Als die beiden Bergsteiger in der Abenddämmerung todmüde, aber mit
erhobenen Häuptern in das Dorf schritten, da ballten sich die Fäuste und
die Zurufe der erzürnten Dörfler schwirrten an Josis Ohr: »Du
Teufelshund -- wärst du doch im letzten Winter beim Kaplan verreckt!«
Und hinter den Häuserecken hervor flogen die Steine um die Köpfe der
beiden.
Der Presi und der Garde gingen ihnen entgegen, beruhigten die
schimpfenden Aelpler und Bauern, und ihrem Ansehen gelang es, die
Tollkühnen, ohne daß sich die von St. Peter an ihnen vergriffen, in den
Bären zu führen.
Da bereiteten die Gäste, die eben an der Tafel saßen, den Bergsteigern
einen begeisterten Empfang -- besonders Josi.
George Lemmy nahm den Vorfall von der fröhlichsten Seite, mit dem Humor
seiner Rase fand er, es sei merk- und denkwürdig, ein solches Abenteuer
erlebt zu haben.
»Bub! -- Unglücksbub! -- was hast du angestellt? -- du bist ja deines
Lebens nicht mehr sicher im Dorf, komm morgen zu mir, wir wollen
beraten, was zu thun ist,« knurrte der Garde und ging, nachdem er noch
mit dem Presi abgeredet hatte, daß Josi zur größeren Sicherheit im Bären
schlafe, mit tiefbekümmertem Gesicht.
Seine Worte klangen Josi, obgleich ihn die Kletterei fast zu Tode
erschöpft, die ganze Nacht in den Ohren wie die Posaunen des Gerichts.
»Vater -- Mutter,« jammerte er in sich hinein, »was habe ich thun
können, als mit meinem Herrn gehen.« Mit zerschlagenen Gliedern und
matten Sinnen erschien er am Morgen vor dem Ingenieur.
»Ich komme mit dir zum Garden!« lachte der gutgelaunt.
Der Presi sah, auf der Freitreppe stehend, den beiden nach. Er wollte
sich wegen der kühnen Bergbesteigung in einen großen Zorn auf Josi
Blatter hineinreden, aber es gelang ihm nicht, der Mut des Burschen
zwang ihn zu heimlicher Hochachtung vor ihm und er dachte an das Wort
der Frau Cresenz: »Das ist einer, der euch allen in St. Peter über den
Kopf wächst,« er dachte an Binia -- und seufzte.
Am Nachmittag kam der Garde in den Bären und saß mit dem Presi lange im
oberen Stübchen.
»Ich habe mit dem Pfarrer geredet,« berichtete der Garde, »er will die
Leute, indem er von Haus zu Haus geht, zur Ruhe mahnen und am Sonntag
einen Spruch, daß der Glaube an die armen Seelen im Eis eine wahrer
Frömmigkeit widersprechende Thorheit sei, in die Predigt flechten. Ich
aber mache mir eine Todsünde daraus, daß ich Josi mit dem Ingenieur habe
gehen lassen.«
»Er ist ein Satan, der Rebell,« lachte der Presi, »ich fürchte, er ist
bald nicht mehr zu bändigen -- das kommt, weil Ihr ihn immer beschützt.«
»O, ich habe ihm heute vor dem Ingenieur das Kapitel verlesen wie noch
nie, aber nicht mit gutem Gewissen, Ihr und ich, wir sind verantwortlich
für ihn und sein Thun. -- Ihr von lange her -- ich, seit ich ihm
gestattet habe, daß er mit George Lemmy gehe. -- Im übrigen giebt es
eine Aenderung im Leben Josi Blatters -- ladet auf den nächsten
passenden Tag den Gemeinderat ein. -- George Lemmy, der Ingenieur, will
ihn mit nach Indien nehmen. Wie ich den Burschen so recht in die Zange
gefaßt habe, hat mich der Engländer lachend unterbrochen: 'Unnötige
Mühe!' eine Lobrede auf Josi gehalten und bestimmt erklärt: 'Ich nehme
ihn mit mir!'«
»Nach Indien!« Der Presi schoß auf. Hundert Gedanken kreuzten sich in
seinem Kopf, am vernehmlichsten der: »Endlich von einem Alpdruck
erlöst!«