um sänger zu holen, oder in eine bruderschaft trat,
But dwelt at home and kepte wel his fold;
und was seine predigt anlangt, so war seine sprache mild gegen reuige,
aber streng gegen halsstarrige, und zum schluss wird bemerkt:
But Cristes lore, and his apostles twelve
He taught, but first he followed it himselve.
Der pfarrer stammt aus dem bauernstande, und sein bruder, der ackersmann
(plowman), welcher die gesellschaft begleitet, erhält wegen seiner
gemüthlichkeit, arbeitsamkeit und gewissenhaftigkeit, mit welcher er
alle seine pflichten erfüllt, das beste lob unseres dichters, der von
ihm sagt, dass
Living in pees and parfite charitee,
God loved he beste with all his herte
At all times, were it gain or smerte,
And than his neighbour right as himselve.
He wolde thresh, and therto dike and delve,
For Cristes sake, for every poure wight
Withouten hire, if it lay in his might.
Nicht so gut als den mönchen und geistlichen ist es dem oxforder
gelehrten in der welt gegangen; seine gelehrsamkeit und sein Aristoteles
haben ihm nicht viel eingetragen, denn sein pferd ist so mager und dürr
als er selbst:
But all be that he was a philosophre,
Yet hadde he but litel gold in cofre.
Dass der englische freisasse (frankelein), oder substantial farmer, wie
er jetzt heisst, schon zu Chaucer's zeit wusste, was comfort und good
cheer war, sieht man aus dessen schilderung:
Withouten bake mete never was his hous
Of fish and flesh, and that so plenteous
It snewed in his hous of mete and drinke
Of alle deintees that men coud of thinke.
Auch der bürger mochte zu Chaucer's zeit nicht noth leiden, denn sein
haberdasher, carpenter, webbe, deyer und tapiser sind alle wohl zur
reise gerüstet mit stattlicher kleidung; das silber war an ihren
messern, gürteln und taschen nicht gespart, und jeder dünkte sich gut
genug zu einem alderman. Hatten sie doch auch einen koch bei sich, um
die hühnchen zu kochen und die pasteten zu backen, denn
He coude roste, and sethe, and broile, and frie,
Maken mortrewes, and wel bake a pie.
Die anderen charactere in den Canterbury Tales sind ein kaufmann
(marchant), der sich so trägt, dass niemand merkt, er stecke in
schulden, ein advocat (sergeant of the lawe), der immer geschäftig
scheint, ein schiffer (shipman), der nicht eben gewissenhaft mit der
ladung verfährt, im übrigen aber ein wettergebräunter, erfahrener und
überall bekannter mann ist, ein arzt (doctour of phisike), der sehr
erfahren und gelehrt, aber doch ein quacksalber ist und sich
hauptsächlich auf sterndeuterei und magische kuren versteht, ein müller
(miller), der so derb und knorrig ist, dass er mit seinem kopfe eine
thür einstossen kann, nicht gerade überehrlich, aber doch ein
stattlicher mann, ein hausverwalter (manciple of a temple), der alle
seine einkäufe so einrichtet, dass er selbst dabei reich wird und seine
herren, welche rechtsbeflissene und kluge leute sind, sämmtlich
überlistet, ein amtmann (reve), der sich auf seines herrn gütern mästet,
eine frau aus der nähe von Bath (A good wif of beside Bathe), die bei
aller weltlichkeit und eitelkeit sich doch den vortritt in der kirche
nicht nehmen lässt. Fünfmal verheirathet und weit gereist,
And thrice hadde she ben at Jerusalemme;
She hadde passed many a Strange streme:
At Rome she hadde ben, and at Boloine
In Galice, at Seint James, and at Coloine,
konnte sie auch vieles erzählen. Alle diese personen sind mit
unendlicher laune und manchem derben ausfalle auf die damaligen
zeitverhältnisse geschildert.
Zum schluss möge der anfang der Reeve's Tale, welche Th. Wright in
Anecdota literaria s. 24 aus dem besten Ms. (Harl. No. 7334) der
Canterbury Tales mittheilt, als sprachprobe hier eingeschaltet sein.
+The Reeves Tale.+
At Trompyngtoun nat fer fro Cantebrigge,
Ther goth a brook, and over that a brigge;
Upon the whiche brook ther stant a melle:
And this is verray soth that I +g+ou telle.
