Uns ist sehr recht,

dass wir der himmel wart,

der heere herrlichen könig,

mit worten ehren,

mit gemüth loben.

Er ist der kräfte ursprung,

Heáfod ealra Heáhgesceafta,[71]

Freá ælmihtig.

Næs him Fruma æfre,

òr gevorden;

ne nû ende cymð

èccan drihtnes;

haupt aller hochgeschöpfe,

herr, allmächtiger.

Nicht war ihm anfang jemals,

ursprung geworden;

nicht nun ein ende kommt

des ewigen herrn;

ac he bîð â rîce

ofer Heofenstôlas.

Heágum þrymmum,

Sôðfæst and Svîðfeorm,

Sveglbôsmas heold,

ða væron geSette

vîde and Sîde,

sondern er ist immer mächtig

auf himmelsthronen.

Mit hohen kräften,

wahrhaft und mächtig,

himmelsräume hielt er,

die gesetzt waren,

weit und breit,

ðurh geVeald godes,

Vuldres bearnum,

Gàsta veardum.

Hæfdon Gleám and dreám

and heora ordfruman

engla þreátas,

und ihren uranfang

der engel scharen;

glänzende herrlichkeit war

ihre grosse seligkeit:

kraftfeste diener

priesen den herrn,

Beorhte Blisse væs

heora Blæd micel;

Þegnas Þrymfæste

Þeóden heredon,

sægdon Lustum Lôf

heora Lîffreán

durch gottes gewalt,

den kindern der herrlichkeit,

den beschützern der geister.

Sie hatten freude und lust

sagten mit lust das lob

ihres lebensherrn,

Démdon Drihtnes,

Dugeðum væron

Svîðe geSælige.

Synna ne cûðon,

Firena Fremman,

ac hie Friðe lifdon

rühmten des herrn,

waren in tugenden

sehr selig.

Sünden konnten sie nicht.

(nicht) verbrechen begehen,

sondern sie lebten in frieden

èce mid heora aldor.

Elles ne ongunnon

Ræran on Roderum,

nymðe riht and sôð,

ærþon engla veard

for oferhygde

ewig mit ihrem vater.

Anderes begannen sie nicht

aufzurichten in den himmeln,

als recht und wahrheit,

ehe denn der engel wart

wegen überhebung

Dveal on[72] geDvilde.

Noldan Dreógan leng

heora Selfra ræd,

ac hie of Siblufan

Godes âhvurfon.

Hæfdon Gielp micel,

....... irrthum.

Sie wollten nicht lang ausdehnen

ihren eigenen rath,

sondern sie von der kindesliebe

Gottes wendeten sich.

Sie hatten viel anmassung,

þæt hie við Drihtne

Dælan meahton

Vuldorfæstan Vîc,

Verodes þrymme,

Sîd and Svegltorht.

Him þær Sâr gelamp,

dass sie mit dem herrn

theilen möchten

den herrlichfesten ort,

mit heeresmacht,

bahn und himmelslicht.

Ihm da schmerz zustiess,

æfst and oferhygd,

and Þæs engles môd,

þe Þone unræd

ongan ærest fremman,

Vefan and Veccean.

þâ he Vorde cvæð,

neid und überhebung,

und jenes engels gemüth,

der diesen unrath

begann zuerst zu fassen,

weben und wecken.

Dann er mit wort sprach,

Nîðes ofþyrsted,

þæt he on Norðdæle

Hâm and Heáhsetl

Heofena rîces

âgan Volde.

þâ Vearð yrre god

durstig nach bösem,

dass er am nordtheil

heimath und hochsitz

des himmelreiches

besitzen wollte.

