Anmerkungen

zu

Rudolph von Habsburg.

Erster Gesang.

[1] Vers 9.

_Drahomira_ war die Gemahlinn Vratislavs, Herzogs von Böhmen, der die

Heidinn in der Hoffnung, daß sie sich zum Christenthume bekehren würde,

im Jahr 907 ehlichte. Sie gebar ihm zwei Söhne, Wenzel und Boleslav, und

als er im Jahr 916 starb, und seine Mutter, die heil. Ludmilla, die

vormundschaftliche Regierung übernehmen wollte, stand sie in der

berufenen Ständeversammlung zu Prag dagegen auf, zog sich mit ihrem

jüngeren Sohn, Boleslav, auf das feste Schloß Wischehrad zurück, und

wüthete beinahe durch vier Jahre, mit Beihülfe des heidnischen

Stadtrichters Palhog, gegen die Christen mit Feuer und Schwert. Darauf

ließ sie die Kirche zu Bunzlau zerstören, und endlich auch ihre

Schwiegermutter auf dem Schlosse Tetin hinrichten. Wenzel, obgleich nur

ein Jüngling, kam hierauf nach Prag, berief die Stände im Jahr 921, und

entsetzte sie der Regierung. Doch ruhte die unmenschliche Mutter nicht,

bis ihr jüngerer Sohn den älteren im Jahr 938 auf ihr Anstiften durch

Brudermord auf die Seite schaffte. Nach der Sage soll sie auf dem

Hradschin die Erde lebendig verschlungen haben. S. +_Cosmas Pragensis_

L. I. _Hist._ -- _Pulkawa Hist. Boh._ C. 13. _Dubrav. Hist. Boh._ L. 5.

_Sylvius_, _Hagek_ etc.+

[2] Vers 68.

_Margareth_, die Tochter des babenbergischen Leopold des Glorreichen,

Herzogs von Oestreich, war die Wittwe Kaisers Heinrich VII., und bereits

an Jahren vorgerückt, als Ottokar, wohl nur in der Absicht, mit ihrer

Hand Oestreich und die Steyermark zu erlangen, sie im Jahr 1252

heirathete, aber schon im Jahr 1261 sich von ihr, wegen beschuldigter

Unfruchtbarkeit, wieder scheiden ließ. Sie starb zu Krems im Jahr 1267

im Kloster, und zwar, wie Einige behaupten, durch Gift, mit welchem sie

Ottokar aus der Welt geschafft haben soll. Doch hat Hanthaler +_Fast.

Campilil._ T. I. P. II. Dec. VII. §. I. C. XXXIV.+ diese Behauptung

widerlegt. Sie liegt in dem Kloster Lilienfeld, das ihr Vater stiftete,

ihm zur Linken, vor dem Hochaltar, begraben.

[3] Vers 117.

_Durnkrut._ Siehe den merkwürdigen Aufsatz »Die Entscheidungsschlacht im

Marchfelde zwischen Rudolph und Ottokar 1278« im Archiv für Geographie,

Historie &c. Nr. 1 und 2 des J. 1814. Der vortreffliche

Geschichtschreiber, Chorherr Kurz, sagt in seinem +Oestreich unter

Ottokar und Albrecht I.+: »In Rücksicht des Schlachtfeldes stimmen die

Berichte nicht ganz überein, welches wohl nicht anders möglich ist, da

zwei Heere nothwendig eine große Strecke einnehmen, und während einer so

entscheidenden Schlacht an mehreren Orten gestritten wird. Daß an dem

Marchfluß gekämpft ward, in welchem viele Böhmen den Tod fanden,

bestätigen alle Chroniken. Der Bezirk von _Stillfried_ bis

_Idungspeugen_ hinauf, war der eigentliche Kampfplatz, _Chrutterfeld_,

das ebenfalls genannt wird, liegt in der Mitte. Die Schlacht muß sich

von Stillfried gegen den _Weidenbach_ und bis _Marcheck_ ausgedehnt

haben, da Rudolph in seinem Stiftsbrief sagt: »Gott habe ihn nicht fern

der Kirche von Marcheck aus Todesgefahr errettet«. +In loco ab ecclesia

eadem non longe distante nos quasi in angustiis mortis positos liberavit

ab hostibus: et prostratis eisdem liberavit gloria triumphali.+

+_Bodmann_ cap. I. p. 100.+ Wahrscheinlich deutet er auf die Gefahr, die

ihm drohte, als ihm das Pferd unter dem Leib' erstochen ward. +_Calles_

T. II.+ p. 552-562 hat alle hierher gehörigen Stellen gesammelt«.

[4] Vers 284.

Rudolph von Habsburg: Ein Heldengedicht in zwölf Gesängen. Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (2/3) · 第 8 / 10 题