Dichter, geb. 1677 (nicht 1692) zu Edston in Warwickshire, kam 1690
auf die Schule zu Winchester, wurde dann Fellow am New College zu
Oxford und lebte später als Friedensrichter auf dem von seinem
Vater ererbten Gut. Er starb am 19. Juli 1742. Sein Hauptwerk ist:
"The chace" (1735, mit kritischem Essay von Aikin 1796; neue Ausg.
1873), ein gefälliges didaktisch-deskriptives Gedicht in
reimlosen Versen, in welchen die Sportsmen besonders die
Sachkenntnis, die sich darin ausspricht, hervorheben. Seine "Works"
erschienen zu London 1742, 1776 u. öfter.
2) Mary, engl. Schriftstellerin im Fach der Physik und
Astronomie, Tochter des Vizeadmirals Sir William Fairfax, geb. 26.
Dez. 1780 zu Jedburg in Roxburghshire, wurde in der Nähe von
Edinburg erzogen und heiratete den Kapitän Samuel Greig, der
sie in den exakten Wissenschaften unterrichtete. Schon 1811 hatte
sie mehrere wissenschaftliche Probleme gelöst, 1826
veröffentlichte sie eine Arbeit über die magnetisierende
Kraft der Sonnenstrahlen; dann folgten unter dem Titel: "Mechanism
of the heavens" (Lond. 1831) eine Einleitung in das Studium der
Astronomie und "On the connexion of the physical sciences" (das.
1851; 10. Aufl., das. 1877), ihr Hauptwerk, welches wegen seiner
Tiefe und Klarheit außerordentlichen Beifall fand. S. wurde
1835 zum Mitglied der königlichen Gesellschaft der
wissenschaften ernannt. Sie vermählte sich nach dem Tod ihres
ersten Gatten mit dem Arzt William S., mit dem sie in London lebte.
1838 siedelte sie mit den Ihrigen nach Italien über, wo sie
1860 von neuem Witwe ward und 29. Nov. 1872 in Neapel starb. Von
ihren Werken sind noch die treffliche "Physical geography" (Lond.
1848, 2 Bde.; 7. Aufl. 1877; deutsch, Leipz. 1852) und "On the
molecular and microscopic science" (l869, 2 Bde.) zu erwähnen.
Vgl. ihre "Personal recollections from early life to old age"
(1873).
Somino (Ssomino), Flußhafen im russ. Gouvernement
Nowgorod, Kreis Ustjuschna, an der Somina, ist ein bedeutender
Stapelplatz, hauptsächlich für Getreide, Glas und
Metalle, wo alljährlich gegen 4000 Flußfahrzeuge
(Barken) ankommen und gegen 5000 abgehen.
Somma, 1) (S. Lombarda) Flecken in der ital. Provinz
Mailand, Kreis Gallarate, an der Simplonstraße und der
Eisenbahn von Mailand nach Arona, mit altem Kastell und (1881) 3422
Einw. Als Sehenswürdigkeit gilt eine uralte Cypresse von 28 m
Höhe.
2) (S. Vesuviana) Flecken in der ital. Provinz Neapel, am
nördlichen Abhang des Vesuvs, hat ein Schloß, Reste von
alten Stadtmauern, Weinbau und (1881) 4533 Einw. Hiernach ist auch
der nördliche Gipfel des Vesuvs "S." benannt.
Somma-Campagna, Dorf bei Custozza (s. d.).
Sommatino, Stadt in der ital. Provinz Caltanissetta, 368
m ü. M. auf einer Hochebene südlich von Caltanissetta
gelegen, mit Olivenkultur, Schwefelbergbau und (1881) 5375
Einw.
Sommation (franz.), die vor dem Zwangseinschreiten
erlassene Aufforderung oder gütliche Mahnung; diplomatisch s.
v. w. Ultimatum.
Somme (spr. ssomm, im Altertum Samara), Fluß im
nördlichen Frankreich, entspringt bei Font-S. unweit
St.-Quentin im Departement Aisne, fließt südwestlich,
wendet sich dann nordwestlich, tritt in das Departement S. ein,
wird bei Bray für kleinere, bei Amiens für
größere Fahrzeuge schiffbar und fällt nach einem
Laufe von 245 km unterhalb St.-Valéry mit breitem
Mündungsbecken in den Kanal (La Manche). Der Sommekanal
begleitet einen großen Teil ihres Laufs; außerdem steht
die S. noch durch den St.-Quentin-Kanal mit der Schelde und durch
den Crozatkanal mit der Oise in Verbindung.
