1846, ward Lehrer, dann Amtsschreiber, ging 1878 nach Petersburg,
trat hier der nihilistischen Verschwörung bei und unternahm
14. April 1879 ein Attentat auf Kaiser Alexander II., indem er
fünf Revolverschüsse auf ihn abfeuerte, ohne ihn zu
verletzen; S. ward 10. Juni d. J. gehenkt.
Solözismus (griech.), Sprachfehler, besonders ein
auf die Konstruktion des Satzes bezüglicher. Die Alten
leiteten das Wort von dem Namen der athenischen Kolonie Soloi in
Kilikien ab, deren Einwohner ihren Heimatsdialekt rasch vergessen
und sich durch fehlerhafte Sprechweise ausgezeichnet haben
sollen.
Solpuga, Walzenspinne.
Solquellen, s. Salz (S. 237) und Mineralwässer.
Solsalz, aus Salzlösungen gewonnenes Kochsalz im
Gegensatz zum Steinsalz.
Solsona (das alte Setelsis), Bezirksstadt in der span.
Provinz Lerida, hat 2 Kastelle, eine Kathedrale,
Quincailleriefabriken, Baumwoll- und Leinweberei und (1878) 2413
Einw.
Solspindel, s. Gradierwage.
Solstitium (lat., "Sonnenstillstand"), s. Sonnenwenden;
solstitial, die Solstitien betreffend.
Solt, Markt im ungar. Komitat Pest mit (1881) 5692
ungarischen und serbischen Einwohnern.
Solta, österreich. Insel im Adriatischen Meer,
südlich von Spalato, 56 qkm groß, ist fruchtbar, hat
mehrere Häfen, eine Landwirtschaftsgesellschaft und in sechs
Ortschaften (1880) 2556 Einw.
Soltau, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk
Lüneburg, an der Linie Stendal-Langwedel der Preußischen
Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Filz-,
Teppich-, Faßkräne- und bedeutende
Fruchtweinfabrikation, Honig- und Bettfedernhandel und (1885) 2827
Einw. S., schon 937 genannt, ist durch die Schlacht vom 28. Juni
1519 (beim Dorf Langeloh) in der Hildesheimer Stiftsfehde
bekannt.
Soltikow (Ssaltykow), russ. Adelsgeschlecht, welches auf
die Zeiten Alexander Newskijs zurückreicht und unter seinen
Gliedern viele Bojaren zählt. Praskowja Fedorowna S. ward die
Gemahlin des Zaren Iwan Alexejewitsch (gest. 1696) und dadurch
Mutter der Kaiserin Anna. Der General Se-
19
Soltyk - Somal.
men S., Gouverneur von Moskau, ward durch diese 1732 in den
russischen Grafenstand erhoben. Dessen Sohn, Graf Peter
Semenowitsch S., geb. 1700, führte im Siebenjährigen
Krieg seit 1759 den Oberbefehl über die russische Armee, trug
23. Juli 1759 bei Kai einen Sieg über den preußischen
General Wedel davon und gewann 12. Aug., nachdem er sich mit dem
österreichischen General Laudon vereinigt hatte, den
entscheidenden Sieg bei Kunersdorf über den König
Friedrich II. selbst. Dafür mit der Feldmarschallswürde
belohnt, ward er später Generalgouverneur in Moskau und starb
15. Dez. 1772. Nikolai Iwanowitsch S., geb. 24. Okt. 1736, wurde
1783 Erzieher des nachmaligen Kaisers Alexander I. und des
Großfürsten Konstantin, 1796 Feldmarschall und
Präsident des Kriegskollegiums, 1812 Präsident des
Reichsrats und 1813-15 Vorsitzender des Ministerkomitees. 1814 in
den Fürstenstand erhoben, starb er 28. Mai 1816 in Petersburg.
Sein ältester Sohn, Fürst Alexander S., war kurze Zeit
Minister des Äußern und starb 1837. Dessen Neffe,
Fürst Alexei S., machte sich durch seine Reisen in Persien
1838 und Ostindien 1841-46 bekannt, die er in "Voyages dans l'Inde"
(3. Aufl., Par. 1858) und "Voyage en Perse" (das. 1851)
beschrieb.
