[Footnote 180: »Hoc in tempore (i.e. Hen. III.) de exhaeredatis

surrexit et caput erexit ille famosissimus sicarius Robertus Hode

et Litell Johanne, cum eorum complicibus, de quibus stolidum

vulgus hianter in comoediis et tragoediis prurientes festum

faciunt, et super caeteras romancias, mimos, et bardanos cantitare

dilectantur.« J. Fordun's Scotichronicon (vom jahre 1153-1385,

überarbeitet und bis 1437 fortgesetzt von Walter Bowyer, abt von

Inchcolm) herausgegeben von Hearne. 5 vols. 8. Oxford, 1722.

(Seite 774.)]

Diejenige, welche sich in dem oben näher bezeichneten Ms. zu Cambridge

findet (ungenau abgedruckt in Jamieson's Ballads, Hartshorne's Ancient

Metrical Tales, besser in Ritson's letzter ausgabe von Robin Hood),

handelt von der befreiung Robin Hood's durch seine treuen genossen

Litul John und Moche, als er von einem mönche, dem er hundert pfund

abgenommen, in der kirche zu Nottingham erkannt worden war. Das gedicht

beginnt mit einer schilderung des waldes:

In somer when the shawes(1) be sheyn,(2)

And leves be large and long,

Hit is full mery in feyre foreste

To here the foulys song,

To se the dere draw to the dale

And leve the hilles hee,(3)

And shadow hem in the leves grene

Under the grene-wode tre.

[Notes:

1: Dickicht -- 2: schön -- 3: hoch]

Die verschiedenen Robin Hood balladen wurden später zu einem kleinen

epos verbunden, welches unter dem titel: Lytell Geste of Robyn Hode

gegen ende des 15. jahrhunderts von Wynkyn de Worde gedruckt worden

ist[181] und also beginnt (Percy's Reliques S. 21):

Lythe and lysten, gentylmen.

That be of free-bore blode:

I shall you tell of a good yeman,

His name was Robyn Hode.

Robyn was a proude out-lawe,

Whiles he walked on grounde;

So curteyse an outlawe as he was one,

Was never none yfounde.

[Footnote 181: Ausführliches über diesen schluss, sowie über den

ganzen Robin-Hood-cyclus in dem Essay XVII. (on the popular cycle

of the Robin Hood Ballads) in Th. Wrights Essays etc. vol. II.

Seite 164-211. Vergl. auch Barry's Thèse de littérature sur

les vicissitudes et les transformations du cycle populaire de

Robin Hood. Paris, 1832. Ferner Robin Hood and Guy of Gisborne in

Percy's Reliques seite 20-24.]

Ausser den romanzen und balladen, welche den angeführten beiden

sagenkreisen angehören, waren im vierzehnten jahrhundert noch mehrere

andere vorhanden, wie jene beissende satyre auf das ritterthum The

Tournament of Tottenham,[182] ferner The Tale of the Basyn and the Frere

and the Boy,[183] vielleicht auch The Nutbrowne Maid,[184] wenn auch

letztere nicht in ihrer jetzigen gestalt, indem sich volksthümliche

lieder bis zu ihrer aufzeichnung durch schrift oder druck im munde des

volkes vielfach umgestalteten.[185]

[Footnote 182: In Percy's Reliques seite 92-95. In besonderer

ausgabe von Thomas Wright. 16. London, 1836.]

[Footnote 183: In besonderer ausgabe von Th. Wright. 16. London,

1836.]

[Footnote 184: In Percy's Reliques S. 96-99. In besonderer ausgabe

von Th. Wright. 16. London. 1836.]

[Footnote 185: Ferneres über die reiche altenglische

balladenliteratur in Percy's Reliques of Ancient English Poetry

(1765), in Warton's History of English Poetry (1774), in

Ritson's Ancient English Metrical Romances (3 vols. 8. 1802), in

Ellis's Specimens of Early English Metrical Romances (3 vols. 8.

1805), in H. Weber's Metrical Romances of the XIII., XIV. und

XV. Centuries (3 vols. 8. Edinburgh, 1810), in E. Vernon

Utterson's Select pieces of Early Popular Poetry (2 vols. 8.

Lond. 1817), in Ch. H. Hartshorne's Ancient Metrical Tales

(8. London, 1829). Eine sorgfältige angabe von ausgaben einzelner

alter romanzen und balladen ist zu finden in G. L. Craik's

Sketches of the History of Literature and Learning in England,

vol. I. Seite 216-224.]

