verse, abgesehen von dem inhalte, durch die alliteration von der
prosa unterschieden, wurde durch die Normannen der reim in England
eingebürgert, und als kennzeichen der poesie auch von der alten
volkssprache angenommen. Dabei findet sich aber in den trümmern
derselben immer noch eine entschiedene neigung zur alliteration, deren
spuren nie ganz verschwinden. So zeigt sich z.b. bei Minot ausser dem
reim an vielen stellen die alte art der poetischen form.
Edward, owre Comely Cing,
in Braband Has His woning(1)
with many Comely Cnight;
and in that land, Truely to Tell,
orDains he still for to Dwell
to Time(2) he Think to fight.
Now God, that is of Mightes Mast,
Grant him Grace of the Holy Ghast
His Heritage to win;
and Mary Moder, of Mercy free,
save our cing and his meny(3)
fro Sorrow, Shame and Sin.[163]
[Notes:
1: wohnung -- 2: bis zur zeit wo -- 3: angehörige]
[Footnote 163: Aus Craik's Sketches, Bd. I, seite 235, modernisirt.]
In der mitte des vierzehnten jahrhunderts entstand ein satyrisches
gedicht The Visions of Piers Ploughman. Dieses gedicht, als dessen
verfasser Robert Longlande genannt wird, ist eines der wichtigsten
werke, welches vor einführung der buchdruckerkunst in England
geschrieben worden ist. Es enthält in volksthümlichem gewande diejenigen
lehren und ansichten, welche allmälig die kirchenreform herbeiführten,
und suchte mit beseitigung des reimes das alliterationssystem, wie es in
der alten angelsächsischen sprache geherrscht hatte, von neuem in das
leben zu rufen. In beiden beziehungen ist es characteristisch für eine
grosse literarische, wie politisch-kirchliche veränderung in England,
indem die sprache und alte selbstständigkeit der deutschen bevölkerung
England's, wenn auch modificirt, wieder die oberhand über die sprache
und gesinnung der romanisirten Normannen gewonnen hatte. Von diesem
werke sind viele handschriften vorhanden, da es einst sehr populär war;
ebenso ist es oft herausgegeben worden, zuerst im jahre 1550 in London
von Robert Crowley, in neuerer zeit (1813) von Th. D. Whitaker, zuletzt
im jahre 1842 von Thomas Wright, dessen ausgabe auf jene älteste fusst,
während sein vorgänger Whitaker ein abweichendes manuscript abgedruckt
hat. Von dem autor des gedichts ist so gut wie nichts bekannt;
gewöhnlich wird er Robert Longlande oder Langland genannt; aber es ist
aus inneren gründen wahrscheinlich, dass er nicht Robert, sondern
William hiess, und dass er unter diesem namen in dem gedichte von sich
selbst spricht. Er will als mönch im westlichen England in der nähe der
Malvern hills gelebt haben, wo er eines maimorgens, wie das gedicht
erzählt, eingeschlafen sei und nun verschiedene träume oder visionen
gehabt habe.
[164]In a Summer Season, when Soft was the Sun,
I Shoop(1) me into Shrowds,(2) as I a Sheep were;
in Habit as an Hermit unHoly of werkes,
Went Wide in this World Wonders to hear;
ac(3) on a May Morwening(4) on Malvern hills
me beFel a Ferly,(5) of Fairy me thought.
I Was Weary forWandered, and Went me to rest
under a Brood(6) Bank By a Burn's(7) side;
and as I Lay and Leaned, and Looked on the waters,
I Slombered into a Sleeping, it Swayed so mury.(8)
[Notes:
1: scóp (shaped,) gestaltete -- 2: gewänder -- 3: aber -- 4: morning
-- 5: wunder -- 6: broad -- 7: brunnen, quelle -- 8: es überfiel
mich so sanft.]
[Footnote 164: In Craik's Sketches, Bd. 1. seite 245, leider mit
veränderter orthographie abgedruckt. Die ersten vier zeilen sind
in Percy's Reliques, wie folgt, geschrieben:
In a Somer Season, when Soft was the Sunne,
I Shope me into Shrouds as I a Shepe were;
In Habits as an Harmet unHoly of Werkes,
Went Wyde in thys World Wonders to heare.]
