allgemeinen gebrauche bis in die regierungszeit Eduard's III., unter
welchem während des englisch-französischen erbfolgekrieges eine
feindschaft zwischen dem englischen und französischen volke entstand,
von welcher nicht bloss die politische, sondern auch die sprachliche
sonderung eine folge war. Ranulph oder Ralph Higden, ein mönch des St.
Werburg's-stiftes in Chester schreibt in seinem lateinischen
Polychronicon, welches mit dem jahre 1357 endet, dass das Französische
immer noch zu seiner zeit die sprache war, welche die kinder gebildeter
eltern von der wiege ab sprachen, und die einzige, welche in der schule
den knaben gestattet war, so dass sogar die landleute sie gemeiniglich
verstanden und sich mühe gaben, in ihr zu reden. Allein man sieht aus
den worten Higden's zugleich, dass die öffentliche meinung gegen diesen
allgemeinen gebrauch des Französischen war, welches seine herrschaft
nicht mehr der vorliebe, sondern nur noch der gewohnheit des volkes zu
verdanken hatte. Der autor des Cursor mundi war der ansicht, dass die
Engländer die französische sprache ablegen sollten, da die Franzosen
sich nicht um das Englische kümmerten (Ms. Cott. Vespas. A. III. f. 2).
This ilk bok it es translate
Into Inglis tong to rede,
For the love of Inglis lede,
Inglis lede of Ingland,
For the commun at understand.
Frankis rimes her I redd
Comunlik in ilk sted.
Mast es it wroght for Frankis man,
Quat is for him na Frankis can?
Of Ingland the nacion
Es Inglisman thar in commun;
The speche that man wit mast may spede,
Mast thar wit to speke war nede.
Selden was for ani chance
Praised Inglis tong in France!
Give we ilkan thare langage
Me think we do tham non outrage.
Und in dem gedichte King Edward and the Shepherd wird die unwillige
verwunderung des letztern über die bei hofe gesprochene fremde sprache
in folgenden versen ausgedrückt (Ms. Cantab. Ff. v. 48. fol. 55).
The lordis anon to chawmbur went,
The kyng aftur the scheperde sent,
He was bro+g+t forth fulle sone;
He clawed his hed, his hare he rent,
He wende wel to have be schent,
He ne wyst what was to done.
When he French and Latyn herde,
He hade mervelle how it ferde,
And drow hym ever alone:
Jhesu, he seid, for thi gret grace,
Bryng me fayre out of this place!
Lady, now here my bone!
Trevisa, der englische übersetzer von Higden's Polychronicon, findet
es im jahre 1385 nöthig, der erwähnten stelle seines autors eine
erläuterung hinzuzufügen. Trevisa sagt darin: diese weise, die kinder in
französischer sprache zu unterrichten, war vor der ersten pest (1349)
sehr im gebrauch, hat sich jedoch seit der zeit etwas geändert; denn
_John Cornwaile_, ein schulmeister, vertauschte das Französische als
unterrichtssprache mit dem Englischen, von ihm lernte _Richard
Pencriche_ diese art zu unterrichten, und andere lernten sie wieder von
Pencriche, so dass jetzt (1385) in allen unterrichtsanstalten (gramer
scoles) die kinder das Französische verlassen und in englischer sprache
construiren (das Latein übersetzen) und lernen und dabei vortheil auf
der einen und nachtheil auf der anderen seite haben. Ihr vortheil ist,
dass sie die grammatik in weniger zeit als sonst lernen, ein nachtheil
aber, dass jetzt die schüler (children of gramer scole) nicht mehr
Französisch verstehen als ihr linker absatz, was ihnen, wenn sie über
see in fremde länder reisen, sehr leid thun wird; auch bleibt den
vornehmen leuten (gentilmen) nunmehr viel zu thun übrig, ihren kindern
Französisch zu lehren.[170]
[Footnote 170: This maner was myche yused to fore the first moreyn,
and is siththe some del ychaungide; for John Cornwaile, a maistre
of grammer, chaungide the lore in grammer scole and construction
of Frensch into Englisch, and Richard Pencriche lerned that maner
teching of him, and other men of Pencriche; so that now the +g+ere
of oure Lord a thousand thre hundred foure score and fyve, of the
secunde King Rychard ofter the conquest nyne, in alle the gramer
scoles of Englond children leveth Frensch, and construeth and
lerneth an Englisch, and haveth thereby avauntage in oon side and
desavauntage in another. Her avauntage is, that thei lerneth her
gramer in lasse tyme than children were wont to do; desavauntage
is, that now children of gramer scole kunneth no more Frensch that
can her lifte heele; and that is harm for hem, and thei schul
passe the see and travaile in strange londes, and in many other
places also: also gentilmen haveth now mych ylefte for to teche
her children Frensch. Vergleiche Tyrwhitt's Essay etc. Note 21.]