A meller was ther dwellyng raany a day,
As eny pecok he was prowd and gay;
Pipen he coude, and fisshe, and nettys beete,
And turne cuppes, wrastle wel, and scheete.
Ay by his belt he bar a long panade,
And of a swerd ful trenchaunt was the blade:
A joly popper bar he in his pouche;
Ther was no man for perel durst him touche.
A scheffeld thwitel bar he in his hose.
Round was his face, and camois was his nose:
As pyled as an ape was his skulle.
He was a market beter at the fulle.
Ther durste no wight hand upon him legge,
That he ne swor anon he schuld abegge.
A theef he was for soth of corn and mele,
And that a sleigh and usyng for to stele.
His name was hoote deynous Symekyn.
Die Canterbury Tales sind, wie sie in unsere hände gekommen, ein
unbeendigtes, oder wenigstens unvollständiges werk, welches nur aus vier
und zwanzig (einschliesslich zwei in prosa geschriebenen) geschichten
besteht; vor einer jeden geht ein vorwort, prolog, vorauf, welcher
zuweilen, wie vor der geschichte des weibes aus Bath, sehr ausgedehnt
ist. Von diesen 24 geschichten sind einige unvollständig. Von der des
kochs haben wir nur einige zeilen, des junkers geschichte wird nur halb
erzählt, und die burleske geschichte des Sir Thopas wird absichtlich in
der mitte abgebrochen. Wenn der in Chaucer's prolog niedergelegte plan
ausgeführt worden wäre, hätte das gedicht aus hundert und zwanzig
geschichten, wahrscheinlich doch auch einer schilderung des aufenthaltes
in Canterbury und der lustigen preiszuerkennung nach der rückkehr der
gesellschaft im Tabard Inn bestehen müssen. Es ist auch nicht unversucht
geblieben, in alten ausgaben einige unächte geschichten zur ausfüllung
der lücken im original unterzuschieben, welche von Tyrwhitt
zurückgewiesen worden sind. Trotz seiner unvollständigkeit reicht jedoch
das gedicht vollständig aus, um Chaucer den ersten platz unter den alten
englischen dichtern und damit die unsterblichkeit zu sichern. Schon
seine zeitgenossen und unmittelbaren nachfolger waren stolz auf dieses
werk und betrachteten es als einen triumph England's nicht bloss über
die französische vergangenheit, sondern auch über die literatur anderer
völker in jener zeit. Zahlreiche abschriften verbreiteten Chaucer's
ruhm, und als die druckerkunst in England eingeführt wurde, war es eine
der ersten pflichten der presse Caxton's, jene geschichten Chaucer's zu
drucken, welche eine neue aera der englischen literatur so glänzend
begonnen hatten.
Dryden und Pope haben einige schöpfungen Chaucer's überarbeitet und
sie, in anderer sprache und von manchen zu derben ausdrücken und
schilderungen befreit, späteren zeiten geniessbarer gemacht, freilich
aber auch die eigenthümlichkeiten des alten dichters sehr verwischt. In
neuerer zeit hat R. H. Horne unter dem titel Chaucer Modernised mit mehr
rücksicht auf das wesen der gedichte Chaucer's die schönsten derselben
dem dankbaren vaterlande mitgetheilt, und C. C. Clarke im jahre 1835 in
zwei bänden unter dem titel The Riches of Chaucer die schönsten stellen
des alten barden mit veränderung der orthographie hervorgehoben.
