In Britannien befanden sich nun besatzungen aus einer grossen anzahl

fremder stämme, deren physiognomie und sprache eine auffallende

verschiedenheit gezeigt haben muss. In der römischen sprache lag ihr

hauptverbindungsmittel. Die notitia imperii giebt eine liste von den

besatzungen der südöstlichen und östlichen küsten, welche den einfällen

der Sachsen, so wie der nördlichen grenzen Britannien's, welche den

raubzügen der Picten und Scoten unterworfen waren. So standen z.b. zu

Othona (später Yttanceaster in Essex) Fortensier aus Fortia in

Sarmatien, zu Dubrae (Dover) Tungrier[26] aus Tongern im Lüttichschen,

zu Portus Lemanis (Lymne) Gallier aus Tornacum oder Tournay, zu Anderida

(Pevensey) Abulcen aus Spanien, zu Regulbium (Reculver) Betasier aus dem

belgischen Gallien, u.s.w. An der nordgrenze waren die racen in den

besatzungen noch gemischter; es finden sich darunter Belgier, Asturier,

Gallier, Dalmatier, Dacier, Thracier und sogar Afrikaner. Unter den

besatzungen im inneren des landes kommen besonders Bataver, Friesen,

Germanen vom Rhein, aber auch andere stämme vor. Diese besatzungen

wurden wenig gewechselt; inschriften auf altären und grabsteinen, welche

an den stationsplätzen gefunden worden sind, zeigen uns, dass die

truppen von einer frühen zeit der römischen eroberung dort gleichsam

ansässig waren, denn es finden sich denkmäler, welche von dem oder den

erben des oder der verstorbenen gesetzt worden sind, ein beweis, dass

die militairischen colonisten eigenthümer des landes waren. Da nun

solche besatzungen ohne zweifel mit ihrem mutterlande in verbindung

standen und erforderlichen falles recruten von dort bezogen, so mussten

die städte, wo sie sich aufhielten, einen bestimmten volkscharakter

erhalten, obwohl mit der zeit modificirt durch römische civilisation,

römisches gesetz, römische verfassung und durch den offiziellen gebrauch

der römischen sprache, in welcher die muttersprache allmälig aufging,

jedoch nicht ohne wiederum jene wesentlich nach aussprache,

beugungsfähigkeit und satzbildung zu verändern. Dieses letztere geschah

überall, we die Römer eine längere, ununterbrochene herrschaft ausübten,

besonders aber in Italien, Gallien und Spanien, we die römische sprache

sich im laufe der zeit in die verschiedenen romanischen mundarten

umwandelte, welche allmälig auch als schriftsprachen benützt wurden. Wie

weit dieses in Britannien der fall war, welches, bei seiner insularen

abgeschlossenheit weiter von Rom entfernt war und später den römischen

eroberungen beigefügt wurde, als die übrigen provinzen, lässt sich nicht

mehr mit sicherheit bestimmen; aus dem umstande aber, dass die

germanischen eroberer die römische cultur theilweise, und die römische

sprache als volkssprache gänzlich verdrängten, während in Italien,

Gallien und Spanien wenigstens letztere stark genug war, um die sprache

ihrer germanischen sieger zu verwischen, lässt sich schliessen, dass das

römische Sprachelement in Britannien mindere gewalt und tiefe besessen

habe und namentlich in der letzten zeit der Römerherrschaft bedeutend

geschwächt und von dem germanischen an mehreren orten verdrängt oder

angegriffen worden sei. Aus dem heutigen Englisch lassen sich nur die

worte Chester (cester), street und coln (Lin-coln) mit sicherheit auf

die Zeit der Römerherrschaft, nämlich, auf die Wörter castrum, strata

(via), colonia zurückführen.

[Footnote 26: Tungrier standen als besatzung an mehreren orten in

Britannien. Sie waren Deutsche, welche zu Cäsar's zeit unter

dem namen Aduatuci bekannt und mit anderen Deutschen, den stammen

der Condrusi, Eburones, Cæræsi, Pæmani und Segni, noch vor

Cäsar unter die keltische bevölkerung Belgien's eingedrungen

waren. Cæs. de bell. Gall. II, 4. und Mannert geogr. der Griechen

und Römer II, 1. p. 199.]