An einer stelle findet sich eine anspielung auf den im jahre 1360 mit
Frankreich abgeschlossenen vertrag von Bretigny; an einer anderen wird
des merkwürdigen sturmes vom 15. Januar 1362 als eines kürzlich
vorgefallenen ereignisses gedacht. Es ist daher wahrscheinlich, dass
das gedicht in diesem jahre oder bald nachher geschrieben worden
ist. Dasselbe ist in Wright's ausgabe in 20 abschnitte oder passus
eingetheilt, von denen jeder eine besondere vision enthält. Die
verbindung dieser abschnitte ist sehr lose, so dass das ganze eine
zusammensetzung mehrerer gedichte zu sein scheint. Der rhythmus des
gedichts hängt nicht von der anzahl der sylben, sondern von der anzahl
der accente im verse ab. Nur die tonsylben sind von bedeutung für das
metrum, der übrigen können mehr oder weniger sein. Der vers, in zwei
hemistiche getheilt, besteht gewöhnlich aus vier tonsylben, von denen
zwei auf das erste hemistich, und zwei auf das zweite hemistich kommen.
Die beiden tonsylben des ersten hemistichs, sowie die erste des zweiten
hemistichs enthalten die alliteration und beginnen mit demselben
buchstaben. Zuweilen ist die alliteration auch bei den vier accentsylben
beider hemistiche zu finden. Der inhalt des gedichts ist eine
auseinandersetzung der hindernisse und versuchungen auf der bahn des
lebens im moralisch-satyrischen style. Der hauptangriff ist gegen die
fäulniss der kirche, gegen die scheinheiligkeit und weltlichkeit, die
unwissenheit, unverschämtheit und sinnlichkeit des geistlichen standes
gerichtet. Dieser umstand bewirkte, dass zur zeit der reformation im
jahre 1550 die drei ersten auflagen des buches in einem jahre vergriffen
wurden. Eigentlich ist nichts antirömisches mit rücksicht auf lehre oder
verfassung der kirche darin zu finden, wie vielleicht später bei
Chaucer; indessen riefen Piers Ploughman's visions nachahmungen und
fortsetzungen nach form und inhalt hervor, welche directere angriffe
gegen die römische kirche enthielten.
Nach Langland's vorgang wurden alliterirende verse von neuem beliebt und
in gedichten von beträchtlicher länge, wie z.b. in dem gedichte über die
im jahre 1399 erfolgte absetzung Richard's II.[165] angewendet. Die
romanzen William and the Werwolf, Alexander, die belagerung von
Jerusalem und andere sind ebenfalls in alliterirenden rhythmen
geschrieben, welche bis gegen das ende des 15. Jahrhunderts nicht
ausser gebrauch kamen.[166]
[Footnote 165: Alliterative Poem on the Deposition of king Richard
II., edited by Th. Wright. 4. London, 1838 (for the Camden
Society).]
[Footnote 166: Th. Percy's Reliques of Ancient English poetry
(ausgabe von Bohn, London 1845, Seite 156 ff.) enthalten eine
abhandlung »on the alliterative metre, without rhyme, in
Pierce Plowman's Visions,« worin die alliteration bis in das
sechszehnte jahrhundert verfolgt wird, und proben alliterirender
gedichte, welche nach den Visions geschrieben sind, mitgetheilt
werden.]
Die wichtigste nachahmung der »Visions« ist ein gedicht unter dem titel
Piers the Ploughman's Creed, welches gegen das ende des 14. jahrhunderts
geschrieben zu sein scheint, und von Reynald Wolfe im jahre 1553 in 4.
zuerst, dann 1814 als eine fortsetzung der Visions von Whitaker, zuletzt
aber von Th. Wright 1842 in verbindung mit den Visions herausgegeben
worden ist. Es beginnt, wie es scheint, in der ursprünglichen schreibart
(Percy's Reliques seite 157):
Cros, and Curteis Christ, this beginning spede
For the Faders Frendshipe, that Fourmed heaven
And through the Special Spirit thal Sprong of hem tweyne,
And Al in One god hed Endles dwelleth.
In diesem gedichte, bemerkt sein letzter herausgeber, ist Piers
Ploughman nicht länger eine allegorische person; er ist einfach der
vertreter des bauers, welcher sich erhebt, um für sich selbst zu
urtheilen und zu handeln.
