oððe Heaþu-byrnan.
Scirne mece.
oððe Scyldes rond.
Fæste geFegan. (gefegeð.)
wið Flyge gares.
helm oder hüftmesser,
oder volle rüstung,
glänzendes schwert,
oder schildes rund,
fest gefügt
gegen den flug des gers.
sum bið Arfæst.
and Ælmes georn.
Þeawum geÞyde. (geþyded?)
sum bið Þegn gehweorf.
on Meodu-healle.
sum bið Meares gleaw.
Einer ist ehrenfest
und giebt almosen gern,
in sitten gesellig.
Einer ist ein vertrauter diener
in der methhalle;
einer ist des pferdes kundig,
Wic-cræfta Wis. (wicg-cræfta.)
sum geWealden-môd.
Þafað in geþylde.
Þæt he þôn sceal.
sum Domas con.
þær Dryht-guman.
in reiterkünsten weise.
Einer demüthig,
leidet in geduld,
was er dann muss.
Einer urtheile versteht,
wo freunde
Ræd eahtiað.
sum bið hRæd tæfle.
sum bið geWittig.
æt Win-þege.
Beor-hyrde god.
sum bið Bylda til.
rath schlagen.
Einer ist würfelkundig,
einer ist witzig
bei dem weintrinken,
ein guter bierwächter.
Einer ist ein guter zimmerer,
Ham to Habbanne.
sum bið Here-toga.
Fyrd-wisa From.
sum biþ Folc-wita.
sum biþ æt Þearfe Þrist.
hydigra-Þegn.
ein haus zu errichten.
Einer ist ein herzog,
ein starker heerführer.
Einer ist ein volksrath,
einer ist in der noth dreist,
der schüchternen diener;
mid his Þeodne.
sum geÞyld hafað.
Fæst gongel Ferð.
sum bið Fugel-bona.
Hafeces cræftig.
sum bið to Horse Hwæt.
mit seinem herrn
einer geduld hat,
eine feste (?) seele.
Einer ist ein vogeljäger,
des falken kundig.
Einer ist zu pferde geschwind,
sum bið Swið-snel.
hafað Searolic
Gomen Gleo-dæda.
gife for Gum-þegnum.
Leoht and Leoþu-wac.
sum bið Leofwende.
einer ist sehr schnell,
hat ein künstliches
spiel lustiger dinge,
gaben für gute diener,
leicht und gelenk.
Einer ist angenehm,
hafad Môd and word
Monnum geþwære.
sum her Geornlice.
Gæstes þearfe.
Mode bewindeþ.
and him Metudes est. (Ms. eft.)
hat gemüth und wort,
bei menschen beliebt.
Einer hier gern
des geistes bedürfnisse
im gemüthe verschliesst
und sich des schöpfers gunst
ofer Eorð-welan.
Ealne geceoseð.
sum bið Deor-mod.
Deofles gewinnes.
bið a wið Firenum.
in geFeoht gearo.
vor irdischem wohle,
allem, wählt.
Einer ist bedacht
auf des teufels krieg,
ist immer gegen sünden
im gefecht bereit.
sum Cræft hafað.
Circ-nytta fela.
mæg on Lof-songum.
Lifes waldend.
Hlude Hergan.
Hafað healice
Einer geschicklichkeit hat
vieler kirchengenüsse,
kann in lobsängen
des lebens walter
laut ehren,
hat eine hohe,
Beorhte stefne.
sum bið Boca gleaw.
Larum Leoþu-fæst.
sum biþ List-hendig.
to aWritanne.
Word-gerynu.
helle stimme.
Einer ist buchbewandert,
in lehren gliedfest.
Einer ist behend,
auf zu schreiben
wortgeheimnisse.--
Nis nu Ofer Eorþan.
Ænig monna.
Mode þæs cræftig.
ne þæs Mægen-eacen
þæt hi Æfre anum.
eAlle weorþen.
Nun ist nicht auf erden
irgend ein mann
im geiste so erfahren,
noch so künste reich,
dass sie stets einem
alle würden
GeGearwade.
þy læs him Gilp sceððe.
oþþe fore þære Mærþe.