Das Departement Somme, gebildet aus den ehemals zur Picardie
gehörigen Landschaften Santerre, Amiénais, Vimeux,
Ponthieu, Vermandois und Marquenterre, grenzt nördlich an das
Departement Pas de Calais, nordöstlich an das Departement
Nord, östlich an Aisne, südlich an Oise, südwestlich
an Niederseine, westlich an den Kanal (La Manche) und umfaßt
6161 qkm (111,89 QM.). Das Departement gehört zu den
fruchtbarsten des nördlichen Frankreich; es bildet eine weite,
nur gegen die Küste hin sandige Ebene, die sich namentlich um
den Sommebusen allmählich durch Anschwemmungen und
Eindeichungen vergrößert hat und noch
vergrößert; nur im SO. ist das Land von einzelnen
Ausläufern der Ardennen durchzogen. Bewässert wird das
Departement von der Authie, Maye, Somme mit ihren Nebenflüssen
und der Bresle. Das Klima ist kühl und feucht, im allgemeinen
aber gesund. Die Bevölkerung belief sich 1886 auf 548,982
Einw. und hat seit 25 Jahren um 24,000 Seelen abgenommen. Von der
Oberfläche kamen 1882 auf Äcker und Gärten 499,714
Hektar, Wiesen 21,596, Wälder 39,449, Heiden und Weiden 5553
Hektar. Der hoch entwickelte Ackerbau liefert Getreide über
den Bedarf (jährlich 7-8 Mill. hl), besonders: Weizen (2,8
Mill. hl), Hafer (3,4 Mill. hl), Halbfrucht, Gerste und Roggen,
Kartoffeln, viel Hülsenfrüchte, Gemüse, Hanf,
Flachs, Raps, andere Ölpflanzen und Zuckerrüben. Sehr
bedeutend ist ferner die Torfgewinnung (85,500 Ton.). Geringere
Ausdehnung hat die Viehzucht; doch ist die Zahl der Pferde (1882:
77,590), der Schafe (423,948) und namentlich des Geflügels
(1,8 Mill. Stück) immerhin ansehnlich. Einen
größern Holzbestand bildet nur der Wald von Crécy
im NW. Die Industrie ist sehr lebhaft. Ihre vorzüglichsten
Zweige sind die Spinnerei und zwar in Wolle (125,000 Spindeln),
Baumwolle (75,000 Spindeln), Flachs und Hanf (50,600 Spindeln) und
Seide (18,000 Spindeln) nebst der Schafwollkämmerei und
Zwirnerei; außerdem die Weberei (3400 mechanische und 10,500
Handstühle), insbesondere die Erzeugung von sogen. Articles
d'Amiens (Gewebe aus verschiedenen Stoffen), Tuch (besonders zu
Abbeville), Baumwollsamt, Teppichen etc. Neben der Textilindustrie
ist besonders wichtig die Rübenzuckerfabrikation (69
Etablissements mit 6600 Arbeitern, Produktion 970,000 metr. Ztr.);
ferner sind zu nennen die Eisengießerei, die Erzeugung von
Schlosserwaren und Maschinen, Seife, Kerzen, chemischen Produkten,
Papier, Bier und Branntwein. Von geringerer Wichtigkeit dagegen ist
der Handel, namentlich der Seehandel, da es dem Departement an
guten Häfen fehlt; er erstreckt sich auf die einheimischen
Ackerbau- und Industrieprodukte in der Ausfuhr, Wein, Holz, Kohlen
etc. in der Einfuhr. Das Departement wird von der Nordbahn
(Paris-Brüssel) durchschnitten, die hier von Amiens nach
Beauvais, Rouen, Abbeville, St.-Valéry, Tréport,
Boulogne und Doullens sowie nach Laon abzweigt. Es zerfällt in
fünf Arrondissement Abbeville, Amiens, Doullens, Montdidier
und Péronne. Hauptstadt ist Amiens.
23
Sommer - Sommersprossen.
