von ihm bis zum jahre 731 verfassten schriften, welche sich auf acht und
dreissig belaufen, mitgetheilt, zu welchen noch fünf andere aus späterer
zeit hinzutreten. Seine werke umfassen hauptsächlich theologie und
kirchengeschichte, betreffen aber auch naturwissenschaft und grammatik.
Seine abhandlung de Natura Rerum und die im zehnten jahrhundert
entstandene übersetzung derselben war mehrere jahrhunderte das
wissenschaftliche hauptwerk in England. Seine wichtigste arbeit, die
kirchengeschichte der Angelsachsen, welche er nach den vorhandenen
besten schriftlichen und mündlichen quellen schrieb, ist nächst der
angelsächsischen chronik, welche vieles aus Beda's werk entlehnt,
zugleich die hauptquelle für die erste geschichte der Angelsachsen in
England; könig Alfred übersetzte Beda's berühmtes werk in das
Angelsächsiche.[43]
[Footnote 43: Beda's gesammelte werke wurden zuerst zu Paris
1544, 1545 und 1554 in sechs foliobänden gedruckt, später zu
Basel 1563, zu Cöln 1612 und 1688 in acht folianten. Die
wichtigste ältere ausgabe der historischen werke Beda's ist von
John Smith im jahre 1722 zu Cambridge in folio unter folgendem
titel erschienen: Historiæ Ecclesiasticæ Gentis Anglorum Libri
Quinque, auctore Sancto et Venerabili Bæda Presbytero
Anglo-Saxone, una cum reliquis eius Operibus Historicis in unum
volumen collectis. Die beste neuere ausgabe ist von der Historical
Society unter dem titel herausgegeben worden: Verabilis Bedæ
Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum. Ad fidem Codicum
Manuscriptorum recensuit Josephus Stevenson. 8. London. 1838. Die
Popular Treatises on Science, written during the Middle Ages.
Edited by Th. Wright. 8. London. 1841, von der Historical Society
of Science veröffentlicht, enthalten seite 1 bis 19 einen auszug
aus der angelsächsischen übersetzung von Beda's abhandlung De
Natura Rerum. Im übrigen ist auf Wright's Biogr. Brit. Liter.
A.S. Period. zu verweisen, wo nebst einer lebensbeschreibung
Beda's ein ausführlicher wissenschaftlicher apparat zu dessen
werken von seite 263 bis 288 gegeben wird.]
Unter Beda's freunden ist der bemerkenswertheste _Egbert_, erzbischof
von York, von 732 bis 766, ein bruder Eadbert's, königs von
Northumberland. Egbert legte eine bibliothek zu York an, welche zu
Alcuin's zeiten eine für damalige verhältnisse sehr reiche sammlung von
kirchenvätern, alten klassikern (Aristoteles, Cicero, Virgil, Plinius,
Statius, Lucanus, Boethius, Cassiodorus, Orosius etc.), alten
grammatikern und scholiasten (Probus, Donatus, Priscianus etc.)
enthielt. Dieses war die bibliothek, welche Alcuin gegen Karl den
grossen rühmte, und aus welcher er »die blüthen Britannien's« nach
Frankreich holen wollte, damit »der garten in York nicht verschlossen
sei, sondern die früchte desselben in das paradies von Tour gebracht
würden.« Um Egbert's zeit war in die angelsächsische kirchendisciplin
eine bedenkliche schlaffheit gekommen; sowohl weltliche als geistliche
hatten sich einem üppigen leben ergeben, und gelehrsamkeit und zucht
fingen an, aus den klöstern zu weichen. Beda ermahnt daher seinen freund
noch kurz vor seinem tode, wieder eine strengere zucht in der diöcese
einzuführen und wenigstens das Credo und Pater noster zum besten der
laien wie des clerus in das angelsächsische übersetzen zu lassen. Egbert
schrieb hierauf einen dialog De Ecclesiastica Institutione, welcher noch
erhalten ist; hierauf veröffentlichte er auszüge (excerptiones) aus den
älteren kirchenvorschriften über die wichtigsten punkte der kirchenzucht
und verfasste endlich das confessionale und poenitentiale, die beiden
hauptschriften der angelsächsischen kirche über diesen gegenstand. Wie
es scheint, waren sie lateinisch und des besseren verständnisses wegen
auch zugleich angelsächsisch abgefasst worden.[44] Folgendes ist eine
probe aus diesen beiden schriften:
Aus dem Confessionale.