Môd astige.
gif he hafaþ Ana.
ofer EAlle men.
bereitet,
damit ihm nicht übermuth schade,
oder wegen deren mähr
das gemüth sich überhebe,
wenn er hätte allein
vor allen menschen
Wlite and Wisdom.
and Weorca blæd.
ac he Missenlice. (He. i.e. God.)
Monna cynne.
Gielpes styreð.
and his Giefe bryttað.
schönheit und weisheit
und der werke frucht;
sondern er verschiedentlich
des menschengeschlechtes
stolz steuert,
und seine gaben vertheilt:
sumum on Cystum. (Ms. summum.)
sumum on Cræftum.
sumum on Wlite.
sumum on Wige.
sumum he syleð Monna.
Milde heortan.
einigen in würden,
einigen in künsten,
einigen in schönheit,
einigen im kriege;
einigen menschen verleiht er
milde herzen,
Þeaw fæstne geÞoht.
sum biþ Þeodne hold.
swa Weorðlice.
Wide tosaweð.
Dryhten his Duguþe.
a þæs Dôm age.
ein wohlbestelltes gemüth;
einer ist dem herrn hold.
So würdiglich
weit säet aus
der herr seine tugenden.
Immer also habe macht,
Leoht-bære Lof.
se us þis Lif giefeð.
and his Milde Môd.
Monnum cyþeð.
leuchtendes lob,
der uns dieses leben giebt
und seinen milden geist
den menschen verkündet!
[Footnote 85: Aus dem Codex Exoniensis, seite 293.]
Die Angelsachsen besassen einen grossen schatz körniger sprüchwörter
und inhaltsreicher sinnsprüche in versen, von denen uns die
exeterhandschrift vier sammlungen aufbewahrt hat. Diese sentenzen sind
derjenigen ähnlich, welche uns Cuthbert in seiner epistola de morte Bedæ
als einen spruch des sterbenden Beda in folgenden worten aufbewahrt hat:
For þam Nedfere
Neni wirþeð
Þances snotera,
þonne him þearf sy,
to gehicgenne
er his Heonongange,
hwet his Gaste
Godes oððe yveles
efter Deaðe heonon
Demed weorþe.
Vor der nothfahrt
niemand wird
gedanken weiser,
denn ihm bedarf sei,
zu forschen
vor seinem hingange,
was seinem geiste
des guten oder bösen
nach dem tode (von) hinnen
zugeurtheilt werde.
Endlich sind uns in der exeterhandschrift eine grosse menge räthsel
überliefert, deren aufgeben und lösen eine beliebte unterhaltung der
Angelsachsen war. Von den beiden hier mitgetheilten räthseln mag die
auflösung des ersten »gedanke« oder »luft« und des zweiten »gerste«
sein, mit rücksicht auf das daraus gebraute getränk (John Barleycorn).
Codex Exoniensis, seite 482.
Ic eom Mare.
þon þes Middan-geard.
Læsse þon hond-wyrm.
Leohtre þon mona.
Swiftre þon Sunne.
sæs me sind ealle.
Ich bin mehr
als diese welt,
weniger als ein handwurm,
leichter als der mond,
schneller als die sonne,
die seen gehören mir alle,
Flodas on Fæðmum.
and þas Foldan bearm.
Grene wongas.
Grundum ic hrine.
Helle under-Hnige.
Heofonas ofer-stige.
die fluthen in umfassungen,
und des feldes schooss,
grüne gefilde;
die gründe berühre ich,
zur hölle neige ich mich hinunter,
die himmel ersteige ich,
Wuldres eðel.
Wide ræce
ofer Engla Eard.
Eorðan gefylle.
ealne Middan geard
and Mere-streamas.
Side mid me Sylfum.
Saga hwæt ic hatte.
der herrlichkeit wohnsitz;
weit reiche ich
über der engel heimath;
die erde erfülle ich,
die ganze welt
und die meerströme
weit mit mir selbst.
Sage, wie ich heisse?
Codex Exoniensis, seite 410. (Wright's Introductory Essay, seite 79).
Bið Foldan dæl.
Fægre gegierwed.
mid þy heardestan.
and mid þy scearpestan.
and mid þy grymmestan.
Gumena Gestreona.
