9 Uhr Abends.

Der Regen, der uns eingeholt, strömt in Güssen nieder. Wir fahren am

Meerbusen von Arta vorbei, aber Nebel decken die Stätte von Actium.

Tausend Schiffe standen sich hier in den Nachmittagsstunden des 2.

September 31 Jahre v. Chr. gegenüber. Antonius und Augustus, die

beiden ehemaligen Freunde, rangen um die Weltherrschaft. Als die Sonne

schied und das Meer, das schon blutgetränkt war, mit feuriger Röthe

übergoß, schwammen nur noch brennende Wracks, Ertrinkende, Leichname

darauf herum, ein allgewaltiger Sieger, und Antonius, der in dem

purpursegeligen Schiffe der Cleopatra entfloh. Drei Tage saß er stumm

und allein vorne auf dem Schnabel des Bootes; erst am tänarischen

Cap, dem heutigen Cap Matapan, wo sie landeten, sprach er wieder. Die

Geliebte hatte zuerst das Zeichen zur Flucht gegeben und er war ihr

gefolgt, noch ehe die Schlacht verloren war. So sehr hatte dieser Held

im Schooße seiner Dalila alle Kraft verloren. Augustus baute später

auf dem Vorgebirge, das links den Meerbusen schließt, zur Feier des

Sieges die Stadt Nikopolis, und das erzene Bild des Esels, der ihm

am Vorabende die glückliche Entscheidung prophezeit hatte, war auf

ihrem Marktplatze aufgestellt. Später wurde es nach Constantinopel

übertragen, um die Spina des Hippodroms zu schmücken; die Stadt ging

in das Eigenthum der Familie der hl. Paula über. Wir treiben schon in

voller Nacht, unberührt von jeder Erscheinung der Vergangenheit, über

die ereignißvolle Stätte. So spurlos heilt die Zeit die ärgsten Wunden.

Ein Sommer im Orient · 第 17 / 31 题