evangelienharmonie, welche man das Ormulum nennt. Der Verfasser
_Orm_ erzählt, dass er und sein bruder Walter, dem das buch gewidmet
ist, augustinermönche seien, und dass er die bearbeitung dieser
evangelienharmonie auf wunsch seines bruders unternommen habe. Die
sprache des, wie es scheint, im norden von England geschriebenen buches
ist einfach und rhythmisch und scheint in die letzte hälfte des 12.
jahrhunderts zu gehören. Merkwürdig ist das Ormulum
þiss boc is nemmned Orrmulum,
forrþi þæt Ormm itt wrohhte:
And itt iss wrohht off quaþþrigan
off Goddspell-bokes fowwre.
Dieses buch ist Ormulum genannt,
deshalb weil Orm es schrieb:
Und es ist viertheilig abgefasst
aus vier evangelienbüchern.
dadurch, dass der verfasser den consonanten nach einem geschärften
vocale jedesmal verdoppelt, wie dieses im heutigen Deutsch geschieht,
um die aussprache zu erleichtern und zu sichern. Orm legte dieser
consonantenverdoppelung in seinem buche solche wichtigkeit bei, dass er
ausdrücklich jeden folgenden abschreiber ersucht, seine orthographie
unverändert beizubehalten:
And Whase Wilenn shall þiss boc efft oþerr siþe Writenn,
Himm bidde icc þatt Hett write rihht, swa summ Þiss boc Himm tæcheþþ,
all Þwerrt utt affterr Þatt itt iss uppo Þiss firrste bisne,
wiþþ All swillc rime Alls her iss sett wiþþ Alse fele wordess;
and Tatt he loke wel þatt he an boc-staff write Twiggess;
eggwhær Þær itt uppo Þiss boc iss written o Þatt wise;
loke He well þatt Hett write swa, forr He ne magg nohht elless
on Ennglissh Writenn rihht te Word, þatt Wite he Wel to soþe.[150]
Und wer wünschen wird, dieses buch wieder ein andermal zu
schreiben, den bitt' ich, dass er es schreibe recht, so wie dieses
buch ihn lehrt, alles durchaus nach dem, wie es ist in diesem
ersten exemplar, mit all' solchem reime, wie er hier gesetzt ist,
mit eben so vielen worten; und dass er wohl zusehe, dass er
einen buchstab zweimal schreibe; überall, wo er in diesem buch
geschrieben ist in dieser weise, sehe er wohl zu, dass er so
schreibe, denn er kann nicht anders auf Englisch das wort richtig
schreiben, das wisse er wohl als wahrheit.
[Footnote 150: Aus Wright's Biog. Brit. Liter. A. N. Period. seite
437.]
Das in der Bodleyana zu Oxford aufbewahrte manuscript des Ormulum's
scheint des verfassers autographie zu sein; am ende ist ein blatt
verloren gegangen.[151]
[Footnote 151: Auszüge aus dem Ormulum in Thorpe's Analecta
Anglo-Saxonica seite 171-178, Wright's Biogr. Brit. Liter, seite
436. 437, Bosworth's A.S. Dictionary seite XXIV und folgende.]
Dem Nicholas von Guildford wird ein anderer überrest jener zeit des
übergangs der angelsächsischen zur englischen sprache zugeschrieben,
welcher aber nach seiner grösseren verderbtheit des alten idioms
jedenfalls jünger ist als Layamon's und Orm's werk. An einer stelle des
gedichtes, worin eine eule und eine nachtigall um den vorzug streiten,
wird eines vor kurzem verstorbenen königs Heinrich gedacht, so dass der
dichter wahrscheinlich um das jahr 1200 lebte. Die handschriften, welche
dieses gedicht enthalten, befinden sich im brittischen museum und in der
bibliothek des Jesus College zu Oxford.[152]
[Footnote 152: The Owl and the Nightingale. Edited by Joseph
Stevenson. 4. London, 1838. (Printed for the Roxburghe Club.)