Die keltische bevölkerung Britannien's war ohne zweifel während der

Römerzeit in die tiefste abhängigkeit und unterthänigkeit herabgedrückt

worden. Ihre waffenfähige mannschaft wurde ausgehoben und in andere

theile des grossen reiches geschickt, um die schlachten der Römer zu

schlagen und ihre herrschaft an den entgegengesetzten grenzen befestigen

zu helfen. In den städten mit römischen besatzungen konnte eine

keltische bevölkerung nicht aufkommen, daher es mehr als wahrscheinlich

ist, dass besonders im osten und südosten von Britannien Kelten und

keltische sprache nur noch auf dem lande aufgefunden wurden, während

sich im westen und norden die wilden keltischen bewohner

zusammendrängten und im fortwährenden kampfe mit den Römern und ihren

von diesen unterjochten stammesgenossen befanden. Dort, besonders im

westen, war es auch, wo sich bei den Kelten nach wahrscheinlich von der

Bretagne aus erfolgter einführung christlicher gesittung die ersten

spuren von staatenbildung und eigener cultur zeigten, welche seit der

vernichtung der Druiden unter fortwährenden kämpfen und plünderungszügen

verschwunden war. Dort entstand, auf alte überlieferungen gegründet,

zuerst wieder eine eigene keltische literatur, welche sich zum theil bis

in die neueste zeit erhalten hat.

+III. Die Germanen.[27]+

Die zeit, welche dem aufgeben der römischen provinz folgte, und in

welche die aufrichtung der angelsächsischen herrschaft fällt, ist in

grosse dunkelheit gehüllt, die nur durch spärliche lichter von zeit zu

zeit vorübergehend erhellt wird. Die brittischen städte waren bei ihrer

der römischen nachgebildeten verfassung eben so viele kleine, für sich

bestehende staaten, welche sich selbst verwalteten und regierten[28],

während die nunmehr abgesetzte römische provincialverwaltung nur für die

erhebung der steuern, eine geordnete rechtspflege und das allgemeine

beste der provinz sorgte, und die ebenfalls verschwundene römische

militairherrschaft dieselbe gegen äussere feinde beschützte und im

innern zusammenhielt. Die romanisirte einwohnerschaft der städte hatte

sich im laufe der jahre aus sich selbst und besonders durch neue

ankömmlinge von dem festlande verstärkt. In den letzten jahren der

römischen herrschaft war dieser zuschuss neuer einwohner der städte

hauptsächlich aus Deutschland geflossen, so dass deutsches blut in den

adern eines starken bruchtheiles der städtebevölkerung strömte, als

Honorius die civitates Britanniae sich selbst überliess. Schon seit

einem Jahrhundert hatten die bewohner der nördlichen küsten

Deutschlands, welche man unter dem namen Sachsen begriff, wahrscheinlich

auch die verwandten stamme der anstossenden jütischen halbinsel raub-

und beutezüge nach den zunächst liegenden küsten Britannien's

unternommen, welche endlich zu bleibenden niederlassungen auf jenem

theile der östlichen küste führten, welcher schon zu den zeiten der

Römer litus saxonicum hiess und mit diesem namen auf eine sächsische

bevölkerung schliessen lässt. Nach neuen einwanderungen dehnte sich auch

die germanische bevölkerung von osten nach westen weiter aus und drang,

sei es auf feindlichem, oder auf friedlichem wege, in die römischen

städte, wo sie sich mit den romanisirten einwohnern vermischte. Dieses

zusammenleben der Romanen und Germanen in manchen städten lässt sich

z.b. dadurch beweisen, dass zu Canterbury, Colchester, Rochester und an

ändern orten römische und sächsische gräber untermischt auf dem

nämlichen beerdigungsplatze gefunden worden sind. Kurz, es erscheint

sicher, dass die germanische bevölkerung im südosten der ehemaligen

römischen provinz bereits das übergewicht gewonnen hatte, ehe die

grossen einwanderungen der Sachsen und Angeln in späterer zeit statt

fanden, und dass sie es war, welche nach dem wegzuge der römischen

legionen dem weiteren vordringen und ferneren verwüstungen der Picten

und Scoten im norden, und der Cymren und Cornen im westen England's

einen damm entgegenstellte.

[Footnote 27: Sharon Turner's vorzügliches werk The History of

the Anglo-Saxons ist trotz aller neueren forschungen immer noch

unübertroffen und für denjenigen, welchem die handschriften

nicht zu gebote stehen, die hauptquelle für die kulturgeschichte

der in Britannien eingedrungenen Angelsachsen.]

