dichter, _Jacob I_, Verfasser des »King's Quhair«[196] (king's quire,
king's book), eines allegorischen gedichtes in zehnsylbigen jambischen
versen und siebenzeiligen strophen, dessen gegenstand die liebe des in
englischer gefangenschaft schmachtenden königs zur Lady Joanna (Jane)
Beaufort ist, seiner späteren gattin, welche er von dem fenster seines
in dem runden thurme des schlosses zu Windsor befindlichen gefängnisses
in dem darunter liegenden garten zum ersten male gesehen haben soll. Das
gedicht ist aller wahrscheinlichkeit nach während des königs aufenthalt
in England vor seiner heirath, welche im jahre 1424, einige monate vor
seiner rückkehr nach Schottland stattfand, geschrieben worden. Dass
Jacob I, welcher seit seinem 11. jahre neunzehn jahre in England gelebt
hatte, trotz seiner schottischen aussprache einiger worte dem wesen nach
vielmehr ein englischer, als ein schottischer dichter genannt zu werden
verdient, dürfte besonders daraus hervorgehen, dass er Chaucer und Gower
seine Vorbilder und meister nennt:
--maisters dear
Gower and Chaucer, that on the steppes sate
Of rhetorick while thay were livand here,
Superlative as poets laureate,
Of morality and eloquence ornate.
[Footnote 196: Das King's Quhair ward zum ersten male nach dem
einzigen vorhandenen manuscript (aus Selden's sammlung in der
Bodleyana zu Oxford) von W. Tytler, Edinburgh, 1783 herausgegeben.
Seit dieser zeit ist es mehrere male, auch in The Poetic Remains
of some of the Scotish kings, now first collected by George
Chalmers 8. London, 1824 gedruckt worden. Proben mit veränderter
orthographie in Ellis's Specimens vol. I. s. 305-309, Craik's
Sketches vol. II. s. 189-191, Chamber's Encyclopaedia vol. I.
s. 37.]
Jacob I. ist in der that einer der frühesten und glücklichsten nachahmer
Chaucer's. Während seiner regierung Schottland's bis zum jahre 1437, wo
er ermordet wurde, soll Jacob in mehreren humoristischen gedichten
ländliche scenen beschrieben haben; jedoch können diese gedichte nicht
mit sicherheit auf ihn zurückgeführt werden: »Peebles to the Play« und
»Christ's kirk o' the Green,« welche man diesem dichter zuschreibt,
mögen vielmehr von seinem eben so begabten und ebenso unglücklichen
nachkommen Jacob V. (1513 zu Flodden erschlagen) herrühren. Zwei andere
berühmte komische balladen »The Gaberlunzie Man« und »The Jolly Beggar,«
werden von einigen neueren, aber gewiss ohne allen grund, ebenfalls
einem der beiden genannten könige angeschrieben.
Das traurige schicksal des königs Jacob, welches ihm eine englische
erziehung und eine vorliebe für die englischen dichter Chaucer und Gower
verlieh, war wahrscheinlich ursache zur verpflanzung dieser dichter
und nachahmung derselben in Schottland. Einer der frühesten bekannten
nachahmer Chaucer's in diesem lande war Robert _Henryson_, oder
Henderson, von dessen persönlichkeit nicht mehr bekannt ist, als dass er
schulmeister zu Dumferling war und einige zeit vor 1508 in hohem alter
starb, weshalb man annimmt, dass er um die zeit, als Jacob I. nach
Schottland zurückkehrte, geboren sei. Henderson hinterliess eine schöne
idylle Robin and Makyne.[197] Henderson's hauptwerk ist indessen eine
fortsetzung von Chaucer's Troilus und Cresseide, welche auch gewöhnlich
mit diesem gedichte unter dem titel »The Testament of Fair Cresseide«
zusammen gedruckt wird. Henderson ist auch der verfasser einer
versificirten übersetzung von Aesop's fabeln, von welcher ein Ms. (3865)
in der Harleyschen sammlung vorhanden ist.[198] Auch wird »Orpheus und
Eurydice« in der sammlung alter gedichte, welche unter dem titel »The
knightly Tale of Golagrus and Gawayne,« etc. im jahre 1827 von Laing
herausgegeben wurde, Henderson zugeschrieben.
