Sara (sie setzet sich zum Schreiben nieder). Wenn man mir es vor Jahr
und Tag gesagt hätte, daß ich auf einen solchen Brief würde antworten
müssen! Und unter solchen Umständen!--Ja, die Feder hab ich in der
Hand.--Weiß ich aber auch schon, was ich schreiben soll? Was ich
denke; was ich empfinde.--Und was denkt man denn, wenn sich in einem
Augenblicke tausend Gedanken durchkreuzen? Und was empfindet man denn,
wenn das Herz vor lauter Empfinden in einer tiefen Betäubung liegt?--
Ich muß doch schreiben--Ich führe ja die Feder nicht das erstemal.
Nachdem sie mir schon so manche kleine Dienste der Höflichkeit und
Freundschaft abstatten helfen, sollte mir ihre Hilfe wohl bei dem
wichtigsten Dienste entstehen?--(Sie denkt ein wenig nach und schreibt
darauf einige Zeilen.) Das soll der Anfang sein? Ein sehr frostiger
Anfang. Und werde ich denn bei seiner Liebe anfangen wollen? Ich muß
bei meinem Verbrechen anfangen. (Sie streicht aus und schreibt anders.)
Daß ich mich ja nicht zu obenhin davon ausdrücke!--Das Schämen kann
überall an seiner rechten Stelle sein, nur bei dem Bekenntnisse
unserer Fehler nicht. Ich darf mich nicht fürchten, in Übertreibungen
zu geraten, wenn ich auch schon die gräßlichsten Züge anwende.--Ach!
warum muß ich nun gestört werden?