man weiß gegenwärtig, daß

die Protuberanzen in der Hauptsache aus glühendem Wasserstoff

bestehen, der in Massen von mannigfachster Form bis zur Höhe

von 1-3', ja in einzelnen Fällen bis über 4' Höhe

(23,000 geogr. Meilen) mit rasender Schnelligkeit (über 20

geogr. Meilen in der Sekunde) aufsteigt. Durch die Neigung der

obern Teile der Protuberanzen gibt sich eine in den höhern

Schichten der Atmosphäre herrschende Strömung nach den

Polen kund. Eine Hülle glühenden Wasserstoffgases umgibt

auch den ganzen Sonnenkörper, in der Fleckenregion fast zu

6000 Meilen, anderwärts nur etwa zu 1000 Meilen aufsteigend,

die sogen. Chromosphäre, welche namentlich in mittlern Breiten

zahlreiche haarförmige Hervorragungen zeigt. Die Korona

endlich gibt ein kontinuierliches Spektrum mit einigen hellen

Linien, darunter einer grünen Eisenlinie, die auch im

Nordlichtspektrum auftritt. Zwischen Protuberanzen und Fackeln

besteht eine enge Beziehung; es treten durchschnittlich die

schönsten Protuberanzen in der Region der Fackeln auf, und

Secchi versichert, noch niemals eine einigermaßen

glänzende Fackel am Sonnenrand selbst angetroffen zu haben,

ohne daselbst zugleich eine Protuberanz oder wenigstens eine

höhere Erhebung und

31

Sonneberg - Sonnenberg.

einen stärkern Glanz der Chromosphäre zu sehen.

Spörer hält die Protuberanzen für Vorläufer

später erscheinender Fleckengruppen. Fig. 4-6 auf Tafel

"Sonne" zeigen eine Anzahl Protuberanzen: Fig. 4 I eine Protuberanz

von 2' (11,500 geograph. Meilen) Höhe 3 Uhr 45 Min., II, III,

IV eine andre von 35 bis 40'' (3400-3800 Meilen) Höhe 6 Uhr 45

Min., 55 Min. und 57 Min.; Fig. 5 I 2. Juli 1869, 11 Uhr 35 Min.,

Höhe 65'' (6300 Meilen), II 4. Juli, 9 Uhr, Höhe 40''

(3800 Meilen), III und IV eine Protuberanz von 50-60'' (4800-5700

Meilen) Höhe 4. Juli, II Uhr 50 Min. und 12 Uhr 50 Min.

[Temperatur.] Über die Temperatur, welche auf der

Oberfläche der S. herrscht, gehen die Ansichten der Forscher

weit auseinander: während Zöllner aus theoretischen

Erwägungen über 27,000° C. findet, hat Secchi aus

aktinometrischen Messungen 5-6 Mill. Grad als untere Grenze

abgeleitet. Aus solchen Messungen haben aber anderseits Pouillet

und neuerdings wieder Vicaire und Violle bloß 1500°

gefunden. Diese verschiedenen Resultate sind Folge verschiedener

Annahmen des Wärmestrahlungsgesetzes, dessen Form uns freilich

nur innerhalb ziemlich enger Temperaturgrenzen sicher bekannt ist.

Licht- und Wärmestrahlung sind infolge der Absorption in der

Sonnenatmosphäre am Rand geringer als in der Mitte der

Sonnenscheibe. Secchi fand die Wärmestrahlung am Rand nur halb

so groß als in der Mitte, auch am Äquator bedeutender

als an den Polen. Langley hat 1874 diese ältern Beobachtungen

bestätigt gefunden. Die Flecke strahlen weniger Wärme aus

als die benachbarte Sonnenfläche (Henry 1845); doch gibt nach

Langley selbst ein Kernfleck noch mehr Wärme als ein gleich

großes, hell leuchtendes Randstück.