The Owl and the Nightingale: an early English poem attributed
to Nicholas de Guildford, with some shorter poems from the same
manuscript. Edited by Thomas Wright. 8. London, 1843. (Printed for
the Percy Society.) Eine kurze sprachprobe auch in Wright's
mehrgenanntem werke. seite 438.]
+II. Die Entstehung der englischen Sprache.+
Die normännisch-französische zeit der englischen literatur geht mit dem
anfange des 13. jahrhunderts allmälig zu ende. Das alte idiom, welches
in seiner verstümmelung nur noch von dem ungebildeten volke gesprochen
wurde, hörte dadurch von selbst auf, als schriftsprache brauchbar zu
sein, indem es als solche von dem Französischen und Lateinischen[153]
verdrängt worden war. Es findet sich daher während des ganzen 13.
jahrhunderts eine lange lücke in der nunmehr englisch zu nennenden
literatur, welche nur hin und wieder durch kleine lebenszeichen von dem
vorhandensein des sächsischen elementes zeugniss giebt. Hierzu gehören
einige metrische lebensbeschreibungen von heiligen, welche um das
jahr 1250 zu setzen sein dürften. Auch findet sich eine versificirte
betrachtung des heiligen Augustin, welche ohne zweifel in der zeit von
1244 bis 1258 geschrieben ist. In das jahr 1258 gehört eine proklamation
Heinrich's III. an das volk von Huntingdonshire, obwohl man annehmen
kann, dass sie durch ganz England circulirte. Dieselbe lautet:
[Footnote 153: Eine ausgezeichnete zusammenstellung und besprechung
der lateinischen und französischen Schriftsteller England's im
elften und zwölften jahrhundert (Lanfranc, Ingulf, Anselm,
Turgot, Eadmer, Philip von Thaun, Athelard, Ailmer, Ordericus
Vitalis, Turold, William von Malmsbury, Geoffrey von Monmouth,
Gaimar, Ailred von Rievaux, Thomas Becket, Wace, Benoit von St.
Maure, Walter Mapes, Peter von Blois, Giraldus Cambrensis, Joseph
von Exeter, Joscelin von Brakelonde u.s.w.) findet sich in Th.
Wright's werke Biog. Brit. Liter. A. N. Period. 8. Lond. 1846.
Ueber die hauptsächlichsten derselben handelt auch G. Craik in
seinen Sketches of the History of Literature and Learning in
England from the Norman Conquest to the Ascension of Elizabeth.
2 vols. 12. London, 1844. Bd. 1. seite 1-157. Dasselbe werk
enthält seite 158-198 eine betrachtung der wichtigeren lateinischen
und französischen schriftsteller England's im dreizehnten und
vierzehnten jahrhundert (Matthew Paris, Rishanger, Higden, Walter
von Exeter, Peter von Langtoft u.s.w.). In der vorliegenden
schrift konnten nur diejenigen dieser schriftsteller besonders
erwähnt werden, deren werke in direkter beziehung zur englischen
volkssprache und literatur stehen.]
Henry, þurg Godes fullome,(1) king on Engleneloande, lhoaurd
on Yrloand, Duke on Normand, on Acquitain, Eorl on Anjou,
send I greeting, to alle hise holden, ilærde and ilewerde on
Huntingdonschiere. Þat witen ge well alle, þæt we willen and unnen(2)
þæt ure rædesmen alle oðer, þe moare del of heom, þæt beoð ichosen
þurg us and þurg þæt loandesfolk on ure kuneriche, habbið idon, and
schullen don, in þe worðnes of God, and ure þreowðe,(3) for þe
freme(4) of þe loande, þurg þe besigte of þan toforen iseide
rædesmen, beo stedfæst and ilestinde in alle þinge abutan ænde, and
we heaten alle ure treowe, in þe treowðe þæt heo us ogen,(5) þet
heostedefestliche healden and weren to healden and to swerien þe
isetnesses (6) þet beon makede and beon to makien, þurg þan toforen
iseide rædesmen, oðer þurg þe moare del of heom alswo, alse hit is
before iseide. And þet æhcoðer helpe þet for to done biþam ilche oðer,
aganes alle men in alle þet heo ogt for to done, and to foangen.(7)
And noan ne of mine loande, ne of egetewhere, þurg þis besigte, muge
beon ilet oðer iwersed on oniewise. And gif oni eðer onie cumen her
ongenes, we willen and heaten, þæt alle ure treowe heom healden
deadlichistan. And for þæt we willen þæt þis beo stædfast and
lestinde, we senden +g+ew [154] þis writ open, iseined wið ure seel,
to halden amanges +g+ew me hord. Witnes us-selven æt Lundæn, þæne
egetetenðe day on þe monðe of Octobr, in þe two and fowertigðe +g+eare
of ure crunning.