[Footnote 197: In Allan Ramsay's Evergreen 12. Edinburgh,
1724 zuerst, aber sehr modernisirt, späterhin in lord Haile's
Ancient Scottish Poems 12. Edinburgh, 1770 aus einer älteren,
1568 nach dem Bannatyne Ms. veranstalteten sammlung gedruckt. Eine
besondere ausgabe dieses gedichtes und des Testament of Cresseide
von demselben autor von Georg Chalmers für den Bannatyne-Club 4.
Edinburgh, 1824. Auch findet sich dieses gedicht nach Ramsay's
redaction in Thomas Percy's Reliques, seite 107.]
[Footnote 198: The Moral Fables of Aesop the Phrygian, compyled into
eloquent and ornamental meter, by Robert Henrison, schoolemaster
of Dumferling 4. Edinburgh, 1621, wovon ein neuer abdruck in 4. im
jahre 1832 für die mitglieder des Maitland-Clubs veranstaltet
wurde.]
Grösser als seine vorgänger ist der dichter _Dunbar_, welchen man mit
recht den schottischen Horaz nennen kann. Nachdem er seine bildung auf
der universität St. Andrews bis zum jahre 1479 erhalten hatte, trat
Dunbar in den franciskaner-orden (Grey Friars). Als mönch reiste er
mehrere jahre lang in Schottland, England und Frankreich umher, predigte
und lebte nach der ordensregel von den almosen der frommen, welche
lebensart er selbst als eine widerwärtige und als eine beständige übung
von falschheit, betrug und schmeichelei schildert. Endlich musste es
ihm gelungen sein, dem mönchsleben zu entkommen. Aus verschiedenen
anspielungen in seinen schriften ist zu schliessen, dass er von 1491
bis 1500 gelegentlich von Jacob IV. gesandtschaften in fremde länder
zugesellt wurde und als solcher attaché England, Irland, Frankreich,
Spanien, Italien und Deutschland besuchte, wobei er sich die
zufriedenheit seines königlichen gönners erworben haben muss, indem ihm
dieser im jahre 1500 eine pension von 10 pfund verlieh, welche später
auf 20 und endlich auf 80 pfund erhöht wurde. Es ist zu vermuthen, dass
der dichter von dem könige auch bei den verhandlungen in betreff der
heirath mit Margareth, tochter Heinrich's VII., welche 1503 statt fand,
verwendet wurde. In den folgenden jahren lebte Dunbar als hofdichter
und gesellschafter des königs am hofe, fühlte sich aber durchaus nicht
glücklich, indem er oft über das knechtische und abhängige leben,
welches er führen müsse, klagt und sich eine selbstständigere existenz
wünscht. Der dichter überlebt noch das jahr 1513 und mag um 1520
gestorben sein.
Seine werke,[199] welche mit ausnahme einiger gedichte in einer
vergessenen handschrift länger als zwei jahrhunderte verborgen waren,
wurden erst zu anfang des 18. jahrhunderts bekannt. Namentlich war
Walter Scott ein grosser verehrer Dunbar's, den er »alike master of
every kind of verse, the solemn, the descriptive, the sublime, the
comic, and the satirical« nennt. Die grösseren gedichte Dunbar's haben
theils einen allegorischen, theils einen moralischen, theils einen
komischen inhalt. Eine grosse anzahl seiner kleineren gedichte sind
lyrische ergüsse und betrachtungen über den dichter selbst. Besondere
erwähnung verdienen The Thistle and the Rose und The Dance. Ersteres ist
ein hochzeitsgedicht zu ehren des königs Jacob IV. und der prinzessin
Margareth. Letzteres, vielleicht das bedeutendste aller, ist eine
schilderung der sieben todsünden, welche in der unterwelt eine höllische
fastnacht halten. Ein ausschliesslich moralisches gedicht, worin er die
irdische und die geistige liebe mit einander vergleicht, ist The Merle
and Nightingale; die amsel vertheidigt die erstere und schliesst ihre
Worte immer mit dem refrain:
A lusty lyfe in Luvis service bene,
während die nachtigall die geistige liebe vertritt und alle ihre
gedanken in den einen satz zusammenfasst:
All luve is lost bot upone God allone!
