Linkisch galant zog er die Mütze. »He, junge Frau. Guten Tag!«

Lucia lächelte, daß man all ihre weißen Zähne sah; das leicht

bewegliche Blut schoß ihr in die Wangen, sie waren rot wie reife Äpfel.

'Fett wie ein Hammel,' dachte Schmitz und ließ einen väterlich

wohlwollenden Blick über die junge Frau gleiten; er liebte das

'Völlige'. Wohlbeleibte Menschen waren immer gemütlich im Umgang; er

selbst hatte sich ja auch ein Bäuchlein zugelegt. Ein instinktiver

Selbsterhaltungstrieb zog ihn zu Zeihs angenehmer Fülle, die doppelt

auffiel zwischen den sehnig schlanken, fast hageren Gestalten der

übrigen Weiber.

Das war was für ihn! Die wollte er zur Aufwärterin wählen! Ihr

freundlich heitrer Blick aus klaren, braunen Augen bestärkte ihn noch

darin.

»No, junge Frau,« sagte er, »haben Se et auch als jehört, dat der

Schmitz hier sein Residenz aufschlage will? He? Ich brauch en

Frauensperson, die mer et Bett macht un en Taß Kaffee kocht; ich bin

simpel jewöhnt, aber en Buttel muß se aufziehn können un auch en Spaß

verstehn. Im übrigen hab ich jern mein Ruh.«

Zeih sah ihn mit offnem Mund an; sie verstand den Herrn nicht, aber sie

lächelte.

Sie gefiel ihm immer besser; die anderen waren ihm viel zu geschwind

mit dem Mundwerk, besonders die eine, die junge Schwarze, die sie Tina

nannten und die mit ihren dreisten Blicken unheimlich herumfunkelte.

»No,« sagte er wieder und klopfte Zeih auf die Schulter, »können Sie

bei mer die Aufwartung machen? Wie steht et dermit, he? Oder sind Sie

zu fein derzu?« Jetzt erst war ihm ihr ausgeputztes Kleid aufgefallen,

das handbreit länger war, als die Röcke der anderen.

Die umstehenden Weiber stießen sich an und kicherten halblaut.

»Se es dem Pittchen sein Fra,« rief Tina keck, »dän haot geärwt.

Eweil haot dat Zeih dat Arweiden net mieh nedig. Wann hän net bal

ales versoff haot; dann gieft dat freilich en anner Mod! On wann dän

Oberkailer Schandarm net schplendid --«

»Bis still,« fiel ihr Zeih hastig in's Wort und zupfte sie am Rock.

Und sich mit dunkelrotem Kopf wieder zu dem Herrn wendend, flüsterte

sie schüchtern, die Wimpern gesenkt: »Ech moß erscht dat Pittchen

fraon, hän es e su -- e su -- ech glauwen net, dat dän et gären sieht.«

Zögernd sagte sie es, sie hätte für ihr Leben gern die Aufwartung

übernommen, nicht das Geld war's, das sie lockte -- zu essen und

trinken hatte sie ja -- aber so ein Herr aus der Stadt konnte allerlei

Präsente machen, von denen man hier nichts ahnte. Schade, daß mit dem

Pittchen jetzt so gar nichts anzufangen war! Wie ein Rasender war er

auf und nieder gerannt und hatte geflucht und geschimpft, als er von

dem neuen Besitzer der Eichelhütte gehört hatte.

Mit einem Seufzer schlug sie die Augen auf, die feucht schimmerten.

»Ech därf jao net!«

Mitleidig sah ihr Schmitz nach, als sie mit gesenktem Kopf

davonschritt -- das war ja eine rechte Kreuzträgerin, und so ein

sanftes, kreuzbraves Weibchen! -- -- -- --

Heute, als der Besitzer der Eichelhütte die Schar der fegenden Weiber

besichtigte, bedauerte er wieder auf's neue, die hübsche Zeih nicht

darunter zu sehen. Die hätte gewiß nicht so gepoltert und unbändig

hantiert, sondern so nett gemächlich, wie es einem Mann in seinen

Jahren angenehm war. Fast wollte es ihn bedünken, als trieben die

Weibsbilder ihren Possen mit ihm; die kecke Schwarze, hoch oben auf der

höchsten Leitersprosse, wippte hin und her, daß ihm der Angstschweiß

ausbrach; und die mit den blonden Zöpfen goß ihm einen vollen Eimer

Wasser grade vor den Füßen aus. Er flüchtete vor die Hausthür.

