7. Die Teufelsflöte

Saemund der Weise hatte eine Flöte, die die Eigenschaft hatte, daß,

wenn man darauf blies, ein oder mehrere Kleinteufelchen zu dem

Flötenspieler kamen und fragten, was sie tun sollten.

Einmal hatte Saemund die Flöte in seinem Bett unter dem Kopfkissen

liegen lassen, wo er sie nachts zu verstecken pflegte. Abends gebot er

der Magd, sein Bett zu machen, wie sonst, warnte sie aber, wenn sie

etwas Außergewöhnliches im Bett fände, es anzufassen, sie solle es

liegen lassen, wo es läge.

Die Magd begann das Bett zu machen, kaum aber entdeckte sie die Flöte,

als die Neugierde sie zu kitzeln begann. Sie nahm sie gleich in die

Hand, besah sie sich von allen Seiten, und schließlich blies sie

darauf. Da kam ein Teufelchen zu ihr und fragte sie: »Was soll ich

tun?« Das Mädchen erschrak, ließ sich aber nichts anmerken.

Es traf sich, daß gerade an diesem Tage zehn von Pfarrer Saemunds

Schafen geschlachtet worden waren und sämtliche Felle vor der Tür

lagen. Da gebot die Magd dem Teufelchen hinauszugehen und alle Haare

an den Fellen zu zählen, und wenn es damit fertig geworden wäre, ehe

sie das Bett gemacht hätte, wollte sie sein werden. Das Teufelchen ging

sofort hinaus und begann eifrig zu zählen, und die Magd beeilte sich,

das Bett zu machen. Als sie damit fertig war, hatte das Teufelchen noch

ein Fell zu zählen, und es kam um den Lohn.

Saemund fragte nachher die Magd, ob sie denn nichts im Bett gefunden

hätte. Da erzählte sie ihm alles, wie es war, Saemund aber gefiel ihre

Geistesgegenwart.

Isländische Märchen und Volkssagen · 第 105 / 145 题