6. Erik und der Bischof

Der Bischof von Skalholt hörte so viele Zaubergeschichten von Pfarrer

Erik, daß es ihm schließlich zu bunt wurde und er sich entschloß, ihn

abzusetzen. Eines Winters sandte er deshalb achtzehn Schüler zu Erik,

die ihm den Rock ausziehen sollten. Als eines Tages schönes Wetter war,

zogen sie davon, und nun sollten große Dinge geschehen.

Eines Morgens war Pfarrer Erik sehr früh aufgestanden und vor das

Haus gegangen; als er wieder hineinkam, seufzte und stöhnte er. Er

verbot seinen Knechten, das Vieh heute aus dem Stall zu lassen; denn

das Wetter gefiele ihm nicht; und sie versprachen zu tun, was er

wollte. Bald darauf zog ein entsetzliches Unwetter auf, mit Sturm

und Schneetreiben, so daß man kaum auf den Füßen stehen oder aus der

Tür gehen konnte. Nach dem Mittag wurde an die Tür geklopft, und das

war einer von den Schülern, der ankam. Sie waren im Schneetreiben

auseinander gekommen, erreichten aber alle Vogsosar, wenn auch jeder

einzeln, und so verging der ganze Tag bis zum Abend, ehe sie wieder

zusammen waren. Erik nahm sie freundlich auf und erwies ihnen alles

erdenkliche Gute, und unversehens liebten sie ihn so, daß sie sich

nicht entschließen konnten, den Auftrag des Bischofs auszuführen, ihm

den Rock auszuziehen, und sie zogen daher unverrichteter Sache wieder

nach Hause. Sie erzählten dem Bischof, wie sich alles zugetragen

hätte, er aber war sehr wenig zufrieden damit und sagte, daß er selber

Erik besuchen und sehen wolle, ob er seine Absicht ebenso schlecht

ausführen würde. So verstrich der Winter, und es ging auf den Sommer.

Da brach der Bischof auf, und viele Schüler begleiteten ihn. Er kam

nach Vogsosar und schlug sein Zelt außerhalb der Umzäunung auf. Es war

ein Wochentag, und der Bischof entschloß sich, den Sonntag abzuwarten,

um dem Pfarrer den Rock auszuziehen. Er bat seine Leute, sich zu hüten,

irgendein Geschenk von Erik anzunehmen. Er ging dann auf den Hof und

ließ den Pfarrer holen. Erik empfing den Bischof mit großer Freude

und war außerordentlich fröhlich. Der Bischof wünschte die Kirche

zu besichtigen. Erik zeigte sie ihm, und der Bischof bewunderte die

gute Ordnung, in der er alles fand. Während sich aber der Bischof in

der Kirche aufhielt, kam einer seiner Schüler, um Feuer zu holen,

und traf Erik an. Der Pfarrer begrüßte ihn freundlich und holte eine

Weinflasche, die er bei sich trug, hervor, und bot ihm einen Schluck

an. Der Schüler aber wollte nicht trinken, denn der Bischof, sagte er,

hätte ihm das streng verboten. Da nötigte ihn Erik noch eifriger zu

trinken und sagte, das könne er ruhig tun. Er gab dann nach und nahm

einen Schluck aus der Flasche. Da schien es dem Schüler, als hätte

er nie zuvor einen so feurigen Wein gekostet, und er bat den Pfarrer

um die Flasche, um den Bischof mit dem köstlichen Wein erquicken zu

können. Erik war bereit, sie ihm zu geben. Der Schüler kehrte wieder

in das Zelt zurück. Beim Mittagstisch goß der Schüler von dem Wein in

das Glas des Bischofs, ohne zu erwähnen, woher er den herrlichen Trank

hatte. Der Bischof leerte das Glas, und der Wein schmeckte ihm sehr,

und während er trank, wandelten sich seine Gedanken über Erik. Nach der

Mahlzeit ging er nach Hause zu ihm und blieb eine Woche bei ihm und

lebte wie ein Prinz in einem Bäckerladen.

Dann zog er heimwärts, und es wurde nichts daraus, daß Erik seinen

Priesterrock verlor.

Isländische Märchen und Volkssagen · 第 124 / 145 题