Soltyk, Roman, poln. General, geb. 1791 zu Warschau, Sohn
des Reichstagsmarschalls Stanislaus S. und der Prinzessin Karoline
Sapieha, besuchte die polytechnische Schule in Paris, trat 1807 als
Leutnant in die Fußartillerie des damaligen
Großherzogtums Warschau und machte 1809 den Feldzug gegen
Österreich mit. 1812 als Adjutant des Generals Sokolnicki in
den Generalstab Napoleons I. berufen, befehligte er in der Schlacht
bei Leipzig die Sachsen und geriet durch deren Übergang in die
Gefangenschaft der Alliierten. Wieder frei, verließ er den
Militärdienst und eröffnete in Warschau ein Eisenmagazin.
Seit 1822 beteiligte er sich an den geheimen politischen
Gesellschaften. Nach dem Ausbruch der Revolution vom 29. Nov. 1830
begab er sich nach Warschau, ward Generalkommandant der vier auf
dem rechten Weichselufer liegenden Woiwodschaften, organisierte
hier 47,000 Mann mobiler Nationalgarden und beantragte auf dem
Reichstag die Absetzung des Kaisers Nikolaus und die Erklärung
der Souveränität des Volkes (21. Jan. 1831). Während
der Belagerung Warschaus durch die Russen Befehlshaber der
Artillerie in der Stadt, widersetzte er sich aufs eifrigste der
Kapitulation Krukowieckis und hielt stand bis zum letzten
Augenblick, ging dann mit der Armee nach Plozk und übernahm
eine Sendung nach England und Frankreich, um dort eine Vermittelung
dieser Mächte für Polen nachzusuchen. Er starb am 22.
Okt. 1843 in St. Germain en Laye. Im Exil schrieb er den
"Précis historique, politique et militaire de la
révolution du 29 novembre" (Par. 1833, 2 Bde.; deutsch
bearbeitet von Elsner, Stuttg. 1834) und "Napoléon en 1812"
(Par. 1836; deutsch, Wesel 1837).
Soluntum (Solus), im Altertum befestigte Stadt auf
Sizilien, östlich von Palermo, phönikischen Ursprungs,
zur Zeit des Dionys (397 v. Chr.) mit den Karthagern verbündet
und im ersten Punischen Krieg erst nach dem Fall von Panormos zu
Rom übergehend, wahrscheinlich durch die Sarazenen
zerstört; jetzt Ruinen Solanto. Seit 1826 (in
größerm Maßstab seit 1863) werden hier, ½
Stunde Gehens von der Station Santa Flavia, Ausgrabungen
vorgenommen, durch welche bereits die meisten Straßen der
Stadt, viele Mosaikböden und mancherlei Skulpturen freigelegt
worden sind.
Solution (lat.), Lösung; solubel, löslich.
Solutivum (neulat.), Auflösungsmittel.
Solutum (lat.), Zahlung.
Solvabel (lat.), auflösbar; solvieren, lösen,
seiner Verbindlichkeit nachkommen; solvent, zahlungsfähig
(daher insolvent, zahlungsunfähig); Solvenz,
Zahlungsfähigkeit, im Gegensatz zu Insolvenz (s. d.).
Solventia (lat.), lösende Mittel, Expektoranzien,
welche eine Lösung des zähen Schleims bewirken, den
Auswurf befördern.
Solway Firth (spr. ssóllwe), Golf des Irischen
Meers, zwischen England und Schottland, schneidet in
nordöstlicher Richtung 56 km tief in das Land ein und
enthält viele Lachse und Heringe. Während der Ebbe kann
der obere Teil des S. fast trocknen Fußes durchkreuzt werden,
die Flut steigt aber rasch und mit großer Heftigkeit. In ihn
münden die Flüsse Cocker, Eden, Esk, Annan und Nith. Sein
oberes Ende überspannt ein Eisenbahnviadukt.
Solwytschegodsk (Ssolwytschegodsk), Kreisstadt im russ.
Gouvernement Wologda, an der Wytschegda, mit (1885) 1313 Einw.
Solzy (Ssolzy), Flecken im russ. Gouvernement Pskow,
Kreis Porchow, am Schelonj, mit (1885) 5903 Einw., welche lebhaften
Flachshandel nach Petersburg treiben.