27. Feowertyne winter mæden heo mot agan hire lichaman ge-weald.
Cniht oð þæt he sig XV. winter eald sig he on his fæder
ge-wealdum; syððan he hine mot munecian, gif he wyle, and na ær.
Fæmne oð þæt heo sig XIII. oððe XIIII. winter sig heo on hyre
yldrena mihtum; æfter þære yldo hire hlaford hi mot gefon mid hire
wyllan. Se fæder his sunu, gif him mycel neod byð, he hine mot on
þeowet ge-syllan, oð þæt he bið VII. winter ofer þæt, butan
þæs suna willan, he hine ne mot syllan.
Puellæ quatuordecim annorum corporis sui potestatem habere licet.
Puer, usque ad XV. æstatis annum, in potestate sit patris sui;
deinde se monachum potest facere, si velit, et non antea. Puella
usque ad XIII. vel XIIII. annum sit in potestate parentum suorum;
post hanc ætatem dominus ejus illam capere potest, cum voluntate
sua. Pater potest filium suum, magna necessitate compulsus in
servitutem tradere, usque ad septimum annum; deinde, sine
voluntale filii, eum tradere non potest.
Aus dem Poenitentiale lib. IV.
32. Gif hwylc ge-hadod man on huntað fare, gif hit beo cleric, forga
XII. monað flæsc; diacon, II. gear; mæsse-preost, III.; and
bisceop, VII.
Si ordinatus quis homo ad venationem prodeat, si sit clericus,
XII. menses a carne se abstineat; diaconus, II. annos; presbyter,
III.; et episcopus, VII.
33. Gif hwylc bisceop, oððe ænig ge-hadod man, hine oftrædlice
oferdrince, oððe he þæs ge-swice, oððe his hades þolige.
Si episcopus quis, vel quilibet ordinatus homo, ex consuetudine se
inebriet, vel ab hoc desistat, vel ordinem suum perdat.
34. Gif munuc for ofer-druncennysse spiwe, fæste XXX. daga.
Si monachus ex ebrietate evomuerit, XXX. dies jejunet.
37. Seðe þurh facn oþerne oferdreneð, fæste XL. daga.[45]
Qui per fraudem alium inebriaverit, XL. dies jejunet.
[Footnote 44: Der beste abdruck von Egbert's schriften findet
sich in: Ancient Laws and Institutes of England; comprising Laws
enacted under the Anglo-Saxon kings etc.--also Monumenta
Ecclesiastica Anglicana. fol. London. 1840. Edited by Benjamin
Thorpe, and published by the Record Commission. Im übrigen siehe
Wright's Biogr. Brit. Liter. A.S. Period. Seite 297 bis 305.]
[Footnote 45: Mone in seinen forschungen zur geschichte der
teutschen literatur und sprache. 8. Achen und Leipzig, 1830.
Bd. I. Seite 509 giebt Varianten aus einer brüsseler handschrift
(Nr. 300 in 4.), welche jedoch den sinn nicht ändern. Wichtig
ist, was Mone über das poenitentiale Egbert's im allgemeinen und
insbesondere über das vierte buch desselben spricht, welches er
(seite 457) für jünger hält. Man vergleiche hierüber, was
Hildenbrand in seinen untersuchungen über die germanischen
pönitentialbücher. 8. Würzburg, 1851. Seite 65 ff. und
Wasserschleben in den bussordnungen der abendländischen kirche.
