Er hielt sie an und fragte: »Wer war es, der mich losließ?«

»Die Tochter Yousouf Bassas . . .« sagten sie. -- -- -- -- -- -- -- -- Er

wartete, bis sie verschwunden waren. Dann hielt er die Hand so, daß sie den

ganzen Horizont, aus dem er kam, bedeckte.

Hiermit und so war er fertig mit ihm.

Durch die Hand sah er sein Blut. »Juana . . . ja . . . mein Blut -- --

unser Blut --« schrie er und stachelte den Hengst mit dem Dolch.

Moos spann sich grau über die Wüste. Kranichzüge rauschten über ihm. Endlos

blendeten die weißen Kaktusfelder in der Ferne.

Ein Tuareg begegnete ihm.

Sie ritten scharf aneinander vorbei. Ihre Augen hielten sich so fest, daß

ihre Hände sich nicht rührten.

Endlich: Bäume . . . Bäume! Eine Allee. Orangenallee . . . Er fiel vom

Pferde, umarmte es, tanzte und küßte die dampfenden Flanken des Tiers. Am

nächsten Tag fand er die Galeeren. Am gleichen Mittag rannte eine

Patrouille von ihm zu Yousouf und bat ihn um eine offene Schlacht. Der

Bassa schlug ein und bezeichnete den Platz.

Sie stachen sofort los. Las Casas kam in Streit mit den Offizieren. Er

trieb die größte Eile an, weil er vor dem Bassa an der Kampfstelle sein

wollte. Denn er mußte auf jeden Fall die Stellung an der Küste haben, damit

er den Feind gegen das offene Meer hatte und so Flucht eine Unmöglichkeit

sei und auf diese oder jene Form dieser Kampf ein Ende sei. Die Offiziere

wollten erst Wasser aufnehmen in einem Hafen, der nahe lag. Doch Las Casas

sagte, daß sie nach der Schlacht Wasser genug haben würden hier oder da,

und er wies auf das Meer und in die Richtung des Hafens; da schwiegen sie,

denn er lächelte dabei.

Die Sklaven hatten ausgehöhlte Gesichter und knirschten, als die raschen

Takte des Vorsängers ihre Muskeln zu angespannten Zügen zwangen.

Las Casas ließ sie schlagen und stand auf dem Vorderdeck, unbeweglich, den

Blick auf das Meer ausgestreckt. Die Ruder hieben in kurzen Intervallen in

das ruhige Wasser.

Er spreizte die Arme aus, und sie schienen ihm wie zwei Segel, die ihn nach

der endlichen Tat hin aufbauschten und trieben. An Juana dachte er wenig

und kaum. Nur dies eine erfüllte ihn. Ein Lächeln, fast spöttisch,

kräuselte seinen Mund. Er schüttelte den Gedanken an sie unwillig ab. Stolz

durchfuhr ihn stürmisch und sengte seine Augen.

Er drehte sich und es war ihm, daß einige Bänke die Ruder weniger tief

streckten und so den Lauf hemmten, und er ließ auf einer erhöhten Bühne

mitten auf dem Steg zwischen den Bänken mit Sklaven zwei Neger hinrichten.

Die nächsten schauten bleich zu. In den zerrissenen Gesichtern stand Wut.

»Wasser . . . !« brüllte ein langer Portugiese und drohte. Las Casas

lächelte ruhig und sehr gefaßt und ließ ihm das Halsblut der Neger reichen.

Er fühlte einen starken Sturm in sich, der ihn hob, schwellte und maßlos

mit sich selbst erfüllte, daß sein Wollen ins Ungeheuerste gesteigert und

seine endlos beschwingten Gefühle über alle Schicksale hinausstiegen und

der Tod ihm nur ein geringschätziges Spiel (wie mit Masken) erschien.

Am Abend stellten sie sich auf für den folgenden Tag.

Früh riß die Sonne den Himmel tiefrot auf und färbte das Wasser so. Und als

bedrücke das Ungeheuere der Front vor ihm etwas in seiner Seele, horchte er

in sich hinein und fand wie ein Pizzicato in der Ruhe seines höchsten

Geschwelltseins den Gedanken an Juana und riß ihn heraus und maß ihn mit

den letzten Erlebnissen und der Idee seiner Tat. Die Kartaunen des

Vorderdecks lösten sich schon. Die türkischen Caramuzzals umsprühten die

Galeeren mit glühenden Kugeln. Eine zischte zwischen die Ruderer und

verbrannte sie. Es roch nach versengtem Fleisch. Die nächsten heulten auf

und ließen die Ruder.

Da ließ Las Casas die Hörner blasen.

Auf den anderen Schiffen antworteten sie. Eine Schlinge fiel vom Hauptmast.

Sie legte sich um den Kopf des Portugiesen und zog ihn hoch und schwang

ihn, der sich verrenkte und mit den Armen, die Hände zu Fäusten gekrallt

und die Zeigefinger nur erhoben, die Luft schlug, in weitem Bogen über das

Schiff.

Pfiffe rasten über die Decke. Alle Ruder hoben sich und schäumten auf die

Caramuzzals ein.

Las Casas zwang nun den Gedanken an Juana ganz aus sich. Nur die Tat sollte

sein. Er stand auf der Poppa und suchte die größte Caramuzzal. Eine Flagge

deckte sie: Rot mit sieben schwarzen Monden.

Die sechs Mündungen: Novellen · 第 32 / 39 题