Es ist ein theil des feldes,
schön bereitet,
mit dem härtesten
und mit dem schärfesten
und mit dem grimmigsten
menschlicher werke,
Corfen sworfen.[86]
Cyrred þyrred.
Bunden wunden.
Blæced wæced.
Frætwed geatwed.[87]
Feorran læded.
geschnitten, gestrichen,
gewendet, gedörrt,
gebunden, gewunden,
gebleicht, geweckt,
geputzt, gezeigt,
weit gebracht
to Durum Dryhta.
Dream bið in innan.
Cwicra wihta.
Clengeð[88] lengeð.
þara þe ær Lifgende.
Longe hwile.
zu den thüren der leute.
Eine freude ist es im innern
lebender wesen,
hängt sich an und verlängert;
derer das vorher lebende
lange zeit
Wilna bruceð.[89]
and no Wið-spriceð.
and þon æfter Deaðe.
Deman onginneð.
Meldan Mislice.
Micel is to hycganne.
Wisfæstum menn.
hwæt seo Wiht sy.
willen gehorcht
und nicht widerspricht
und dann nach dem tode
zu urtheilen beginnt,
zu melden verschiedentlich.
Sehr muss nachdenken
der weiseste mann,
was dieses wesen sei.
[Footnote 86: Dieses wort kommt ausser an dieser stelle nur noch
einmal im Cod. Exon. vor: Seite 497 zeile 18 sworfen feole, welche
stelle Thorpe mit »_gerieben_ mit einer Feile« übersetzt. Th.
Wright in dem Introductory Essay seite 79 übersetzt dieses wort
gar nicht. Hängt das wort sworfen mit dem englischen to swerve
zusammen?]
[Footnote 87: Von Wright mit »_poured out_,« von Thorpe mit
»_equip'd_« übersetzt. Möchte es nicht von æt-eowian, ywan
herzuleiten sein? Offenbar hat der gesuchte binnenreim dem
räthseldichter schwierigkeiten gemacht.]
[Footnote 88: Das englische to cling, anhangen? Thorpe übersetzt
es mit »adorns« und Wright mit »knocks.« Auch hier ist der
binnenreim zu beachten.]
[Footnote 89: Diese stelle ist sehr dunkel. Wright übersetzt die
vorhergehenden vier hemistichen: »It knocks and slights those,
of whom before while alive a long while it obeys the will,«
Thorpe dagegen: »adorns and lengthens the tedious time of those
who ere living their desires enjoy.« Meine übersetzung ist
wörtlich, obwohl þara þe ær lifgende auch eine andere fassung
zulässt.]
In diesen räthseln kommen hin und her die alten runen theils, wie es
scheint, als buchstaben, theils auch in ihrer wortbedeutung vor. Ein
angelsächsisches gedicht über die bedeutung der runen ist von W. Grimm
herausgegeben worden.
Wenn wir uns zu den prosaischen schriften der angelsächsischen literatur
wenden, welche der mündlichen überlieferung so wie späterer ungenauer
aufzeichnung mehr entrückt waren, so findet sich nicht nur grössere
sicherheit in sprache und rechtschreibung, welche mit geringen ausnahmen
die des autors sein mag, sondern es ist auch leichter, den historischen
fortschritt in der literatur zu verfolgen, als bei der poesie, da
dieselbe nur selten auf einzelne dichter zurückzuführen ist, sondern
auf der breiten unterläge des volkslebens ruht.
Die ersten anfänge angelsächsischer prosa sind in den gesetzen zu
suchen, welche _Athelbert_, könig von Kent, der im jahre 616 starb, bald
nach seiner bekehrung zum christenthum in neun und achtzig bestimmungen
erlassen haben soll. Manche derselben mag eingeschoben sein. Die sprache
ist gewiss modernisirt; die überschrift This syndon tha domas, the
Aethelbirht cyning asette on Augustinus dæge, welche sich in dem
einzigen manuscript dieser gesetze findet, ist ebenfalls späteren
ursprungs, worauf auch die aufzählung der priesterlichen rangordnung und
die volle entwickelung des kirchenregimentes im ersten paragraph
schliessen lässt:
§ 1. Godes feoh and ciricean XII gylde; biscopes feoh XI gylde;
preosles feoh IX gylde; diacones feoh VI gylde; clerices feoh III
gylde; ciricfrið II gylde; mynsteres frið II gylde.
