Aber nie werden diese Saiten, von ihren Fingern belebt, wieder eines
Menschen Ohr erfreuen, einem Herzen Wonne und harmonische Gefühle
mittheilen. Und -- darum -- wie gesagt, ist’s alles eins. Zum Karnevall
soll’s lustig zugehen in der Residenz; Trompeten und Pauken sollen
-- möchte ich mit Hamlet ausrufen -- in kreischenden Tönen die
erlauchte Begebenheit verkünden: daß der Fürst, als Schwiegerpapa einer
Königstochter, sich einen Freudenrausch trinkt!
Ich werde, fern von Deutschland, dem edlen Sohn Glück wünschen, daß er
seinem Vater den Freudentrunk zu reichen, groß und entschlossen genug
war!
Es mag schön klingen -- aber mir wird jeder solcher Wünsche ein Mißlaut
seyn. -- Wann reisen Sie?
In wenigen Wochen; Georg begleitet mich.
Auch dieser? -- Nun gut, selbst der geringste Schatten aus meiner
glücklichen Vergangenheit fliehet!
Mathilde brachte den übrigen Theil der Nacht ebenfalls schlaflos hin.
Karolinens und Hochburgs Thränen hatten sich mit den ihrigen vereint;
gleiches Gefühl ihres Verlusts brachte während den wenigen Stunden
die Gemüther näher, als es in fröhlichen Zeiten kaum Monathe vermocht
hätten.
Mein unglücklicher Vetter! flüsterte Fräulein von Elfen der Prinzessin
zu. -- Unaussprechlich ist sein Jammer -- ihn erneuern wird meine
Verbindung mit Graf Wallersee; denn auch seine Vermählung mit Adelaiden
sollte mit der unsrigen an einem Tage vollzogen werden.
Er muß dieser Feierlichkeit ausweichen, antwortete Mathilde. Ueberhaupt
wäre Beschäftigung, Zerstreuung das heilsamste für ihn. Wir wollen ihn
dieser Einsamkeit entziehen --
Das wäre Wohlthat für den armen Julius, meinte Karoline.
Und als wohlthätige Absicht wenigstens nahm Graf Hochburg die
schmeichelhafte Einladung Mathildens auf; in den nächsten acht Tagen
trieb ihn sein rastloser Schmerz der Freundin seiner Adelaide, der
Genossin des Trauerbundes, nach in die Residenz.
* * * * *
Still wie in dem Kloster La Trappe war es jetzt in Wallersee. Zynthio
traf Reiseanstalten, er mußte für seine Gefährten mit denken, denn
Georg und Betty schlichen traurig ab und zu; ihnen war eine Zeichnung
von Adelaidens schöpferischen Händen -- eine Blumenguirlande, so
diese in ihren Haaren getragen, eine ihrer Lieblingscompositionen
für Guitarre oder Pianoforte das wichtigste, was sie als Erbstücke
mitzunehmen und sorgfältig einzupacken würdig erachteten. Schon war
der Tag ihrer Abreise festgesetzt, als Georg eines Abends athemlos und
zitternd in seines Freundes Zimmer stürzte. Adelaidens Geist! rief er
-- oder mich täuscht ein Blendwerk der Hölle. Er riß Zynthio mit sich
nach dem untern Stockwerk, wo er die Erscheinung gehabt --
Ist’s möglich? rief Zynthio, als er die Fremden erblickte -- Wen sehe
ich? --
Ihre Schwester Seraphine, Signor Camillo! -- sagte Graf Bendheim. Ich
bedaure! ich glaubte Freude zu bringen, und finde ein Haus der Trauer.
Verzeihen Sie, Herr Graf, wenn ich überzeugt bin, daß Sie ein Haus des
Friedens in Trauer und Verwirrung zu versetzen hofften. Sie sehen, Ihre
Absicht ist vereitelt, der Zweck Ihrer Reise nach Italien verfehlt, und
Sie geben mir wirklich, gegen Ihren Willen, den Trost, eine geliebte
mir anvertraute Schwester früher wieder zu finden, als ich hoffen
durfte, nachdem ich die Andere verlor! -- Und wer ist ihre zweite
Begleiterin? --
Zynthio! Kennst du mich nicht mehr? -- Aloyse Prospero!
Zynthio lag in den Armen seiner Schwester und ihrer mütterlichen
Freundin. Wirklich, Herr Graf! Sie haben weder Aufwand noch Mühe
gespart, in dies Haus der Trauer Freude zu locken. Möchte Ihnen das
Bewußtseyn genügen, daß es Ihnen gelungen ist! -- Georg, du meldest
wohl den Herrn Grafen bei dem Herrn des Hauses --
Der ist? -- frage Bendheim gespannt.
Graf Theodor von Wallersee.
Wir sind -- ich möchte ihn belästigen -- Sie haben ja einen guten
Gasthof im Orte. Morgen mit dem frühesten reise ich wieder ab.
Ich habe das Meinige gethan, und bin belohnt, daß ich mit dieser
Ueberraschung Ihren Dank verdient habe -- sagte in verbißnem Grimm der
Ueberraschende, schüttelte den Staub von seinen Füßen, und zog wieder
von dannen.
So wurden wir getäuscht? fragte Signora Prospero. -- Er meldete sich
als Bevollmächtigter der Gräfin, welche Seraphinen bei sich zu haben
wünschte, und als ihres Gemahls Tochter anerkannte. Er legitimirte sich
durch Briefe, selbst an Seraphinen hatte die Generalin geschrieben.