Während die alten Angelsachsen den reim wenig kannten, sondern ihre

verse, abgesehen von dem inhalte, durch die alliteration von der

prosa unterschieden, wurde durch die Normannen der reim in England

eingebürgert, und als kennzeichen der poesie auch von der alten

volkssprache angenommen. Dabei findet sich aber in den trümmern

derselben immer noch eine entschiedene neigung zur alliteration, deren

spuren nie ganz verschwinden. So zeigt sich z.b. bei Minot ausser dem

reim an vielen stellen die alte art der poetischen form.

Edward, owre Comely Cing,

in Braband Has His woning(1)

with many Comely Cnight;

and in that land, Truely to Tell,

orDains he still for to Dwell

to Time(2) he Think to fight.

Now God, that is of Mightes Mast,

Grant him Grace of the Holy Ghast

His Heritage to win;

and Mary Moder, of Mercy free,

save our cing and his meny(3)

fro Sorrow, Shame and Sin.[163]

[Notes:

1: wohnung -- 2: bis zur zeit wo -- 3: angehörige]

[Footnote 163: Aus Craik's Sketches, Bd. I, seite 235, modernisirt.]

In der mitte des vierzehnten jahrhunderts entstand ein satyrisches

gedicht The Visions of Piers Ploughman. Dieses gedicht, als dessen

verfasser Robert Longlande genannt wird, ist eines der wichtigsten

werke, welches vor einführung der buchdruckerkunst in England

geschrieben worden ist. Es enthält in volksthümlichem gewande diejenigen

lehren und ansichten, welche allmälig die kirchenreform herbeiführten,

und suchte mit beseitigung des reimes das alliterationssystem, wie es in

der alten angelsächsischen sprache geherrscht hatte, von neuem in das

leben zu rufen. In beiden beziehungen ist es characteristisch für eine

grosse literarische, wie politisch-kirchliche veränderung in England,

indem die sprache und alte selbstständigkeit der deutschen bevölkerung

England's, wenn auch modificirt, wieder die oberhand über die sprache

und gesinnung der romanisirten Normannen gewonnen hatte. Von diesem

werke sind viele handschriften vorhanden, da es einst sehr populär war;

ebenso ist es oft herausgegeben worden, zuerst im jahre 1550 in London

von Robert Crowley, in neuerer zeit (1813) von Th. D. Whitaker, zuletzt

im jahre 1842 von Thomas Wright, dessen ausgabe auf jene älteste fusst,

während sein vorgänger Whitaker ein abweichendes manuscript abgedruckt

hat. Von dem autor des gedichts ist so gut wie nichts bekannt;

gewöhnlich wird er Robert Longlande oder Langland genannt; aber es ist

aus inneren gründen wahrscheinlich, dass er nicht Robert, sondern

William hiess, und dass er unter diesem namen in dem gedichte von sich

selbst spricht. Er will als mönch im westlichen England in der nähe der

Malvern hills gelebt haben, wo er eines maimorgens, wie das gedicht

erzählt, eingeschlafen sei und nun verschiedene träume oder visionen

gehabt habe.

[164]In a Summer Season, when Soft was the Sun,

I Shoop(1) me into Shrowds,(2) as I a Sheep were;

in Habit as an Hermit unHoly of werkes,

Went Wide in this World Wonders to hear;

ac(3) on a May Morwening(4) on Malvern hills

me beFel a Ferly,(5) of Fairy me thought.

I Was Weary forWandered, and Went me to rest

under a Brood(6) Bank By a Burn's(7) side;

and as I Lay and Leaned, and Looked on the waters,

I Slombered into a Sleeping, it Swayed so mury.(8)

[Notes:

1: scóp (shaped,) gestaltete -- 2: gewänder -- 3: aber -- 4: morning

-- 5: wunder -- 6: broad -- 7: brunnen, quelle -- 8: es überfiel

mich so sanft.]

[Footnote 164: In Craik's Sketches, Bd. 1. seite 245, leider mit

veränderter orthographie abgedruckt. Die ersten vier zeilen sind

in Percy's Reliques, wie folgt, geschrieben:

In a Somer Season, when Soft was the Sunne,

I Shope me into Shrouds as I a Shepe were;

In Habits as an Harmet unHoly of Werkes,

Went Wyde in thys World Wonders to heare.]