Chaucer's verse besitzen eine cäsur. In den handschriften ist jeder vers
in der mitte durch einen strich in zwei theile gesondert. Die alten bis
zum jahre 1532 erschienenen ausgaben haben diese bezeichnung der cäsur
beibehalten; in späteren wurde sie nicht mehr bemerkt. Das metrum
besteht meist aus fünffüssigen jamben, welche indessen oft durch eine
überschlagende tonlose sylbe einen weiblichen schluss erhalten. Dabei
sind die sylben mit tonlosem, im späteren Englisch gewöhnlich stummen
end-e oft gezählt, vorzüglich wenn ein consonant auf sie folgt, wogegen
sie meist mit einem folgenden vocale zusammenschmelzen. Diese
eigenthümlichkeit des metrums Chaucer's ist ohne zweifel auf die
aussprache des Englischen zu seiner zeit basirt, nicht aber auf willkür,
wie englische commentatoren anzunehmen geneigt sind. R. Chambers in
seiner Cyclopædia of English literature, Edinburgh, 1844 band I. s. 15,
sagt: »The accentuation, by a license since abandoned, is different in
many instances from that of common speech; the poet (Chaucer), wherever
it suits his conveniency, or his pleasure, makes accented syllables
short, and short syllables emphatic!« Solche annahme, in dem munde eines
Engländers zumal, ist ehrenkränkend für den alten barden, welcher die
grundsätze der metrik sehr gut gekannt, aber schwierigkeiten genug
gehabt haben mag, die flüssige, in steter veränderung begriffene
volkssprache damit in einklang zu bringen. Das alte angelsächsische
element mochte sich sowohl durch umlautung, oder besser durch ablautung
der stammvokale, als durch abschleifung der endungen immer mehr dem
jetzigen Englisch nähern, andererseits aber noch im kampfe mit den
vocalen und besonders mit dem accent der neu aufgenommenen französischen
und fremden wörter befinden, so dass besonders in letzterer hinsicht
Chaucer, welcher im verhältniss zu seinen nächsten vorgängern, ja seinen
eigenen zeitgenossen, als übersetzer und bearbeiter französischer
originale sehr viele französische wörter in seinen werken gebraucht,
vielleicht neu einführt, gewiss viele mühe hatte, die noch nicht
erstarrten, oft wenig homogenen wörter und sprachformen in die harmonie
und den rhythmus eines verses zu bringen.
Die aussprache der französischen wörter in Chaucer's zeit muss ihrer
jetzigen, wo der germanische accent den französischen grösstentheils
überwunden hat, wenig geglichen, sondern mit der romanischen, welche die
neigung hat, ihre accente dem ende der wörter zu nähern, mehr
übereingestimmt haben. So hat Chaucer natúre, coráges, pilgrimáges
gesprochen, wie aus folgenden beiden versen (10. 11. des prologs zu den
Canterbury Tales) hervorgeht:
So prik|eth hem | natú|r[)e] in hir | corág[)e]s
Than long|en folk | to gon | on pil|grimág[)e]s.
Ebenso muss man licóur, vertúe und flóur accentuirt haben, wie vers 3
und 4 desselben prologs zeigen:
And ba|thed ev|[)e]ry vei|n[)e] in swich|[)e] licóur,
Of which[)e] vertú[)e] | engen|dred is | the flóur.
Auch die wörter pleasánt, amiáble, contreféten, manére, reverénce,
consciénce wird man in folgenden versen (137-142 des prologs) mit
französischem accent versehen finden:
And si|kerly | she was | of gret[)e] | disport,
And ful | pleasánt | and a|miábl[)e] | of port,
And pei|ned hir[)e] |to con|trefé|ten ché|r[)e]
Of court | and ben | esta|t[)e]lich of | mané|r[)e],
And to ben hol|den dign[)e] | of re|verén|c[)e].
But for | to spe|ken of | hir[)e] con|scién|c[)e].
In dieser weise lassen sich noch eine grosse anzahl französischer wörter
nach ihrer damaligen, mit der romanischen übereinstimmenden aussprache
aus Chaucer's gedichten feststellen, z.b. servíce, limitóur, solémpne,
langáge, mariáge, contrée, confessión, absolutión, penánce, pitánce,
acquaintánce, vitáille, scolére, Amasónes, mentióun, citée,
magnificénce, uságe, lináge, honóur, senatóur, curát, villáge u.s.w.
Dieselbe art, die französischen wörter zu accentuiren, findet sich auch
bei Chaucer's englischen und schottischen Zeitgenossen Gower, Barbour,
ferner bei den dichtern der nächstfolgenden zeit, schottischen sowohl
als englischen, bei könig James I., Robert Henryson, William Dunbar,
Gawin Douglas, David Lyndsay, John Lydgate, Andrew Wyntoun, Blind Harry,
und ebenso auch in den alten gedichten Chevy Chase, The Battle of
Otterbourne, The Not-Browne Mayd. Erst zu anfang des 16. jahrhunderts
hat der germanische accent den romanischen mit geringen ausnahmen
besiegt. Bei John Skelton, Thomas Wyatt und dem Earl of Surrey findet
sich nur noch selten eine abweichung von dem gegenwärtigen accent der
französischen wörter, obwohl selbst Spenser noch nicht vollständig frei
davon ist, wie stanze VIII. der Fairy Queen Book VII. Canto 7 beweist.
