Sonate (ital. sonata, suonata), ein in der Regel aus drei

oder vier abgeschlossenen, aber durch innere Verwandtschaft unter

sich verbundenen Sätzen bestehendes Tonwerk von ganz

bestimmter Form, zunächst für ein Soloinstrument,

namentlich Klavier, Cello, Flöte, Violine, Orgel etc.,

bestimmt, jedoch, als Duo, Trio, Quartett etc., auch auf mehrere

Instrumente und, als Symphonie, sogar auf großes Orchester

übertragen. Der erste Satz ist der speziell für die S.

charakteristische und sie von der Suite, Serenade etc.

unterscheidende; seine Form ist die darum speziell so genannte

Sonatenform. Er beginnt entweder mit einer langsamen Einleitung

(Grave, Largo) oder gleich mit dem Hauptthema (Hauptsatz) in

bewegtem Tempo (Allegro), von welchem geschlossene, modulierende

(nicht in allzufern liegende Tonarten ausschweifende) Gänge

zum zweiten Thema (Nebensatz, Seitensatz) überleiten, das zwar

in gleichem Tempo, aber in längern Notenwerten, gesangartiger

gehalten ist. Steht der Hauptsatz in Dur, so pflegt der Seitensatz

auf der Tonart der Dominante zu stehen; steht er in Moll, so kommt

die Parallel-Durtonart oder Durtonart der kleinen Sexte (z. B. bei

A moll: F dur) oder auch eine verwandte Molltonart in Anwendung.

Entweder schließt nun der erste Teil hiermit ab, oder es

folgt noch ein kleiner Schlußsatz, der zum ersten Thema

zurückführt. Die Repetition (Reprise) der den ersten Teil

des Sonatensatzes konstituierenden Themata ist durchaus für

die Form charakteristisch, und Abweichungen sind selten und

bedeuten ein Zerbrechen der Form (Beethoven). Der nun folgende

zweite Teil (Durchführungssatz) besteht ausschließlich

in Verarbeitung des vorausgegangenen thematischen Materials (selten

bringt er noch ein selbständiges Thema) und leitet ohne

Wiederholung durch den sogen. Rückgang zum dritten Teil

über. Dieser bringt wieder das Hauptthema in der Haupttonart,

führt jedoch diesmal (mit oder ohne Gang) den Seitensatz und

etwanigen Schlußsatz gleichfalls in der Haupttonart oder

gleichnamigen Molltonart ein und beschließt entweder hiermit

das Tonstück, oder es folgt ihm noch ein besonderer Anhang

(coda), der hier meistens etwas länger ausgeführt ist als

im ersten Teil. Bildungen wie die der ersten Sätze der sogen.

Mondscheinsonate (Op. 27, Cis moll) oder der As dur-Sonate (Op. 26)

von Beethoven haben mit diesem Schema nichts zu thun. Beiden

Sonaten fehlt der eigentliche erste Satz; sie beginnen mit dem

langsamen, der in der Regel der zweite ist. Charakteristikum des

zweiten Satzes ist die langsame Bewegung (nur ausnahmsweise

vertauschen der langsame Satz und das gleich zu besprechende

Scherzo ihren Platz). Seine Form kann eine sehr verschiedenartige

sein. Ist er wie der erste mit zwei kontrastiernden Themata

ausgestattet, so ist das bewegtere das zweite; die Reprise und

Durchführung fallen weg, dagegen erscheint gern das Hauptthema

dreimal, meist mit immer gesteigerter Figuration. Oft begnügt

sich der Tonsetzer mit der Liedform, d. h. der Themataordnung

I-II-I. Sehr beliebt ist auch die Variationenform für den

zweiten Satz. Die Tonart des zweiten Satzes ist meist die der

Unterdominante. Der dritte Satz bringt Menuett oder Scherzo,

gewöhnlich wieder in der Haupt- oder doch in einer eng

verwandten Tonart. In ältern Sonaten fehlt Menuett oder

Scherzo gänzlich, so daß man gleich vom zweiten zum

letzten Satz, dem Finale, gelangt. Dieser steht bei

durchschnittlich schneller Bewegung immer in der Haupttonart,

verwandelt sie aber nicht selten aus Moll in Dur. Seine Form ist

entweder die Sonatenform, in der Regel ohne Reprise, aber mit

Durchführung, oder eine weit ausgesponnene Rondoform mit mehr

als zwei meist kurzen Themata. In seltenen Fällen läuft

er in eine Fuge aus. Beethoven handhabt die Form sehr frei und

beschränkt sich manchmal auf nur zwei Sätze und zwar

nicht nur in der kleinen S. (Sonatine), bei der das fast die Regel

ist, sondern auch in groß und ernst angelegten Werken (Op.

