Die germanischen ankömmlinge, welche unter verschiedenen führern in

dieser zeit nach England kamen, liessen sich hauptsächlich auf dem lande

nieder, wo sie als vasallen und heergefolge in demselben verhältnis zu

ihren vielen kleinen häuptlingen und fürsten lebten, als in ihrer

ursprünglichen heimath. Sie wurden die herren des bodens, während die

alte römisch-brittische bevölkerung des landes als ackerbauer und

arbeiter sich in dem verhältniss der unterthanen und leibeigenen befand.

Während die Sachsen und Angeln in dieser weise das land besetzten,

blieben die städte, obwohl sie den germanischen königen, in deren gebiet

sie lagen, abgabenpflichtig wurden und auch eine überwiegend germanische

bevölkerung erhielten, im besitz ihrer altrömischen Verfassungen und

grösstentheils auch ihrer freiheit und corporativen unabhängigkeit. Die

städte vertheidigen noch immer, wie zur römerzeit, ihr eigenes gebiet

selbst gegen die sächsischen und gegen die dänischen könige, sie

schliessen mit ihnen und sogar später mit dem normannischen eroberer

verträge zur sicherstellung ihrer freiheiten und rechte. Vorzüglich aber

war es London, dessen bürgerliche macht und selbstständigkeit von den

verschiedenen eroberen Britannien's nicht vernichtet wurde, sondern den

mehrmaligen wechsel der macht ertrug. London, welches von den dänischen

königen zur residenz gemacht wurde, blieb lange jahre ein kleiner staat

im reiche und hat manche alte vorrechte bis auf die heutige zeit durch

alle fährlichkeiten hindurchgetragen. Die neueren von den Sachsen

erbauten städte, welche theils an den könig, theils an geistliche und

weltliche würdenträger abgabenpflichtig wurden, folgten in ihrer

verfassung dem beispiele ihrer älteren schwestern und erhielten ähnliche

privilegien, so dass auch sie, wie jene, im stande waren, die träger und

vermittler der alten kultur während der rohen und blutigen zeit des

mittelalters zu werden.

Das christenthum wurde im jahre 597 auf veranlassung des papstes Gregor

von vierzig mönchen unter führung Augustin's zuerst in Kent öffentlich

gepredigt und eingeführt, nachdem der fränkische bischof Liudhard schon

vorher Berta, die tochter Charibert's, des christlichen königs der

Franken, zu ihrem gatten Athelbert, dem könige von Kent, begleitet und

in der nähe von Canterbury in einer kleinen, dem heiligen Martinus

geweihten kapelle die mysterien des christenthums verwaltet hatte. Die

römischen mönche zogen in feierlicher procession nach Canterbury, wo sie

sich niederliessen, und Augustin später zum ersten bischof erwählt

wurde. Papst Gregor sendete mehrere kostbare bücher[33] an Augustin, mit

denen so wie und mit der gleichzeitigen ausbreitung des christenthums

für England eine neue zeit der cultur beginnt, und die grundlage

derjenigen religiösen und geistigen bildung gelegt wird, auf welcher die

ganze englische literatur, vielleicht nur mit ausnahme eines einzigen

grösseren, noch aus der heidnischen zeit stammenden epos im laufe der

jahrhunderte aufgerichtet worden ist. Von Kent breitete sich das

christenthum allmälig weiter aus, besonders durch die predigt des

Paulinus um 625 in Northumberland, wo Edwin, könig von Deira,

Athelburga, die tochter des kentischen königs Athelbert geheirathet

hatte. Northumberland, damals der mächtigste Staat in England, erhob

sich durch die einführuug des evangeliums zugleich zum hauptsitze der

gelehrsamkeit der Angelsachsen bis zur mitte des achten jahrhunderts.

Das volk von Sussex jedoch hing noch im jahre 681 an seinen alten

religionsgebräuchen, und auch in London fanden nach dem tode des von

Athelbert zum bischofe bestimmten Melitus rückfälle vom christenthume

statt.