[Notes:
1: Gnade -- 2: wünschen -- 3: treue -- 4: gedeihen -- 5: schulden --
6: gesetze -- 7: halten]
[Transcriber's Note:
In the utf-8 versions of this text, the "eigenthümliches g" described
in this footnote has been rendered as yogh.]
[Footnote 154: In den handschriften des dreizehnten und vierzehnten
jahrhunderts findet sich ein eigenthümliches +g+, welches in
englischen drucken bald durch ein eigenes, dem deutschen
_geschriebenen_ z ähnliches zeichen, bald (freilich sehr
fehlerhaft) durch z wiedergegeben wird. Offenbar soll das
+g+ dasjenige angelsächsische g bedeuten, welches in seinem
übergange zu dem späteren y oder i begriffen war. Z.B.
Angelsäch. gif, später +g+ef, if; ge. später +g+ew, +g+ow, you;
geong, später +g+ong, young. Man unterschied in der aussprache
wahrscheinlich ein hartes g und ein weiches +g+, welches in der
aussprache dem deutschen j glich.]
Ein siegeslied, wahrscheinlich in London nach dem von den verbundenen
baronen im jahre 1264 erfochtenen siege bei Lewes entstanden, scheint
nach seiner sprache älter zu sein, als es ist. Schon im folgenden jahre
wurde die siegende partei in der schlacht bei Evesham gänzlich
vernichtet, wodurch jede veranlassung zu jenem triumphgesange benommen
wurde. Die Reliquiæ Antiquæ von Wright und Halliwell enthalten einige
anonyme gedichte der epischen gattung, welche in diese zeit fallen,
so Maximon (Bd. I. seite 119-125), Judas (s. 144), beide aus dem
dreizehnten jahrhundert. Die lyrik ist vertreten durch gebete (s. 22.
57), fromme betrachtungen[155] und lobgesänge auf Jesus und Maria
(s. 48. 49. 100-103). Unter den letzteren, sämmtlich dem dreizehnten
jahrhundert angehörenden gedichten befindet sich eine hymne auf Jesus
und Maria (seite 100), welche sich durch einfache natürlichkeit der
sprache eben so wohl als durch künstliche reime auszeichnet. Folgendes
ist der anfang dieses lobgesanges:
[Footnote 155: Th. Wright in Anecdota Literaria, seite 90, theilt
aus dem Oxforder Ms. Digby Nr. 86, fol. 163 noch ein schönes
gedicht über die nichtigkeit der weltlichen dinge mit.]
Somer is comen and winter is gon,
this day beginniz to longe.
And this foules everichon,
joye hem wit songe!
So stronge kare me bint,
Al wit joye that is funde
in londe,
Al for a child
That is so milde
of honde,
That child that is so milde and wlong,(1)
and eke of grete munde,(2)
Voye[156] in boskes and in bank
i-sount(3) me hau+g+(4) a stunde!
I-funde he hevede me
For an appel of a tre
i-bunde,
He brac(5) the bond,
That was so strong,
wit wunde.
[Notes:
1: schön -- 2: reinheit. -- 3: sought -- 4: haveth -- 5: broke]
[Footnote 156: »Or voi-ge bien tout en apert que clergie bien
sa saison pert.« Aus Renard le Contrefait in Th. Wright's
Anecdota Litereria, seite 29.]