53, 54, 78, 90, 101, 111).

Geschichte. Sonata ("Klingstück") ist ursprünglich, d.

h. als die Anfänge einer selbständigen Instrumentalmusik

sich entwickelten (gegen Ende des 15. Jahrh.), eine ganz allgemeine

Bezeichnung für Instrumentalstücke und der Gegensatz von

Cantata ("Singstück"). Die ältesten Komponisten, welche

den Namen S. gebrauchten, waren Giovanni Croce (1580) und Andrea

Gabrieli, dessen "S. a 5 istromenti" (1586) leider nicht mehr zu

finden sind. Dagegen sind uns einige Sonaten von seinem Neffen

Giovanni Gabrieli erhalten (I597 und 1615). Diese ältesten

Sonaten sind Stücke für mehrere Instrumente (Violinen,

Violen, Zinken und Posaunen), und ihr Schwerpunkt liegt in der

Entfaltung harmonischer Fülle. Ihre praktische Bestimmung war

die, einem kirchlichen Gesangswerk als Einleitung vorausgeschickt

zu werden, die S. tritt in der Folge (völlig gleichbedeutend

mit Symphonia) als Einleitung der Kantate auf. Gegen Ende des 17.

Jahrh. begann man die Sonata da chiesa (Kirchensonate) von der

Sonata da camera (Kammersonate) zu unterscheiden. Die letztere

schied die Blasinstrumente aus und wurde schließlich die

Prärogative der Violine (Biber, Corelli), ja die alte Art der

für die Kirche bestimmten S. wurde gleichfalls nach Art der

Kammersonate zugestutzt und nur, statt mit Cembalo, mit der Orgel

begleitet. Neben beiden bestand die vielstimmige, besonders mit

Blasinstrumenten besetzte S. fort für Tafelmusik und

ähnliche weltliche Bestimmungen. Diese Sonaten, auch die

Corellischen und Biberschen, haben mit der neuern Sonatenform noch

wenig mehr gemeinsam als die Zusammensetzung aus mehreren Teilen

von verschiedener Bewegungsart, welche bereits I. Gabrieli seinen

letzten Sonaten gegeben hatte. Corelli schrieb sie viersätzig:

Adagio, Allegro, Adagio, Allegro. Die Übertragung des Namens

S. auf Klavierwerke ähnlicher Gestaltung ist das Werk Johann

Kuhnaus (s. d.). Die letzte Vollendung der Form der S., namentlich

ihres charakteristischen ersten Satzes, erfolgte durch Domenico

Scarlatti, J. S. Bach, Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn, Mozart

und Beethoven. Die Umbildung des Stils der S. ist nichts derselben

Eigentümliches, sondern geht parallel mit der Entwickelung der

Instrumentalmusik und insbesondere des Klavierstils überhaupt,

welcher nach J. S. Bach allgemein, aber schon früher in

ziemlich ausgedehntem Maß eine freiere (homophone) Setzweise

erfuhr. Die Form der S. wurde durch Haydn, Mozart und Beethoven auf

die Komposition für verschiedene Ensembles (Violine und

Klavier, Klavier, Violine und Cello, Streichtrio, Streichquartett

etc.) und für Orchester (Symphonie) übertragen. Nach

Beethoven haben die Form der S. mit besonderm Glück Franz

Schubert, Mendelsohn, Rob. Schumann und in neuester Zeit Johannes

Brahms, Joachim Raff, Anton Rubinstein, I. Rhein-

26

Sonatine - Sonett.

berger und Robert Volkmann behandelt. Vgl. Marx,

Kompositionslehre, Tl. 3 (5. Aufl., Leipz. 1868); Faißt,

Beiträge zur Geschichte der Klaviersonate (in der

"Cäcilia", Bd. 25 u. 26, Mainz 1847); Bagge, Geschichtliche

Entwickelung der S. (Leipz. 1880).