[Footnote 33: Wanley hat nach den nachrichten des Thomas de Elmham,

eines mönches aus Augustin's kloster zur zeit Heinrich's V.,

die von Gregor nach England geschickten bücher verzeichnet; sie

bestanden aus einer verzierten bibel in zwei bänden, den psalmen

Augustin's mit dem credo, pater noster und mehreren lateinischen

hymnen, zwei evangelienbüchern, einem andern psalmbuch mit

hymnen, einem legendenbuch von den leiden der apostel, einem

ändern reich mit edelsteinen gezierten martyrergeschichtenbuch

und einer erklärung der episteln und evangelien. Auch brachte

Augustin das pastorale Gregor's nach England, welches Alfred

später in das Angelsächsische übersetzte.]

Während die sächsischen und anglischen stämme von osten und süden in

Britannien vordrangen und unter dem namen der Sachsen (Sassanach) den

Kelten furchtbare feinde wurden, befestigten sich diese im norden und

westen und machten versuche zur staatenbildung. Die hauptsächlichsten

dieser keltischen stämme waren die Cumbern im norden, die Cymry (von den

Sachsen Wealas, Welsche, nicht deutsch sprechende genannt) in Wales und

die Cornen (Cornwealas) in Cornwall. Die cumbrischen Kelten,

wahrscheinlich die alten Caledonier, besassen zwei alte römische städte:

Luguballium in der nähe der mauer Hadrian's, welches sie Caer- (Castrum)

Luel (Caerleol, Carlisle) hiessen, und Tamea oder Theodosia am Clyde,

welches von ihnen nach seiner lage Al-cluyd (die höhe am Clyde), von

ihren nachbarn, den irischen Scoten aber Dun-Breton (Dumbarton),

Brittenburg, genannt wurde. Carlisle ist in der brittischen sage als

lieblingsaufenthalt des königs Arthur berühmt. Die Cymren in Wales und

die Cornen in Cornwall, welche früher von der römischen stadt Isca

(Exanceaster, Exeter) im zaume gehalten wurden, nahmen besitz von den

alten, wahrscheinlich von ihnen zertrümmerten städten Maridunum

(Caer-Marddyn, Caermarthen), Segontium (Caer-Sciont), Venta (Caer-went),

Nidiun (Neath). Dem silurischen Isca, wo lange zeit das hauptquartier

der II. legion gewesen war, gaben sie den namen Caer-legion (Caerleon),

womit sie auch das alte Deva (Chester), wo die XX. legion gestanden

hatte, bezeichneten. Ihre unabhängigkeit behaupteten die cornischen

Kelten bis zur zeit des königs Athelstan, Wales wurde erst von Eduard I.

unterworfen, und die nördlichen Kelten bildeten ein besonderes, erst

spät mit England vereinigtes königreich Schottland.

Das christenthum hatten die cornischen und welschen Kelten sehr früh,

wahrscheinlich von Armorica oder Irland empfangen. Mit der steigenden

kultur und den kämpfen der Angelsachsen finden sich auch anfänge einer

eigenen keltischen volks-literatur. Sie war von den Engländern verachtet

und nicht gekannt, bis Edward Lhwyd (Lloyd), Custos des ashmoleanischen

museum's in seiner Archaeologia Britannica. (Fol. Oxon. 1707), einem

cataloge der ihm bekannten welschen manuscripte, zuerst die

aufmerksamkeit darauf lenkte. Doch blieb die welsche literatur gänzlich

von den Engländern vernachlässigt, bis The Myrvyrian Archaiology of

Wales, collected out of ancient Mss. 8. III vols. London 1801-7 eine

neue anregung gab. Die reichhaltigkeit der mitgetheilten welschen

literatur (vol. I. gedichte auf 584 doppelcolumnen, vol. II. geschichte

auf 628 Seiten, vol. III. philosophie, moral, gesetze u.s.w.)

überraschte. Die ältesten gedichte auf den ersten 153 seiten des vol. I.

reichen mit den Barden, denen sie zugeschrieben werden, bis in das

sechste Jahrhundert hinauf. Die ältesten noch vorhandenen handschriften

stammen aus dem zehnten, elften und zwölften Jahrhundert.[34]

[Footnote 34: Mehreres hierüber ist in der einleitung zu R.