[Footnote 28: Daher wandte sich auch Honorius im jahre 410 an die

»_städte_« Britannien's, als die einzigen staatlichen

organisationen, welche nach dem aufgeben der römischen herrschaft

in Britannien noch vorhanden und lebenskräftig waren. Ausser

vielen andern örtern gab es nach Richard solcher städte

(civitates) mit ihren districten drei und dreissig in Britannien,

darunter zwei municipia, Verolamium und Eburacum, neun coloniae,

darunter Londinium und Camulodunum, zehn städte mit lateinischem

rechte und zwölf tributäre städte (stipendiariae). Vergl. The

History of the A.S. Vol. I. Book II. ch. 8.]

Diese Picten und Scoten, so wie die mit den wilden Iren verbundenen

Kelten im westen Britannien's hatten zu der zeit des untergangs der

römischen herrschaft und in der zunächst darauf folgenden ihre einfälle

mit solchem glücke wiederholt, dass nur wenige städte im norden

Britannien's ihre zerstörungs- und plünderungswuth nicht erfahren

hatten; ebenso waren sämmtliche städte an der grenze von Wales nördlich

von Gloucester noch vor der massenweisen ankunft der Sachsen zerstört

worden. Die furcht vor den anstürmenden barbarenhorden erklärt es, dass

die mannhaften und krieggeübten Germanen von den noch verschonten

römischen städten im süden und osten nicht mehr als feinde betrachtet,

sondern als befreier und beschützer begrüsst wurden, obwohl die städte

diesen schutz mit dem opfer ihrer unabhängigkeit und zum grossen theil

mit dem Verluste römischer bildung bezahlen mussten.

Nur ein einziger beinahe gleichzeitiger schriftsteller enthält eine

nachricht von dem übergange Britaimien's in die hände der Sachsen; es

findet sich dieselbe in der ungefähr um das jahr 455 geschriebenen

chronik des Prosper von Aquitanien, welcher erzählt, dass im achtzehnten

jahre der regierung des kaisers Theodosius des jüngeren (441) Britannien

nach vielen kämpfen und ereignissen (variis cladibus eventibusque) in

die gewalt der Sachsen gekommen sei. Spätere Schriftsteller geben einen

anderen bericht. Nach der mit vielen fabeln vermischten erzählung des

Gildas soll Maximus nicht bloss die römischen truppen, sondern auch alle

waffenfähigen eingeborenen aus Britannien geführt haben, so dass das

land in einem zustande gänzlicher hilflosigkeit den raubzügen der Picten

und Scoten preis gegeben gewesen sei. In dieser noth hätten die

bedrängten einwohner von Britannien sich nach Rom gewendet und um hilfe

gebeten, welche ihnen auch durch eine hingesandte legion zu theil

geworden sei. Ehe diese legion Britannien wieder verlassen habe, seien

die Britten bei der errichtung eines erdwalles (des Antonin's walles)

quer über das land als einer schutzwehr gegen die barbaren von den

römischen soldaten unterstützt worden. Kaum aber hatten die Römer die

insel verlassen, fährt Gildas fort, als auch die nördlichen feinde den

wall wieder überstiegen und ihre plünderzüge von neuem begannen. Noch

einmal liessen sich die Römer durch das flehen der Britten bewegen,

hilfe zu senden. Die römischen Soldaten bauten nach dem siege über die

barbaren eine steinerne mauer (Hadrian's) von see zu see und errichteten

längs der südöstlichen küste mehrere forts. Nach der entfernung der

Römer überstiegen die barbaren auch diese maner, zerstörten die städte

und mordeten die einwohner. In ihrer verzweiflung wendeten sich die

Britten zum dritten male nach Rom, allein vergeblich, da Rom keine

legionen mehr zu versenden hatte, und die Britten blieben den raub- und

mordzügen der barbaren und der hungersnoth ausgesetzt. Nachdem die

Britten sich von diesen leiden einigermassen erholt hatten, machten sie

sich könige, welche im lande mit grausamkeit herrschten. Endlich fielen

die Picten und Scoten nochmals in das land, und jetzt riefen die Britten

unter ihrem tyrannen Gurthrigern (Vortiger) die Sachsen zu hilfe. Diese

kamen und vertrieben die Picten und Scoten, wurden aber hierauf selbst

schlimmere tyrannen, als die verjagten barbaren, weshalb die Britten

unter Ambrosius Aurelianus »dem einzig übriggebliebenen Römer« gegen die

Sachsen aufstanden. Die Sachsen blieben jedoch nach einem langen kampfe

sieger.[29] So Gildas. Beda in seiner kirchengeschichte hat sich der

erzählung des Gildas angeschlossen, fügt jedoch einzelnes aus der

üerlieferung und vorhandenen quellen hinzu. Er berichtet, dass die

germanischen einwanderer unter Hengist und Horsa im jahre 449 ankamen,

und dass ihnen die halbinsel Thanet zur niederlassung überwiesen wurde.