Sonatine, s. v. w. kleine Sonate, leichtverständlich

und leicht zu spielen; der erste Satz der S. hat entweder keine

oder nur eine sehr kurze Durchführung, die Zahl der Sätze

ist meist 2 oder 3 (vgl. Sonate).

Soncino (spr. ssontschino), Dorf in der ital. Provinz

Cremona, Kreis Crema, unweit des Oglio, hat ein altes Schloß,

bekannt durch die Gefangenschaft und den Tod (1259) des

Statthalters Ezzelino, Seidenbau und (1881) 3965 Einw.

Sond., bei botan. Namen Abkürzung für W.

Sonder, Apotheker in Hamburg (Algen, Kapflora).

Sonde (Specillum), dünnes, rundes, 12-28 cm langes

Stäbchen, gewöhnlich aus Stahl oder Silber, an der Spitze

abgerundet oder mit einem Knöpfchen oder Öhr versehen,

dient zur Untersuchung von Wunden, Geschwüren etc., zum

Einbringen von Scharpie oder Fäden oder als Leitungswerkzeug

für schneidende Instrumente, in welchem Fall es der Länge

nach gefurcht oder gerinnt ist (Hohlsonde). Im Seewesen ist S. s.

v. w. Senkblei.

Sonderbund, der Bund der sechs ultramontanen Kantone der

Schweiz (1845), der 1847 den Sonderbundskrieg zur Folge hatte. S.

Schweiz, S. 762.

Sonderburg, Kreisstadt in der preuß. Provinz

Schleswig-Holstein, auf der Insel Alsen und am Alsensund, über

welchen eine Schiffbrücke zum Festland führt, hat eine

evang. Kirche, ein Schloß, ein Realprogymnasium, ein

Amtsgericht, Eisengießereien, Dampfmahlmühlen,

Färbereien, ein Seebad, einen guten Hafen und (1885) mit der

Garnison (ein Füsilierbataillon Nr. 86) 5266 fast nur evang.

Einwohner. - S. war schon 1253 vorhanden, brannte 1864 während

der Belagerung der Düppeler Schanzen teilweise nieder und fiel

29. Juni d. J. mit dem Übergang der Preußen nach Alsen

in deren Hände. Die Festungswerke sind neuerdings aufgegeben.

Nach S. wird die apanagierte Linie der Herzöge von S. benannt

(s. Schleswig-Holstein, S. 524).

Sondereigen, gesondertes Privateigentum im Gegensatz zum

gemeinschaftlichen oder Gemeineigen.

Sondergut (Einhands-, Rezeptiziengut), das Vermögen

der Ehefrau, welches sie sich zur freien Verfügung

vorbehält (s. Güterrecht etc., S. 949).

Sonderland, Johann Baptist, Maler und Radierer, geb. 2.

Febr. 1805 zu Düsseldorf und an der Akademie daselbst sowie

auf Studienreisen in Paris, Holland und Frankfurt a. M. gebildet,

zeichnete sich in seinen Genrebildern durch Reichtum der Erfindung,

Lebendigkeit der Darstellung und naiven Humor aus. Unter dem Titel:

"Bilder und Randzeichnungen zu deutschen Dichtern" fertigte er eine

große Anzahl radierter Blätter sowie auch die

Illustrationen zu Reinicks "Malerliedern", zu "Münchhausen"

von Immermann etc. In den letzten Jahren seines Lebens wandte er

sich ausschließlich der Illustration zu und schuf eine

große Zahl von Aquarellkompositionen, Lithographien nach

eignen und fremden Originalen, Randzeichnungen etc. Er starb 21.

Juli 1878. Sein Sohn Friedrich S., geb. 20. Sept. 1836 zu

Düsseldorf ist ebenfalls ein begabter Maler, der besonders im

humoristischen Genre hervorragend ist.

Sonderling, Schmetterling, s. Aprikosenspinner.

Sondernachfolge, s. Rechtsnachfolge.

