Nachtrag

zu dem

Heldengedichte Rudolph von Habsburg.

Die Marchfelder Schlacht. Jahr 1278.

Die merkwürdige Schlacht auf dem Marchfeld zwischen Rudolph I. von

Habsburg, Kaiser der Deutschen, und Przemisl Ottokar II., König von

Böhmen, in welcher letzterer besiegt fiel, und jener seinen Nachkommen

Oestreichs Herrscherthron erkämpfte, geschah am 24. August des Jahres

1278. Schon zwei Jahre vorher standen sich, eben daselbst, die beiden

Fürsten feindlich entgegen. Ottokar, durch früheren Ehebund mit der

babenbergischen Margareth, der Herrscher geworden von Oestreich und

Steyermark, und, durch Kauf, von Kärnthen und Krain, ließ sich endlich

herbei, diesen Provinzen, als anheimgefallenen Reichslehen, zu entsagen;

worauf er, auf der Donau-Insel Kamberg, im Angesicht beider Heere, dem

Kaiser (19. November 1276) knieend gehuldigt, und dieser, angeblich,

durch Herabrollen der Zeltvorhänge, diese Handlung offenkundig gemacht

haben soll. Dem heimkehrenden König setzte seine ehrgeizige Gemahlin,

Kunegunde, durch Schmähungen so lange zu, bis er dem Kaiser neuerdings

den Kampf auf Tod und Leben both. Schon am 27. Juni brach er von Prag zu

seinem Heer' auf, das sich vor Brünn versammelt hatte, verlor aber auf

seinem Kriegszug in Oestreich, durch die Belagerung des befestigten

Städtchens Drosendorf, den entscheidenden Augenblick, und setzte dadurch

den Kaiser in den Stand, Hülfsvölker zu sammeln, um welchen es sonst

durch schnelles Vordringen geschehen gewesen wäre. Auf Rudolphs Seite

standen nebst den Schweizern und Elsassern, die ihm sein Sohn Albrecht

zuführte, der Pfalzgraf Ludwig, sein Tochtermann; der Burggraf Friedrich

von Nürnberg; der Markgraf Heinrich von Hochberg: zu welchen noch die

Grafen von Henneberg, und Fürstenberg stießen. Dann: Meinhard Graf von

Tyrol; Graf Albert von Görz; Friedrich, und Albert, die Grafen von

Ortenburg, und Ulrich von Heunburg mit den Tyrolern, Kärnthnern und

Krainern; Pfannberg, und zugleich die Herren von Pettau, Lichtenstein,

und Colo von Seldenhofen, mit den Steyrern. Auch die Bischöfe von

Salzburg und Basel führten ihm Krieger zu, deren ersterem er in der

Schlacht die Leitung der Oestreicher und Steyrer übergab. Endlich

erschien auch der König Ladislav IV., an welchen er den tapferen

tyrolischen Hauptmann, Hugo von Tauffers, abgeschickt hatte, mit mehr

denn zwanzigtausend kumanischen und ungrischen Reisigen, als sein

Verbündeter, auf dem Schlachtfeld. An Ottokars Völker, die Böhmen, und

die Mährer unter Milota's Leitung, reiheten sich: Bayern, welche der

Herzog Heinrich; Sachsen, welche Pfeil, der Markgraf von Magdeburg, und

Meißner und Thüringer, welche der Markgraf Dietrich anführte. Die

Reussen sandte K. Leo, und die Polen und Schlesier K. Kasimir heran.