8. Halle, 1851. Seite 37 ff., auf quellenstudium und vergleichung
vieler handschriften gestützt, über das Egbert'sche beicht-
und bussbuch sagen, woraus mit ziemlicher gewissheit hervorgeht,
dass das ganze nicht auf Egbert zurückzuführen, mindestens als
eine sehr überarbeitete zusammenstellung mehrerer älterer
beicht- und bussordnungen, worunter sich auch eine Egbert'sche
arbeit befinden mag, zu betrachten sei.]
Ein Angelsachse war es, welcher das christenthum seinen heidnischen
stammverwandten in Deutschland zu bringen versuchte, nachdem Wilfred,
634 bis 709, den letzten germanischen stamm in England, die Südsachsen,
681 zur neuen lehre bekehrt hatte. Dieser erste angelsächsische apostel,
welcher sein leben der bekehrung der Deutschen am Unterrhein und in
Friesland widmete, war _Wilbrod_, gestorben 738. In seine fussstapfen
trat _Winfrid_ oder Bonifacius, geboren um 680, welcher von 716 ab
weiter in das innere von Deutschland, in Thüringen, Sachsen, Hessen,
Franken, Baiern vordrang und zugleich viele Angelsachsen in diese länder
nach sich zog, bis er endlich im jahre 755 von den heidnischen Friesen
erschlagen wurde. Interessant ist eine zusammenstellung der
abschwörungsformel und des glaubensbekenntnisses, welche Winfrid bei der
taufe der bekehrten Sachsen anwendete, und des Angelsächsischen.
_Die Abschwörungsformel._
Bonifacius.
Forsachistu diabolæ?
_Et resp._ Ec forsacho diabolæ.
End allum diabol gelde?
_Resp._ End ec forsacho allom diabol gelde.
End allum diabole uercum?
_Resp._ And ec forsacho allom diaboles uuercum end uuordum, Thunar
erende, Uuoden end Saxnote,[46] ende allem them unholdum the hira
genotas sint.
Angelsächsisch.
Forsacest þu diabule?
_Et resp._ Ic forsace diabule.
And eallum diabul gelde?
_Resp._ And ic forsace eallum diabul gelde.
And allum diabules wercum?
_Resp._ And ic forsace eallum diabules wercum and wordum, þunor
erende, Wodne and Seaxneate, and eallum þam unholdum þe hira
geneatas sind.
Englisch.
Forsakest thou the devil?
_Answ._ I forsake the devil.
And all worship of the devil?
_Answ._ And I forsake all worship of the devil.
And all works of the devil?
_Answ._ And I forsake all works and words of the devil, the
worship of Thor, Woden and Saxnote and all the evil spirits who
are their companions.
Deutsch.
Entsagst du dem teufel?
_Antw._ Ich entsage dem teufel.
Und allem teufelsdienst?
_Antw._ Und ich entsage allem teufelsdienst.
Und allen teufelswerken?
_Antw._ Und ich entsage allen teufelswerken und worten, der
Thorverehrung, dem Wodan und Sachsengott, und allen den
Unholden, die ihre Genossen sind.
[Footnote 46: Ueber die drei götter Thunar, Vuoden und Saxnot,
besonders über den letzteren handelt J. Grimm in der Deutschen
Mythologie. 8. Göttingen, 1844. Seite 149. 184. 196. 839. Saxnot
= Seaxna-Eowðen?]
_Das Glaubensbekenntniss._
Bonifacius.
Gelobistu in Got almehtigan, fadær?
_Resp._ Ec gelobo in Got almehtigan, fadær.
Gelobistu in Crist, Godes suno?
_Resp._ Ec gelobo in Crist, Godes suno.
Gelobistu in halogan gast?
_Resp._ Ec gelobo in halogan gast.
Angelsächsisch.
Gelyfest þu in God ælmihtigan, fæder?