Sondershausen, Haupt- und Residenzstadt des

Fürstentums Schwarzburg-S., in der sogen. Unterherrschaft, am

Fuß der Hainleite, an der Wipper und der Linie

Nordhausen-Erfurt der Preußischen Staatsbahn, hat 3 Kirchen,

ein ansehnliches Residenzschloß mit Antiquitäten- und

Naturaliensammlung und schönem Garten, ein Gymnasium, eine

Realschule, ein Schullehrerseminar, ein Konservatorium, ein

Theater, ein Zeughaus, ein Landeskrankenhaus, Nadelfabrikation, 2

Dampfziegeleien, eine Dampfschneidemühle und (1885) 6336 meist

evang. Einwohner. S. ist Sitz der obersten Landesbehörden,

eines Landratsamtes und eines Amtsgerichts. Vor der Stadt liegt das

Loh, ein Vergnügungsort, und unweit von S. auf der Hainleite

das Jagdschloß Possen (s. d.).

Sondersieche, s. v. w. Aussätzige, s. Aussatz, S.

127.

Sondieren, mit dem Senkblei (Sonde) die Tiefe

ergründen; ausforschen, prüfen.

Sondrio, ital. Provinz im N. der Lombardei, begreift

großenteils das bis 1797 zu Graubünden gehörige

Veltlin, wird im N. von der Schweiz, im O. von Tirol und der

Provinz Brescia, im Süden von Bergamo und im W. von Como

begrenzt und umfaßt 3268, nach Strelbitsky 3123 qkm (56,7

QM.) mit (1881) 120,534 Einw. Das Land besteht der Hauptsache nach

aus den Thälern der obern Adda und der Mera, welche von

mehreren Gebirgsgruppen der Alpen (Bernina-, Ortler- und

Bergamasker Alpen) flankiert werden. Über das Gebirge

führen im W. der Splügen, im O. das Stilfser Joch; auch

münden hier die Straßen über den Maloja- und

Berninapaß. Der Boden ist großenteils Weide und Wald

(57,538 Hektar); das bebaute Land bringt Wein (1886: 119,200 hl,

doch gute Sorten), etwas Getreide, viel Kartoffeln, Obst etc.

hervor; das Mineralreich liefert Eisen, Blei und andre Metalle und

Mineralien. Neben dem sehr beschränkten Ackerbau, der Vieh-

und Seidenzucht und Holzgewinnung wird etwas Industrie

(Seidenfilanden, Baumwollspinnerei, Metallindustrie) und Handel

betrieben. Durch die Eisenbahnen Colico-Sondrio und

Colico-Chiavenna in Verbindung mit der Dampfschiffahrt am Comersee

ist die Provinz in neuester Zeit dem Weltverkehr näher

gerückt worden. Von Bedeutung sind endlich die ausgezeichneten

Mineralquellen (vor allen die zu Bormio). Doch genügen die

vorhandenen Erwerbsquellen nicht, so daß viele Bewohner

alljährlich auswärts Beschäftigung suchen

müssen. Die gleichnamige Hauptstadt, malerisch an der

Mündung des Mallero in die Adda und an der Bahn Colico-S.

gelegen, hat ein königliches Lyceum und Gymnasium, eine

technische Schule, ein Gewerbeinstitut, eine städtische

Bibliothek, ein Nationalkonvikt, ein großes Krankenhaus, ein

schönes Theater, ein ehemaliges Kloster (jetzt

Traubenkuranstalt), Ruinen eines Schlosses, Seidenindustrie,

Töpferei (aus dem im Val Malenco gebrochenen Lavezstein),

Handel und (1881) 3989 Einw. S. ist Sitz eines Präfekten.

Sonett (ital., Klanggedicht), kleines Gedicht von

bestimmter Form, bestehend aus 14 (in der Regel iambischen) Zeilen,

von denen die ersten 8 und die letzten 6 miteinander reimen und

zwar so, daß die 8 ersten, in zwei Strophen von je 4 Zeilen

zerfallend (Quaternarien oder Quatrains), nur zwei Reime haben,

welche je viermal anklingen und in dem Verhältnis der

Reimumschlingung zu einander stehen

27

Songarei - Sonnborn.