Mehrere kleinere gedichte, deren abfassung ungewiss ist, mögen ebenfalls
in die zeit von 1260-1320 gehören. Darunter befindet sich eine der
frühesten proben des schottischen dialektes, ein lied auf den tod
Alexander's III. aus dem jahre 1285, welches eine menge französischer
wörter enthält.
Die französisch-normannische literatur dieser zeit war besonders reich
an fabliaux, mährchen und sagen im geschmack der geschichten, denen
_Chaucer_ am schluss des vierzehnten jahrhunderts seine berühmtheit
verdankt. Sie wurden von den joculatores, jogelours, jongleurs, oder
wandernden minstrels in den schlössern der barone und ritter erzählt
oder gesungen. Obgleich die edeldamen von dieser beliebten unterhaltung
nicht ausgeschlossen waren, wählten die joculatores oft sehr lüderliche
stoffe, deren ursprung sich in einigen fällen bis zu den Arabern, ja
bis nach Indien verfolgen lässt. Nur sehr wenige solcher fabliaux waren
vor ablauf des dreizehnten jahrhunderts auch in englischer sprache
vorhanden, da bis dahin die französische sprache in den schlössern
der grossen, deren freigebigkeit und lüsternheit von den jongleurs
ausschliesslich ausgebeutet wurde, noch die alleinherrschende blieb. Das
älteste bruchstück eines ohne zweifei aus dem Französischen übersetzten
englischen fabliau befindet sich in dem in der Bodleyana zu Oxford
aufbewahrten Ms. Digby, Nr. 86, fol. 165, welche handschrift aus der
zeit Eduards I. herrührt. Das englische fabliau in sechszeiligen
gereimten strophen, nicht ohne alliteration, hat die französische
überschrift: Ci commence le fables et le cointise de dame Siriz.[157]
[Footnote 157: Mehr hierüber in Th. Wright's Anecdota literaria,
a selection of short poems illustrative of the Literature and
History of England in the XIII. century. 8. London, 1844, seite
1-13, wo auch das ganze fabliau der dame Siriz abgedruckt ist.]
Die didaktische poesie ist um das jahr 1300 durch mehrere gedichte
vertreten. So finden sich in den Reliquiis Antiquis bd. I. seite 109.
193. 256 drei recensionen der sprüchwörter _Hending_'s, welche, wie man
aus dem öfteren vorkommen schliessen kann, beliebt gewesen sein müssen.
Zugleich als ein beispiel der verschiedenheit der sprache in
verschiedenen handschriften, mögen hier die ersten sprüchwörter
Hending's nach einer kurzen, nur in Ms. Harl. 2253, fol. 125
befindlichen einleitung folgen:
Mon that wol of wysdam heren,
At wyse Hendyng he mag lernen,
That wes Marcolves sone;
Gode thonkes ant monie thewes
For te teche fele shrewes,
For that wes ever is wone.
(Ms. Harl. 2253.)
Jhesu Crist, al folkes red,
That for us alle tholede(1) ded
Upon the rode(2) tre,
Lene us alle to ben wys,
Ant to ende in his servys!
Amen par charité!
+»God beginning maketh god endyng,«+
Quoth Hendyng.
(Ms. Digby, 86.) Hending the Hende.
Jhesu Christ, all this worldes red,
That for oure sunnes wolde be ded
On that holi rode tre,
He lete ous alle ben wise
And enden in his servise
Amen, per seinte charité.
(Ms. Gg. I. 1, fol. 475. Bibl. Publ. Cantab.)
+Ici commence le livre de Hending.+
Jhesu Crist al folkis rede,
That for us alle tholed dede
Apon the rode tre.
Lern us alle to be wise,
And to hendi in Godis servise!
Amen, par charité!
+»Wel is him that wel ende mai,«+
Quod Hending.
Wyt ant wysdom lurneth gerne
Ant loke that none other werne(3)
To be wys ant hende;
For betere were to bue wis,
Then for te where feh and grys,
Wher so mon shal ende.
+»Wyt ant wysdom is god warysoun(4)«
Quoth Hendyng.
Wit and wisdom lerneth gerne,
And loke that no man other werne
To ben ful wis and hende;
For betere were to ben wis,
Than to werren for and gris,
Were se mon shal ende.