Da ward Gott ergrimmt

and þâm Verode Vrâð,

þe he ær Vurðode

Vlîte and Vuldre;

sceôp þam Vêrlogan

Vræclîcne hâm,

Veorce tô leáne

und dem heere zornig,

das er vorher würdigte

mit glanz und herrlichkeit;

er schuf jenen verlogenen

eine verbannungs-heimath,

zum schweren lohne

HelleHeáfas,

Hearde niðas;

hêht þæt Vîtehûs

Vræcna bîdan,

Deóp Dreáma leás,

Drihten ure,

höllklagen,

harte strafen,

hiess das strafhaus

der verbannten bleiben

tief, freudenlos,

unser herr,

gâsta Veardas.

þa he hit geare Viste,

Sinnihte beSeald,

Sûsle geinnod,

geondFolen Fyre

and Færcyle,

mit ewiger nacht versehen,

mit schwefel geschwängert,

überfüllt mit feuer

und mit überkälte,

der geister warten.

Da er es fertig wusste,

Rêce and Reáde lêge,

hêht þâ geond

þæt Rædleáse hof

Veáxan Vîtebrôgan.

mit rauch und rother flamme,

hiess er dann über

jenen rathlosen hof

wachsen die strafschrecken.

[Footnote 70: Das Angelsächsische nach Bouterwek's redaktion,

jedoch mit trennung der ganzzeilen in hemistiche nach anleitung

der handschrift. Die alliteration der consonanten ist durch

fettere lettern hervorgehoben.]

[Footnote 71: Hohes haupt aller geschöpfe? In der handschrift ist

diese zeile in punkten eingeschlossen, also nicht in zwei

hemistiche zerlegt.]

[Footnote 72: Die handschrift liest dælon; Junius, der erste

Herausgeber, setzte dæl on. Die stelle ist jedenfalls unklar,

vielleicht lückenhaft, daher ich nicht erst eine gekünstelte

Übersetzung versucht habe.]

Ausser den unter Caedmon's namen herausgegebenen dichterischen

bearbeitungen der heiligen schriften ist noch eine andere erhalten,

deren verfasser ebenfalls unbekannt ist. Es ist dieses das bruchstück

eines längeren gedichtes, welches seinen stoff aus dem apokryphischen

buche _Judith_ entlehnt und mit Judith c. 12, v. 10 beginnt. Die

schilderungen und die reden der handelnden personen gehören dem dichter

an, welcher nur den stoff und zusammenhang aus der bibel entnommen hat.

Das ganze bestand einst aus zwölf abschnitten, von denen jedoch die

ersten acht und ein theil des neunten verloren sind. Das erhaltene

bruchstück dieses schönen gedichtes befindet sich in demselben Ms.

(Cotton. Vitellius, A. XV), welches uns den Beowulf bewahrt hat. Es

ist oft gedruckt worden, am besten in Thorpe's Analecta p. 131, woraus

es in Leo's alt- und angelsächsische sprachproben seite 65 u.f. und in

Ettmüller's scôpas and bôceras seite 140 übergegangen ist.

Judith XI.

[73]þa seo Gleave het,

Golde Gefrætevod,

hire Þinenne,

Þoncolmode,

þæs Herevæðan

Heafod onvriðan

Dann die kluge hiess,

mit gold geschmückt,

ihre mägde,

gedankenvoll,

des heerführers

haupt enthüllen

and hit to Behðe[74]

blodig ætyvan

þam Burhleodum

hu hire æt Beaduve gespeov.

Spræc þa seo æðele

to eallum þam folce:

und es zum zeichen

blutig zeigen

den burgleuten,

wie ihr im kampfe gelang.

Sprach dann die edle

zu allem dem volke:

Her ge magon Sveotole,

Sigerofe hæleð!

Leoda ræsvan!

on þæs Laðestan

Hæðenes Heaðorinces

Heafod starjan,

hier mögt ihr offenbar,

siegreiche helden!

volkes führer!

auf dieses gehasstesten

heiden-häuptlinges

haupt starren,

Olofernus,

unlifigendes,

þe us Monna Mæst

Morðra gefremede,

Sarra Sorga,

and Sviðor git

ycan volde;

Holofernes,

des leblosen,

der uns von menschen die meisten

der morde anthat,

bittere sorgen,

und mehr noch

hinzufügen wollte;

ac him ne uðe God

Lengran Lifes,

þæt he mid Læððum

us eglan moste;

ic him ealdor oðþrang,

þurh Godes fultum.