(abba abba), die 6 letzten dagegen, in zwei Strophen von je 3

Zeilen zerfallend (Terzinen), mit zwei oder auch drei

Reimklängen beliebig wechseln können (cdc ded, cde cde,

cde dce etc.). Das S. ist eine ebenso schöne wie kunstvolle,

aber auch schwierige Form für die reflektierende Lyrik, weil

sie nicht nur einen bedeutenden Reichtum an Reimen erfordert,

sondern auch die innere Gedankenordnung sich genau den Abteilungen

anschmiegen soll, nicht bloß so, daß mit der 4., 8. und

11. Zeile eine Sinnpause eintreten muß, sondern die Art des

Gedankenvortrags soll auch mit jeder neuen Strophe eine neue

Wendung nehmen. Unbedingt verpönt ist namentlich das

Herüberziehen des Satzes aus der 8. in die 9. Zeile.

Hervorgegangen aus der provencalischen Poesie, fand das S. in der

Mitte des 13. Jahrh. in die italienische Poesie Aufnahme. Die erste

regelmäßige Gestalt gab ihm Fra Guittone von Arezzo, die

höchste Vollendung Dante und Petrarca; im übrigen ist die

Zahl der italienischen Sonettendichter unendlich. In Frankreich

ward das S. erst im 16. Jahrh. wieder aufgenommen, aber als Bouts

rimés zum leeren Witz- und Reimspiel herabgewürdigt.

Auch in England, wohin es durch Howard Graf Surrey verpflanzt ward,

war es eine Zeitlang Modeform (Shakespeare). In Spanien haben sich

Boscau, Garcilaso de la Vega, Mendoza etc., in Portugal namentlich

Camoens als Meister des Sonetts ausgezeichnet. In der deutschen

Poesie finden sich Anklänge an das S. bereits bei Walther von

der Vogelweide. Eigentlich eingeführt ward es zuerst von

Weckherlin und Opitz (in Alexandrinern) und unter dem Namen

Klanggedicht bald mit Vorliebe (Gryphius, P. Fleming etc.)

bearbeitet. Später geriet es wieder in Vergessenheit, bis es

durch Bürger und dann durch die romantische Schule von neuem

aufgenommen und mit Eifer kultiviert wurde. Treffliche deutsche

Sonette haben Schlegel, Goethe, Rückert, Platen, Chamisso,

Herwegh, Geibel, Strachwitz u. a. geliefert. Sonettenkranz ist eine

Reihe von 15 Sonetten, von denen 14 durch ihre Anfangs- oder

Endzeilen das 15., das sogen. Meistersonett, bilden. Vgl.

Tomlinson, The sonnet, its origin, structure etc. (Lond. 1874);

Welti, Geschichte des Sonetts in der deutschen Dichtung (Leipz.

1884); Lentzner, Über das S. in der englischen Dichtung (Halle

1886).

Songarei, Land, s. Dsungarei.

Songhay, Negerstamm, s. Sonrhai.

Songka (Sangkoi oder Roter Fluß), Hauptfluß

der franz. Kolonie Tongking (Hinterindien), entspringt mit drei

westlichern und einer östlichen Quelle in den

Südabhängen der die chinesische Provinz Jünnan

durchziehenden hohen Gebirgskette. In China heißt er

Hongkiang, bei Laokai tritt er über die Grenze, bleibt wie

zuvor noch 140 km von Bergen eingefaßt und bildet zahlreiche

Stromschnellen. Später wird er ruhiger, nimmt rechts den

Hellen Fluß und links den Klaren Fluß auf und spaltet

sich unterhalb in zahlreiche Arme, von denen die linksseitigen mit

dem Thaibinh oder Bakha durch drei künstliche Kanäle und

andre Wasseradern in Verbindung stehen, so daß hier ein

mächtiges Delta gebildet wird, und ergießt sich in den

Meerbusen von Tongking. An einem Arm des Thaibinh liegt Haiphong,

der Haupthafen des Gebiets. Der S. wurde zuerst 1870 von Dupuis von

der chinesischen Stadt Manghao bis zu seinem Eintritt in die Ebene

und 1872 aufwärts bis Jünnan hinein befahren. Auch der

Klare Fluß ist bis zur chinesischen Grenze, der Schwarze

Fluß eine große Strecke aufwärts für leichte

Fahrzeuge befahrbar. Am rechten Ufer des S., 175 km von der

Mündung, liegt die Hauptstadt Hanoi, die im 8. Jahrh. noch am

Meer gelegen haben soll, ein Beweis für die rasche

Deltabildung des Flusses.

