Neunter Auftritt

Marwood. Was will die Schwärmerin?--O daß sie wahr red'te und ich mit

tötender Faust auf sie eindränge! Bis hieher hätte ich den Stahl

sparen sollen, ich Törichte! Welche Wollust, eine Nebenbuhlerin in

der freiwilligen Erniedrigung zu unsern Füßen durchbohren zu können!--

Was nun?--Ich bin entdeckt. Mellefont kann den Augenblick hier sein.

Soll ich ihn fliehen? Soll ich ihn erwarten? Ich will ihn erwarten,

aber nicht müßig. Vielleicht, daß ihn die glückliche List meines

Bedienten noch lange genug aufhält!--Ich sehe, ich werde gefürchtet.

Warum folge ich ihr also nicht? Warum versuche ich nicht noch das

letzte, das ich wider sie brauchen kann? Drohungen sind armselige

Waffen: doch die Verzweiflung verschmäht keine, so armselig sie sind.

Ein schreckhaftes Mädchen, das betäubt und mit zerrütteten Sinnen

schon vor meinem Namen flieht, kann leicht fürchterliche Worte für

fürchterliche Taten halten. Aber Mellefont?--Mellefont wird ihr

wieder Mut machen und sie über meine Drohungen spotten lehren. Er

wird? Vielleicht wird er auch nicht. Es wäre wenig in der Welt

unternommen worden, wenn man nur immer auf den Ausgang gesehen hätte.

Und bin ich auf den unglücklichsten nicht schon vorbereitet?--Der

Dolch war für andre, das Gift ist für mich!--Das Gift für mich! Schon

längst mit mir herumgetragen, wartet es hier, dem Herzen bereits nahe,

auf den traurigen Dienst; hier, wo ich in bessern Zeiten die

geschriebenen Schmeicheleien der Anbeter verbarg; für uns ein ebenso

gewisses, aber nur langsamres Gift.--Wenn es doch nur bestimmt wäre,

in meinen Adern nicht allein zu toben! Wenn es doch einem Ungetreuen--

Was halte ich mich mit Wünschen auf?--Fort! Ich muß weder mich noch

sie zu sich selbst kommen lassen. Der will sich nichts wagen, der

sich mit kaltem Blute wagen will. (Gehet ab.)

(Ende des vierten Aufzuges.)

Miss Sara Sampson · 第 86 / 111 题