Zu gleicher zeit, d.h. in der zweiten hälfte des 14. jahrhunderts,

erhielt die englische poesie, welche durch die Visions of Piers

Ploughman zur selbstständigkeit gelangt war, einen überraschenden

aufschwung durch Gower und eine solche ausbildung durch Chaucer, dass

seine werke für zwei jahrhunderte als unerreichte muster dastehen. Der

ältere dieser beiden männer, John _Gower_, war wahrscheinlich einige

jahre vor Chaucer geboren, den er auch um acht jahre überlebte, indem er

erst 1408 starb. Todd in seinem werke »Illustrations of the Lives and

Writings of Gower and Chaucer (8. London, 1810)« hat eine verhandlung

aus dem archiv des herzogs von Sutherland (damals marquis of Stafford)

mitgetheilt, welche von Stitenham (oder Sittenham in Yorkshire) im jahre

1346 datirt, und als deren erster zeuge Johannes Gower unterschrieben

ist. Eine aufschrift auf dieser verhandlung in einer wenigstens ein

jahrhundert späteren handschrift sagt, dass jener Johannes Gower »Sir

John Gower the Poet« gewesen sei. Nach dieser angabe müsste Gower

mindestens vor 1326 geboren und über 80 jahre alt geworden sein. Solches

steht in übereinstimmung mit den angaben der alten schriftsteller,

welche Gower immer in gemeinschaft mit Chaucer, aber vor diesem

erwähnen. Gower war, wie aus seinem testament hervorgeht, ein mann von

rang und beträchtlichem vermögen. Mit Chaucer war er durch freundschaft

verbunden, wie auch seine im jahre 1393 vollendete Confessio amantis

bezeugt. In diesem gedichte legt Gower in den mund der Venus folgendes

compliment für Chaucer:

And grete well Chaucer, when ye mete,

As my disciple and my poete;

For in the floures of his youth,

In sondry wise, as he well couth,

Of ditees and of songes glade,

The which he for my sake made,

The londe fullfilled is overall;

Whereof to him in special,

Above all other, I am most hold;

Forthy now in his dayes old

Thou shalle him tell this message,

That he upon his latter age

To set an end of all his werk,

As he which is mine owne clerk,

Do make his Testament of Love,

As thou hast done thy shrift above,

So that my court it may record.

Einige jahre früher hatte Chaucer seinem freunde Gower das gedicht

Troilus and Cresseide in folgenden zeilen gewidmet:

O moral Gower! this booke I direct

To thee, and to the philosophical Strood,

To vouchesauf there need is to correct

Of your benignities and zeales good.

Das beiwort »moral« ist seitdem dem dichter Gower geblieben, indem

spätere dichter ihn »moral Gower« nach Chaucer's vorgange zu nennen

pflegen.

Gower war der verfasser von drei grösseren gedichten, abgesehen von

mehreren kleineren: des Speculum meditantis in französischer sprache,

jetzt verloren, der Vox Clamantis in lateinischer sprache und der

Confessio Amantis in englischer sprache. Die kleineren gedichte Gower's

wurden, nachdem einige schon früher veröffentlicht worden waren, im

jahre 1818 für den Roxburghe Club von dem herzog von Sutherland (damals

Earl Gower) unter dem titel Balades and other Poems by John Gower,

printed from the original Ms., Latin and French; in black letter, 4.

London, herausgegeben. Gower war wahrscheinlich einer der letzten

Engländer, welcher in französischer sprache zu dichten versuchte; am

ende eines dieser kleineren gedichte bittet er seine leser um verzeihung

wegen etwa in dem fremden idiom gemachter fehler, weil er ein geborner

Engländer und nicht meister der französischen beredsamkeit sei:

Et si jeo n'ai de François la faconde,

Pardonetz moi qe jeo de ceo forsvoie.

Jeo sui Englois: si quier par tiele voie

Estre excuse ...

Gower's hauptgedicht von 30,000 versen, die Confessio Amantis, ist ein

dialog zwischen einem liebenden und seinem beichtvater, welcher ein

priester der Venus ist und Genius heisst. Der inhalt ist moralisch und

beruht auf der annahme, dass jeder glückliche liebhaber nothwendiger

weise auch ein guter mensch und christ sein müsse. Der beichtvater

bespricht zum beweise dieses satzes in ernster weise alle schwächen des

menschlichen herzens und die moral, sowie das eigentliche wesen der

liebe. Der schluss des ganzen gedichtes ist unbefriedigend, indem der

held desselben uns erzählt, nicht etwa dass seine geliebte unerbittlich

oder treulos, sondern dass er selbst schon so alt sei, dass die

unterwerfung seiner schönen gegnerin kein triumph für ihn sein würde.