Sonica (franz.), wird in Hasardspielen von einer Karte

gesagt, die beim ersten Aufschlagen über Gewinn und Verlust

entscheidet; im weitern Sinn s. v. w.. sogleich, zu rechter

Zeit.

Soninke, Negerstamm, s. Serechule.

Sonklar, Karl, Edler von Innstädten,

österreich. Militär und Geograph, geb. 2. Dez. 1816 zu

Weißkirchen in der damaligen Militärgrenze, besuchte

1829-32 die mathematische Schule in Karansebes, an welcher er eine

Zeitlang auch Lehrer war, stand 1839-48 als Infanterieoffizier in

Agram, Graz und Innsbruck und benutzte seinen Aufenthalt in Graz

dazu, Studien über Physik und Chemie an der dortigen

Universität zu machen, wogegen er von Innsbruck aus

weitreichende Wanderungen in den Alpen machte. Von 1848 bis 1857

lebte er als Erzieher des Erzherzogs Karl Viktor in

Schönbrunn, wirkte seit 1857 als Lehrer der Geographie an der

Militärakademie in Wiener-Neustadt, aus welcher Stellung er

1872 als Generalmajor in den Ruhestand trat und seinen Aufenthalt

in Innsbruck nahm, wo er 10. Jan. 1885 starb. Seine ersten

Schriften: "Über Führung einer Arrieregarde" (1844),

"Über die Heeresverwaltung der alten Römer im Frieden und

Krieg etc." (Innsbr. 1847), waren rein militärischen

Charakters; später aber wandte er sich der Geographie zu und

hat auf dem Gebiet der Orographie die größten Erfolge

aufzuweisen. Als Anhänger K. Ritters war er bestrebt, die

Ursachen der Erscheinungen, welche unmittelbar zu beobachten er

seit 1857 jährlich Reisen in die Alpen (1870 nach Ungarn, 1875

nach Italien) unternahm, aufzuspüren und darzulegen. Als

Frucht dieser Einzelforschungen veröffentlichte er:

"Reiseskizzen aus den Alpen und Karpathen" (Wien 1857); "Die

Gebirgsgruppe der Hochschwab" (das. 1859); "Die Ötzthaler

Gebirgsgruppe" (Gotha 1860, mit Atlas); "Die Gebirgsgruppe der

Hohen Tauern" (Wien 1866); "Die Zillerthaler Alpen" (Gotha 1877).

Sein in mehrfacher Hinsicht grundlegendes Hauptwerk ist aber die

"Allgemeine Orographie oder Lehre von den Reliefformen der

Erdoberfläche" (Wien 1872). Noch veröffentlichte er

außer verschiedenen Lehrbüchern der Geographie, die

ebenfalls besonderes Gewicht auf die Darstellung des Erdreliefs

legen: "Die Überschwemmungen" (Wien 1883) und bearbeitete

für die vom Deutschen u. Österreichischen Alpenverein

herausgegebene "Anleitung zur wissenschaftlichen Beobachtung auf

Reisen" den Teil "Die Orographie u. Topographie, Hydrographie und

Gletscherwesen" (Münch. 1879). In der Kunstlitteratur

versuchte er sich durch eine "Graphische Darstellung der Geschichte

der Malerei" (Wien 1853).

Sonn., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung

für P. Sonnerat (spr. ssonn'ra), geb. 1749, Reisender, gest.

1814 in Paris (Zoologie, Botanik).

Sonnabend (d. h. der Abend vor dem Sonntag), der siebente

Tag der Woche im christlichen Kalender, der Sabbat im

jüdischen Kalender. An die letztere Bedeutung erinnern die

Namen Samstag im Deutschen, samedi im Französischen u. a.,

wogegen sich die römische Bezeichnung dies Saturni

(Saturnustag), im plattdeutschen Zaturdag, Saterdag sowie im

englischen Saturday erhalten hat.

Sonnblick, Berg, s. Rauriser Thal.

Sonnborn, Landgemeinde im preuß. Regierungsbezirk

Düsseldorf, Kreis Mettmann, an der Wupper

28

Sonne (Entfernung, Parallaxe, Größe,

Oberfläche).

und an den Linien Neuß-Schwelm und Düsseldorf-Schwelm

der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine

kath. Kirche, mechanische Weberei, eine Tapetenfabrik,

Kalksteinindustrie, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen und

(1885) 7543 meist evang. Einwohner.

