Einmal fragte Pfarrer Saemund den Teufel, wie klein er sich machen
könne. Der Teufel antwortete, daß er sich so klein wie eine Mücke
machen könne. Da holte Saemund einen Bohrer und bohrte ein Loch in
einen Balken, worauf er dem Teufel gebot, dahineinzukriechen. Der
Teufel brauchte nicht viel Zeit, um hineinzufliegen; kaum aber war er
glücklich drin, als Saemund einen Pfropfen in das Loch steckte, und wie
sehr nun auch der Teufel jammerte und schrie und bettelte, Saemund nahm
den Pfropfen doch nicht aus dem Loch, ehe der Teufel ihm versprochen
hatte, immer zu tun, was er je von ihm verlangen würde.
Das war die Ursache, daß Saemund den Teufel stets dazu bringen konnte
auszuführen, was es auch sein mochte.
6. Wie Saemund den Teufel in Verlegenheit brachte, als er sich in eine
Fliege verwandelt hatte
Der Teufel sah Saemund den Weisen stets scheel an, weil es ihn ärgerte,
daß er in allem, was sie miteinander zu tun hatten, immer den Kürzeren
zog. Deshalb versuchte er, sich auf jede Weise an dem Pfarrer zu
rächen, obgleich es ihm nicht gelingen wollte.
Einmal verwandelte er sich in eine ganz kleine Fliege und versteckte
sich unter der Sahne auf der Milch in des Pfarrers Eßnapf, um auf diese
Weise in ihn hineinzukommen und ihn zu töten. Als nun der Pfarrer den
Eßnapf in die Hand nahm, entdeckte er die Fliege sofort; er wickelte
deshalb erst die Sahne von der Milch um sie herum, zog die Blase von
einem neugeborenen Kalb darüber und legte dann das Päckchen auf den
Altar. Der Teufel mußte es sich nun gefallen lassen, darin zu hocken,
während der Pfarrer die Messe las. Als sie vorbei war, machte Saemund
das Päckchen auf und ließ den Teufel entschlüpfen.
Es wird aber versichert, daß der Teufel es für die schlimmste Klemme
hielt, in die er je geraten war, daß er auf dem Altar liegen mußte,
während Pfarrer Saemund die Messe las.