Unendlich wichtiger als Gower für die englische literatur und sprache

ist Geoffrey _Chaucer_, dem die dankbare nachwelt den beinamen »Vater

der englischen dichtkunst« gegeben hat. Obgleich die englische sprache

schon mit der entwickelung des unterhauses unter dem ersten Eduard

angefangen hatte, nach der herrschaft über die französische zu streben,

so hatte sich diese sprache doch am königlichen hofe und in den höheren

kreisen ungeschwächt behauptet. Es bedurfte daher eines so gewandten

und umfassenden geistes, als Chaucer besass, um, wenn auch durch die

kirchlichen und politischen verhältnisse unterstützt, der sprache und

mit ihr der literatur England's einen festen halt und eine sichere,

bestimmte richtung zu geben. Fortan galt Chaucer's sprache und styl,

welche Spenser mit der ehrenvollen bezeichnung »The pure well of English

undefiled« belegt, als das musterbild englischer literatur, welches

in den folgenden zwei jahrhunderten nicht erreicht, viel weniger

übertroffen worden ist. Freilich war Chaucer's auftreten, wie Warton

bemerkt, nur gleich einem heiteren tage des englischen frühlings, wenn

die sonne mit ungewöhnlicher wärme und schöne das antlitz der natur

erfreut, worauf aber der winter mit neuer macht zurückkehrt.

Der dichter erzählt uns selbst in seinem Testament of Love, dass er zu

London geboren sei. Als sein geburtsjahr wird auf seinem grabsteine (im

nordöstlichen theile der Westmünster-abtei, im sogenannten Poetenwinkel)

das jahr 1328 angegeben. Ob er die universität Cambridge oder Oxford,

oder beide nach einander besucht habe, sind bestrittene punkte; gewiss

ist aber, dass er die armee begleitete, mit welcher Eduard III. in

Frankreich einfiel, und im jahre 1359 gefangen genommen wurde. Um diese

zeit erwarb sich Chaucer die freundschaft und den schutz des John of

Gaunt, dessen heirath mit Blanche, erbin von Lancaster, er in seinem

gedichte The Dream feiert. Der dichter und sein beschützer waren sehr

vertraut. Chaucer heirathete Philippa Pyckard oder de Rouet, die tochter

eines ritters aus dem Hennegau und ehrendame der königin. Eine schwester

dieser dame, Catherine Swinford (wittwe des Sir John Swinford) wurde die

geliebte und endlich die frau des prinzen John of Gaunt, mit dessen

glück auch das des dichters stieg. Im jahre 1367 erhielt er von der

krone ein jahrgehalt von 20 mark silber; im jahre 1372 wurde er als

gesandter an den herzog von Genua gesendet, bei welcher gelegenheit er

die norditalienischen staaten bereist und Petrarca einen besuch gemacht

haben soll; diese letztere vermuthung gründet sich jedoch nur auf eine

anspielung in den Canterbury Tales, wo der Clerk von Oxford von seiner

geschichte sagt, dass er sie

Learned at Padowe of a worthy clerk--

Francis Petrarch, the laureat poet,

Highte this clerk, whose rhetoricke sweet

Enlumined all Itaille of poetrie.

Es ist dieses die geschichte von Patient Grisilde, welche von Boccaccio

geschrieben und von Petrarca in das Lateinische übersetzt worden war.

So viel dürfte nicht bezweifelt werden, dass Chaucer die berühmten

italienischen dichter der damaligen zeit wenigstens als vorbilder zu

lehrmeistern des geschmacks und der poesie gehabt habe. Die göttliche

komödie Dante's hatte die italienische literatur verherrlicht, Petrarca

erhielt die lorbeerkrone im römischen capitol nur fünf jahre früher als

Chaucer seinen Court of Love schrieb (1346), und Boccaccio hatte sein

Decameron, in welchem der wohllaut der sprache mit allen reizen der

romantik verbunden war, der bewundernden mitwelt geschenkt. Solche

Vorbilder entzündeten den empfänglichen geist Chaucer's.