[Footnote 199: The Poems of William Dunbar, now first collected,
with notes, and a Memoir of his Life by David Laing, 2 vols. 8.
Edinburgh 1834. Einzelne gedichte Dunbars waren schon früher von
Ramsay, Hailes und Pinkerton bekannt gemacht worden. Auszüge aus
Dunbar's gedichten, jedenfalls in modernisirtem gewande, in
Chamber's Cyclopædia vol. I. S. 40-44, in Wright's Essays,
vol. II. S. 291 ff.]
Die amsel wird bei dem wettgesang überwunden und stimmt endlich,
überzeugt von ihrem irrthum, in die worte der nachtigall freudig bewegt
ein. In seinen komischen gedichten erscheint Dunbar nach dem geschmack
und den sitten seiner zeit niedrig und unrein. Seine Twa Married Women
and the Widow und The Friars of Berwick gehören in diese klasse. Höchst
komisch ist die schilderung eines wettstreites zwischen einem schneider
und einem schuhmacher in der hölle. Dunbar's kleinere gedichte,
subjective betrachtungen des lebens von seiner angenehmen sowohl als
unangenehmen seite, worin er einen vernünftigen lebensgenuss empfiehlt,
da das leben ungewiss sei, enthalten gedanken und lebensansichten, wie
wir sie in den gedichten des Horaz zu finden gewöhnt sind.
Ein anderer literarisch berühmter Schotte war Gawin _Douglas_, geboren
um das jahr 1474, ein jüngerer sohn Archibald's, grafen von Angus.
Douglas wurde für die kirche erzogen und stieg in deren dienste bis zum
bischof von Dunkeld; er starb im jahre 1522 zu London an der pest. An
dichterischer kraft steht Dunbar weit über Douglas, dessen poesie nicht
natürlicher fluss der phantasie, sondern manier und erkünstelte metrik
ist. In seinen versificationen, welche einen überfluss an neu aus
dem Lateinischen und Griechischen eingeführten wörtern, wie violate,
purpurate, chrystalline, illumine, illuminate, redemite, bestial, viol,
emispery (hemisphere) u.s.w., nebst einer grossen auswahl von ausdrücken
aus der alten mythologie enthalten, leuchtet das bestreben hervor, die
aus dem neubelebten studium der lateinischen und griechischen klassiker
gewonnene bildung auf die volkssprache überzutragen. Douglas war auch
der erste, welcher ein werk des klassischen alterthums, Virgils Aeneide,
in schottische verse übertrug. Jedem buche der Aeneide ist eine art von
prologue nach Chaucer's weise vorgesetzt. Dieses für die damalige zeit
bedeutende werk vollendete Douglas im jahre 1513. Das grösste von
Douglas eigenen gedichten ist The Palace of Honour.[200] In diesem Jacob
IV. gewidmeten gedichte stellt der dichter eine gesellschaft dar, welche
zu dem Palace of Honour pilgert; der dichter gesellt sich dazu und
beschreibt die reise. Ein anderes allegorisches gedicht von Douglas,
King Hart, enthält des dichters ansichten von dem menschlichen leben.
Trotz der vielen klassischen wörter und bilder hat Douglas seine
gedichte in ganz breitem Schottisch geschrieben, welches von dem
damaligen Englisch weit mehr abweicht, als die sprache aller seiner
schottischen vorgänger.
[Footnote 200: Für den Bannatyne Club, 4. Edinburgh, 1827 neu
aufgelegt; dieselbe gesellschaft besorgte auch eine neue ausgabe
der übersetzung der Aeneide. 4. Edinburgh, 1839. Einzelne
sprachproben in Chambers's Cyclopædia vol. I. seite 44. 45.]
+III. Prosa.+
Nachdem nun die englische sprache das übergewicht über die französische
erlangt hatte und für den verkehr der gebildeten des volkes geeignet
befunden worden war, finden sich auch sogleich die anfänge einer
englischen prosa, während das Englische früher nur der volkspoesie
diente. Die erste probe englischer prosa, welche uns erhalten ist,
stammt aus dem jahre 1340 und ist im kentischen dialekt geschrieben.