§ 1. Gottes- und kirchen-gut gelte zwölffach; bischof'sgut
elffach; priestergut gelte neunfach; diakonusgut gelte sechsfach;
clerikergut gelte dreifach; kirchenfrieden gelte zwiefach;
klosterfrieden gelte zwiefach.
Von den kentischen königen Hlothar, Eadric und _Wihtræd_, sind
gleichfalls gesetze erhalten. Die des letzteren sind unter zuziehung des
brittischen erzbischofs Birhtwald (Bretone heahbiscop) und des bischofs
von Rochester nach vorher gepflogener berathung mit den mächtigen des
landes erlassen worden. In diesen gesetzen findet sich im § 13 schon
eine strafe auf götzendienst gesetzt:
§ 13. Gif ceorl buton wifes wisdome deoflum gelde, he sie ealra his
æhtan scyldig and healsfange. Gif butwu deoflum geldað, sion his
healsfange scyldige and ealra æhtan.
§ 13. Wenn ein ehemann ohne wissen der frau den götzen diene, sei
er aller seiner güter verlustig und des halsfanges. Wenn beide den
götzen opfern, seien sie des halsfanges und aller güter verlustig.
Dann folgen die gesetze der westsächsischen könige Ine und _Alfred_,
welcher letztere seinen gesetzen die mosaischen vorsetzte und die
gesetze seiner Vorgänger Ine, des königs Offa von Mercia und Athelbert's
von Kent benützte, wie er selbst in einfacher rede erzählt:
Ic þa Aelfred cyning þæs togædere gegaderod and awritan het manega
þara, þe ure foregengon heoldon þara þe me licedon, and manege þara þe
me ne licodon ic awearp mid minra witena geþeahte and on oðre wisan
bebead to healdenne. Forþam ic ne dorste gedyrstlæcan þara minra awuht
feala on gewrit settan; forþan me wæs uncuð, hwæt þæs þæm lician
wolde, þe æfter us wæron; ac þa þe ic gemette awðer on Ines dæge mines
mæges, oððe on Offan Mercna cyninges, oððe on Aeðelbyrhtes, þe ærest
fulluht onfeng on Angelcynne, þa þe me ryhtoste þuhton, ic þa her on
gegaderode and þa oðre forlet. Ic þa Aelfred Westseaxna cyning eallum
minum witum þæs geeowde and hy þa cwæðon þæt him þæt licode eallum wel
to healdenne.
Ich, könig Alfred, sammelte da diese und liess viele von denen,
welche unsere vorgänger hielten, wenn sie mir gefielen; und viele
derer, die mir nicht gefielen, verwarf ich mit meiner witan rathe
und gebot, sie in anderer weise zu halten. Denn ich wagte nicht es
zu unternehmen, von den meinigen viel in die schrift zu setzen;
denn es war mir unbekannt, was davon denen gefallen würde, die
nach uns wären; aber die, welche ich fand entweder in Ine's meines
verwandten tagen, oder in Offa's, des königs der Mercier, oder in
Athelbert's, der zuerst die taufe empfing im Angelvolke, die,
welche mir am wichtigsten schienen, die sammelte ich hier, und die
anderen liess ich weg. Ich nun Alfred, könig der Westsachsen,
zeigte diese allen meinen witan (räthen), und sie erklärten dabei,
dass ihnen allen dieses wohl gefiel zu halten.
Ausser den Alfred'schen gesetzen zeichnen sich die von _Cnut_ gegebenen
durch milde und edle humanität aus, welche gegen die barbarei und härte
der mittelalterlichen, ja selbst vieler neueren gesetze bedeutend
absticht. Als eine probe der sprache sowohl wie der grundsätze in
Cnut's gesetzen mögen folgende bestimmungen hier einen platz finden:
2. And we lærað, þæt þeah hwa agylte and hine sylfne deope
forwyrce, þonne gefadige man þa steore, swa hit for gode sy
gebeorhlic and for woruld aberendlic. And geþence swiðe georne se
þe domes geweald age, wæs he sylf georne, þonne he þus cweð: Et
dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus, þæt is on
englisc: and forgif us, drihten, ure gyltas, swa we forgyfað þam þe
wið us agyllað.