Sommer, die Jahreszeit zwischen Frühling und Herbst,
astronomisch die Zeit vom längsten Tag bis zum darauf
folgenden Äquinoktium. Auf der nördlichen Halbkugel der
Erde beginnt der S., wenn die Sonne den Wendekreis des Krebses und
damit ihre größte nördliche Abweichung vom
Äquator erreicht hat (Sommersonnenwende, 21. oder 22. Juni),
und endet, wenn die Sonne auf ihrem Rückgang wieder den
Äquator erreicht hat (Herbstäquinoktium, 22. oder 23.
Sept.). Der S. der südlichen Hemisphäre dagegen
fällt auf unsern Winter und umfaßt den Zeitraum,
während dessen die Sonne von ihrer größten
südlichen Abweichung vom Äquator, also vom Wendekreis des
Steinbocks (Wintersonnenwende, 21. oder 22. Dez.), wieder zum
Äquator zurückkehrt (Frühlingsäquinoktium, 20.
oder 21. März). Auf der nördlichen Halbkugel ist der S.
um einige Tage länger als auf der südlichen, was davon
herrührt, daß die Erde während unsers
Frühlings und Sommers die von der Sonne entferntere
Hälfte ihrer Bahn durchläuft, in welcher, dem zweiten
Keplerschen Gesetz zufolge, ihre Geschwindigkeit eine geringere
ist. Der höhere Stand der Sonne, der ein mehr senkrechtes
Auftreffen der Strahlen bewirkt, sowie die längere Dauer des
Verweilens der Sonne über dem Horizont bewirken, daß
trotz des größern Abstandes der Sonne unser S.
wärmer ist als unser Winter; der Einfluß der
verschiedenen Entfernung der Sonne ist in Bezug auf die durch sie
bewirkte Erwärmung nicht bedeutend und wird erst merklich bei
Vergleichung der S. beider Hemisphären. Infolge der
stärkern Bestrahlung während des Sommers der
Südhalbkugel ist z. B. in Australien und Neuseeland
während des Sommers der Wechsel, wenn man aus dem Schatten in
die Sonne tritt, fühlbarer als bei uns. Im meteorologischen
Sinn rechnet man den S. bei uns vom 1. Juni bis 1. Sept., auf der
Südhalbkugel vom 1. Dez. bis 1. März. Die
größte Sommerwärme tritt etwa einen Monat nach dem
längsten Tag und zwar erst dann ein, wenn die Erwärmung
durch die Sonnenstrahlen gleich der Abkühlung durch die
Wärmeausstrahlung geworden ist. Daher ist der Juli der
wärmste Monat auf der nördlichen und der Januar auf der
südlichen Halbkugel, und damit dieser wärmste Monat in
die Mitte des Sommers fällt, ist die oben angegebene
Begrenzung desselben erforderlich. Vgl. Jahreszeiten.
Sommer, 1) Anton, thüring. Dialektdichter, geb. 11.
Dez. 1816 zu Rudolstadt, studierte 1835-38 in Jena Theologie,
übernahm 1847 die Leitung einer Töchterschule in seiner
Vaterstadt und daneben das Pfarramt zu Schaala und wurde 1864 zum
Garnisonprediger in Rudolstadt ernannt, wo er, halb erblindet und
seit 1881 Ehrenbürger, 1. Juni 1888 starb. Seine
gemütvollen "Bilder und Klänge aus Rudolstadt in
Volksmundart" (11. Aufl., Rudolst. 1886, 2 Bde.) haben vielen
Beifall gefunden.
2) Otto, Pseudonym, s. Möller 3).
Sommercypresse, s. Chenopodium.
Sömmerda, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Erfurt, Kreis Weißensee, an der Unstrut, Knotenpunkt der
Linie Sangerhausen-Erfurt der Preußischen Staatsbahn u. der
Eisenbahn Großheringen-Straußfurt, 160 m ü. M.,
hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Gewehr-,
Munitions-, Zündhütchen- und Eisenwarenfabrikation,
Eisengießerei und (1885) 4795 meist evang. Einwohner. S. war
Geburtsort und Wohnsitz von Dreyse (s. d.).
Sommerendivien, s. Lattich.
Sommerfäden, s. v. w. Alterweibersommer.