An einer stelle findet sich eine anspielung auf den im jahre 1360 mit

Frankreich abgeschlossenen vertrag von Bretigny; an einer anderen wird

des merkwürdigen sturmes vom 15. Januar 1362 als eines kürzlich

vorgefallenen ereignisses gedacht. Es ist daher wahrscheinlich, dass

das gedicht in diesem jahre oder bald nachher geschrieben worden

ist. Dasselbe ist in Wright's ausgabe in 20 abschnitte oder passus

eingetheilt, von denen jeder eine besondere vision enthält. Die

verbindung dieser abschnitte ist sehr lose, so dass das ganze eine

zusammensetzung mehrerer gedichte zu sein scheint. Der rhythmus des

gedichts hängt nicht von der anzahl der sylben, sondern von der anzahl

der accente im verse ab. Nur die tonsylben sind von bedeutung für das

metrum, der übrigen können mehr oder weniger sein. Der vers, in zwei

hemistiche getheilt, besteht gewöhnlich aus vier tonsylben, von denen

zwei auf das erste hemistich, und zwei auf das zweite hemistich kommen.

Die beiden tonsylben des ersten hemistichs, sowie die erste des zweiten

hemistichs enthalten die alliteration und beginnen mit demselben

buchstaben. Zuweilen ist die alliteration auch bei den vier accentsylben

beider hemistiche zu finden. Der inhalt des gedichts ist eine

auseinandersetzung der hindernisse und versuchungen auf der bahn des

lebens im moralisch-satyrischen style. Der hauptangriff ist gegen die

fäulniss der kirche, gegen die scheinheiligkeit und weltlichkeit, die

unwissenheit, unverschämtheit und sinnlichkeit des geistlichen standes

gerichtet. Dieser umstand bewirkte, dass zur zeit der reformation im

jahre 1550 die drei ersten auflagen des buches in einem jahre vergriffen

wurden. Eigentlich ist nichts antirömisches mit rücksicht auf lehre oder

verfassung der kirche darin zu finden, wie vielleicht später bei

Chaucer; indessen riefen Piers Ploughman's visions nachahmungen und

fortsetzungen nach form und inhalt hervor, welche directere angriffe

gegen die römische kirche enthielten.

Nach Langland's vorgang wurden alliterirende verse von neuem beliebt und

in gedichten von beträchtlicher länge, wie z.b. in dem gedichte über die

im jahre 1399 erfolgte absetzung Richard's II.[165] angewendet. Die

romanzen William and the Werwolf, Alexander, die belagerung von

Jerusalem und andere sind ebenfalls in alliterirenden rhythmen

geschrieben, welche bis gegen das ende des 15. Jahrhunderts nicht

ausser gebrauch kamen.[166]

[Footnote 165: Alliterative Poem on the Deposition of king Richard

II., edited by Th. Wright. 4. London, 1838 (for the Camden

Society).]

[Footnote 166: Th. Percy's Reliques of Ancient English poetry

(ausgabe von Bohn, London 1845, Seite 156 ff.) enthalten eine

abhandlung »on the alliterative metre, without rhyme, in

Pierce Plowman's Visions,« worin die alliteration bis in das

sechszehnte jahrhundert verfolgt wird, und proben alliterirender

gedichte, welche nach den Visions geschrieben sind, mitgetheilt

werden.]

Die wichtigste nachahmung der »Visions« ist ein gedicht unter dem titel

Piers the Ploughman's Creed, welches gegen das ende des 14. jahrhunderts

geschrieben zu sein scheint, und von Reynald Wolfe im jahre 1553 in 4.

zuerst, dann 1814 als eine fortsetzung der Visions von Whitaker, zuletzt

aber von Th. Wright 1842 in verbindung mit den Visions herausgegeben

worden ist. Es beginnt, wie es scheint, in der ursprünglichen schreibart

(Percy's Reliques seite 157):

Cros, and Curteis Christ, this beginning spede

For the Faders Frendshipe, that Fourmed heaven

And through the Special Spirit thal Sprong of hem tweyne,

And Al in One god hed Endles dwelleth.

In diesem gedichte, bemerkt sein letzter herausgeber, ist Piers

Ploughman nicht länger eine allegorische person; er ist einfach der

vertreter des bauers, welcher sich erhebt, um für sich selbst zu

urtheilen und zu handeln.