Diese veränderung der unterrichtssprache zwischen der zeit, wo Higden
schrieb und Trevisa übersetzte, kann unbedenklich mit jener politischen
acte Eduard's III. in verbindung gesetzt werden, worin derselbe im jahre
1362 befahl, dass alle in den königlichen gerichtshöfen geführten
processe in englischer sprache verhandelt, aber in lateinischer sprache
eingetragen und verzeichnet werden sollten, während vor dieser zeit die
verhandlungen in französischer sprache gepflogen, die acten aber in
lateinischer, oder ebenfalls in französischer sprache geführt wurden.
Als grund für diesen erlass Eduard's III. wird angegeben, »dass dem
könig von prälaten, herzögen, grafen, baronen und allen gemeinen oft das
grosse unheil vorgestellt worden sei, welches verschiedenen des reiches
zugestossen sei, weil sie die gesetze, gebräuche und verordnungen dieses
reiches nicht immer gehalten und befolgt hätten, indem sie in der
französischen sprache gegeben oder verhandelt werden, welche in dem
besagten reiche nicht sehr bekannt ist, so dass die leute, welche bei
den königlichen und anderen gerichtshöfen klagen oder verklagt werden,
keine kenntniss von dem haben, was für oder wider sie gesagt wird; und
weil vernünftiger weise die besagten gesetze und gebräuche in der im
reiche üblichen sprache um so mehr begriffen, bekannt und verstanden
werden, damit jedermann sich um so besser führen könne, ohne das gesetz
zu verletzen, und um so eher seine erbschaft und besitzung bewahren und
vertheidigen könne.« Indessen ist sonderbarer weise diese verordnung
selbst in französischer[171] sprache erlassen worden, welche seit langer
zeit die muttersprache der königlichen familie war, und wahrscheinlich
ausschliesslich bei hofe und wenigstens bis 1483 im oberhause gesprochen
worden ist. Ritson behauptet, dass Heinrich III. sich nie der englischen
sprache bedient habe. Eduard I. sprach nur französisch im rathe
sowohl als im felde; viele seiner aussprüche sind von den alten
geschichtsschreibern aufbewahrt worden. Eduard II., welcher eine
französische princessin heirathete, bediente sich gleichfalls der
französischen sprache. Sein sohn Eduard III. schrieb alle seine briefe
oder depeschen in der französischen sprache, in welcher sie von Robert
v. Avesbury aufgezeichnet und überliefert worden sind.