Sommerfeld, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Frankfurt, Kreis Krossen, an der Lubis, Knotenpunkt der Linien
Berlin-S., S.-Breslau und S.-Liegnitz der Preußischen
Staatsbahn, 82 m ü. M., besteht aus der Stadt, 2
Vorstädten (Schönfeld und Hinkau) und 3 Kolonien (Karras,
Bornstadt und Klinge), hat 2 evang. Kirchen, ein Schloß, ein
Rettungshaus, ein Amtsgericht, eine Reichsbanknebenstelle,
bedeutende Tuchfabrikation, eine Hutfabrik, eine mechanische
Bandweberei, 3 Dampffärbereien, 2 Maschinenbauanstalten, eine
Flachsgarnspinnerei, Appretur- u. Karbonisieranstalten, Ziegeleien,
eine Ofenfabrik, Dampfschneidemühlen, Bierbrauereien u. (1885)
11,362 meist ev. Einw.
Sommerfrischen, die im Sommer zu benutzenden klimatischen
Kurorte (s. d.).
Sommergewächse, einjährige Pflanzen, s.
Einjährig.
Sommerkatarrh (Catarrhus aestivus), s. Heufieber.
Sommerkleid, s. Vögel.
Sommerkönig, Vogel, s. Laubsänger und
Goldhähnchen.
Sommerpappel, s. Lavatera.
Sommerpunkt, s. v. w. Sommersolstitium, s.
Sonnenwenden.
Sömmerring, Samuel Thomas von, Mediziner, geb. 28.
Jan. 1755 zu Thorn, studierte seit 1774 in Göttingen, ward
1778 Professor der Anatomie in Kassel, 1784 in Mainz, praktizierte
seit 1798 in Frankfurt a. M., wurde 1805 königlicher Leibarzt
in München, dann Geheimrat und in den Adelstand erhoben. 1820
kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er 2. März 1830
starb. Seine Untersuchungen über Gehirn- und Nervensystem,
über die Sinnesorgane, über den Embryo und seine
Mißbildungen, über den Bau der Lungen, über die
Brüche etc. stellen ihn in die Reihe der ersten deutschen
Anatomen. Er konstruierte auch 1809 einen elektrischen Telegraphen,
bei welchem die Zeichen durch galvanische Zersetzung von Wasser
gegeben werden sollten, arbeitete über die Veredelung des
Weins, über die Zeichnungen, welche sich bei der Ätzung
des Meteoreisens auf demselben bilden, über die Sonnenflecke
etc. Er schrieb: "Vom Hirn- und Rückenmark" (Mainz 1788, 2.
Aufl. 1792); "Vom Bau des menschlichen Körpers" (Frankf.
1791-96, 6 Bde.; 2. Aufl. 1800; neue Aufl. von Bischoff, Henle u.
a., Leipz. 1839-45, 8 Bde.); "De corporis humani fabrica" (Frankf.
1794-1801, 6 Bde.); "De morbis vasorum absorbentium corporis
humani" (das. 1795); "Tabula sceleti feminini" (das. 1798);
"Abbildungen des menschlichen Auges" (das. 1801), "des menschlichen
Hörorgans" (das.1806), "des menschlichen Organs des Geschmacks
und der Stimme" (das. 1806), "der menschlichen Organe des Geruchs"
(1809). Sömmerrings Briefwechsel mit Georg Forster wurde von
Hettner (Braunschw. 1878) herausgegeben. Vgl. R. Wagner,
Sömmerrings Leben und Verkehr mit Zeitgenossen (Leipz.
1844).
Sommerschlaf s. Winterschlaf.
Sommersolstitium, s. Sonnenwenden.
Sommersporen, s. Pilze, S. 66, und Rostpilze, S. 989.
Sommersprossen (Sommerflecke, Ephelides), kleine,
rundliche, bräunliche Flecke, welche sich namentlich bei
blonden und rothaarigen Menschen, unter der Einwirkung des
Sonnenlichts und der Sonnenwärme, der Feuchtigkeit und des
Windes an den unbedeckten Stellen der Haut bilden. Die S. beruhen
auf der Ablagerung eines bräunlichen Pigments in den
oberflächlichen Hautschichten. Während des Win-
24
Sommerthürchen - Son.
ters blassen sie ab oder verschwinden auch ganz. Durch Mittel,
welche eine Abstoßung der Epidermis mit Einschluß ihrer
tiefern pigmenthaltigen Schichten bewirken, kann man die S.
vertreiben; sie kehren aber nach wenigen Wochen wieder, wenn die
Haut von neuem den erwähnten Schädlichkeiten ausgesetzt
wird. Auf diese Weise wirken die Lilionese und Umschläge mit
einprozentiger Lösung von Sublimat (Quecksilberchlorid,
höchst giftig!). Man läßt diese Umschläge nur
einige Stunden lang wirken und sorgt dafür, daß die mit
der Sublimatlösung befeuchteten Leinwandläppchen keine
Falten schlagen. Zeigt sich die Haut hiernach stärker
entzündet, so bedeckt man sie mit in Öl getränkten
Kompressen.