Nu ic Gumena Gehvæne,

aber ihm nicht zuliess Gott

längeres leben,

dass er mit verletzungen

uns bekümmern sollte;

ich ihm das leben nahm

durch Gottes hülfe.

Nun ich der männer jeden,

þissa Burhleoda,

Biddan ville,

Rondviggendra,

þæt ge Recene, eov,

Fysan to geFeohte,

siððan Frymða God,

dieser burgleute,

bitten will,

der schildträger,

dass ihr schleunigst, ihr,

eilet zum gefechte,

seit der anfänge Gott,

ærfæst cyning,

eastan sende

Leohtne Leoman.

berað Lind forð

Bord for Breostum

and Byrnhomas,

der ehrenfeste könig,

von osten sendet

einen glänzenden strahl.

Traget die banner vor,

den schild vor den brüsten,

und panzerhemden,

Scire helmas,

in Sceaðena gemong,

Fyllan Folctogan

Fagum sveordum,

Fæge Frumgaras.

Fynd sindon eovere

glänzende helme,

in der räuber gemeng,

zu fällen die führer

mit blitzenden schwerdtern,

die feigen fürsten.

Es sind euere feinde

geDemed to Deaðe,

and ge Dom agon,

Tir æt Tohtan,

swa eov geTacnod hafað,

Myhtig drihten,

þurh Mine hand.

dem tode geweihet,

und ihr habet die vollstreckung,

sieg von dem feldherrn,

wie er euch gezeigt hat,

der mächtige herr,

durch meine hand.

[Footnote 73: Das Angelsächsische aus Leo's sprachproben (seite

69. 70) mit auflösung in hemistiche und weglassung der accente.]

[Footnote 74: Der text hat behðe; Sh. Turner muss to hehðe

gelesen haben, denn er übersetzt on high.]

An diese biblischen stoffe epischer dichtung reihen sich solche, welche

sich an die heiligenlegenden anschliessen, sämmtlich von unbekannten

verfassern. Hierzu gehört das in der exeterhandschrift befindliche

christliche epos _Juliana_, welches die martergeschichte dieses in der

christenverfolgung Maximian's zu Commedia geopferten mädchens enthält.

Ein zu Vercelli in Piemont von Blume[75] aufgefundenes manuscript,

seitdem unter dem namen der Vercellihandschrift bekannt, enthält ausser

einigen bruchstücken zwei grössere christliche epopöen, die legende des

heiligen Andreas und die auffindung des heiligen kreuzes durch Helena,

mutter Constantin's des grossen. Diese gedichte hat Thorpe für

die mitglieder der Record Commission im jahre 1836 zu London

veröffentlicht,[76] und die beiden darunter befindlichen christlichen

epopöen sind unter den namen _Andrêas_ und _Elêne_ mit sachlichen

und sprachlichen erklärungen und bemerkungen über das wesen der

angelsächsischen poesie im jähre 1840 zu Cassel von J. Grimm

herausgegeben worden.

[Footnote 75: Rheinisches museum 1832. 4, 232. Bibl. Mss. italica

p. 6.]

[Footnote 76: Im Appendix B. zu Purton Cooper's Report on

Rhymer's foedera. (Enthält Edgar's Canones, das vierte buch

von Egbert's Poenitentiale, ein angelsächsisches glossarium

aus brüsseler handschriften, die gedichte des Vercelli Ms.

und angelsächsische glossen aus handschriften zu Boulogne und

Epinal.) Das buch ist nur in wenigen exemplaren vorhanden; von

einem solchen, als geschenk verschickten hat J. Grimm Andrêas und

Elêne herausgegeben. Siehe J. Grimm's vorrede.]