2. Und wir ermahnen, dass, obwohl jemand etwas verbreche und sich
selbst tief verwirke, dann man eine strafe anordne, wie sie vor
Gott gebührlich und vor der weit erträglich sei. Und es bedenke
sehr sorgfältig der, welcher des urtheils gewalt habe, was er
selbst gern habe, wenn er also spricht: Et dimitte nobis debita
nostra, sicut et nos dimittimus, das ist auf Englisch: und vergieb
uns, herr, unsere schuld, wie wir vergeben denen, die sich gegen
uns verschulden.
And we beodað, þæt man cristene men for ealles to lytlum huru to deaðe
ne forræde, ac elles geræde man friðlice steora folce to þearfe, and
ne forspille man for litlum godes handgeweorce and his agene ceap, þe
deore gebohte.
Und wir gebieten, dass man christenleute für alles zu geringe
wenigstens nicht zum tode verurtheile, sondern man vielmehr milde
strafen feststelle dem volke zum nutzen, und nicht den menschen,
das geschöpf Gottes, und sein eigenes gut, das er theuer erkaufte,
um geringes zerstöre.
66. And utan don, swa us þearf is, helpan a þam raðost, þe helpes
best behofað; þonne nime we þæs lean þær us leofast byð.
Forþam a man sceal þam unstrangan men for godes lufe and ege
liðelicor deman and scryfan, þonne þam strangan, for þam þe ne
mæg se unmaga þam magan, we witon, ful georne gelice byrðene
ahebban, ne se unhæla þam halan gelice.
66. Und möchten wir thun, wie wir sollen, helfen immer dem
zunächst, welcher der hilfe am besten bedarf; dann empfangen wir
den lohn da, wo er uns am liebsten ist. Denn immer soll man den
schwachen mann aus Gottes-liebe und furcht gelinder richten und
büssen, als den starken, denn nicht kann der unmächtige, wie wir
wissen, mit dem mächtigen eine völlig gleiche bürde haben, noch
der sieche mit dem gesunden eine gleiche.
And þy we sceolan medmian and gesceadlice todælan ylde and geogoðe,
welan and wædle, freot and þeowæt, hæla and unhæle, and ægðer man
sceal ge on godcundan scriftan ge on woruldcundan doman þæs þinge
tosceadan. Eac on mænigre dæde, þonne man bið nydwyrhta, þonne bið
se man gebeorges þe bet wyrðe, þe he for neode dyde þæt þæt he dyde.
And gif hwa hwæt ungewealdes gedeð, ne byð þæt ealum na gelice,
þe hit gewealdes gedeð.
Und darum sollen wir maass halten und unterschiedlich zutheilen
dem alter und der jugend, dem reichthum und der armuth, der
freiheit und der knechtschaft, der gesundheit und dem siechthum,
und jeder mann soll sowohl bei göttlichen büssen als bei
weltlichen urtheilen diese dinge scheiden. Auch bei mancher
handlung, wenn der mensch nothgedrungen ist, ist der mensch des
schutzes würdiger, weil er aus noth das that, was er that. Und
wenn jemand etwas unabsichtlich thut, ist er nicht in allem dem
gleich, der es absichtlich that.
67. Þis is þonne seo lihtinge, þe ic wylle eallon folce gebeorgan,
þe hig ær þyson mid gedrehte wæron ealles to swiðe. Þæt is
þonne ærest, þæt ic bebeode eallum minan gerefan, þæt big on
minan agenan rihtlice tilian and me mid þam feormian, and þæt him
nan man ne þearf to fearme fultume nan þinge syllan, buton he sylf
wylle.
67. Dieses ist denn die erleichterung, die ich allem volke
angedeihen will, da sie vor diesem damit zu sehr gedrückt wurden.
Das ist das erste, dass ich gebiete allen meinen amtleuten, dass
sie auf meinem eigenthum ordentlich bauen und mich damit
beköstigen, und dass ihnen niemand zur beköstigung als
unterstützung irgend etwas geben darf, ausser er will es selbst.