Schmid's gesetzen der Angelsachsen, thl. I. 8. Leipzig 1832 zu

finden. Schmid schöpfte hauptsächlich aus Sharon Turner's

abhandlung A Vindication of the Genuineness of the Ancient British

Poems of Aneurin, Taliesin, Llywarch Hen, and Merdhin with

specimens of the Poems, welche dem dritten bande der geschichte

der Angelsachsen (seite 313 bis 418 der pariser ausgabe von

Baudry. 1840) beigefügt ist.]

+Erste Periode.+

+Die angelsächsische Zeit.+

(Von 500 bis 1066.)

+I. Die lateinische Sprache.+

Christliche Kelten sind die ersten schriftsteller des nunmehr unter dem

namen Anglia, England, bekannten landes gewesen. Das idiom, dessen sie

sich bei der abfassung ihrer werke bedienten, war die kirchen-, d.h. die

lateinische sprache.

_Gildas_ oder Gildus, ein christlicher priester und missionar aus

Alcluyd (Dumbarton), welcher in der ersten hälfte des sechsten

Jahrhunderts gelebt haben soll, mag eine lateinische abhandlung über die

ältere brittische geschichte geschrieben haben, welche unter seinem

namen bekannt ist. Allein die geschichte dieses autors ist sehr

unsicher; man stellt seine wirksamkeit sogar um ein jahrhundert später

und ist selbst der meinung, dass zwei verschiedene Gildas zu

verschiedenen Zeiten gelebt haben, um durch eine solche annahme die

geschichtlichen ungehörigkeiten des wahrscheinlich später überarbeiteten

buches zu erklären. Einige bezweifeln das geschichtliche dasein eines

schriftstellers Gildas gänzlich.[35] Ein ähnliches schicksal theilt

_Nennius_, dem ebenfalls ein kleines historisches werk zugeschrieben

wird.[36] Derselbe soll zu anfang des siebenten jahrhunderts als abt zu

Bangor gelebt haben. Der erste unzweifelhafte Schriftsteller von

bedeutung ist _Columban_, geboren in Irland, ein grosser beförderer des

christenthums, welcher im jahre 615 starb. Seine schriften bestehen aus

lateinischen abhandlungen und gedienten.[37]

[Footnote 35: Eine ausführliche kritische abhandlung über die

persönlichkeit dieses autors, die ihm beigelegten schriften und

die mss., woraus dieselben genommen sind, befindet sich in Thomas

Wright's Biographia Britannica Literaria. A.S. Period. London.

8. 1842. Seite 115 bis 135. Mit übergehung der älteren ausgaben

dieses autors, so wie von zwei alten englischen übersetzungen

möge hier nur die letzte ausgabe des Gildas erwähnt werden:

Gildas de Excidio Britanniæ. Ad fidem Codicum Manuscriptorum

recensuit Josephus Stevenson. 8. Lond. 1838, welche von der

Historical Society herausgegeben worden ist.]

[Footnote 36: Siehe Wright's Biogr. Brit. Liter. A.S. Period.

Seite 135 bis 142. Neueste ausgaben des Nennius: The »Historia

Brittonum,« commonly attributed to Nennius; from a manuscript

lately discovered in the Library of the Vatican Palace, at Rome;

edited in the tenth Century, by Mark the Hermit; with an English

version. By the Rev. W. Gunn. 8. Lond. 1819. Nennii Historia

Britonum. Ad fidem Codicum Manuscriptorum recensuit Josephus

Stevenson. 8. Lond. 1838. (By the Historical Society.)]

[Footnote 37: Siehe Wright's Biogr. Brit. Liter. A.S. Period.

Seite 142 bis 163. Eine lebensbeschreibung Columban's von Jonas,

einem mönche zu Bobbio, einige jahre nach Columban's tode

geschrieben, findet sich in Mabillon's Acta Sanctorum Ord.