_Resp._ Ic gelyfe in God ælmihtigan, fæder.
Gelyfest þu in Crist, Godes sunu?
_Resp._ Ic gelyfe in Crist, Godes sunu.
Gelyfest þu in haligan gast?
_Resp._ Ic gelyfe in haligan gast.
Englisch.
Believest thou in God Almighty, the father?
_Answ._ I believe in God Almighty, the father.
Believest thou in Christ, God's son?
_Answ._ I believe in Christ, God's son.
Believest thou in the Holy Ghost?
_Answ._ I believe in the Holy Ghost.
Deutsch.
Glaubst du an Gott allmächtigen, den vater?
_Antw._ Ich glaube an Gott allmächtigen, den vater.
Glaubst du an Christ, Gottes sohn?
_Antw._ Ich glaube an Christ, Gottes sohn.
Glaubst du an den heiligen geist?
_Antw._ Ich glaube an den heiligen geist.
Vergleicht man das original mit der angelsächsischen übersetzung, so
ist zu bemerken, dass das bei den Angelsachsen vorkommende wort diabul
gewöhnlich in deofle zusammengezogen erscheint, und dass anstatt erende
gewöhnlich arung, erung (had-erung) vorkommt, wogegen anstatt and auch
ende, und anstatt eall auch all geschrieben werden könnte. Im übrigen
sind original und übersetzung wenig mehr verschieden als die
angelsächsische sprache in England selbst zu verschiedenen zeiten
und orten.
Dem Bonifacius wird von Th. Wright ein lateinisches gedicht, Aenigmata,
(Ms. reg. 15. B. XIX. fol. 204) in hexametern zugeschrieben, worin zehn
(am ende der handschrift fehlt ein blatt, daher für uns nur neun)
tugenden geschildert werden. Seine übrigen schriften bestehen aus
predigten und briefen.[47]
[Footnote 47: Martene und Durand, Veterum Scriptorum et
Monumentorum Historicorum, Dogmaticorum, Moralium, Amplissima
Collectio. Tomus IX. fol. Paris, 1733. enthält Bonifacii
Sermones. Die beste ausgabe der briefe ist: Epistolae S. Bonifacii
Archiepiscopi Magontini ordine chronologico dispositæ, notis et
variantibus illustratæ a Stephano Alex. Würdtwein. fol. Magont.
1789. Vergleiche Wright's Biog. Brit. Liter. A.S. Period. Seite
308 bis 334.]
Von Winfrid's angelsächsischen nachfolgern in der bekehrung und bildung
der Deutschen mögen noch genannt werden _Willehad_ aus Northumberland,
bischof von Wigmodia (dem district um Bremen), und _Alcuin_ aus York,
(gestorben 804), der gelehrte freund Carl's des grossen. In Egbert's zu
York gestifteter schule gebildet, hatte Alcuin vor seiner entfernung die
aufsicht über die dortige kostbare bibliothek. Seine wirksamkeit als
schriftsteller bezieht sich mehr auf Carl's des grossen reich als auf
England. Von den vielen lateinischen schriften Alcuin's wurden indessen
die Questiones in Genesin im zehnten jahrhundert in das Angelsächsische
übersetzt, welche übersetzung in vielen handschriften auf uns gekommen
ist, woraus man schliessen kann, dass sie ein beliebtes buch der
Angelsachsen war.[48]
[Footnote 48: Beati Flacci Albini seu Alcvini Abbatis, Caroli Magni
Regis ac Imperatoris Magistri, Opera. Post primam editionem, a
viro clarissimo D. Andrea Quercetano curatam, de novo collecta,
multis locis emendata, et opusculis primum repertis plurimum
aucta, variisque modis illustrata. Cura ac Studio Frobenii. Tomi
duo in quatuor voluminibus, fol. Ratisbonæ, 1777. Siehe die
reiche Alcuinliteratur in Wright's Biog. Brit. Liter. A.S.
