Sie schnellte auf: »Nein -- -- -- morgen!«

Dann schloß sie den allzu heftigen Verrat der Augen mit den Lidern und

meinte, als ob sie nun erst in Besinnung und klug spräche, lächelnd und

ruhig: »Wie könnten Sie das möglich machen, Marques? Sie waren gestern noch

beklagt, weil Sie des Königs Gaben verschleuderten und portugiesische

Kaufleute abstechen ließen. Sie erhalten heute den Auftrag, den Räuber zu

jagen, nach dem jedes Herz lechzt. Und da wollen Sie dazu auch schon

gerüstet sein?«

»Ich habe drei Schiffe.«

Sie verriet sich wieder und gab ihre Augen preis, indem sie nach ihm

blickte. Seine Hände zitterten, und die Lippen verzerrten sich vor Stolz:

»Ich habe dem König bedeutet, daß ich die Dörfer nur verkauft habe, um Geld

zu bekommen für diese Expedition. Doch sein Gesicht blieb kalt. Ich sagte

ihm, daß ich es getan hätte, obwohl ich wußte, daß seine Ungnade darauf

folge, weil er es nicht liebe, daß seine Geschenke sich zersplitterten und

so fortfliegen und so . . . daß ich es aber getan hätte, weil mein Wunsch,

ihm durch die Expedition zu nützen, heftiger gewesen als die Scheu vor

seinem Zorn.

Darauf nahm der König sein Lieblingswiesel und setzte es am Fenster in die

Sonne und spielte und sprach mit ihm.

Es war mir einen Augenblick, als ob ich nicht in dem Raume sei -- -- so

sehr nahm diese Bewegung den Glauben an die eigene Wirklichkeit.

Dann aber ward ich zornig, Juana, und da mir Tränen in das Gesicht

schwammen, drehte ich mich um und schrie das entsetzliche Bild seines

Großvaters, das mich reizte und nicht hilflos machte wie seine Ruhe, mit

heftigen Worten an, als ob er es sei.

Sire, rief ich, es ist schade um die Seelen der beiden Kaufleute aus

Lissabon, um die ich beklagt bin. Denn ich ließ sie nur töten, um angeklagt

zu werden und so unter Eure Augen zu kommen, was ich anders nicht konnte,

da Ihr zornig auf mich wart der Dörfer wegen. Denn meine Petitionen werden

nicht gelesen. Es ist schade, denn mein Wort scheint leer wie ein

geschriebenes zu sein.

Der König sagte: Und wenn ich es nicht erlaube . . . -- Ich sagte: Dann tue

ich es auf die Möglichkeit hin, daß Sie mich als Briganten erklären. Ich

fange Yousouf . . . auch dann und -- gegen Sie, Sire.

Er sah mich an, zum erstenmal, und lächelte: Auch dazu hätten Sie mein Geld

zum Equipieren nötig. Ihre unbedachte Ehrlichkeit nimmt Ihnen selbst das.

Ich sagte ihm, daß ich das Geld für die Dörfer hätte, aber da er wußte, wie

gering es war, lächelte er wieder.

Da zwang mich das Weh meiner Lippen -- und es schrie in meiner Brust wie

ein Degen im Gefecht -- daß ich ihm meinen Hals hinwies und ihm zurief, daß

ich wisse, daß er nach seinem Gesetz verfallen sei, aber daß ich es ihm

doch sage: Daß ich drei Schiffe hätte, ausgerüstet im spanischen Viertel

von Brügge, gebaut in Barcelona, Santa Maria, Coruña . . . daß ich die

letzten Kredite auf meinen Namen genommen, die Kerker der Dominikaner nach

Sklaven geplündert, daß ich den Albaycin in Granada nächtelang durchsucht

und aus den Schenken und verschrienen Gassen alles herausgerissen, was in

meine Fäuste fiel und kräftig war . . . Zuhälter, arabische Matrosen, drei

hünenhafte Priester . . . und daß ich fahren würde die Nacht -- so oder so.

Da lächelte er wieder und sagte: Ich werde Sie verhaften.

Ich könnte Sie töten, Sire, rief ich; Juana, mein Kopf brannte, aber ich

zerbrach den Degen nur und warf ihn gegen die Wand.

Ah, sagte der König und ließ das Tier und zweifelte: Haben Sie Mut . . .

Da nahm ich das Wiesel und zerdrückte es in der Hand, langsam . . . während

das Furchtbare des königlichen Zornes mir entgegenquoll.

Ich ließ das Tier fallen. Aber des Königs Arme kamen über seine Wut auf

mich zu und drückten die meinen, und er zerriß das Diplom, das auf den

Grafen von Oropesa, Luis Quijada, gezeichnet war, und ließ die Fetzen durch

das Fenster fliegen und klebte sein Siegel auf meines -- -- --«

»Sie machen mich stolz auf Sie, Marques!« Juana warf sich zurück und gab

ihre feuchten Blicke frei, die auf seinem trotzigen Körper weideten und in

dem Erglühen seines Gesichts wie zwischen jungen und heftig aufgebrochenen

Rosen spielten.

Die sechs Mündungen: Novellen · 第 26 / 39 题