Die satyre ist nur gegen die geistlichkeit, besonders aber gegen die
mönche gerichtet. Der dichter stellt sich, als wäre er mit dem rechten
glauben unbekannt, und wendet sich nach der reihe an die franciskaner-,
dominikaner-, carmeliter- und augustinermönche, um von diesen auskunft
zu erhalten. Diese können ihm keine genügende belehrung geben, stossen
ihn vielmehr durch ihre faulheit, unwissenheit und unsittlichkeit
zurück. Dann wendet sich der dichter an Piers; dieser wird als ein
armer pflüger (ploughman) dargestellt, von welchem der dichter jene
belehrung in christlicher wahrheit empfängt, die er vergeblich bei
den privilegirten dienern der kirche gesucht hatte. Der verfasser ist
offenbar ein anhänger Wycliffe's, dessen er als eines gestorbenen mit
ehren gedenkt. Wycliffe starb 1384; bald darauf mag dieses satyrische
gedicht entstanden sein.
Folgendes ist eine die schilderung des Piers und seiner familie
enthaltende probe dieses gedichtes nach Craik (a.a.o. seite 260 ff.),
welcher der ausgabe von Wright folgt, aber sich veränderungen der
orthographie erlaubt:
Then Turned I me forth, and Talked to myself
of the Falsehede of this Folk, how Faithless they weren.
And as I Went by the Way Weeping for sorrow,
I See a Seely(1) man me by opon the plough hongen.
His Coat was of a Clout that Cary was y-Called;
his Hood was full of Holes, and His Hair out;
with his Cnopped shoon(2) Clouted full thick,
his Ton Toteden(3) out as he the lond Treaded;
his Hosen overHongen His Hoc-shynes(4) on everich a side
all beslomered(5) in Fen,(6) as he the plough Followed.
Twey Mittens(7) as Meter Made all of clouts,
the Fingers weren For-weard(8) and Full of Fen honged.
This Whit(9) Wasled(10) in the feen almost to the ancle;
Four rotheren(11) him beForn, that Feeble were worthy;
Men Might reckon each a rib, so rentful(12) they Weren.
His Wife Walked him With, With a long goad,
in a Cutted Coat, Cutted full high,
Wrapped in a Winnow-sheet(13) to Wearen her fro Weders,(14)
Barefoot on the Bare ice, that the Blood followed.
And at the Loud's end Lath(15) a Little crom-bolle,(16)
and thereon Lay a Little child Lapped in clouts,
and tweyn Of twey years Old Opon another side.
And all they Songen o Song that Sorrow was to hearen;
they Crieden all o Cry, a Careful note,
the Seely man Sighed Sore, and Said, »Children, beth Still!«
this man Looked opon me, and Let the plough stonden,
and Said, »Seely man, why Sighest thou So hard?
Gif thee Lack Lifelode,(17) Lene(18) thee ich will
swich Good as God hath sent: Go we, leve(19) brother.«
[Notes:
1: silly, simple -- 2: shoes -- 3: gucken -- 4: bakenschienbeine;
die hosen hingen über die knie herab -- 5: [beschlumpert],
beschmutzt -- 6: koth -- 7: fausthandschuhe -- 8: abgetragen --
9: wicht -- 10: waten -- 11: rinder -- 12: abgenützt, mager --
13: worfeltuch (zum worfeln [werfen--reinigen] des getreides) --
14: sie vor dem wetter wahren -- 15: stand -- 16: wiege (crumb-bowl)
-- 17: livelihood -- 18: lend -- 19: lieber]
+Dritte Periode.+
+Die altenglische Zeit.+
(Von 1362 bis 1500).
Die volkssprache, deren grundlage das alte Angelsächsische blieb, hatte
sich allmälig in demselben masse grössere geltung verschafft, als die
geborenen Engländer sich aus dem zustande der unterdrückung erhoben, in
welchen sie der sieg der Normannen versetzt hatte. Hauptmomente in
dieser hinsieht sind der verlust der Normandie unter könig Johann (1206)
und die von Heinrich III. und Louis IX. getroffenen bestimmungen, wonach
die unterthanen der einen krone keinen grundbesitz auf dem gebiete der
anderen haben durften (Matth. Paris ad an. 1244). Dadurch wurde das band
zwischen Frankreich und England gelockert, welches unter Eduard III.
vollständig zerreissen sollte. Die bürgerkriege unter Johann ohne land
und Heinrich III., in welchen sehr viele alte barone und herren umkamen,
hatten den normännischen adel in England geschwächt und englischen
familien gelegenheit gegeben, zu würden und ansehen zu gelangen.