[Footnote 171: Pour ce qe monstre est soventfoiz au Roi, par
Prelatz, Ducs Counts Barons et tout la communalte, les grantz
meschiefs qe sont advenuz as plusours du realme de ce qe les leyes
custumes et estatutz du dit realme ne sont pas conuz communement
en mesme le realme, par cause qils sont pledez monstrez et juggez
en la lange Franceis, qest trope desconue en dit realme; issint qe
les gentz que pledent ou sont empledez en les Courtz le Roi et les
Courtz dautres, nont entendement ne conissance de ce qest dit por
eulx ne contre eulx par lour Sergeantz et autres pledours; et qe
resonablement les dites leyes et custumes seront le plus tost
apris et conuz et mieultz entenduz en la lange usee en dit realme,
et par tant chescun du dit realme se purroit mieultz governer sanz
faire offense a la leye, et le mieultz garder sauver et defendre
ses heritages et possessions; et en diverses regions et paiis, ou
le Roi les nobles et autres du dit realme ont este, est bon
governement et plein droit fait a chescun par cause qe lour leyes
et custumes sont apris et usez en la lange du paiis; le Roi
desirant le bon governement et tranqillite de son poeple, et de
ouster et eschure les maulx et meschiefs qe sont advenuz, et
purront avener en ceste partie, ad pour les causes susdites
ordeigne et establi des assent avantdit qe toutes plees qe seront
a pleder en ses Courtz queconqes, devant ses Justices queconqes ou
en ses autres places ou devant ses autres Ministres qeconqes on en
les Courtz et places des autres seignors qeconqes deinz le realme,
soient pledez, monstretz, defenduz, responduz, debatuz et juggez
en la lange engleise; et qils soient [entreez] et enroullez en
latin; et qe les leyes et custumes du dit Realme, termes et
processes, soient tenuz et gardez come ils sont et ont este avant
ces heures; et qe par les aunciens termes et formes et counter nul
home soit prodant, issint qe la matire del accion soit pleinement
monstre en la demonstrance et en le brief; et est acorde del
assent avantdit q cestes ordeignances et estatutz de pleder
comenceent et tieguent lieu al quinzeine Seint Hillere prochein
avenir. (The Statutes of the Realm. Printed by command of his
Majesty King George III. in pursuance of an address of the House
of Commons. Fol. 1810. Vol. I. S. 375.)]
Dafür, dass erst in den letzten jahren der regierung Eduard's III. jene
mächtige veränderung zu gunsten der englischen sprache vorging, spricht
auch der umstand, dass in seinen ersten regierungsjahren die mitglieder
der universität zu Oxford sich nur lateinisch oder französisch
unterhalten durften. Noch früher gab es hochgestellte personen, welche
weder Latein noch Englisch, sondern nur Französisch sprachen und
verstanden. Von dem bischof von Durham, Lewis Beaumont, wird in dieser
beziehung folgende anekdote erzählt: Als er seine bestallungsbulle,
welche man ihm mehrere tage hindurch vorbuchstabirt hatte, vorlas
(1318), konnte er das wort metropoliticæ nicht aussprechen, so oft er
es auch versuchte. Nachdem er sich einige zeit vergeblich gemüht hatte,
rief er endlich in seiner muttersprache ärgerlich aus: Seit pour dite!
Par Seynt Lowys, il ne fu pas curteis qui ceste parole ici escrit!
(Es ist so gut wie gesagt! Beim heiligen Ludwig, der war nicht höflich,
welcher dieses wort hierher geschrieben hat!)[172]
[Footnote 172: Tyrwhitt's Essay etc. Note 20.]
Das erste englische actenstück in den parlamentsverhandlungen stammt aus
dem jahre 1388; es ist eine bittschrift der londoner krämer (Rot. Parl.
III, 225). Das nächstfolgende ist das geständniss des unglücklichen
Thomas, Herzogs von Gloucester, aus dem jahre 1398, abgenommen zu Calais
von William Rickhill (eingetragen unter Plac. coron. 21. Richard II.
n. 9). Im anfange der regierung Heinrich's VI. scheint die französische
und englische sprache untermischt in den acten des parlaments gebraucht
zu sein. Die subsidien an wolle u.s.w. wurden in englischer sprache
gewährt (1 Hen. VI. n. 19). Ein französisches proviso wurde von dem
hause der gemeinen den artikeln in betreff des regentschaftsrathes,
welche in englischer sprache vorhanden sind, hinzugefügt (ibid. n. 33).