Bened. sæc. II. Ueber Columban's gedichte handelt Bæhr, die

christlichen dichter und geschichtsschreiber Rom's. 8. Carlsruhe

1836. Seite 79. Columban's übrig gebliebene werke sind

abgedruckt in der Maxima Bibliotheca Veterum Patrum. Vol. XII.

Fol. Lugd. 1677. Seite 1 bis 37, so wie in der kölner und pariser

ausgäbe der Bibliotheca Patrum.]

_Theodorus_, gebürtig aus Tarsus, ein sogar zu Rom wegen seiner

gelehrsamkeit und seiner kenntniss der alten sprachen berühmter

gelehrter, erzbischof von Canterbury, und sein freund, der abt _Adrian_,

von geburt ein Afrikaner, von W. von Malmsbury »fons litterarum, rivus

artium« genannt, begannen in der zweiten hälfte des siebenten

jahrhunderts die klassischen sprachen in England zu lehren. Diesen

beiden fremden verdankten die Angelsachsen eine reihe von lateinischen

schriftstellern und gelehrten, welche auf das ausland wieder befruchtend

zurück wirkten.

Unter den lateinischen Schriftstellern der ältesten _angelsächsischen_

zeit in England ist zu erwähnen _Aldhelm_, abt von Malmsbury, dem ersten

angelsächsischen kloster, wo die mönche nach einer festen regel lebten,

und wo sich um Aldhelm, welcher durch seine gelehrsamkeit eben so sehr

als durch seine frömmigkeit und herzensgüte berühmt war, selbst aus

Schottland und Frankreich schüler sammelten. Aldhelm starb im jahre 709.

Ausser einigen unsicheren schriften ist zuerst eine abhandlung Aldhelm's

in prosa De Laude Virginitatis zu erwähnen, welche ein lieblingsbuch der

Angelsachsen war, und in mehreren handschriften auf uns gekommen ist.

Einige derselben, besonders die späteren, sind theilweise mit einer

angelsächsischen übersetzung zwischen den zeilen versehen. Aldhelm

schrieb über denselben gegenstand noch eine andere abhandlung in

hexametern. Beide schriften enthalten die leidensgeschichten von

märtyrern beiderlei geschlechts, welche sich durch ihre keuschheit

ausgezeichnet haben. Ein anderes werk Aldhelm's, Aenigmata, war bei den

Angelsachsen nicht minder beliebt. Voraus geht eine einleitung in prosa,

welche von den eigenthümlichkeiten der lateinischen metrik handelt.

Ausser diesen schriften ist noch ein gedicht Aldhelm's über die sogen.

todsünden und eine kleine sammlung seiner briefe vorhanden. Die

Aenigmata, eine nachahmung der Aenigmata des Symposius, enthalten eine

doppelt acrostische einleitung in versen, deren erste _oder_ letzte

buchstaben den vers

Aldhelmus cecinit millenis versibus odas.

geben, woraus geschlossen wird, dass das nur siebenhundert und vier und

sechszig verse enthaltende werk nicht vollständig sei. Wright theilt

diese acrostische einleitung aus einem im brittischen Museum

aufbewahrten alten manuscripte mit. Sie möge ihrer sonderbarkeit wegen

und als älteste probe lateinischer dichtung der Angelsachsen hier eine

stelle finden:

+A+rbiter æthereo jugiter qui regmine sceptr+a+

+L+ucifluumque simul coeli regale tribuna+l+

+D+isponis, moderans æternis legibus illu+d+;

+H+orrida nam multans torsisti membra Behemot+h+,

+E+x alta quondam rueret dum luridus arc+e+,

+L+impida dictanti metrorum carmina præsu+l+

+M+unera nunc largire, rudis quo pandere reru+m+

+V+ersibus ænigmata queam clandestina fat+u+.

+S+ic Deus indignis tua gratis dona rependi+s+,

+C+astalidas nymphas non clamo cantibus istu+c+,

+E+xamen neque spargebat mihi nectar in or+e+,

+C+inthi sic nunquam perlustro cacumina, sed ne+c+

+I+n Parnasso procubui, nec somnia vid+i+.