Period. Seite 366-368.]
England selbst hörte mit den einfällen der Dänen und ihren verwüstungen,
welche auch die klöster und kirchen nicht verschonten, so lange auf,
eine freistatt der gelehrsamkeit und bildung zu sein, bis die insel
durch Alfred dem grossen wieder einige Ruhe gewann. An die stelle der
lateinischen sprache trat nunmehr besonders durch die bemühungen
Alfred's die angelsächsische, welche früher nur von dem Scóp, oder
sänger, und dem christlichen psalmisten literarisch benützt worden war.
Alfred war genöthigt, in dasselbe England, aus welchem im vorigen
(achten) Jahrhundert eine anzahl gelehrter männer hervorgingen, um das
deutsche festland mit ihrem wissen und ihren büchern zu befruchten,
fremde gelehrte, _Grimbald_ von St. Bertin und _Johann_ von Corvey, zur
erziehung und bildung der unwissenden angelsächsischen geistlichkeit
herbeizurufen. Von Alfred's hohen geistlichen (der erzbischof von
Canterbury ordinirte an einem tage sieben bischöfe in der kirche zu
Winchester) sind keine lateinischen schriften auf uns gelangt.
_Werferth_, bischof von Worcester, soll von Alfred mit der übersetzung
der gespräche des papstes Gregor in das Angelsächsische betraut worden
sein. Das einzige bekannte manuscript dieser übersetzung befindet sich
im Corpus Christi College (Nr. 322) zu Cambridge; es stammt aus dem
elften jahrhundert. Die lebensbeschreibung Alfred's, welche unter dem
namen des bischofs Asser bekannt ist, mag wahrscheinlich eine spätere,
aus dem elften jahrhundert herrührende arbeit eines mönches sein,[49]
welcher dazu die angelsächsische chronik und mündliche überlieferungen
benützte.
[Footnote 49: Vergleiche Wright's Biog. Brit. Liter. A.S.
Period. Seite 405 bis 413.]
Gegen das ende dieser periode, besonders unter Eduard dem bekenner,
kam eine anzahl fremder geistlichen nach England. Von diesen verdienen
genannt zu werden _Folchard_ aus Flandern, von dem heiligenlegenden in
lateinischer sprache geschrieben worden sind, und _Gotselin_, ein mönch
aus dem französischen kloster St. Bertin, in Canterbury 1098 gestorben,
welcher eine menge legenden von englischen heiligen, darunter eine
lebensbeschreibung des heiligen Augustin abgefasst hat. Dieselben
befinden sich zerstreut in den verschiedenen Actis Sanctorum.[50]
[Footnote 50: Vergleiche Wright's Biog. Brit. Liter. A.S. Period.
Seite 512 bis 521.]
Die kirchenschriftsteller der Angelsachsen führten der volkssprache
keine unbedeutende anzahl lateinischer Wörter zu, welche fast sämmtlich
kirchliche angelegenheiten betreffen; so findet sich später im
Angelsächsischen der gebrauch von _mynster_, minster, (monasterium),
_portic_, porch, (porticus), _cluster_, cloister, (claustrum), _munuc_,
monk, (monachus), _bisceop_, bishop, (episcopus), _arcebisceop_,
archbishop, (archiepiscopus), _sanct_, saint, (sanctus), _profost_,
provost, (propositus), _pall_, pall (pallium), _calic_, chalice,
(calix), _candel_, candle, (candela), _psalter_, psalter, (psalterium),
_mæsse_, mass, (missa), _pistol_, epistle, (epistola), _prædician_, to
preach, (prædicare), _profian_, to prove, (probare), _gemartyrod_ etc.
Zugleich lernten die Angelsachsen fremde erzeugnisse mit ihren
lateinischen namen kennen, die sie in ihre sprache aufnahmen; so z.B.
