Zuletzt hing sie sich dem Peter an den Rockschoß. --

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Die letzten Lichter von Oberkail schimmerten wie vereinzelte

Glühwürmchen durch die Finsternis, als die Eifelschmitter heimkehrten.

Es war spät, gegen Mitternacht, und noch hatten sie eine gute Stunde

Wegs.

Ihre Gesichter glühten trotz des scharfen Bergwindes, der die Haut

schnitt wie mit Messern; ihre Kleider blähten sich, flatternd gleich

Fledermausflügeln. Irgend jemand trug eine Laterne, aber sie löschte

bald aus; nur der Mond, der für Augenblicke zwischen jagenden Wolken

hervorlugte, zeigte den Weg. Er war ein sehr unsicherer Führer -- jetzt

verschwand er ganz; mit Gekreisch drängten sich die Weiber in der

tiefen Dunkelheit um Pittchen. Wohin der tappte, weiche Leiber.

Das war ein 'Jux' gewesen zu Oberkail!

Als der Peter mit seiner Eskorte angekommen war, tanzten sie schon;

mitten im dicksten Knäuel drehte sich die Zeih. Sobald sie ihren Mann

erblickte, ließ sie ihren Tänzer, den Gendarmen, stehen und lief

lachend auf Pittchen zu. Dieser aber that patzig, sah sie gar nicht

an und tanzte los mit einem herausfordernden Trotz. Und als er gar

Apfelwein kommen ließ und die Eifelschmitter Damen traktierte, war er

König des Tanzbodens; die dummen Bauernburschen von Oberkail trauten

sich ihm nicht in's Gehege, von denen hatte ohnehin jeder sein Mädchen

mitgebracht.

Lustig, lustig! So toll hatte es der Peter noch nie getrieben; sein

lahmes Bein schien vergessen, er sprang wie ein jähriges Kalb, immer

gab ihm was inwendig einen Peitschenschlag: »Hü, hott, trab, trab!«

Gestachelt durch Eifersucht, geschmeichelt von der Bewunderung, gejagt

von -- was war es nur, das ihn so hetzte?!

Er schwang die Tina und die Leis, er schwang die Vrun und die Traut --

alle. Erst gab es ihm einen schmerzhaften Stich, wenn er sah, wie der

Gendarm und die Zeih sich gar nicht losließen; dann ging alles unter in

einem wilden Dusel.

Der letzte Groschen von dem Vorschuß, den er vom geistlichen Herrn auf

seine Arbeit erbeten, war verjubelt; was kümmerte es ihn, er schrie

immer weiter nach Bier, Schnaps und Wein und ließ es auf Rechnung

schreiben.

Jede drängte sich dazu, mit ihm zu tanzen; jeder mußte er zutrinken.

Rechts hatte er die Tina neben sich, um den Platz an seiner Linken

stritten sich Vrun und Leis erbittert mit der Traut; zuletzt wurden sie

dahin einig, sie saßen nacheinander ihre Zeit ab. Sie schmeichelten ihm

alle, er that mit jeder schön; zuletzt konnte er sie nicht mehr von

einander unterscheiden. Keine nahm's ihm übel, sie waren schon alle

halbvoll.

Billa war zuerst abgefallen. Sie fing plötzlich, mitten im Lachen,

laut an zu weinen, legte den Kopf auf den Tisch und schluchzte, daß es

sie stieß. Als jemand nach einer Weile sie aufrichten wollte, sank sie

wieder schwer vornüber; sie schlief fest, unbekümmert um das dröhnende

Gelächter der andren und das Gedudel der Musik.

Pittchens Augen starrten trüb und glasig, wie die eines toten

Schellfisches. Er sah nicht mehr, daß der schöne Gendarm drüben mit

Zeih in einer Ecke saß und ihr Wein und Kuchen bestellt hatte; er

merkte nicht, daß sie miteinander verschwanden.

Er riß unflätige Witze, lachte, schlug auf den Tisch, drückte jetzt

die, dann die, und wurde zuletzt windelweich.

Sie hielten ihn umstellt, wie ein Rudel ausgehungerter Wölfe den

waidwunden Bracken; ihre Augen glänzten und glitzerten, sie maßen sich

untereinander mit Raubtierblicken -- wem fiel er zu? Dumpf knurrend

zeigten sie sich die Zähne.

Der Kampf des Abends wurde auf der mitternächtigen Straße fortgesetzt.

In der schwarzen Finsternis gab es heimliche Tritte und Püffe, alles

still, ohne Laut. Jede suchte die neben sich von Pittchen weg zu

drängen und allein was von ihm zu erhaschen; sie warfen ihn fast um.

Peter war schwer betrunken. Er war kein Gewohnheitssäufer, es war

zu zählen, wie oft er in seinem fünfunddreißigjährigen Leben bezecht

gewesen; aber in letzter Zeit warfen ihn schon ein paar Gläser um, er

goß sie zu aufgeregt, zu hastig hinunter.

Willenlos ließ er sich von den Weibern schieben und zerren; wie ein

unlöslicher Klumpen hingen sie dicht um ihn geballt. So kamen sie

langsam voran.

Nun zeigte sich wieder einmal der Mond -- da fiel's der Tina auf, die

Bill fehlte. Richtig, die hatten sie oben vergessen im Tanzsaal. Da

lag sie auf der Ofenbank wie eine Tote, mit wirrem Haar, die Kleider

halbgelöst um den noch kindlich hagren Körper; die Bauernburschen

standen darum her, glotzten und machten ihre Scherze.

Auch das Hubertche war abhanden gekommen; das schlief wohl auch

in irgend einem Winkel. Niemand beunruhigte sich wegen der

zurückgebliebenen Kinder.

Ganz zurück in der Ferne zeigte sich ein wanderndes rötliches

Pünktchen, das war die Laterne, die der Gendarm trug; er gab

seiner Liebsten bis Schwarzenborn das Geleit. Sie verabredeten ein

Stelldichein am nächsten Tage, dann ließ sich Zeih einen zärtlichen

Abschied gefallen und bedankte sich vielmals 'für alles Pläsir.'

Noch ein Kuß. Dann rief sie laut nach ihrem Mann, daß es durch die

Nacht gellte, und stolperte, so rasch sie konnte, den Vorangegangnen

nach. --

Ein Ungeheuer, vielfüßig vielköpfig, schiebt sich langsam die

Weiberschar bergab. Sie hat den Weg verloren.

Über Gestein und Geröll, durch Acker und Gestrüpp, ohne Pfad wälzt

sie sich zu Thal, mitfortreißend, was nicht Kraft hat, sich zu wehren.

Einer Lawine gleich, die verheert und zerstört; furchtbar in fühlloser

Lebendigkeit, unheimlich in unerbittlichem Vorrücken, todbringend in

grausamer Geschlossenheit.

Das Weiberdorf · 第 29 / 49 题