Da stand er nun in seinen grasgrünen Pantoffeln, die Hände in den

Schlafrocktaschen vergraben, einen Shawl um den Hals, mächtige

Tabakwolken in den hellen Morgen hinausqualmend. Mit behaglicher

Rührung musterte er die Umgebung. So waren ihm die Heimatberge mit

ihren runden Buckeln und den daranhängenden, winzigen Äckerchen

manchmal im Traum erschienen! Und dann dachte er an das 'Mus', an

'Kabes met Grombieren on Griewen', die er sich für heut mittag beim

Krumscheid bestellt, und sein Eifeler Magen knurrte in süßer Erinnerung.

Schmunzelnd blickte er die Straße zum Dorf hinunter. Alles ruhig

und friedlich, kein Wagen, kein störender Lärm. Nur eine einsame

Frauengestalt kam des Weges; als diese sich bemerkt sah, zögerte sie

und trat dicht an die Mauer des Kirchhofs heran.

Schmitz ständerte noch ein wenig vor der Hausthür herum und besichtigte

dann seinen Garten. Wenn die hohen Bäume sich erst belaubten, mußten

sie einen köstlichen Schatten geben. Mochte die Sonne noch so brennen,

hier war's angenehm; man konnte eine Hängematte aufhängen und sanft

darin duseln, und dort auf dem grünbemoosten Steintisch mit der

rätselhaften, eingemeißelten Inschrift hielt sich der Moselwein gewiß

kühl.

Sehr befriedigt kehrte er aus dem Garten zurück; da sah er am Gitter

eine Gestalt vorbeischleichen, die jetzt still stand und neugierig

durch die Stäbe lugte. Als er die Brille aus der Tasche gezogen, mit

seinen plumpen Fingern daran gewischt und sie auf die Nase geschoben

hatte, erkannte er die Zeih.

»Sieh ens an!« sagte er erfreut. »Weißt du auch, mein Dochter, dat ich

heut als an dich jedacht hab?!«

Sie stand verlegen lächelnd. Hinter sich her hatte sie ein

Holzwägelchen gezogen; darin saß ein erbärmlicher, kleiner Junge. Er

ließ die Unterlippe hängen, der Sabber lief ihm ununterbrochen aus dem

Mund und vereinte sich mit dem Brünnlein, das aus der Nase quoll, vorn

auf dem Lätzchen.

»Dat es ons Josefche,« sprach die Zeih, als sie den Blick des Herrn

bemerkte.

»So so. Hm hm!« Er konnte seine Verwunderung kaum verbergen -- wie kam

das hübsche, frische Weib zu dem elenden Kind?! Der Vater mußte doch

gar nichts taugen. Die Leute hatten sicher recht, die den Miffert einen

Säufer und Weiberjäger nannten; so allerlei war ihm hintenherum über

den Kerl zu Ohren gekommen. Das arme Weib!

»Kommt doch herein,« sagte er freundlich, öffnete das Gitterthor und

zog selbst das Wägelchen in den Garten.

Schüchtern trat die Zeih ein und ließ ihre Blicke an den hohen Stämmen

hinauf und hinunter gleiten; vor lauter Verlegenheit nahm sie dann das

Josefchen auf den Arm und herzte es.

Das Gesicht des alten Junggesellen trug alle Zeichen der Anteilnahme.

Er klopfte dem Kind die aufgedunsenen Bäckchen und nahm das welke,

blasse Händchen zwischen seine fleischigen, roten Finger. »Du, du, kß,

kß, kß,« machte er und kitzelte es am Hälschen.

Josefchen verzog das Gesicht und fing an zu weinen; es war kein lautes,

kräftiges Schreien, nur ein jämmerliches, dünnes Greinen.