Auch einige östreichische Ritter, unter diesen die beiden Brüder

Heinrich und Leopold Kunring, ergriffen seine Parthei, so, daß er dem

Kaiser an der Zahl der Krieger weit überlegen war. Das Feld, auf welchem

gestritten ward, erstreckte sich von Marcheck über den Weidenbach, dann

weiter von Stillfried über Dürnkrut bis gegen Idungspeugen, hinauf, und

der Kampf endete wahrscheinlich, wie weiter unten erhellet, nahe vor dem

Städtchen Laa. Rudolph setzte mit seinem Heere bei Hainburg über die

Donau, seine Vereinigung mit dem König der Ungern zu bewirken, und dem

Feind in den Rücken zu kommen, und lagerte sich vor Marcheck. Die

Kumanier hatten bereits aus dem Hinterhalt die herumstreifenden Feinde

angefallen, ihnen über 100 Mann getödtet, und nachdem sie ihnen die

Köpfe abgehauen, sandten sie selbe dem Kaiser als Geschenk entgegen, der

sich mit Schauder davon wegwendete, und sie begraben ließ. Am 23. August

rückte er g'en Stillfried vor, und beschloß die Schlacht auf den

folgenden Tag, der mit dem Feste des heil. Bartholomäus auf einen

Freitag fiel, an welchem er öfters glücklich gekämpft hatte.[A] Der Tag

brach an: die Kaiserlichen standen in fünf Heerhaufen, den sechsen der

Böhmen, entgegen. Noch kurz vor dem Kampfe schlug der Kaiser, nebst

anderen, auch hundert Zürcher zu Rittern. In seinem Heer herrschte mehr

froher Muth, als in jenem Ottokars, da vor Tagesanbruch die Meißner und

Thüringer aus dem Lager heimlich abzogen, und er zuvor im Zelt, mit

erregtem Mißtrauen, die Feldherrn aufforderte: »sie sollten ihm, wenn

sie Verrath an ihm sännen, lieber jetzt die Brust durchbohren, ehe

Tausende auf dem Schlachtfelde gefallen seyn würden.« Das unbändige

Pferd eines salzburgischen Reiters, Heinrich Schörlin, rannte, wie toll,

auf die Böhmen los, und ward so zum Zeichen des früheren Angriffs.

Ottokar brachte mit den schwergeharnischten Reitern die Oestreicher und

Steyrer zum Weichen, nachdem der Führer der letzteren, Pfannberg,

verwundet vom Pferde gefallen war. Als der Kaiser die wankende Schlacht

sah, da warf er sich aus dem Sattel im Staub auf die Knie', und bethete

laut zum Himmel, verheißend durch ein Gelübde, so er den Sieg gewänne,

ein Kloster zu Ehren des heil. Kreuzes zu stiften; worauf seine Scharen

ermuthigt vordrangen. Doch schlug sich Herbot von Füllenstein, ein

polnischer Ritter, durch große Verheißungen Ottokars bewogen, bis zu ihm

durch, erstach ihm das Pferd unter dem Leib, und brachte ihn in die

größte Gefahr, wenn nicht er selber, zu Fuß ankämpfend, ihn mit dem

Speer von dem Sattel herabgerissen, und der herbeieilende tapfere Ritter

Ulrich Capellen ihm ein Pferd gebothen hätte. Den gefangenen Ritter

Herbot hieß der Kaiser schonen, seine Wunden verbinden, und warf sich

dann, wie ein erzürnter Löwe, neuerdings auf die Feinde. Auf dem rechten

Flügel, wo Hochberg stritt, erhob sich das Geschrei, »die Feinde

fliehen!« und bald verbreitete es sich durch alle Reihen Rudolphs.

Ottokar wankte einen Augenblick, hieß aber Milota aus dem Nachhalt

vorgeh'n; und als dieser, langgenährter Rache fröhnend, mit den Mährern

und einigen böhmischen Herren, die er gewann, eben jetzt von dem

Schlachtfeld abzog, stürzte er sich in den letzten mörderischen Kampf,

und fiel auch hier, als ein Opfer der Rache, durch die Hand der beiden

Ritter von Meerenberg, mit dreizehn Wunden, ehe der Befehl des Kaisers,

der sein Leben zu schonen geboth, erfüllt werden konnte. Worauf Flucht

und Verwirrung der Böhmen. Der Kaiser ließ zum Rückzug blasen, allein

die Kumanier verfolgten sie, bis die sinkende Nacht dem Würgen ein Ende

machte. Die Schlacht währte nur fünf Stunden, und es sollen auf Ottokars

Seite über 14,000 gefallen seyn. Rudolph hieß seine Leiche sogleich

aufsuchen, nach dem Städtchen Laa, und noch in der Nacht nach Wien

bringen, wo sie anfangs in dem Schotten-Kloster beigesetzt, und dann in

der Kirche der Barfüßer-Mönche öffentlich zur Schau ausgestellt blieb.

Allein, auf die in das Lager gelangte Bitte der Böhmen, stellte er sie

ihnen wieder zu; worauf sie über Znaim nach Prag abgeführt, und in dem,

von ihm erbauten Franciskaner-Kloster königlich zur Erde bestattet ward.

Rudolph hielt in Wien, unter unendlichem Jubel des Volkes, seinen

feierlichen Einzug, und erfüllte bald darauf sein Gelübde, indem er zu

Tuln, zu Ehren des heil. Kreuzes ein adeliges Frauenkloster erbauen

ließ.

[Fussnote A: Bei _+Arenpeck Chron. Austr. ad Annum+ 1278 heißt es_:

+Conveniunt ambo Reges cum exercitibus suis in campis Austriae trans

Danubium apud Weidenbach feria sexta ante Bartholomaei etc.+ Viele

andere wollen, daß die Schlacht sich am 26. August ereignet habe.]

Rudolph von Habsburg: Ein Heldengedicht in zwölf Gesängen. Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (2/3) · 第 7 / 10 题