XIV.

%»Died in the cholera-hospital at Srinigar!«% Thöni jubelte das Wort wie

Siegesbotschaft durch das Haus. Der Presi sah vergnügt in das Spiel der

Schneeflocken, die dicht und schwer herniederwirbelten.

Da zog es doch plötzlich wie ein Seufzer durch seine Brust: »Ich hätte

Josi Blatter in St. Peter zurückhalten sollen!«

Wie er es wider Willen dachte, schritt vor dem Fenster Kaplan Johannes

durch das Schneegestöber und wies ihm eine drohende Grimasse.

Die plötzliche Erscheinung des Halbverrückten, der seit seiner

Vertreibung einen dämonischen Haß auf ihn und Binia warf, peinigte den

Presi, ohne daß er wußte warum, wie Schicksalsdrohung. Es giebt aber

einen Helfer in der Freude und einen Sorgenbrecher im Leid.

Die trostlose Binia überraschte den Vater und Thöni, die zusammen vom

besten Hospeler zechten. Da stieß der schon lallende Vater sein Glas ins

Leere: »Zum Wohl, Seppi Blatter -- hörst du, dein Bub' ist gestorben.

-- Was willst du jetzt noch?« Er lachte hellauf.

Thöni, der nüchterner war, folgte dem Beispiel: »Josi Blatter, du

Laushund. -- Ja so, da ist Binia. -- Komm, trinke auch eins auf deinen

toten Schatz!«

»Schändet die Toten nicht.« Mit dem gellenden Ruf sprang sie zu den

beiden Männern und wischte die vor ihnen stehenden Flaschen und Gläser

mit leichtem Arm vom Tisch.

»Josi lebt -- er lebt!« bebte ihre Stimme. »Ihr könntet ihm sonst nicht

zum Wohlsein trinken. Der Blitz vom Himmel würde in den Bären fahren!«

»Binia, wenn du so wild bist, bist du teufelsschön,« lallte Thöni.

Der Vater wollte über ihre Keckheit wüten, aber es ging nicht mehr wohl

an. Am anderen und in den folgenden Tagen sagte er kein Wort, er war

stillverdrießlich, und das war ein Zeichen, daß er sich selbst grollte.

Seit Binias empörtem Ruf: »Er lebt!« glaubte auch er nicht mehr, daß

Josi Blatter tot sei. Nein, der stand ja immer wieder auf, wenn er schon

begraben war. Um so stärker jedoch bekräftigte der Presi die

Todesnachricht, wenn andere Leute darein Zweifel setzten: »Ta-ta-ta!«

sagte er, »es giebt auf der Welt nichts Zuverlässigeres als die

englische Post!«

Unterdessen begann eine seltsame Zeit für Binia. Sie mußte an ein Wort

der alten thörichten Susi denken: »Schlafe, schlafe, Schäfchen, wenn du

groß und ein schönes Mädchen sein wirst, kommen um dich viele Burschen

fragen.«

An heiligen Wassern: Roman aus dem schweizerischen Hochgebirge · 第 35 / 59 题