Die satyre ist nur gegen die geistlichkeit, besonders aber gegen die

mönche gerichtet. Der dichter stellt sich, als wäre er mit dem rechten

glauben unbekannt, und wendet sich nach der reihe an die franciskaner-,

dominikaner-, carmeliter- und augustinermönche, um von diesen auskunft

zu erhalten. Diese können ihm keine genügende belehrung geben, stossen

ihn vielmehr durch ihre faulheit, unwissenheit und unsittlichkeit

zurück. Dann wendet sich der dichter an Piers; dieser wird als ein

armer pflüger (ploughman) dargestellt, von welchem der dichter jene

belehrung in christlicher wahrheit empfängt, die er vergeblich bei

den privilegirten dienern der kirche gesucht hatte. Der verfasser ist

offenbar ein anhänger Wycliffe's, dessen er als eines gestorbenen mit

ehren gedenkt. Wycliffe starb 1384; bald darauf mag dieses satyrische

gedicht entstanden sein.

Folgendes ist eine die schilderung des Piers und seiner familie

enthaltende probe dieses gedichtes nach Craik (a.a.o. seite 260 ff.),

welcher der ausgabe von Wright folgt, aber sich veränderungen der

orthographie erlaubt:

Then Turned I me forth, and Talked to myself

of the Falsehede of this Folk, how Faithless they weren.

And as I Went by the Way Weeping for sorrow,

I See a Seely(1) man me by opon the plough hongen.

His Coat was of a Clout that Cary was y-Called;

his Hood was full of Holes, and His Hair out;

with his Cnopped shoon(2) Clouted full thick,

his Ton Toteden(3) out as he the lond Treaded;

his Hosen overHongen His Hoc-shynes(4) on everich a side

all beslomered(5) in Fen,(6) as he the plough Followed.

Twey Mittens(7) as Meter Made all of clouts,

the Fingers weren For-weard(8) and Full of Fen honged.

This Whit(9) Wasled(10) in the feen almost to the ancle;

Four rotheren(11) him beForn, that Feeble were worthy;

Men Might reckon each a rib, so rentful(12) they Weren.

His Wife Walked him With, With a long goad,

in a Cutted Coat, Cutted full high,

Wrapped in a Winnow-sheet(13) to Wearen her fro Weders,(14)

Barefoot on the Bare ice, that the Blood followed.

And at the Loud's end Lath(15) a Little crom-bolle,(16)

and thereon Lay a Little child Lapped in clouts,

and tweyn Of twey years Old Opon another side.

And all they Songen o Song that Sorrow was to hearen;

they Crieden all o Cry, a Careful note,

the Seely man Sighed Sore, and Said, »Children, beth Still!«

this man Looked opon me, and Let the plough stonden,

and Said, »Seely man, why Sighest thou So hard?

Gif thee Lack Lifelode,(17) Lene(18) thee ich will

swich Good as God hath sent: Go we, leve(19) brother.«

[Notes:

1: silly, simple -- 2: shoes -- 3: gucken -- 4: bakenschienbeine;

die hosen hingen über die knie herab -- 5: [beschlumpert],

beschmutzt -- 6: koth -- 7: fausthandschuhe -- 8: abgetragen --

9: wicht -- 10: waten -- 11: rinder -- 12: abgenützt, mager --

13: worfeltuch (zum worfeln [werfen--reinigen] des getreides) --

14: sie vor dem wetter wahren -- 15: stand -- 16: wiege (crumb-bowl)

-- 17: livelihood -- 18: lend -- 19: lieber]

+Dritte Periode.+

+Die altenglische Zeit.+

(Von 1362 bis 1500).

Die volkssprache, deren grundlage das alte Angelsächsische blieb, hatte

sich allmälig in demselben masse grössere geltung verschafft, als die

geborenen Engländer sich aus dem zustande der unterdrückung erhoben, in

welchen sie der sieg der Normannen versetzt hatte. Hauptmomente in

dieser hinsieht sind der verlust der Normandie unter könig Johann (1206)

und die von Heinrich III. und Louis IX. getroffenen bestimmungen, wonach

die unterthanen der einen krone keinen grundbesitz auf dem gebiete der

anderen haben durften (Matth. Paris ad an. 1244). Dadurch wurde das band

zwischen Frankreich und England gelockert, welches unter Eduard III.

vollständig zerreissen sollte. Die bürgerkriege unter Johann ohne land

und Heinrich III., in welchen sehr viele alte barone und herren umkamen,

hatten den normännischen adel in England geschwächt und englischen

familien gelegenheit gegeben, zu würden und ansehen zu gelangen.