+N+um mihi versificum poterit Deus addere carme+n+,

+I+nspirans stolidæ pia gratis munera ment+i+.

+T+angit si mentem, mox laudem corda rependun+t+

+M+etrica; nam Moysen declarant carmina vate+m+

+J+amdudum cecinisse prisci vexilla trophæ+i+,

+L+ate per populos inlustria, qua nitidus so+l+

+L+ustrat ab oceani jam tollens gurgite cepha+l+,

+E+t psalmista canens metrorum carmina voc+e+

+N+atum divino promit generamine nume+n+,

+I+n coelis prius exortum, quam Lucifer orb+i+

+S+plendida formatis fudisset lumina sæcli+s+.

+V+erum si fuerint bene hæc ænigmata vers+u+,

+E+xplosis penitus nevis et rusticitat+e+,

+R+itu dactilico recte decursa, nec erro+r+

+S+eduxit vana specie molimina menti+s+,

+I+ncipiam potiora; sui Deus arida verb+i+,

+B+elligero quondam qui vires tradidit Io+b+,

+V+iscera perpetui si roris repleat haust+u+.

+S+iccis nam laticum duxisti cautibus amne+s+

+O+lim, cum cuneus transgresso marmore rubr+o+

+D+esertum penetrat; cecinit quod carmine Davi+d+.

+A+rce poli genitor, servas qui sæcula cunct+a+,

+S+olvere jam scelerum noxas dignare nefanda+s+.

Aldhelm war auch in seiner muttersprache ein solcher sänger, Scóp, dass

ihn Alfred der grosse in die vorderreihe angelsächsischer dichter setzt;

doch sind seine gedichte in der muttersprache verloren gegangen, obwohl

sie im zwölften jahrhundert, wie William von Malmsbury schreibt, noch

gesungen wurden. J. Grimm ist geneigt, das von ihm herausgegebene

angelsächsische epos Andreas dem Aldhelm beizulegen.[38] Von ihm soll

auch eine übersetzung der psalmen in angelsächsische verse herrühren,

aber es sind keine genügende gründe vorhanden, die von Thorpe im jahre

1835 herausgegebene psalmenübersetzung für ein werk Aldhelm's zu halten.

Aus seinen angelsächsischen gedichten mochte Aldhelm die gewöhnte

alliteration auch auf seine lateinischen verse übertragen, wie obige

Probe zeigt.[39]

[Footnote 38: Vergleiche Seite LI. der vorrede zu Andreas und Elene

von J. Grimm. 8. Cassel. 1840.]

[Footnote 39: Genauere nachrichten über Aldhelm's leben und

schriften enthält Wright's Biogr. Brit. Liter. A.S. Period.

Seite 209 bis 222. Ausgaben: Canisii Antiquae Lectiones, tom. V.

4. 1608. Edit. Basnage fol. Antw. 1725. tom. I. Seite 709 bis 762.

Maxima Bibliotheca Veterum Patrum, tom. XIII., fol. 1677. Seite 1.]

Ein anderer kirchenschriftsteller der Angelsachsen, berühmt durch seinen

noch berühmteren schüler Beda, war _Ceolfrid_, welcher um das jahr 642

wahrscheinlich in Northumberland geboren war. Ceolfrid lebte als abt des

klosters zu Yarrow und seit 690 als abt des klosters zu Wearmouth. Im

jahre 716 legte er sein amt nieder und begab sich auf die reise nach

Rom, um dort zu sterben; sein tod erfolgte aber schon unterwegs in

Frankreich. Durch seinen ruf angezogen, sammelten sich viele schüler,

darunter auch Beda, um den abt von Wearmouth, welcher in

kirchenangelegenheiten eine solche autorität besass, dass der neu

bekehrte könig der Picten, Naitan, ihn um auskunft über die feier des

osterfestes bat. Der von Ceolfrid als antwort an Naitan geschriebene

brief ist von Beda (kirchengeschichte V, 21) überliefert worden.[40]

[Footnote 40: Ueber Ceolfrid's leben und wirken siehe Wright's

Biogr. Brit. Lit. A.S. Period. Seite 234 bis 237.]