_camell_, camel, (camelus), _ylp_, elephant, (elephas), _fic_-beam,
figtree, (ficus), _feferfuge_, (feverfew), (febrifuga), _peterselige_,
parsley, (petroselinum), _pipor_, pepper, (piper), _purpur_, purple,
(purpura), _pumic_-stan, pumicestone, (pumex).
+II. Die angelsächsische Sprache.+[51]
Verwandtschaft und Zusammenhang der angelsächsischen sprache mit den
übrigen zweigen des grossen germanischen stammes möchten am besten aus
folgender übersicht hervorleuchten:
+Alt-Germanisch.+[52]
_Alt-Deutsch_[53]
|
_________________|_______________
/ \
Alt-Hochdeutsch Alt-Niederdeutsch
| |
Möso-Gothisch, _________|________________
Alemannisch, / | \
Fränkisch Altsächsisch, Altfriesisch, Angelsächs.
| | | |
Neu-Hochdeutsch Niederdeutsch, Holländisch, Englisch
(mit seinen mundarten.) (mit ihren mundarten.)
_Alt-Skandinavisch_[54] auf
Dänemark, Norwegen, Schweden, Island,
den Orkney-, Schetland-, Faroer-Inseln.
|
_____________________|_____________________
/ \
Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch,
Orkney-, Schetland-, Faroer-Mundart.
[Footnote 51: Im allgemeinen handeln hiervon S. Turner's history
of the A.S. Vol. III. Book IX. Wright's Introductory Essay on
the State of Literature and Learning under the Anglo-Saxons, 1842
zu London erschienen und auch als einleitung der Biog. Brit.
Liter. beigefügt. L. Ettmüller's handbuch der deutschen
literaturgeschichte. 8. Leipzig 1847. Seite 120 bis 153. Michel,
Bibliotheca Anglo-Saxonica, containing an accurate Catalogue of
all works published in Anglo-Saxon, with an introductory letter,
by J. P. Kemble. 8. Paris. 1837.]
[Footnote 52: Deutsche grammatik v. J. Grimm. 4 theile. 8.
Göttingen 1819-37. 1840.]
[Footnote 53: Literatur der grammatiken, lexica und wörtersammlungen
von J. S. Vater. 2. Aufl. von B. Jülg. 8. Berlin 1847 enthält von
Seite 79 bis 98 einen vollständigen philologischen apparat
übersichtlich geordnet.]
[Footnote 54: Altnordisches lesebuch, von Fr. Ed. Chr. Dietrich. 8.
Leipzig. 1843 enthält von seite IX bis LIV eine übersicht der
literatur, von seite 1 bis 196 sprachproben, auf welche von seite
197 bis 288 grammatik und glossar folgen. Runensprachschatz; oder
wörterbuch über die ältesten sprachdenkmale Skandinavien's,
von U. W. Dieterich. 8. Stockholm. 1844.]
Die vorväter der germanischen eroberer Britannien's wohnten an der
nordküste Deutschland's in ihrer ganzen ausdehnung von Friesland bis zur
jütischen halbinsel. Die sprache derselben war die niederdeutsche,[55]
weichere tochter der germanischen mutter in verschiedenen mundarten,
welche in England sich zu verschmelzen trachteten, obwohl man ihre
unterschiede in alter wie neuer zeit wahrzunehmen vermag. Durch die
insulare lage des landes, welche zur einheit drängte, wie durch die
berührung mit den romanisirten Britten und Galliern, endlich durch die
frühe einführung des bildenden christlichen elementes entwickelte sich
in England die sprache und literatur der Angelsachsen zu einer solchen
blüthe, wie sie in dieser schönheit und mannigfaltigkeit bei keinem
anderen deutschen stamme zu einer so frühen zeit anzutreffen ist. Dies
wird auch dadurch bestätigt, dass das Angelsächsische schon in früher
zeit eine gebildete prosa besass; die prosa aber bekundet zugleich die
geistige reife des volkes wie seiner sprache, weil es ihr sein wissen
und denken vertraut, während in der alten poesie nur sein fühlen zu
finden ist.
