Endlich: Yousouf! --

Das Wasser spritzte karminenen Schaum, so war es von der Sonne durchtränkt.

Las Casas suchte hier in der ungeheuersten Erhebung, in der durchbebtesten

Ekstase seines Lebens den Gedanken an Juana zu töten. Eine wahnsinnige

Freude durchschwang ihn. Er hatte den Dolch durch den Mund gezogen. Seine

Hände hielten kalt und verkrampft das Steuer. Alle Kanonen entluden sich

und schrien gegeneinander.

Ein junger Offizier vor ihm drehte sich um und brüllte etwas mit

leuchtenden Augen zurück, was das Getöse verschluckte. Las Casas sah ihn

an. Und als hätten die nicht gehörten Worte etwas gelockert, als hätten sie

ihn das gefragt, um was er rang, brüllte er dem Jungen zu (der ihn nicht

verstehen konnte) die Arme um das Rad, mit Lippen, die sich zerrissen an

dem Dolch im Mund:

»O alles . . . hätte ich auf den Bauch geschmissen Dreck gefressen, drei

Monate oder vier . . . wären meine Gedärme zerfetzt daran . . . hätte ich

den Bart säubern müssen des Bassa jeden Tag von Eiern und Speisen und

schlechten Küssen, wäre ich stinkend geworden und nach Übelem riechend und

hätte ich keine Zähne mehr im Mund und wäre ich gewesen wochenlang beschämt

bei alten Weibern, die hängende Brüste hatten und Riemen von Adern aus den

Gliedern quellend . . . o, alles nichts, klein, sehr klein, -- -- -- kein

Lachen . . . keinen Wink wert ist es, ist die Schmach gegen diesen Moment,

gegen dieses Steigen -- -- -- und was Juana ist -- -- -- was ihr Andenken

ist . . . es wiegt nicht so viel, daß ich es nur so sage, nicht einmal mein

Brüllen ist es wert . . .« -- -- --

Nun hatte Las Casas Ruhe für seine Tat.

Seine Lippen zuckten zerrissen.

Ehrgeiz füllte seine Augen, daß sie grün blitzten.

Die Offiziere standen um ihn.

Blut rann über sein Gesicht.

Mit einem scharfen Ruck warf er das Steuer nach rechts. Geknarr und

Erschütterung knirschte auf. Die Galeere lag nun neben der Caramuzzal

Yousoufs, deren Geländer sie weggerissen hatte. Dunkle Massen strömten

hinüber.

Mit einem Lächeln (dies war sein Tag), ganz ruhig stand Las Casas auf der

Poppa. Sein Gesicht war hell und stet wie eine Fahne.

Aber dann: -- -- als er hinübersprang und sah, wie Bassa Yousouf mit vielen

Kugeln durch den Bauch geschossen erledigt war und sie ihn aufhoben und

vorbeitrugen dicht an ihm . . . kniete er, wo er stand, nieder, warf sich

auf den ersten Toten, der aus der Brust blutete, küßte die Brust -- -- --

und stammelte: »Juana«. Stammelte: »Juana«. Nichts weiter. Nur dies.

Sie legten den Toten auf die Poppa. Las Casas betrachtete ihn genau. Er sah

seiner Tochter ähnlich . . . die Wolke über der Stirn . . . die Braue und

der Nasenflügel . . . Las Casas erstaunte über die Leiche. Er wußte nichts

damit anzufangen. Er roch die Nelken im Garten von Cartagena. Jonquillen,

fiel ihm ein, waren auch dabei. Er fuhr mit den Fingern in die Wunden des

Bassa und untersuchte sie.

Dann zuckte er die Achseln und trat zurück.

Der junge Offizier kam und küßte ihm die Hand.

Die Kommandeure der beiden anderen Galeeren traten auf ihn zu: Sie seien

stolz . . . unter ihm . . . dieser Sieg -- -- --

Nun begriff er wieder: So, ja, Yousouf Bassa . . . Er strich die Stirn: Ja.

Er lag da. Auf der Poppa . . . tot? . . . Tot!

Stolz hob seine Schultern. Freude überflammte ihn. Es war die erste Tat im

Reich. Gewiß. Er hob die Hand. Sie bliesen: Benedito sea Dios.

Die Sonne ward schon gelb und stieg.

Dann sprang er zurück auf dem Hinterdeck und gab das Signal zur Abfahrt.

Ein Schrei der Wut peitschte über das Verdeck.

Offiziere hoben die Hände, bestürmten ihn: »Teilung der Beute . . . Ruhe

. . . Soldaten . . . die Sklaven seien ausgelaugt.«

Die sechs Mündungen: Novellen · 第 33 / 39 题