In Ellis's beiträgen zur malerischen geschichte England's befinden sich
zwei auszüge aus dem Arundel manuscript Nr. 57, im brittischen museum.
Im anfange dieses Ayenbyte of Inwit, gewissensbisse, überschriebenen
Ms. befindet sich die bemerkung: »This boc is dan Michelis of Northgate,
ywrite an Englis of his o+g+ene hand, thet hatte Ayenbyte of Inwyt; and
is of the bochouse of Saynt Austine's of Canterberi under the letters
CC.« Der erste auszug aus diesem Ms. enthält von fol. 42 die fabel von
dem hunde, welcher seinen herrn liebkoset, und dem esel, welcher es ihm
nachthun will, aber mit schlägen zurückgewiesen wird. Die zweite stelle
von fol. 82 enthält das datum des manuscripts und eine kurze metrische
einleitung,
Nou ich wille thet ye ywyte hou hit if ywent
thet this boc is ywrite mid Engliss of Kent, etc.
wonach die kentische übersetzung des vaterunsers, des ave Maria und des
glaubens folgt:
[201]+Pater noster.+ Vader oure thet art ine hevenes, y-hal+g+ed by
thi name, cominde thi riche, y-worthe thi wil ase ine hevene and
ine erthe, bread oure eche dayes yef ous today, and vorlet ous oure
yeldinges, ase and we vorleteth oure yelderes, and ne ous led na+g+t
in to vondinge, ae vri ous uram queade. Zuo by hit. +Ave Maria.+ Hayl
Marie of thonke vol, Lord by mid the, y-blissed thou ine wymmen, and
y-blissed thet ouet of thine wombe. Zuo by hit. +Credo.+ Ich leve ine
God, vader almi+g+ti, makere of hevene and of erthe, and in Jesu Crist
his zone on lepi oure Lord, thet i-kend is of the holi gost, y-bore of
Marie mayde, y-pyned onder Pouns Pilate, y-nayled a rode, dyad, and
bebered, yede doun to helle, thane thridde day aros vram the dyade,
stea+g+ to hevenes, zit a the ri+g+t half of God the vader almi+g+ti,
thannes to comene he is, to deme the quike and the dyade. Ich y-leve
ine the holy gost, holy cherche generalliche, mennesse of hal+g+en,
lesnesse of zennes, of vlesse arizinge, and lyf evrelestinde. Zuo
by hit.
[Footnote 201: Aus den Reliq. Ant. Bd. I, S. 42.]
Der älteste englische prosaiker ist Sir John _Mandeville_, geboren
zu St. Albans im jahre 1300. Nachdem er eine gute erziehung erhalten,
machte er in den jahren 1322 bis 1356 viele reisen im Orient und
beschrieb sie nach seiner rückkehr. Sein tod soll in Lüttich um das jahr
1371 erfolgt sein. Seine reiseabenteuer enthalten neben authentischem,
was er selbst sah und erlebte, viele fabeln und wundergeschichten des
mittelalters. Das buch ist oft gedruckt worden, am besten 1725 zu London
in 8., welcher druck der neuesten ausgabe von J. O. Halliwell mit
einleitung, anmerkungen und glossarium, 8. London, 1839, zu grunde
gelegt worden ist. In der vorrede zu seinem werke zählt Mandeville die
von ihm unternommenen reisen und besuchten länder im Orient auf und
giebt an, dass sein buch hauptsächlich für diejenigen geschrieben sei,
welche die heilige stadt Jerusalem und die heiligen örter in dessen nähe
besuchen wollten. Schliesslich erwähnt Mandeville, dass er sein buch
zuerst in Latein geschrieben, es darauf in das Französische und aus
dieser sprache wiederum in die englische sprache übersetzt habe,
»that every man of my nacioun may undirstonde it.« Von den vielen
handschriftlichen exemplaren von Mandeville's »Voiage and Travaille«
stammen einige noch aus dem vierzehnten jahrhundert. Es folgt eine probe
seiner sprache:
[202]And +g+ee schull undirstonde that whan men comen to Jerusalem her
first pilgrymage is to the chirche of the Holy Sepulcr wher oure Lord
was buryed, that is withoute the cytee on the north syde. But it is
now enclosed in with the ton wall. And there is a full fair chirche
all rownd, and open above, and couered with leed. And on the west syde
is a fair tour and an high for belles strongly made. And in the myddes
of the chirche is a tabernacle as it wer a lytyll hows, made with a
low lityll dore; and that tabernacle is made in maner of a half a
compas right curiousely and richely made of gold and azure and othere
riche coloures, full nobelyche made. And in the ryght side of that
tabernacle is the sepulcre of our Lord. And the tabernacle is VIII.