+»Wit and wisdom is god wareis«+
Quod Hendyng.
Ne may no mon that is in londe
For nothyng that he con fonde,
Wonen at home ant spede;
So fele thewes for te leorne,
Ase he that hath y-soht georne
In wel fele theode.
+»Ase fele thede, ase fele thewes;(5)«
Quoth Hendyng.
May no mon that is in londe,
For nothing that he con fonde,
Wonen at hom and spede
Fele thewes for to lere,
So he that haveth wide were
Fouht in fele thede;
+»Also fele thedes, also fele thewes,«+
Quod Hendyng.
Ne mai no man that is in londe,
For nothing that he mai fonde
Wonin at home and spede,
So fele thewis for to lerne,
So he that had i-sowt yerne
Aventures in fele dede
+»Also fele dedis, also fele thewis,«+
Quod Hending.
[Notes:
1: Leiden -- 2: kreuz -- 3: wehre, hindere -- 4: witz und weisheit
sind gute gaben -- 5: so viel völker, so viel sitten.]
Ein sonderbares lehrgedicht ist die Metrical Treatise on Dreams, über
die bedeutung der träume, welches Reliquiæ Antiquæ, Bd. I, seite 261-268
aus einem in der regierungszeit Eduard's II. geschriebenen Ms. (Harl.
Nr. 2253, fol. 119) mitgetheilt wird. Zuletzt möge von den anonymen
gedichten dieser periode die bekannte fabel vom fuchse und dem wolfe in
den brunneneimern erwähnt werden; sie rührt aus der zweiten hälfte des
dreizehnten jahrhunderts her und ist in den Rel. Ant. Bd. II, S. 272-278
(aus Ms. Bodley. Digby, Nr. 86, fol. 138) abgedruckt. Die sprache ist
einfach und sehr wenig mit französischem element gefärbt; auffallend ist
die aspiration mancher vokale am anfange der wörter. Folgendes ist eine
probe:
On hous ther wes, the dore wes ope,
Hennen weren therinne i-crope(1)
Five, that maketh anne flok,
And mid hem sat on kok.
The kok him wes flowen on hey,(2)
And two hennen him seten ney.(3)
»Wox,« quad the kok, »wat dest thou thare?
Go hom, Crist the +g+eve kare!
Houre hennen thou dest ofte shome;(4)
Be stille, ich hote, a Godes nome!«
Quath the wox, »Sire Chauntecler,(5)
Thou fle adoun, and com me ner.
I nabbe don her nout bote goed,
I have leten thine hennen blod.«
[Notes:
1: gekrochen -- 2: höhe -- 3: nähe -- 4: schämen, schrecken --
5: sänger]
Erst gegen das ende des dreizehnten jahrhunderts begegnen wir wieder
auf dem felde der englischen literatur einem grösseren werke, der
reimchronik _Robert_'s von _Gloucester_,[158] eines mönches der abtei
zu Gloucester, welcher während der regierung Heinrich's III. und
Eduard's I. lebte. Er schrieb in langen gereimten versen von 14 sylben
eine geschichte England's von dem fingirten Brutus bis auf seine zeit,
indem er dabei hauptsächlich das lateinische geschichtenbuch von
Geoffrey von Monmouth, aus welchem auch Wace und Layamon geschöpft
hatten, zu grunde legte. Obgleich die sprache Robert's schon eine
ziemliche anzahl französischer ausdrücke enthält, so hat sie doch noch
altsächsische eigenthümlichkeiten beibehalten, was sich vielleicht aus
der lage Gloucester's im abgeschlossenen westen England's erklären
lässt. Nach den ereignissen, welche die chronik erwähnt, muss sie
nach 1278 und, wie einige schliessen wollen, sogar wenigstens zum
theil nach 1297 geschrieben sein. Zur vergleichung mit Layamon's
sprache möge hier aus Robert's reimchronik dasselbe von könig Arthurs
krönungsfeierlichkeiten handelnde stück folgen:
[Footnote 158: Herausgegeben von Hearne, 2 vols. 8. Oxford, 1724,
unter dem titel: Robert of Gloucester's chronicle, transcribed
and now first published from a Ms. in the Harleyan liberary.