Sogar die königliche zustimmung zu gesetzen wurde in englischer sprache
gegeben: be it ordeined as it is asked, oder: be it as it is axed
(2 Hen. VI. n. 54, 55). Die mündlichen verhandlungen mit sehr wenigen
ausnahmen scheinen in französischer sprache geführt worden zu sein, und
die erlassenen gesetze (statutes) wurden bis zum ersten regierungsjahre
Richard's III. (1483) unausgesetzt in französischer sprache
veröffentlicht. Ein privatvertrag in englischer sprache zwischen dem abt
und kloster von Whitby einerseits und Robert, dem sohne John Bustard's,
andererseits, zu York im jahre 1343 geschlossen, (Charlton's History of
Whitby, 247) ist das älteste actenstück dieser art, welches bekannt
geworden ist.[173]
[Footnote 173: Tyrwhitt's Essay etc. Note 22. 23.]
Zum schluss dieser betrachtung mögen hier aus Ms. Bodl. 48. f. 48. die
worte eines schriftstellers des 14. Jahrhunderts einen platz finden,
worin er seine gründe für den gebrauch der englischen sprache in
gemüthlicher weise angiebt:
In Englis tonge y schal +g+ow telle,
+G+yf +g+e so long with me wyl dwelle;
Ne Latyn will y speke ne waste,
Bot Englisch that men uses maste,
For that ys +g+oure kynde langage
That +g+e hafe here most of usage;
That can ech man untherstonde
That is born in Englonde;
For that langage ys most schewed,
Als wel mowe lereth as lewed.
Latyn also y trowe can nane,
Bot tho that hath hit of schole tane;
Som can Frensch and no Latyne,
That useth has court and duellt therinne,
And som can of Latyn aparty,
That can Frensch ful febylly;
And som untherstondith Englisch,
That nother can Latyn ne Frensch.
Bot lerde, and lewde, old and +g+ong,
Alle untherstondith English tonge.
Therfore y holde hit most siker thanne,
To schewe the langage that ech man can;
And for lewethe men namely,
That can no more of clergy,
Tho ken tham whare most nede,
For clerkes can both se and rede
In divers bokes of Holy Writt,
How they schul lyve, yf thay loke hit:
Tharefore y wylle nie holly halde
To that langage that Englisch ys calde.
+I. Englische Poesie.+
Mit dem entstehen eines englischen volkes im dreizehnten, und dessen
in die augen springenden gegensatze zu dem französischem volke im
vierzehnten jahrhundert stossen wir auch alsbald auf sagenkreise, welche
begebenheiten und helden aus der alten volksthümlichen geschichte
feiern. Die hierher gehörenden romanzen wurden entweder jetzt erst
aus dem gedächtniss und nach der überlieferung aufgezeichnet, welche
sie in der zeit des druckes gepflegt und gehegt hatte, oder sie waren
umarbeitungen verlorener angelsächsischer originale. Vielleicht
schliesst die eine ansicht die andere nicht aus. Zuweilen ist aber der
altenglische romanzenstoff nur in lateinischer,[174] oder französischer
bearbeitung der nachwelt überliefert worden. Die romanze von _Waldef_,
handschriftlich in französischen versen im besitz des Sir Th. Phillipps,
ist in Cambridge auch lateinisch vorhanden; sie wurde auf begehr einer
dame, welche englisch nicht verstand, in französische verse, und hieraus
in das Latein übersetzt, wie der letztere übersetzer in seiner vorrede
erzählt.[175]
[Footnote 174: Man vergleiche die aufzeichnung der thaten
Hereward's, seite 50.]