Für den muthmasslichen Verfasser des Andreas wird von dem herausgeber

Aldhelm gehalten (vergl. seite 35), und der dichter der Elene giebt sich

im epilog mit eingeflochtenen runenbuchstaben (seite 88 der ausgabe

Grimm's) als »Cynewulf« zu erkennen, ganz in derselben weise, wie dieses

in einigen räthseln der exeterhandschrift geschieht. Wright (Biog. Brit.

Liter. A.S. Period. Seite 501-505) schliesst aus dieser übereinstimmung

in der art der namensanführung auf einen und denselben verfasser, den

er, obgleich nicht mit gewissheit, für denjenigen Cynewulf hält, welcher

um das jahr 992 abt des klosters zu Peterborough war. Wenn diese annahme

richtig wäre, dann würde J. Grimm unrecht haben, das gedicht Elene

zugleich mit Beowulf in den beginn des achten Jahrhunderts zu setzen.

Bemerkt möge noch werden, dass die im facsimile von Grimm mitgetheilte

handschrift des Ms. zu Vercelli mit dem von Thorpe gegebenen facsimile

des Codex Exoniensis viele ähnlichkeit hat und dem ende des zehnten,

oder dem anfang des elften jahrhunderts angehört. Folgendes ist der

anfang des epos Andreas, genau nach der redaction von J. Grimm:

Hvät ve geFrunon

on Fyrndagum

Tvelfe under Tunglum

Tìreádige häleð

Þeódnes Þegnas

(no hira Þrym âläg

Camprædenne)

þonne Cumbol hneótan,

Was wir vernahmen

in fernen tagen:

zwölf unter den sternen

vorzügliche männer,

des herren diener,

(nicht ihre herrlichkeit erlag

im kampfzustande)

erhoben damals die fahne,

siððan hie geDældon,

svâ him Dryhten sylf

Heofona Heáhcyning

Hlyt getæhte.

þät væron Mære

Men ofer eorðan,

seitdem sie sich theilten,

wie ihnen der herr selbst,

himmels hochkönig,

das loos zeigte,

das waren grosse

menschen auf erden,

Frome Folctogan

and Fyrdhvate,

Rôfe Rincas,

þonne Rond and Hand

on Herefelda

Helm ealgodon

fromme volksführer

und kräftige herzöge,

berühmte krieger,

da schild und hand

auf dem heerfelde

den helm schützten,

on Meotudvange.

Väs bira Matheus sum,

se mid Judêum

ongan godspell ærest

Vordum Vrîtan,

Vundorcräfte.

auf dem gottesplatze.

Da war unter ihnen ein Matthäus,

der bei den Juden

anfing das evangelium zuerst

mit worten zu schreiben

in wunderkraft.

Þâm Hâlig god

Hlyt geteóde

ût on Þät îgland,

Þær ænig Þâ git

Ellþeódigra

Êðles ne mihte

Dem der heilige Gott

das loos bestimmte,

hinaus auf jene insel,

wo irgend einer bis jetzt

der fremden

edlen lebens

Blædes Brûcan.

Oft him Bonena

Hand on Herefelda

Hearde gesceód,

eal väs þät Mearcland

Morðre bevunden

nicht möchte geniessen.

Oft ihn der frevler

hand auf dem heerfelde

hart bedrückte.

Ganz war das grenzland

mit mord umwunden,

Feóndes Fâcne,

Folcstede gumena,

Häleða êðel.

näs þær Hlâfes vist

Verum on þâm Vonge

ne Väteres drync

mit feindes betrug

im lager der männer,

der edlen helden;

nicht war da des brodes speise

den menschen in dem lande,

noch des wassers trank

to Brûcanne.

ah hie Blôd and fel,

Fira Flæschoman

Feorran cumenra

Þêgon geond þâ Þeóde.

svelc väs Þeàv hira,

zu gebrauchen,

sondern sie blut und haut,

menschliche leiber

der fernkommenden

nahmen sie bei jenem volke.

