»Geschenkt kritt?« wiederholte er. »Von deim Tant doch sicher net; on
dein Modder haot sälwer neist!« Er sah sie lauernd von der Seite an.
»Olau, von dänen -- nä!« Nun lachte sie, daß sie sich schüttelte. »Von
dänen, su ebbes Schienes?! Hahahaha!«
»Von wäm dann?« fuhr er sie an.
»Olau, dau domm Pittchen,« -- noch immer lachend stieß sie es heraus
-- »von dem Hähr Reisenden, von dem freindlichen Hähr! Von wem
annerschter?!«
»Biste doll?!« Er sprang auf sie zu wie ein Rasender und riß ihr die
Schürze vom Leib. »Gief her!«
Das Lachen verging ihr, jammernd suchte sie ihm die Schürze wieder zu
entreißen. »Mein Schörz, Pittchen! Mein Schörz, mein schien Schörz!«
»Dän Lappen, dän Dreck!« Er knäulte die Seide zusammen und schmiß sie
hin; auf dem roten Rock trampelte er herum. »Onnerstieh dech noch ehs
-- ebbes aanzonähmen von Hähren, von fremde Hähren! Ech schlaon dem
Kerl ale Rippen im Leiw dorch, ech schlaon hän kapores, ech schlaon
hän dud. -- Dau Mensch, dau lidderlich Mensch, wat haot hän dafor
gekritt? Saog!« In seiner Wut gab er ihr einen Stoß, daß sie zu ihren
mißhandelten Schätzen auf's Moos niederfiel. »Saog de Waohrhaat --
lüg net! Wat haot hän dafor gekritt?!« Er schrie; unter den schweren
Augenlidern sah er sie durchbohrend an mit stechenden, gefährlichen
Blicken.
Sie suchte die Geschenke zusammenzuraffen; er schleuderte sie in weitem
Bogen auf die schmutzige Straße.
»Wat haot hän dafor gekritt -- willste't nau saon?!«
»E Küßche,« wimmerte sie, »nor en anzig Küßche. For den Rock zwaa --
for de Schörz ans -- nä, aach zwaa! Föhrwaohr on enklich, ech saon de
Waohrhaat. -- Pittchen, Pittchen!« Sie hatte Angst bekommen.
»Neist mieh? Lüg net!« Er knirschte mit den Zähnen. »Dau kömmst
net labendig hei aus em Wald, wannste net de Waohrhaat saost. Ech
raoten der!« Er hob die Faust, jede Muskel seines hagren Körpers war
angespannt; er war nicht so groß und kräftig gebaut wie seine Frau,
aber in diesem Augenblick erschien er ihr wie ein Riese.
»Hän haot mech uf dän Schoß geholt,« stotterte sie scheu. »Hän haot
dat Josefche hinnen in et Chaische gelät. Hän saot, hän wollt mer
noch ebbes vill Schieneres metbringen, wann hän dat nächste Maol nao
Eifelschmitt käm. -- O mein Schörz! Mein rot Röckche! Mein schien
Schörz!«
Die Thränen liefen ihr stromweis über die blühenden Wangen, jammernd
rang sie die Hände: »Ech arm Dier! Hätten ech dech nie geheiraod!
Hätten ech uf mein Vadder sälig geheert! Ech konnten en annern kriehn!
Duh sitzen ech eweil zo Eifelschmitt in dem dreckige Loch -- ke Gäld --
ken Penning -- mer waaß oft net, wat mer äßen soll -- dän Mahn stiehlt
onsem Hährgott dän Dag ahf -- im Winter friert mer sech zo Schannen --
im Sommer haot mer net emaol en anstännig Kleid, om uf de Kirmes zo
giehn! Hei dat Fähnche« -- sie hob ihr verschossenes, an allen Enden
zu knappes Kleid in die Höhe -- »dat dragen ech schuns e su lang mir
verheiraod sein -- zwaa Jaohr! On im Dienst zo Manderscheid haon ech
et aach als drei Jaohr gehatt. Mer moß sech schämen for de Leit!« Das
Schluchzen erstickte sie fast: »Ech arm -- arm Dier -- ech deierlich
Fra!« Sie warf sich ihren Kleiderrock über den Kopf und saß nun ganz
vermummt.
Das Kind auf Pittchens Arm fing kläglich an zu schreien; er warf es der
Mutter in den Schoß: »Dao lieg, dau Bankert!«
Aber gleich darauf packte ihn die Reue; sie schluchzte so herzbrechend,
so hatte er sie noch nie gesehen. Sonst war sie immer fröhlich. Die
hörte wohl nie mehr zu weinen auf!
Und hatte sie nicht recht, ging's ihnen nicht erbärmlich genug? Hatte
er ihr nichts Besseres versprochen, als er die schöne, lustige Zeih
freite?! Er stand betroffen.
»Zeih,« sagte er sanfter, und dann räusperte er sich. »Zeih!«
Wenn sie ihn auch nicht sah, nun wußte sie doch, woran sie war;
sie schluchzte jetzt noch jämmerlicher und krümmte sich wie in
unerträglichen Schmerzen.
»Zeih,« sagte er ganz kleinlaut und zog ihr den Rock vom Kopf.
Sie sah ihn gar nicht an, nahm das Kind in den Arm und herzte es unter
Thränen: »O dau mein Josefche, mein arm Josefche.« Sie küßte es mit
stürmischer Zärtlichkeit. Der Hut war ihr vom Kopf geglitten, das Haar
hing ihr lang und wellig an den Schläfen nieder, ihr lieblicher Mund
zuckte wie bei einem Kind, das sich ausgeweint hat und dem nur noch
stoßweise ein letztes Schluchzen kommt. Die Lider hielt sie beharrlich
gesenkt, ihr Blick ruhte auf dem Kinde; die goldig-braunen Wimpern
lagen auf den schwellenden Wangen, die die Sommersonne nicht verbrannt,
nur mit einem pfirsichähnlichen Anhauch überzogen hatte.
Keine war doch so hübsch wie sie -- und alleweil so fidel!
Peter sah unverwandt auf sie nieder. »Haste de Waohrhaat gesaot, Zeih?
Schwör! Beim Josefche bei!« Er legte die Hand auf das Kind.