Er öffnete die Brust. Sie stampfte mit dem Fuß: »Es ist mir gleich.«

Jehan sagte ruhig: »Nein.« Sie hielt ihn am Arm: »Ich will auch aussätzig

sein. Was geht es dich an?« Jehan wandte sich von ihr. Sie trat schäumend

in den Weg:

»Du, der du mich küßtest . . . dort . . . das erstemal . . . schliefst du

in meinem Bett Nacht auf Nacht . . . Weißt du, daß du mich hießest: Falke

. . .«

Jehan wußte es noch. Er sagte: »Ja« und nickte. »Silberne Drossel . . .«

sagte er.

Aber sie -- (die nicht begriff) wie alles in ihm getötet sei und daß alles

Weibliche in allen Beziehungen zu tief für ihn liege und kaum die äußersten

Ränder seines Horizonts noch streife, da sein Geist schon ganz eingerichtet

war auf den neuen Sinn seines Lebens, der ihr entrückt auf einem fremden

Schwerpunkt lag) -- warf sich auf seine Füße und weinte, daß er sie

mitnehme. Doch er befahl ihr zurückzugehen. Sie wälzte sich und tat es

nicht. Da schrie er sie an: »Sklavin!« und als sie erstarrt sich aufreckte:

»Sklavin um zweitausend Denare.«

Sie klammerte sich an ihn.

Da stieß er sie zurück und schlug sie.

Er zog weiter. Beautrix lag hinter ihm, ein großes Stück helles Fleisch,

durchrast und geschwellt von maßlosem Schmerz, auf der staubigen besonnten

Straße. Wie waren die Blumen farbig auf den Wiesen! Wie legte der Morgen

sich licht um die Welt!

Jehan schritt die Ebene hinunter. Er begegnete Wallfahrern, die in Jericho

Zweige gepflückt hatten. Die Palmiers sangen: Oltree, Dieus, aie! Er ging

auf die Seite, verbeugte sich.

Einmal noch mußte er wenden. Der weiße Hühnerhund lief ihm nach. Er trug

ihn in den Graben und tötete ihn.

Und setzte den Weg fort. Jehan Bodel, Sire d'Arras, trug das dunkelrote

Gewand mit der Bordüre aus Pelz. Er trug den Turban aus Pelz. Seine Füße

gingen in grünen Schuhen.

So schritt er hinunter. Dann bewegten sich seine Lippen. Er sann. Sang ein

Lied, das er wo gehört hatte. Es kam ihm wie durch einen Spalt: Von einem

Freund . . . An einem Kamin in der Bretagne . . . Gasse Brullè? -- -- --

Er wußte es nicht mehr. Seine Gedanken waren davon abgeschwommen. Er

verstand den Sinn der Worte nicht, die sein Mund hinauswarf, laut. Es war

ein Liebeslied. Er sah auf seine Hände, die in Blut trieften:

Hé blanche, clere et vermeille,

De vos sont tuit mi desir;

Car faites en tel merveille

Droiture et raison faillir.

Quant je vos vueill a amie,

Droiz nel poroit otriier;

Se vostre grant cortoise,

De gentil dousor garnie,

Ne me deigne conseillier;

Mar vos oi tant prisier.

Seine Haltung war stark und königlich.

Mit einer ungeheuer schlichten Gebärde ging er auf den Wald zu, der ihm

entgegenkam.

Die sechs Mündungen: Novellen · 第 17 / 39 题