Eduard bewährte seine gunst, indem er Chaucer das einträgliche amt

eines inspectors des wein- und wollsteueramts zu London verlieh und

ihm täglich einen krug wein von der königlichen tafel schickte, wofür

er später eine jährliche pension von 20 mark silber erhielt. Eduard

sandte ihn auch an den französischen hof, um eine heirath zwischen dem

prinzen von Wales und Marie, der tochter des französischen königs, zu

vermitteln. Wenn Chaucer in England war, wohnte er in einem ihm von

dem könige verliehenen hause in der nähe des königlichen schlosses zu

Woodstock, wo er nach seiner schilderung in dem gedichte The Dream mit

allen genüssen und feinheiten des lebens umgeben war.

Der anfang der regierung Richard's II. brachte eine veränderung

in Chaucer's äusseren Verhältnissen hervor, indem er sich in die

politischen und kirchlichen Unruhen der zeit verwickelte und der partei

des John von Northampton, welcher ein anhänger Wycliffe's war, gegen die

neue regierung anschloss. Chaucer musste fliehen und begab sich zuerst

in den Hennegau und nachher nach Holland. Als er im jahre 1386 nach

England zurückkehrte, wurde er in den Tower geworfen. Im mai 1388

empfing er die erlaubniss, seine beiden pensionen zu verkaufen,

wahrscheinlich aus noth zu diesem schritte gezwungen. Seine befreiung

aus dem Tower erhielt er nicht eher, als bis er seine früheren

parteigenossen angegeben hatte. Seine leiden, das elend, den hass,

welchen er ertragen musste, und seinen unwillen über seine früheren

bundesgenossen malt der dichter in rührender sprache in dem Testament of

Love. Nach seiner unterwerfung wurde Chaucer wieder von der königlichen

gunst getragen und erhielt 1389 ein öffentliches amt zu London und 1390

ein ähnliches zu Windsor. Späterhin empfing er wieder ein jahrgehalt von

20 pfund und jährlich eine tonne wein. Jetzt erst, am abende seines

bewegten lebens angelangt, bearbeitete er wahrscheinlich in bescheidener

zurückgezogenheit zu Woodstock sein hauptwerk, die Canterbury Tales. Im

jahre 1398 wurde ihm von der krone ein schutzbrief bewilligt, ob wegen

seiner politischen vergehen oder gegen gläubiger, ist nicht recht klar.

Im jahre 1399, als Henry of Bolingbroke, der sohn John of Gaunt's,

seines schwagers, den thron bestieg, wurden weitere 40 mark der pension

Chaucer's zugelegt. Chaucer miethete sich jetzt (24. december 1399)

ein haus in London in der nähe von Westmünster, wo jetzt die kapelle

Heinrich's VII. steht; hier starb er am 25. october 1400 und wurde in

der Westmünster-abtei beerdigt, der erste jener dichter, deren asche in

diesem englischen nationalheiligthum ruht.

Chaucer war gelehrter und weltmann, hofmann und soldat; er wurde in

wichtigen und zarten staatsangelegenheiten verwendet, und war ebenso

bekannt mit dem glänzenden hofe des kriegerischen und prachtliebenden

Eduard III., als mit den unglücklichen schicksalen, welche ihn während

der bürgerlichen unruhen in seinen späteren lebensjahren trafen. Chaucer

führte ein bewegtes leben und hatte die verhältnisse der welt mit dem

auge eines scharfen und glücklichen beobachters geschaut, so dass er

besonders geeignet war, das leben der menschen, ihre beweggründe und

zwecke getreulich zu schildern. Seine besten schriftstellerischen

arbeiten fallen in seine späteren lebensjahre, wo sein verstand durch

viele erfahrungen gereift, sein herz aber nicht erkältet, noch seine

heitere laune vergiftet war. Er war kein feind der lust und heiterkeit,

aber zugleich thätig und fleissig; er war ein feind des aberglaubens

und kirchlicher missbräuche, aber seine satyre war nicht bitter; in

der komischen erzählung und der charakterschilderung zeigte er sich

besonders stark. Sein ganzes leben hindurch bewahrte er sich die liebe

zur natur, deren belebenden und stärkenden einfluss er kannte. Mit

reizenden farben schildert er die lieblichkeit eines frühlingsmorgens,

und der maimonat scheint immer eine festzeit für sein herz und seine

phantasie gewesen zu sein. Der aufenthalt in Woodstock, wo er in seiner

jugend geschwärmt und im hohen alter die letzten und schönsten träume

seines lebens empfangen hatte, mochte diese verehrung der natur in ihm

geweckt und erhalten haben.