[Theorie der Sonne.] Nach Kirchhoffs Ansicht, die auch von

Spörer, Zöllner u. a. in der Hauptsache adoptiert worden

ist, besteht die S. aus einem in der höchsten Glühhitze

befindlichen Kern, der von einer Atmosphäre von niedrigerer

Temperatur umgeben ist. Die Sonnenflecke sind Wolken, die

Kernflecke werden durch tiefer liegende dichtere, die Höfe

durch darübergelagerte dünnere und ausgebreitetere Wolken

gebildet. Zöllner dagegen hält die Kernflecke für

Schlackenmassen, die sich auf der glühend flüssigen

Sonnenoberfläche durch Abkühlung gebildet haben und sich

auch infolge der in der Sonnenatmosphäre erzeugten

Gleichgewichtsstörungen von selbst wieder auflösen.

Diesen Anschauungen gerade entgegengesetzt, denkt sich Faye die

Sonnenmasse als einen gasförmigen, infolge seiner hohen

Temperatur in einem Zustand allgemeiner physischer und chemischer

Dissociation befindlichen Körper, an dessen durch Strahlung

etwas erkalteter Oberfläche sich chemische Verbindungen bilden

können, welche aber sofort wieder untersinken und durch neue

ersetzt werden; die Lichthülle oder Photosphäre ist daher

diese in beständiger Neubildung begriffene Oberfläche.

Wird diese Hülle an einer Stelle durch aufsteigende

Strömungen unterbrochen, oder werden Teile des Innern an die

Oberfläche gebracht, in denen der chemische (Verbrennungs-)

Prozeß nicht thätig ist, so haben wir den Anblick eines

Sonnenflecks. Während nach diesen und andern Theorien die S.

allmählich kälter wird, hat neuerdings William Siemens

("Die Erhaltung der Sonnenenergie", deutsch, Berl. 1885) eine

Theorie aufgestellt, nach welcher die von der S. ausgestrahlte

Energie derselben beständig wieder zugeführt wird. Vgl.

Faye, Sur la constitution physique du soleil (in den

"Comptes-rendus" 1865 ff.); Secchi, Die S. (deutsch von Schellen,

Braunschw. 1872); Young, Die S. (Leipz. 1883); kürzere

Darstellungen von Reis (das. 1869) und Hirsch (Basel 1874).

Sonneberg, Kreisstadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen, 3

km lang, eng eingeklemmt zwischen Bergen an der Südseite des

Thüringer Waldes (der neue Stadtteil liegt in der Ebene), an

der Röthen, der Zweigbahn Koburg-S. (Werrabahn) und der

Sekundärbahn S.-Lauscha, hat eine schöne neue Kirche im

gotischen Stil, eine Wasserheilanstalt, blühende Industrie und

(1885) 10,247 Einw. S. ist namentlich berühmt als Mittelpunkt

der vielen umliegenden Fabrikorte, in welchen wie in der Stadt

selbst die sogen. Sonneberger Spielwaren (aus Holz und

Papiermaché), Attrappen, Masken, Glas-, Porzellan- und

Eisenwaren geliefert und von hier aus im Wert von jährlich 7,5

Mill. Mk. nach allen Weltgegenden hin versandt werden.

Außerdem liefert S. Farben, Schiefertafeln, Schieferstifte,

Schleif- und Poliersteine, Lederarbeiten etc. und hat Brauereien,

Masse-, Loh- und Schneidemühlen und Ziegelhütten. S. hat

ein Amtsgericht und eine Realschule und ist Sitz eines

Landratsamtes, eines Forstdepartements und eines Konsulats der

Vereinigten Staaten von Amerika. Vgl. Fleischmann, Gewerbe,

Industrie und Handel des meiningenschen Oberlandes (Hildburgh. 1876

ff.).

Sonnefeld, Flecken in Sachsen-Koburg, hat eine evang.