_Tatwine_, geboren in Mercia, erzbischof von Canterbury von 731 bis 734,

in welchem jähre er starb, ist ein nachfolger Aldhelm's auf dem gebiete

der lateinischen poesie, indem von ihm Aenigmata, gedichte in

hexametern, in einem noch nicht gedruckten manuscript des brittischen

museums (reg. 12. c. XXIII) auf uns gekommen sind. Das folgende von

Wright aus der Handschrift mitgetheilte Aenigma Tatwine's beweist, dass

die angelsächsischen mönche sich der feder zum schreiben bedienten.[41]

De Penna.

Nativa penitus ratione, heu, fraudor ab hoste!

Nam superas quondam pernix auras penetrabam;

Vincta tribus nunc in terris persolvo tributum,

Planos compellor sulcare per æquora campos,

Causa laboris, amoris, tum fontes lacrimarum

Semper compellit me aridis infundere sulcis.

[Footnote 41: Ueber Tatwine vergleiche Wright's Biogr. Brit. Lit.

A.S. Period. Seite 244 bis 246.]

_Felix_, ein mönch zu Croyland, wahrscheinlich in Lincolnshire geboren,

mag um das jahr 730 gelebt und geschrieben haben, da er ein freund

Alfwald's, königs der Ostangeln, war, welcher von 713 bis 749 herrschte.

Felix ist der verfasser einer lebensbeschreibung des heiligen Guthlac,

welcher sich zuerst in der wildniss von Croyland niederliess und im

jahre 714 starb. Das buch ist dem könige Alfwald gewidmet. Die folgende

probe aus Guthlac's lebensbeschreibung, eine schilderung Croyland's zu

anfang des achten jahrhunderts, ist von Wright mit einer aus einem

manuscript des brittischen museums (cotton. vespas. d. XXI. fol. 25)

entlehnten und dem Alfric zugeschriebenen angelsächsischen übersetzung

zusammengestellt worden.[42]

Est in mediterraneorum Anglorum Britanniæ partibus immensæ

magnitudinis acerrima palus, quæ a Grontæ fluminis ripis incipiens,

haud procul a castello quod dicunt nomine Gronte, nunc stagnis, nunc

flactiris interdum nigris fusis vaporibus et laticibus, necnon crebris

insularum nemoribus intervenientibus, et flexuosis rivis parum ab

austro in aquilonem maritenus longissimo tractu protenditur. Igitur

cum supradictus vir beatæ memoriæ Guthlacus illius vastissimæ eremi

inculta loca comperisset, coelestibus adjutus auxiliis rectissimo

callis tramite perrexit.

Angelsächsisch:

Ys on Bretone lande sum fenn unmætre mycelnysse, þæt on-ginneð

fram Grante éa naht feor fram þære cestre ðy ylcan nama ys nemned

Granteceaster. Þær synd unmætre moras, hwilon sweart wæter steal

and hwilon fúle éa riþas yrnende, and swylce eac manige ea-land

and hreod and beorhgas and treow ge-wrido, and hit mid

menig-fealdan bignyssum widgille and lang þeneð wunað on norð

s[´æ]. Mid þan se fore-sprecena wer and þære eadigan ge-mynde

Guðlaces þær widgillan westenes þa ungearawan stowe þær ge-mette

þa wes he mid godcundre fultume ge-fylst and þa sona þan rihtestan

wege þyder to geferde.

Contigit ergo proximantibus accolis illius solitudinis experientiam

sciscitaretur, illisque plurima spatiosæ eremi inculta narrantibus,

ecce quidam de illic adstantibus nomine Tatwinus se scisse aliquam

insulam in abditis remotioris eremi partibus adserebat, quam multi

inhabitare tentantes propter incognita eremi monstra et diversarum

formarum terrores amiserant. Quo audito vir beatæ recordationis

Guthlacus illum locum sibi monstrari a narrante efflagitat.

