5. Wie Saemund den Teufel in seinen Dienst nahm

Einmal fragte Pfarrer Saemund den Teufel, wie klein er sich machen

könne. Der Teufel antwortete, daß er sich so klein wie eine Mücke

machen könne. Da holte Saemund einen Bohrer und bohrte ein Loch in

einen Balken, worauf er dem Teufel gebot, dahineinzukriechen. Der

Teufel brauchte nicht viel Zeit, um hineinzufliegen; kaum aber war er

glücklich drin, als Saemund einen Pfropfen in das Loch steckte, und wie

sehr nun auch der Teufel jammerte und schrie und bettelte, Saemund nahm

den Pfropfen doch nicht aus dem Loch, ehe der Teufel ihm versprochen

hatte, immer zu tun, was er je von ihm verlangen würde.

Das war die Ursache, daß Saemund den Teufel stets dazu bringen konnte

auszuführen, was es auch sein mochte.

6. Wie Saemund den Teufel in Verlegenheit brachte, als er sich in eine

Fliege verwandelt hatte

Der Teufel sah Saemund den Weisen stets scheel an, weil es ihn ärgerte,

daß er in allem, was sie miteinander zu tun hatten, immer den Kürzeren

zog. Deshalb versuchte er, sich auf jede Weise an dem Pfarrer zu

rächen, obgleich es ihm nicht gelingen wollte.

Einmal verwandelte er sich in eine ganz kleine Fliege und versteckte

sich unter der Sahne auf der Milch in des Pfarrers Eßnapf, um auf diese

Weise in ihn hineinzukommen und ihn zu töten. Als nun der Pfarrer den

Eßnapf in die Hand nahm, entdeckte er die Fliege sofort; er wickelte

deshalb erst die Sahne von der Milch um sie herum, zog die Blase von

einem neugeborenen Kalb darüber und legte dann das Päckchen auf den

Altar. Der Teufel mußte es sich nun gefallen lassen, darin zu hocken,

während der Pfarrer die Messe las. Als sie vorbei war, machte Saemund

das Päckchen auf und ließ den Teufel entschlüpfen.

Es wird aber versichert, daß der Teufel es für die schlimmste Klemme

hielt, in die er je geraten war, daß er auf dem Altar liegen mußte,

während Pfarrer Saemund die Messe las.

Isländische Märchen und Volkssagen · 第 104 / 145 题