9. Wie Saemund der Weise seinem Stallknecht das Fluchen abgewöhnte

Einmal diente bei Saemund dem Weisen ein Stallknecht, der schlimm aufs

Fluchen war, und oft rügte ihn der Pfarrer deswegen. Er sagte dem

Stallknecht, daß der Teufel und seine Teufelchen von den Flüchen und

bösen Worten der Menschen lebten. »Ich würde wahrhaftig nie mehr ein

böses Wort sagen,« sagte der Stallknecht, »wenn ich wüßte, daß der

Teufel dadurch hungern muß.«

»Ich werde ja bald erfahren, ob du es ernst meinst oder nicht,«

erwiderte Saemund.

Er setzte nun ein kleines Teufelchen in den Stall. Dem Stallknecht aber

gefiel der Gast nicht; denn das Teufelchen tat alles, um ihn zu necken

und zu ärgern, und der Stallknecht hatte seine liebe Not, sich des

Fluchens zu enthalten. Jedoch gelang es ihm eine Zeitlang, und er sah

bald, daß das Teufelchen mit jedem Tag magerer wurde; er freute sich

köstlich, als er das merkte und fluchte jetzt nie mehr.

Als er eines Morgens in den Stall kam, fand er alles kurz und klein

geschlagen und sämtliche Kühe, deren eine große Menge da war, mit

den Schwänzen zusammengebunden. Da wandte sich der Stallknecht an

das Teufelchen, das so erbärmlich und elend in seinem Stand lag und

überschüttete es unter den furchtbarsten Schimpfworten und greulichsten

Flüchen mit seinem Zorn. Zu seinem großen Kummer und Arger mußte er

dann mitansehen, wie der Kleine wieder auflebte und plötzlich so rund

wurde, daß nicht viel gefehlt hätte, bis er ganz feist geworden wäre.

Da wurde der Stallknecht wieder ruhig und hörte mit seinem Fluchen auf.

Er sah nun, daß Pfarrer Saemund die Wahrheit gesprochen hatte, legte

das Fluchen ab und sprach seitdem kein böses Wort. Das Teufelchen, das

von seinen schlechten Redensarten leben sollte, ist denn auch schon

längst tot und verschollen.

Und es wäre wohl für dich und mich am besten, wenn wir es ebenso

machten wie der Stallknecht.

Isländische Märchen und Volkssagen · 第 107 / 145 题