Þa wæs mid þam þe he þyder com þæt he frægn þa bigendean þæs

landes, hwær he on þam westene him eardung stowe findan mihte mid

þy hi him menig-feald þing sædon be þære widgilnysse þæs westenes.

Þa wæs Tátwine ge-haten sum man s[´æ]de þa þæt he wiste sum

ea-land synderlice digle þæt oft menige men eardian ongunnon, ac

for menig-fealdum brogum and egsum, and for annysse þæs widgillan

westenes þæt hit nænig man adreogan ne mihte. Ac hit ælcforþan be

fluge, mid þam þe se halga wer Guðlac þa word ge-hyrde, he bæd

sona þæt he him þa stowe ge-tæhte, and he þa sona swá dyde.

Ipse autem imperiis viri Dei annuens, arrepta piscatoria scapula per

invia lustra in tetræ paludis margines Christo viatore ad prædictam

insulam, quæ lingua Anglorum Cruland vocatur, pervenit, quæ ante

propter remotioris eremi solitudinem inculta et ignota manebat. Nullus

hanc ante famulum Christi Guthlacum solus habitare colonus valebat,

propter videlicet illic demorantium dæmonum phantasias: in qua vir

Dei Guthlacus contemto hoste, cælesti auxilio adjutus, inter umbrosa

solitudinis nemora solus habitare coepit.

Eode þa on scip and þa ferdon begen þurh þa rugan fennas oþ þæt hi

comon to þære stowe þe man haleð Cruwland. Wæs þæt land on middan

þam westene swá ge-rád ge-seted þæs fore-sædan fennas swyðe digle,

and hit swyþe feawe men wiston buton þam anum þe hyt him tæhte,

swylc þær n[´æ]fre menig man [´æ]r eardian ne mihte ær se eadiga

wer Guthlac to-com for þæra eardunga þara awerigedra gasta. And he

þa se eadiga wer Guþlac for-hogode sona þa costunge þæra

awerigedra gasta, and mid heofonlicum fultume ge-strangod wearð,

be-twyx þa fenlican ge-wrido þæs widgillan westenes, þæt he ana

ongan eardian.

[Footnote 42: Th. Wright's Biogr. Brit. Liter. A.S. Period.

seite 246 bis 249. Ausgaben: Mabillon, Acta Sanctorum Ord.

S. Benedicti, Sæc. III. Part. I. Par. 1672. Seite 263 bis 284 nach

einem manuscript des klosters Lira in der Normandie. The History

and Antiquities of Croyland-Abbey in the county of Lincoln. By

R. Gough. 4. London, 1783. Seite 131 bis 153, aus einem manuscript

Harl. 3097.]

Alle seine vorgänger übertraf _Beda_, mit dem beinamen Venerabilis, der

lateinische hauptautor England's unter den Angelsachsen. Die nachrichten

über sein leben rühren hauptsächlich von ihm selbst her; sie sind am

ende seiner kirchengeschichte enthalten. Geboren war Beda im jahre 673

in der nähe des ortes, wo bald darauf das kloster Wearmouth gegründet

wurde. In diesem kloster unter dessen gelehrtem abte Ceolfrid erwarb

sich Beda seine glänzenden kenntnisse, welche ihm einen ehrenplatz in

der literaturgeschichte England's sichern; in diesem kloster verbrachte

er sein ganzes leben mit kurzen unterbrechungen unter übungen der

frömmigkeit und literarischen arbeiten, deren grösserer theil aus der

zeit von 716 bis 731 herzurühren scheint, in welchem jahre Beda's

hauptwerk, seine grosse kirchengeschichte der Angelsachsen, vollendet

wurde. Die schilderung der letzten krankheit Beda's, während welcher er

mit einer übersetzung des evangeliums Johannis in das Angelsächsische

beschäftigt war, und seines todes ist von der hand seines schülers

_Cuthbert_ auf uns gelangt. Sein tod erfolgte am sechs und zwanzigsten

Mai 735 am Asthma.

Geschichte der Englischen Sprache und Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst · 第 3 / 21 段