Bald darauf veranlassten die ersten ankömmlinge ihre freunde und

stammverwandten zur nachfolge. Diese kamen: Jüten,[30] Sachsen und

Angeln. Die Jüten liessen sich in Kent und auf der insel Wight, die

Sachsen in Wessex, Essex, Middlesex und Sussex, die Angeln in Ostangeln,

Mittelangeln oder Mercia und im ganzen norden nieder.

[Footnote 29: Eine zurückführung dieser fabelhaften geschichte,

worin Gurthrigern wahrscheinlich mit dem Römer Gerontius

verwechselt wird, auf historische thatsachen findet sich in Sharon

Turner's Hist. of the Anglo-Saxons. Vol. I. Book II. chap. 7.]

[Footnote 30: Die jütische niederlassung in Kent und Wight, welche

die früheste der germanischen stämme gewesen sein soll, ist

indessen sehr angezweifelt worden, obwohl Beda und nach ihm die

sachsenchronik ausdrücklich von den Jüten in Kent sprechen:

»Of Iotum comon Cantware and Wihtware, thæt is seo mæiadh, the

nu eardath on Wiht, and thæt cynn on West-Seaxum dhe man gyt hæt

Jutnacynn,« (von den Jüten kamen die Kentmänner und

Wightmänner, das ist der stamm, welcher jetzt auf Wight wohnt,

und das volk unter den Westsachsen, welches man noch Jütenvolk

heisst.) Alfred giebt diese stelle also: »comon hi of thrym

folcum tham strangestan Germanie, thæt of Seaxum, and of Angle,

and of Geatum. Of Geatum fruman sindon Cantware and Wihtsætan,

thæt is seo theod so Wiht thæt ealond oneardadh« (sie kamen

von drei Völkern, den stärksten Deutschland's, dem der

Sachsen, und der Angeln, und der Geaten [Gothen -- Jüten]. Von

den Geaten stammen die Kentmänner und Wightsassen, d.h. das volk,

welches die insel Wight bewohnt). Nach der gegenseitigen stellung

der drei stämme in ihren ursprünglichen sitzen zu schliessen,

welchen ihre späteren in England zu entsprechen scheinen,

müssten die ansiedler der südöstlichsten spitze von England

eher von der gegenüberliegenden küste Friesland's als aus

Jütland gekommen sein. Und die chronik Maerlant's spricht in

der that von Hengist:

Een hiet Engistus een Vriese, een sas,

Die uten lande verdreven was.

Einer hiess Hengist ein Friese, ein Sachs,

der aus dem lande vertrieben ward.]

Dass nach der erzählung Beda's die einwanderung der Sachsen im süden vor

der besetzung des nordens durch Angeln genannt wird, mag seinen grund

darin haben, dass Beda seine geschichte gerade auf die kentischen

überlieferungen gründete. Es ist aber, wie schon angeführt, weit

wahrscheinlicher, dass die nördlicheren theile Britannien's schon früher

von Germanen besetzt wurden; denn als die Angeln zuerst in der

englischen geschichte auftreten, befinden sie sich schon längst im

ungestörten besitze alles landes zwischen dem Humber und dem Antonin's

wall, welches in zwei königreiche, Bernicia und Deira, getheilt war. Die

Angeln mochten von denjenigen nördlichen städten, welche noch nicht von

den Picten und Scoten zerstört waren, in den letzten zeiten der

römischen schwäche zu ihrem schutz herbeigerufen worden sein. Die

wichtigsten dieser städte, Eburacum (Eoforvic, York), Pons Aelii

(Munuces-ceaster, New-Castle) scheinen friedlich oder durch vertrag in

die hände der Angeln gekommen zu sein; die meisten städte in

Northumberland und in dem schottischen niederlande lagen indessen in

trümmern.