Sonne (hierzu Tafel "Sonne"), der Zentralkörper des

Planetensystems, zu dem die Erde gehört, an Volumen und Masse

weitaus der größte unter den Körpern dieses Systems

und für sie alle Quelle von Licht und Wärme.

[Entfernung von der Erde, Parallaxe.] Da die Erde sich in einer

Ellipse um die im Brennpunkt stehende S. bewegt, so ist die

Entfernung beider Himmelskörper voneinander veränderlich,

wie sich schon aus den zwischen 32' 36'' und 31' 32'' schwankenden

Werten des scheinbaren Halbmessers der S. ergibt. Die mittlere

Größe dieser Entfernung ist eins der wichtigsten

Elemente der Astronomie, denn sie bildet die Einheit, in welcher

man die Entfernungen der Weltkörper zunächst ermittelt.

Man bezeichnet sie gewöhnlich mit den Namen Sonnenweite,

Sonnenferne oder auch Erdweite. Dem dritten Keplerschen Gesetz

zufolge verhalten sich die dritten Potenzen der mittlern

Entfernungen zweier Planeten von der S. wie die Quadrate ihrer

Umlaufszeiten. Sind daher die letztern durch Beobachtung bekannt,

so kann man das Verhältnis zwischen den mittlern Entfernungen

berechnen. Ebenso läßt sich die Entfernung derjenigen

Fixsterne, bei denen die Bestimmung der jährlichen Parallaxe

(s. d.) gelungen ist, in Erdweiten angeben. Um nun die

Größe einer Erdweite in geographischen Meilen oder

Kilometern zu finden, muß die Parallaxe der S. bekannt sein.

Diese kann man aber, ihrer Kleinheit wegen, nicht direkt durch

Beobachtung von Sonnenhöhen an verschiedenen Punkten der Erde

finden; man bestimmt sie vielmehr indirekt, indem man die Parallaxe

und Entfernung der Planeten Mars und Venus in ihrem geringsten

Abstand von der Erde durch Beobachtung ermittelt. Dom. Cassini

leitete zuerst aus den Beobachtungen des Mars zur Zeit seiner

Opposition eine Parallaxe von 25'' ab, und da die Entfernung des

Mars von der Erde zur Zeit der Beobachtung 0,4 von der Entfernung

der Erde von der S. betrug, so ergab sich daraus die

Sonnenparallaxe = 0,4.25'' oder 10'', was eine Entfernung der S.

von 20,700 Erdhalbmessern gibt. Statt des Mars kann man auch die

Venus in ihrer Erdnähe beobachten. Dieselbe kehrt uns dann

ihre dunkle Seite zu und ist nur sichtbar, wenn sie vor der

Sonnenscheibe vorübergeht, wenn ein sogen. "Durchgang der

Venus durch die S." stattfindet. Halley machte zuerst (1677) auf

die Wichtigkeit der Venusdurchgänge für die Bestimmung

der Sonnenparallaxe aufmerksam und schlug eine hierzu geeignete

Beobachtungsmethode vor (1691 u. 1716). Seitdem sind alle

Venusdurchgänge (9. Juni 1761, 2. Juni 1769, 8. Dez. 1874 und

6. Dez. 1882) mit größter Sorgfalt beobachtet worden.

Aus den Beobachtungen von 1761 und 1769 hat Encke den Wert der

Sonnenparallaxe zu 8,57116'' bestimmt, was eine Entfernung der S.

gleich 24,043 Erdhalbmessern oder 20,682,000 geogr. Meilen gibt.

Bis Anfang der 60er Jahre galt dieser Wert als der

zuverlässigste. Eine neue Berechnung von Powalky, bei welcher

genauere Werte für die Längen einiger Beobachtungsorte

benutzt wurden, gab für die Sonnenparallaxe den

größern Wert 8,855''. Ferner berechnete Newcomb aus den

Beobachtungen des Mars zur Zeit seiner Opposition 1862, die nach

einem von Winnecke entworfenen Plan auf zahlreichen Sternwarten

angestellt wurden, den Wert 8,848''. Später hat Galle aus

Oppositionsbeobachtungen des Planeten Flora, der im Oktober und

November 1873 sich der Erde bis auf 0,87 Sonnenweiten näherte,

den Wert 8,873'' berechnet, fast übereinstimmend mit der Zahl

8,879, welche Puiseux aus den französischen Beobachtungen des

Venusdurchganges von 1874 abgeleitet hat. Leverrier hatte

früher aus den Störungen der Venus den Wert 8,95''