In a | fayr[)e] plain | upon an e|quall hill,
She pla|ced was | in a | pavi|lión;
Not such | as crafts|men by | their i|dle skill
Are wont | for prin|ces stát[)e]s | to fa|shión:
But th' Earth | herself, | of her | own[)e] mo|tión,
Out of | her fruit|ful bo|som mad[)e] | to grow[)e]
Most dain|ty trees; | that, shoot|ing up | anon,
Did seem | to bow | their bloom|ing heads | full low[)e],
For ho|mage un|to her, | and lik[)e] | a thron[)e] | to shew.
Die wörter pavilión, fashión, motión müssen einen um so stärkeren accent
auf der endsylbe haben, da diese die reimsylbe zu dem auf der zweiten
sylbe scharf betonten anon ist.
Was die wörter angelsächsischer abkunft anlangt, so hat namentlich das
particip auf ing bei Chaucer gewöhnlich diese sylbe accentuirt. Diese
selbe erscheinung findet sich bei seinen zeitgenossen und nachfolgern
während des 15. jahrhunderts, ja spuren dieser eigenthümlichen
accentuation begegnet man sogar noch bei Spenser gegen ende des 16.
jahrhunderts, z.b. in seiner Fairy Queen Book VII. Canto 7.
Seekíng | for right, which I of thee entreat.
Dammníng | all wrong and tortious injury.
Ridíng | together both with equal pace.
Ferner sind die wenn auch abgeschwächten vocal-überreste der sächsischen
beugungssylben, welche in neuerer zeit ganz weggefallen, oder als stumme
zeugen der vergangenheit gewöhnlich nur die dehnung des vokals in der
vorhergehenden sylbe bezeichnen, bei Chaucer noch hörbar und meist nur
dann metrisch stumm, wenn sie unmittelbar vor dem anfangsvokal des
folgenden wortes stehen, während sie bloss ausnahmsweise elidirt werden,
sobald sie ihren platz zwischen consonanten einnehmen. Als beispiel der
behandlung dieser angelsächsischen endsylben, welche auch auf die
schwachen, späterhin stummen oder wegfallenden endsylben der
französischen wörter übertragen wird, möge der anfang des prologs zu
den Canterbury Tales dienen:
Whanné | that A|pril wíth | his shóu|res só|te
The dróugh|t[)e] of Márch | hath pér|ced tó | the ró|te,
And ba|thed év|[)e]ry véi|n[)e] in swíche | licóur
Of whích|[)e] vertú|[)e] engéndred ís | the flóur.
Whan Zé|phirús | ek[)e] with | his só|te bré|the
Enspí|red háth | in év|[)e]ry hólt | and hé|the
The tén|dre cróp|pes, ánd | the yón|ge són|ne
Hath ín | the Rám | his hál|fe cóurs | yró|nne, u.s.w.
Die gleiche rhythmische geltung dieser alten angelsächsischen endsylben
finden wir bei Chaucer's zeitgenossen und unmittelbaren nachfolgern auf
dem felde der englischen oder schottischen poesie bis zu Spenser herab,
bei welchem jene alten beugungssylben und ausgänge der wörter zwar
spärlich vorkommen, aber doch noch vorhanden sind, wie folgende verse
aus der Fairy Queen, Book VII. Canto 7 zeigen:
That wéll | mag sée|men trúe: | for wéll| I wée|n[)e]
Then lét me ásk | you thís | withóu|ten blá|m[)e].