Zeih war heute auch einmal schlechter Stimmung. Als sie das Kind weinen

hörte, zogen sich ihre Mundwinkel abwärts; schon hingen ein paar

Thränen in ihren langen Wimpern.

Mit dem Peter war eben gar kein Aushalt mehr, heut in der Frühe war

er nach Hause gekommen, sternhagelvoll. Gelärmt hatte er nicht, er

war in einem weit schlimmeren Stadium, dem der verbissenen Wut. Sie

traute sich nicht heran; aber nachdem er dann ein paar Stunden fest

geschlafen, glaubte sie ihn in der richtigen Verfassung, um ihr

Anliegen wegen der Aufwartstelle vorzubringen. Aber da kam sie gut an!

Wie ein Verrückter trommelte er mit den Fäusten auf's Bett und schrie

sie an: ob sie denn noch nicht genug an einem hätte? Noch einen neuen

dazu?!

»Nä, nä,« brüllte er, raffte sein Kissen auf und warf es ihr an den

Kopf. »On bei däm Stehler? Mein es dat Schlößche -- mein mußt et sein

-- Stehler! Hal dei Maul!«

Sie wagte gar keine Gegenrede mehr; aber er sprang aus dem Bett, drang

auf sie ein und trommelte mit seinen Fäusten auf ihrem Rücken, wie

vorher auf's Bett.

Das waren die ersten Schläge, die sie von ihm erhielt; und wenn

er auch durch seine Betrunkenheit zu entschuldigen war, übel nahm

sie ihm die Prügel doch. Um sich zu trösten, war sie mit dem

Josefchen herausgebummelt, in der Richtung nach der Eichelhütte.

Eine schmerzliche Neugier trieb sie; vielleicht, daß sie, am Gitter

lauschend, das Gelächter der anderen hören und einen Blick erhaschen

konnte in die ihr verschlossene Herrlichkeit!

»Hei es et schien,« sagte sie und sah sich, mit offnem Munde, staunend

um; noch nie hatte ihr Fuß diesen vornehmen Grund und Boden betreten.

Sie ging wie auf Eiern.

Schmitz fühlte sich sehr geschmeichelt, er führte sie in's Haus -- das

Josefchen konnte derweil draußen im Wägelchen sitzen -- und zeigte ihr

alle Räume. Mit neidischen Blicken glotzten die anderen Weiber; sie

standen nun mit geschürzten Röcken und zerzaustem Haar in Nässe und

Kehricht, und die da wurde herumgeführt, wie eine Dame!

Zeih kostete einen vollen Triumph aus; rasch kehrte ihre gute Laune

zurück, die Augen tanzten ihr ordentlich vor Vergnügen, zärtlich

streichelte sie über den verblichenen grünen Bezug des eingesessenen,

breitlehnigen Sofas. Ihre naive Bewunderung machte dem Alten das

größte Vergnügen. Dadurch wurde es ihm erst so recht klar, was er

doch eigentlich für ein verteufelter Kerl war, solch einen Besitz zu

erstehen. Er fühlte sich ordentlich jung; und als sie in den Keller

hinabstiegen, um den Platz anzusehen, wo das Moselweinfaß liegen

sollte, nahm er auf der dunklen Treppe ihre warme Hand und patschte die

und stieg so flink die steilen, schlüpfrigen Stufen hinab und wieder

hinauf, als wäre er sechzehn und nicht nahe sechzig, und als hätte die

leidige Gicht ihm nie einen Knüppel gegen die Beine geworfen.

Schade, schade, daß er dies Frauenzimmer nicht immer hier haben konnte!

Er fragte sie noch einmal wegen der Aufwartung, und sie berichtete ihm

haarklein den Vorfall des Morgens. Mußte der Miffert ein unangenehmer

Patron sein! Er schimpfte weidlich, und Zeihs Zunge rührte sich auch

munter -- nä, ihr Pittchen war gar nicht mehr kommod; seit der geerbt

hatte, war er alleweil kaprizig![50]

»Von wem hat er denn geerbt?« fragte Schmitz neugierig.

»Dat waaß ech net,« lachte sie. »Mir saon hei: 'Met Schweigen verredt

mer sech net' -- hän saot neist.«

Schmitz sah sie verwundert an.