Ersterer musste sich mit der sächsischen Yeomanry vermischen, als er

dieselbe gegen die tyrannischen und zugleich schwachen könige aufrief

und mit den abkömmlingen des sächsischen adels die Magna Charta errang;

es konnte nicht länger eine schmach bleiben, ein Engländer zu sein, als

die normännischen barone unter Heinrich III. die zuströmenden fremden

aus Poitou und Aquitanien mit hilfe der sich erhebenden Engländer

verjagten.[167] Matthew Paris nennt in diesem sinne den Normann Hugh

Bigod einen virum de terra Anglorum naturalem et ingenuum, und

diejenigen fremden, qui Reginae attinentes per eam introducti fuerant

in Angliam, bezeichnet er als alienigenae. Und um dieselbe zeit will der

erzbischof von York einige vom papste empfohlene geistliche nicht

annehmen, »weil sie mit der englischen sprache nicht bekannt seien.«

[Footnote 167: It is certain that, when John became king, the

distinction between Saxons and Normans was strongly marked, and

that before the end of the reign of his grandson it had almost

disappeared. In the time of Richard I., the ordinary imprecation

of a Norman gentleman was »May I become an Englishman!« His

ordinary form of indignant denial was »Do you take me for an

Englishman?« The descendant of such a gentleman a hundred years

later was proud of the English name. Mac Aulay's History of

England. (Tauchnitz edition. 12. Leipzig, 1849.) Vol. I. chp. 1.

S. 16.]

Auch die erziehung der höheren stände erlitt im dreizehnten und noch

mehr im vierzehnten jahrhundert durch die äussere trennung England's von

Frankreich eine bedeutende veränderung, welche, wenn sie auch die

französische sprache als unterrichtssprache nicht augenblicklich zu

verdrängen im stande war, doch die unter Eduard III. erfolgende

sprachliche und geistige trennung der Engländer von den Franzosen

anbahnte. Bis in die mitte des dreizehnten jahrhunderts pflegten die

normännischen barone England's ihre kinder in Frankreich erziehen zu

lassen, wo sie fremden sinn oft mit fremden lastern kennen lernten:

Filii nobilium, dum sunt juniores,

Mittuntur in Franciam fieri doctores;

Quos prece vel pretio domant corruptores,

Sic prætaxatos referunt Artaxata mores.

heisst es im manuscript Digby, Nr. 4, welches zu ende des dreizehnten

oder anfang des vierzehnten jahrhunderts geschrieben sein mag.[168]

Diese sitte hörte mit der zum bedürfniss gewordenen stiftung der

englischen universitäten zu Oxford und Cambridge grösstentheils auf. Die

gründung der hauptsächlichsten Colleges an diesen beiden hauptsitzen

alter englischer gelehrsamkeit fällt in jene durch die verschmelzung

des angelsächsischen und normännisch-französischen stammes zu _einem_

englischen volke, so wie durch die entstehung der englischen sprache

eben so wichtige als interessante zeit von 1250 bis 1350. Mit der

Errichtung dieser pflanzstätten der gelehrsamkeit wie des nationalsinnes

wurde die sitte der fremden, französischen erziehung allmälig zur

unsitte.

[Footnote 168: Vgl. Wright's Anec. Lit. s. 38. 39 unter der

überschrift Goliardic Poetry.]

