5. Erik und das alte Weib

Pfarrer Erik wollte einmal ostwärts über den Thjorsbach reiten. Auf dem

Ritt kam er nach Oerebakke und wollte dort in den Kramladen gehen, um

ein bißchen in seine Flasche gießen zu lassen (er nahm nämlich ganz

gern einen Schluck). Als er in den Laden hineinging, sah er zwei alte

Weiber draußen sitzen. Das eine Weib fragte, wer denn da ginge, worauf

das andere antwortete: »Kennst du denn nicht den Grauen von Vogsosar?

Er ist doch leicht zu erkennen.« Dann hörte ihr Gespräch auf. Erik aber

setzte seinen Ritt fort.

Als er an den Hraunsbach gekommen war, sah sein Begleiter ein altes

Weib hinter ihnen herlaufen und bat den Pfarrer, ein bißchen zu warten.

Dieser aber sagte, dazu sei seine Zeit zu knapp, und sie ritten

ziemlich rasch weiter, bis sie nach Sandholar, der Fährstelle am

Thjorsbach, kamen, wo sie von den Pferden stiegen. Da kam die Alte, die

noch rannte, nachdem sie sie von Oerebakke an verfolgt hatte, halbtot

vor Müdigkeit und Mattigkeit, und ihrer ganzen Oberkleidung entledigt.

Da wandte sich Erik zu der Alten und sagte: »Kehre nun wieder um, meine

Liebe, nun hast du den Grauen von Vogsosar gesehen; unterlaß es aber in

Zukunft, anständige Leute zu verhöhnen.«

Da kehrte die Alte um; der Pfarrer aber sagte zu seinem Begleiter, daß

er das Weib habe hinter ihnen herlaufen lassen, um ihr abzugewöhnen,

Schimpfnamen zu gebrauchen und anständige Leute zu verhöhnen.

Isländische Märchen und Volkssagen · 第 123 / 145 题