Ersterer musste sich mit der sächsischen Yeomanry vermischen, als er
dieselbe gegen die tyrannischen und zugleich schwachen könige aufrief
und mit den abkömmlingen des sächsischen adels die Magna Charta errang;
es konnte nicht länger eine schmach bleiben, ein Engländer zu sein, als
die normännischen barone unter Heinrich III. die zuströmenden fremden
aus Poitou und Aquitanien mit hilfe der sich erhebenden Engländer
verjagten.[167] Matthew Paris nennt in diesem sinne den Normann Hugh
Bigod einen virum de terra Anglorum naturalem et ingenuum, und
diejenigen fremden, qui Reginae attinentes per eam introducti fuerant
in Angliam, bezeichnet er als alienigenae. Und um dieselbe zeit will der
erzbischof von York einige vom papste empfohlene geistliche nicht
annehmen, »weil sie mit der englischen sprache nicht bekannt seien.«
[Footnote 167: It is certain that, when John became king, the
distinction between Saxons and Normans was strongly marked, and
that before the end of the reign of his grandson it had almost
disappeared. In the time of Richard I., the ordinary imprecation
of a Norman gentleman was »May I become an Englishman!« His
ordinary form of indignant denial was »Do you take me for an
Englishman?« The descendant of such a gentleman a hundred years
later was proud of the English name. Mac Aulay's History of
England. (Tauchnitz edition. 12. Leipzig, 1849.) Vol. I. chp. 1.
S. 16.]
Auch die erziehung der höheren stände erlitt im dreizehnten und noch
mehr im vierzehnten jahrhundert durch die äussere trennung England's von
Frankreich eine bedeutende veränderung, welche, wenn sie auch die
französische sprache als unterrichtssprache nicht augenblicklich zu
verdrängen im stande war, doch die unter Eduard III. erfolgende
sprachliche und geistige trennung der Engländer von den Franzosen
anbahnte. Bis in die mitte des dreizehnten jahrhunderts pflegten die
normännischen barone England's ihre kinder in Frankreich erziehen zu
lassen, wo sie fremden sinn oft mit fremden lastern kennen lernten:
Filii nobilium, dum sunt juniores,
Mittuntur in Franciam fieri doctores;
Quos prece vel pretio domant corruptores,
Sic prætaxatos referunt Artaxata mores.
heisst es im manuscript Digby, Nr. 4, welches zu ende des dreizehnten
oder anfang des vierzehnten jahrhunderts geschrieben sein mag.[168]
Diese sitte hörte mit der zum bedürfniss gewordenen stiftung der
englischen universitäten zu Oxford und Cambridge grösstentheils auf. Die
gründung der hauptsächlichsten Colleges an diesen beiden hauptsitzen
alter englischer gelehrsamkeit fällt in jene durch die verschmelzung
des angelsächsischen und normännisch-französischen stammes zu _einem_
englischen volke, so wie durch die entstehung der englischen sprache
eben so wichtige als interessante zeit von 1250 bis 1350. Mit der
Errichtung dieser pflanzstätten der gelehrsamkeit wie des nationalsinnes
wurde die sitte der fremden, französischen erziehung allmälig zur
unsitte.
[Footnote 168: Vgl. Wright's Anec. Lit. s. 38. 39 unter der
überschrift Goliardic Poetry.]