Kirche, ein Amtsgericht und 1180 Einw.; in der Umgegend

Verfertigung von Korbwaren.

Sonnemann (eigentlich Saul), Leopold, Journalist, geb.

29. Okt. 1831 zu Höchberg in Unterfranken von jüdischen

Eltern, wurde erst Kaufmann, gründete 1856 die in

Handelskreisen einflußreiche "Frankfurter Zeitung" und ist

seit 1867 alleiniger Eigentümer und Herausgeber derselben.

Auch war er Mitbegründer des volkswirtschaftlichen Kongresses

und langjähriger Referent über Bankwesen in demselben.

1871-76 und 1878-84 Mitglied des deutschen Reichstags, trat er, der

Haltung seiner Zeitung entsprechend, als Vertreter der deutschen

Volkspartei meist oppositionell auf, stimmte gegen die Annexion von

Elsaß-Lothringen, unterstützte die Beschwerden der

elsässischen Protestler und der Sozialdemokraten und

beteiligte sich positiv nur an der Beratung über das

Münz- und Bankgesetz sowie über den Zolltarif.

Sonnenbad, Bestrahlung des menschlichen Körpers

durch die Sonne zu Heilzwecken.

Sonnenbahn, s. v. w. Ekliptik (s. d.).

Sonnenbaum, s. Retinospora.

Sonnenberg, Franz Anton Joseph Ignaz Maria, Freiherr von,

Dichter, geb. 5. Sept. 1779 zu Münster, entwarf schon auf dem

Gymnasium in Münster nach Klopstocks "Messiade" den Plan zu

einem Epos: "Das Weltende" (Bd. 1, Wien 1801), das alle Fehler

einer wilden Phantasie, eines regellosen Umrisses und einer

schwülstigen Diktion vereinigt. Er studierte die Rechte, doch

nicht aus Neigung, lebte späterhin zurückgezogen in Jena

und arbeitete hier an einem zweiten Epos: "Donatoa", abermals einem

Gemälde des Weltuntergangs, welches dergestalt seine ganze

Seele erfüllte, daß er Schlaf und Speise, Umgang und

jede Lebensfreude dafür aufopferte. Er endete 22. Nov. 1805

freiwillig in Jena durch einen Sturz aus dem Fenster. Auch in

"Donatoa" (Rudolst. 1806, 2 Bde., mit Biographie von Gruber)

erscheint S. als ein Nacheiferer Klopstocks. Bei allen Fehlern in

Plan und Ausführung zeigen einzelne Stellen eine gewisse Kraft

und Hoheit und eine tiefe Innigkeit des Gemüts. Aus seinem

Nachlaß erschienen auch "Gedichte" (Rudolst. 1808).

32

Sonnenblume - Sonnenfinsternis.

Sonnenblume, s. Helianthus.

Sonnenblumenöl, fettes Öl, durch Pressen aus

den Samen von Helianthus annuus gewonnen (Ausbeute 15 Proz.), ist

hellgelb, schmeckt sehr rein, erstarrt bei -16°, trocknet,

dient als Speiseöl, zur Verfälschung des Baumöls,

zum Malen etc.

Sonnenburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk

Frankfurt, Kreis Oststernberg, an der Lenze und dem Warthebruch,

hat eine evang. Kirche, ein Schloß aus dem 16. Jahrh. (einst

Sitz eines Johanniter-Herrenmeisters, jetzt Sitz des neuen

preußischen Johanniterordens), ein Johanniterkrankenhaus,

eine Strafanstalt, ein Amtsgericht, Seidenweberei, Filzfabrikation,

eine Bilderrahmen-, eine Messingstift- und eine

Blechemballagenfabrik, Ziegelbrennerei, Dampfmühle und (1885)

6226 meist evang. Einwohner.

Sonnendarre, s. Samendarre.

Sonnendistel, s. Carlina.

Sonnenfackeln, s. Sonne, S. 29.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 8 / 302 段