berechnet, und ähnliche Werte, sämtlich größer

als der Enckesche, sind von Hansen, Delaunay und Plana aus gewissen

Ungleichheiten der Mondbewegung gefunden worden. Endlich kann man

die Sonnenparallaxe auch finden, wenn man die Lichtgeschwindigkeit

unabhängig von astronomischen Beobachtungen bestimmt und die

sogen. Lichtgleichung, d. h. die Zeit, in welcher das Licht von der

S. zur Erde gelangt, oder auch den Aberrationswinkel (s. Aberration

des Lichts) kennt. Nach den neuesten Versuchen von Newcomb

beträgt aber die Lichtgeschwindigkeit im leeren Raum 299,860

km, und daraus ergibt sich mit Nyréns Wert der

Aberrationskonstanten (s. Aberration) eine Sonnenparallaxe von

8,794'', entsprechend einer Entfernung der S. von 149,61 Mill. km.

Da eine Bearbeitung der sämtlichen Beobachtungen der

Venusdurchgänge von 1874 und 1882 zur Zeit noch nicht

vorliegt, so bedient man sich gewöhnlich des Newcombschen

Wertes 8,85'' für die Sonnenparallaxe. Hiernach beträgt

die mittlere Entfernung der S. 23,307 Erdhalbmesser = 148,670,000

km = 20,036,000 geogr. Meilen. Das Licht braucht 8 Min. 18 Sek. zur

Zurücklegung dieses Wegs. Da die Exzentrizität der

Erdbahn ungefähr 1/60 beträgt, so wird die Entfernung im

Perihel um etwa 1/3 Mill. Meilen verkleinert, im Aphel um

ebensoviel vergrößert.

[Scheinbare und wahre Größe.] In mittlerer Entfernung

erscheint der Sonnenhalbmesser unter einem Winkel von 16' 1,8''

oder 961,8''; daraus berechnet sich der wahre Durchmesser der S. =

(961,8)/(8,85) = 108,556 Erddurchmessern = 1,387,600 km = 187,000

geogr. Meilen, also ungefähr 1 4/5 mal so groß als der

Durchmesser der Mondbahn. Ein Bogen auf der Mitte der S., der uns

unter einem Winkel von 1'' erscheint, hat eine Länge von 720

km, und selbst der feinste Spinnwebenfaden eines Mikrometers

verdeckt noch gegen 200km. Die S. hat 11,800 mal soviel

Oberfläche und 1,279,000 mal soviel Volumen als die Erde, 600

mal soviel als alle Planeten zusammen. Ihre Masse ist das 319,500

fache von der Erdmasse, mehr als das 700 fache aller

Planetenmassen. Die mittlere Dichte aber ist nur 0,253 oder

ungefähr 1/4 von der unsrer Erde, also 1,4 von der des

Wassers. Da die Schwerkraft an der Oberfläche eines

Himmelskörpers, abgesehen von den Wirkungen der

Zentrifugalkraft, proportional ist dem Produkt aus mittlerer Dichte

und Durchmesser, so ist dieselbe auf der S. 108,6.0,253 = 27,5 mal

so groß als bei uns, und während ein Körper auf der

Erde 4,9 m in der ersten Sekunde fällt, beträgt der

Fallraum auf der S. 135 m.

[Oberfläche.] Während bei Anwendung mäßiger

Vergrößerung die leuchtende Oberfläche der S. , die

Photosphäre, glatt und gleichförmig erscheint, erblickt

man sie durch Instrumente von großer Öffnung mit starker

Vergrößerung bei klarer und ruhiger Luft wie bedeckt mit

leuchtenden, in ein weniger helles Netzwerk eingebetteten

Körnern. Schon W. Herschel hat dieselben wahrgenommen und als

"Runzeln" bezeichnet, später hat sie Nasmyth mit

Weidenblättern, Secchi aber mit Reiskörnern verglichen.

Nach

29

Sonne (Flecke und Fackeln, Rotation).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 7 / 302 段