fote long and V. fote wyde, and XI. fote in heghte. And it is not
longe sithe the sepulcre was all open, that men myghte kisse it and
touche it. But for pilgrymes that comen thider peyned hem to breke the
ston in peces, or in poudr; therefore the Soudan hath do make a wall
aboute the sepulcr that noman may touche it. But in the left syde of
the wall of the tabernacle is well the heighte of a man, is a gret
ston, to the quantytee of a mannes hed, that was of the holy sepulcr,
and that ston kissen the pilgrymes that comen thider.
[Footnote 202: Aus Ellis's Pictor. Hist. of England. Nach Ms.
Cotton. Titus C. XVI.]
Ein anderer prosaiker der damaligen zeit ist Johann von _Trevisa_. Er
übersetzte und erweiterte Higden's Polychronicon in englischer sprache
auf den wunsch von Thomas Lord Berkeley, dessen kaplan er war, und soll
seine übersetzung 1387 vollendet haben. Sein buch wurde von dem ersten
englischen buchdrucker, Caxton, im jahre 1482 mit einer fortsetzung bis
zum jahre 1460 gedruckt, allein Trevisa's text ist von Caxton nicht
bloss durch auslassen und einschieben von wörtern verändert, sondern
dessen alte sprache vollständig modernisirt worden. »Ich, William
Caxton, eine schlichte person,« sagt der drucker, »habe mich bemüht,
erst das besagte buch Polychronicon ganz zu überarbeiten und habe das
grobe und alte (rude and old) Englisch, d.h. gewisse worte, welche jetzt
weder gebraucht, noch verstanden werden, zu ändern.« Und doch war noch
kein ganzes jahrhundert verflossen, seit Trevisa das Polychronicon in
das damalige Englisch übersetzte, ein beweis, wie schnell sich die
sprache im munde des volkes vor ihrer feststellung durch gebildete
schriftsteller und den buchdruck veränderte. Ausser dem genannten werke
übersetzte Trevisa mehrere andere werke in seine muttersprache, von
denen noch einige handschriftlich vorhanden sind.[203]
[Footnote 203: Eine probe von Trevisa's Englisch siehe in der note
zu seite 168.]
Die veränderung in der sprache des englischen volkes unter Eduard III.
hatte nicht allein politische, sondern auch kirchliche gründe. Eine
neue, gegen Frankreich gerichtete politik befreite England von der
herrschaft der französischen sprache, eine neue kirchliche richtung
sollte es von der übermacht des römischen stuhles und damit von dem
drucke der besonders zu kirchlichen zwecken verwandten, aber vom volke
nicht verstandenen lateinischen sprache erlösen. Die vergebung
englischer pfründen an fremde, besonders italienische geistliche,
sowie die erpressungen der päpstlichen legaten waren schon längst ein
gegenstand der beschwerde geworden, so dass unter Eduard III. und seinem
enkel Richard II. von dem parlamente mehrere gesetze gegen diese
übelstände erlassen wurden. Bei diesem streben gegen die päpstliche
macht fand könig und parlament eine mächtige hilfe in John _Wycliffe_,
geboren 1324, einem gelehrten geistlichen und professor der theologie im
Baliol-College zu Oxford, wo er bald nach dem jahre 1372 gewisse lehren
und einrichtungen der römischen kirche, welche seit der eroberung durch
die Normannen in England unbestritten gegolten hatten, anzugreifen
begann. In diesem streite wirkte Wycliffe durch rede und schrift und
schrieb eine anzahl aufsätze, einige von ihnen in englischer sprache,
gegen die übermacht des papstthums, den reichthum der höheren
geistlichkeit, die verweltlichung des clerus, das überhandnehmen der
mönche, während er zugleich durch sein hauptwerk, eine übersetzung der
bibel in die landessprache, dem volke die beweismittel in die hände zu
geben suchte, auf welche er sich in seinen streitschriften gegen seine