In demselben grade, als die normännischen sieger aufhören, Franzosen zu

sein, und das Englische das übergewicht über das Französische erhält,

verändert sich auch das letztere in England. Der deutsche accent,

welcher auf der stammsylbe der wörter liegt, veranlasste den Engländer,

die aus der französischen sprache stammenden wörter, gegen den

eigenthümlichen französischen, nach dem ende der wörter strebenden ton,

ebenfalls auf der wirklichen oder vermeintlichen stammsylbe zu

accentuiren, wodurch die nächst liegenden vokale und sylben, gleichsam

von selbst, schwächer und kürzer ausgesprochen wurden. So findet sich

arter (arrêter), cardenal, government, judgment, captain, wauter

(gautier), tresorer, manere (manière). Bei vielsylbigen wörtern,

deren erste sylben nunmehr den accent erhielten, konnte in der letzten

oder vorletzten sylbe kein langer vokal geduldet, wenigstens nicht

ausgesprochen werden: musoire, estoire, gloire, memoire, ordinaire,

adversaire bleiben in England musorie, estorie, glorie, memorie,

ordinarie, adversarie. Was die vokale anlangt, so wurde u und eu in den

französischen wörtern in der aussprache beseitigt, nach welcher man auch

bald die orthographie einrichtete. Dafür treten o und ou ein: so schrieb

man rendez-vos, vole-vos (voulez-vous), auctor, cort, sojorn, soverain,

seignor, plusiors. Bei den consonanten ist die veränderung noch grösser

und auffallender, als bei den vokalen. C, ch, ss, sh beginnen zu

schwanken; man findet commence und commenche, redresser und redrecher,

Frenceiz und Francheis, blance und blanche, dessiré und déchirée,

veinchirent und vainquirent. Das l mouillé verschwindet im dreizehnten

und vierzehnten jahrhundert; man liest Wiliam, doel (deuil), travailer,

perilouse, mervellus. Ebenso erlischt der nasenlaut des an, ain, en, in,

on, oin, un; es wird nunmehr geschrieben: counsell, chemine, maine,

champe, mone intencione, counte, secunde, viconte. Auch das nasale gn

findet sich selten, mochte wenigstens nicht mehr gesprochen werden; man

findet montaigne und mountaine, Alemaigne und Alemaine, Cocaygne und

Cocayne, Spaygne und Spayne, soveraigne und soveraynie, compaingnie und

companie.

Bereits in den gesetzen Wilhelm's des eroberers bemerkt man eine nicht

kleine anzahl angelsächsischer rechtsausdrücke, welche sich für den

augenblick, da das volk daran gewöhnt war und sie verstand, nicht

füglich in das Französische übersetzen liessen. Solche ausdrücke sind

hemfare, sac und sache, soc und soche, sol, tem, infangenethef,

hengwite, manbote, were, sarbote, forfengen, heuvelborh (heafodborh),

wardireve, utlage. Allmälig mehren sich die wörter angelsächsischen

ursprungs in den anglo-französischen schriften. Schon im jahre 1258

findet sich in einem erlass das wort to give: nous _giveons_ nos lettres

overtes seelees de nostre seel (we senden gew this writ open iseined

[iseiled] wið ure seel). Je weiter man kömmt, desto mehr angelsächsische

wörter erblickt man im Französischen (catchpole, villes de Upland,

husbandrie u.s.w.), bis man im fünfzehnten jahrhundert kurz vor dem

erlöschen des Französischen als umgangssprache sich genöthigt sah, das

Französische so gut wie in das Englische zu übersetzen, damit nur

verstanden wurde, was die amtlichen erlasse zu bedeuten hatten, z.b. in

dem jahre 1463:

Notre dit soverain seignur le Roi ad ordeigne qe null merchant ...

amesne, maunde, ne convoie ... ascuns de cestes _wares_, desoutz

escritez,... laces, corses, ribans, frenges de soie ...

_aund-irons_,(1) _grid-irones_,... marteus(2) vulgarement nommez

_hamers_, pinsons, _fire-tonges_, _drepyngpannes_,(3) _dises_,(4)

tenys-balles,... _daggers_, _vodeknyves_, _botkyns_, _sheres_ pour

taillours,... cisours, rasours, _shethes_,... agules pour sacs

vulgarement nommez _paknedles_,... aneus(5) de _coper_,...

chauff_ingdishes_,... chauffyngballes, sackering belles, (?)...

_ladels_,... scomers,... _hattes_, blanc file de fer vulgarement

nome _whitewire_ etc.

[Notes:

1: hand-irons -- 2: marteaux -- 3: drepee, ein gericht aus mandeln

und zwiebeln -- 4: dice -- 5: anneaux]

Man möge bemerken, dass man schon in der mitte des dreizehnten

jahrhunderts anfing, französische wörter mit englischen endungen zu

versehen. So findet sich bereits in dem erlass Heinrich's III. crouninge

(krönung). Wenn das Französische in England so in verfall gerathen und

so unrein geworden war, lässt es sich erklären, dass Gower deshalb um

entschuldigung bittet, weil er französische verse zu schreiben wagt, und

Chaucer über das schlechte Französisch seiner madame Eglantine spottet.