[Footnote 175: Incipit prologus super hystoriam Waldei quondam
Norffolchie Suffolchieque regis eximii de Gallicis et Anglicis
verbis in Latinum translatus. Primitus subsequens regis Waldei
filiorumque bystoria suorum in lingua Anglica metrice composita
est. Deinde ad instantiam cuiusdam femine, que ipsam penitus
linguam nesciret, quam non alio quam amice nomine voluit indagare,
a quodam in linguam Gallicam est translata. At vero novissime
eandem historiam non solum seniorum preceptis et ut verecundans
dico rogatibus, scilicet ipsis ecclesie a quoque intuitu
difficilia queque et ardua celeri lenitate mutescunt muneribus,
compulsus sum hac de causa in Latinum transferre sermonem.
Eiusdem historie pars quedam usque ad quartam huius operis partem
continuata in ipsa lingua qua primo faerat conscripta reperta est.
(Ms. Bibl. Cambr. C. C. C. Nr. 329.) Vergl. Th. Wright's
Essay's etc. Vol. I. S. 98.]
Der alten angelsächsischen romantik waren die altnordischen und
altdeutschen sagenkreise dienstbar, deren unverkennbare spuren sich
im Beowulf, in des reisenden sängers liede und einigen andern alten
dichtungen finden (vergl. s. 52. 55. 68); die thaten Arthur's und seiner
ritter, obwohl in den altenglischen reimchroniken vielfach erwähnt,
haben nebst dem sagenkreise Karl's des grossen nicht sowohl englischen
als vielmehr normännisch-französischen dichtern den stoff zu ihren
romanzen geliefert. Ausschliesslich englischen heldensagen dagegen, auf
dem boden der englischen geschichte erwachsen und von dem herzen und dem
munde des englischen Volkes getragen, begegnen wir zuerst in denjenigen
gedichten, welche die kämpfe der Angelsachsen und Dänen feiern. Die
anfänge dieses englisch-dänischen romanzenkreises erblicken wir schon in
denjenigen liedern der älteren literatur, welche die thaten Byrhtnoth's
und Athelstan's besingen (vergl. s. 56. 66). In späterer zeit, als das
angelsächsische volks-leben und fühlen unterdrückt wurde, erfuhren die
halbvergessenen angelsächsisch-dänischen heldenlieder mannigfache
umänderungen, welche ihnen das gepräge sagenhafter romantik aufdrückten;
so tauchen sie im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert als eigenthum
des nunmehr englisch gewordenen Volkes wieder auf. Zu diesem
angelsächsisch-dänischen sagen-cyclus gehören die romanzen von Havelok
dem Dänen, könig Horn, Guy von Warwick, Bevis von Hampton, Wade und
andere.[176] Die wichtigsten und ehemals beliebtesten romanzen dieses
kreises sind unstreitig Havelok der Däne[177] und könig Horn,[178] von
welcher letzteren sieben handschriften in englischer und französischer
spräche bekannt sind. Die beste französische handschrift ans dem 13.
sec. wird zu Cambridge (Ms. Bibl. Publ. Ff. 6, 17) aufbewahrt, we sich
auch das älteste, ebenfalls dem 13. sec. angehörende englische Ms.
(Bibl. Publ. Gg. 4, 27) befindet. Die französische romanze ist
ersichtlich eine Überarbeitung des englischen originals im französischen
geschmacke; an einer stelle ist das þ in einem angelsächsischen namen
(Godswiþ) beibehalten worden, an einigen anderen stellen wird auf das
»pergament,« d.h. die zu grunde liegende englische aufzeichnung
verwiesen:
»Cist ocisl Aaloff, com dit le parchemin;«
»E Horn çi ad turné, com dit le parchemin.«
[Footnote 176: Vergl. den nufsatz On the ancient metrical romances
in Percy's Reliques of ancient english poetry. 8. London, 1845,
seite 186-196, wo diese alten romanzenstoffe und die Ms., in
welchen sie sich befinden, besprochen werden.]
[Footnote 177: The ancient English Romance of Havelok the Dane;
accompanied by the French text: with an introduction, notes, and a
glossary, by Fr. Madden. (Printed for the Roxburghe Club.) 4.
London, 1828.]
[Footnote 178: In Ritson's ancient English metrical Romances.