In demselben grade, als die normännischen sieger aufhören, Franzosen zu
sein, und das Englische das übergewicht über das Französische erhält,
verändert sich auch das letztere in England. Der deutsche accent,
welcher auf der stammsylbe der wörter liegt, veranlasste den Engländer,
die aus der französischen sprache stammenden wörter, gegen den
eigenthümlichen französischen, nach dem ende der wörter strebenden ton,
ebenfalls auf der wirklichen oder vermeintlichen stammsylbe zu
accentuiren, wodurch die nächst liegenden vokale und sylben, gleichsam
von selbst, schwächer und kürzer ausgesprochen wurden. So findet sich
arter (arrêter), cardenal, government, judgment, captain, wauter
(gautier), tresorer, manere (manière). Bei vielsylbigen wörtern,
deren erste sylben nunmehr den accent erhielten, konnte in der letzten
oder vorletzten sylbe kein langer vokal geduldet, wenigstens nicht
ausgesprochen werden: musoire, estoire, gloire, memoire, ordinaire,
adversaire bleiben in England musorie, estorie, glorie, memorie,
ordinarie, adversarie. Was die vokale anlangt, so wurde u und eu in den
französischen wörtern in der aussprache beseitigt, nach welcher man auch
bald die orthographie einrichtete. Dafür treten o und ou ein: so schrieb
man rendez-vos, vole-vos (voulez-vous), auctor, cort, sojorn, soverain,
seignor, plusiors. Bei den consonanten ist die veränderung noch grösser
und auffallender, als bei den vokalen. C, ch, ss, sh beginnen zu
schwanken; man findet commence und commenche, redresser und redrecher,
Frenceiz und Francheis, blance und blanche, dessiré und déchirée,
veinchirent und vainquirent. Das l mouillé verschwindet im dreizehnten
und vierzehnten jahrhundert; man liest Wiliam, doel (deuil), travailer,
perilouse, mervellus. Ebenso erlischt der nasenlaut des an, ain, en, in,
on, oin, un; es wird nunmehr geschrieben: counsell, chemine, maine,
champe, mone intencione, counte, secunde, viconte. Auch das nasale gn
findet sich selten, mochte wenigstens nicht mehr gesprochen werden; man
findet montaigne und mountaine, Alemaigne und Alemaine, Cocaygne und
Cocayne, Spaygne und Spayne, soveraigne und soveraynie, compaingnie und
companie.
Bereits in den gesetzen Wilhelm's des eroberers bemerkt man eine nicht
kleine anzahl angelsächsischer rechtsausdrücke, welche sich für den
augenblick, da das volk daran gewöhnt war und sie verstand, nicht
füglich in das Französische übersetzen liessen. Solche ausdrücke sind
hemfare, sac und sache, soc und soche, sol, tem, infangenethef,
hengwite, manbote, were, sarbote, forfengen, heuvelborh (heafodborh),
wardireve, utlage. Allmälig mehren sich die wörter angelsächsischen
ursprungs in den anglo-französischen schriften. Schon im jahre 1258
findet sich in einem erlass das wort to give: nous _giveons_ nos lettres
overtes seelees de nostre seel (we senden gew this writ open iseined
[iseiled] wið ure seel). Je weiter man kömmt, desto mehr angelsächsische
wörter erblickt man im Französischen (catchpole, villes de Upland,
husbandrie u.s.w.), bis man im fünfzehnten jahrhundert kurz vor dem
erlöschen des Französischen als umgangssprache sich genöthigt sah, das
Französische so gut wie in das Englische zu übersetzen, damit nur
verstanden wurde, was die amtlichen erlasse zu bedeuten hatten, z.b. in
dem jahre 1463:
Notre dit soverain seignur le Roi ad ordeigne qe null merchant ...
amesne, maunde, ne convoie ... ascuns de cestes _wares_, desoutz
escritez,... laces, corses, ribans, frenges de soie ...
_aund-irons_,(1) _grid-irones_,... marteus(2) vulgarement nommez
_hamers_, pinsons, _fire-tonges_, _drepyngpannes_,(3) _dises_,(4)
tenys-balles,... _daggers_, _vodeknyves_, _botkyns_, _sheres_ pour
taillours,... cisours, rasours, _shethes_,... agules pour sacs
vulgarement nommez _paknedles_,... aneus(5) de _coper_,...
chauff_ingdishes_,... chauffyngballes, sackering belles, (?)...
_ladels_,... scomers,... _hattes_, blanc file de fer vulgarement
nome _whitewire_ etc.
[Notes:
1: hand-irons -- 2: marteaux -- 3: drepee, ein gericht aus mandeln
und zwiebeln -- 4: dice -- 5: anneaux]
Man möge bemerken, dass man schon in der mitte des dreizehnten
jahrhunderts anfing, französische wörter mit englischen endungen zu
versehen. So findet sich bereits in dem erlass Heinrich's III. crouninge
(krönung). Wenn das Französische in England so in verfall gerathen und
so unrein geworden war, lässt es sich erklären, dass Gower deshalb um
entschuldigung bittet, weil er französische verse zu schreiben wagt, und
Chaucer über das schlechte Französisch seiner madame Eglantine spottet.