Sommerthürchen, Pflanze, s. Leucojum.
Sommertuch, s. Halbtuch.
Sommerwal, s. Finnfisch.
Sommerwurz, s. Orobranche.
Sommières (spr. ssommjähr), Stadt im franz.
Departement Gard, Arrondissement Nîmes, am Vidourle und an
der Eisenbahnlinie Lunel-Le Vigan (mit Abzweigung nach Nimes und
Les Mazes), hat ein altes Schloß, eine Brücke mit Turm,
eine reformierte Konsistorialkirche, Fabrikation von Likör,
Essenzen, Decken, Wollenstoffen, Hüten etc. und (1881) 3644
Einw.
Sommitäten (franz.), die Höchsten,
Vornehmsten.
Somnambulismus (lat.), im engern Sinn das "Umherwandeln
im Schlaf", das Schlafwandeln; dann das habituell gewordene, dem
Anschein nach mit Überlegung vor sich gehende, in Wahrheit
aber nur traumbewußte Verrichten von Handlungen während
des Schlafs, das Schlafhandeln; gewöhnlich rechnet man zum S.
auch diejenigen meist auf Selbsttäuschung oder Betrug
beruhenden Fälle, in welchen gewisse Personen Dinge oder
Ereignisse wahrzunehmen glauben oder vorgeben, welche mittels
gesunder Sinne nicht wahrzunehmen sind (das Hellsehen,
clairvoyance); endlich auch die Gesamtheit der noch vielfach
problematischen Erscheinungen des sogen. tierischen Magnetismus (s.
Magnetische Kuren und Hypnotismus). Die beiden ersten Arten des S.,
welche man gewöhnlich als Nachtwandeln bezeichnet,
charakterisieren sich besonders dadurch, daß bei mangelndem
klaren Bewußtsein Handlungen vorgenommen werden, welche den
Schein der Willkürlichkeit und Zweckmäßigkeit an
sich tragen. Das Nachtwandeln nimmt niemals einen tödlichen
Ausgang und stört den Fortgang der Körperentwickelung
nicht auf eine erhebliche Weise. Beim Traum wie beim Nachtwandeln
ist das dämmernde Selbstbewußtsein der Mittelpunkt,
worin sich die dunkeln und verworrenen Empfindungen der Sinne und
des Gemeingefühls, wenn nämlich solche noch zur
Wahrnehmung kommen, sammeln, während Reihen von Vorstellungen
und Willensantrieben auftreten, welche zu den mannigfaltigsten,
ihnen entsprechenden Bewegungen der Glieder sowie zu einem
völlig artikulierten und zusammenhängenden Sprechen
Veranlassung geben. Nur die höchsten Grade dieser
Erscheinungen kommen aber hier in Betracht, insofern bei ihnen die
charakteristischen Bedingungen des Schlafs nicht mehr vorhanden zu
sein scheinen. Dahin ist vor allem zu rechnen, daß die
Nachtwandler ungeachtet der größten Anstrengung beim
Erklettern von Fenstern, Dächern etc. nicht erwachen, was doch
der Fall sein würde, wenn bei ihnen, wie beim
gewöhnlichen Schlaf, die Fähigkeit zur Empfindung und
Bewegung in gleichem Maß ab- und zunähme. Vielmehr geben
sie bei äußerer ordentlicher Bethätigung ihres
ganzen Muskelsystems zuweilen eine so gänzliche
Empfindungslosigkeit kund, daß weder das stärkste Licht,
noch der Schall von lärmenden Instrumenten, noch die
schärfsten Gerüche, noch Verletzungen der Haut den
geringsten Eindruck auf sie machen. Auch haben die Reden des
Nachtwandlers nicht jenen Charakter der Zerfahrenheit und des
Unzusammenhängenden wie die des Träumenden, sondern meist
logischen Zusammenhang und bewegen sich, wie seine Handlungen,
größtenteils im Kreis früherer Erinnerungen. Nach
dem bisherigen Stand unsers Wissens unerklärlich ist der