Solches war ihre sitte,

Þät hie æghvylcne

ellÞeódigra

dydon him tô Môse

Mete þearfendum,

þâra þe þät eáland

ûtan sôhte.

dass sie von allerlei

fremden

tödteten sich zur tafel,

den nahrung bedürftigen,

derer, die das eiland

von aussen besuchten.

Endlich gehört noch hierher die legende des angelsächsischen heiligen

_Guthlac_, welche sich ohne angabe des verfassers im Codex Exoniensis

in einem verstümmelten zustande befindet.[77] Das gedicht gründet sich

auf die Vita Guthlaci des Felix von Croyland, von welchem auch eine

ungedruckte angelsächsische übersetzung in prosa vorhanden ist. Auch die

legenden des heiligen Cuthbert[78] und des heiligen Edmund, königs der

Ostangeln, welche in form versificirter homilien in Thorpe's Analecta

Anglo-Saxonica seite 74 und seite 131 veröffentlicht worden sind, können

zu den epischen stoffen angelsächsischer dichtkunst gerechnet werden.

[Footnote 77: Codex Exoniensis. S. 107-184.]

[Footnote 78: In Leo's Sprachproben seite 23 und in

Ettmüller's Scôpas and Bôceras. S. 77 abgedruckt.]

Die lyrik ist in den resten der angelsächsischen poesie reich

vertreten, obwohl, wie das epos, mehr in der kirchlichen gattung,

als im volksliede. Von letzterem ist ein siegeslied der schlacht

bei Brunanbyrig, wo die Westsachsen unter Athelstan und Edmund den

normannenkönig Anlaf im jahre 938 schlugen, in der angelsächsischen

chronik aufbewahrt, welches, wahrscheinlich bald nach dem kampfe

gedichtet, diesen mit begeisterung schildert. Der anfang dieses liedes

lautet:

[79] Her Aeðelstan cyning,

Eorla drihten,

Beorna Beah-gyfa,

And his Broðor eac

Eadmund Æðeling,

Ealdor langne tyr,

Hier Athelstan könig,

der adeligen herr,

der beiden armspangengeber,

und sein bruder auch

Edmund der edle,

weitgerühmte fürst,

geSlohgon æt Sæcce

Sweorda ecgum

ymbe Brunan-Burh,

Bord-weall clufan,

Heowan Heaðo-linde,

Hamora lafum

schlugen im kampfe

mit der schwerdter schärfe

um Brunanburg,

spalteten den brettwall,

hieben die hohen banner

mit der hammer stümpfen

Eaforan Eadwardes,

swa him geÆðele wæs

from cneo-mægum,

þæt hie æt campe oft

wið Laðra gehwæne

Land ealgodon,

die kinder Edward's,

wie ihnen angeboren war

von den geschlechtsverwandten,

dass sie im kampfe oft

gegen der bösen jeden

das land vertheidigten,

Hord and Hamas,

Hettend crungon.

Sceotta leode

and Scip flotan

Fæger Feollan,

Feld dynede

den schatz und die wohnungen,

den feind vernichteten.

Schottenleute

und die schiffflotte

fielen schön,

das feld rauschte

Secga Swate,

Syððan Sunne up

on Morgen-tid,

Mære tungol,

Glad ofer Grundas

Godes condel, beorht

von heldenblut,

seit die sonne auf

zur morgenzeit,

das grosse gestirn,

froh über tiefen,

Gottes licht, der glanz

Eces drihtnes,

oþþ sio Æþele gesceaft

Sah to Setle;

þær læg Secg mænig

Garum forfrunden,

Guman norðerne

ofer Scyld Sceoten,

swylce Scyltisc eac

werig wiges sæd.

des ewigen herrn,

bis das edle geschöpf

sank zur ruhe;

da lag mancher kämpfer

von geren durchbohrt,

die nordmänner

auf dem schild erschossen,

dazu der Schotte auch,

sehr müde des kampfes.