Die in Wessex entstandene sächsische chronik, welche freilich aus viel

späterer zeit herrührt, enthält die ersten nachrichten von den kämpfen

der Sachsen mit den von ihnen beeinträchtigten Britten, den romanisirten

städten sowohl, als den keltischen häuptlingen im norden und westen

(Arthur).[31] Diese berichte sind wahrscheinlich auf alte

überlieferungen, sagen und gedichte der Sachsen gegründet. Vieles gehört

offenbar der romantik an; die alten eigennamen, Hengist und Horsa nicht

ausgeschlossen, mögen wenig geschichtlich sein. Die sächsische chronik

lässt Hengist und Horsa im jahre 449 landen und das königreich Kent

gründen, dessen hauptstadt das alte Durovernum unter dem namen

Cantwara-byrig (Canterbury), Kentmännerburg, wurde. Im jahre 477,

erzählt die sächsische chronik weiter, landeten die Sachsen unter Ella

und seinen drei söhnen an der südlichen küste; 491 erhielten sie

verstärkungen von dem festlande und belagerten, eroberten und zerstörten

die stadt Anderida (Andredes-ceaster), worauf sie das königreich Sussex

gründeten. Im jahre 495 kamen Sachsen unter Cerdic und dessen sohne an

die küste von Hampshire; nachdem sie mehrfache verstärkungen später

anlangender stammesgenossen an sich gezogen hatten, machten sie nach

längeren, bis 527 andauernden kämpfen die alte stadt Venta unter dem

namen Wintan-ceaster (Winchester) zur hauptstadt von Wessex, entrissen

auch den Jüten die insel Wight. Cerdic's sohn, Cynric, und enkel,

Ceawlin, setzten die eroberungen der Westsachsen fort, bemächtigten sich

der wichtigsten städte der heutigen grafschaften Bedford, Buckingham und

Oxford und drangen bis an die grenzen von Wales vor, indem sie die drei

grossen römischen städte Glevum (Glev-ceaster, Gleow-ceaster,

Gloucester), Corinium (Cyren-ceaster, Cirencester) und Aquae solis

(Bathan-ceaster, Bath) besetzten. Gleichzeitig, etwa um 527, hatte sich

eine schar Sachsen östlich von Kent niedergelassen, denen es gelang,

sich zu behaupten und das königreich Essex zu gründen, welches nebst

Middlesex nur dadurch bedeutung erhielt, dass die alte römische

hauptstadt Camulodunum (Colchester) und die aufblühende handelsstadt

London in dessen bereiche lagen. Wahrscheinlich ist es, dass die

Herrschaft der Sachsen an diesem theile der brittischen küste, welche

schon längst als litus saxonicum bekannt war, nur durch frische

ankömmlinge vom festlande neu gekräftigt wurde.

[Footnote 31: Eine »authentische« geschichte des gefeierten

Arthur enthält Sharon Turner's History of the Anglo-Saxons.

Vol. I. Book III. chapt. 3.]

Von den ersten niederlassungen der Angeln erfahren wir durch die

sächsische chronik nur wenig, weil sie wahrscheinlich schon längst vor

der gründung der späteren sächsischen königreiche bestanden. Die chronik

erzählt nur, dass im jahre 547 Ida in Northumberland zu regieren begann

und eine stadt baute, welche er zu ehren seiner frau Bebba Bebbanbyrig

(Bamborough) nannte. So viel steht nach dieser quelle fest, dass die

küste nördlich von Essex mit Angeln besetzt war, welche sich nach ihrer

lage in das Northfolk und Southfolk schieden. Die macht dieser Angeln,

von denen Nennius sagt, dass sie ihr heimathsland gänzlich (absque

habitatore) verlassen hätten, was Beda (I, 15) bekräftigt, dehnte sich

über Cambridgeshire und Lincolnshire aus und umfasste bald das herz von

England bis an die grenze von Wales, wo sie die Westsachsen nach süden

zurückdrängten. In Mittelengland nahmen die Angeln den namen Mercier an,

und ihr königreich erhielt den namen Mercia.[32]