3 vols. 8. London, 1802, wo sich auch die weiter unten erwähnte
romanze Hornchilde (ritter Horn) befindet.]
Während sich in diese alten romanzen durch die den letzten
aufzeichnungen kurz vorangegangenen kreuzzüge eine grosse anzahl
anachronismen eingeschlichen haben, indem z.B. die Dänen, weil heiden,
gewöhnlich als saracenen aufgeführt werden, hat sich eine jüngere
bearbeitung desselben gegenstandes unter dem titel: Hornchilde and
maiden Rimnild in dem Auchinleck Ms. der advocatenbibliothek zu
Edinburgh erhalten, welche den charakter der alten zeit treuer bewahrt
hat.[179] Einige kurze sprachproben mögen hier einen platz finden:
[Footnote 179: Siehe die abhandlung über Havelok, könig Horn und
Hornchilde in Th. Wright's Essays etc., vol. I. seite 99-123,
woraus auch die angeführten sprachproben entlehnt sind.]
+Havelok+ (französisch).
Haveloc tint en sa baillie
Nicole et tote Lindesie,
Xx. anz regna, si en fut rois;
Assez conquist pas ses Danois.
Mult fu de li grant parlance:
Li auncien par remembrance
Firent un lai de sa victoire.
+König Horn+ (sucht hilfe in Irland).
He dude(1) writes sende
Into Yrlonde,
After kni+g+tes li+g+te,(2)
Irisse men to fi+g+le.(3)
To Horn come i-no+g+e,(4)
That to schupe(5) dro+g+e(6)
Horn dude him(7) in the weie
On a god galeie.
[Notes:
1: did -- 2: light -- 3: fight -- 4: enough -- 5: ship -- 6: drew --
7: them]
+Hornchilde.+
(Horn's vater, Hatheolf, regierte über ganz England nördlich vom Humber.
Während seiner herrschaft fielen die Dänen in sein gebiet und wollten
eben ihre beute in Cleveland auf die schiffe bringen, als Hatheolf davon
kunde erhält, mit seinen mannen nach Cleveland eilt und die Dänen
schlägt:)
In a morning thai bigan,
Of al that day thai no blan(1)
That baleful werk to wirke:
Sides thai made blo and wan,
That er were while so fether on swan,
Whiche gamen man aught irke.
When that even bicam,
The Danismen were al slan,
It bigan to mirke.
Whoso goth or rideth ther-bi,
Yete may men se ther bones ly
Bi Seynt Sibiles kirke.
[Notes:
1: Imp. von blinnan, aufhören]
Romanzen dieser art waren noch zu Chaucer's zeit so ausserordentlich
beliebt, dass derselbe ihrer bei seinem Sir Thopas, wie es scheint,
nicht ohne einen satyrischen seitenblick, gedenkt:
Men speken of romaunces of pris,
Of Horn-Child, and of Ipotis,
Of Bevis, and Sire Guy,
Of Sire Libeux, and Pleindamour.
But Sire Thopas, he bereth the flour
Of real chevalrie.