[Footnote 55: Geschichte der niedersächsischen oder plattdeutschen
sprache von J. Fr. A. Kinderling. 8. Magdeburg. 1800.]
Es scheint unzweifelhaft, dass die deutschen einwanderer in der letzten
hälfte des fünften jahrhunderts einzelne schöpfungen der nordischen muse
nach England mitbrachten. Die ersten denkmäler der angelsächsischen
sprache führen uns in die zeit zurück, wo alle literatur noch poesie,
und der sänger, dichter und gelehrte _eine_ person war. So wie das
leben damals durchaus dichterisch war, so war auch die dichtkunst
eine lebendige, das leben schildernde, epische. Im gesange wurden die
thaten der urväter, die geschichten der vergangenen tage der mitwelt
überliefert, und was diese schuf, wurde sogleich wieder dem liede
anvertraut und darin der nachweit aufbewahrt. So wurde im gesange die
geschichte und die weisheit des volkes niedergelegt und vererbt auf die
künftigen enkel.
Die gabe des gesanges konnte nicht künstlich erworben werden, sondern
stammte von der gottheit und war eine besondere gabe derselben, wie Beda
(kirchengeschichte IV, 24) von Caedmon erzählt. Der sänger, scóp (von
sceapan, scyppan, schaffen), stand daher in Ehren bei den Sachsen, sein
platz war in der halle und an der tafel der fürsten; er begleitete sie
in die schlacht und feierte ihre häuslichen freuden. Wie hoch die
dichtkunst und der gesang unter den Sachsen gehalten wurde, sieht man
aus manchen andeutungen des alten gedichtes Beowulf. Wenn der dichter
uns die freude schildern will, welche in der königlichen halle von
Heorot herrschte, so darf der sänger nicht fehlen (Beow. v. 987);
dagegen ist es ein sicheres zeichen der sorge und des kummers, wenn die
gewohnten gesänge nicht gehört werden (v. 4519). Dass die sänger die
thaten der helden, mit denen sie lebten, im gesange verherrlichten, geht
aus einer anderen stelle Beowulf's deutlich hervor. Kaum hatte Beowulf
den schrecklichen Grendel besiegt, als auch schon der hofsänger
Hrothgar's sich anschickt, den sieg Beowulf's in verse zu bringen und
damit der nachwelt zu überliefern (Beowulf, v. 1728). Zuweilen sang der
dichter auch höhere dinge als die thaten der helden; er erhob seine
harfe und sang die erschaffung der welt (Beowulf, v. 178). Je nach den
umständen mochten auch heitere mit ernsten gegenständen in den liedern
des sängers abwechseln. Der sänger wanderte auch fort von der heimath,
besuchte fremde länder und sang vor den grossen derselben, welche ihm
reichliche ehrengeschenke gaben, die er als zeugen seines ruhmes von der
wandersfahrt nach hause brachte, wo er dann seine reisen schilderte. So
mag das gedicht entstanden sein, welches unter dem namen Traveller's
Song oder Scopes widsið aus der exeterhandschrift mehrmals abgedruckt
worden ist. (Vergl. weiter unten den schluss dieses alten gedichtes.)
Dadurch, dass ein sänger dem anderen die gesänge, welche er empfangen
und gedichtet hatte, überlieferte, und dass dieselben durch das öftere
hören auch in dem weiteren kreise des volkes bekannt wurden, entstand
ein poesiencyclus, welcher, ohne dass ein autor der einzelnen stücke
bekannt gewesen wäre, rhapsodisch von geschlecht zu geschlecht
forterbte, bis endlich die aufzeichnung einzelner rhapsodien oder
grösserer epopöen erfolgte. Der berühmte Codex Exoniensis ist eine
solche sammlung späterer aufzeichnungen einzelner rhapsodien des
angelsächsischen sangkreises.