Marwood (indem sie um sich herumsieht). Bin ich allein?--Kann ich
unbemerkt einmal Atem schöpfen und die Muskeln des Gesichts in ihre
natürliche Lage fahren lassen?--Ich muß geschwind einmal in allen
Mienen die wahre Marwood sein, um den Zwang der Verstellung wieder
aushalten zu können.--Wie hasse ich dich, niedrige Verstellung! Nicht,
weil ich die Aufrichtigkeit liebe, sondern weil du die armseligste
Zuflucht der ohnmächtigen Rachsucht bist. Gewiß würde ich mich zu dir
nicht herablassen, wenn mir ein Tyrann seine Gewalt oder der Himmel
seinen Blitz anvertrauen wollte.--Doch wann du mich nur zu meinem
Zwecke bringst!--Der Anfang verspricht es; und Mellefont scheinet noch
sichrer werden zu wollen. Wenn mir meine List gelingt, daß ich mit
seiner Sara allein sprechen kann: so--ja, so ist es doch noch sehr
ungewiß, ob es mir etwas helfen wird. Die Wahrheiten von dem
Mellefont werden ihr vielleicht nichts Neues sein; die Verleumdungen
wird sie vielleicht nicht glauben und die Drohungen vielleicht
verachten. Aber doch soll sie Wahrheit, Verleumdung und Drohungen von
mir hören. Es wäre schlecht, wenn sie in ihrem Gemüte ganz und gar
keinen Stachel zurückließen.--Still! sie kommen. Ich bin nun nicht
mehr Marwood; ich bin eine nichtswürdige Verstoßene, die durch kleine
Kunstgriffe die Schande von sich abzuwehren sucht; ein getretner Wurm,
der sich krümmet und dem, der ihn getreten hat, wenigstens die Ferse
gern verwunden möchte.