Wenn das eindringen angelsächsischer wörter das Französische veränderte,

so war der umgekehrte fall, dass das Französische das bereits

abgeschwächte angelsächsische idiom durchdrang, von noch grösserem

einfluss auf die bildung des Englischen. Schon in der sächsischen

chronik finden sich französische wörter; dieselben mehren sich besonders

von anfang des vierzehnten jahrhunderts ab. In dem von Ellis (Specimens

etc. band I. seite 83 ff.) aus Hickes's Thesaurus mitgetheilten, leider

in der orthographie modernisirten spottgedichte auf das land Cocaygne

sind schon viele französische wörter zu entdecken: flower, fruit,

serpent, vile, joy, rivers, fine, oil, pillars, capital, jaspe,

corall, canel, odour, girofle, roses, lily, fienestres, baum (balsam),

collation, procession, river, jambleus (gambols), solace, penance, dute

(déduit); es finden sich darin sogar schon französische wörter mit

englischer beugungssylbe, z.b. serveth. Noch mehr französische wörter,

mit und ohne englische beugungssylben, befinden sich in der reimchronik

Robert's von Gloucester: paleys, seruyse, usages, sywete (suit),

serwede, companye, botelerye, corteysye, noblye, armys, chastore,

bachelerye, lance, vylenye, pleyynge at tables, manere, maystrye, large,

u.s.w. Seine nachfolger verlassen die einmal betretene bahn nicht mehr,

obwohl man bei einzelnen autoren, z.b. dem verfasser der visions of

Piers Ploughman, eine geringere anzahl französischer worte findet, was

sich meist nach den lebensverhältnissen der schriftsteiler und dem

stoffe ihrer werke richtet.

Durch diese mischung und gegenseitige durchdringung beider idiome

entstand allmälig jene sprache, welche wir Englisch nennen, und welche

mit ausnahme einiger formen der declination des nomens und pronomens,

der conjugation des verbs, der comparation des adjectivs und adverbs nur

noch trümmer der alten angelsächsischen grammatik zeigt, aber in ihrer

einfachen construction der meist beugungslosen wörter vorzüglich

geschickt war, fremdwörter aller art ohne schwierigkeit in sich

aufzunehmen und sich zu assimiliren.[169]

[Footnote 169: Für diese zeit des schwankens und gegenseitigen

durchdringens der angelsächsischen und französischen elemente,

ehe die neue mischsprache, das Englische, zu einiger festigkeit

gelangte, besitzen wir ein werthvolles, wenn auch noch

unvollständiges, vielleicht auch hin und her fehlerhaftes

wörterbuch, welches auf dem festlande wenig bekannt zu sein

scheint: A dictionary of archaic and provincial words, obsolete

phrases, proverbs and ancient customs, from the XIV. Century, by

J. O. Halliwell. 2 vols. 8. London, 1847.]

Obgleich nunmehr die angelsächsische sprache, als solche, schon im

zwölften und noch mehr im dreizehnten jahrhundert verschwunden war, um

in ihrer abschwächung der mit dem englischen volke zugleich entstehenden

englischen sprache als basis zu dienen, so war diese neue sprache trotz

der entartung der französischen doch nicht sogleich im stande, diese und

die alte bildungs- und gelehrtensprache, die lateinische, aus manchen

kreisen des volkes zu verdrängen.

Das Latein war bis in das 14. jahrhundert hinein die gewöhnliche sprache

des rechtes, wenigstens sind die alten gerichtlichen und gesetzlichen

urkunden ausschliesslich in lateinischer sprache bis zum jahre 1275

abgefasst. Erst in diesem jahre wurde eine verordnung Eduard's I. in

französischer sprache erlassen. Während der folgenden regierungsjahre

dieses königs sind die verordnungen der regierung theils in

lateinischer, theils in französischer, gewöhnlich aber in der ersteren

sprache veröffentlicht worden. Das Französische wurde häufiger unter

Eduard II. und beinahe ausschliesslich unter Eduard III. und Richard II.

angewendet, obwohl auch unter diesem könige sich noch lateinische

verordnungen finden. Lateinisch war auch die sprache der scholastischen

geistlichen und philosophen, wie überhaupt der eigentlichen gelehrten,

mochten sie über geometrie und astronomie, oder über chemie, medicin und

andere naturwissenschaften schreiben.

Geschichte der Englischen Sprache und Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst · 第 15 / 21 段