(Nachgedruckt zu London 1810.)]
+Aus Hearne's Ausgabe, Band 1, Seite 190. 191.+
Þe kyng was to ys paleys, þo þe seruyse was y-do.
Y-lad wyþ þys menye, and þe quene to hyre also.
Vor hii hulde þe olde vsages, þat men wyþ men were
By hem sulue, and wymmen by hem sulue also þere.
Þo hii were echone y-set, as yt to her stat bycom,
Kay, kyng of Aungeo,(1) a þousend kyn+g+tes nome
Of noble men, y-cloþed in ermyne echone,
Of on sywete,(2) and seruede as þys noble feste a non.
Bedwer þe botyler, kyng of Normandye,
Nom also in ys half a uayr companye
Of on sywyte,(3) vorto(4) seruy of þe botelerye.
By uore(5) þe quene yt was also of al suche corteysye,
Vorto telle al þe noblye(6) þat þer was y-do,
Þey my tonge were of stel, me scolde no+g+t dure(7) þerto.
[Notes:
1: Anjou -- 2: suit -- 3: suit -- 4: forto, in order to --
5: before -- 6: noblesse -- 7: endure]
Ein nachfolger Robert's von Gloucester ist Robert _Manning_, gewöhnlich
Robert de Brunne genannt, weil er in dem kloster Brunne oder Bourne in
Lincolnshire in der letzteren zeit der regierung Eduard's I. und während
der ganzen regierungszeit Eduard's II. lebte und schrieb. Manning's
reimchronik besteht aus zwei theilen, welche beide aus dem
Normännisch-Französischen übersetzt sind. Der erste theil schliesst
sich an Wace's Brut an und geht bis zum tode Cadwallader's; der zweite
verfolgt die geschichte bis zum tode Eduard's I. und ist aus der chronik
des Piers oder Peter de Langtoft, welcher in dem stifte St. Augustin zu
Bridlington in Yorkshire gleichzeitig mit Manning lebte, geschöpft. Der
letztere theil von Manning's reimchronik, als der interessantere, wurde
1725 ebenfalls von Hearne herausgegeben.[159] Dieser theil ist wie das
französische original Langtoft's in zwölfsylbigen alexandrinern,
dagegen der ältere aus Wace's Brut entnommene, wie dieser selbst, in
achtsylbigen versen geschrieben. Manning übersetzte auch die lateinische
abhandlung seines zeitgenossen, des cardinals Bonaventura, »de Coena et
Passione Domini, et Poenis S. Mariae Virginis« in gereimte verse unter
dem titel: Medytaciuns of the Soper of our Lorde Jhesu, and also of his
Passyun, and eke of the Peynes of hys swete Modyr mayden Marye. Ferner
übersetzte er unter dem titel: A Handling of Sins in einer gereimten
umschreibung das Manuel des péchés des William von Wadington, worin die
sieben todsünden in legendenhaften geschichten geschildert werden.
[Footnote 159: Peter Langtoft's Chronicle (as illustrated and
improved by Robert de Brunne) from the death of Cadwalader to
the end of K. Edward the First's Reign transcribed and now first
published from a Ms. in the Inner-Temple library. 2 vols. 8.
Oxford.]
+Aus Robert von Brunne's Vorrede zu seiner Chronik.+ (Ausgabe von
Hearne, Bd. I, S. XCVI.)
Lordynges, that be now here,
If +g+e wille listene and lere
All þe story of Inglande,
Als Robert Mannyng wryten it fand,
And on Inglysch has it schewed,
Not for þe lerid bot for þe lewed,(1)
For þo þat in þis land wonn,(2)
Þat þe Latyn no Francys conn,
For to haf solace and gamen(3)
In felawship when þai sitt samen.(4)
And it is wisdom forto wytten
Þe state of þe land, and haf it wryten:
What manere of folk first it wan,
And of what kynde it first began.