Nach Gower und Chaucer ist das feld der englischen literatur länger als
ein jahrhundert unfruchtbar. Warton in seiner geschichte der englischen
poesie und Ritson in seiner Bibliographia Poetica haben sich zwar
bemüht, diese weite lücke durch die namen einer grossen anzahl
vergessener dichterlinge auszufüllen, so dass letzterer zwischen Chaucer
und Lord Surrey an 70 englische dichter zählt. Von allen verdienen aber
nur zwei einer besonderen erwähnung, Occleve und Lydgate. Thomas
_Occleve_ wird von Warton um das jahr 1420 gesetzt. Von ihm sind eine
anzahl kleinerer gedichte auf uns gekommen, von denen im jahre 1796 von
Dr. Askew sechs ausgewählt und veröffentlicht wurden, und ein längeres
gedicht De Regimine Principum, welches nach einem lateinischen original
desselben titels gearbeitet, aber nie gedruckt worden ist. Occleve
ist ein träger und ungeschickter nachahmer Chaucer's, den er auch als
sein vorbild verehrt und wahrscheinlich persönlich gekannt hat. Viel
bedeutender ist John _Lydgate_, der mönch von Bury, dessen blüthe nach
Warton um das jahr 1430 fällt. Lydgate war, sagt der geschichtsschreiber
der englischen poesie, nicht allein der dichter des klosters, sondern
aller welt: »If a disguising was intended by the company of goldsmiths,
a mask before his Majesty at Eltham, a maygame for the sheriffs and
aldermen of London, a mumming before the Lord Mayor, a procession of
pageants from the creation for the festival of Corpus Christi, or a
carol for the coronation, Lydgate was consulted, and gave the poetry.«
Von Lydgate's dichterischer fruchtbarkeit giebt sein literarischer
nachlass[187] den besten beweis. Ritson zählt ungefähr 250 gedichte auf,
welche diesem autor zugeschrieben werden. Sein hauptwerk besteht aus
neun büchern »tragödien« über den fall von fürsten und ist eine
übersetzung eines lateinischen werkes des Boccaccio. Gedruckt wurden die
tragödien zu London zur zeit Heinrich's VIII. Ausserdem verdienen unter
Lydgate's gedichten noch bemerkt zu werden The History of Thebes und
The destruction of Troy, beide mit antikem stoff, welcher allmälig in
gebrauch kommt. Was von den persönlichen verhältnissen des dichters
bekannt ist, beschränkt sich darauf, dass er Frankreich und Italien
bereist und sich mit der dichtkunst dieser länder vertraut gemacht
hatte. Dass er aus der fabrikation von gedichten und gelegentlich auch
von handschriften ein gewerbe machte, geht aus manchen nachrichten
hervor; auch errichtete er in seinem kloster eine schule für den
unterricht junger personen aus höheren ständen in der metrik und
verskunst. Auf Lydgate's schultern steht Stephan _Hawes_, welcher sein
grösseres gedicht »Pastime of Pleasure, or the Historie of Graunde Amour
and la bel Pucel« im jahre 1506 vollendete (gedruckt 1517 von Wynkyn de
Worde). Man würde nach diesem titel in dem buche kaum eine gelehrte
moralische allegorie erwarten, in denen die sieben Wissenschaften
des triviums und quadriviums und daneben noch ein ganzes heer
personificirter tugenden und guter eigenschaften auftreten. Der
dichterische werth des langen werkes ist bei aller gelehrsamkeit und
philosophie sehr gering zu schätzen, indessen sind die Verdienste Hawes'
um die volkssprache nicht zu verkennen. Hawes scheint in Oxford erzogen
worden zu sein und viele reisen auf dem festlande gemacht zu haben; er
bekleidete unter Heinrich VII. ein hofamt. Alexander _Barklay_, welcher
ebenfalls in dieser zeit lebte, aber in hohem alter erst 1552 starb, ist
zwar kein selbstständiger dichter, sondern nur ein übersetzer, als
solcher aber durch seine bearbeitung des narrenschiffs von Sebastian
Brandt bekannt, welche im jahre 1508 gedruckt wurde. Barklay benützte
zu seiner arbeit eine französische und lateinische übersetzung des
originals und bereicherte dasselbe mit einer beträchtlichen anzahl
narrheiten, welche er unter seinen eigenen landsleuten fand. Dieses
giebt dem werke einen besonderen werth als ein denkmal der damaligen
englischen sitten.
[Footnote 187: A Selection from the Minor Poems of Dan John Lydgate,
edited by James Orchard Halliwell, 8. London, 1840 (für die Percy
Society).]
Alle diese nachfolger Chaucer's haben ersichtlich mit der sprache, in
welche sie ihre gedanken und bilder kleiden wollen, zu kämpfen. Während
sich bei Chaucer die worte mit den gedanken zugleich darboten und im
leichten flusse auf einander folgen, ist es das hauptstreben seiner
nachahmer und nächsten nachfolger, die worte zu bewältigen und sie zur
aufnahme der gedanken geschickt zu machen. Die versification steht über
der poesie. Der erste wirkliche dichter, dem wir nach Chaucer begegnen,
ist John _Skelton_, geboren um 1460. Er studirte zu Cambridge, begann
zwischen 1480 und 1490 gedichte zu schreiben und zu veröffentlichen,
während welcher zeit er in Oxford zum dichter gekrönt (poet laureate)
wurde, welche ehre ihm im jahre 1493 auch in Cambridge zu theil wurde.