Chaucer ist ein sehr fruchtbarer dichter. Ausser den Canterbury Tales

übersetzte er The Romaunt of the Rose von dem französischen roman de

la Rose von Guillaume de Lorris und Jean de Meun; ferner dichtete er

Troilus and Cresseide, eine nachahmung des Filostrato von Boccaccio, The

House of Fame, Chaucer's Dream, The Book of the Dutchess, The Assembly

of Fowls, The Flower and the Leaf, The Court of Love, nebst vielen

balladen und kleineren gedichten. Die werthvollsten derselben sind The

flower and Leaf, eine begeisterte allegorie, Troilus and Cresseide,

welches lange zeit beliebt war, und The House of Fame, späterhin von

Pope paraphrasirt. Das schönste und dauerhafteste denkmal von Chaucer's

dichtergeist sind aber seine Canterbury Tales,[186] eine nachahmung von

Boccaccio's Decameron. Der italienische dichter lässt zehn personen

während der pest des Jahres 1348 sich von Florenz in eine einsame villa

zurückziehen, wo sie sich nach dem speisen damit unterhalten, einander

geschichten zu erzählen. Zehn tage bleiben sie beisammen, und eine jede

person erzählt täglich eine geschichte, so dass das ganze werk hundert

geschichten enthält. Chaucer hat einen ähnlichen plan, aber ein

freundlicheres motiv seinen Canterbury Tales zu grunde gelegt. Eine

gesellschaft von neun und zwanzig verschiedenen leuten (sundry folk),

worunter sich auch der dichter befindet, treffen sich im Tabard Inn zu

Southwark. Die gesellschaft speist zusammen in dem grossen saale des

gasthauses; nachdem sie eine gute mahlzeit gehalten, schlägt der wirth

vor, dass ein jeder aus der gesellschaft auf dem wege nach Canterbury,

wohin sie zu dem grabe des heiligen Thomas à Becket eine wallfahrt

unternehmen wollen, zur abkürzung des weges zwei geschichten und auf

dem rückwege wieder zwei der bestandenen abenteuer erzählen solle.

Derjenige, welcher dann die beste geschichte vorgetragen haben würde,

sollte auf gemeinschaftliche kosten ein abendbrod im Tabard Inn

erhalten. Auch der wirth erklärt, selbst mitreisen zu wollen, um sie

lustig zu erhalten und ihnen den weg zu zeigen. Die gesellschaft ist mit

diesem vorschlage einverstanden und begiebt sich sammt dem wirthe am

nächsten morgen auf den weg, wo einen ritter das loos trifft, mit dem

geschichtenerzählen zu beginnen. Sämmtliche charaktere sind in dem

prolog zu den Canterbury Tales von Chaucer selbst in launiger und

lebendiger sprache geschildert. Da giebt es einen ritter, einen würdigen

mann,

[Footnote 186: Chaucer's sämmtliche werke sind gedruckt worden,

mit ihnen mehrere andere gedichte, welche man Chaucer unbegründet

zugeschrieben hat; aber nur die Canterbury Tales sind

sorgfältiger von Tyrwhitt in 4 bänden 8. im jahre 1775

herausgegeben worden, welchen derselbe im jahre 1778 sein

glossarium zu den ächten werken Chaucer's folgen liess.