And gude it is for many thynges,
For to here þe dedis(5) of kynges,
Whilk were foles and whilk were wyse,
And whilk of þam couth mast quantyse;(6)
And whilk did wrong and whilk ryght,
And whilk mayntend pes and fyght.--
Als þai haf wryten and sayd,
Haf I alle in myn Inglis layd,
In symple speche as I couthe,
Þat is lightest in manne's mouthe.
I mad noght for no disours,
Ne for no seggers(7) no harpours,(8)
But for þe luf of symple men,
þat strange Inglis can not ken.
For many it ere þat strange Inglis
In ryme wate neuer what it is,
And bot þai wist what it mente,
Ellis me thoght it were alle schente.
I made it not forto be praysed,
Bot at þe lewed men were aysed.
If it were made in ryme couwee,(9)
Or in strangere or enterlace,(10)
Þat rede Inglis it ere inowe,
Þat couthe not haf coppled a kowe,
Þat outhere in couwee or in baston(11) [160]
Som suld haf been fordon,
So þat fele men þat it herde,
Suld not witte howe þat it ferde. [161]
[Notes:
1: einfältig -- 2: wohnen -- 3: lust -- 4: beisammen -- 5: thaten --
6: schlemmen -- 7: geschichtenerzähler -- 8: harfner -- 9: versus
caudati -- 10: versus interlaqueati, welche sich in der mitte und am
ende reimten. -- 11: bâton.]
[Footnote 160: Diese verse sind vielleicht nach dem carmeliter
R. Baston, einem lateinischen reimdichter zu anfang des dreizehnten
jahrhunderts, so genannt. Siehe Tyrwhitt's Essay on the language
and versification of Chaucer in Bell's edition of the poets of
Great Britain. Vol. I. Seite CXLIII.]
[Footnote 161: Einige wörter sind bei Hearne mit th, anstatt des
sonst üblichen þ gedruckt; es scheint dieses keine willkür des
herausgebers, sondern die schreibart des codex zu sein.]
Das vierzehnte jahrhundert war nicht unfruchtbar in englischer
dichtkunst. Die gedichte Lawrence _Minot_'s über die siege und
schlachten Eduard's III. von 1333-1352, welche vielleicht das erste
selbstständige denkmal englischer poesie sind, indem seine bekannten
vorgänger fremde werke nur übersetzten und nachahmten, wurden von
Tyrwhitt in einem manuscripte des brittischen museum's (Cotton. Ms.
Galba E. IX.), welches man früher für eine handschrift Chaucer's
gehalten hatte, entdeckt, als er materialien zu seiner ausgabe der
Canterbury Tales suchte, und in seinem Essay on the language and
versification of Chaucer, welches seiner ausgabe der Canterbury Tales
vorgedruckt ist, 1775 zuerst (unter note 54) erwähnt. Später theilte
Warton in seiner History of English poetry (Band III.) proben der
gedichte des Minot mit. Endlich wurden sie 1796 von Ritson vollständig
mit vielen historischen und sachlichen erläuterungen und einem
glossarium herausgegeben. Eine neue auflage des Ritson'schen werkes
erfolgte im jahre 1825.[162] Die zehn gedichte Minot's, welche es
enthält, handeln von der schlacht am Halidon Hill (1333), der schlacht
von Bannockburn (1314), wo Eduard's III. vater geschlagen wurde, dessen
niederlage der sohn rächte, dem ersten einfalle Eduard's III. in
Frankreich (1339), dem seegefecht in der Swine, südlich von der insel
Cadsand an der mündung der Schelde (1340), der belagerung von Tournay
(1340), der landung des englischen königs zu La Hague (1346), der
belagerung von Calais (1346), der schlacht von Neville's Cross (1346),
dem seegefecht mit den Spaniern bei Winchelsea (1350) und der einnahme
von Guisnes (1352).
[Footnote 162: Poems written anno MCCCLII, by Lawrence Minot; with
Introductory Dissertations on the Scottish wars of Edward III., on
his claim to the throne of France, and Notes and Glossary. 8.
London, 1825.]