»Jao, Ihr könnt et glauwen,« fuhr sie wichtig fort, »dat Pittchen, dat

es anen!« Ein geheimer Stolz auf ihren Mann regte sich nun doch in ihr.

»Dän es klug, dän hört dat Gras wachsen. Dän saot neist, wat hän net

saon will; net emaol, wann hän besoff es!«

»So, so.« Das zweifelhafte Lob Pittchens interessierte Herrn Schmitz

weiter nicht, seine Meinung stand einmal fest: ein unangenehmer Patron.

--

Von nun an fühlte es Pittchen, er hatte einen geheimen Widersacher im

Dorf. War es sein schlechtes Gewissen, das ihn so argwöhnisch machte,

oder die Eifersucht, nicht mehr der einzige Hahn im Hühnerhof zu sein?

Wahrhaftig, da brauchte er doch den alten 'Knickstiewel' nicht zu

fürchten, der im warmen Sonnenschein einen dicken Flauschrock trug,

Filzpantoffeln und um den Hals einen doppelten Shawl. Er fühlte einen

unbestimmten Haß gegen den Alten in der Eichelhütte, größeren Haß, als

auf den schönen, jungen Gendarm von Oberkail. Der Schmitz hatte einen

verdammten Blick; sah er nicht den Peter mit seinen Schweinsäuglein so

von der Seite an, als wollte er sagen: 'Ich weiß was' --?

Als Peter den Alten zum ersten Mal in Krumscheids Wirtsstube treten

sah, sprang er aus seiner Ecke auf, scharrte einen Kratzfuß und setzte

sich mit einem: »Met Verlöw!« dem Herrn gegenüber an die Breitseite des

Tisches. Zutraulich fing er eine Unterhaltung an, schwatzte harmlos und

zutäppisch, aber er hatte kein Glück damit. Seine Blicke, die flink und

unruhig umherhuschten, entdeckten keinen Zug des Wohlwollens auf dem

dicken, roten Gesicht gegenüber; Schmitz blieb zugeknöpft, das blühende

Fett der Wangen deckte jede Regung, die schlauen Äuglein verschwanden

ganz in ihren Schlitzchen. Er trank rasch aus, zahlte und ging; Peter

blieb sitzen wie ein Dummer.

Er fluchte in sein Glas hinein, fing an, mit dem Wirt zu krakehlen, und

schimpfte dabei auf, den 'alden Knickstiewel', den 'Kalmäuser', das

'Mastschwein'.

Was die Zeih nur an dem finden konnte?! 'Herr Schmitz' blieb ihr

zweites Wort. Von dem grünen Zitzsofa, über das sie einmal hatte

streicheln dürfen, erzählte sie, als sei es lauter Sammet und Seide.

Ganz beseligt kam sie heim, als der Herr Schmitz sie zur Veilchenzeit

in seinen Garten gerufen und ihr erlaubt hatte, für das Josefchen einen

Strauß Veilchen zu pflücken. Als ob es deren nicht auf der Flur unter

den Hecken weit blauere und duftendere gäbe! Peter riß ihr die Blumen

aus der Hand, zertrat sie und visitierte ihr dann die Tasche -- hatte

sie nicht noch was Anderes geschenkt bekommen?

Er glaubte ihr nicht, als sie beteuerte: »Nor Veilcher, su waohr ech

läwen, nor Veilcher!« Er riß ihr den Rock aus den Falten, kehrte alles

an ihr um und um, und als er nichts fand, schlug er sie.

Sie heulte, daß die Wände widerhallten; er schrie und lärmte wie

besessen. Zuletzt versöhnten sie sich wieder. Noch einmal schien in

Peter das frühere Pittchen zu erwachen; er schlug sich mit der Faust

vor die Stirn, nannte sich einen 'Wuodeswoor'[51], umarmte die Zeih,

bat ihr kläglich ab und küßte sie wild. Schnell versöhnt, gab sie seine

Küsse zurück; einander herzend und drückend, verabredeten sie auf den

nächsten Tag, den Jahrmarkt in Wittlich zu besuchen.