angebliche, im Volksmund allgemein behauptete Einfluß des
Mondes auf die Nachtwandler, welcher zu der Bezeichnung Mondsucht
(Lunatismus) Veranlassung gegeben hat. Die oft erzählten Sagen
von Mondsüchtigen, welche auf Bäume, Dächer und
Türme gleichsam dem Mond entgegengeklettert seien etc., sind
noch zu wenig beglaubigt, als daß man sie unbedenklich gelten
lassen könnte. Erwähnung verdient noch, daß die
Nachtwandler ihre Bewegungen auch auf gefährlichen Wegen mit
der größten Sicherheit ausführen sollen, wobei das
Freibleiben von Schwindel eine wirksame Unterstützung
gewähren mag. Da das Nachtwandeln gewöhnlich einen
völlig konstitutionellen Zustand darstellt, welcher als
solcher das Individuum Jahrzehnte behaften kann, so läßt
es sich höchstens durch kräftige diätetische
Maßregeln mit einigem Erfolg bekämpfen. Zu letztern
würden vor allem angemessene Körperanstrengungen, um
einen möglichst festen und tiefen Schlaf zu bewirken, und
Vermeidung aller das Nervensystem stärker aufregenden
psychischen und physischen Reize, z. B. allzu reichliche
Abendmahlzeiten, zu rechnen sein. Entschieden abzuraten ist von den
gebräuchlichen Gewaltmitteln, wie z. B. den vor das Bett
gestellten Wassergefäßen, Prügeln u. dgl.
Jedenfalls hat man die Nachtwandler unter eine angemessene Aufsicht
zu stellen, damit sie in ihren Paroxysmen weder sich noch andern
Schaden zufügen können. Vgl. Magnetische Kuren.
Somnium (lat.), Traum.
Somnolénz (lat.), Schläfrigkeit,
schlafsüchtiger Zustand, leichtester Grad von
Betäubtheit.
Somnus (lat.), Gott des Schlafs, s. Hypnos.
Somogy (spr. schómodj, Sümeg), Komitat in
Ungarn, am rechten Donauufer zwischen dem Plattensee und der Drau,
hat 6531 qkm (118,6 QM.) Areal mit (1881) 307,448 meist
ungarischen, kath. Einwohnern. Es wird von zahlreichen kleinen
Flüssen bewässert, ist sehr fruchtbar und im Süden
an der Drau teilweise sumpfig; 1/3 des Gebiets bedeckt Wald. Sitz
des Komitats, das nach dem alten Schlosse Somogyvár benannt
ist und von der Donau-Draubahn, der Linie
Stuhlweißenburg-Kanizsa und der Fünfkirchen-Barcser Bahn
durchschnitten wird, ist Kaposvár.
Somorrostro, kleiner Ort in der span. Provinz Viscaya,
10km nordwestlich von Bilbao, berühmt wegen seiner reichen
Eisenminen.
Somosierra, Dorf in der span. Provinz Madrid, am
Südabhang des gleichnamigen Gebirges (Fortsetzung der Sierra
de Guadarrama), historisch merkwürdig durch das siegreiche
Gefecht Napoleons I. gegen die Spanier 30. Nov. 1808.
Somvix ("Oberdorf", rätoroman. Sumvigel), Ort im
schweizer. Kanton Graubünden, am Vorderrhein, 880 m ü. M.
gelegen, zum Bezirk Vorderrhein gehörig, mit (1880) 1235 Einw.
Gegenüber öffnet sich das alpine, vom Somvixer Rhein
durchströmte Val S. in das Hauptthal; es bildet den Zugang zu
dem (nicht fahrbaren) Paß Greina.
Son (Sona), Fluß in Britisch-Indien, entspringt in
Zentralindien am Gebirgsstock des Amarkantak
25
Sonate.
und fließt in nordöstlicher Richtung dem Ganges zu,
den er oberhalb Patna nach einem Laufe von 748 km erreicht. Im
Unterlauf ist er schiffbar und seit 1871 durch einen bei Dehri
vollendeten Querdamm, wodurch fünf Kanäle gespeist
werden, zur künstlichen Überflutung seiner Ufer
eingerichtet.