Werthvoll ist Tyrwhitt's ausgabe wegen ihres einleitenden Essay

on the Language and versification of Chaucer. Th. Wright in

Anecdota Literaria s. 23 giebt indessen über diese vorläufig

immer noch beste ausgabe Chaucer's, aus welcher auch die

mitgetheilten sprachproben entlehnt sind, folgende, wohl zu harte

kritik: »It is truly to be lamented that a text of Chaucer so

utterly corrupt as that of Tyrwhitt should continue to be

reprinted. Tyrwhitt fell into the error of attempting to make up a

text of an author, when he was totally ignorant of the grammatical

construction of his language, and equally incompetent to

appreciate the comparative value of the manuscripts. The

consequence is that there is not perhaps a single line in

Tyrwhitt's edition of the Canterbury Tales which Chaucer could

possibly have written (!) The very worst Ms. in existence contains

a better text, because it is at least grammatically correct for

the time in which it was written, whereas in Tyrwhitt all grammar

is set at defiance.« (Ueber wie viele ausgaben von resten alter

englischer literatur könnte in ähnlicher weise der philologische

stab gebrochen werden!) In Bell's Edition of the Poets of Great

Britain complete from Chaucer to Churchill, welche mit Chaucer

beginnen, sind die Canterbury Tales aus Tyrwhitt's und die

Miscellaneous Pieces aus Urry's ausgabe (The Works of Jeffrey

Chaucer. London, 1721 fol.) entlehnt. Ausserdem finden sich

sämmtliche werke Chaucer's nebst einem glossarium im ersten

bande der sammlung englischer dichter von Anderson (The Works of

the British Poets with prefaces biographical and critical by

Robert Anderson, 13 vols. 8. London, 1795).]

That fro the time that he firste began

To riden out he loved chevalrie,

Trouthe and honour, freedom and curtesie.

Aber des ritters equipage war nicht so gut als sein ruf:

But for tellen you of his araie,

His horse was good, but he ne was not gaie;

Of fustian he wered a gipon

Alle besmotred with his habergeon,

For he was late ycome fro his viage,

And wante for to don his pilgrimage.

In begleitung des ritters befindet sich sein sohn, a yonge squier,

A lover and a lusty bacheler

With lockes crull as they were laide in presse,

Of twenty yere of age he was I gesse.

* * *

Singing he was or floyting all the day;

He was as freshe as is the moneth of May;

Short was his goune, with sleves long and wide;

Wel coude he sitte on hors, and fayre ride:

He coude songes make, and wel endite,

Juste and eke dance, and well pourtraie and write.

So hote he loved, that by nightertale

He slep no more than doth the nightingale.

Vorzüglich ist die schilderung der priorin, der madame Eglantine, ihres

näselnden singens, ihres schlechten Französisch

After the scole of Stratford atte Bowe.

For Frenche of Paris was to hire unknowe.

Auch ein lustiger mönch ist unter der gesellschaft, der in seinem

stattlichen aufzuge aussieht, als wenn er einst abt werden würde;

übrigens lebt er nicht gerade nach der klosterregel, weil sie schon

etwas alt ist:

This ilke monk lette olde thinges pace,

And held after the newe world the trace.

Chaucer's satyrische schilderung des verweltlichten und üppigen lebens

mancher klosterbrüder spricht sich noch beissender in der vorführung

eines anderen klosterbruders von einem der bettelorden aus, der bei dem

almosensammeln fett geworden ist:

And knew wel the tavernes in every toun,

And every hosteler and gay tapstere.

Ein ablasskrämer (a gentil pardonere), welcher geraden wegs von Rom

kommt und reliquien mitbringt, z.b. ein stück schleier der jungfrau

Maria und einen theil des segels von St. Peter's schiff, und mit allen

seinen reliquien und ablässen an einem tage mehr geld macht, als ein

armer landpfarrer in zwei monaten einnimmt, und ein kirchendiener

(sompnour) mit feuerrothem gesicht und lüsternen augen, der gern

kräftige weine trinkt und für geld alle sünder entschuldigt, welche er

vor des archidiaconus gericht bringen sollte, vollenden Chaucer's bild

von den damaligen übelständen, welche sich in die kirche Christi

eingeschlichen hatten, und zeigen uns klar, dass unser dichter ein

anhänger Wycliffe's und gegner der hohen geistlichkeit war, welche bei

vielen gebrechen ihrer untergebenen beide augen zudrückte.

Dass Chaucer indessen nicht etwa ein verächter der religion war und auch

die geistlichkeit nicht mit seiner satyrischen geissel strafte, wenn sie

ihre schuldigkeit that, sieht man aus seiner schilderung des guten

pfarrers, welcher an der wallfahrt theil nimmt. Von diesem heisst es:

A good man ther was of religioun

That was a poure Persone of a toun,

But riche he was of holy thought and werk;

He was also a lerned man, a clerk,

That Christes gospel trewely wolde he teche;

Benigne he was, and wonder diligent,

And in adversity ful patient,

And swiche he was ypreved often sithes;

Ful loth were him to cursen for his tithes,

But rather wolde he yeven out of doute

Unto his poure parishens aboute

Of his offering, and eke of his substance.

Mit welchem wohlgefallen hebt Chaucer hervor, dass der gute hirt seiner

heerde ein gutes beispiel gab,

That first he wrought and afterwards he taught,

Geschichte der Englischen Sprache und Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst · 第 17 / 21 段