[Footnote 79: Der angelsächsiche text ist sehr fehlerhaft in

Ellis' Specimens of the Early English Poets. 3. vols. 8. London,

1801. Bd. 1. Seite 14 bis 31 zu finden; er ist ferner in

Ettmüller's Scopas and Boceras, seite 204 nach der

angelsächsischen chronik abgedruckt, aus welcher (edit. Gibson

seite 212 ff.) derselbe auch hier unter benutzung der angegebenen

Varianten entlehnt ist.]

Einige andere lyrische dichtungen haben subjective veranlassungen. Eine

derselben in der exeterhandschrift,[80] in welchem die alten deutschen

sagenkreise erwähnt sind, trägt das gepräge eines hohen alters. Sie ist

von Torpe mit der überschrift Deor the Scald's Complaint versehen

worden. Die klage eines heimathlosen weibes, eines landfahrers und eines

seefahrers, sämmtlich in der exeterhandschrift,[81] haben mit ausnahme

des zweiten, welches einen ächt englischen seemannscharakter trägt,

wenig anziehungskraft. Unter den religiösen und kirchlichen lyrischen

dichtungen befinden sich in der exeterhandschrift eine grosse zahl

hymnen auf die dreifaltigkeit, auf Christi geburt, menschwerdung,

kreuzigung, auferstehung, höllen- und himmelfahrt, auf die wunder der

schöpfung, die güte Gottes und das jüngste gericht.

[Footnote 80: Thorpe's Codex Exoniensis, seite 377. Ettmüller's

Scôpas and bôceras seite 211. Auch in Conybeare's Illustrations of

A.S. poetry.]

[Footnote 81: Thorpe's Codex Exoniensis, seite 441. 306.

Ettmüller's Scôpas and bôceras, seite 214. 216. 218. Das

erste gedicht auch in Conybeare's Illustrations of A.S. poetry.]

Ausserdem enthält die exeterhandschrift ein seltsames moralisches

gedicht, worin eine verdammte seele sich gegen ihren leichnam, der sie

im leben am seligwerden hinderte, beklagt. Diesem ist von Thorpe (aus

der vercellihandschrift) ein gegenstück beigegeben worden, welches die

freudige anrede einer seligen seele an ihren körper enthält, der ihr im

leben zur erringung der seligkeit beistand. Das letztere gedicht ist nur

ein bruchstück.[82]

[Footnote 82: Thorpe's Codex Exoniensis, seite 367-377.]

Unter die lyrischen produkte der angelsächsischen poesie gehört auch die

paraphrasirende übersetzung der psalmen,[83] welche von Thorpe im jahre

1835 aus einer pariser handschrift auf kosten der universität Oxford

herausgegeben worden ist. Bis zum fünfzigsten psalm ist die übersetzung

in freier prosa, von da ab in einer metrischen paraphrase verfasst. Ob

Aldhelm der verfasser wenigstens des letzteren theiles sei, wie Thorpe

vermuthet, ist sehr ungewiss. Die für diese ansicht angeführten gründe

sind sehr schwach.

[Footnote 83: Libri Psalmorum versio antiqua Latina; cum paraphrasi

Anglo-Saxonica, partim soluta oratione, partim metrice composita,

nunc primum e cod. Ms., in Bibl. Regia Parisiensi adservato,

descripsit et edidit B. Thorpe. 8. Oxonii, 1835.]

An die psalmenparaphrase schliessen sich poetische umschreibungen des

apostolischen glaubensbekenutnisses und des vaterunsers.