Zeih träumte die Nacht von einem Karrussel, von Buden mit allerhand

Herrlichkeiten, vom Oberkailer und von Herrn Schmitz, während Pittchen,

den Arm um ihre Schultern gelegt, mit brennenden Augen in's Dunkel

starrte und den Schlaf nicht finden konnte.

So jämmerlich hatte er sich noch nie gefühlt. War er denn krank? Wohl

zitterten seine Hände, wenn er ein Glas zum Munde führte, seine Beine

waren oft wie abgeschlagen; aber krank, nein, krank war er nicht. Im

Dunkel streckte er den Arm aus -- mager aber sehnig! Seine Finger

spreizten sich -- war das nicht eine Hand, recht gemacht, den Thaler

auf den Tisch zu schleudern und danach aufzuschlagen, daß Flaschen und

Gläser hoch sprangen? Wenn er nur mehr Freude davon hätte!

Freude -- -- --?! Er unterdrückte ein Hohnlachen; bei allem, was er

that, schlich ja etwas um ihn herum und tuschelte ihm in die Ohren,

legte eine Hand auf seine Brust und drückte ihn da, daß er nicht frei

atmen konnte.

Jüngst war er mit der Tina in der Sonntagnacht spät heimgekehrt; die

Arme umeinander geschlungen, schlenderten sie durch den Kunowald. Im

tiefsten Dunkel zog sie ihn auf's Moos; da zitterte plötzlich ein

Mondstrahl durch's dichte Geäst, mitten auf ihr lachendes Gesicht.

Es verzerrte sich zusehends zu einer Grimasse, die dunklen Augen

schimmerten in grünlichem Licht, die weißen Zähne fletschten, als

wollten sie ihn beißen. Mit einem Fluch hatte er sich losgerissen. Und

da stand der Mond plötzlich in einer Lücke zwischen den Tannen und

grinste über das ganze, volle Gesicht. Und den ganzen Weg ging er mit,

und über Eifelschmitt blieb er stehen mit seinem verdammten Grinsen und

wankte und wich nicht. Accurat so lachte der Schmitz.

In Peter war der Wunsch aufgestiegen, sich einer Seele anzuvertrauen.

Ein paarmal war er wieder auf den Gräbern seiner Eltern gewesen, aber

keine Stimme aus der Tiefe hatte ihm zugesprochen; vielleicht, daß sie

böse waren, weil noch kein Denkstein stand. Aber so rasch ging das

doch nicht. Alle Tage konnte er nicht einen harten Thaler wechseln, so

dumm waren die Bäuerlein am Ende auch nicht; und seit der Schmitz, der

Schlauberger, in Eifelschmitt hockte, war ihm ein Aufpasser gesetzt.

Einen immer weiteren Kreis mußte er auf seinen Wanderungen beschreiben.

Wenn er sich der Tina anvertraute! Die war schlau. Wenn er mit der

Halbpart machte! Rasch kam ihm der Gedanke, wie eine Erlösung -- nur

nicht allein sein mit der Angst! -- aber ebenso rasch verwarf er ihn

wieder.

'Weiber haon lange Röck,

Äwer en korzen Verstand', --

nein, das durfte er nicht wagen! Und zudem noch Halbpart machen?! Er

hatte ja für sich selber nicht genug; wie Butter unter der Sonne,

so zerrann ihm das Geld unter den Fingern, er wußte nicht, wo's

hinschwamm. Die Hütte war kahl, nach wie vor; und wenn sie auch

nicht mehr hungerten, ein Hundeleben blieb's doch. Zumal jetzt, wo

er dem Frieden nicht recht traute war's oft knapp. Und diese zerrte

an ihm, und jene; die zog ihn hier, und die dort -- das mußte ein

unversiegbarer Bronn sein, aus dem sie alle schöpfen konnten.

Eine gewaltige Erschütterung kam über Peter, eine Todesmattigkeit. Der

Kopf sank ihm vornüber, er hätte sich gern aufgerichtet, es war ihm

beklommen; aber er konnte nicht, sein Rücken war so schwach, als sei

kein Mark mehr darin.

Das Weiberdorf · 第 38 / 49 题