Soma (griech.), Leib, Körper.
Soma (ital.), in der Lombardei s. v. w. Hektoliter.
Soma, in den Hymnen des Weda (s. d.) ursprünglich
der berauschende, mit Milch und Mehl gemischte und einige Zeit der
Gärung überlassene Saft einer Pflanze, der eine
begeisternde und heilende Wirkung auf Menschen und Götter
übt; besonders häufig wird der berauschende Einfluß
des Trankes auf den Gott Indra geschildert. Als die betreffende
Pflanze gilt heute eine Sarcostemma-Art (Asclepias acida), die
indes in südlichern Strecken wächst, als die Wohnsitze
des wedischen Volkes gelegen waren, so daß wahrscheinlich mit
den Sitzen auch die Pflanze gewechselt hat. Die begeisternde Macht
des Trankes führte bereits in indo-iranischer Zeit dazu, den
Saft als Gott S. zu personifizieren und ihm fast alle Thaten andrer
Götter zuzuschreiben. Bei den Ostiraniern steht dem Somakult
der ganz analoge Haomakult zur Seite. Vgl. Windischmann, Über
den Somakultus der Arier (Münch. 1847); Muir, Original
Sanskrit texts (Bd. 2, S. 469 ff., und Bd. 5, S. 258 ff.); Haug,
Essays on the sacred language etc. of the Parsis (2. Ausg., Lond.
1878, S. 282 ff.); Hovelacqe, L'Avesta (Par. 1880, S. 272 ff.).
Somain (spr. ssomäng), Stadt im franz. Departement
Nord, Arrondissement Douai, Knotenpunkt der Eisenbahnlinien
zwischen Douai und Valenciennes, mit bedeutenden Steinkohlengruben
und darauf gegründeter Industrie in Zucker, Leinwand, Glas,
Chemikalien und 1881) 4782 Einw.
Somal (Singular Somali), ein den Hamiten und zwar der
äthiopischen Familie derselben zugerechneter großer
Volksstamm, welcher das ganze östliche Horn Afrikas
östlich von den Galla und südlich von den Danakil
über den Dschubbfluß hinaus bis gegen den Tana bewohnt.
Sie zerfallen in drei voneinander unabhängige Stämme: die
Adschi von Tadschura am Golf von Aden bis Kap Gardafui, die Hawijah
an der Küste des Indischen Ozeans bis zur Stadt Obbia und die
Rahanwin im W. der Hawijah zwischen Dschubb und Webbi (s. Tafel
"Afrikanische Völker", Fig. 29 u. 30). Die ethnographische
Stellung der S. ist noch keine sichere; sie scheinen ein Mischvolk
zu sein, bei dem nach den physischen Eigenschaften
20
Somateria - Somerset.
einmal der nordostafrikanische Typus durchschlägt, dann
aber wieder eine Annäherung an das Semitische sich kundgibt.
Unzweifelhaft sind sie Verwandte der Abessinier und Galla. Als
fanatische Mohammedaner rühmen sie sich ihrer Herkunft aus
Arabien. Bemerkenswert ist die von Revoil bei Somalweibern
häufiger beobachtete Steatopygie (s. d.). Das Haar
läßt man lang wachsen, beizt es mit Kalk rötlich;
im Innern werden Perücken aus Schaffell getragen. Die Zahl der
S. (zu 5 Mill. geschätzt) ist nicht bekannt, da in den
eigentlichen Kern ihres Landes bis jetzt nur der Brite L. James
nebst Genossen eingedrungen ist. Die Sprache der S. gehört zu
dem äthiopischen (südlichen) Zweig des hamitischen
Sprachstammes (dargestellt von Prätorius in der "Zeitschrift
der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", Bd. 24, 1870;
auch von Hunter: "Somal-Grammatik", Bombay 1880). Eine Schrift
besitzen die S. nicht. Der Charakter des Volkes ist nach der
Lebensweise verschieden. Die beduinischen S. sind leidenschaftlich,
verräterisch und grausam, der Wert eines Mannes wird bei ihnen
nach der Zahl seiner Mordthaten bemessen. Dagegen zeigen die
Bewohner der größern Ortschaften eine
verhältnismäßig nicht unbedeutende Bildung. Alle
aber sind stolz und freiheitliebend u. im allgemeinen Feinde der
Fremden. Sie leben meist in Monogamie, Sklaven sind nicht
häufig. Die Kinder beiderlei Geschlechts werden beschnitten,
die Mädchen bis zur Verheiratung vernäht. Bei der
Verheiratung wählt das Mädchen den Mann, letzterer
muß aber den Schwiegervater für dasselbe bezahlen. Auf
die Frauen fällt die ganze Arbeitslast. Als Kleidung dienten
früher Felle, jetzt ein der abessinischen Schama
ähnliches Baumwollentuch, auch tragen die Frauen Beinkleider,
Sandalen sind häufig in Gebrauch. Als Waffen dienen Lanzen,
runde Schilde, Messer, im Süden auch Schwerter, ferner Bogen
und vergiftete Pfeile. Die Wohnungen werden in den Städten aus
Steinen und Lehmziegeln, sonst aus Fachwerk und Strohmatten
errichtet; die nomadisierenden S. haben leicht abtragbare,
zeltähnliche Hütten. Die Nahrung besteht im Fleisch ihrer
Herden, in Sorghum, Mais, Milch, Butter sowie eingeführten
Datteln und Reis. Spirituosen und Schweinefleisch sind verboten.
Als Haustiere werden Kamele, Rinder (Zebu), Schafe, Ziegen, Pferde,
Esel gehalten. Gelegentlich jagt man Elefanten, Nashorn,
Büffel, Antilopen, Strauße. Den Toten zollt man viel
Verehrung. Die Stämme stehen unter Häuptlingen, die aber
wenig Macht haben. Die Gesellschaft zerfällt in drei Klassen:
die Saladin, die Reichen und Würdenträger; die Barkele
oder Beduinen und die Mödgan, letztere sind die Eisenarbeiter
und werden als Zauberer scheel angesehen. Eine Art Hörige sind
die Tomal, welche als Hirten, Kamelreiter u. a. dienen; eine Art
Zigeuner, verachtet, aber wegen ihrer Zaubereien gefürchtet,
sind die Jibbir. Bei allen hat die Blutrache Geltung. Das Somal-
oder Somaliland besteht aus einem schmalen, sandigen
Küstenstreifen, der an der Nordseite mehrere Häfen
(Zeila, Bulhar, Berbera, Las Gori, sämtlich in englischem
Besitz, ferner am Osthorn Bender Felek, Ras Felek) hat,
während die Ostküste ganz ohne Häfen verläuft
bis zu den im Besitz von Sansibar befindlichen: Warscheich,
Mogduschu, Merka, Barawa, Kismaju. Das Innere ist eine weite, von
einzelnen Höhenrücken unterbrochene Hochfläche, die
zum Teil aus großen wüsten Strichen mit hartem Boden
besteht. Die Wasserläufe, die das Land durchziehen, sind den
größten Teil des Jahrs trocken, nur der Dschubb
führt das ganze Jahr hindurch Wasser und ist auch eine
beträchtliche Strecke aufwärts bis Bardera, wo v. d.
Decken ermordet wurde, schiffbar; der nächstbedeutende Webi
erreicht die See nicht. Auf dem Hochland sind der Tug Dehr und Tug
Faf ihrer fruchtbaren Thalmulden wegen zu bemerken. Die hohe
Temperatur des Küstenstrichs wird durch heftige Seewinde sehr
gemildert; auf dem Hochland bilden 8° C. das Temperaturminimum
und 32° C. das Maximum. Mimosen, Calotropis procera, Euphorbien
und Koloquinten charakterisieren die Vegetation des Tieflandes,
während im Hochland Weihrauchbäume, alle Gummisorten,
Leuchtereuphorbien, im Webigebiet auch der Affenbrotbaum gedeihen.
Die Fauna bietet Wanderheuschrecken, giftige große Ameisen,
viele Bienen, Flußpferde und Krokodile, Strauße, alle
afrikanischen Katzen, große Antilopenherden, das Zebra und
den Wildesel. Vgl. Haggenmacher, Reise im Somaliland (Gotha 1876);
Révoil, La vallée du Darror. Voyage au pays
Çomalis (Par. 1882); Derselbe, Faune et flore des pays
Çomalis (das. 1882); Paulitschke, Beiträge zur
Ethnographie und Anthropologie der S., Galla und Harari (Leipz.
1886); James, The unknown horn of Africa (Lond. 1888).
Somateria, Eiderente.
Somátisch (griech.), körperlich.
Somatologie (griech.), die Lehre vom menschlichen
Körper, also besonders Anatomie.
Sombreréte, Bergstadt im mexikan. Staat Zacatecas,
2369 m ü. M., an der Eisenbahn von Zacatecas nach Durango,
1570 gegründet, hat eine höhere Schule und (1882) 5173
Einw.
Sombrerit, ein jüngst gebildeter, an Korallen
reicher Kalk, der durch überlagernden Guano teilweise
metamorphosiert worden ist und neben kohlensaurem Kalk und Thon
75-90 Proz. phosphorsauren Kalk enthält. Er findet sich auf
der Insel Sombrero. Die Amerikaner beuteten 1856 den S. aus und
brachten ihn als Dungmittel in den Handel, doch scheint das Lager
rasch erschöpft worden zu sein. Vgl. Guano.
Sombrero ("Hutinsel"), eine der Kleinen Antillen, 5 qkm
groß, zwischen den Jungferninseln und Anguilla gelegen, ist
ein Kalksteinfels, der schroff aus dem Meer aufsteigt, einen
Leuchtturm trägt, fast ohne Vegetation ist, aber seiner
Kalkbrüche halber doch einigen Wert besitzt; eine Zeit lang
lieferte die Insel den Sombrerit.
Sombreros (span.), breitrandige, leichte und dauerhafte
Hüte, aus Palmblättern gefertigt (s. Sabal).
Somerset (spr. ssommersset), 1) Grafschaft im
südwestlichen England, grenzt nordwestlich an den
Bristolkanal, wird zu Lande von den Grafschaften Gloucester, Wilts,
Dorset und Devon umschlossen und umfaßt 4248 qkm (77,1 QM.)
mit (1881) 469,109 Einw. Die Küste ist großenteils steil
und unzugänglich, hat aber teilweise auch schöne Buchten
mit niedrigem Landsaum; die bedeutendste derselben ist die
Bridgewaterbai. Im N. und W. ist die Grafschaft gebirgig und von
langen, jäh abfallenden Hügelketten (Mendip, Blackdown
und Quantock Hills) durchschnitten; an der Westgrenze gegen Devon
zu erhebt sich das Bergland Exmoorforest (509 m). Die bedeutendern
Flüsse sind: der Avon, welcher zum Teil die Nordgrenze bildet,
der Ex, Yeo, Axe, Brue und Parret. Der Boden ist teils steinig,
teils Heide, teils Marsch- und Moorland, im allgemeinen aber
fruchtbar, und namentlich ist die Thalebene von Taunton einer der
reichsten Bezirke von England. Das Klima ist gemäßigt.
Von der Oberfläche sind 22,1 Proz. unter dem Pflug, 60,5 Proz.
bestehen aus Weideland; 1888 zählte man 34,701 Ackerpferde,
217,728 Rinder 557,857 Schafe, 123,901 Schweine. Der Bergbau
Die Sonne.
Fig. 1. Die Sonne (photographiert von Rutherford).
Fig. 2. Sonnenflecke, beobachtet vom 10.-22. Mai 1868.
Fig. 4. Protuberanzen, beobachtet von Zöllner 1869.
Fig. 3. Totale Sonnenfinsternis am 18. Juni 1860, nach
Rümker, I-VI sind Koronastrahlen.
Fig. 5. Protuberanzen, beobachtet von Zöllner 1869.
Fig. 6. Protuberanzen, beobachtet von Secchi 1871.
21
Somerset (engl. Adelstitel).
liefert Steinkohlen, Eisen und Blei. Die Industrie erstreckt
sich auf die Herstellung von Tuch, Seide, Spitzen, Handschuhen,
Eisen und Stahl, Maschinen etc. Hauptstadt ist Taunton, die
größte Stadt aber Bath. -
2) Die nördlichste Niederlassung der britisch-austral.
Kolonie Queensland auf der Kap-York-Halbinsel, mit sicherm
Zufluchtshafen. Das früher hier bestehende
Regierungsetablissement wurde nach der Thursdayinsel und die hier
1872 errichtete Hauptstation der Londoner Missionsgesellschaft nach
der Murrayinsel (Neuguinea) verlegt.
Somerset (spr. ssómmersset) , engl. Adelstitel.
1397 erhielt das von den Plantagenets abstammende ältere Haus
Beaufort den Grafentitel und 1443 den Herzogstitel von S. Dies Haus
starb mit Edmund, dem vierten Herzog von S., der nach der Schlacht
bei Tewkesbury auf Eduards IV. Befehl enthauptet wurde, aus. Ein
natürlicher Sohn des dritten Herzogs Henry von S. nahm den
Familiennamen S. an, und dessen Nachkommen sind 1514 Grafen, 1642
Marquis von Worcester, 1682 aber wieder Herzöge von Beaufort
geworden, so daß die jüngern Söhne dieses
Herzogshauses Lords S. heißen. Unter ihnen ist hervorzuheben
Lord Granville Charles Henry S., geb. 27. Dez. 1792, unter
Liverpool Lord des Schatzes, unter Peel Domänenminister und
1841 Kanzler des Herzogtums Lancaster, gest. 23. Febr. 1848. Dessen
Oheim war Fitzroy James Henry S., später Lord Raglan (s. d.).
Den Titel Graf S. führte im 17. Jahrh. Robert Carr, Viscount
von Rochester, Graf von S., geb. 1590. Derselbe stammte aus einer
schottischen Adelsfamilie, kam als Page an den Hof Jakobs I.,
gewann durch seine Schönheit dessen Gunst, ward von ihm 3.
Nov. 1611 zum Viscount von Rochester erhoben und erhielt
großen Einfluß auf die britische Regierung. 1613
vermählte er sich mit Frances Howard, Gräfin von Essex,
deren Ehe mit dem Grafen von Essex zu diesem Zweck getrennt werden
mußte. Einen Gegner dieser Verbindung, Sir Thomas Overbury,
ließ der mächtige Günstling im Tower vergiften,
ward aber später durch George Villiers, nachmaligen Herzog von
Buckingham, aus des Königs Gunst verdrängt und samt
seiner Gemahlin als Mörder Overburys zum Tod verurteilt.
Nachdem beide mehrere Jahre im Gefängnis gesessen, woselbst S.
mit der Enthüllung von Geheimnissen drohte, die den König
kompromittieren würden, erhielten sie die Freiheit und lebten
seitdem in stiller Zurückgezogenheit. S. starb im Juli 1645.
Aus der Ehe seiner einzigen Tochter mit dem Herzog von Bedford
entsprang der unter Karl II. hingerichtete Lord William Russell (s.
d. 1). Schon im 16. Jahrh. war der Herzogstitel von S. an die
Familie Seymour (s. d.) gekommen. Der erste Herzog war Edward
Seymour. Derselbe erhielt bei der Vermählung Heinrichs VIII.
mit seiner Schwester Jane S. 1536 den Titel eines Viscount von
Beauchamp, wurde 1537 zum Grafen von Hertford ernannt, kämpfte
1544 in Schottland, verwüstete Leith und Edinburg und folgte
darauf dem König nach Frankreich, wo er Boulogne erobern half.
1547 ernannte ihn Heinrich VIII. zu einem der Geheimräte, die
während der Minderjährigkeit des jungen Eduard VI.,
seines Neffen, die Regierung führen sollten. Gleich in den
ersten Sitzungen des Geheimen Rats nach Heinrichs Tod ließ
sich aber Hertford zum Protektor des Königreichs und zum
Herzog von S. erheben und zugleich durch ein Patent des jungen
Königs die volle Regierungsgewalt übertragen. S. benutzte
seine Macht zuvörderst, um unter Cranmers Leitung die
Kirchenreformation durchzuführen. Dann unternahm er im August
1547 einen abermaligen Feldzug nach Schottland und brachte den
Schotten 10. Sept. die Niederlage bei Pinkey bei. Nach seiner
Rückkehr ließ er vom Parlament alle blutigen Gesetze
Heinrichs VIII. aufheben. Gleichwohl bildete sich allmählich
eine Partei gegen ihn, an deren Spitze die Grafen Southampton und
John Dudley, Graf von Warwick, später Herzog von
Northumberland, standen. Diesen Gegnern gelang es infolge des
Mißvergnügens über des Protektors kirchliche
Reformen und den Krieg mit Frankreich, in welchen sein schottischer
Feldzug die Nation verwickelte, den Herzog zu stürzen: der
Geheime Rat entschied sich gegen ihn, und S. wurde gefangen
gesetzt. Im November 1549 ward seine Sache vor das Parlament
gebracht, doch verurteilte ihn dieses bloß zu einer
Geldstrafe. Darauf trat S. wieder in den Rat ein; aber seine alte
Macht erlangte er nicht wieder, und seine Zerwürfnisse mit
Warwick dauerten trotz einer zwischen beiden geschlossenen
Familienverbindung fort. Nachdem sich Warwick des Königs
bemächtigt und die Staatsgewalt an sich gerissen, ließ
er S. 16. Okt. 1551 verhaften und beschuldigte denselben, ihm nach
dem Leben getrachtet und verräterische Anschläge auf die
Staatsgewalt gemacht zu haben. Von der Anklage des Verrats
freigesprochen, aber wegen Felonie verurteilt, da er einen Vasallen
des Königs habe ermorden wollen, ward S. 22. Jan. 1552 auf
Tower Hill enthauptet. Der Titel Herzog von S. erlosch darauf;
seine übrigen Titel und Güter hatte S. auf seine Kinder
zweiter Ehe übertragen lassen, nach deren Aussterben erst die
Nachkommenschaft aus erster Ehe folgen sollte. Sein Enkel William
Seymour ging 1610 eine heimliche Ehe mit Lady Arabella Stuart,
einer Verwandten König Jakobs I., ein und mußte deshalb
ins Ausland flüchten, während seine Gattin 1615 im Tower
starb. Gleichwohl bewies er sich nachmals als treuen Anhänger
der königlichen Sache, ward 1640 zum Marquis von Hertford
erhoben und 1660 nach Karls II. Restauration wieder mit dem Titel
eines Herzogs von S. ausgestattet. Er starb 24. Okt. 1660. Charles
Seymour, siebenter Herzog von S., geb. 12. Aug. 1662, spielte unter
Karl II., Wilhelm III., Anna und Georg I. als erster Peer des
Reichs eine hervorragende Rolle, trug durch seine Gemahlin, die
Erbin der Percy, wesentlich zum Sturz Marlboroughs bei, ward
Lord-Oberkammerherr und starb 2. Dez. 1748. Da sein einziger Sohn,
Algernon, achter Herzog von S., 7. Febr. 1750 ohne männliche
Nachkommen starb, trat jene frühere Klausel in Kraft, und die
Titel des Herzogs von S. und Lord Seymour gingen auf Sir Edward
Seymour, einen Nachkommen des Protektors aus erster Ehe, über,
welcher 15. Dez. 1757 starb. Dessen Urenkel Edward Adolphus, 12.
Herzog von S., geb. 20. Dez. 1804, trat 1834 für Totneß
ins Parlament. Als eifriger Whig ward er 1835 zum Lord des
Schatzes, 1839 zum Sekretär des indischen Amtes und 1841 auf
einige Zeit zum Unterstaatssekretär des Innern ernannt. Von
1849 bis Februar 1852 war er Oberkommissar der Wälder und
Forsten, zog sich aber durch Willkürlichkeiten viele Gegner zu
und wurde beim Wiedereintritt der Whigregierung 1855
übergangen, dagegen 1859 in das Whigministerium unter
Palmerston als erster Lord der Admiralität berufen, welches
Amt er bis 1866 verwaltete. Seitdem gehörte S. keiner
Regierung mehr an und starb 28. Nov. 1885 in London. Ihm folgte
sein Bruder Archibald (geb. 30. Dez. 1810) als 13. Herzog von
S.
22
Somersinseln - Somme.
Somersinseln (spr. ssömmers), s. Bermudas.
Somerville (spr. ssömmerwill), Stadt im
nordamerikan. Staat Massachusetts, dicht bei Cambridge und
Charlestown, und Wohnstadt von Boston, hat ein Irrenhaus und (1885)
29,992 Einw.