[Footnote 32: Die Jüten, Sachsen und Angeln hatten zu ende des

sechsten jahrhunderts in England sich in folgender weise fest

gesetzt: die +Jüten+ in Kent, der insel Wight und einem theile

von Hampshire; die +Sachsen+ als _Südsachsen_ in Sussex, als

_Ostsachsen_ in Essex, Middlesex und im süden von Hertfordshire,

als _Westsachsen_ in Surrey, Hampshire, Berks, Wilts, Dorset,

Somerset, Devon und einem theile von Cornwall; die +Angeln+ als

_Ostangeln_ in Norfolk, Suffolk, Cambridge, der insel Ely und

einem theile von Bedfordshire; als _Mittelangeln_ in

Leicestershire, welches zu Mercia gehörte; als _Mercier_,

getheilt durch den Trent in _Süd_mercier in den grafschaften

Lincoln, Northampton, Rutland, Huntingdon, dem nördlichen theile

von Bedfordshire und Hertfordshire, Bucks, Oxfordshire,

Gloucestershire, Warwickshire, Worcestershire, Herefordshire,

Staffordshire, Shropshire, -- und in _Nord_mercier in Chester,

Derby und Nottingham; als _Northumbrier_ in _Deira_, d.h. in

Lancaster, York, Westmoreland, Cumberland, Durham, und in

_Bernicia_, d.h. Northumberland und dem südlichen Schottland

zwischen dem Tweed und dem Firth of Forth.]

Weil die Angeln die frühesten und zahlreichsten germanischen ansiedler

waren, welche den grössten theil Britannien's besetzten, wurde dieses

land fremden schriftstellern als Anglorum terra, oder Anglia bekannt, ja

die Sachsen selbst im süden Britannien's hiessen das gesammte land nicht

Seaxe-land, sondern Engla-land (England), und Athelbert von Kent, als er

die ersten christlichen sendboten im jahre 597 empfing, sagte ihnen, er

könne die alte weise der gottesverehrung, »welche wir lange zeit mit

allem Angelvolk hielten, the we langere tide mid ealle Angel theode

heoldan« (Alfred's übersetzung des Beda) nicht verlassen. Die sprache

aller germanischen bewohner der insel empfing den namen Englisc

(Englisch), so wie diese selbst nach dem verschwinden der alten

stammbenennungen sich Englishmen nennen.

Trotzdem aber die stämme der Angeln die zahlreicheren und eine zeit lang

die mächtigeren waren, erkämpften doch die Sachsen und unter diesen

wiederum die Westsachsen allmälig die herrschaft über das gesammte

England, welche 827 unter Egbert mit der Unterwerfung von Mercia und

Northumberland und der 828 erfolgenden besiegung von Wales gesichert zu

sein schien, als ein neuer feind, die Dänen, die kaum erworbene macht

wieder zu zersplittern drohte. Egbert, welcher 836 starb, sein sohn

Athelwolf und nachfolger Athelbald, Athelbert, Athelred und Alfred der

grosse mussten gegen die Dänen kämpfen, welche seit 787 an den

englischen küsten erschienen und besonders den nördlichen theil des

landes, wo sich die Angeln angesiedelt hatten, zu ihrem

ablagerungsplatze erwählten und von hier aus mit abwechselndem glücke

herrschten, bis Alfred der grosse sie besiegte.

Es ist nicht anzunehmen, dass die Dänen bedeutenden einfluss auf die

angelsächsische sprache ausgeübt haben, indem damals ihre sprache nicht

sehr von der ihrer ehemaligen nachbarn, der Angeln, verschieden gewesen

sein mag. Alfred befindet sich nach der alten legende als harfner

unerkannt im dänischen lager. In dem heutigen Englisch, namentlich in

dem dialekte der nördlichen grafschaften, finden sich jedoch noch

mehrere spuren skandinavischer wörter. Der name der Stadt Whitby

(hwitbye, weissstadt), welche angelsächsisch Streoneshalh hiess, ist

dänisch. Skandinavischen ursprungs sind wörter wie braid, elding, force

(Wasserfall), gar, gill, greit (weinen), lag, etc.

Nach Alfred's tode im jahre 901 herrschten die Westsachsen besonders

glücklich unter Athelstan 924 bis 941, welcher eine zeit lang herr von

ganz Britannien war, noch bis 1016, wo Cnut, ein Däne, könig von England

wurde. Er und seine zwei söhne Harold und Hardicnut regierten 26 jahre

bis 1042, we die Sachsen unter Eduard dem bekenner die herrschaft wieder

erlangten und sie bis zum jahre 1066 behaupteten, bis Harold II. von

Wilhelm, dem herzoge der Normandie, unter dem namen des eroberers

bekannt, besiegt wurde und in der schlacht bei Hastings die krone

zugleich mit dem leben verlor.

Geschichte der Englischen Sprache und Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst · 第 2 / 21 段