mächtigen gegner unter der höheren geistlichkeit stützte. Diese
vollständige übersetzung des alten und neuen testamentes, welche
Wycliffe in seinen letzten lebensjahren mit hilfe einiger freunde zwar
nicht aus den originalen, sondern nur aus der lateinischen vulgata
ausführte, ist sowohl in theologischer als sprachlicher beziehung ein
werthvoller überrest des englischen mittelalters. Wycliffe wurde mehrere
male wegen ketzerei verfolgt und in die grösste persönliche gefahr
versetzt, aber er entging theils durch günstige umstände, theils durch
die freundschaft des herzogs von Lancaster (auch Chaucer's und Gower's
freund) der gefahr und starb endlich 1384 als landpfarrer, nachdem er
aus dem College entfernt und gezwungen worden war, einige seiner
ketzereien zu widerrufen. Vierzig jahre nach dem tode Wycliffe's wurden
seine gebeine zufolge eines beschlusses des concils von Constanz
ausgegraben und verbrannt, und die asche in einen bach geworfen. Sein
geist wich aber nicht mehr aus England, obwohl seine anhänger, die
Lollarden, von dem später die krone erlangenden hause Lancaster verfolgt
und geopfert wurden, um für den schwankenden thron in dem clerus eine
stütze gegen den adel zu gewinnen.
Die ganze bibelübersetzung Wycliffe's ist noch handschriftlich
vorhanden, allein nur das neue testament ist gedruckt worden, zuerst in
fol. im jahre 1731, redigirt von dem Rev. John Lewis, später in 4. im
jahre 1810, redigirt von dem Rev. H. H. Baber, endlich in 4. im jahre
1841 in Bagster's English Hexapla. Die herausgabe des alten testamentes
von der Clarendon druckerei auf kosten der universität Oxford und
unter redaction des Rev. J. Forschall und Sir Fr. Madden ist längst
verheissen, aber das werk noch nicht erschienen. Von den streitschriften
Wycliffe's sind ebenfalls einige gedruckt, die übrigen handschriftlich
aufbewahrt worden. Wycliffe's styl ist zuweilen etwas roh, besitzt aber
kühnheit und kraft des ausdruckes, wodurch sich sein grosser einfluss
auf das volk erklärt; die sprache erscheint härter und älter als
Mandeville's, welches vielleicht dem stoffe zuzuschreiben ist. Folgendes
ist eine probe aus dem alten testamente Exod. chp. 15.
[204]Thanne Moises song, and the sones of Israel, this song to the
Lord; and thei seiden, Synge we to the Lord, for he is magnified
gloriousli; he castide down the hors and the stiere into the see. My
strengthe and my preisyng is the Lord, and he is maad to me into
heelthe, this is my God: y schal glorifie hym the God of my fadir, and
y schal enhaunce hym: the Lord is as a man fi+g+ter, his name is
almi+g+ti.
[Footnote 204: Aus Ellis's Pictor. Hist. of England nach Ms.
Reg. I. c. VIII im britt. museum. Eine probe aus dem neuen
testamente befindet sich s. 84.]
Auch _Chaucer_ nimmt eine stelle unter den ältesten englischen
prosaikern ein. Er gab den Engländern eine übersetzung des Boethius de
Consolatione Philosophiae, welche Caxton unter dem titel: »The Boke of
Consolacion of Philosophie, which that Boecius made for his Comforte
and Consolacion« ohne datum in folio veröffentlichte. Ein zweites werk
Chaucer's in prosa soll eine Treatise on the Astrolabe sein, welche er
im jahre 1391 an seinen sohn Lewis richtete. Mit welchem rechte diese
abhandlung gerade Chaucer zugeschrieben wird, ist indessen nicht recht
klar. Sie befindet sich auch in der brüsseler handschrift No. 1591,
welche ausserdem noch einen kalender und astronomische und medicinische
aufsätze enthält. Aus dieser handschrift (Mone's quellen und forschungen
Bd. I. S. 549 ff.) möge die vorrede dieser Chaucer zugeschriebenen
abhandlung hier eine stelle finden: