Der Marquis de Langle

Die Herren standen in dem Vorsaal und klirrten leis mit den Degen. Ihre

Gespräche liefen verhalten und erwartungsvoll.

Dann flogen die Flügeltüren auf und Las Casas trat aus dem Kabinett. Sie

sahen sofort sein Gesicht, das beherrscht in der Rampe stand und dann an

ihnen vorbeischritt. Sie sahen Stolz darin und verbeugten sich. Einer ging

auf ihn zu und sagte ein paar Worte. Man sah nur seinen gekrümmten Rücken.

Der andere dankte mit der Höflichkeit einer wahnsinnigen Verachtung und

ging weiter.

Im folgenden Saal standen größere Gruppen. Er mußte wie durch eine Gasse

gehen. Alle grüßten ihn tief. Las Casas dankte herablassend, denn es war

niederer Adel.

Darauf glitt er durch eine Flucht von Räumen, die in Röte brannten von

Decken und Möbeln und in denen auf beiden Seiten verwischte Bilder von ihm

über die Spiegel fuhren und Hellebardiere standen, die den König zum Bad

begleiteten . . . und wo sonst nichts war als das einsame Hallen seines

Schrittes.

Und dann löste sich aus einer Nische ein junger Mann und ging auf ihn zu

mit einer sicheren und allgemeinen Haltung.

»Sie haben . . .?« fragte er.

»Ich habe . . . Luis Quijada . . .«, sagte Las Casas und riß die

Papierrolle auf, die seine linke Hand trug. Der junge Mann zuckte leis und

verbeugte sich kalt und so unwillkürlich, wie wenn er auf einem Schiff

stünde. Er hatte blonde auffallende Haare.

»Ich werde«, sagte er fest und beiläufig, »dann eigene Segler ausrüsten --

-- -- auf jede Gefahr.«

Er zeigte durch das Fenster nach dem Meer. Der Abend hatte das Glas

dunkel-silbern gemacht, und sein Kopf schwamm schwer wie auf Pergament

gemalt in der Füllung.

Las Casas lächelte leis, und seine Stimme bebte ein wenig in

Geringschätzung, indem er erhabenen Erfolg wünschte und die Treppen

hinunterstieg, aus denen die Dämmerung ihm entgegenschwoll.

Er eilte nach einem Palast, der in zwei Gärten lag, und ließ sich nieder

und wartete, bis man ihn gemeldet hatte. Darauf erhob er sich. Es war

kühler geworden.

Ein Stern blinkte über der Mauer.

Die Zofe ging vor ihm über den bläulichen Kies. Sie kamen über ein Boskett,

und dann blieb sie stehen und öffnete eine Tür.

Las Casas trat aus dem Garten in einen Pavillon und schritt durch ein

Boudoir in ein helles Zimmer, in dessen Mitte das Bett stand. Ein weißer

Arm streckte sich ihm entgegen, von dem ein weiter Ärmel zurückfiel. Er

stürzte darauf und küßte ihn. Er fiel auf die Knie und legte seinen Kopf

neben den der Frau und seine Wangen brannten nach ihren hinüber und machten

sie rot, obwohl sie sich nicht berührten.

»Sie haben die Erlaubnis . . .?«

»Ich habe sie . . .« und seine Hände fuhren nach ihren Hüften und zuckten

rasch zurück. »Ich fahre heute nacht . . .«

Die sechs Mündungen: Novellen · 第 25 / 39 题