Aller wahrscheinlichkeit nach lebte dieser chevalereske romanzencyclus
nur in den höheren klassen der gesellschaft, wofür auch die
französischen bearbeitungen desselben sprechen. Ein zweiter sagenkreis,
die Robin Hood ballade, war nach seinem entstehen und ganzen wesen
eigenthum der tieferen schichten des volkes. Seine entstehung fällt in
die zeit, wo die Angelsachsen nach der eroberung des landes durch die
Normannen von diesen hart gedrückt wurden, und einzelne kühnere männer
des besiegten volkes, welche sich in die sümpfe und wälder zurückgezogen
hatten, von hier an dem leben und gute der Normannen, besonders aber an
dem durch strenge jagdgesetze geschützten wilde des königs repressalien
nahmen, welche das unterdrückte volk unterstützte und guthiess, zumal
es selbst manchen genuss davon ziehen mochte. Ob es jemals einen
sächsischen outlaw mit namen Robin Hood und seinen treuen genossen
Little John gegeben habe, dürfte nicht mehr auszumachen sein, da die
spätere volkssage den charakter Robin Hood's durchaus generalisirt und
den namen Robin (Robert, Ruprecht) Hood (mit der kappe, oder vielleicht
of the wood, aus dem walde) mit der bedeutung eines neckischen, den
armen wohlgesinnten koboldes (Robin-Good-fellow) verbunden hat. In den
hierher gehörenden balladen wird der held als vorzüglicher bogenschütze,
als wilddieb und als lustiger, die freuden der tafel und der gelage
nicht verachtender gesell dargestellt. Eine besondere eigenthümlichkeit
dieses balladencyclus ist es, dass der held desselben nur gegen die das
volk drückenden diener und grossen des königs, nicht gegen diesen selbst
krieg führt; im gegentheil wird der könig bei einer zufälligen begegnung
mit dem feinde seines wildes von diesem stets gastlich aufgenommen, so
dass beide ganz gut bekannt werden, und der wilddieb wohl gar mit an
den hof geht. Mit diesem merkwürdigen zuge der loyalität mochte das
englische volk, in welchem jene balladen lebten, seine freude an dem
ungesetzlichen leben Robin Hood's gleichsam beschönigen wollen.
Eine der ältesten balladen dieses kreises ist könig Eduard (II.) und der
schäfer, welche sich zusammen mit der ältesten Robin Hood ballade in
einem Ms. (Ff. 5. 48) zu Cambridge aufbewahrt befindet. In diesem
gedichte nennt sich der könig Jolly Robin und schickt sich an, mit dem
schäfer zu essen und zu trinken, wobei ihm dieser seine schlingen zeigt,
mit denen er das wild fängt. Der schäfer begiebt sich auf die einladung
Jolly Robin's an den hof, wo er nach einiger zeit entdeckt, dass sein
gast der könig selbst gewesen sei. Folgendes ist die stelle aus dieser
schönen ballade, in welcher der schäfer das ansinnen des ihm unbekannten
königs, diesem eine probe von seiner geschicklichkeit im fangen des
wildes zu geben, zuerst zurückweiset:
The herd bade, »let sech wordis be,
Sum man my+g+t here the,
The were better be still.
Wode has erys, felde has si+g+t:
Were the forster here now right,
They wordis shuld like the ille.
He has with hym +g+ong men thre,
Thei be archers of this contré.
The kyng to serve at wille,
To kepe the dere both day and ny+g+t;
And for theire luf a loge is di+g+t,
Full hye upon an hill.«
Eine andere alte ballade aus demselben cyclus ist unter dem titel
The kyng and the Hermit bekannt geworden, wo die scene bereits im
Sherwoodwalde liegt, und der mönch (Friar Tuck), welcher die rolle des
schäfers übernommen hat, sich auf den bogen versteht und damit das wild
erlegt. Der könig führt hier den namen Jack Fletcher und ladet den mönch
ebenfalls ein, an den hof zu kommen. Von dem schlusse des gedichtes
fehlt noch mehr als bei dem vorigen. Folgende zeilen schildern den
jagdapparat des mönches:
Into a chambyr he hyin lede;
The king sauwe aboute the hermytes bed
Brod arowys hynge.
The frere gaff him a bow in hond:
»Jake,« he seyd, »draw up the bond;«
He myght oneth styre the streng,
»Sir,« he seyd, »so have I blys,
There is no archer that may schot in this,
That is with my lord the kyng.«
Die eigentlichen Robin Hood balladen müssen schon um die mitte des 14.
jahrhunderts populär gewesen sein, denn der autor der Visions of Piers
Plowman erwähnt sie schon:
»But I kan rymes of Robyn Hood,«
und der schottische chronist _Fordun_, welcher um 1350 schrieb, gedenkt
ihrer ausführlich.[180]