In der exeterhandschrift befinden sich drei allegorische

lehrgedichte,[84] von denen das eine in symbolischer weise den wallfisch

(leviathan) mit dem teufel vergleicht. Das übereinstimmende beider wird

in den gefahren gefunden, welche sie dem menschen bereiten. Das andere

beschreibt die eigenschaften des panthers und vergleicht sie dann mit

denen des heilandes. Das dritte ist eine paraphrase des dem Lactanz

zugeschriebenen gedichtes vom vogel phönix, mit welchem der

angelsächsische dichter in längerer selbstständiger ausführung die

auserwählten diener Christi vergleicht.

[Footnote 84: Thorpe's Codex Exoniensis, seite 360. 355. 224.]

Die exeterhandschrift enthält ferner mehrere moralische gedichte über

die verhältnisse des menschlichen lebens, von denen das folgende,

vollständig abgedruckte eine probe ist:

+Von den verschiedenen gaben der menschen.+

[85]Fela bið on Foldan.

Forð gesynra.

Geongra Geofona.

þa þa Gæst-berend.

Wegað in geWitte.

swa her Weoruda god.

Viele sind auf erden

stets offenbare

(jüngere) zartere gaben,

welche der geist tragend

bewegt im verstande,

wie hier der heerscharen Gott,

Meotud Meahtum swið.

Monnum dæleð.

Syleð Sundor-giefe.

Sendeð wide.

Agne spede.

Þara Æghwylc mot.

der herr in mächten stark,

den menschen zutheilet,

giebt verschiedene gaben,

sendet weit

mit eigener kraft,

deren ein jeder soll

Dryht-wuniendra.

Dæl onfôn.

ne bið Ænig þæs.

Earfoð-sælig.

Mon on Moldan.

ne þæs Med-spedig.

der menschenwohnenden

einen theil empfangen,

Nicht ist ein so

schwer seliger

mensch auf erden,

nicht so mittelglücklich,

Lytel hydig.

ne þæs Læt-hydig.

þæt hine se Ar-gifa.

EAlles biscyrge.

Modas cræfta.

oþþe Mægen-dæda.

wenig behutsam,

nicht so spät bedacht,

dass er ihm der ehr-gaben

gänzlich beraube,

der geistes kräfte,

oder tüchtiger thaten,

Wis on geWitte.

oþþe on Word-cwidum.

þy læs Ormod sy.

Ealra þinga.

þara þe he geWorhte.

in Woruld-life.

weise im verstande

oder im wortgespräch,

damit er nicht verzweifelnd sei

aller dinge,

derer, die er gewirkt

im weltlichen leben

Geofona Gehwylcre.

næfre God demeð.

þæt Ænig Eft.

þæs Earm geweorðe.

nænig eft þæs Swiþe.

þurh Snyttru-cræft.

mit jeglicher der gaben.

Niemals Gott bestimmt,

dass einer wiederum,

so arm würde,

noch irgend einer so gross

durch geisteskraft

in Þeode Þrym.

Þisses lifes.

Forð gestigeð.

þæt him Folca weard.

þurh His Halige giefe.

Hider onsende.

in dem volksgetümmel

dieses lebens

vorsteigt,

dass ihm der volkswart

durch seine heiligen gaben,

werde hierher senden

Wise geþohtas.

and Woruld cræftas.

under Anes meaht.

Ealle forlæte.

þy læs he for Wlence.

Wuldor-geofona ful.

weise gedanken

und weltliche künste,

um eines macht

alle verlasse,

damit er nicht aus stolz,

herrlicher gaben voll,

Mon mode swið.

of geMete hweorfe.

and þon forHycge.

Hean-spedigran.

ac he geDæleð.

se þe ah Domes geweald.

ein mensch, geistes stark,

vom masse sich wende

und dann verachte

die weniger glücklichen;

sondern er theilt aus,

welcher hat der verfügung gewalt,

Missenlice.

geond þisne Middan-geard.

Leoda Leoþo-cræftas.

Lond-buendum.

sum her Ofer eOrþan.

