XI.

Eine Aufregung war im Dorf, kaum weniger groß, als bei der Heimkehr

der Männer. In das stille Thal war's gefallen wie ein Kanonenschuß und

hallte unaufhörlich von allen Ecken und Enden wider: ein Mann, ein

Herr! Ein reicher Herr!

In der Eichelhütte würde er wohnen, die hatte er dem van Beuren

abgekauft. Aber nicht bloß ein paar Jagdtage wollte er da verweilen,

nein, den ganzen Sommer sicher, und vielleicht auch den Winter. Der

Krumscheid hatte es erzählt und sich schmunzelnd dabei die Hände

gerieben; er witterte einen sicheren Verdienst. Denn der Fremde hatte

einen zartrötlichen Hauch auf der Nase, und seine etwas verschwommenen,

blaßblauen Augen blickten gemütlich in die Welt.

Gleich bei der ersten Einkehr hatte der Wirt das nähere und nächste

erfahren. Herr Anton Nikolaus Schmitz, 'Rentner', wie er sich schrieb,

hielt durchaus nicht mit seinen Angelegenheiten hinter'm Berge; er

erzählte gern.

Er stammte aus der Eifel. Als armer Waisenknabe war er ausgewandert

und hatte sich durchgefochten bis unten an den Niederrhein, wo ein

entfernter Verwandter von ihm wohnte; der that ihn zu einem Gerber in

die Lehre. Es glückte ihm; der Lehrling wurde Geselle, der Geselle

Meister -- jetzt paßte bald das Sprichwort:

'Häutchen, wie stinkst du,

Geldchen, wie klingst du!'

Zuletzt hatte er eine große Gerberei in Köln besessen. Aber was sollte

er sich noch länger schinden? Junggeselle war er, nähere Verwandte

hatte er nicht, sein Haar war grau geworden, die Gicht suchte ihn

öfters heim, und der Hals kratzte ihn vom Lohstaub. Jetzt war's Zeit,

sich zur Ruhe zu setzen.

Da meinte der Herr van Beuren, den er beim Frühschoppen in der

'Kevverndoos'[49] kennen gelernt, das grüne Salmthal, das so geschützt

und lieblich zwischen den Bergen läge, das wäre recht der Ort für

so einen. Sie besuchten miteinander die Eichelhütte, und was noch

mächtiger wirkte, als das eifrigste Zureden des Herrn van Beuren, das

war das Heimatsgefühl, das plötzlich in dem geborenen Eifeler erwachte.

--

Nun standen die Fenster der Eichelhütte weit offen, der laue

Frühlingswind durchfächelte die Stuben und spielte mit den großblumigen

Vorhängen des gemütlichen Himmelbetts. Mit allem, was da lag und

stand, hatte der Schmitz das Haus gekauft, von den Geweihen und

rostigen Flinten an den Wänden bis herab zum Wildschweinsfell vor der

Thürschwelle. Er wanderte in seinem doppeltgefütterten Schlafrock, die

lange Pfeife im Mund, von einem Raum in den anderen, trieb freundliche

Scherze mit den Weibern, die da fegten und scheuerten, und fühlte sich

ganz als Herr und Besitzer.

Gestern war er durch's Dorf spaziert und hatte die ausgesucht, die ihm

zur Arbeit am tauglichsten schienen. Alle waren gelaufen gekommen und

hatten sich angeboten, selbst die alte Schneidersch und die kleine

Bill. Die hübschesten waren die tauglichsten; Herr Schmitz hatte sich

schon ein Trüppchen zusammengestellt, da kam die Zeih des Wegs --

Donnerwetter, war das ein Frauenzimmer!

Der alte Junggesell riß seine blauen Äuglein auf. Merkwürdig, Jahre

lang hatte er keine Anfechtung mehr gehabt, nur an seine Häute gedacht

-- Gerberlohe trug ihm die schönste Farbe -- nun blieb sein Blick auf

diesen braunen Flechten haften, die sich so glänzend, zu einem dicken

Nest gesteckt, zeigten. Und ein Fellchen hatte die! Hell und zart, wie

ein junges Kalb.

Machte es die Frühlingsluft, die stark und lebenerweckend von den

Bergen wehte? Machte es der Dunstkreis all des Weibervolks, das sich um

ihn drängte? Herr Schmitz fühlte eine seltsame Unruhe in den Beinen,

das Wasser lief ihm im Mund zusammen.

Das Weiberdorf · 第 37 / 49 题