Im jahre 1498 empfing er die priesterweihe, wurde wahrscheinlich um
dieselbe zeit zum erzieher des jungen prinzen, nachmaligen Heinrich's
VIII., ernannt, später zum pfarrer (rector) von Dysse in Norfolk
befördert und starb 1529 im Sanctuarium der Westmünster-abtei, wohin
er vor der rache des cardinals Wolsey, seines früheren beschützers,
geflohen war, nachdem er ihn mit spottgedichten verletzt hatte. Als
gelehrter besass Skelton einen europäischen ruf, und der grosse Erasmus
pflegte ihn »Britannicarum literarum decus et lumen« zu nennen. Seine
lateinischen verse zeichnen sich durch ihren geist und ihre classische
reinheit aus. Seine englischen gedichte besitzen grosse leichtigkeit, ja
ungebundenheit der verse, lebendigkeit und frische der sprache und eine
unerschöpfliche phantasie. Seine satyrischen gedichte erhielten durch
diese eigenschaften einen besonderen reiz, aber auch eine besondere
schärfe, welche den hass und die verfolgung des cardinals Wolsey wohl
erklärlich finden lässt. Skelton's satyre auf denselben, oder das
»little book,« wie er sie bezeichnet, hat den titel »Why come ye not
to court?« und enthält 1300 verse. Ein anderes satyrisches gedicht
Skelton's, sein Bouge of Court (Bouche à Court) ist in strophen von
sieben zehnsylbigen jambischen versen geschrieben. Auch im drama
versuchte sich Skelton und lieferte »a goodly interlude and a
merry« unter dem titel Magnificence; dasselbe ist gereimt und
von beträchtlichem umfange. Nach dem geschmack der zeit ist es
allegorisch-moralisch, und unter den personen treten felicity, liberty,
measure, counterfeit, countenance, crafty conveyance, cloaked collusion,
courtly abusion auf. Aber auch im einfachen und sentimentalen war
Skelton ausgezeichnet. Vielleicht ist sein »Book of Philip Sparrow,«
eine lange komische elegie auf den von einer katze in dem nonnenkloster
zu Carow bei Norwich erwürgten sperling der schönen Jane Scroop das
beste gedicht Skelton's. Vorzüglich anmuthig ist der zweite theil
desselben, The Commendation of the »goodly maid,« in seiner einfachen
und reizenden natürlichkeit zu lesen. Der refrain:
For this most goodly flower,
This blossom of fresh colour,
So Jupiter me succour,
She flourisheth new and new
In beauty and virtue;
Hac claritate gemina,
O Gloriosa femina, etc.
kehrt so plötzlich und unerwartet und doch so natürlich wieder, dass es
den eindruck macht, als sollten die wechselnden verschlingungen eines
lebendigen tanzes durch eine einfache figur aufgelöst werden.[188]
[Footnote 188: Skelton's Poetical Works, by Alexander Dyce.
2 vols. 8. Lond. 1843.]
Die früheste erwähnung scenischer vorstellungen in England findet sich
bei Matthew Paris, welcher erzählt, dass Geoffrey, nachmaliger abt von
St. Albans, als schulmeister zu Dunstable die legende der heiligen
Katharina pantomimisch und mit erklärung in französischer sprache von
seinen schülern darstellen liess. Dieses muss vor 1120 geschehen sein.
Man nannte solche vorstellungen, wo die mimen auch bald die erklärer
ihrer darstellung wurden und damit den monolog und später den dialog
verbanden, von ihrem stoffe miracle-plays oder mysteries. Nach und nach
erhielten dieselben eine solche ausdehnung, dass sie nicht stunden,
sondern tage und selbst wochen dauerten, wie z.B. die aufführung der
weltschöpfung zu Skinnerwells im jahre 1409. Obgleich die mysterien
anfänglich unter der besonderen leitung der geistlichkeit standen, in
den kirchen und klöstern aufgeführt wurden und auf die weckung des
religiösen und kirchlichen sinnes unter dem volke berechnet waren, so
arteten sie doch bald aus und scheinen als öffentliche spectakelstücke
mehr zur belustigung, als zur erbauung des volkes gedient zu haben.