æhta Onlihð.

mannigfaltig

über diese welt

der menschen gliederkräfte

den landbauern.

Einer hier auf erden

habe anlegt

Woruld-gestreona.

sum bið Wonspedig.

Heard-sælig Hæle.

bið Hwæþre gleaw.

Modes cræfta.

sum Mægen-strengo.

weltlicher schätze;

einer ist ein bedürftiger,

schwerseliger mensch,

ist dennoch kundig

der geisteskräfte;

einer gewaltige kraft,

Furþor onFehð.

sum Freolic bið.

Wlitig on Wæstmum.

sum biþ Woð-bora.

Giedda Giffæst.

sum biþ Gearu-wyrdig.

höhere empfängt;

einer ist fröhlich,

schön an gestalt;

einer ist ein dichter,

der lieder fähig;

einer ist wortebereit;

sum biþ on Huntoþe.

Hreð-eadigra.

Deora Dræfend.

sum Dyre bið.

Woruld-ricum men.

sum bið Wiges heard.

einer ist auf der jagd

wildhafter

thiere ein dränger;

einer ist theuer

welt-mächtigen männern;

einer ist ein kampfharter,

Beado-cræftig Beorn.

þær Bord stunað.

sum in Mædle Mæg.

Mod-snottera.

Folc-rædenne.

Forð gehycgan.

kriegskundiger mann,

wo der schild tönt;

einer im rathe kann

der klugen

volksgesetze

ausdenken,

þær Witena biþ.

Worn ætsomne.

sum mæg Wrætlice.

Weorc ahycgan. (ms. ahyggan.)

Heah-timbra geHwæs.

Hond bið gelæred.

wo der weisen sind

viele beisammen;

einer kann wunderbar

werk ersinnen,

irgend ein hochgezimmertes;

die hand ist gelehrt,

Wis and geWealden.

swa bið Wyrhtan ryht.

Sele aSettan.

con he Sidne ræced.

Fæste geFegan.

wiþ Fær-dryrum.

weise und gewaltig,

wie es einem baumeister ziemt,

einen saal zusammenzusetzen;

kann das weite gerüst

fest zusammenfügen

gegen plötzliche einstürze.

sum mid Hondum mæg.

Hearpan gretan.

ah he Gleo-beames.

Gearo brygda list.

sum bið Rynig.

sum Ryht scytte.

Einer mit händen mag

die harfe grüssen;

er hat des klangholzes

bereiter griffe kunst;

einer ist ein läufer,

einer ein rechter schütze,

sum Leoða gleaw.

sum on Londe sneL.

Feþe spedig.

sum Fealone wæg.

Stefnan Steoreð.

Stream-rade con.

einer in liedern geschickt,

einer zu lande schnell,

fussflüchtig.

Einer die falbe woge

mit dem steven durchsteuert,

den stromweg kennt

Weorudes Wisa.

ofer Widne holm.

þôn Sæ-fore.

Snelle mægne.

arum Bregdað.

yð-Borde neah.

der schar führer

über den weiten holm,

wann seefahrer,

mit schneller kraft

mit rudern treiben

dem wogenbord (strande) nahe.

Sum bið syndig.

Sum Searo-cræftig.

Goldes and Gimma.

þôn him Gumena weard.

hateð him to Mærþum.

Maþþum renian.

Einer ist sinnig, (?)

einer besonders kundig

des Goldes und der Edelsteine,

wann ihn der männer wart

heisst, ihm zur mähr

eine zier bereiten.

sum mæg Wæpen-þræge.

Wige to nytte.

Mod-cræftig smið.

Monige gefremman.

þôn he geWyrceð.

to Wera hilde.

Einer mag waffentrachten (?)

dem kriege zu nutzen,

ein geschickter schmied,

viele bereiten,

wann er arbeitet

dem männer kampfe

Geschichte der Englischen Sprache und Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst · 第 6 / 21 段