Wenn das eindringen angelsächsischer wörter das Französische veränderte,
so war der umgekehrte fall, dass das Französische das bereits
abgeschwächte angelsächsische idiom durchdrang, von noch grösserem
einfluss auf die bildung des Englischen. Schon in der sächsischen
chronik finden sich französische wörter; dieselben mehren sich besonders
von anfang des vierzehnten jahrhunderts ab. In dem von Ellis (Specimens
etc. band I. seite 83 ff.) aus Hickes's Thesaurus mitgetheilten, leider
in der orthographie modernisirten spottgedichte auf das land Cocaygne
sind schon viele französische wörter zu entdecken: flower, fruit,
serpent, vile, joy, rivers, fine, oil, pillars, capital, jaspe,
corall, canel, odour, girofle, roses, lily, fienestres, baum (balsam),
collation, procession, river, jambleus (gambols), solace, penance, dute
(déduit); es finden sich darin sogar schon französische wörter mit
englischer beugungssylbe, z.b. serveth. Noch mehr französische wörter,
mit und ohne englische beugungssylben, befinden sich in der reimchronik
Robert's von Gloucester: paleys, seruyse, usages, sywete (suit),
serwede, companye, botelerye, corteysye, noblye, armys, chastore,
bachelerye, lance, vylenye, pleyynge at tables, manere, maystrye, large,
u.s.w. Seine nachfolger verlassen die einmal betretene bahn nicht mehr,
obwohl man bei einzelnen autoren, z.b. dem verfasser der visions of
Piers Ploughman, eine geringere anzahl französischer worte findet, was
sich meist nach den lebensverhältnissen der schriftsteiler und dem
stoffe ihrer werke richtet.
Durch diese mischung und gegenseitige durchdringung beider idiome
entstand allmälig jene sprache, welche wir Englisch nennen, und welche
mit ausnahme einiger formen der declination des nomens und pronomens,
der conjugation des verbs, der comparation des adjectivs und adverbs nur
noch trümmer der alten angelsächsischen grammatik zeigt, aber in ihrer
einfachen construction der meist beugungslosen wörter vorzüglich
geschickt war, fremdwörter aller art ohne schwierigkeit in sich
aufzunehmen und sich zu assimiliren.[169]
[Footnote 169: Für diese zeit des schwankens und gegenseitigen
durchdringens der angelsächsischen und französischen elemente,
ehe die neue mischsprache, das Englische, zu einiger festigkeit
gelangte, besitzen wir ein werthvolles, wenn auch noch
unvollständiges, vielleicht auch hin und her fehlerhaftes
wörterbuch, welches auf dem festlande wenig bekannt zu sein
scheint: A dictionary of archaic and provincial words, obsolete
phrases, proverbs and ancient customs, from the XIV. Century, by
J. O. Halliwell. 2 vols. 8. London, 1847.]
Obgleich nunmehr die angelsächsische sprache, als solche, schon im
zwölften und noch mehr im dreizehnten jahrhundert verschwunden war, um
in ihrer abschwächung der mit dem englischen volke zugleich entstehenden
englischen sprache als basis zu dienen, so war diese neue sprache trotz
der entartung der französischen doch nicht sogleich im stande, diese und
die alte bildungs- und gelehrtensprache, die lateinische, aus manchen
kreisen des volkes zu verdrängen.
Das Latein war bis in das 14. jahrhundert hinein die gewöhnliche sprache
des rechtes, wenigstens sind die alten gerichtlichen und gesetzlichen
urkunden ausschliesslich in lateinischer sprache bis zum jahre 1275
abgefasst. Erst in diesem jahre wurde eine verordnung Eduard's I. in
französischer sprache erlassen. Während der folgenden regierungsjahre
dieses königs sind die verordnungen der regierung theils in
lateinischer, theils in französischer, gewöhnlich aber in der ersteren
sprache veröffentlicht worden. Das Französische wurde häufiger unter
Eduard II. und beinahe ausschliesslich unter Eduard III. und Richard II.
angewendet, obwohl auch unter diesem könige sich noch lateinische
verordnungen finden. Lateinisch war auch die sprache der scholastischen
geistlichen und philosophen, wie überhaupt der eigentlichen gelehrten,
mochten sie über geometrie und astronomie, oder über chemie, medicin und
andere naturwissenschaften schreiben.