77. And ic wille þæt ælc man sy his huntnoðes wyrðe on wuda and
on felda on his agenan. And forga ælc man minne huntaðloce hwær ic
hit gefriðod wille habben, be fullan wite.
77. Und ich will, dass jedermann seiner jagd würdig sei in wald
und feld auf seinem eigenthum. Und es vermeide jedermann mein
jagdgehege, we ich es gefriedigt haben will, bei voller strafe.
Die alten angelsächsischen gesetzsammlungen[90] sind fortgeführt bis zu
_Wilhelm_ dem eroberer, welcher ebenfalls noch einige verordnungen in
angelsächsischer sprache erliess, obwohl er sich im allgemeinen der
französischen und lateinischen sprache bei seinen erlassen bediente.
[Footnote 90: Die älteste Sammlung angelsächsischer gesetze von
William Lambard unter dem titel Archaionomia, sive de priscis
Anglorum legibus libri etc. 4. Londini 1568. Eine neue auflage
von Wheloc, Cambridge 1644. Neuere ausgaben sind: Leges
Anglo-Saxonicæ ecclesiast. et civil. ed. D. Wilkins. fol. Lond.
1721. Gesetze der Angelsachsen (mit einer historisch-kritischen
einleitung und sorgfältigen kritik des textes) von R. Schmid, 8.
Leipzig 1832. Die neuesten ausgaben sind für die Record
Commission zu London veranstaltet worden: Codex Diplomaticus Aevi
Saxonici, opera J. M. Kemble. II vols. 8. London. 1839. 1840.
Ancient Laws and Institutes of England; comprising Laws enacted
under the Anglo-Saxon kings, from Aethelbert to Canute, with an
English Translation of the Saxon. With a compendious Glossary,
etc. Edited by B. Thorpe, and published by the Record Commission.
II vols. fol. London. 1840.]
Das folgende angelsächsische gesetz Wilhelm's zeigt ausser der sprache
auch die geringe achtung, in welcher die sächsische tapferkeit bei dem
eroberer stand. Es ist aufbewahrt im Codex Roffensis, welcher eine
reiche, von Arnulf, bischof von Rochester (starb 1124), angelegte
sammlung angelsächsischer urkunden enthält.
+Willelmes cyninges asetnysse.+
Wilhelm cyng gret ealla þa þe þys gewrit tocymð ofer eall Englaland
freondlice, and beot and eac cyð eallum mannum ofer eall Angel-cynn to
healdenne, þæs is:
+König Wilhelm's Satzungen.+
König Wilhelm grüsst alle, denen diese schrift zukömmt, über ganz
England freundlich, und gebietet und heisst auch allen mannen im
ganzen Angelvolke zu halten, nämlich:
1. Gif Engliscman beclypað ænigne Frænciscne man to orneste for þeofte
oððe for manslihte, oððe for ænigan þingan, þe gebyrige ornest fore to
beonne oððe dom betweox twam mannum, habbe he fulle leafe swa to
donne. And gif se Englisca forsæcð þæt ornest, þe Frencisca, þe se
Englisca beclypað, ladige hine mid aðe ongean hine mid his gewitnesse
æfter Norðmandiscere lage.
1. Wenn ein Engländer einen fränkschen mann zum ernstkampfe
fordert wegen diebstahls, oder todtschlages, oder wegen irgend
einer sache, wegen der sich ernstkampf gebührt oder gottesurtheil
zwischen zwei männern, habe er volle erlaubniss, es zu thun. Und
wenn der Engländer jenen kampf aufgiebt, reinige sich der Franke,
den der Engländer belangt, mit eid gegen ihn mit seinem zeugniss
nach normännischem gesetz.
2. Eft gif Frenciscman beclypað Engliscne man to orneste for þam ylcan
þingan, se Englisca be fulre leafe hine werige mid orneste oððe mid
irene, gif him þaet gecwemre byð. And gif he untrum byð and nelle þæt
ornest oððe ne mæge, begyte him lahlicne spalan.
2. Dann wenn ein Franke einen Engländer zum ernstkampfe wegen
derselben dinge fordert, so vertheidige sich der Engländer nach
willkür mit kämpf oder mit eisen-(ordal), wenn ihm das bequemer
ist. Und wenn er schwach ist und den kampf nicht will oder mag, so
schaffe er sich einen gesetzlichen vertreter.
3. And gif se Francisca byð ofercuman, he gyfe þam cynge III pund. And
gif se Englisca nele hine werian mid orneste oððe mid gewitnesse, he
ladige hine mid irene.
3. Und wenn der Franke überwältigt ist, gebe er dem könige drei
pfund. Und wenn der Engländer sich nicht mit ernst wehren will,
oder mit zeugniss, reinige er sich mit eisen.
4. Aet eallan ullagan þingan se cyng geselle, þæt se Englisca ladige
hine mid irene. And gif se Englisca beclypað Frenciscne mid utlagan
þingan, and wille hit þonne on him gesoðian, se Frencisca bewerie hine
mid orneste. And gif se Englisca ne durre hine to orneste beclypian,
werige hine se Fræncisca mid unforedan aðe.
4. Bei allen verbrecherischen dingen setzt der könig fest, dass
der Engländer sich mit eisen reinige. Und wenn der Engländer einen
Franken mit verbrecherischen dingen beschuldigt und will es an
ihm bewahrheiten, wahre sich der Franke mit kampf. Und wenn der
Engländer ihn nicht zum kämpf zu fordern wagt, wahre sich der
Franke mit ungebrochenem eide.
Das durch die christlichen sendboten und kirchenobern eingeführte
Studium der klassischen sprachen, besonders der lateinischen, hatte
einen so günstigen boden in England gefunden, dass die früchte desselben
bald auch in Deutschland und Frankreich genossen werden konnten, indem
England den genannten ländern nicht nur lehrer, sondern auch bücher
lieferte. Der eifer für die christliche religion und das studium der
römischen spräche führte seit dem ende des siebenten jahrhunderts
Engländer in grosser anzahl auf jener strasse nach Italien und Rom,
welche noch jetzt die grosse heeresbahn der reisenden Engländer ist.
Diese beschäftigung der Angelsachsen mit den wissenschaften musste auch
einen wohlthätigen einfluss auf ihre muttersprache ausüben, indem in
dieser nun für das verständniss der grösseren menge eine grosse zahl
übersetzungen und paraphrasen von den gebildeteren geschrieben wurden.
Dadurch bekam die angelsächsische sprache, welche bis dahin nur umgangs-
und dichtersprache war, einen festen boden. Zu der zeit, als die
kenntniss der lateinischen sprache den mönchen und geistlichen schwand,
und dafür dem volke die allgemeine bildung zugänglicher ward, also in
der mitte des neunten jahrhunderts, beginnen auch die glossen und
übersetzungen zwischen den zeilen in heiligen wie profanen schriften. In
dem sogenannten Durham buche und dem Durham Ritual[91] nennt sich der
glossator _Aldred_. Folgendes ist ein beispiel, wie die glossen des
Durham buches beschaffen sind:
[Footnote 91: Rituale Ecclesiæ Dunelmensis. Nunc primum typis
mandatum. Published by the Surtees Society, and edited by J.
Stevenson. 8. London. 1840.]
+Luc. 1, 6. 7.+
Wæs in dagum Herodes cyniges Judæ sacerd sum mið noma
Fuit in diebus Herodis regis Judææ sacerdos quidam nomine
of lond Abia, and wif þæm oððe him of dohterum Aaron, and
Zacharias de vice Abia, et uxor illi de filiabus Aron, et
noma his Elisabeð.
nomen eius Elisabet.
Woeron uut soð-fæsto boego fore Gode færendo in allum
Erant autem iusti ambo ante Deum incedentes in omnibus
bodum and soðfæstnissum Drihtnes buta gnornunge.
mandatis et justificationibus Domini sine quærella.
Zur vergleichung der angelsächsischen sprache, wie sie an verschiedenen
orten und zu verschiedenen zeiten bei der bibelübersetzung im gebrauch
war, folgt hier die parabel vom säemann (Marc. IV, 3-8): [92]
[Footnote 92: Bosworth's A.S. Dictionary. Preface p. XXII. ff.]
+Aus Marshall's Gospels, Dordrecht 1665. (Westsächsisch, reines
Angelsächsisch.)+